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41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zigeuner: Wer's wissen will, muss Bauerdick lesen
Begegnungen mit Zigeunern hinterlassen starke Eindrücke: Klaukinder in St. Marie de la mer, Rumänische Pappbudenbewohner am Kreisverkehr in der Normandie, Wohnwagen-Camps in Penmarc'h (Bretagne), barfüßige Kinder am Markt in Tirana oder am Bahnhof Suceava, Metallsammler in Dortmund und Alt-Fratauz (Bukowina) und ganze Sippen aus Stolipinovo, die auf...
Vor 12 Monaten von Supra Renin veröffentlicht

versus
0 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Keine neuen Einsichten
Die alten Geschichten - immer wieder das gleiche Elend - neu aufbereitet. Dieses Buch hat auf meinem Regal nicht gefehlt!
Vor 2 Monaten von Lars Markwort veröffentlicht


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41 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zigeuner: Wer's wissen will, muss Bauerdick lesen, 5. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (Gebundene Ausgabe)
Begegnungen mit Zigeunern hinterlassen starke Eindrücke: Klaukinder in St. Marie de la mer, Rumänische Pappbudenbewohner am Kreisverkehr in der Normandie, Wohnwagen-Camps in Penmarc'h (Bretagne), barfüßige Kinder am Markt in Tirana oder am Bahnhof Suceava, Metallsammler in Dortmund und Alt-Fratauz (Bukowina) und ganze Sippen aus Stolipinovo, die auf dem Mittelstreifen der Malinckrodtstrasse in Dortmund-Nord leben...

Diese Menschen sind laut, bunt und oft lästig. Wenn sie sich nicht verstecken müssen. Und sie sind eindruck-weckend.
Diese Eindrücke werfen Fragen auf. Was verbindet die Zigeuner? Was macht sie so besonders?
Vernachlässigen sie ihre Kinder wirklich so? Woher kommt diese Musikalität? Warum ziehen sie immer wieder Hass und Ablehnung auf sich? Und vor allem: Warum landen sie immer wieder an den unteren Rändern der Gesellschaft?

Wer nach Antworten sucht, findet die Filme von Gatlif und Kusturica oder jahrhundertealte Bücher mit Berichten über Versuche der Ansiedlung und Beschulung von Zigeunern. Man findet viel wissenschaftliches, romantisierendes aber auch hasserfülltes. Aber gute Antworten findet man nicht.

Gute Antworten gibt auch Bauerdick nicht. Aber er läßt uns Leser an seinen farbigen, bedrückenden und nachdenklich machenden Erfahrungen teilhaben. Und er scheut sich nicht, Ross und Reiter zu benennen. Nicht immer sind die Zigeuner die Opfer, die Gadsche die Täter. Der Begriff "Zigeunerkriminalität" mag politisch unkorrekt sein. Wer aber mit Zigeunern zu tun hat, lernt oft schnell, was damit gemeint ist. Es braucht keine rechtsradikale Gesinnung um von aggressivem Betteln, vermüllten Wohnungen oder von bandenmäßiger Kriminalität die Wut zu bekommen. Ein schwarz-weisses Täter-Opfer-Denken kann sich nur leisten, wer weit entfernt von den sozialen Brennpunkten lebt. Am Beispiel des Rechtsrucks in Ungarn zeigt Bauerdick, daß das politisch korrekte Verschweigen der Probleme eher zur Radikalisierung der Parteien beigetragen hat.

Nun wird es Zeit, sich in Deutschland mit diesen Fragen zu beschäftigen. Denn die Armutseinwanderung bringt hunderttausende osteuropäische Zigeuner in unsere Städte. Frankreich schickt sie spektakulär zurück nach Hause. Italiener zerstören ihre Bretterbudensiedlungen. Dortmund schließt den Straßenstrich. Man kuriert an den Symptomen ohne das darunterliegende Problem benennen, geschweigedenn kurieren zu können.

Bauerdicks Buch hilft, Hintergründe, Historie und Eigenarten der Zigeuner kennen zu lernen. Es desillusioniert diejenigen, die simple Lösungswege favorisieren (sogar gutgemeinte Kleiderspenden können Unheil anrichten). Es erklärt Verhaltensweisen, die unsereins unerklärlich erscheinen. Und es ist spannend zu lesen. Weil es brilliant geschrieben ist. Erfahrungsbasiert und empathisch. Danke dafür!
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen viel zum Begreifen, viel zum Nachdenken, 8. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (Gebundene Ausgabe)
Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich nicht um eine weitere, womöglich praxisferne wissenschaftliche Abhandlung zum Ziganismus, sondern um eine höchst subjektiv gefärbte Zusammenstellung der Erlebnisse des Autors mit einem Portrait verschiedenster Stämme und Volksgruppen in ganz Europa mit dem Schwerpunkt auf Osteuropa. Der Autor hat als Reporter und Fotograf jahrelang zahlreiche Reisen unternommen und seine Eindrücke und Gewissheiten notiert, verfestigt, abgewogen und nunmehr zusammenfassend veröffentlicht. Dabei grenzt er sich bewusst von diversen anderen Spielarten von Veröffentlichungen ab, die rund um das Thema Zigeuner, Sinti oder Roma existieren: er möchte mit Autoren, die nie einen Fuß in die Lebensgebiete und Dörfer der betroffenen Menschen gesetzt haben, auf keinen Fall gleichgesetzt werden. Und er sieht sich auch nicht in der Position, eine irgendwie geartete Moralkeule über den von ihm portraitierten Menschen zu schwingen. Schließlich möchte er sich auch von Betroffenheitsliteratur distanziert sehen. Dennoch spricht er selbstverständlich die Probleme des Zusammenlebens mit den Zigeunern, sei es in ihrem heimatlichen Lebensraum, sei es nach ihrer Migration Richtung Westen an, dazu aber auch ihre zahlreichen und heftigen Querelen untereinander. Es bleibt also nicht bei der bloßen Beobachtung, sondern diese wird beschreibend und bewertend ergänzt, wenngleich es für meinen Geschmack manchmal doch mehr als der erlebten Geschichten bedurft hätte, um ein angesprochenes Thema gelungen abzurunden. Denn Konsequenzen vorzuschlagen oder gar belehrende Schlussfolgerungen zu machen, dazu lässt sich der Autor nicht hinreißen - dies würde die Komposition seines Buches empfindlich stören. Dadurch entsteht aber eben manchmal der schale Eindruck eines angerissenen, aber nicht zu Ende gedachten Problems, manifestiert vor allem durch die fehlenden allgemein(gültig)en Ausführungen und die dafür im Übermaß vorhandenen Einzelbetrachtungen und Erlebnisberichte. Diese sind letzten Endes aber alle interessant, amüsant, tragisch und in vielen weiteren Facetten der Gefühlswelt zu beschreiben und der Autor vermag es, seine eigenen Empfindungen, selbst wenn sie auf Fehleinschätzungen beruhten, authentisch nachzuzeichnen.

Unterteilt in 14 Kapitel hat der Autor den jeweiligen Berichten ein Thema gegeben und so eine ansprechende inhaltliche Gruppierung seiner Erlebnisse vorgenommen. Beginnend mit dem Preis der Freiheit" berichtet er von den harten Zeiten nach dem Fall des eisernen Vorhangs, verschäft später durch die Anforderungen der kapitalistischen Marktwirtschaft und die Unfähigkeit zur effektiven und wirtschaftlichen Selbstorganisation der Stämme bzw. Dörfer. Das ist auch ein Aspekt im Kapitel Träume und Traumata", wo ein hoffnungsvoll gestartetes, aber nach Wegzug des Gründers jäh in sich zusammenfallendes Aufbauprojekt für ein Dorf beschrieben wird. In Orakel und faule Zauber" widmet sich der Autor den Hellseherinnen und Hexen, insbesondere den aberwitzigen Folgen, wenn diese wie seit neuestem Steuern auf ihre Tätigkeit entrichten müssten. Dass da die Frage der Gewährleistung auftaucht, ist natürlich ein voraussehbarer Scherz. Erschütternd sind die Ausführungen in Aus der Zeit gefallen", wenn über die vergeblichen Versuche des traditionellen Handwerks geschrieben wird, mit der Moderne Schritt zu halten, aber erst recht, wenn das Leben auf der Müllkippe von Oradea nachgezeichnet wird: wie wenig kann ein Mensch den Wert sein? Nahtlos gehen die schlimmen Gedanken über in den Sumpf des Hasses", wo von Anschlägen und der mangelnden Aufklärung derselben berichtet wird, aber auch von der unmöglichen Rekonstruktion der Wahrheit, wenn jeder jeden der Lüge bezichtigt. Ein erster Umschwung des Buches findet statt, als der Autor über die gewonnene Erkenntnis berichtet, dass doch nachweisbare Gewalt von Roma ausgeht und nicht nur in Einzelfällen, dies am Beispiel Ungarn.

Nach gut der Hälfte des Buches kommt der Autor dann endlich einmal in eine Fahrtrichtung, die ich mir schon viel früher gewünscht hätte. Er berichtet über die von verworrener Dogmatik und Lebensferne geprägten Forscher und Institute, die sich der Bekämpfung des Antiziganismus verschrieben haben. Dabei deckt er nicht nur logische und fachliche Fehler auf, sondern beschreibt auch schön das Denkkarussell, in dem sich die Mitglieder dieser Zirkel befinden: das Forschungssubjekt wird mit dem Generalverdacht Opferstatus" versehen, Tatsächliches wird ausgeblendet, insbesondere was die Prämisse der Schutzbedürftigkeit der vermeintlichen Opfer stören könnte, aber es wird auch schön erklärt, dass das stete Verharren im Status der Diskriminierung auf Dauer verhindert, dass man sich innerhalb der Gesellschaft auf Augenhöhe gegenübersteht. Auch die nur allzu bereitwillig als Claqueure herbeispringenden Linksintellektuellen kriegen das Fett ab, das ihnen gebührt. Und auch der Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland samt dessen rührigen Vorsitzenden sowie verschiedene angegliederte Institutionen (siehe v.a. Kapitel 14) werden kritisch beleuchtet, insbesondere der sprachliche Wandel, der an dem Vorsitzenden selbst über die Jahrzehnte hin auszumachen ist, und die Multifunktionalität einiger Vorstandsmitglieder, die die Validität ihrer Publikationen und angeblichen Forschungsergebnisse ohne viel Argumentationsaufwand rasch ad absurdum führt. Letzten Endes arbeitet der Autor heraus, dass all diese Akteure keinen Beitrag zur faktischen Verbesserung der Lebenssituation der Betroffenen erbringen, dass die vornehmlich theoretisch beteiligte Wissenschaft diese Lebenssituation nicht einmal begreift - wie auch, wenn man sich nicht in die Problemgebiete vor Ort begibt, sondern nur mit fragwürdigen theoretisch-analytischen Methoden sprachliche Vergehen anderer zu ächten gewillt ist und dabei mitunter völlig absurde Vergleiche zum immer wieder als Totschlagsargument herbeigezogenen Naziregime gegen andere Bevölkerungsgruppen wie die Juden zieht. Dabei kommt fast schon zynisch hinzu, dass sich beileibe nicht alle Zigeuner" unter den Schutz" des genannten Zentralrats gestellt sehen wollen, vielmehr Roma und Sinti keineswegs alle unter einen Hut zu bringen sind, ja sogar bestimmte Roma keinesfalls von Sinti vertreten werden wollen und umgekehrt und es daneben durchaus Gruppen gibt, die sich selbstbewusst Zigeuner nennen und das keinesfalls als Beleidigung ansehen. Dazu analysiert der Autor treffend, dass sich gerade öffentliche Stellen sehr wohl der diskriminierenden Wirkung bewusst sein müssen, wenn sie Roma-Kriminalität" pauschal als solche bezeichnen, obwohl es bei typischen Delikten, Beispiel Metalldiebstähle, auch etliche andere Trittbrettfahrer gibt, die rein gar nichts mit Roma zu tun haben. Er plädiert deswegen aber völlig zu Recht dafür, dass Missstände benannt werden können müssen und nicht unter einem falschen Deckmantel der Nichtdiskriminierung das Schweigen öffentlicher Stellen und engagierter Bürger dazu führt, dass redliche Mitglieder jeglicher Minderheiten von wenigen kriminellen Subjekten in Misskredit gezogen werden.

Das alles ist sehr spannend zu lesen und könnte eine Kulmination des Buches sein, aber leider geht der Autor dann in den letzten drei Kapiteln wieder zum Duktus des Anfangs zurück und gerät ins Erzählen ohne zielführende Struktur. So werden natürlich noch weitere Themen abgedeckt, etwa ausbeuterische Strukturen innerhalb von Roma-Gemeinden, die Vorliebe ganzer Dörfer für bestimmte Destinationen, etwa der Straßenstrich in Dortmund oder Frankreichs Süden statt Deutschland, die Perversion von Bettelei oder die eigenen Pilgerfahrten der Ziganen. Aber das schon zu Beginn bemängelte strukturlose Dahinfließen der Erzählung ist für das viele Wissen und die unbestreitbare Analysekompetenz des Autors zu wenig. Es hätte zum Beispiel wenig bedurft um das Problem der Verhinderung des Zugangs der Kinder zur Bildung durch die eigenen Väter (Grund: durch Wissen wird die Autorität des Familienoberhauptes schwächer) auch bei anderen sozial schwachen Bevölkerungsgruppen auszumachen, also wiederum ein allgemeines Problem und nicht ein spezifisch ziganes zu erläutern. Und auch das Wiederaufgreifen der Probleme rund um den Zentralrat in Kapitel 14 hätte mit den Punkten, die im Mitteilteil des Buches angesprochen worden waren, besser gebündelt und als Schlusspunkt ausgearbeitet werden können. Stattdessen endet das Buch seicht und nahezu nichtssagend mit einem Wunsch nach Verbesserung der Zustände: wie das passieren soll, bleibt offen.

Was bleibt als Fazit? Dieses Buch gibt dem interessierten Leser viel Wissenswertes zum Begreifen und auch zum Nachdenken. Eine einheitliche Volksgruppe der Zigeuner gibt es nicht. Es gibt viele und deutliche regionale Unterschiede und es gibt wie in jeder Bevölkerungsgruppe redliche und unredliche Exemplare. Dazu gibt es - wie so oft bei Minderheiten - keine einheitliche und vor allem keine altruistisch-redliche Lobby, sondern es hat sich mittlerweile eine den Opferstatus weidlich auskostende Anprangerungsindustrie gebildet, die öffentliche Gelder nutzt, um praktisch wenig zielführende Beiträge und Forderungen von sich zu geben, und statt der Eigenständigkeit der Betroffenen nur immer neue Hilfsmittel verlangt. Die wahre Arbeit an den Menschen und für die Menschen wird stattdessen auf Kirche, soziale Einrichtungen und Einzelpersonen abgewälzt, die oft mit der schieren Masse von Neuankömmlingen oder Ansässigen überfordert sind, aber auch mit deren Einstellung zum Leben und zu rechtlichen und moralischen Normen. In puncto Kriminalität kann man aus den Ausführungen des Autors überwiegend völlig richtig entnehmen, dass es dem Grunde nach keine typische Zigeuner- oder Romakriminalität gibt, wohl aber Kriminelle aus dieser Bevölkerungsgruppe wie auch aus anderen. Es gibt dagegen sehr wohl nach innen, also innerhalb der einzelnen Roma-Gruppen, kriminelles Verhalten, etwa das Ausbeuten untereinander und viele Formen mafiöser Strukturen, oft aufgrund der schwachen Stellung der Roma nach außen, aber auch aufgrund der problematischen gesellschaftsinternen Strukturen der Roma in den osteuropäischen Staaten, die ihnen den Zugang zu rechtlichen Möglichkeiten zumindest erschwert. Konkrete Hilfestellungen für den Umgang mit Zigeunern, Roma oder Sinti, egal ob in Deutschland oder in Europa, gibt das Buch leider nicht, nur viele und rege Aspekte zur weiteren Reflektion.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wichtiges, differenziertes Buch, das die aktuelle Debatte bereichern kann, 23. März 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (Gebundene Ausgabe)
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist es in Deutschland schwer geworden über Zigeuner zu sprechen und einen unverstellten, von verschiedenen politischen Korrektheiten freien Blick auf ihre Geschichte, Kultur und Gegenwart zu werfen. Lange Zeit war es verpönt, den Namen Zigeuner überhaupt zu benutzen und nur wenige Eingeweihte wussten über die Unterschiede und auch Kämpfe zwischen den Roma und den Sinti wirklich Bescheid. Romani Rose hat über Jahrzehnte tapfer versucht, einer bundesdeutschen Öffentlichkeit den Opferstatus seines Volkes vorzuhalten, aber solange sie in ihrer Minderheit als geachtete Musiker auftraten und in ihrer großen Mehrheit in Rumänien und Bulgarien und anderen Länder sicher hinter dem Eisernen Vorhang versteckt lebten, war die Welt der Deutschen in Ordnung.

Nun, durch die Aufnahme dieser beiden Länder in die EU (dass das ein großer Fehler war, tut hier nichts zur Sache) haben deutsche Großstädte schon seit langem mit einem Phänomen zu tun, das in den letzten Wochen von der Öffentlichkeit mit der gebotenen Vorsicht, aber ohne die Fesseln einer lange die Debatte verhindernden politischen Korrektheit, diskutiert wird. Die Rede ist von der sogenannten Armutseinwanderung, bei der ganze Dörfer und Sippen von Roma nach Deutschland kommen und hier in sich schnell bildenden Ghettos von der Sozialhilfe, dem Kindergeld und vor allem vom geplanten Betteln leben. Es sind gerade die ärmsten Städte, wie etwa Duisburg, die am meisten betroffen sind. Noch weiß niemand so recht, was zu tun ist, und alle schauen mit Sorge auf den Beginn des Jahres 2014, ab dem die volle Freizügigkeit für die Bürger Rumäniens und Bulgariens beginnt.

Fakt ist: die Zigeuner sind in aller Munde. Es wird viel diskutiert über ihre Kultur, ihr „Wesen“, auch Zigeuner selbst melden sich durchaus kritisch zu dem Phänomen der Armutseinwanderung zu Wort. Dennoch ist in weiten Teilen der Öffentlichkeit die Kenntnis über die Zigeuner erschreckend gering und deshalb auch die Debatte um sie mit den uralten Klischees und Vorurteilen behaftet.

Das vorliegende Buch von Rolf Bauerdick ist auf eine besondere Weise dazu geeignet, hier Abhilfe zu schaffen. Auf über einhundert Reisen in elf Länder, in denen Zigeuner leben, hat er viele persönliche Erfahrungen gemacht, von denen er hier in teils erschütternder, teils faszinierender Weise erzählt.

Er geht den Ursachen der Verelendung der Zigeuner auf den Grund und der daraus resultierenden Zunahme von Konflikten. Seine Erzählungen sind beeindruckend und strahlen eine große Kraft aus. Immer in der Hochachtung vor der Kultur und des Alltags eines ungeliebten und unverstandenen Volkes. Er arbeitet mit allem Respekt heraus, dass es eben nicht immer die Diskriminierungen in ihren jeweiligen Mehrheitsgesellschaften sind, die ihre Probleme generieren, sondern dass sie für ihre Lage auch teilweise selbst verantwortlich sind.

Die öffentlich diskutierte Armutseinwanderung von Zigeunern vor allem in Deutschland kann mit den Informationen dieses Buches besser eingeschätzt und politisch bewältigt werden. Deshalb kann man es allen betroffenen Kommunalpolitikern, aber auch allen am öffentlichen Diskurs dieses Landes beteiligten Bürgern nur ans Herz legen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zigeuner zwischen Plage und Romantik, 20. November 2013
Von 
Scipio, der Afrikaner (Ulm) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Eine aussgewöhnliche gute Recherche ist es, die allerdings keine Lösungen aufzeigt! Ja, wie soll man mit solchen Volksstämmen auch welche Lösungen anstreben?

Zigeuner sind nicht gleich Zigeuner, es gibt Stämme, wie die Sinti und Roma, und - man verzeihe mir das Wort - Hybridstämme wie die Yenischen, die viele Verhaltensweisen der Zigeuner angenommen hatten. Sind sie Ausgestossene der Gesellschaft, sind sie genetisch auf Wanderschaften angelegt, wieso sind sie so anders als alle andere?

Als Afrikaner (Westafrika) kann ich nur darüber staunen, dass es solche breiten, "weißen" Volksgruppen gibt, die scheinbar nirgends hingehören. In Afrika wären umherziehende Volksgruppen nicht möglich, denn Einzelne sind in jedem Fall "Vogelfreie", die von jedem Dorf benutzt werden könnten. D. h. versklavt oder getötet.

Dieses Buch gibt dem interessierten Leser viel Wissenswertes zum Begreifen und auch zum Nachdenken. Es gibt anscheinend viele und deutliche regionale Unterschiede und es gibt wie in jeder Bevölkerungsgruppe redliche und unredliche Exemplare. Dazu gibt es - wie so oft bei Minderheiten - keine einheitliche und vor allem keine altruistisch-redliche Lobby, sondern es hat sich mittlerweile eine den Opferstatus weidlich auskostende Anprangerungsindustrie gebildet, die öffentliche Gelder nutzt, um praktisch wenig zielführende Beiträge und Forderungen von sich zu geben, und statt der Eigenständigkeit der Betroffenen nur immer neue Hilfsmittel verlangt. Die wahre Arbeit an den Menschen und für die Menschen wird stattdessen auf Kirche, soziale Einrichtungen und Einzelpersonen abgewälzt, die oft mit der schieren Masse von Neuankömmlingen oder Ansässigen überfordert sind, aber auch mit deren Einstellung zu unserer Gesellschaft.

Sicher wird die Situation mit der Öffnung der Ostgrenzen 2014 noch wesentlich angespannter werden!
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Volk ohne Grenzen - sie sind eben anders, 7. März 2013
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (Gebundene Ausgabe)
Das wunderbare für mich an diesem Buch ist, Rolf Bauerdick ist diesem ungeliebten Volk nicht als Wissenschaftler auf der Spur. Die hat er vorher besucht und war zum Teil enttäuscht, weil sie viel an Theorie im Hirn hatten, aber noch nie im Leben einem Zigeuner wirklich begegnet waren.

Der Autor hat sie in mehreren Reisen besucht. Hat sich von ihnen bestehlen lassen, wurde von ihnen auf die Schippe genommen und war dem anders sein dieses Volkes dicht auf der Spur. Mit vielen hat er gesprochen, sich deren Lage erklären lassen. Unterschiede des Lebens im Sozialismus in Bulgarien, Rumänien und Ungarn zu heute werden deutlich sichtbar. Von Verbesserungen lese ich selten.

In 14 Kapiteln, auf immer wieder neuen Reisen, mit immer neuen und interessanten Menschen, geht der Autor Fragen der Geschichte und Gegenwart nach. Endgültige Antworten sucht man hier vergeblich. Auch enthält dieses Buch keine Anleitung zur Eingliederung eines Volkes ohne Grenzen in Normen und Erwartungen, dies wäre ohnehin unmöglich. Was dieses buch ermöglicht, ist das Kennenlernen der anderen Seite. Wer dieses Buch gelesen hat, dem sind viele interessante Menschen begegnet.

Dieses Buch ist ein sehr bewegender Reisebericht durch Südeuropa zu einem fremden Volk ohne Grenzen.

Sehr zu empfehlen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gadscho trifft Roma, 22. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (Gebundene Ausgabe)
Skizzen zu Begegnungen mit Gitanos, Manouches, Roma und den elenden Bedingungen, unter denen die meisten leben. B. hat diese Berichte von Reisen in die Zigeunergebiete Europas mitgebracht. Dabei fehlen oder werden eher am Rande berührt die Sinti, romanichals, (finnische) Kalé, Zigeuner in Russland ... Auch wenn keine Begegnungen mit diesen Gruppen stattgefunden, bezieht sich B. immer wieder auf einschlägige Zeugnisse (etwa des kanadischen Rom Ronald Lee). B.s Schilderungen wollen keine systematisch-umfassenden (ethnologischen, soziologischen, kulturwissenschaftlichen) Darstellungen sein; eher anekdotische Berichte, die durchaus charakteristische Eindrücke realitätsnah wiedergeben. Sie bestätigen dabei erstaunlicherweise mitunter, was an anderer Stelle (etwa bei Bogdal. Europa erfindet die Zigeuner) als von Vorurteil und Missverständnis getragene, ausgrenzende Sichtweise gekennzeichnet wird. B.s anekdotisch-zersplittert wirkende Berichte spiegeln vielgestaltige Lebensformen der Rom-Völker, die für gadsche in vielerlei Hinsicht fremd & rätselhaft bleiben, was dann bei "gestaltenden" Autoren, wie Bogdal sie unter die Lupe nimmt, nur zu leicht aus hilfloser Ratlosigkeit oder in diskriminierender Absicht zu Vorurteil & verzerrten Mythen geführt hat. B.s Schilderungen sind keineswegs vorurteilsbehaftet, sie stammen aus eigener Beobachtung in persönlichen Kontakten. Sie zeigen Akzeptanz & Verständnis des Fremdartigen und enthalten durchaus auch kritische Urteile; so die Kritik an einer gewissen Schicksalsergebenheit, Iniativelosigkeit von Zigeunern, was den Verlust des Bewußtseins ihrer Identität und der eigenen Ethnie zur Folge habe und so häufig zu einer Fürsorgementalität bei den gadsche führe. Dies hält B. durchaus für eine Form der Diskriminierung
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beste Information abseits der gängigen Klischees., 29. September 2013
Von 
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (Gebundene Ausgabe)
Ein wichtiges Buch vom Fotografen Ralf Bauerdick. Trotz seiner manchmal verständlich überbordenen Emotionen gegen die sogenannten Interessenvertreter der Zigeuner hat der Autor ein vielschichtiges, vielgesichtiges Buch mnt vielen Belegen geschrieben. Seine sich hier offenbarende Kanntnis über Zigeuner und die immer wieder zu spürende distancierte Liebe zu dem "ungeliebten Volk" macht das Buch äußerst lesenswert, auch wenn manchmal Längen oder Widerholungen zugunsten der Belege auftauchen. Eher ein Standartwerk mit Plädoyercharakter.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig!, 24. März 2013
Von 
Kerstin Kozubek "katjusha" (Frankfurt, Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (Gebundene Ausgabe)
Diese Sammlung an Erfahrungen, Hintergrundinformationen und Überlegungen ist meiner Meinung nach die derzeit beste Publikation zu diesem Thema. Nicht nur in der Stilistik spannend und lebendig geschrieben zeichnet es mit großer Warmherzigkeit und in würdevoller Betrachtungsweise ein realistisches Bild des sehr unterschiedlichen, vielfältigen Lebens der Roma und der Unfähigkeit hier in Deutschland auf Augenhöhe mit den Zigeunern umzugehen. Sehr angenehm auch das Plädoyer für den Begriff "Zigeuner" und die kritische Auseinandersetzung mit dem von einigen kreierten Begriff "Roma -und-Sinti" und der damit verbundenen Lähmung der Entwicklung eines wirklichen gleichberechtigten Umgangs von Zigeunern und anderen Menschen. Ich bewundere den Scharfsinn und Mut des Autors und freue mich dieses Mal ein wenig über die Abneigung des "Z.-Wortes" der politisch Korrekten. Möglicherweise hielt sie ihre überhebliche Ignoranz von der Beachtung dieses Buches ab - sonst wäre es womöglich nicht mehr im Angebot.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein realsitisches, aber sehr menschliches Porträt, 3. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Wenn man sich fuer "Zigeuner heute" interessiert und ein realistisches Bild, insbesondere in Osteuropa gewinnen will, ist dieses Buch unersetzlich.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichnet recherchiert, 15. Februar 2014
Von 
Caspar Gorvin (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (Gebundene Ausgabe)
Ein Muss für jeden, der sich für das Leben der Zigeuner in Europa interessiert. Der Autor berichtet unvoreingenommen und realistisch von seinen Reisen zu Zigeunern in unterschiedlichen europäischen Ländern, insbesondere Ungarn, Rumänien, Bulgarien. Interessant auch, zu erfahren, dass und warum sich die meisten dieser Völker in Europa nach wie vor Zigeuner / Cigan nennen und nicht "Sinti und Roma". Das Buch hebt sich sehr positiv ab von der zahlreichen Literatur, deren Autoren das Leben der Zigeuner nur aus Sekundärliteratur kennen.
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Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk
Zigeuner: Begegnungen mit einem ungeliebten Volk von Rolf Bauerdick (Gebundene Ausgabe - 11. März 2013)
EUR 22,99
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