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am 29. Mai 2014
Lee Smolin hat in seinen bisherigen Veröffentlichungen als Physiker, sprachlich durchaus flüssig und auch dem Laien nachvollziehbar, vor allem eines auf den Weg gebracht:
Eine fundierte Kritik an der „Gesetztheit“ der „Naturgesetze“.

In diesem Werk nun erläutert Smolin noch genauer und ausführlich, was den Kern seiner Gedanken und das Fundament seiner Theorie ausmacht: Die Zeitbedingtheit von Allem.

Außerhalb der Zeit existieren keine „ewigen“ Gesetzlichkeiten, somit sind auch die solidesten und zentral verteidigten Naturgesetze immer nur als „relativ“ anzusehen. Unterliegen (in anderer Form, als das alltägliche Leben natürlich), den Schwankungen der Zeit selbst, könnten sich verändern, bilden damit keine unwandelbaren Konstanten in diesem Universum und bieten somit im besten Falle je eine „Momentaufnahme“ oder einen für eine gewisse Dauer geltenden Erklärungsansatz.

Somit gelten also nicht „zeitlose“ Naturgesetze, die der Mensch fassen und formulieren kann (außerhalb der „Zeit“), sondern die gesetzte Größe des Universums ist eben diese „Zeit“ (und alles findet „innerhalb der Zeit“ statt).

Dass Smolin damit von Einstein bis Heisenberg, von Newton bis zur Quantentheorie, von der Relativität bis zu den Strings alles mit einem Schlag eben „in Beziehung zum Zeitpunkt setzt“ und damit in seiner bisherigen behaupteten fundamentalen und unwandelbaren Bedeutung in Frage stellt, dass ist seit Jahren bereits und sehr differenziert auch in diesem Buch der „Paukenschlag“ seiner Arbeit als Physiker.

Aber natürlich bildet dieses Denken, trotz der durchaus flüssigen Sprache des Buches, keinen einfachen Stoff für den Leser, sondern deutet im Gegenteil teils in hohe Abstraktionen hinein. Und dem Laien wird es, letztlich, auch kaum gelingen, in der Tiefe der physikalischen Forschung den „Wahrheitsgehalt“ dieser Theorien wirklich zu beurteilen.

Dennoch, Smolin argumentiert sehr überzeugend, seine Schlüsse wirken mit Hand und Fuß versehen, er verzichtet auf akademisches Gerangel und eine zu breite Darlegungen physikalischer Denksysteme .

„Was ist (das Wesen der) Zeit“, das ist das wichtigste Einzelproblem der Physik und der naturwissenschaftlichen Forschung, auf das sich Smolin weitgehend in diesem Werk konzentriert und bewusst als „nicht akademisches“ Buch einer breiten Leserschaft zuführt.

Vorweg bereits stellt Smolin den Leser vor eine „Erschütterung“, religiöser, kultureller und wissenschaftlicher Natur.

„Zeit“ ist „keine Illusion“.
Außerhalb der Relativierungen der Zeit ist nichts „Ewiges und Unwandelbares“ begründet zu behaupten, ein „Entrinnen in eine zeitlose Dimension“, in eine „wirkliche Welt“ außerhalb der Erfahrungen der Bedingtheit durch Wandel und Veränderungen, in eine „unwandelbare Ewigkeit“ hinein stellt Smolin grundlegend in Frage. Mit weitreichenden Folgen für das gesamte Denken, Streben und das Bedürfnis nach hoher Berechenbarkeit für die Unwägbarkeiten des Lebens beim Menschen.

Nicht nur für religiöse Vorstellungen, Gott, Kharma und andere Glaubenselemente, sondern geltend auch für alle bisherigen naturwissenschaftlichen „Gesetze“.

Wie in einen Sog zieht Smolin hierbei den Leser mit hinein in sein: „Nichts, was wir kennen oder erleben, kommt dem Herzen der Natur näher als die Wirklichkeit der Zeit“.

Und das führt Smolin eloquent Schritt für Schritt aus.

Alles ist nur zu einem bestimmten Zeitpunkt wirklich. Die Vergangenheit ist endgültig vergangen. Die Zukunft ist „noch nicht“ und damit grundsätzlich „offen“ als Prozess.
Nichts geht über die Zeit hinaus. Auch die Zeit (und damit nach Smolin wirklich und restlos alles) ist der „darwinschen Evolution“ auf ihre Art und Weise unterworfen.

Flüssig, mit griffigen Beispielen, sprachlich überaus verständlich gehalten und dennoch kann dieses Werk nicht als „Lektüre“ im herkömmlichen Sinne bezeichnet werden. Es ist und bleibt ein anspruchsvolles, teils an die Grenzen des „natürlichen“ Denkens reichendes Arbeitsbuch, das so einiges an zurückblättern und noch-einmal-lesen notwendig macht.

Dafür bieten die Gedanken Smolins ein faszinierendes Geflecht, eine intensive Ideenvielfalt und einen ganz anderen Blick auf das Universum, die Welt und das Leben, der jede Zeile lohnt auf dem Weg, alles, was geschieht, als „neue“ Anforderungen zu betrachten, die „neue“ Lösungen benötigen, statt mit „ewigen Wahrheiten“ zu meinen, alle Anfragen des Lebens und der Gesellschaft beantworten zu können.

Bis dahin, „die Ungewissheit des Lebens als den notwendigen Preis dafür zu betrachten, lebendig zu sein“.
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am 15. Oktober 2014
Lee Smolins „Time Reborn“ deutsche Ausagabe hat den Titel „Im Universum der Zeit“ ; der Autor ist theoretischer Physiker am Perimeter Institut (Ontario) und leistete wesentliche Beiträge zur Quanten Loop Theorie; dies ist sein viertes populär- wissenschaftliches Buch. Mit der gleichen kritischen Distanz, mit der in 'The Trouble with Physics' die Erfolge der Stringtheorie untersuchte, nimmt er sich diesmal einen der zentralen Begriffe der modernen Physik vor – die Zeit.

Im ersten Teil wird die Verwendung des Zeitbegriffs in bisherigen physikalischen Theorien analysiert; diese mathematisieren physikalische Systeme betrachten Zeit als Abfolge von bestimmten Daten - z.B. Positionen und Geschwindigkeiten von Teilchen, diese mathematische Beschreibung ist aber selbst zeitlos - wie alle Objekte der Mathematik.

Somit ist es für Smolin nicht verwunderlich, dass die bekannten physikalische Theorien die Zeit aus der Physik regelrecht 'vertreiben'. Die Newtonsche Mechanik beschreibt ihre Systeme mittels Differentialgleichungen, die ein System, ausgehend von einem Anfangszustand, für alle Zeiten, sowohl der Vergangenheit als auch der Zukunft, festlegen; nicht viel anders in der Relativitätstheorie, zwar ist hier die Zeit nicht mehr unveränderlich und extern, sondern wird von der vorhandenen Materieverteilung und dem Bewegungszustand des Beobachters beeinflusst, aber auch hier 'erstarrt' das System als vierdimensionale Mannigfaltigkeit - dem sogenannten Blockuniversum.

Der Autor stellt in der weiteren Analyse heraus, dass diese Theorien ihre Berechtigung aus der Tatsache ziehen, dass sie - mit viel Erfolg - auf 'kleine' Systeme angewandt werden, die - jedenfalls im Prinzip - vom Rest der Welt separiert werden können, in dem sich der Beobachter etablieren kann, der auch das Setup des Systems bestimmt oder bestimmen kann, wodurch auch die (prinzipielle) Wiederholbarkeit der Beobachtungen an einem System garantiert wird. Das nennt Smolin “Physik in einer Box" – und der Fehler aller bisherigen Theorie, liegt nun seiner Meinung nach darin, dass sie unbesehen auf das Universum als Ganzes ausgedehnt werden.

Nun kann Lee Smolin nicht mit einer neuen (kosmologischen) Theorie aufwarten, die all diese Fehler vermeidet, aber er versucht im zweiten Teil seines Werkes, sich einer solchen auf unterschiedlichen Pfaden zu nähern. Er lässt sich dabei von verschieden Prinzipien leiten, deren wichtigstes wohl Leibniz Prinzip des zureichenden Grundes ist. Prinzipien operieren für Smolin dabei nicht selbst auf der Natur, vielmehr filtern sie gewisse Naturgesetze aus, die ihrerseits die Natur beherrschen. Dabei sollen diese Gesetze in der neu zu entwickelten Theorie nicht mehr statisch sein, sondern sich in der Zeit entwickeln können. Dafür soll die neue Theorie auch die Fragen “warum diese Gesetze" und “warum diese Anfangsbedingungen" angehen können.

Für Smolin kann eine 'Erklärung' eines Gesetzes nur ein evolutionärer Prozess sein, der zu nachprüfbaren Voraussagen führt; er knüpft dabei an sein erstes Werk “Warum gibt es die Welt? Evolution des Kosmos" an.

Folgerichtig kann die neue Theorie in ihrem Herzen auch nicht mathematisch sein, das scheint den Autor nicht anzufechten, er nennt z.B. die Evolutionstheorie, die auch ohne mathematischen Apparat verständlich ist und die Entstehung der Arten logisch beschreibt; treten bei der Entstehung neuer Arten neue Phänomene auf, so sind eben die Evolutionsgesetze neue zu interpretieren.

Nun mag die 'Flexibilität' der natürlichen Sprache für diverse philosophische Systeme eine Segen sein, allerdings waren es unzweifelhaft Relativitätstheorie und Quantenmechanik, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr über Raum, Zeit und Materie herausgefunden haben, als es Philosophie in den über zwei Tausend Jahren davor vollbracht hat.

So hinterlässt das Buch ein zwiespältiges Gefühl, einerseits sind die Analysen der Zeit Rezeption physikalischer Theorien brillant, aber das philosophische, metaphysische Ringen des Autors im zweiten Teil überzeugt nicht recht, dabei sind auch hier sehr schöne Kapitel - etwa zur Emergenz des Raumes - zu finden.
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am 11. September 2014
Kurz gesagt, das Buch ist sensationell. Ganz gleich, ob das alles stimmt, schon die Tatsache dass ein so exponierter und renommierter Physiker ein solches Werk schreibt, ist ganz außergewöhnlich. Mir fällt auf Anhieb nichts Vergleichbares in neuerer Zeit ein.

Smolin geht es um ganz große Fragen, nämlich die Herkunft und mögliche Zukunft des Universums. Warum ist das Universum so wie wir es sehen und nicht anders? Woher kommt die phantastisch genaue Feinjustierung der Naturkonstanten? Ist alles dem anthropischen Prinzip geschuldet, nur eine Zufälligkeit in einem Multiversum aus Myriaden von Universen? Smolin akzeptiert das nicht und sucht Begründungen für das Universum und Prinzipien warum es so geworden ist. Dabei verfolgt er einen evolutionären Ansatz. Die Naturgesetze sind nicht einfach da, als voraussetzungslose Anfangsbedingungen und ewig gültige Wahrheiten, sondern haben sich entwickelt und können sich verändern.

Aus dem Dilemma der Physik heraus, hier zu keiner einheitlichen, vollständigen, stimmigen und allg. akzeptierten Lösung zu kommen, unterzieht Smolin die Fundamente der modernen Physik, Quantentheorie und Relativitätstheorie, einer kritischen Analyse, mit dem Ergebnis, dass beide nur begrenzt gültig sind. Die Konsequenzen die er daraus zieht, münden in einer Neufassung der physikalischen Grundlagen. Die Quantentheorie lehnt er sogar im Kern ab. Er hält die Annahme des Zufalls als inhärente Eigenschaft von Quantenobjekten und -prozessen, also dem Urgrund der Welt, für falsch und sieht dahinter die sog. verborgenen Parameter, also Mechanismen wirken. Bei der Relativitätstheorie hält er die Gleichwertigkeit aller initialen (gleichförmig bewegten) Beobachter nicht für streng gültig, sondern es gibt einen ausgezeichneten Beobachter mit einer absoluten Zeit.

Man sollte sich klar machen, dass das kein Außenseiter schreibt, keiner aus der Vielzahl der Erfinder einer Privatphysik, keiner aus der obskuren Welt der Einstein-Gegner, kein Nostalgiker der guten alten klassischen Physik, kein Physiker aus der 2. Reihe, sondern einer der wissenschaftl. Leitfiguren. Das Risiko einer solchen Veröffentlichung ist enorm. Könnte man ihm einen klaren Schwachpunkt oder gar Fehler nachweisen, wäre sein Renommee angeschlagen und alles in Frage gestellt. Das bedeutet, alles muss sitzen und dem riesigen wissenschaftl. Fundus an experimentellen, theoretischen und naturphilosophischen Erkenntnissen Stand halten. Für die Bewältigung dieser Herausforderungen ist ein enormes Übersichtswissen erforderlich und man muss sich mit tausenden von Fakten und Argumenten auskennen, viele Diskurse kennen und Gespräche geführt haben und zwar nicht nur in der Physikwelt, sondern z.B. auch in der Philosophie, die sich darum rankt. Smolin hat das, wie vielleicht kein anderer zeitgenössischer Physiker.

Obwohl das Buch für ein allgemeines Publikum geschrieben ist, im Prinzip für jedermann verständlich, nicht in fachliche Details gehend und schon gar nicht in mathematische Formalismen, ist es ein harter Stoff. Das ist nicht deswegen, weil komplexe physikalische Zusammenhänge erläutert werden und ein Wust von Fachbegriffen verwendet wird, sondern i.G. weil eher allgemein, prinzipiell und qualitativ argumentiert wird. Weil äußerste Fragen angegangen werden, geht es zwangsläufig über die Physik hinaus in die Sphären von Naturphilosophie und Metaphysik. Die hauptsächliche Basis für Smolins Gedanken sind die Paradigmen von Leibnitz (Prinzip des zureichenden Grundes, relationale Weltsicht) und Newton (absoluter Raum und Zeit, Newtonsches Paradigma) und das Spannungsfeld zwischen ihnen. Es ist nicht leicht, den Darlegungen zu folgen, auch weil man nicht mit allen Thematiken vertraut ist, wer ist das auch. Man hat den Eindruck, dass das was dasteht, nur die Spitze des Eisbergs ist und sich darunter ein großer gedanklicher Fundus verbirgt. Mir ging es öfters so, dass ich, gerade aus der Kenntnis der modernen Physik heraus, eine Unsauberkeit oder gar einen Widerspruch sah (wenn z.B. die Relativität der Gleichzeitigkeit für den ausgezeichneten Beobachter nicht gelten soll; aber die gilt doch immer oder nicht???), aber es liegt da sicher kein Fehler von Smolin vor, er kennt die Zusammenhänge natürlich sehr gut, viel besser der normale Zeitgenosse. Das zeigt, dass einiges dahinter steckt und man muss selber versuchen darauf zu kommen, was das ist. Inzwischen lese ich das Buch selektiv ein zweites, drittes Mal und ich fürchte, das wird auch nicht reichen. Es soll ein weiteres Buch erscheinen, das mehr in die Details geht. Vielleicht wird dann Manches konkreter und klarer.

Ich hätte mir gewünscht, dass ein String-Theoretiker mal so was Grundlegendes schreibt. Die String-Theorie erhebt ja den Anspruch eine Theorie von Allem zu sein. Aber Fehlanzeige, man schwelgt in mathematischen Modellen und türmt Hypothesen übereinander. Es fehlt der große Entwurf, die großen Leitlinien, auch wie der zukünftige Weg der Physik sein soll. Das hat jetzt mit Smolin einer aus einem "anderen Lager" geliefert.

Wer an fundamentalen Fragen aus physikalischer Sicht interessiert ist, dem kann das Buch wärmstens empfohlen werden.
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am 15. Januar 2016
Dieses Buch ist kein Physikbuch, sondern eine wisenschaftsphilosophische Diskussion der aktuellen Situation in der Physik, mit Betonung auf der Kosmologie. Nachdem die Bemühungen, die Raltivitätstheorie und die Quantenmechanik in einer einheitlichen Theorie zu vereinen, zu einer unübersichtlichen Vielfalt an Theorien führten, die aber bisher alle nicht beweisbar sind, versucht Lee Smolin zurück zum Start zu gehen und neue Impulse zu geben. Auf diese Weise versucht er das Eis zu brechen, in dem manche Ideen stecken geblieben sind. Auf wissenschaftlicher Ebene kann ich seinen Ansatz über die Wirklichkeit der Zeit und die Relativität des Raumes nicht beurteilen. Smolin argumentiert gekonnt und schlüssig, aber natürlich steht er noch ganz am Anfang seiner Gedankenentwicklung, und das gibt er auch unumwunden zu. Doch öffnet er zweifellos neue Perspektiven. Die Annahme, dass die Zeit eine grundlegende Eigenschaft des Universums ist und die Gesetze der Physik nicht ausserhalb sondern innerhalb des Universums bestehen und sich im Lauf der Zeit entwickeln, führt ihn zu überraschenden Schlüssen. Es ist spannend zu verfolgen, wie erfolgreich er mit diesen Ideen sein wird. Ich hoffe, ich kann das noch erleben.

Lee Smolin zählt zu den kritischen Wissenschaftsphilosophen, die versuchen mit neuen, frischen Ideen wieder mehr Bewegung in die Kosmologie zu bringen. Aus dieser Sicht empfehle ich das Buch jedem, der gerne unterschiedliche Aspekte einer Problematik auslotet.

Leider ist die eher durchwachsene Qualität der deutschen Übersetzung ein Wermutstropfen, durch sie leidet oft die Präzision der Terminologie. Im Nachhinein hätte ich mich wohl eher für die englische Ausgabe entschlossen, auch wenn diese für mich anstrengender zu lesen wäre. Deshalb "nur" 4 Sterne.
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am 2. Januar 2016
Zu den übleren, doch auch schwer zu ignorierenden Thesen Heideggers gehört der Satz: "Die Wissenschaft denkt nicht."
Allerdings wende ich mich zunehmend, auch bei genuin philosophischen Fragen, an die Wissenschaftler anstatt an die Philosophen, deren Texte mir zumeist technisch, wiederkäuend oder essayistisch erscheinen.
Smolin versucht, eine grosse Frage zu beantworten: Gibt es die Zeit?
Ist es ihm gelungen? Aus meiner Sicht: Leider nicht ganz.
Um es gleich zu sagen: Der erste Teil ist brillant. Smolin beschreibt hier die Vertreibung der Zeit aus der Welt durch die Wissenschaft von Galilei bis Einstein. Die Zeit wird durch den Determinismus abgeschafft. Weil alles (teilweise noch zu entdeckenden) Gesetzen unterworfen ist, ist die Welt letztlich nur die Realisierung zeitloser Gesetze. Die Zeit selbst ist nur eine Illusion. Das kosmische Gesetz, ausserhalb der Welt stehend und letztlich ohne Grund, nimmt den Platz Gottes ein.
Der weltanschauliche Ansatz ist also sehr modern und ich war gespannt, wie die Zeit wieder in die Welt eingeführt wird, wie auch die Gesetze als 'entstanden' erklärt werden. Leider geht Smolin dabei der rote Faden verloren. Er wird geschwätzig und trotz der zahlreichen Wiederholungen entsteht keine Klarheit. So kommt er unvermittelt mit der These, dass die Möglichkeit der Justierung der physikalischen Gesetze der Anzahl der schwarzen Löcher korreliert. Solche Spekulationen bekommt man einfach um die Ohren gehauen. Manchmal ist es aber auch sehr anregend. So habe ich durch dieses Buch erstmals eine klare Idee davon bekommen, was Dimensionalität bedeutet, was also unter höherdimensionalen Räumen zu verstehen ist. Auch ist einigen heiligen Kühen der Physik zumindest ans Bein gepinkelt worden: so der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit und der Inflationstheorie.
Was würde Heidegger dazu sagen? Mumpitz, vermute ich.
Recht hätte er damit nicht, hier ist ziemlich viel Denken am Werk.
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am 16. November 2014
„Was ist Zeit?“ Diese Frage, die als erster Satz im Buch erscheint, wird nicht beantwortet!

Ansonsten aber kann der interessierte physikalische Laie das Buch durchaus mit Gewinn lesen. Im ersten Teil wird vom Autor ausführlich das Verschwinden der Zeit als physikalischer Parameter aus den Theorien beschrieben. Newtons und Einsteins Theorien werden gründlich und schlüssig für den Leser erörtert, schlüssig sicherlich auch deshalb, weil der interessierte Leser hier einen hohen Wiedererkennungswert aus anderen Abhandlungen hat, denn die Allgemeine Relativitätstheorie ist sicherlich bereits in Allgemeinwissen übergegangen.
Zu kritisieren wäre aber im ersten Teil, dass der Autor eine direkte Verbindung zwischen dem zeitlosen Universum in Form eines Brotlaibes (Blockuniversum) mit der Möglichkeit verschiedener Schnitte als Wahrnehmung von Gleichzeitigkeitsebenen eines bestimmten Betrachters und dem Determinismus zieht – einer modernen Auffassung vom Laplaceschen Dämon, der als solcher keine direkte Erwähnung im Buche findet.
Da nach seiner Auffassung im zeitlosen Blockuniversum alles vorherbestimmt sein müsse, gebe es notwendigerweise keine Alternativen zu jeglichen Prozessen und Abläufen (vom freien Willen ganz zu schweigen, was aber im Buche keine Erwähnung findet).
Auch die Behauptung, Gravitationswellen würden durch nichts abgeschirmt werden können, ist meiner Meinung nach etwas weit hergeholt, würden doch dazu eingesetzte Massen selbst Gravitation ausüben, und man könnte deren Gravitation wohl kaum von derjenigen unterscheiden, die von anderen Objekten ausgehen.

Sehr anschaulich ist im zweiten Teil die neuere Theorie der Schleifenquantengravitation erläutert, auch das Problem möglicher Nichtlokalitäten im Universum wird sehr gut dargestellt.
Dann aber beginnen sich die Widersprüche und Paradoxien zu häufen: Für den vom Autor selbst so bezeichneten „Glauben“ an eine „bevorzugte globale Zeit“ im Universum wird der Bruch der Allgemeinen Relativitätstheorie hingenommen, zugleich aber wird einem aus dem Urknall stammenden primären Photon die Zeitlosigkeit nach wie vor zugebilligt.
Im Widerspruch zu der vom Autor sehr geschätzten Theorie der Schleifenquantengravitation wird eine Theorie der Formdynamik beschrieben, in der die Zeit als absolut, der Raum hingegen als Relativgröße angenommen wird, wobei der Raum als Beziehung der Dinge zueinander gesehen wird – letzteres ist wiederum etwas schlüssiger für einen an der Allgemeinen Relativitätstheorie geschulten Geist.
Vollends esoterisch wirkt die vom Autor postulierte Entwicklung des Universums durch Präzedenzfälle anstelle des Wirkens zeitloser Gesetze. Ein erstmaliges zufälliges Verhalten der Wechselwirkung von Materie soll als Präzedenzfall fortan durch Kopieren immer wieder eintreten, was zugleich schwächeren Wert als ein übergeordnetes physikalisches Gesetz hätte. Der Autor bemüht als Analogie hier ausdrücklich die Juristerei und die Entscheidungsfindung von Richtern, die sich hierbei an früheren Fällen orientieren! Zugleich räumt der Autor ein, dass in diesem Falle die betroffenen Materieteilchen mit der Vergangenheit wechselwirken müssten, was wiederum ein Argument für die prinzipielle Zeitlosigkeit des Universums wäre.

Die stärksten Argumente für ein reales Vergehen einer wie auch immer gearteten Zeit als physikalische Größe findet der Autor in der Komplexität, die uns umgibt, und die sich in einem Universum der reinen Wahrscheinlichkeiten ohne jegliche Entwicklungsmöglichkeiten kaum einstellen würde.
Tatsächlich empfinden wir ja in unserer Lebenswirklichkeit das Vergehen von Zeit, welches physikalisch mit der Zunahme von Entropie erklärt wird und der damit verbundenen Irreversibilität von Vorgängen, die den Zeitpfeil bestimmen – das ist sicherlich ein Argument für das Vergehen von Zeit, dem man schwerlich etwas entgegensetzen kann.

In der Folge benennt der Autor mehrfach ein irgendwie geartetes „Jetzt“, ohne dieses näher zu definieren, dabei würde sich hierzu die Planck- Zeit von 10 hoch minus 43 Sekunden gut eignen (die Zeit, die das Licht benötigt, die Planck- Länge zurückzulegen). Innerhalb dieser Planck- Zeit ist definitiv die Unterscheidung von Zukunft und Vergangenheit nicht mehr möglich, so dass diese Zeitspanne als der absolute Augenblick angesehen werden kann, wenn man physikalische Prozesse untersucht, die das Vergehen von Zeit erforderlich machen.
Man hätte weiterhin darauf hinweisen müssen, daß der Mensch aus physikalischen und physiologischen Gründen (Lichtgeschwindigkeit, Nervenleitprozesse), nicht in der Lage ist, den absoluten Augenblick – mithin die Gegenwart zu erfassen, sondern nur das wahrnehmen kann, was bereits geschehen ist, also die Vergangenheit. Handlungsfähig ist der Mensch in der Vergangenheit also nur deshalb, wenn er in laufende Prozesse eingreifen kann, die von ganz unterschiedlicher Dauer sein können.

Als Synthese der sich widersprechenden Positionen könnte in Betracht kommen, dass Zeit nicht als fundamentaler physikalischer Begriff, sondern in Abhängigkeit vom physikalischen System betrachtet werden muss.
Das Altern als sichtbares Zeichen des Vergehens von Zeit mit einhergehender Zunahme von Entropie im Bezugsrahmen des Menschen wäre kein Widerspruch zur Existenz zeitloser Gesetze im Universum.
Der Autor deutet mehrfach an, dass es möglicherweise eine mathematische Gesamtbeschreibung des Universums nicht geben könnte – die „Allgemeine Theorie von Allem“ könnte etwas sein, das schlichtweg nicht existiert.
Dies anzuerkennen lässt auf große Weisheit des Autors schließen.
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TOP 1000 REZENSENTam 22. März 2016
Dass Erkenntnis subjektiv und vom Standpunkt des Forschers abhängig ist, ist eines der zentralen Ergebnisse der Psychologie. Das wurde jedoch als Subjektivismus verteufelt und in die "Märchenwelt" der Tiefenpsychologie verbannt.
Dass Smolin die Relativität der Erkenntnis nun aus der Physik der Zeit beweist, lässt hoffen. Vielleicht ergibt sich aus der Verbindung von Physik und Neurowissenschaften die große einheitliche Theorie, die die Physik alleine nicht zu erstellen vermag.
Dr Rüdiger Opelt, Psychologe, Autor
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am 8. März 2015
.... lesen Sie das.
Hier wird kein leichter Stoff geliefert. Aber in wie vielen Büchern steht schon: "Einstein irrt"? ....:)
Der Autor sucht einen neuen, fundierten (soweit ich das beurteilen kann) Ansatz, die Quantentheorie mit der Relativitätstheorie zu vereinen. Kein Leichtes Unterfangen... Auch nicht für den Leser.
Geeignet für alle, die den Mut und die Muße haben sich mit den phantastischen Untiefen der theoretischen Physik ernsthaft gedanklich auseinander zu setzen.
Nicht geeignet als Einschlaflektüre oder für "nebenbei"... Für alle anderen: Staunen Sie über diese Gedanken und Ideen! Viel Spass.
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am 2. April 2015
Ich kenne und schätze Smolin als gut zu lesenden Autor von Sachbüchern über Physik/Kosmologie. Warnung: Obwohl sein neues Werk keine einzige Formel enthält (sicher absichtlich), ist es nicht leicht zu lesen. Es erfordert trotz der ständigen Wiederholungen viel Konzentration vom Leser. Sicher hätte man das ganze prägnanter und kürzer formulieren können - aber nicht Smolin. Es ist wie ein Privat-Gespräch mit einem Dozenten. Er erklärt immer und immer wieder seine Ansichten über Kosmologie und Zeit. Nicht uninteressant aber schon ermüdend!
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am 20. September 2015
Sehr langatmig. Die fortschreitende Zeit ist der wichtigste Faktor, der das Universum bestimmt, ansonsten würde es keine Weiterentwicklung geben. Leider fehlt der Zeitfaktor in den mathematischen Theorien von Newton und Einstein und das wurde vom Autor Lee Smolin erkannt. Es sind neue Theorien erforderlich, um das Universum zu erklären. Leider bietet Lee Smolin kein Lösung zu dem Problem an, sondern stellt nur fest, das die bisherigen Theorien zum Universum noch lückenhaft sind.
Hinweis: Nach der Energiefeld-Theorie kommt die Zeit aus der Unendlichkeit und schreitet kontinuierlich fort hin in die Unendlichkeit. Ohne fortschreitenden Faktor der Zeit gibt es keine Energie. Somit sollte die Zeit nicht verboten werden oder in der Singularität verschwinden.
Günter von Quast
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