Kundenrezensionen


 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


46 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Geliebte können ausgewechselt werden, Kinder dagegen nicht."
"Darf man das Seelenheil eines Kindes für die Liebe opfern?" steht auf dem Buchrücken des neuen Romanes von Anne Enright zu lesen. In eigenwilliger Sprache mit präzisen Schilderungen, die nichts beschönigen und dadurch stellenweise fast ruppig wirken, durchleuchtet die Autorin eine Affäre mit jedweder Konsequenz.

Gina, verheiratet mit...
Veröffentlicht am 23. November 2011 von Regina Berger

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anatomie einer Affäre
Inhalt: Gina lernt durch ihre Schwester Fiona auf einer Party Seán Valelly und seine Frau sowie seine Tochter Evie kennen. Zwischen Gina und Seán beginnt sich nach und nach etwas zu entwickeln und sie fühlen sich immer mehr voneinander angezogen. Gina beachtet dabei kaum jemand anderen und am wenigsten ihren Mann Connor. Eins jedoch steht Gina im Weg,...
Veröffentlicht am 30. März 2012 von Themistokeles


‹ Zurück | 1 26 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

46 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Geliebte können ausgewechselt werden, Kinder dagegen nicht.", 23. November 2011
Von 
Regina Berger "Gina" (Rottach-Egern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Darf man das Seelenheil eines Kindes für die Liebe opfern?" steht auf dem Buchrücken des neuen Romanes von Anne Enright zu lesen. In eigenwilliger Sprache mit präzisen Schilderungen, die nichts beschönigen und dadurch stellenweise fast ruppig wirken, durchleuchtet die Autorin eine Affäre mit jedweder Konsequenz.

Gina, verheiratet mit Conor, verliebt sich in Sean. Sean ist verheiratet mit Aileen und Vater von Evie. Gina und Sean können nicht voneinander lassen, obwohl beide verheiratet sind. Das ist in kurzen Worten gesprochen die Rahmenhandlung. Aus einer heimlichen Affäre wird Alltag, aus anfänglicher Körperlichkeit wird mehr, aus Sex wird Liebe und Leben. Die leise Entfremdung der beiden von ihren jeweiligen Ehepartnern und das dadurch ausgelöste Wechselbad der Gefühle ist eindringlich beschrieben. So werden Ordnung und Beständigkeit zu Gunsten Verlangen und Verliebtsein durchbrochen, und überschäumende Emotionen des Herzens stehen im Widerspruch zu gedämpften Gefühlen des Verstandes. Gina schwankt stets zwischen vertrauter Intimität und Sex mit einem großartigen Liebhaber und zugleich Selbstvorwürfen. Erst der Tod ihrer eigenen Mutter bringt Wesentliches in Gang und lässt Veränderungen möglich werden. Doch letztlich geht es nicht um Gina und Sean. Es geht um Evie, das Kind, das völlig aus dem Gleichgewicht gerät. Evie, die die Erwachsenen spiegelt und dadurch Gina unbarmherzig das Gefühl gibt, Schuld daran zu sein, dass zwei Ehen zerbrochen sind.

Voller Ernsthaftigkeit und doch in plauderndem Erzählton wirft die Autorin Fragen zu Beziehungen auf. Fragen die über das Scheitern einer Ehe bis hin zum gefühlten Versagen als Elternteil eines Kindes gegenüber. Und mit genau diesen Fragen lässt die Autorin den Leser zurück. Denn der Schlußsatz ist aus Sicht der inzwischen 12jährigen Evie geschrieben und endet mit ziemlicher Härte.

Anfangs fand ich den Roman leicht stockend, weil ich mich erst auf die überlagerten Zeitsprünge einlassen musste. Doch dann entwickelte die Handlung eine extreme Eigendynamik. Besonders treffend fand ich die Kapitel-Überschriften, Zitate aus englischen Musiktiteln wie z.B. "Will you love me tomorrow", "Stop in the name of love."

Für mich war >Anatomie einer Affäre< eine eindringliche Erzählung, die aufwühlt. Der nachfolgende Satz sagt für mich das Wesentliche aus: "Zu einer Zeit, da es dringend erforderlich war, Evie zuliebe zusammen zu bleiben, war es ebenso unerlässlich, dass sie sich Evie zuliebe trennten." Ein starker Roman zu einem bewegenden Thema und somit eine Leseempfehlung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hoffnungen, 3. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Anatomie einer Affäre ist ein Roman aus einer außergewöhnlichen Perspektive. Eine Frau, Gina, blickt zurück auf ihre Affäre mit Seán Vallely, den sie auf einer Gartenparty ihrer Schwester kennenlernt. Gina ist verheiratet, Sean ist verheiratet und dennoch gibt es da diese Anziehung zwischen den beiden, die bewirkt, dass es schon kurz darauf zu einer Affäre kommt.

Gina blickt zurück und so ist der Roman aus ihrer Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben. Hautnah erfährt der Leser die Details der Beziehung aber auch die Emotionen und Gedankengänge einer Frau, die sich von ihrem Mann trennt und Hoffnungen auf ein neues, ein anderes Leben, mit einem anderen Mann an ihrer Seite setzt. Aber was hofft sie wirklich?

Die Affäre von Gina und Seán wird überschattet durch vielfältige Ereignisse. Vor allem aber nimmt hier Seáns Tochter Evie eine wichtige Rolle ein. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, aber das bemerkt Gina erst viel später.

Die Autorin Anne Enright entführt den Leser dieses Romans in eine Situation, wie sie heute alltäglich scheint. Zwei Menschen, eigentlich bereits gebunden, treffen einander und beginnen eine Affäre. Damit verändern sich ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Familien. Aber die Liebenden leben ein Leben außerhalb jeder Normalität. Wie aber würde ihr Leben aussehen, wenn der Alltag Einzug nehmen würde? Was wäre dann mit dem Begehren und vor allem mit den Gemeinsamkeiten? Gibt es solche überhaupt?

Schonungslos konfrontiert Gina sich selbst mit den Antworten auf diese Fragen. Diese sind nicht so wie man es erwartet und erhofft. Sie sind ernüchternd und schmerzhaft und dennoch schwebt über allem die Hoffnung. Die Beziehung ist geprägt von Liebe, Freude, Sex und Glück aber auch von Schmerz, Einsamkeit, Entbehrungen und Traurigkeit.

Wer besondere Bücher mag, sollte sich auf den Erzählstil der Autorin einlassen, auch wenn man etwas Zeit benötigt um sich daran zu gewöhnen. Es lohnt sich in jedem Fall einen Blick von außen auf Gina als Beteiligte dieser Affäre zu werfen.

Nach dem Lesen dieses Buches sollte man sich ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen was im Leben erstrebenswert ist und was nicht. Was erwarten wir von unserem Leben und der Liebe?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Moralisch und korrupt, 12. Mai 2014
Von 
Mimir - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die kalt und egoistisch wirkende Protagonistin Gina erzählt sich selbst diese Geschichte über Seán. Gina lernt im Jahr 2002 Seán Vallely auf der sommerlichen Gartenparty ihrer Schwester kennen, sieht ihn zum ersten Mal durch den Schleier des Rauchs ihrer im Verborgenen konsumierten, lange entbehrten Zigarette. Sie und Seán treffen sich, auch beruflich bedingt, immer wieder, beginnen eine Affäre, die von Gina in zeitlichen Sprüngen und ausschließlich aus ihrer höchst subjektiven und trotzdem scheinbar distanzierten Sicht beschrieben wird.

Gina zeigt sich in diesem Rückblick auf eine fast 10 Jahre dauernde Affäre in ihrer Selbstreflexion als selbstsüchtig, gedanken- und rücksichtslos. Gegen ihren Mann, gegen die Frau ihres Geliebten, gegen ihre Schwester. Sie ist ungemein stark an äußeren Werten interessiert, an Luxus und Wohlstand. Sie erbt ein auf 2 Millionen Euro taxiertes Anwesen, kann es jedoch weder richtig in Schuss halten noch in Zeiten der in Irland ausbrechenden Finanzkrise mangels Nachfrage verkaufen. Gina strebt nach bürgerlicher Spießigkeit und versucht gleichzeitig daraus auszubrechen.

Anne Enright entlarvt diese Widersprüche und Oberflächlichkeiten mit schonungsloser Offenheit. Bedrückende Wirtschaftskrise, flüchtige Beziehungen, zerbrechende Familien, sprachlose Menschen; Enright verwebt diese Elemente zu einem bunten, aber deprimierenden Quilt. Die Protagonisten bleiben eigenartig konturen- und emotionslos, Motive und Antriebe ihres Verhaltens unklar. Sie erscheinen als von zahlreichen Ängsten Getriebene, von ihren Gefühlen Entfremdete, in selbst gebastelten Lügen Gefangene und mehr und mehr Entwurzelte in einer sich beständig ändernden Welt eines vordergründig florierenden Kapitalismus. Nur gelegentlich aufgebrochen von tiefen Gefühlen bedingungsloser Liebe.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit hohem Preis für alle Beteiligten, 27. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kein Donnerhall lässt zunächst zwischen Gina und Sean erkennen, wohin ihr kurzes Kennenlernen einmal führen wird. Führen wird in dieser ganz normalen, bürgerlichen, irischen Welt der Geschwisterbesuche, der Familie, der Ehen mit Kindern, der Karrieren, die gerade gemacht werden. Und doch wird sich, Jahre später, aus dieser ersten Begegnung, eine intensive Leidenschaft entwickeln. Dass Ginas Mann Connor dort bereits innere Geschichte ist und Seans Frau Aileen, nun, die stellte nie eine wirkliche Gefahr in Form einer echten Persönlichkeit dar, zumindest nicht in Ginas Augen.

Denn das ist durchaus eine der Auffälligkeiten an der Hauptperson des Romans, die als Ich-Erzählerin die Geschichte durch ihre Augen erzählt. Genau und ständig bewertend betrachtet sie ihre Mitmenschen, ihre Geschwister, die Nachkömmlinge, die Angeheirateten. Ein von Beginn an unterschwelliger Zug, fast unangenehm zu nennen, offenbart dieser ständige Fluss der Gedanken über die anderen doch eine tiefe Egozentrik, ein solch reines auf sich Bezogen sein, welches späterhin auch den ein oder anderen leidenschaftlichen Kuss im Hause des Mannes Sean einschließt. Vor den Augen dessen Tochter Evie und während Aileen, Seans Frau, im Erdgeschoß des Hauses zu Gange ist.

Eine Egozentrik, die sich schon auf den ersten Seiten andeutet, in denen Gina von ihrer Ehe mit Connor erzählt. Leidenschaftlich ebenso, Sex in allen Varianten, bis, ja bis eben dort ein wenig der Alltag einkehrt, das 'Besondere' nachlässt und, am Ende der Strecke, Connor fast als eine persona non grata, als einen 'Irrtum' erscheinen lässt. So einfach macht es sich jene Gina manchmal. Rein nach dem gerade vorherrschenden Gefühl sich auszurichten.

Eine Unfertigkeit und Unberechenbarkeit, die einfach nur ihre Wege geht und sich nicht von 'vernünftigen' Gedanken abhalten lässt, all dies geradezu mit Gewalt ausklammert und an den (Bett-) Rand schiebt. Dinge, um die Gina übrigens sehr genau weiß, die ihr eine Distanz zum Geschehen, aber auch zu sich selbst ermöglichen, die ihr zeigen, dass hier nichts ganz anders, ganz neues passiert, aber eben ihr passiert.

Das dies schwierig werden wird, davon kündet Anne Enright in ihrem sprachlich ganz hervorragend vorliegenden Roman, in dem sie nicht nur die 'Anatomie einer Affäre' vor Augen führt, sondern bis ins Kleinste hinein auch alle beteiligten Personen 'seziert'. Mal lapidar, nur durch Nebensätze oder das Einfangen von Stimmungen, mal ausführlich und gründlich rückt sie die Persönlichkeiten vor die Augen des Lesers.

Vor allem aber zeigt Anne Enright in ihrer eigentlich doch alltäglichen Geschichte existentielle Tiefen des Lebens auf. Dies vollzieht sich vor allem in der Darstellung und der Entwicklung der Beziehung Seans zu seiner Tochter Evie und in der parallelen Aufarbeitung der Beziehung zu ihrer eigenen Mutter durch Gina. Seite für Seite wird klarer, dass es Tiefen an Beziehungen gibt, denen die kurze Lust, der leidenschaftliche Moment, nicht dauerhaft etwas entgegen zu setzen hat. Auch wenn am Ende des Buches nicht jeder der Beteiligten bereit ist, daraus die offenkundigen Schlüsse zu ziehen.

Eine zwar alltägliche und gar nicht einmal sonderlich spannende Geschichte, in erster Linie aber eine treffende Betrachtung der modernen 'Liebeswelt' und, vor allem, der inneren Schwankungen des modernen Menschen. Eine empfehlenswerte 'Lebens- und Liebesstudie'.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprecherin überzeugt ebenso wie der Roman, 5. November 2011
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre (Audio CD)
Die leicht gekürzte Lesung dieses Romans bescherte mir gleich zwei Entdeckungen. Denn ich kannte weder die irische Schriftstellerin Anne Enright, noch die in Berlin geborene Schauspielerin Anna Thalbach. Doch in Zukunft werde ich deren Aktivitäten sicher mehr beachten, hat mich doch dieses Hörbuch in jeder Hinsicht überzeugt.

Allerdings, und das finde ich bei Audiobüchern immer spannend, war ich mir zu Beginn noch nicht sicher, ob die Stimme der Erzählerin zur Protagonistin der Geschichte passt. Und sollte dem nicht so sein, würde ich es kaum schaffen, der Geschichte bis zu deren Ende zuzuhören. Doch in diesem Fall genügten ein paar Minuten, um mich davon zu überzeugen, dass Anne Thalbach die ideale Stimme für die 32-jährige Gina ist. Vor allem weil es ihr gelingt, das Lockere vieler Szenen ebenso überzeugend vorzutragen wie den schonungslosen Verlauf eines Geschehens, das eigentlich niemand wollte.

Für Menschen, die an die Planbarkeit des Lebens glauben, muss die Lektüre dieses Romans schrecklich sein. Aber dem Leben sind unsere Absichten und Ziele meist ziemlich egal. Das muss auch Gina erfahren, die eigentlich glücklich verheiratet ist und alles andere als eine Affäre wünscht, die sie aus der stabilen Umlaufbahn wirft. Aber ein Blick des mit Aileen verheirateten Seán verändert das Leben aller, die zu diesem Beziehungsnetz gehören. Eine solche Geschichte wäre heutzutage kaum der Erwähnung wert, wenn Anne Enright den gleichen Blickwinkel einnehmen würde wie die meisten Autoren. Aber genau das ist nicht der Fall, wie der Beginn schon klar macht. Denn Gina sagt: "Hätte es das Kind nicht gegeben, wäre vielleicht nichts von alledem passiert." Und weil es dieses Kind eben gibt, setzt sich Gina mit den starken und wechselnden Gefühlen auseinander, die ein unerwarteter Eingriff in eine scheinbar stabile Beziehung hervorruft. Wie Anne Enright diese Forschungsreisen ins Innerste beschreibt, ist ganz grosse Kunst und hebt sich völlig von dem ab, was ich der so genannten Betroffenheitsliteratur zuordne.

So wie sich auch das wirtschaftliche Umfeld drastisch verändert, kommt es auch im Gefühlsleben von Gina zu Umschichtungen, mit denen sie nicht gerechnet hat und auf die sie auch nicht vorbereitet war. Während sie sich in leisen Tönen immer weiter von ihrem Mann Conor entfernt, dringt Seán immer stärker in ihr Leben ein. Seán Vallely, dem Gina verfällt und der sich von seiner Frau Aileen nicht lösen kann. Seán, dessen Kind Evie den Verlauf der Geschichte massgeblich mitbestimmt, weil es ungewollt die Ängste und Hoffnungen der Erwachsenen spiegelt.

Mein Fazit: Ein faszinierender Roman über eine scheinbar ziemlich alltägliche Geschichte. Aber wie der Titel bereits klar zum Ausdruck bringt, geht es der irischen Autorin nicht einfach darum, eine Liebesaffäre zu beschreiben, sondern eine Affäre zu sezieren, um Mustern, Kräften und Ursachen von Wunden auf die Spur zu kommen. Und weil das Erwachsene oft nicht mehr können, muss dabei ein Teenager helfen, der ungefragt in diese Geschichte verwickelt wurde.

Mein Fazit: Dieser Roman der irischen Erfolgsautorin Anne Enright zieht den Leser unweigerlich in den Bann, weil die Geschichte zu Wiederbegegnungen mit Gefühlen führt, die man längst der Vergangenheit überliess, obwohl sie das Erwachsenenleben prägen. Darf man für eine Liebe das Seelenheil seines Kindes opfern? "Anatomie einer Affäre" gibt mögliche Antworten. Grossartig gelesen von Anna Thalbach, die mit ihren präzisen Setzungen der Betonungen und ihren Rhythmuswechseln die vielen Zwischentöne von Enrights leisem Psychodrama einfängt
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anatomie einer Affäre, 30. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Inhalt: Gina lernt durch ihre Schwester Fiona auf einer Party Seán Valelly und seine Frau sowie seine Tochter Evie kennen. Zwischen Gina und Seán beginnt sich nach und nach etwas zu entwickeln und sie fühlen sich immer mehr voneinander angezogen. Gina beachtet dabei kaum jemand anderen und am wenigsten ihren Mann Connor. Eins jedoch steht Gina im Weg, vollkommen an Seán heranzukommen, seine Tochter Evie, denn mit ihr hat es etwas auf sich, weswegen Gina immer etwas zurückstehen muss, jedoch bleibt für Gina die Frage: warum?

Meinung: Die gesamte Stimmung des Romans war in meinen Augen sehr trostlos. Egal welche Gefühle Gina beschreibt, wirken unecht, als wäre die Protagonistin nicht im Stande diese Gefühle selbst überhaupt zu empfinden, würde sie sich aber einreden, damit sie nicht neidisch auf andere sein muss. Neidisch auf die, die so empfinden können und denen solche Empfindungen entgegengebracht werden.
Auch wirkt Gina auf mich sehr unreif, da viele ihrer Handlungen äußerst unüberlegt und naiv sind. Zudem hat man häufig den Eindruck, dass sie ihre Handlungen gar nicht reflektiert.
Ebenso die Zeiten, in denen der Roman geschrieben ist, sind etwas besonderes und anfänglich gewöhnungsbedürftig, denn in manchen Situationen verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart sehr stark und insbesondere die aktuelle Situation, in der Gina den Roman erzählt, ist lange nicht wirklich deutlich und klar.
Für mich hatte der Roman daher etwas sehr surreales und das auf eine sehr trostlose Art. Durch dieses Gefühl, dass der Roman vermittelt, war er nicht so wirklich etwas für mich, aber wenn es die Absicht hinter diesem Roman ist, ein solches Gefühl beim Leser zu erzeugen, dann ist er auf jeden Fall gelungen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen weder heiß noch kalt, 11. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Du liebe Güte, was ist das für ein langatmiges Geschwafel. Wo bleibt hier eigentlich die lesenswerte Geschichte, von der alle so laut tönen, wenn von diesem Buch die Rede ist? Man liest und liest, doch mehr als ein paar verworrene Reflektionen und tranige Dialoge kommen dabei nicht rüber. Daneben muss man sich stellenweise über eine unnötig obszöne Sprache ärgern. Und, wo ist eigentlich dieser Sog, über den Christine Westermann - die uns schon so viele gute Tipps gab in der Vergangenheit - so überschäumend jubelt auf dem Klappentext? Sog? Was ich feststellte, war ein todruhiger Tümpel, der noch nicht mal Tiefgang hat und so flach ist, dass man nur bis zu den Knöcheln einsinkt. Sein Wasser ist weder heiß nocht kalt, sondern so lau, das einem unbehaglich wird. Was soll man mit solch fader Kost machen? Bei mir lief es so: 100 Seiten lesen, zum Regal gehen, es oben hinstellen, schnell vergessen und sich über die vielen guten Rezensionen kopfschüttelnd wundern.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Affäre... ist auch keine Lösung..., 2. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kann man seine Gefühle zu einem Menschen und deren Wirkungen in der Seele besser verstehen, wenn man den Versuch unternimmt, diese rückblickend zu analysieren?
Und wenn zu dieser Analyse gewisse Fakten und Ereignisse gehören, die man nicht von Anfang an kannte, aber die einen beträchtlichen Einfluss auf diese Gefühle, auf die Beziehung insgesamt, ausüben?
Was passiert, wenn man sich gleichermaßen als Verursacher und Opfer des Elends in seinem eigenen Leben wieder entdeckt?
Ist es zu spät, um alles zu ändern, ist es zu spät, um neu anzufangen? Will man, muss man Einsamkeit und Enttäuschung hinnehmen, ertragen, erdulden und einfach weiterleben und alle Entscheidungen vertagen und hoffen, dass aus Lügen Wahrheiten werden, dass Verzweiflung sich in Gewissheit verwandelt, dass Schmerz eine heilende Wirkung erzeugt?

Gina Moynihan zieht Bilanz über ihre Beziehung zu Seán Vallely. Eine überaus komplizierte Beziehung, denn Gina und Seán sind verheiratet... aber nicht miteinander.
Gina und Seán haben eine Affäre.

Diese Bilanz fällt alles andere als positiv aus.
Gina erkennt, dass sie und Seán nichts Gemeinsames haben, außer der Affäre selber.
Seán hat außerdem eine Tochter, Evie, die eine große Rolle in dieser Beziehung spielt. Evies Bedeutung für Ginas und Seáns Beziehung wird Gina aber erst im nach hinein klar, während sie das Ergebnis ihrer Bilanz auswertet.

Ginas Bilanz trägt den Titel "Anatomie einer Affäre". In Englisch "The forgotten Waltz". Geschrieben hat diese Anatomie, dieses Sezieren einer Beziehung, einer Affäre, die preisgekrönte irische Autorin Anne Enright.

Anne Enright beschreibt die Entwicklung eines Verhältnisses zwischen zwei Menschen, vom ersten Blickkontakt bis zur extrem komplizierten und verwickelten Versuch eines Zusammenlebens, mit allen Konsequenzen und Wirkungen auf ihre Familien, Freundes- und Kollegenkreis.

Im Zentrum der Analyse stehen aber Gina und Seán und auch wie sie sich im Laufe der Jahre verändern, vor allem, wie sie sich durch die Affäre verändern.

Ginas Entwicklungsgeschichte während dieser Affäre hat mich tief berührt. Ihr ganzer Einsatz und alles, was sie investiert, um von Seán wahrgenommen zu werden, um von ihm geliebt zu werden.
Man spürt ihre Einsamkeit und Verzweiflung.
Manchmal fühlt sie sich so wertvoll wie der Teppich, der Seán mit den Füßen tritt. Sie wird immer wieder enttäuscht.
Beim Lesen mancher Passagen fühlte ich mich machtlos. Mich hat geärgert, dass Gina sich in dieser Affäre so verfängt hat, dass sie sich mit so wenig abfinden konnte, und auch wenn sie sich im Klaren über ihre Situation war, hat sie wenig daran geändert, oder wenig daran ändern wollen.

"Anatomie einer Affäre" ist kein leicht zu lesendes Buch.
Es ist ein Buch, bei dem man durchhalten muss, um an den Genuss guter Literatur zu kommen.
Ich gebe zu, dass ich "Einstiegschwierigkeiten" hatte, weil ich mich, vor allem im ersten Teil der Geschichte, mit der analytischen Sprache, die Enright gewählt hat, um diese Beziehung zu beschreiben, nicht anfreunden konnte.
Aber es bleib nicht so.

Die Geschichte hat mir gefallen, vor allem, ab dem zweiten Teil.
Darin öffnet Gina ihre Seele und ich konnte sogar mit ihr fühlen.

Etwas hat mir besonders gut gefallen: Dass der Kreis sich am Ende der Geschichte schließt. Viele Situationen, die am Anfang wenig Bedeutung zu haben schienen, entpuppen sich als Schlüsselerlebnisse am Ende des Buches.
So was liebe ich an Büchern, wenn ich durch solche Details überrascht werde.
Dadurch wurde ich zur aktiven Leserin. Oft musste ich zurück blättern, um manche Passagen mit den neu gewonnenen Erkenntnissen wieder zu lesen.

Die Mühe hat sich gelohnt. Meine kleine Affäre mit Enrights Buch hat mich nachdenklich gemacht.
Ich bin sicher, das war auch ihre Absicht...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gefühllos und oberflächlich, 12. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Gina, mit dem Internetspezialisten Conor verheiratet, beginnt ein Verhältnis mit dem etwas älteren Sean, dessen neunjährige Tochter Evie den ersten "richtigen" Kuß der beiden zufällig sieht. Die beiden treffen sich in diversen Hotels Irlands und - manchmal - Budapests, und erst als Sean einige an ihn gerichtete Briefe bei Gina vergißt (in dem Haus, in dem deren Mutter gerade gestorben ist), bemerkt deren Schwester die Affäre und macht sie im Bekanntenkreis publik. Sean trennt sich in der Folge von Aileen und zieht gemeinsam mit Evie mit Gina zusammen und die Beziehung muß sich nun im Alltag bewähren. Im Rückblick erfährt der Leser, daß Seans Ehe vor allem an der Epilepsie Evies zerbrochen ist. Das Verhältnis zwischen Gina und Evie gestaltet sich zunächst kompliziert, die beiden scheinen sich zum Schluß aber doch anzunähern, zumal Sean seine Tochter abgöttisch liebt.

Ich muß gestehen, daß ich schon lange kein Buch mit solcher Lustlosigkeit gelesen habe, wie dieses. Die Ich-Erzählerin suhlt sich in ihrer Unausgeglichenheit und Unzuverlässigkeit, betrinkt sich regelmäßig, blickt mit Verachtung auf ihre "normale", konventionell lebende Schwester herab und betont mit großer Regelmäßigkeit, wie sehr sie doch ihren Sean liebt. Was soll aus einer solchen klischeehaften Konstellation werden? Die Autorin wird als "furchtlose Forscherin an seelischen Abgründen" (© FAZ) bezeichnet, das habe ich nicht bemerkt, ich habe die "seelischen Abgründe" und Konflikte nicht gefunden; ich habe nicht einmal Gefühle gefunden... Daß eine solche Affäre irgendwann auffliegt, liegt auf der Hand. Daß die Beteiligten, wenn sie denn dann zusammenziehen, aus dem Reiz des Geheimen und Verbotenen in einen ganz normalen Alltag stürzen, den sie irgendwie bewältigen müssen, ist auch klar. Aber das spiegelt sich nicht in den Seelen der Protagonisten dieses Buches wider. Gina betont immer wieder, wie sehr sie Sean liebt. Außer diesem Lippenbekenntnis weist mich nichts auf diese Tatsache hin, im Gegenteil, die Ich-Erzählerin berichtet oberflächlich und abgebrüht und gefühllos, als handle es sich gar nicht um sie selbst.

Die Autorin hat für ein anderes Buch, Das Familienleben, den Booker-Price bekommen. Ich bin neugierig genug und habe dieses Buch soeben bestellt. Vielleicht ist Die Anatomie einer Affäre nur ein einmaliger Unfall. In ein paar Wochen werde ich es wissen...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Da hätte mehr daraus gemacht werden können, 2. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Anatomie einer Affäre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Voraussetzungen für einen packenden Roman sind durchaus da: Die Sprache von Anne Enright ist präzis und verlangt nach genauem Hinschauen. Zwei Menschen, die beide "vergeben" sind, beginnen eine Affäre, die sich erst nach und nach zu einer solchen entwickelt. Die Menschen dahinter (Partner, Kinder) kommen ebenfalls bald ins Spiel. Leider verzettelt sich die Autorin oft in Nebensächlichkeiten. Die Perspektiven- bzw. Zeitenwechsel helfen auch nicht gerade, die Spannung und den roten Faden aufrechtzuerhalten. So habe ich zwar das Werk gerne zu Ende gelesen, aber inhaltlich deutlich mehr davon erwartet.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 26 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Anatomie einer Affäre: Roman
Anatomie einer Affäre: Roman von Anne Enright (Gebundene Ausgabe - 7. November 2011)
EUR 19,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen