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am 27. November 2012
Das Buch “Flucht aus Lager 14” ist das Resultat jahrelanger journalistischer Recherchen. Es ist sachlich und in keiner Weise reißerisch oder sensationslüstern geschrieben. Wen in jeglicher Beziehung ungewöhnliche Lebenswege interessieren, dem sei dieses Buch empfohlen. Geschickt webt der Autor die Ereignisse des Shin Dong-hyuk mit nordkoreanischem Hintergrundwissen zu einem Geflecht, das einerseits das Geschriebene besser verständlich macht und andererseits den Kopf über das “System” Nordkorea bis zum Erbrechen ungläubig schütteln lässt.
Es gibt zwingende Gründe, das Geschilderte des Shin Dong-hyuk nicht anzuzweifeln. Der amerikanische Journalist Blaine Harden interviewte den ehemaligen Gefangenen eines nordkoreanischen Straflagers lange und ausführlich. Er ließ die niedergeschriebenen Geschehnisse von Amnesty International, anderen mit dem Thema Nordkorea betrauten südkoreanischen Organisationen und einst in nordkoreanischen Straflagern gehaltenen Gefangenen und Wärtern überprüfen – mit dem Resultat, dass die Geschichte absolut glaubhaft ist. Es galt diese Geschichte genauer zu durchleuchten, denn erstmals gelang es einem Gefangenen sich eines nordkoreanischen Gulags, obendrein eines des am brutalsten geführten, durch Flucht zu entziehen.
Er hat nichts verbrochen in seinem jungen Leben, dieser Shin Dong-hyuk. Er wurde lediglich als Ergebnis einer Belohnungsehe im Lager gezeugt und in dieses hineingeboren. Brutale Aufseher, Lügen, der Zwang zu denunzieren und andauernder Hunger sind alsdann Wegbegleiter des jungen, hoffnungslosen Lebens. Shin hasst seine Eltern, verrät die Fluchtpläne seiner Mutter und seines Bruders. Dafür wird er auch noch brutal gefoltert und muss letztendlich der Hinrichtung von Mutter und Bruder zusehen. Selbst hier findet er nichts dabei, Trauergefühle sind ihm fremd und beide haben in seiner verkrüppelten Gefühlswelt den Tod verdient.
Shin weiß nichts von der Außenwelt, was sich paradoxerweise noch als Glück erweist. Sehnsüchte nach einer anderen, besseren Welt sind ihm daher fremd. Bis er Park kennenlernt, der ihm als ehemaliger Elitebürger dieses korrupten “Systems” und jetzt selbst Gefangener vom Leben hinter dem mit Selbstschussanlagen gesicherten Zaun erzählt. Shin verzichtet erstmals zu denunzieren, liebt er doch zu sehr die Geschichten, besonders die über gutes Essen. Shin und Park beschließen zu fliehen. Aber nur Shin gelingt die Flucht, begünstigt durch außergewöhnlich glückliche Umstände. Park überwindet die Selbstschussanlagen nicht und stirbt. Eine weitere Odyssee von mehreren Jahren bringt Shin am Ende über China nach Südkorea.
Happy End? Von wegen! Als Shins Verhörprotokolle der südkoreanischen Behörden in Buchform herausgegeben werden, interessieren sich nur wenige dafür; die Resonanz unter den Südkoreanern ist gering. Diese haben in ihrem hochkapitalistischen Südkorea andere Fokussierungen: arbeiten und Geld verdienen. Die südkoreanische Gesellschaft ist eine der am meist gestressten weltweit und hat kein besonderes Interesse am Schicksal nordkoreanischer und in deren Augen meist ungebildeter Flüchtlinge.
Die Geschichte des Shin geht weiter – in den USA. Sie erscheint in der amerikanischen Presse und eine Hilfsorganisation bietet Shin an, für sie in den USA tätig zu werden. Menschen, die es gut mit ihm meinen, nehmen sich seiner an. Ihm fällt es jedoch schwer, strukturiert und systematisch zu arbeiten. Er lebt jetzt in den USA. Mal abwarten, ob man irgendwann über den Shin Dong-hyuk liest, dass er Fuß gefasst hat in seinem neuen Leben.
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am 24. Februar 2013
Dieses Buch möchte ich hiermit allen ans Herz legen, die sich für das aktuelle Weltgeschehen interessieren. Flucht aus Lager 14 ist ein wertvoller und informativer Zeugenbericht eines Nordkoreaners über die Existenz der Zwangsarbeiterlager, welchen noch mehr globale Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Das Buch bietet einen guten Einblick in ein Land, welches sich durch eine despotische Regierung, eine katastrophale Wirtschaft und die permanente Missachtung jeglicher Menschenrechte auszeichnet.
Verfasst wurde es von dem amerikanischen Journalisten Blaine Harden, der die Lebensgeschichte des Nordkoreaners Shin Dong-hyuk erzählt.

Zum Inhalt:
Shin Dong-hyuk kam 1982 im Lager 14 zur Welt. Hier wuchs er auf, abgeschottet von der Außenwelt, umgeben von einem Hochspannungszaun und unter strengster Bewachung durch rücksichtlose, gewalttätige Wärter.

Im ersten Teil des Buches wird beschrieben, welche Erfahrungen Shin in seiner Kindheit und im Jugendalter macht und wie der Arbeitsalltag der Häftlinge strukturiert ist. Die Erzählungen werden immer wieder von gut recherchierten Fakten zu den einzelnen Themen, wie bspw. das Lagersystem, die Regierung und das Militär, ergänzt.
Das Zwangsarbeiterlager Nr. 14 ist ein „Bezirk unter absolute Kontrolle“ mit besonders brutalen Arbeitsbedingungen. Hier führen verschiedene Faktoren wie Krankheiten, Hunger und vor allem die schwere Arbeit in Fabriken, Bergwerken oder landwirtschaftlichen Betrieben in der Regel zu einem vorzeitigen Tod der Häftlinge. Ohne, dass jemals eine Anklage oder ein Gerichtsverfahren stattfindet. Nur die Wenigsten werden wieder in die Freiheit entlassen.
Die Existenz dieser Arbeitslager nördlich der Hauptstadt Pjöngjang wird von der nordkoreanischen Regierung allerdings dementiert. Doch diese sind mittels Google-Earth innerhalb der zerklüfteten Berge Nordkoreas sehr gut erkennbar. Schätzungsweise 150 000 bis 200 000 Gefangene leben in diesen Lagern, ihre Zahl ist steigend.

Shins Eltern lernten sich im Lager kennen. Beide wurden gefangen genommen, nachdem Angehörige bei ihren Fluchtplänen aus dem Land aufgeflogen waren.
Ein „normales“ Familienleben kennt Shin zu jener Zeit nicht. In seiner Mutter sieht Shin lediglich eine Konkurrentin im täglichen Kampf um ausreichend Essen. Sein Vater schenkt ihm keinerlei Aufmerksamkeit und sein Bruder bleibt ihm nahezu unbekannt. Aufgrund dessen ist ihm die Bedeutung der Wörter „Liebe“, „Mitgefühl“ und „Familie“ völlig unbekannt. Ebenso das Wissen um eine Welt außerhalb des Lagers. Die Schule, welche er besucht, dient nur dazu, die Kinder mittels Gehirnwäsche zu fleißigen Arbeitersklaven zu machen. Die Gefangenen untereinander befinden sich im ständigen Misstrauen, gegenseitiger Denunziation und Misshandlung. Doch Shin akzeptiert die Werte, Regeln und drakonischen Strafen der Wärter, sie sind sein Zuhause. Die harte Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen gehört zum normalen Alltag der Kinder und Erwachsenen.

Eine besonders einprägsame Erfahrung ist für Shin der Tag, an dem seine Mutter und sein Bruder in seinem Beisein ermordet werden. Dieser Vorfall und die Gründe hierfür verfolgen Shin noch heute. In der langen Zeit der Gefangenschaft entkommt Shin oftmals nur knapp dem Tod.

Im Alter von 23 Jahren gelingt Shin durch großes Glück die Flucht. Und bis heute ist er der Einzige, dem die Flucht aus Lager 14 gelang, da es sich um das am stärksten bewachte Lager handelt.
Erst im Jahr 2004 dachte Shin das erste Mal überhaupt daran, zu fliehen. Ein neuer Häftling, Park Yong Chul, schaffte es, mit seinen Erzählungen von der Welt außerhalb des Lagers Shin zu beeindrucken.
"Plötzlich verstand er, wo er war und was ihm fehlte. Das Lager 14 war nicht länger sein Zuhause. Es war ein scheußlicher Käfig." (S. 139)

Die zweite Hälfte des Buches handelt schließlich davon, wie sich Shin in den folgenden Monaten bis nach China und Südkorea durchschlug - und was in den Jahren nach seiner Flucht geschah.

Meine Meinung zum Buch:
Der Erfahrungsbericht hat mich sehr gefesselt. Die Schilderungen des jungen Shin Dong-hyuk haben mich sowohl traurig als auch wütend gemacht, während des Lesens schüttelte ich oft den Kopf, schockiert von den zahllosen unfassbaren Vorkommnisse wie Folter und Quälerei, sexuellem Missbrauch und weiteren unmenschlichen Bedingungen in diesen Arbeitslagern.
Es ist kein Wunder, dass Shin heute, wie er selbst sagt, dem Lager zwar physisch entkommen konnte, aber psychisch noch immer ein Gefangener ist.

Sehr gut finde ich den Anhang, welcher informative Kartenausschnitte zu Nordkorea und Shins nachgezeichneten Fluchtweg enthält. Zusätzlich sind hier die 10 Gesetze des Lagers 14, nach welchen Shin lebte, aufgeführt. Im Innenteil des Buches finden sich zudem einige eindrucksvolle Fotos und Zeichnungen.

Für mich persönlich ist es eines der wichtigsten Bücher, das ich je gelesen habe und es hat mich ein wenig enttäuscht, dass es nicht mehr Beachtung durch die Medien erfahren hat und in meinem Buchhandel nur im hintersten Regal zu finden ist.
Zurück bleibt nun ein Gefühl der Hilflosigkeit und der Wunsch, etwas zu bewegen bzw. dass die internationale Politik diesem Terror endlich ein Ende bereitet. Doch es ist klar, dass sich dies nicht so einfach umsetzen lässt.
Der Vorsitzende der Washington Post Company äußerte sich zu diesem Fall folgendermaßen: „Skandalös“ seien nicht nur die Zustände in Nordkorea, sondern auch „die Gleichgültigkeit der Welt gegenüber der Existenz der Zwangsarbeiterlager in Nordkorea.“
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TOP 1000 REZENSENTam 11. September 2012
Dass es in Nordkorea Gefangenenlager gibt, dürfte den Meisten bekannt gewesen sein. Wie es drinnen zugeht allerdings den wenigsten. Nun, die Lage sieht hier ähnlich duster aus als in den Konzentrationslagern der Nazizeit oder den Gulags der Sowjetunion. Gewalt, harte Arbeit sowie mangelnde Ernährung ist das Stlandard-Programm. Bei der Biographie des Flüchtlings Shin handelt es sich zudem um eine Person, welche im Lager zur Welt kam, also welche vor seiner Flucht keine Erfahrung in der Aussenwelt besass. Die Schuld seiner Einsperrung beruhte dabei lediglich auf dem Faktum Mitglied einer Familie zu sein. Seine beiden Onkel flüchteten während des Koreakonflikts nach dem Süden. Daraufhin wurden seine Eltwern verhaftet, Shin kam im Lager zur Welt und war somit automatisch verurteilt. Die Umstände im Lager brachten mit sich dass Shin wenig Fürsorge seitens seiner Eltern erhielt, somite in dauerndes Misstrauen zwischen den Familienmitgliedern bestand, welches darin gipfelte dass Shin später seine Mutter sowie seinen Bruder verriet. Die Erziehung bzw. Umerziehung im Lager verlief im Sinne der totalen Unterordnung unter die Wächter, sowie in einer gegenseitigen Kontrolle, welches die Menschen gefügsam, gefühllos und misstrauisch werden liess. Als Lager-Geborener durchlief Shin zudem die interne Erziehungsanstalt, welche brutal und rudimentär ablief. So wurde den "Schülern" lediglich Addieren, Sustrahieren und ganz elementäre sprachliche Kenntnisse beigebracht. Von der Aussenwelt, Geographie, Kultur, usw. Wurde man im Dunkeln belassen.

Akribisch hat der Autor diese Entwicklungsstufen in Shins Leben durchkämmt, wobei er nach dem Lagerleben später seine Flucht schildert, seine Ankunft in Südkorea und den USA, sowie seine Schwierigkeiten sich im Freien anzupassen. Psychisch wird Shin jeweils von seiner Vergangenheit eingeholt, welche ihm ein normales Leben erschwert.

Neben Shins Lebensetappen erfährt der Leser Vieles über die Zustände in Nordkorea, die Armut des Grossteils der Bevölkerung, die Ausbeutung durch eine Elite, welche ein kommunistisch-feudales System aufrecht erhält. Andersdenkende werden ausgeschaltet (durch Wegsperrung einschliesslich der Familienmitglieder). Man erhält ebenfalls Einblick in das Verhalten der Nachbarländer, welche eine Balance zwischen Kritik und Geben ausüben (China, Südkorea, USA), sich der Lage in diesem Land bewusst sind, das Ganze aber lieber in einer Status-Quo-Situation belassen.

In Westeuropa besteht die Tendenz ständig mit dem Finger auf die Nazi-Vergangenheit zu zeigen. Dabei werden Missstände in anderen Staaten (Sowjetunion, Kambodscha, Nordkorea,...) übergangen, verharmlost oder totgeschwiegen, obschon diese ebenso unmenschlich sind und zudem noch andauern. Hier gilt es international die Hebel anzusetzen. Leider scheint die Welt gieriger nach Profitsucht zu sein als nach einem friedlichen Miteinanderleben. Insofern scheint für Nordkorea die Auflösung der Gefangenenlager eher durch den Zusammenbruch des Regierungssystems möglich zu sein.

Ein Buch, welches aufklärend und aufrüttelnd zugleich ist.
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am 5. Februar 2013
Eine sehr tragische Geschichte. Habe das Buch innerhalb von Stunden gelesen. Die Nachwirkungen wirken aber über Tage, Wochen, Monate.... Was sich dort in Nordkorea wirklich abspielt übersteigt unsere kühnsten Vorstellungen. Und doch schaut "die ganze Welt" zu......
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am 8. September 2012
Das ist meine erste Buchrezension, aber dieses Buch muss ich unbedingt empfehlen.
Es hat mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen, ich habe es am Stück durch gelesen.
Was hier berichtet wird aus den nordkoreanischen Lagern ist so furchtbar, es fehlen einem einfach die Worte. Man kann nicht glauben, das es so was im 21. Jahrhundert gibt.
Teilweise ist es schwierig, die Berichte über die täglichen Grausamkeiten an den Arbeitsskaven zu ertragen, das ist definitiv nichts für empfindliche Gemüter!
Bedrückend ist die Tatsache, dass es die Lager schon seit 50 Jahren gibt und weiterhin hunderttausende Menschen diese Hölle ertragen müssen.
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am 30. April 2013
Ich beschäftige mich nun schon geraume Zeit mit Korea und den Konflikten des geteilten Landes. Ich bin schon oft in Korea gewesen und habe auch Familie dort. Die Problematik der Arbeitslager war mir bisher zwar bekannt, das Ausmaß war mir jedoch nie so deutlich gewesen.
Das Buch ist grob in 2 Teile strukturiert. Einmal die Haft selber und dann der Ausbruch mit der Flucht nach Südkorea und in die USA. Dank vieler Querverweise kommt man über dieses auch zu anderen Publikationen die sich mit den Lagern und den nordkoreanischen Flüchtlingen auseinandersetzt. Die Beschreibungen vom Lager sind erschütternd aber nicht reißerisch. Der Autor hat hier eine distanzierte Perspektive gewählt und immer wieder die Angaben von Shin Dong-Hyuk in den Kontext anderer Aussagen und Analysen gestellt.
Die politischen Konflikte v.a. mit China, Japan und den USA sind in diesem Buch grob angerissen und hätten wohl noch etwas vertieft werden können. Doch da dies nicht zwingend der Anspruch dieses Buchs ist möchte ich dies auch nicht ankreiden.
Ich erzähle diese Geschichte oft anderen, auch meinen koreanischen Freunden und kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen.
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am 13. März 2014
Eigentlich ohne Worte, ein ganzes Volk lebt im KZ, in heutiger Zeit, die Welt schaut zu. Eine Bestätigung was viele Flüchtlinge bereits beschrieben haben - jedoch nie so umfangreich und "nativ" geschildert, denn der Zeuge ist im Lager geboren und aufgewachsen.

Besonders wertvoll macht die Geschichte dass sie auch die Jahre nach der Flucht mit erzählt, ebenso dass das Buch zwischendrin immer wieder die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe erläutert.
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am 20. Mai 2013
Das Buch handelt von einer Geschichte über einen Jungen, der in einem nordkoreanischen Lager für politische Häftlinge geboren und aufgewachsen ist. Ihm gelang als junger Erwachsener die Flucht. Die Grausamkeiten, die er zu berichtet, sind unglaublich: Kinder, die wegen vier Reiskörnern totgeschlagen werden. Jeder bespitzelt jeden. Kinder müssen Schwerstarbeit leisten. - Häftlinge sind in Augen der nordkoreanischen Führung keine Menschen mehr.

Es ist ein sehr ergreifendes Buch, das die erbarmungslose Diktatur Nordkoreas einem sehr nahe bringt. Es macht traurig, aber zugleich auch wütend auf die Weltgemeinschaft, die wenig bis gar nichts unternimmt. Shin Dong-hyuk ist 1982 geboren worden, also in der Zeit, als Luise Rinser ihre Reisen nach Nordkorea machte und ein wirkliches infames Buch veröffentlichte. Wer Kontraste mag, kann Blaine Hardens Buch und Rinsers "Reisetagebuch" gleichzeitig lesen. Rinsers Buch ist symptomatisch für die Blindheit der deutschen pazifistischen Bewegung; "Flucht aus Lager 14" kann diese Blindheit vielleicht beseitigen.
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TOP 500 REZENSENTam 2. Juli 2013
"Flucht aus Lager 14" ist ein erschütterndes und bewegendes Buch.

Es schildert die wahre Lebensgeschichte von Shin, der in einem nordkoreanischen Arbeitslager geboren und aufgewachsen ist - und dann erfolgreich die Flucht wagte. Unprätentiös, in dürren Worten, ohne Pathos schildert der Autor einfach, was passiert ist - das Klima der ANgst und der Bespitzelung im Lager, der tägliche Kampf ums Überleben, der Hunger und die sadistischen Wachen. Nichts für zart besaitete Gemüter.

Sehr spannend auch die Flucht aus der Hölle: Durch Nordkorea und China nach Südkorea. Dort lernt Shin erst einmal, ins moderne Leben zu finden: Was Geld ist, wie man ein Handy benutzt und überhaupt, wie ein selbst verantwortetes Leben außerhalb eines Lagers aussieht. Das Buch endet einige Jahre nach Shins Flucht in den USA, wo Shin sich inzwischen aufhält.

Fazit: Dieses Buch ist wirklich zu empfehlen. Und jedem, der das Regime in Nordkorea belächelt, wird es die Augen öffnen.
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am 14. März 2014
Shin Dong-hyuk ist bislang der einzige in einem nordkoreanischen Straflager geborene Häftling, dem die Flucht gelang. Es gibt zwar insgesamt 26 Menschen, denen die Flucht aus diesem Lager gelang (insgesamt sind es etwa 60 Flüchtlinge aus allen sechs Lagern), Shin Dong-hyuk jedoch ist der einzige, der auch dort geboren wurde. Seine einzigartige Geschichte beschreibt der Journalist Blaine Harden in seinem aufwühlenden Buch, das nur aufgrund Shins Offenheit und Kommunikationsbereitschaft überhaupt entstehen konnte. "Flucht aus Lager 14" erzählt eine erschütternde Geschichte über etwas, das laut der nordkoreanischen Regierung überhaupt nicht existiert. Bis heute leugnet das Terrorregime um Kim Jong Un, dass es diese Lager gibt, obwohl zahlreiche Satellitenaufnahmen und auch Zeugenaussagen belegen, dass sie existieren. Das Buch deckt auf, dass in Nordkorea wohl die schlimmste Diktatur von allen herrscht und liefert bestürzendes Detailwissen über ein Land, dem jegliche Menschlichkeit verloren gegangen ist. Umso wichtiger ist es, dass Menschen wie Shin den Mut haben, ihre traumatische Vergangenheit öffentlich zu machen, damit vielleicht endlich etwas unternommen wird, um Schicksale wie Shins dauerhaft zu verhindern.

Blaine Harden, geboren 1952, ist Autor des Economist und der US-Dokumentarsendung PBS Frontline. Er hat als Korrespondent der Washington Post in Asien, Afrika und Osteuropa gearbeitet und war einige Zeit Journalist der New York Times. Er lebt in Seattle.

Shin Dong-hyuk wurde 1982 im Straf- und Arbeitslager 14 in Nordkorea geboren, welches ca. 90 km von der Hauptstadt Pjöngjang entfernt liegt. 2005 gelang ihm die Flucht nach China und dann nach Südkorea. Von dort aus durfte er in die USA einreisen. Shin lebt heute in Washington und Seoul.

"Flucht aus Lager 14" beschreibt ein nahezu unglaubliches Schicksal, unter dem momentan ca. 150.000 bis 200.000 Nordkoreaner noch immer leiden. So viele Menschen befinden sich laut der südkoreanischen Regierung bzw. des amerikanischen Außenministeriums noch immer in den insgesamt sechs Arbeitslagern. Lager 14 existiert seit 1959, erstreckt sich über eine Fläche von 280 Quadratkilometern und beherbergt 15.000 Häftlinge. Es gibt dort landwirtschaftliche Betriebe, Bergwerke und Fabriken, die sich auf fünf Bergtäler verteilen. Mehrere Hunderttausend sind in diesen Lagern bis heute zu Tode gekommen. Sie werden gefoltert, hingerichtet, zu Tode geprügelt oder sterben an den Folgen von Krankheiten, der jahrelangen Misshandlungen und Unterernährung. Sie müssen 12 bis 15 Stunden pro Tag arbeiten. Sie verfügen weder über Unterwäsche oder Socken, über kein Toilettenpapier, Tampons oder Binden, Zahnbürsten, Seife oder Handschuhe. Sie müssen sich von Kohl und Mais ernähren und werden meist nicht älter als 50, bis dahin sind ihre Zähne verfault und ihre Knochen verkrümmt.

Die Arbeitslager dienen dem Regime zur "Ausmerzung des Klassenfeindes bis in die dritte Generation", die Menschen werden in der Regel ohne ordentliches Gerichtsverfahren in die Lager verfrachtet, oft ganze Familien. Im Lager werden sie einer permanenten Gehirnwäsche, endlosen Demütigungen und brutaler körperlicher Gewalt unterzogen. Nur in sehr seltenen Fällen gilt die "Umerziehung" als erfolgreich, so dass nur einige wenige Menschen aus den Lagern entlassen wurden. Alle anderen werden systematisch zu Tode gefoltert oder verhungern. Die Wärter haben nahezu Allmacht und können mit den Häftlingen tun und lassen, was sie wollen. Wird eine Frau durch Vergewaltigung einer der Wärter schwanger, werden sie und ihr Kind umgebracht. Dass Shin überhaupt geboren werden durfte, gilt schon als große Ausnahme, auch, dass er und seine Mutter nicht sofort hingerichtet wurden.

Das, was Shin in unfassbaren 23 Jahren Lagerleben ertragen musste, ist so unendlich schrecklich und grausam, dass es wirklich an ein Wunder grenzt, dass er überlebt hat und sogar fliehen konnte. Mehrfach wäre er fast gestorben, verhungert oder an den Folgen der brutalen Folter zugrunde gegangen. Unmenschlich harte, körperliche Arbeit, die allgegenwärtige Indoktrination durch die Wärter, dass er kein Mensch sei, nichts wert, ein Tier, die endlosen Lügen über die Kim-Dynastie, die Anstachelung zu Denunziation, Bespitzelung und Verrat anderer Häftlinge und der ständige Hunger haben aus Shin, der in dieses Leben in der Hölle hineingeboren wurde, einen Menschen gemacht, dessen Geist auch heute noch im Lager 14 gefangen ist. Alle Vorteile und Freiheiten, die ihm aufgrund seiner Flucht zugutekommen, konnten nicht verhindern, dass seine Seele noch immer traumatisiert ist und er wahrscheinlich nie ganz darüber hinwegkommen wird, was dieses Regime ihm angetan hat. Er musste lernen zu lachen und zu weinen, er kannte keine Gefühle wie Schuld oder auch nur rudimentäres Unrechtsbewusstsein, überhaupt hat er jahrzehntelang fast jede menschliche Regung unterdrückt, um überleben zu können. Er hat sogar seine Mutter (die aufgrund der herrschenden Lagerregeln nie eine Mutter für ihn war) verraten und somit an den Galgen gebracht und erst Jahre nach seiner Flucht so etwas wie Schuld und damit einhergehenden Selbsthass kennengelernt.

"Flucht aus Lager 14" schildert eindringlich und schockierend detailliert sowohl Shins Leben im Lager und die Tage, Monate und Jahre nach seiner Flucht als auch das Leben und Denken in Nordkorea. Blaine Harden hat jahrelang mit Shin zusammengearbeitet und ihn interviewt, und man kann sowohl Harden als auch Shin nur dankbar sein, wie viel Zeit, Mut, Offenheit und Recherche sie in dieses Buch investiert haben. "Flucht aus Lager 14" dürfte eines der schockierendsten Bücher über staatlichen Terror und das Leben in einem Arbeitslager sein. Neben Shins Geschichte berichtet Harden auch viel über Nordkorea und gewährt so nicht minder erschütternde Einblicke in ein Regime, das seit Dekaden jegliche Menschenrechte so elementar verletzt und missachtet, dass man einfach nicht glauben kann, dass so etwas in der (mehr oder weniger) zivilisierten Welt von heute überhaupt noch möglich ist.

Wenn ein Kind in Kuhfladen nach unverdauten Maiskörnern sucht, um seinen Hunger zu stillen, wenn ein kleines Mädchen von einem Wärter totgeprügelt wird, weil es ein paar Maiskörner gestohlen hat und der Wärter an dem Tag gerade besonders schlechte Laune hatte, wenn ein Kind die eigene Mutter verrät und damit ihren sicheren Tod in Kauf nimmt, nur um nicht selber umgebracht zu werden oder eine halbe Essensration mehr zu bekommen, wenn Kinder über brennendes Feuer gehängt werden, um ihnen Informationen zu entlocken…dann verliert man irgendwann wirklich den Glauben an die Menschheit. Zum Einen, dass Menschen zu solch systematischen, regelmäßigen Gewalttaten überhaupt fähig sind, zum Anderen, dass dagegen nichts unternommen wird.

Ein wenig Menschlichkeit erfährt Shin im Lager aber doch, als er zum Beispiel von einem älteren Häftling gepflegt wird und so dem sicheren Tod entrinnt. Doch erst, als er durch einen Häftling etwas über die Welt jenseits des Lagerzauns erfährt, von all den Dingen (und vor allem von all dem Essen), die es dort draußen geben soll, reift in ihm der Wunsch nach Flucht. Flucht aus einem Land, das seine Bewohner regelmäßig in größte Hungersnöte stürzt, in dem es nur unregelmäßig Strom gibt und in dem nur eine verschwindend geringe Elite in Saus und Braus lebt, während rundherum die Menschen verhungern. Doch reinen Herzens mag man Shin gar nicht zu seiner Flucht beglückwünschen, wenn Harden schildert, wie schwer es Shin auch noch Jahre nach seiner Flucht hat, sich in einem normalen Leben in einer zivilisierten Welt zurechtzufinden. Albträume, Gefühlskälte und ein tief verwurzeltes Misstrauen machen Shin auch heute noch das Leben schwer. Empathie und jegliche Art von menschlichem Gefühl musste er erst mühsam erlernen, seine geschundene Seele taumelt hin und her zwischen vergleichsweise luxuriösen Annehmlichkeiten des täglichen Lebens und seinen weit verzweigten Gedanken, die ihn immer wieder in die Hölle des Lagers zurückführen. Es ist mit Worten gar nicht auszudrücken, was dieses Regime ihm und hunderttausend Anderen angetan hat und immer noch antut.

"Flucht aus Lager 14" ist ein immens wichtiges Buch, das - vielleicht erstmals - detaillierte und schockierende Einblicke in einen totalitären Staat gewährt, der sich vehement und weitestgehend von der Welt abschottet. Der in regelmäßige Drohgebärden und militärische Angriffe verfällt und alles mit Füßen tritt, was zu einem menschenwürdigen Leben gehört. Mittlerweile wird Nordkorea als das schlimmste Terrorregime weltweit angesehen und es ist einfach wichtig, dass man endlich etwas mehr darüber erfährt und sich der, wenn auch schweren, Lektüre von Büchern wie diesem widmet. Ich könnte noch Dutzende weitere grauenhafte Details und erkenntnisreiche Zustandsbeschreibungen Nordkoreas aus diesem Buch anführen, möchte aber lieber eindringlich zur Lektüre dieses - wenn auch auf schreckliche Weise - faszinierenden Buches raten. Denn zumindest das sind wir Shin und all den Anderen, die noch immer in diesen Lagern gequält und getötet werden, schuldig. Volle fünf von fünf Lagern, die es niemals hätte geben dürfen und gegen die etwas unternommen werden muss.
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