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53 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Oktober 2013
Es ist kein Wunder, dass Yuval Noah Harari, Professor für Geschichte an der Universität Jerusalem, in Israel - und auch auf Youtube - den Status eines Superstars hat. Noch nie habe ich ein so leicht und kurzweilig geschriebenes Buch über die anspruchsvollsten Themen gelesen, die man sich denken kann.
Mit einer Schärfe, die oft an Brutalität grenzt, skizziert er, wie die Menschheit im Schlingerkurs der Zeiten zu dem wurde, was wir eben heute sind. Wie wir die Neandertaler ausgerottet haben, zu unserem Unglück sesshaft wurden und zum Trost Religionen und Ideologien erfunden haben, was bei Harari übrigens auf das Gleiche hinaus läuft.
Gesegnet mit einer universellen Perspektive analysiert er schwerelos die komplexesten Themen und hat eine Lust an provokanten Thesen, dass es eine Freude ist. (Nicht wenige Leser werden das Buch wohl vor Wut an die Wand werfen.)
Am Ende summiert sich ein nie nachlassender Fluss an klugen - ja immer mal regelrecht genialen - Beobachtungen und Schlüssen zum Titel des Buches, der genau das liefert, was er verspricht: Eine kurze Geschichte der Menschheit, wie sie besser, tabuloser und spannender nicht vermittelt werden kann. Grossartig!
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31 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. November 2013
Yuval Noah Harari stellt in seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" die Entwicklung des Homo sapiens in vier Hauptabschnitten dar, und das auf seine eigene Art und Weise. Es handelt sich dabei um ein Buch, das sich an eine breite Leserschaft wendet. Zudem ist es keine Aneinanderreihung fachlicher Fakten, sondern bietet Raum für seine/andere Interpretationen. Dass er mit Letzterem nicht den Geschmack und die Erwartungen eines Jeden erfüllen wird, ist selbstredend.

Harari schreckt nicht davor zurück, Aussagen zu treffen, die den Leser im ersten Moment verwirren (z.B. der Weizen hätte den Menschen domestiziert oder der Kommunismus ist nicht nur eine Ideologie, sondern auch eine Religion). Im Anschluss bringt er schlüssige Erklärungen, die den Leser zum Nachdenken anregen sollen und ihn nötigen, diese Dinge in einem weitaus größeren Rahmen zu betrachten. (Natürlich hat nicht der Weizen, um bei einem der o.g. Beispiele zu bleiben, den Menschen körperlich gezwungen, fortan in Siedlungen zu leben. Hätte der Mensch aber nicht begonnen, Weizen anzubauen, was zwangsläufig dazu führte, fortan an einem Ort zu verweilen, da er sein Feld ja nicht mitnehmen kann, wäre er wahrscheinlich auch weiterhin nicht sesshaft geworden, weil keine Notwendigkeit bestand.) Wer sich auf solche Denkweisen nicht einlassen möchte, für den ist dieses Buch sicher nicht zu empfehlen. Alle anderen werden sich nicht nur gut unterhalten fühlen, sondern auch allgemein bekannte Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Ob sie schlussendlich diese Sicht der Dinge teilen und übernehmen, ist jedem selbst überlassen.

Yuval Noah Harari spaltet mit seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" seine Leserschaft. Eines hat Harari jedoch geschafft. Sein Buch wird kontrovers diskutiert und regt zum Nachdenken an.
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30 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wie die Überschrift dieser Rezension bereits signalisiert, geht es in erster Linie um eine Empfehlung der Hörbuchfassung von Yuval Hararis „Eine kurze Geschichte der Menschheit“. Und weil diese Story eben doch etwas länger gedauert hat, umfasst sie in der Buchversion über 500 Seiten.

Wirft man einen Blick auf die zahlreichen Filme, in denen Jürgen Holdorf einem Schauspieler die deutsche Stimme gab, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man ihn bereits hörte. Als Sprecher von Hörbüchern war er mit allerdings bisher unbekannt. Aber da mich seine Lesung von Hararis Menschheitsgeschichte rundweg überzeugte, werde ich in Zukunft vermehrt darauf achten, in welchen Produktion er mitwirkt.

Einem Sachbuch Leben einzuhauchen, ist eine so anspruchsvolle Aufgabe, dass viele daran scheitern. Jürgen Holdorf hat sie souverän gelöst, weil er ein gutes Gefühl für das richtige Sprechtempo hat, das Wesentliche mit seiner Stimme hörbar macht und auf belehrende Attitüden verzichtet. Wer also keine Lust oder Zeit hat, sich den Inhalt von Hararis Buch lesend anzueignen, kann sich die spannenden Geschichten gekonnt erzählen lassen. Und weil die über 17 Stunden dauernde Lesung auf 2 mp3-CDs gepresst wurde, kann man sich das dauernde Wechseln der Scheiben ersparen.

Der 1976 geborene Yuval Harari ist Professor für Geschichte an der Hebrew University of Jerusalem. In Israel wurde er durch sein Buch und seine Vorlesungen zur Weltgeschichte schnell zu einer Art Popstar im Vermitteln scheinbar langweiliger Informationen. Der lockere Ton und wohl auch sein Erfolg riefen erwartungsgemäß Kritiker auf den Plan, die ihm vorwarfen, er halte es mit den Fakten allzu salopp, verkürze wichtige Zusammenhänge und vermische persönliche Meinungen mit historisch gesichertem Wissen. Auch wenn das in Einzelfällen zutreffen mag, empfehle ich seine Form von Geschichtsunterricht gerne weiter. Denn immerhin schafft es Harari mit seinem Stil, ein großes Publikum für Wissensschätze zu begeistern, die im Schulunterricht eher für langweilige Stunden sorgen.

Was Yuval Harari im ersten Teil über die kognitive Revolution sagt, gehört noch längst nicht zum Allgemeinwissen. So stellt er zum Beispiel verschiedene Theorien zur Entwicklung der menschlichen Sprache vor, überlässt es jedoch dem Leser, welcher er am meisten Glauben schenken soll. Die Überschriften der drei weiteren Teile lauten: Die landwirtschaftliche Revolution – Die Vereinigung der Menschheit – Die wissenschaftliche Revolution. Im Anhang finden sich die Angaben zu den vielen Abbildungen und Karten sowie die Anmerkungen. Was leider fehlt, ist ein Stichwortverzeichnis.

Mein Fazit: Wer sich diese spannende „kurze“ Geschichte der Menschheit vorlesen lassen will, muss gut 17 Stunden investieren. Die verfliegen allerdings schnell, weil Jürgen Holdorf die Aufgabe so bravourös löst, dass keine Langeweile aufkommt. Bei mir hatte dies den Nebeneffekt, dass ich mir das Buch ebenfalls anschaffte. Denn bei spannenden Sachbüchern möchte man nicht dauernd nach den Tracks suchen, bei denen Fragen unbeantwortet blieben.
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am 21. August 2015
Wer nicht von dreitausend Jahren
Sich weiß Rechenschaft zu geben,
Bleib im Dunkeln unerfahren,
Mag von Tag zu Tage leben.

Yuval Noah Harari scheint sich dieses Goethe-Zitat zu Herzen genommen zu haben und erweitert es mal eben auf mindestens siebzigtausend Jahre.

EINE KURZE GESCHICHTE DER MENSCHHEIT begeistert - und zwar im ursprünglichen Sinne.
Wer aufgrund des Titels ein eher kurzweiliges und populärwissenschaftliches Buch im Stile Bill Brysons erwartet, wird wie ich nach kurzer Zeit feststellen, dass dieses Buch nicht nur unterhaltsam, sondern auch tiefgründig ist.
Auf viele Fragen der Menschheitsgeschichte liefert Harari spannende Antworten. Noch viel spannender sind aber die Fragen, die er sich und dem Leser stellt. Dabei schreckt er nicht davor zurück, einen umfassenden Bogen um nahezu alle Gebiete der Anthropologie zu spannen.
Seine Thesen sind nicht selten aufwühlend und schärfen den Blick auf die soziokulturellen Feinheiten der Menschheit. Dabei kommt Harari niemals anmaßend rüber und ist sich auch nicht zu schade zuzugeben, dass die Rekonstruktion unserer Geschichte aufgrund der äußerst geringen Anzahl archäologischer Funde oft eher einem Ratespiel gleicht. Ein weiterer Verdienst ist, dass er sich nicht instrumentalisieren lässt. Mit einer beeindruckenden Übersicht führt er sowohl wiederkehrende Muster als auch Besonderheiten verschiedenster Religionen, Ideologien oder Institutionen vor Augen, stets in der Rolle eines neutralen aber durchaus kritischen Beobachters.
Mit gerade einmal 39 Jahren hat Harari auf beeindruckende Weise bewiesen, dass er zu den großen Intellektuellen unserer Zeit gehört.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. März 2015
Ich hatte noch nie das Gefühl, dass mir ein Buch die wesentlichen Zusammenhänge der Geschichte erklären kann. Harari ist aus meiner Sicht genial! Er erklärt auf leicht verständliche Weise warum wir als Homo Sapiens da sind, wo wir sind, warum Weltreiche und Imperien entstanden sind, welche wichtige Rolle in der Entwicklung Religionen und Ideologien spielen. Geschichte = Wir Menschen erzählen uns Geschichten und kennen gemeinsame Geschichten! Er ist ausgesprochen neutral und betrachtet unseren "Erfolg" auch sehr kritisch! Wir haben den Großteil der Arten ausgerottet, neben Homo Sapiens lebt noch eine riesige, gepflegte Biomasse von Weizen, Rindern, Schweinen, etc., die wir industriell ohne jegliche Rücksicht auf deren Bedürfnisse reproduzieren, ernten/schlachten und essen. die anderen Arten sind bzgl. Biomasse und Zahl fast zu vernachlässigen ... Und er ist auch so offen und ehrlich auszusprechen, dass wir die Natur nicht zerstören können, denn wir sind Teil der Natur und Niemand im Universum wird sich aufregen, wenn wir und/oder die Erde von der Bildfläche verschwinden sollten!
Ich habe selten so viel über die Geschichte der Menschheit gelernt!
Harari bietet den Blick für das Wesentliche und das Große und Ganze!
Das Buch ist für alle zu empfehlen, die wissen wollen, warum wir so sind, wie wir sind!
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Dezember 2013
Über die Geschichte der Menschheit haben schon unzählige Autoren geschrieben. Deswegen müsste man sich wundern, wenn gerade ein Buch, das den Titel "Eine kurze Geschichte der Menschheit" trägt, zum Bestseller wird.

Wenn ein Sachbuch von vielen Menschen gelesen wird, liegt es daran, dass der Autor es geschafft hat, den Stoff, der sein Spezialgebiet ausmacht, so gut und verständlich zu vermitteln, dass die Leser das Gefühl haben, etwas lernen zu können, ohne gelangweilt zu werden. Und genau das ist Yuval Noah Harari mit seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" gelungen.
Erstaunlicherweise habe ich dieses Buch mit großem Interesse gelesen, auch wenn ich mit der Materie vertraut war. Das war ausschließlich dem Unterhaltungswert des Buches zu verdanken.

Harari unterteilt sein Buch in Kapitel, die drei großen Ereignissen in der Geschichte der Menschheit zugeordnet werden, welche für diese so bedeutsam waren, dass sie grundlegend die Entwicklung des "Homo sapiens" geändert haben. Diese Ereignisse nennt Harari Revolutionen, und je nach dem was revolutionierte oder revolutioniert wurde, spricht er von der "kognitiven Revolution", der "landwirtschaftlichen Revolution" und der "wissenschaftlichen Revolution".

Ich habe fast jede Seite mit Vergnügen gelesen und an manchen Stellen habe ich sogar gute Laune gekriegt, denn das Buch liest sich wie ein unterhaltsamer Roman. Außerdem ist die Geschichte des "Homo sapiens" unsere Geschichte, und ich denke, das ist letztendlich der Grund, warum dieses Buch so interessant ist.
Leider war aus meiner Sicht nicht alles ganz perfekt an Hararis Version unserer Geschichte.
Gegen Ende seines Werkes greift der Autor zwei Themen auf, mit denen ich mich nicht anfreunden kann: Glück und Zukunftsvisionen. Beim ersten handelt es sich um etwas nicht Greifbares und gleichzeitig sehr Umfassendes, und man kann dabei leicht ins Esoterische abgleiten. Und bei den Zukunftsvisionen... für mich alle absolut imaginär, aus meiner Sicht nur weil die Zukunft das Jetzt ist...

Aber bevor ich selber ins Sinnieren abschweife, möchte ich dieses Buch allen empfehlen, die nur ein gutes Sachbuch mit einem gewissen Unterhaltungsfaktor lesen möchten.
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am 8. August 2015
Aufgrund einer Empfehlung bin ich auf dieses Buch gestossen. Es handelt in seiner Darstellung vom Homo Sapiens, seiner Geschichte und den grundsätzlichen Entwicklungen bis hin zur Erläuterung von intersubjektiven Werten wie Religionen Geld Sprache etc. Es öffnet in seiner allgemeinen Darstellung neue (Vogel)perspektiven und hat mir persönlich auch einen kurzweiligen Lesespass im Urlaub bereitet, obwohl das Buch sehr umfangreich ist. Ich möchte dieses Buch allen systemisch und historisch interessierten Lesern die eine allgemeine Geschichte zur Menschheit suchen ans Herze legen.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. März 2014
Das Buch des 37jährigen Geschichtsprofessors an der Hebrew University of Jerusalem stand in seinem Heimatland rund zwei Jahre auf Platz 1 der Bestsellerliste und wurde inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt. Was macht diesen Erfolg aus? Und ist er gerechtfertigt? Harari schreibt über ein Thema, das jeden von uns zumindest bis zu einem gewissen Grad interessieren dürfte. Wo kommt der Mensch her? Was sind die wesentlichen Meilensteine in der Entwicklung des homo sapiens? Und welche Zukunft lässt sich daraus für unsere Art prognostizieren? Hararis Werk unterscheidet sich von den epischen Wälzern eines Jared Diamond (etwa Guns, Germs and Steel) durch seine gelungene Verdichtung und seine lebendige Sprache, zwei Merkmale, die das immer noch recht umfangreiche Werk (525 Seiten) gut als Hörbuch konsumierbar machen (17 h). Wohl selten hat jemand in einer so einfachen Sprache über so komplexe Zusammenhänge zu schreiben gewagt. Wagemutig nimmt Harari auch nur ein kleines (aber feines) Literaturverzeichnis auf.
Als vor 150.000 Jahren die ersten homo sapiens in Ostafrika jagten, sich liebten und sich stritten, so unterschied sie bei all diesen Tätigkeiten kaum etwas von den Schimpansen. Wie wurde es möglich, dass die Nachfahren der einen Gruppe eines Tages über den Mond spazieren, Atome spalten, das Klima erwärmen und Roboter bauen würden, während die anderen blieben, was sie sind? Während die Befürworter der Entwicklungsidee (und die grundsätzliche Kritiker dieser Idee) meist nur wenige Jahrhunderte in den Blick nehmen, gleitet Harari in der Vogelperspektive über die Jahrzehntausende. Dabei eröffnet er – wie das Deutschlandradio schön schreibt – „spektakuläre Panoramen, plötzliche Sturzflüge in Details, unkonventionelle Interpretationen“. Was wir vage schon wussten, das illustriert er und macht es lebendig. So wie durch den letzten Satz des folgenden Zitates: „Noch im 19. Jahrhundert waren selbst die besten Ärzte nicht in der Lage, Infektionen zu behandeln und Wundbrand aufzuhalten. In Feldlazaretten amputierten Ärzte aus Furcht vor Infektionen selbst nach kleineren Verletzungen Arme und Beine der Soldaten. Diese Amputationen und andere Operationen (z.B. das Ziehen eines Zahns) wurden natürlich ohne Betäubung ausgeführt. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen regelmäßig Betäubungsmittel wie Äther, Chloroform und Morphin zum Einsatz. Vor der Entdeckung des Chloroforms mussten vier Soldaten ihren verwundeten Kameraden festhalten, während der Arzt ein verletztes Bein absägte. Am Morgen nach der Schlacht von Waterloo im Jahr 1815 lagen neben dem Feldlazarett Berge von abgesägten Gliedmaßen. Die Sanitätstruppe beschäftigte oft Schreiner und Metzger, weil diese am besten mit Messern und Sägen umgehen konnten.“ (S.327/328).
Die drei großen Revolutionen in der Menschheitsgeschichte – die kognitive, die landwirtschaftliche und die wissenschaftliche – werden bei Harari so lebendig, dass wir fast zwangsläufig anfangen, die Jetztzeit zu überdenken. War früher wirklich alles besser, wie der Volksmund weiß? Würden wir uns wünschen, in einer anderen Epoche zu leben? Und wenn ja, in welcher? Dem Geschichtsunkundigen wird das Buch eine neue Welt eröffnen, dem Geschichtskundigen wird sie den Blick auf die vergangenen Jahrtausende nochmals schärfen können.
Hararis arbeitet allerdings nicht immer ohne Zuspitzung und Vereinfachung. Eine der zentralen Thesen Hararis zur Vor- und Frühgeschichte lautet, dass bis vor rund zehntausend Jahren gleichzeitig mehrere Menschenarten auf diesem Planeten lebten (S. 16). Der heutige Mensch habe eine Zeitlang mit einer Reihe „Brüdern“ parallel gelebt, die dann aber ausstarben oder von ihm ausgerottet wurden. Nun definieren Biologen den Begriff „Art“ u.a. dadurch, dass die Einzelexemplare fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen können, dass jedoch die Fortpflanzung über die Artgrenze hinweg nicht möglich ist. Daraus würde folgen, dass der homo sapiens, der homo neanderthalensis, der homo denisova, der homo soloensis und der homo floresiensis keine Kinder und Enkel in die Welt setzen konnten, wenn sie sich paarten (was ja zumindest anatomisch möglich gewesen sein dürfte). Dies ist aber nicht wissenschaftlich erwiesen. Nach der zuspitzenden Kapiteleinleitung folgt dann bei Harari aber regelmäßig die wissenschaftlich nötige Differenzierung. In diesem Fall (S.28): „Es stellte sich heraus, dass 4 Prozent aller Gene der modernen Menschen in Europa und dem Nahen Osten von Neandertalern stammen. (...) Offenbar waren es keine grundsätzlich verschiedenen Arten, wie zum Beispiel Pferde oder Esel. Aber es handelte sich auch nicht einfach um verschiedene Unterarten derselben Art, wie Doggen oder Cockerspaniel. (...) Zwei Arten, die aus einem gemeinsamen Vorfahren hervorgehen, wie Pferde und Esel, waren irgendwann einmal einfach Varianten, wie Doggen und Cockerspaniel. Im Laufe der Evolution wurden die Unterschiede immer größer, bis die beiden getrennte Wege gingen. Es muss einen Punkt gegeben haben, an dem sich die Arten zwar schon deutlich unterschieden, aber hin und wieder noch zeugungsfähige Nachkommen hervorbringen konnten. Zwei oder drei Genmutationen später wurde die Verbindung dann für immer gekappt. An diesem Punkt müssen sich Sapiens, Neandertaler und Denissower vor etwa 50.000 Jahren befunden haben.“
Ein anderes Prinzip von Hararis Buch ist, Aussagen zu machen, die im ersten Moment verwirrend wirken. Darunter: „Der Weizen domestizierte den Menschen“; „Zu den erfolgreichsten höheren Tiergattungen aus evolutionärer Sicht zählen Hühner, Rinder, Schafe, Hunde und Schweine“; „Firmen wie Peugeot, die Menschenrechte, der Kommunismus, alle Nationalstaaten – dies alles ist nichts als Mythen und Phantasien“; „Imperien waren gut für die Menschheit“; „Wie glücklich oder unglücklich jede/r Einzelne ist, hängt nicht (oder nur sehr kurzfristig) von äußeren Ereignissen ab“. Die Auflösung dieser rätselhaften Thesen wirkt dann aber in fast jedem der genannten Beispiele denkfördernd.
Rein inhaltlich, unabhängig von den oben genannten stilistischen Mustern, ist es faszinierend zu lesen, welche Bedeutung die Sprache für die Menschen hatte, um eine Grenze zum Tierreich zu ziehen. Auch der Aufstieg Europas von einem unbedeutenden Landzipfel zur Weltmacht, die Vernetzung der Welt in den letzten Jahrtausenden durch Geldwährungen, Religionen und Imperien, die Erklärung des Rassismus, und die Entdeckung der Unwissenheit als Voraussetzung für wissenschaftliches Arbeiten – all dies sind schön geschriebene, lesenswerte Passagen und ein Füllhorn interessanter Überlegungen. Bei so viel Lob am Ende auch ein kleiner Kritikpunkt: Ein Personen- sowie ein Sachindex hätten einem solchen Werk zweifellos gut angestanden.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Oktober 2013
This is the best overview of human history from the beginning to the present that I have had the pleasure of reading for decades. While Dr. Harari's theories and conclusions are, as he admits in his lectures, controversial, they are well supported with empirical evidence that the nonspecialist can immediately comprehend. The German edition is a translation from English; the translator has done an excellent job of rendering colloquial English expressions (some slang) into German equivalents. I have recommended this book to several friends already.

I purchased the book to supplement Dr. Harari's lectures I am enjoying on a Coursera MOOC called A Brief History of Humankind. I have not been disappointed in any respect. I am impressed by this effort to condense these millennia of human history into a little over 500 pages. And the book and the lectures have prompted me to explore related areas for more detail.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Oktober 2013
Eine Geschichtliche Betrachtung der anderen Art mit wertvoll beleuchteten Zusammenhängen und Querverbindungen von der Urgeschichte bis heute. Der Autor hält mit eigenen Thesen und Meinungen zumindest zwischen den Zeilen nicht hinter dem Berg, sodaß der Leser aufgefordert ist, seine eigene Meinungen zu verschiedenen Themen zu hinterfragen. Einziger Wermutstropfen ist ein sehr futuristisch anmutender Schlussteil dem zuviel Raum gegeben wird.
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