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4,4 von 5 Sternen
Der neue Tugendterror: Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Oktober 2014
Endlich mal jemand, der sich traut, die unbequeme Wahrheit auszusprechen. Ich habe schon selbst oft erlebt, dass die im Grundgesetz verankerte Meinungsfreiheit in der Praxis doch leider enge Grenzen hat. Sarrazin stellt nicht einfach bloße Behauptungen auf, sondern untermauert seine Argumentation mit zahlreichen parallelen Aussagen wissenschaftlich anerkannter Philosophen und Geisteswissenschaftler. Ein Buch, dass der im Gros linksstehenden deutschen Presse nicht gefallen wird, dem aufgeklärten Selbstdenker aber umso mehr.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. April 2014
Thilo Sarrazin spricht die Dinge an, die hier in Deutschland im Argen liegen. Insbesondere was die Meinungsfreiheit, die angebliche Pressefreiheit und die Freiheit des Denkens betrifft. Er trifft sie auf den Punkt und drückt das konkret und treffsicher aus, was mir vielfach schwerfällt in Worte zu fassen.
Und er gibt mir das Gefühl, dass ich nicht der Einzige hier in Deutschland bin, der sich ernsthaft und ehrlich um unser Land sorgt und die Nase gestrichen voll hat von der suggestiv-aggressiven Meinungsbildungsdoktrin der Phalanx weniger Politiker und Journalisten, die sich unterwürfig und einschleimend mit Geld und politisch korrekten, aber sachlich oft falschen Presseinformationen die Duldung durch die Deutschland-Hasser erkaufen wollen.
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307 von 353 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 50 REZENSENTam 22. Februar 2014
Zunächst mal Grundsätzliches zu meiner Rezension. Ich möchte mich meinungsmäßig weitgehend zurücknehmen und vor allem Thilo Sarrazin selbst sprechen lassen. Und so sehe ich den Zweck meiner Rezension weniger als weiteren Beitrag der Meinungsäußerung (Pro oder Contra zu den Sarrazin-Thesen), sondern eher als Angebot an Leser, die die wichtigsten Themen und Positionen im Buch kennenlernen möchten, um sich dann selbst ein Urteil zu bilden.

Das erste Kapitel startet mit einer grundsätzlichen Betrachtung der Bestimmungsgründe und Grenzen von Meinungsfreiheit. Im zweiten Kapitel wendet Sarrazin diese Erkenntnisse als Fallstudie bei sich selbst an. Er beschreibt also, welchen Furor sein Buch von 2010 "Deutschland schafft sich ab" bei den Medien, der Politik und der Gesellschaft insgesamt auslösten. Im dritten Kapitel beschreibt er, in welchem sozialen Umfeld Meinungen entstehen und was das für die Meinungsfreiheit bedeutet. Es werden hier z.B. solche Begriffe wie Tabu oder Schweigespirale behandelt. Im vierten Kapitel wird beschrieben, welche Bedeutung die Sprache bei der Meinungsbildung, und speziell bezogen auf das Buch, für den sogenannten Tugendterror spielt. Hier kommen dann auch solche Themen wie Geschlechterbeziehung (Mann/Frau sowie gleichgeschlechtlich) zur Sprache, aber auch sogenannte "Unwörter" wie "Wirtschaftsflüchtling". Im fünften Kapitel geht es um die Geschichte des sogenannten Tugendterrors. Dieses Kapitel ist aus meiner Sicht schon recht wissenschaftlich, weil Sarrazin tief in die Historie greift und dabei solche Ereignisse wie Christianisierung, Inquisition oder französische Revolution streift.

Nun zum sechsten, längsten und wohl brisantesten Kapitel mit dem Titel "Vierzehn Axiome des Tugendwahns im Deutschland der Gegenwart". Es werden also 14 Themen darin zur Diskussion gebracht, die derzeit in Deutschland besonders heftig debattiert werden. Das Besondere im Buch ist, dass der Autor jeweils eine These (im Buch Postulat genannt) und eine Gegenthese (im Buch Wirklichkeit genannt) anbietet. In der These (Postulat) greift er praktisch die Argumente der Gegenseite (also sozusagen der "Tugendwächter") auf und versucht die Sache aus deren Sicht zu sehen. In der Gegenthese (Wirklichkeit) bringt er dann seine eigenen Argumente und versucht, die der Gegenseite zu entkräften. Dieses fiktive Streitgespräch ist sehr spannend zu lesen, wie ich finde - egal zu welcher Seite man persönlich neigt. An meinen Beispielen wird man das hoffentlich sehen. Natürlich mag es erstmal anmaßend klingen, wenn Thilo Sarrazin seine Argumente als die Wirklichkeit tituliert. Aber erstens wirken sie aus meiner Sicht immerhin valide und nachvollziehbar, zweitens reklamiert Sarrazin keineswegs einen "Alleinvertretungsanspruch" auf die Wahrheit. Zitat: "Urteilen soll der Leser und für sich entscheiden, welche Position ihn jeweils mehr überzeugt". Wie bereits oben erwähnt, möchte auch ich als Rezensent dieser Maxime folgen, mich meinungsmäßig zurücknehmen und die anderen Leser entscheiden lassen, was für sie am glaubwürdigsten erscheint. DESHALB SIND DIE NACHFOLGENDEN ABSÄTZE AUSSCHLIESSLICH ZITATE AUS DEM BUCH. Auch die großgeschriebenen Überschriften stammen nicht von mir, oder geben gar meine Meinung wieder, sondern wurden original von Herrn Sarrazin gewählt. Mein eigener Beitrag besteht lediglich darin, dass ich natürlich eine subjektive Auswahl treffen musste, welche Axiome (ich habe 2 ausgewählt) und welche Aussagen hinsichtlich These und Gegenthese ich besonders interessant fand.

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ALLE MENSCHEN AUF DER WELT HABEN NICHT NUR GLEICHE RECHTE, SONDERN SIE SIND AUCH GLEICH UND SIE SOLLTEN EIGENTLICH ALLE EINEN ANSPRUCH AUF DIE GRUNDSICHERUNG DES DEUTSCHEN SOZIALSTAATES HABEN

DAS POSTULAT
Zu Unrecht haben die kapitalistischen Industriestaaten einen Großteil der Reichtümer der Welt an sich gerafft. Auf die staatliche Grundsicherung in Deutschland sollten grundsätzlich alle Bedürftigen in der Welt einen Anspruch haben, das ist ein moralisches Gebot. Wer immer es nach Deutschland schafft, aus welchen Gründen und auf welchem Wege auch immer, sollte in den vollen Genuss der Leistungen des deutschen Sozialstaates kommen. So können wir wenigstens einen Teil des Unrechts wieder gutmachen, das unser ausbeuterisches, verschwenderisches Wirtschaftssystem an der Welt begangen hat. Und wir in Deutschland werden im besonderen Maße davon profitieren, weil der sowieso nötige kulturelle und demografische Wandel damit beschleunigt wird.

DIE WIKLICHKEIT
Jedes Land hat grundsätzlich das Recht, Einwanderung nach seinen eigenen Bedürfnissen zu steuern. Wenn es wie Japan oder China Einwanderung ablehnt, ist es auch in Ordnung. Politisches Asyl ist grundsätzlich human und erfreulich. Aber Armut allein kann kein Asylgrund sein. Menschen, die die Grenzen Deutschlands und der EU erreicht haben und Aufnahme begehren, sollten grundsätzlich nicht anders behandelt werden, als die Milliarden in der Welt, die diese Grenzen nicht erreicht haben oder gleich in ihrer Heimat geblieben sind. Die Aufnahme von Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland und Europa wollen, sollte sich auch nach wirtschaftlichen Kriterien richten. Es ist nämlich für Deutschland und Europa ohnehin nicht möglich, durch die Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen die Not in den Auswanderungsländern fühlbar zu lindern. Allein in Afrika werden jedes Jahr fünfmal so viele Kinder geboren wie in ganz Europa und die Geburtenrate ist dreimal so hoch. Nähme Europa davon nur jeden Fünften auf, so wäre es in wenigen Jahrzehnten afrikanisch - ohne dass sich damit die Verhältnisse in Afrika maßgeblich verbessert hätten.

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KINDER SIND PRIVATSACHE, EINWANDERUNG LÖST ALLE WESENTLICHEN DEMOGRAFISCHEN PROBLEME

DAS POSTULAT
Jährlich werden in der Welt 140 Millionen Kinder geboren, davon allein 40 Millionen in Afrika und im westlichen Asien. Moralisch gesehen - im Sinne der Gleichheit vor der Natur und vor Gott - hat jeder von ihnen dasselbe Anrecht auf unseren Wohlstand, wie die 670 000 Neugeborenen, die zufällig jährlich in Deutschland zur Welt kommen. Wenn man nur eine ausreichend liberale Einwanderungspolitik betreibt, ist es möglich, unser jährliches demografisches Defizit von 300 000 bis 500 000 durch Zuwanderung auszugleichen. Der Vielfalt in Deutschland kann das nur guttun, und Vielfalt ist doch ein Eigenwert. Das so entstehende künftige Deutschland wird viel interessanter und bunter sein und sich viel besser in die Zukunft einfügen, als wenn bei uns nur Bio-Deutsche leben.

DIE WIRKLICHKEIT
In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird es immer weniger gelingen, die quantitative und qualitative Lücke zwischen Angebot und Bedarf auf dem Arbeitsmarkt zu füllen. Nicht nur gehen künftig jedes Jahr etwa ein Drittel mehr Menschen in den Ruhestand, als neu in Erwerbsleben eintreten. Unter den neu Eintretenden sinken das durchschnittliche Qualifikationsniveau und die absolute Zahl an Hochqualifizierten, während gleichzeitig der Anteil jener zunimmt, die auch Grundfertigkeiten kaum beherrschen. Das Bemühen, durch Senkung der Bildungsstandards gegenzusteuern, zieht auch die Leistungsstarken mit nach unten. Nur kurzfristig schafft die Euro-Krise eine Atempause, weil gegenwärtig viele Arbeitnehmer aus den Krisenstaaten kommen. Diese Länder haben aber alle ein ähnliches demografisches Problem wie wir, und die Wanderungsströme werden sich wieder umkehren, wenn es diesen Ländern wieder besser geht. Dann verbleibt nur die Einwanderung aus der Türkei, Afrika, Nah- und Mittelost, die aber aufgrund der kulturellen Disparitäten das Qualifikationsproblem vergrößert, statt es zu reduzieren. Im wachsenden Umfang werden künftig die Menschen fehlen, die auf qualifizierte Arbeitsplätze nachrücken können. Deshalb ist jetzt schon der Zeitpunkt absehbar, und ist maximal noch 25 Jahre entfernt, an dem Deutschland trotz steigender Abgabenlast weder sein Sozialleistungsniveau aufrechterhalten, noch sein Rentenniveau sichern kann.

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GESAMTFAZIT ZUM BUCH

Aus meiner Sicht geht es nicht vorrangig darum, wer wieviel Recht hat. Wie in dem Buch und hoffentlich auch in meiner Rezension deutlich wird, gibt es immer Argumente für oder gegen etwas, die Wahrheit ist meist etwas sperrig. Und Herr Sarrazin hat natürlich auch keine Patentlösungen für alle Fragen anzubieten - das ist schon klar. Entscheidend aber ist, dass man über wichtige Themen (etwa die von mir erwähnten, wie Einwanderung oder Demografie) überhaupt redet und die dringend notwendige Diskussion darüber nicht mit Denkverboten und Tabus von vornherein erstickt. Und dass hierzu wirklich eine offene, sachliche Debatte notwendig ist, wird wohl keiner bestreiten wollen. Thilo Sarrazin hat mit seinem Buch zumindest einen wertvollen Beitrag dafür gebracht. Lassen wir ihn deshalb selbst das Schlusswort halten, dem ich mich als Rezensent anschließen kann und möchte: "Gesellschaften, die ein Übermaß an Denkverboten praktizieren, behindern ihre eigene Entwicklung. Der Aufstieg des westlichen Abendlandes wurde ermöglicht durch die Freiheit des Denkens, das seit der frühen Renaissance um sich griff. Wenn der implizierte gesellschaftliche Konsens die Grenzen der Meinungsfreiheit verengt, dann verengt er gleichzeitig die Grenzen des Denkens und hemmt damit die gesellschaftliche Entwicklung".
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80 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
...und finde es sehr gut. Ich kann meine Meinung, im Gegensatz zu den negativen Bewertung, begründen: Thilo Sarrazin hat einen, für mich, sehr angenehmen Schreibstil. Dabei gefällt mir besonders der Aufbau des Buches. Schritt für Schritt widerlegt er die Aussagen seiner größten "Kritiker". Das Wort "Kritiker" setze ich hier einmal in Anführungszeichen, da die meisten falsche Zitate und Falschaussagen im Zusammenhang mit "Deutschland schafft sich ab" getätigt haben.

Ich verstehe außerdem nicht, weshalb ihm vorgeworfen wird, daß er nur Geld verdienen möchte. Diese Aussage spricht er im Buch auch an.

Besonders beeindruckt hat mich die Fülle an Zitaten. Die reichen von Schopenhauer, über de Tocqueville, bis hin zu Goethe.

Bemerken möchte ich noch, daß die kürzlich stattfindende Lesung Sarrazins, von Linksextremisten unterbrochen wurde und schließlich zum Abbruch führte. Dieses Ereignis macht klar, daß Sarrazin recht hat. Bessere Presse kann Sarrazins Buch gar nicht bekommen, als es dieser Zwischenfall getan hat...! Es ist quasi ein Beweis für seine Thesen.

Ich empfehle es all jenen, die den "Tugendterror" selbst miterleben. Vieles was Sarrazin schreibt, fällt mir bei meiner Generation (U 18) oft auf. Ich kenne auch niemanden in meinem Alter, der das Buch, oder ü b e r h a u p t ein Buch, ließt. Es regt definitiv zum nachdenken an. Außerdem macht es vielleicht dem ein oder anderen Mut, Wahrheiten so auszusprechen, wie sie sind; ohne, daß man davor alles auf gesellschaftliche Normen (politische Korrektheit) überprüft.

PS: Ich esse jetzt ein Zigeunerschnitzel und zum Nachtisch einen Mohrenkopf.
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116 von 134 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 3. März 2014
Und wieder begibt sich Thilo Sarrazin auf jenes Terrain, das sich in der jüngeren Vergangenheit trotz aller Anfeindungen teils übelster Couleur als dennoch tragfähig erwies: Auf dünnes, in diesem Fall sogar hauchdünnes Eis. Ist es seine pure Lust an der Provokation, die ihn ausgerechnet an das Thema "Meinungsfreiheit" heranführte? Ist es damit einhergehend die ihm oft unterstellte Geltungssucht, die häufig apostrophierte Gier nach Öffentlichkeit, vielleicht sogar mit ein wenig Masochismus vermischt?
Nach Lektüre seines neuen Werkes überlasse ich die Beantwortung von derlei Nebensächlichem getrost all jenen, die sich hierzu berufen fühlen. Mir ist die psychische Befindlichkeit des Autors ebenso egal wie die Vielzahl verunglimpfender Etiketten, die diesem Mann unlösbar an die Haut geheftet wurden. Denn: Was einzig für mich zählt, sind die Fakten, die er hier ebenso akribisch wie nachprüfbar(!) zusammenträgt und dem braven Bundesbürger, der vielleicht noch an die Geltendmachung seines Rechtes auf ungehinderte Meinungsäußerung zu glauben beliebt, durchaus unsanft um die Ohren schlägt. Mehr noch: Er schlachtet hier die so gerne und wohlfeil postulierte Mär von der Freiheit, seine eigenen Ansichten auch ungehindert (sprich ungestraft) von sich geben zu dürfen.

Unter Verweis auf die teils nur noch als infam zu bezeichnende Hetze, der er sich nach Veröffentlichung seines ebenso vielgelesenen wie umstrittenen Erstlings "Deutschland schafft sich ab" ausgesetzt sah und die ich seinerzeit staunend zur Kenntnis nahm, den Thesen, die man als "krude" zu titulieren pflegte, um deren Verfasser ins gesellschaftliche Aus zu katapultieren, blättert Sarrazin, jene Katze, die das Mausen nicht lässt, hier die vielschichtigen, beinahe schon krakenartigen Verwachsungenen des "Tugendterrors" jener auf, die die Meinungshohheit innehaben und bestimmen, was zu sagen opportun, schicklich und passgerecht ist. Unter Zuhilfenahme des klug gehandhabten Gestaltungsmittels These/Antithese wird der Leser in die Lage versetzt, die gegensätzlichen Pole gegeneinander abzuwägen, die Fakten auf Tauglichkeit zu prüfen und somit zu einer eigenen Position zu gelangen.

Dass das Ergebnis ebenso ernüchternd wie pessimistisch ausfällt, kann ebendiesem Kartell des Meinungsdiktates keineswegs Plaisir bereiten. Ein Blick in die aktuelle Tagespresse genügt: Die Waffen werden hervorgeholt, die Messer gewetzt, die Verunglimpfungsmaschinerie neu geölt und in Gang gesetzt. Und die Wut der die Meinungshoheit Beanspruchenden wird umso nachvollziehbarer, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es ja eigentlich(!) mit der Person Thilo Sarrazin einer der ihren ist, einer der zur meinungsbildenden Elite Gehörender, der sich hier frank und frei in Nestbeschmutzung übt und auf unverschämte Art und Weise am Kartenhaus des schönen Scheins rüttelt, der wie bleischwerer Mehltau auf unserem Land liegt

Nein, für mich ist dieser Mann kein krude-Thesen-Verfassender, der aufmerksamkeitsheischend Ketzerisches unter das Volk bringt, sondern ein Mensch mit Rückgrat, der uns allen den Spiegel vorhält, den schönen Schein trübt und infolgedessen ein Verrückter, gar ein Verblendeter sein MUSS(!), den es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt, um die eigene Position als unanfechtbare Bastion zu bewahren.

Ein Blick in die Menschheitsgeschichte lehrt hingegen, dass es gerade die Unangepassten, die Unbequemen, die Querdenker, also die Mutigen waren, die Missstände trotz aller Unannehmlichkeiten benannten und die Karten offen auf den Tisch legten, um nötigen Veränderungen den Weg zu bahnen. Und davon - und eben NICHT von den Wegduckern, Jasagern, Abnickern, Ist-halt-alles-wie-es-ist-Beschwichtigern - brauchen wir mehr.

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77 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. März 2014
In der Tat greift Sarrazin wieder mal ein heißes Eisen an, indem er in einem der letzten Rückzugsgebiete der freien Meinungsäußerung, nämlich dem Fachbuch, seine Meinung argumentativ weitgehend gut und faktisch belegt vorträgt.

Wenn man die tagesaktuellen Medien, insbesondere das TV, die Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine durchsieht, kann man ohne Weiteres zu dem Schluss kommen, dass nur noch eine bestimmte Meinung in Deutschland erwünscht ist, die sich an rotgrünen Standards orientiert. In grenzenlosem Opportunismus, an die "Tröge" der Versorgung zu kommen, haben sich inzwischen auch eher konservativere Parteien dem mediengemachten Mainstream angeschlossen.

Viele Wähler - insbesondere Jungwähler - gehen nicht mehr zu Wahlen, auch traditionelle Stammwähler haben sich längst von den sog. "Volksparteien" abgewendet, die mit Schlagwörtern ein untereinander austauschbares Parteiprogramm vermarkten wollen. Ebenso orientieren sich die Medien an diesem Einheitsbrei. In TV-Talksendungen werden die Gäste so eingeladen und traktiert, dass abweichende Meinungen lächerlich oder regelrecht mundtot gemacht werden, die nicht dem Einheitsbrei entsprechen.

Bestimmte Meinungen werden in Deutschland medial regelrecht mundtot oder lächerlich gemacht. Bürgerinnen und Bürger, die z. B. nicht wollen, dass der Ehe-Begriff, die uralte Schicksalsgemeinschaft zwischen Mann und Frau, auf andere Partnerschaften ausgedehnt wird (obwohl diese Leute ohne Zweifel auch das Recht darauf haben, diese ihre Meinung offensiv zu vertreten), werden entweder totgeschwiegen oder öffentlich an den Pranger gestellt. Mit verlogenen Umfragen wird suggeriert, dass angeblich die Mehrheit der Bevölkerung für eine Ausweitung des Ehebegriffs wäre. Diese manipulierten Umfragen sind genauso heuchlerisch wie die Wahlergebnisse, weil angesichts der Größe der "Partei der Nichtwähler" sich schon lange nicht mehr der Mehrheitswille des Volkes in der Regierung widerspiegelt.

Auch ist es verboten, öffentlich etwas gegen die Emanzipationsbewegung zu sagen. Mit stalinistischer Gründlichkeit werden Schulbücher sprachlich überarbeitet, um Geschlechterunterschiede auszumerzen, so als ob Mann und Frau nicht doch Unterschiede von Natur aus aufweisen.

Das Ergebnis dieser Arbeit einiger weniger akademischen Männerhasserinnen und Lesben, die medienwirksam ihr Gift abspritzen, obwohl sie keineswegs für die Mehrheit der Frauen im Land sprechen, kann sich durchaus sehen lassen: In Deutschland wird die Bevölkerung in den nächsten zwei Generationen von 82 auf ca. 64 Mio. Menschen zurückgehen. Mit schulisch-regulativem Zwang ("Girls Day") möchte man Mädchen in Männerberufe bugsieren und Jungen in eher frauentypische Berufe.

Mit staatlichen Quotierungen ("Planwirtschaft") möchte man Unternehmen vorschreiben, wen sie einzustellen haben. Männer erhalten ein Extrageld vom Staat, wenn sie sich an der Babybetreuung beteiligen, obwohl die Evolution weder den Mann noch den Staat als Betreuer eines Babys vorgesehen hat. Man sieht, dass die staatlich gelenkten Vorgaben so weit gehen, dass man mit der Propagierung männlicher Babysitter sogar in die Natur eingreift - und das von Leuten, die aus dem Gedanken des Schutzes der Natur in den Achtzigern zu einer Partei geworden sind!

Nicht einmal die totalitären Staaten der deutschen Vergangenheit, der faschistische und der realsozialistische Staat, haben sich getraut, derart in das Privatleben der Bürger einzugreifen.

Als die Bedrohung der Datenfreiheit durch einen mutigen amerikanischen Staatsbürger offengelegt wurde, haben unsere "Freiheitsschützer" ihm die bürgerlichen Rechte verweigert. All diese Vorgänge lassen mit Sarrazin vermuten, dass es leider keine Meinungsfreiheit mehr in Deutschland gibt.
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75 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Februar 2014
Ich habe das Buch in den letzten beiden Tagen geradezu verschlungen.

Herr Sarrazin schreibt sehr tiefgehend und differenziert zunächst einmal über die Methodik, mit der die Meinungsfreiheit in der Presse behandelt wird. Diese Mechanismen belegt er anhand von Beispielen, oft auch aus seiner Erfahrung mit der Presse nach seinem ersten Buch.
Er beklagt sich nicht (entgegen dessen,dass ihm aktuell in vielen Medien unterstellt wird, er stilisiere sich als Opfer) darüber, dass sein erstes Buch in den Medien verrissen wurde, er prangert den Weg an, über den dieses gemacht wurde. Kernpunkt dieser Vorwürfe ist, dass die Kritik am Buch sich entweder gegen sinn-enstellte oder falsche Zitate richtete, oder sich überhaupt nicht mit dem Inhalt des Buches beschäftigte.

Anschließend geht er auf die Inhalte ein, die seines Erachtens nach derzeit mehr oder weniger zensiert werden.

Das Buch ist lesenswert. Den Tugendterror gibt es wirklich, vielleicht noch nicht so extrem, wie er ihn sieht, aber die Tendenz ist steigend und bedenklich.

Zum Inhalt des Buches wurde schon viel ausreichend viel geschrieben. Ich wiederhole das nicht, man lese es selber (dringend). Ich möchte hier nur einen kleinen Teil aufgreifen.

Kurze Vorbemerkung: es gibt eine ganze Reihe intellektueller argumentativer Fehlleistungen.

Argumentum ad hominem (Argument gegen den Menschen)
Nicht das Sachargument wird widerlegt, sonder der Urheber wird niedergemacht.

Strohmann
Der Urheber wird unvollständig oder falsch zitiert. Anschließend wird gegen das falsche Zitat vorgegangen.

Letztlich auch ein Strohmann-Verfahren
Es wird gegen die unterstellte Motivation des Urhebers angegangen.

Unter News bietet Google derzeit über 200 Fundstellen zu Sarrazin. Der gängige Tener ist gegen ihn (kein Ding, ich erwarte keine 50:50 ausgewogene Reaktion der Presse zu einem Thema). Etwa 50 davon habe ich gelesen.

Aber: Sämtliche Artikel, die ich gelesen haben, argumentieren über eine der oben angeführten geistigen Fehlleistungen. Die Überschriften derer Artikel, die ich nicht gelesen habe, deuten auf einen ähnlichen Inhalt hin.

Gegen den Autor: "Der schon wieder", "Umstrittener Autor", "Provokateur" und beliebig viele weitere Spitzen.

Strohmann: 'Neues Sarrazin-Buch "Mehr Männer als Frauen mit sehr hoher Intelligenz"'
Nun ja, er sagte sinngemäß: "Die Verteilungskurve der Intelligenz ist bei Männern flacher als bei Frauen, d. h. es gibt mehr Männer als Frauen mit sehr hoher Intelligenz, aber auch mehr Männer als Frauen mit sehr geringer Intelligenz." Das ist einfach nur eine nachmessbare und nachgemessen Feststellung.

Motivations-Strohmann: "Will nur Geld verdienen", "will nur Schlagzeilen machen", "will nur zurückschlagen"

Auch oft gehört: "Wieso jammert er über fehlende Meinungsfreiheit? Alleine die Verkaufszahlen und die Anzahl an Interviews zeigen doch, dass er mit seiner Meinung Gehör findet."

Die hohen Verkaufszahlen sind korrekt, die Anzahl der Interviews auch. Dennoch ist dies ein falsches Argument. Durch die hohen Verkaufszahlen kam er an der Einfalt und Meinungseinfalt der Printmedien vorbei trotzdem ins Gespräch. Das ist kein Beleg gegen die Meinungseinfalt in den Printmedien.

Genau diejenigen Mechanismen, die derzeit in der Presse augenfällig sind, beschreibt er in seinem Buch. Diesen von ihm beschriebenen Trend habe ich bei verschiedenen anderen Themen, bei denen ich mir ein fachlich fundiertes Urteil bilden konnte, wiedergefunden. Dieser Trend wurde mir von vielen anderen, die auf anderen Gebieten fachlich versiert sind, für andere Themen bestätigt.

Und dieser Trend ist bedenklich.

Ich finde das Buch gut. (Ist nur meine Meinung, man mag das anders sehen.) Jedoch die Berichterstattung über dieses Buch ist von der Presse einfach handwerklich schlecht gemacht.
Wenn seine Thesen falsch sind, möge man sie widerlegen. Wenn sie volksverhetzend sind, möge man es gerichtlich klären. Aber Polemik ist kein Argument und einfach nur geistig schwach.

Ich unterstelle, dass diejenigen Journalisten, die in ihren Artikeln auf eine der obigen geistigen Fehlleistungen zurückgreifen, dieses deshalb tun, weil es an Argumenten oder justiziablen Sachverhalten fehlt. Unter diesem Gesichtspunkt hätten die meisten sein Buch als korrekt anerkannt.

Beste Grüße,

Klaus Blömeke
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68 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Februar 2014
In manchen Teilen Deutschlands (z.B. hier in NRW) muss man schon recht hartgesotten sein, einen Sarrazin (was damals Dssa anging) zu lesen und ihm auch noch zuzustimmen, und auch noch bei seiner Meinung zu bleiben; sehr schnell wird man da sogar an seinem eigenen Geburtstag als "braune Socke" gebrandmarkt von Leuten, die dann auch noch freiweg zugeben, dass sie das Buch noch nicht mal gelesen haben und es auch nicht lesen wollen. - Soweit nur zu einem persönlichen Schicksal, das sich, schätze ich mal, damals so oder ähnlich mehrfach zugetragen hat.

Klar war jedenfalls für mich, dass ich "Der neue Tugendterror" dieses Mal sofort und zügig durchlesen musste, um meine Erfahrungen direkt mit den Reaktionen abgleichen zu können. Daher hatte ich das Buch bereits im Dezember vorbestellt, und letzten Freitag war es auch schon da.- Dafür Lob an Amazon!

Als ich bei den letzten 100 Seiten war, kamen auch schon die ersten Verisse, die ersten Anfeindungen. Dieses Mal wurde bzw. wird sich auf die Intelligenz von Frauen und Männern eingeschossen. - "Frauen sind dümmer als Männer" (sinngemäß 'Brisant') "Es gibt mehr kluge Männer als Frauen" (Sat.1 Frühstücksfernsehen) - Die typische Masche der Medien: Wir suchen uns etwas heraus, das Empörungspotenzial hat, und damit es dieses Potenzial auch voll entfalten kann, geben sie den Inhalt in einem reißerischen Satz mit völlig anderen Worte wieder.
Ich jedenfalls weiß nicht, wo er solches geschrieben haben soll. Das einzige, was auch nur annähernd herankommt, ist auf Seite 314 zu finden: "Männer und Frauen haben die gleiche durchschnittliche Intelligenz. Aber unter Männern gibt es mehr extreme Hochbegabungen und mehr sehr Intelligenzschwache" Und die wissenschaftliche Belegung hierzu findet sich in einer Fußnote.
Aber was nicht sein darf, kann einfach nicht sein; besonders dann nicht, wenn es ein Sarrazin aufgreift. Auch das zeigt wieder den Gleichheitsfanatismus, den er in seinem Buch anspricht.

Besonders gut gelungen ist ihm der Teil, der sich um die (ich nenne es mal so) "Begriffsverschiebung" dreht. Es dauert nicht lange, bis sich Begriffe, die sich um eigentümliche Äußerlichkeiten drehen, verpönt sind. - Man siehe 'Neger'. Man siehe 'Zigeuner'. Man merkt förmlich, dass sich der Begriff 'Schwarzer' in diesem Sinne gerade am Abnutzen ist, und es wird auch garantiert nicht lange dauern, bis man schief angeguckt wird, wenn man 'Sinti und Roma' sagt. - Man brennt eine Strohpuppe nach der anderen ab und ist nachher keinen Schritt weiter. Logisch, denn die biologisch und kulturell bedingten Eigentümlichkeiten bestehen nunmal fort, daran ändert auch das aktuellste Neusprech nichts. Aber Hauptsache, man hat ein reines Gewissen und steht auf der Seite „des Guten“.

Weniger gut fand ich den "Postulat-Wirklichkeit"-Teil. Es war ein netter Versuch, die Gegenseite darzustellen, aber das hätte er lieber weniger plump bzw. stereotyp machen sollen (daher nur die vier Sterne).

Mit Manchem ging er mir aber auch nicht weit genug. Vollkommen recht hat er zwar, was den Gleichheitswahn angeht, aber dass dieser sich stellenweise allmählich auch ins Gegenteil verkehrt, spricht er nur unzureichend an. Wenn man auf Facebook besonders auf der Tagesschau-Seite) unterwegs ist, dann sieht man eindeutig die Tendenz zu einem "positiven Rassimus". Es gibt Auffassungen, bei denen sich einem die Nackenhaare aufstellen: Weißen sollte es verwehrt sein, sich schwarz anzumalen. Wenn Schwarze sich jedoch weiß anmalen würden, wäre das aber vollkommen in Ordnung. Schließlich hatten die Schwarzen unter den Weißen auch zu leiden.
Aber das ist ja noch harmlos.
Darüber hinaus wird offen der "deutsche Volkstod" gefordert; die "Vernichtung rein deutschen Erbgutes", welche durch Zwangsvergewaltigungen eingeleitet werden sollte. Man bemüht sich zudem vergebens (oder der Erfolg ist dann nur von kurzer Dauer), Facebook um die Sperrung solcher Inhalte zu bitten. Man muss nicht lange darüber spekulieren, wie es sich zurecht anders verhalten würde, würde jemand bspw. den türkischen Volkstod fordern.

Man muss mit Sarrazin nicht in allem übereinstimmen, seine Haltung zur Homo-Ehe bzw. zur Ehe an sich beispielsweise finde ich persönlich sehr altbacken.
Ich fühle mich jedoch jedenfalls nicht provoziert dadurch, dass er einen Sachverhalt anders sieht als ich!
Und gerade das spricht Sarrazin auch an: Man muss nicht in allem einer Meinung sein. Nur aus Gegensätzen kann Neues entstehen. Daher ist die Tabuisierung von Themen eher mit Rückschritt als mit Fortschritt verbunden.

Mir kam es bei der Lektüre jedenfalls so vor, dass sich dieses Buch besser lesen lässt. Das mag aber auch daran liegen, dass ich inzwischen Sarrazins Schreibstil gewohnt bin, und ich überaus dankbar dafür bin, dass er nicht so schreibt, wie er spricht ^^

Insgesamt ist das Buch sehr gut gelungen, aber an Dssa kommt es nicht ran, was ja auch zu erwarten war.
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87 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. März 2014
"Der neue Tugendterror" ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Der Inhalt des Buchs und die Reaktionen kurz nach der Veröffentlichung.

Über den Inhalt will ich mich an dieser Stelle nicht weiter auslassen, da in den älteren Rezensionen darüber schon ausführlich diskutiert wurde. Hierzu nur eines: Außer Sarrazin arbeiten nur wenige Autoren nach einem derart rigorosen Qualitätsstandard. Überwiegend orientiert sich Sarrazin an wissenschaftlichen Arbeitsweisen, in dem er nach tatsächlicher Erkenntnis sucht, die reale Welt zugrunde legt und es vermeidet, sich Dogmen zu unterwerfen. Vielmehr sind seine Erkenntnisse überwiegend evidenzbasiert und zeichnen sich durch logisch korrekte Schlussfolgerungen aus. Auch vermeidet er es, Sachverhalte auszublenden und sich Emotionen hinzugeben.

Mindestens ebenso bemerkenswert wie die inhaltliche Qualität sind die Reaktionen der "Qualitätsmedien" unmittelbar nach der Veröffentlichung. Die Rezensionen dort werten das Buch als in irgendeiner Form schlecht, weinerlich oder unbedeutend. Leider lassen diese Rezensionen eines vermissen: Die Beschäftigung mit den Inhalten. Bestenfalls werden einige Aspekte herausgegriffen um den Anschein einer inhaltlichen Betrachtung zu wahren, tatsächlich gleiten dann die Mainstream-Rezensionen überwiegend in die allzu bekannten Schemata ab: Unterstellung fehlender Moral und fragwürdiger Beweggründe, fahrlässige oder vorsätzliche Fehlinterpretation einzelner Inhalte oder Passagen und der Vorwurf von "Schubladendenken". Mit diesen Reaktionen wird besonders deutlich wie wichtig dieses Buch ist, da die Rezensionen genau auf die Mittel zurückgreifen, welche Sarrazin thematisiert: Ideologie statt Fakten, Wunschdenken statt Realität und Glauben statt Erkenntnis.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Mai 2014
Das links-grüne Milieu kämpft seit Jahrzehnten verbissen und fanatisch gegen "Rechts". Wie es einem ergehen kann, wenn man selbst ins Visier dieses Milieus gerät, schildert Thilo Sarrazin im ersten Teil seines Buches "Der neue Tugendterror".

Links-Grün wähnt sich im Besitz der absoluten Wahrheit; wer davon abweicht, kann nach dieser Logik nur ein Bösewicht sein, den es zu bekämpfen gilt und gegen den alle Mittel erlaubt sind. So erklärt sich die gewalttätige Energie, mit der hier vorgegangen wird. Das zeigte sich z. B. jüngst in Berlin, als eine Lesung mit Thilo Sarrazin durch einige Dutzend gewaltbereite Demonstranten aus dem Spektrum der Antifa verhindert wurde.

"Rechts" wird als Synonym für "das Böse" angesehen, das von "den Guten" (d. h. den Linksgrünen) ausgemerzt werden müsse. Die Rechten seien prinzipiell böse, rechtes Denken sei grundverkehrt, rechtes Handeln verwerflich - so lautet das Credo dieser Tugendwächter. Erst wenn alles Rechte ausgebrannt sei, könne es eine gerechte und glückliche Gesellschaft geben, das Paradies auf Erden.

Damit wird die innere Logik der deutschen Sprache auf den Kopf gestellt. Die Begriffe "rechts", "Recht", "gerecht", "Gerechtigkeit", "richtig", "berichtigen", "Gericht" usw. hängen sprachgeschichtlich zusammen. Laut Sprachlogik ist der rechte Weg der richtige Weg, das rechte Denken ist richtiges Denken. Auch im Englischen bezeichnet "the right way" sowohl den rechten als auch den richtigen Weg. Nicht umsonst lehrten Religionsstifter und Weise zu allen Zeiten, daß nur rechtes Denken und Handeln schließlich zum Glück führe. "Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen", heißt es auch in Psalm 23.

Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist durchaus berechtigt. Im TV und in der Presse wird jedoch selten der Begriff "rechtsextrem" verwendet, sondern pauschal alles, was der linksgrünen Political Correctness widerspricht, als "rechts" diffamiert. Damit geraten quasi Millionen Normalos und Konservative ins Visier der selbst ernannten Tugendwächter. Thilo Sarrazins Buch bringt diesbezüglich viele Beispiele. Es genügt schon, sich kritisch zu Gender-Mainstreaming zu äußern oder eine kontrollierte Zuwanderung nach kanadischem Vorbild zu fordern - schon gilt man als "rechts" (= böse). Der vielzitierte Kampf gegen Rechts - der übrigens von der Bundesregierung mit Millionen aus Steuergeldern finanziert wird - bedeutet in der Praxis nur allzu oft: Kampf gegen Normalos und Konservative.

Thilo Sarrazin zeigt in seinem lesenswerten Buch auf, wie Meinungsterror funktioniert; er bringt dazu auch historische Beispiele. Mehr Bewußtsein über diese Zusammenhänge kann dazu führen, daß immer mehr Menschen die Manipulationen durchschauen und sie damit wirkungslos werden lassen.
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