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38 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der letzte Deutsche Kaiser
Das neue Buch von Christopher Clark befasst sich mit dem Leben und Wirken des letzten Deutschen Kaisers. Es beginnt mit der schwierigen Kindheit, in der die zwei politischen Lager der Hohenzollern (liberal/probritisch und konservativ/prorussisch) versuchen, Einfluß auf Wilhelm zu erlangen. Es folgt die frühe Thronbesteigung im Alter von 29 Jahren. Wilhelm...
Veröffentlicht am 14. Oktober 2008 von feeder

versus
2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geschichtlich sehr Interessant
Ich habe mir diese Biografie von Wilhelm II. gegauft, weil ich mich sehr für die geschichtlichen Intergründe aus dieser Zeit (1859 - 1918) interessiere und es wenig gut recherchierte Biografien über Wilhelm II gibt. Inhaltlich und geschichtlich ist das Buch sehr interessant und glänzt mit Fakten, z.B. Wilhelm's II Einstellung zum Krieg oder zu Otto von...
Veröffentlicht am 28. Oktober 2009 von Homer S


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38 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der letzte Deutsche Kaiser, 14. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Das neue Buch von Christopher Clark befasst sich mit dem Leben und Wirken des letzten Deutschen Kaisers. Es beginnt mit der schwierigen Kindheit, in der die zwei politischen Lager der Hohenzollern (liberal/probritisch und konservativ/prorussisch) versuchen, Einfluß auf Wilhelm zu erlangen. Es folgt die frühe Thronbesteigung im Alter von 29 Jahren. Wilhelm versucht in dieser Anfangszeit seiner Herrschaft mehr Einfluss auf die deutsche Politik zu gewinnen. Dabei stehen ihm sowohl die dezentrale Reichsverfassung, als auch mächtige Gegenspieler im Weg (Berater, Regierungsbeamte, Reichstag, Parteien usw.).
Clark erzählt wie der Kaiser erst infolge der Kollerkrise 1895 mehr Einfluss auf die Politik gewinnt und diesen Einfluss durch die Daily Telegraph-Affäre 1908 wieder verliert. Dabei geht Clark insbesondere auf andere Historiker ein (Röhl, Gutsche usw.), die seiner Meinung nach hervorragende Quellen aufbieten, jedoch vergessen "...seine Äußerungen und Handlungen in den zugehörigen Kontext..." einzubetten.
Clark geht auch auf den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dessen Vorgeschichte ein. Dabei stellt er fest, dass Wilhelm keinesfalls eine Allein- oder Hauptschuld am Ausbruch des Krieges trifft. Hauptverantwortlich seien die Russen und die Österreicher, sowie die Militärs auf allen Seiten, die schnelle Aktionen von den Regierenden forderten. Zweimal hatte Wilhelm sich sogar gegen seine eigenen Militärs gestellt und den Stopp aller Mobilmachungsvorbereitungen befohlen. Mit den Militärs hatte Wilhelm laut Clark ein unterkühltes Verhältnis, weil "...die hohen Militärs der Unentschlossenheit und Zögerlichkeit des Friedenskaisers nicht trauten." Noch am 28. Juli 1914 stellte Wilhelm fröhlich fest, dass "nun jeder Grund zum Kriege entfällt". Hier wird deutlich was Clark dem letzten Deutschen Kaiser u.a. vorwirft, nämlich ein schlechtes Urteilsvermögen. Der Bündnisautomatismus war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr zu stoppen.
In den folgenden Kapiteln geht Clark auf die Rolle des Kaisers während des Krieges, bei der Abdankung 1918 und auch auf die Zeit im Exil bis zum Tod ein.
Zusammenfassend vertritt Clark die These, dass Wilhelm charakterlich (schlechtes Urteilsvermögen, taktlose Ausbrüche usw.) für sein hohes Amt nicht geeignet war, es jedoch falsch wäre, ihn als autokratischen Herrscher und Kriegstreiber darzustellen. Clark möchte "... Verunglimpfung und Verständnis wieder in ein angemessenes Verhältnis zueinander bringen."
Das gelingt Clark meiner Meinung nach sehr gut. Die Herrschaftsstrukturen im Kaiserreich werden deutlich und insbesondere durch die Darstellung im Kontext von Zeit und Ereignissen kann man viele Ereignisse der damaligen Zeit (Krügerdepesche, Hunnenrede, Marokkokrise usw.) viel besser nachvollziehen, als es mir persönlich bei anderer Literatur bisher möglich war. Dazu kommt der angenehme Schreibstil von Christopher Clark, den man schon aus seinem "Preußen"-Buch kennt. Deshalb 5 Sterne!

Kleiner Tipp: Wem das Buch gefällt, empfehle ich die DVD "Majestät brauchen Sonne". Ohne Übertreibung eine herausragende Dokumentation!
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wilhelm II., 31. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Entgegen hier geäußerter Meinungen sei eindeutig gesagt: Clarks hervorragende Studie zu Deutschlands letztem Kaiser ist eindeutig geeignet, den schillernden, hochkomplizierten Menschen Wilhelm dem interessierten Leser ebenso nahezubringen, wie auch den ebenso schillernden Kaiser Wilhelm II., dessen großspuriges Benehmen oftmals den Menschen Wilhelm verdeckte. Wer ein leichtes Lesevergnügen in der Art der Zergliederung eines Menschen à la "'Deutschland sucht den Superstar'" erwartet wird freilich enttäuscht sein. Clark ist aber kein oberflächlicher Bohlen, der sich darauf versteht, Menschen mit unverschämten Bemerkungen hinzurichten, sondern ein Historiker, der es versteht aus den facettenreichen Fakten einer hochkomplizierten Zeit und einer ausgezeichneten Gesellschafts- und Politikanalyse das ebenso facettenreiche Bild eines Menschen zu zeichnen, der durch seine Geburt berufen war, Deutschland in einer schwierigen Zeit zu regieren und an sich, seiner Umgebung und den politischen Zuständen scheiterte, ohne allerdings auf allen Gebieten gleichermaßen zu versagen.
Interessant ist ein Nebenkriegsschauplatz in diesem Werk: Der Wilhelm-Kenner Clark widerlegt an vielen Stellen sehr glaubhaft den anderen großen Wilhelm-Kenner John Röhl nachhaltig, ohne ihn und seine Leistung allerdings zu demontieren. Richtig und einzig begrüßenswert ist die Einordnung Wilhelms II. in einen größeren politischen Rahmen, um seine Verhaltensweise zu erklären, wo Röhl stets das Bild eines alleinverantwortlichen Alleinherrschers bemüht und sich so als Anhänger eines überholten Geschichtsbildes zeigt. Nicht ein Mann machte Geschichte, wie Röhl postuliert, sondern die Geschichte, neben vielen anderen Faktoren, formte einen Mann, der dann Geschichte schrieb. Fazit: Eine hervorragende, scharfsinnige Analyse Wilhelms II. und mit ihm des gesamten wilhelminischen Kaiserreiches.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers, 16. November 2008
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Ein ganz außergewöhnliches Buch ist mit WILHELM II. auf den deutschen Buchmarkt gekommen, denn der letzte deutsche Kaiser war seit seiner Abdankung bis zu seinem Tod und darüber hinaus das Ziel von Verrissen und Anfeindungen. Der Autor Christopher Clark räumt mit den gängigen Vorurteilen auf und versteht es meisterhaft ein sachliches und fundiertes Bild dieser Persönlichkeit zu zeichnen.

Wieder einmal ein Buch das ich mir persönlich für so manchen Geschichtsunterricht gewünscht hätte, zeigt es eine der umstrittensten Personen der deutschen Geschichte so wir er wirklich war - gefangen im Spannungsfeld zwischen Herrschen und Dienen müssen und dem Aufbruch in eine wackelige doch erstarkende Demokratie und Mitbestimmung im politischen Bereich.

Man könnte sogar sagen, er war zur falschen Zeit am falschen Ort und nicht immer so schuldig wie man es in der NS Zeit und auf linker Seite gerne gehabt hätte - dies ist in der Tat eine interessante Information, dass der Kaiser sowohl von Rechtsextrem wie auch von Linksextrem gleichermaßen angegriffen wurde und das Geschichtsbild über Jahrzehnte verzehrt dargestellt wurde.

Dieses Buch ist natürlich keine Rehabilitationsschrift für Wilhelm II. es ist vielmehr eine Korrektur in so manchen Details, um ein korrektes und klares Geschichtsbild zu generieren.

Dem Autor ist mit seiner Darstellung der Kindheit und Jugend des letzten deutschen Kaisers ein interessantes Bild gelungen. Auch im Spannungsfeld zwischen Hof und Politik sowie im Bereich des Militärs machte er nicht immer die Figur eines absoluten Herrschers - das System gab ihm Macht aber beschnitt ihn auch zusehends.

Insgesamt gesehen zeichnet das Buch WILHELM II von Christopher Clark ein gutes und faszinierendes Bild einer Persönlichkeit die einiges falsch gemacht hat und doch auch viel manipuliert und gesteuert wurde. Insbesondere die Geschichtsfälschenden Maßnahmen von außen sind es wert gelesen zu werden, denn eine leichte Geschichtskorrektur steht uns gut an. Dieses Buch dient der Wahrheitsfindung und die ist immer noch nicht abgeschlossen!

Sehr empfehlenswert!
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgewogene Darstellung, 1. November 2008
Von 
Regina Karolyi - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Christopher Clark untersucht das Leben und Wirken des letzten deutschen Kaisers, der traditionell ein sehr negatives "Image" hat. Im ersten Kapitel geht es um Wilhelms Kindheit und Jugend und in diesem Zusammenhang um die seltsame Situation, dass zwei Generationen um Wilhelms Erziehung und Gunst stritten: der streng den traditionellen Idealen verpflichtete Großvater Wilhelm I. und der progressive Vater, Friedrich Wilhelm. Dieser Konflikt, so zeigt der Autor auf, entschied sich zugunsten des Großvaters.
Das Kapitel "Übernahme der Macht" befasst sich mit Wilhelms Versuch, sich innerhalb der Regierung beziehungsweise des "Systems" zu positionieren, nachdem er die Kaiserwürde von seinem früh verstorbenen Vater übernommen hatte. Die innen- wie außenpolitischen Weichenstellungen in den 1890er-Jahren, Wilhelms Freunde und seine Beziehungen zu den aufeinander folgenden Kanzlern, aber auch seine unglücklichen Versuche zur Gestaltung der Beziehungen Deutschlands zum Ausland, die damit verbundene Flottenpolitik und wiederum die Bemühungen der Regierung, den Kaiser zu lenken, sind Themen weiterer Kapitel. Ein ausführliches Kapitel befasst sich mit der unmittelbaren Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges und Wilhelms Rolle hierbei. "Krieg, Exil, Tod" sind in einem einzigen Abschnitt zusammengefasst.

Christopher Clark möchte dem Leser, Fachpublikum wie interessierten Laien, den Zugang zu diesem Monarchen verschaffen, der sich anhand der üblichen Quellen nicht leicht erschließt. Wilhelms Fehler bleiben in diesem Buch nicht etwa unbeachtet, doch sie werden genau analysiert, und ihre Ursachen und Hintergründe bleiben dem Leser, wo möglich, nicht verborgen. Der Autor untersucht Wilhelms Biografie und seine Rolle in der Geschichte rund um den Ersten Weltkrieg ohne ideologische Brille, er sucht nach größeren Zusammenhängen und kann dem Leser die zwiespältige Persönlichkeit des letzten deutschen Kaisers nahe bringen. Dessen bislang wenig geachtete Versuche, den Frieden zu wahren, seine erfolglosen Bemühungen, den Einfluss der gefährlichen "siamesischen Zwillinge" Hindenburg und Ludendorff einzuschränken, und sein kurzer "Flirt" mit Hitler kommen nebst vielen anderen Themen in diesem Buch überraschend zur Geltung. Der Kaiser präsentiert sich etwas kurzsichtig, von Scheuklappen bedrängt und von einer unzeitgemäßen Vision beseelt, aber nicht als der anachronistische Schwachkopf, als der er gern karikiert wurde.
Ein packendes und zugleich hochinteressantes Buch, das sich um Objektivität bemüht und einen differenzierten Blick auf den letzten deutschen Kaiser ermöglicht!
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine politische Biografie des letzten deutschen Kaisers, 5. Oktober 2008
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Mit "Preußen: Aufstieg und Niedergang 1600-1947" hat Christopher Clark ein Standardwerk vorgelegt, in dem er es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Dämonisierung und Verklärung Preußens entgegenzuwirken. Und es hat funktioniert, Clark stellte Preußen anders dar, als die meisten Historiker vor ihm, für ihn waren die vermeintlichen Widersprüche, die Janusköpfigkeit des Hohenzollernstaates, Ausdruck der Ambitionen seiner Herrscher und erst die Begründung des Deutsche Kaiserreichs wurde zum Verhängnis Preußens. Der Erfolg von Clarks "Preußen" hat es möglich gemacht, dass nun auch seine 2000 erstmals veröffentlichte Biografie Kaiser Wilhelm II. in deutscher Sprache aufgelegt wurde.

Kaiser Wilhelm II. wurde nach dem Ersten Weltkrieg lange Zeit dämonisiert, als Vorboten Hitlers, antisemitischen Militaristen und sogar psychisch kranken Kriegstreiber wurde er dargestellt. Christopher Clark unternimmt nicht den Versuch den letzten deutschen Kaiser zu rehabilitieren, sondern Verunglimpfungen und Verständnis für sein Handeln ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei ist das Buch keine auf die Persönlichkeit, sondern das politische Agieren des Kaisers konzentrierte Biografie. Die Schilderung von Kindheits- und Jugenderlebnissen bleibt also aus, genauso wie das Erwachsenenleben Wilhelms vor allem aus einer Perspektive dargestellt wird, in der seine Politik und offiziellen Handlungen die wichtigste Rolle spielen.

Die dominierende Frage ist, wie Wilhelm II. zu dem Kaiser werden konnte, der er war. Dafür verantwortlich war von anfang an, seine Stellung im Kaiserhaus, als ältester Sohn des Kronprinzen. Während sein Vater Kronprinz Friedrich Wilhelm es sich mit Kaiser Wilhelm I. durch seine liberale und englandfreundliche Haltung, in der er vor allem von Kronprinzessin Victoria, der Tochter Queen Victorias, bestärkt wurde, verscherzt hatte, beschritt Prinz Wilhelm andere Wege. Als Haushaltsvorstand konnte der Kaiser sich in die Erziehung des künftigen Kronprinzen einmischen und die missliebigen Eltern so umgehen. Prinz Wilhelm nutzte diesen Effekt seinerseits, um repräsentative Aufgaben wahrzunehmen, die eigentlich seinem Vater zugestanden wären.

Als 1887 der Kaiser seinen 90. Geburtstag feierte und beim Kronprinzen ein Kehlkopfgeschwür diagnostiziert wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Wilhelm den Thron besteigen sollte und schon ein Jahr darauf, war es soweit. "I bide my time" - "Meine Stunde wird kommen", war Wilhelms Leitspruch und Ausdruck der Ambitionen die er verfolgte. Von seinen Eltern als manipulierbar und Spielball der Hofsparteien unterschätzt, nutzte Wilhelm die verschiedenen Personen sehr geschickt für sich aus. Als Kaiser wurde er so nicht zum Anhänger einer bestimmten Partei, sondern konnte unabhängig von diesen einen Kurs verfolgen. Seine politische Wendigkeit und sein Machtstreben brachten ihn jedoch schon bald in Konflikt mit seinem Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, dessen Rücktritt als erster großer politischer Erfolg des Kaisers gewertet werden kann.

Nach Clark war Wilhelm II. trotz seines Ehrgeizes weniger an Expansionen interessiert, als seine Position als Kaiser zu festigen und das Reich zu konsolidieren. Wie viele seiner Vorfahren war es auch Wilhelms dringlichstes Ziel, Preußen oder nunmehr das deutsche Reich zur Großmacht zu machen und seine Position zwischen den europäischen Mächten zu stärken. Ein Ausdruck dieser Politik war auch Wilhelms Ernennung Admiral Alfred von Tirpitz zum Marinestaatssekretär, mit dem er seine ambitionierte Flottenpolitik zu verfolgen begann, um mit dem britischen Empire gleichzuziehen und sich als Großmacht auch weltweit Geltung zu verschaffen.

"Der Glaube an sein Talent, für die deutsche Öffentlichkeit und zu ihr zu sprechen, war ein zentraler Bestandteil der Vorstellung Wilhelms von einer erfolgreichen Monarchie, und indem er die nationalen Zeitungen geradezu verschlang, trachtete er danach, ein Gefühl der Verbundenheit mit den großen Themen zu wahren, die damals die Nation bewegten." (S. 210 f.) Das ging soweit, dass Wilhelm sogar ausgeschnittene Artikel mit Notizen versah und an seine Minister weiterleitete. Aus den Medien holte sich der Kaiser wichtige Ideen für seine Politik und setzte auch bei persönlichen Auftritten, sehr auf öffentlichkeitswirksame Inszenierungen. Anders als Wilhelm I. wollte Wilhelm II. sein Amt als Kaiser in vollem Umfang ausfüllen und nutzen, um seine Ziele zu verwirklichen und in die Geschichte einzugehen.

Im Gegensatz zum später verfassten "Preußen" stellt Clark das deutsche Kaiserreich in "Wilhelm II." noch als preußisches Projekt dar, in welchem preußische Beamte und Politiker versuchten die Reichspolitik den Interessen Preußens möglichst unterzuordnen. Clarks Biografie des letzten deutschen Kaisers ist trotz des zeitlichen Unterschieds zwischen den beiden Werken eine ideale Ergänzung zum Standardwerk "Preußen" und schildert sehr ausgewogen Wilhelms politischen Werdegang, sowie seine innen- und außenpolitischen Initiativen.

Fazit:
Eine sehr ausgewogene Darstellung der "Karriere" des letzten deutschen Kaisers und seiner Ambitionen, gewissermaßen die ideale Ergänzung zu Christopher Clarks "Preußen", "Wilhelm II. - Aufstieg und Fall 1859-1941"
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine hervorragende Abhandlung über den letzten Deutschen Kaiser, 14. Februar 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Um eines gleich an den Anfang zu stellen, hier handelt es sich weder um ein Buch für verstaubte Universitätsbibliotheken, noch um ein Werk für sprachlich "abgehobene" Germanisten.
Ganz im Gegenteil, Clark versteht es in einer ausgezeichneten Art, dem historisch interessierten Leser die Person Wilhelms II. in einer Weise nahezubringen, die bewußt auf alt bekannte Vorurteile verzichtet.
Intensiv beschäftigt sich Clark mit der Jugend Wilhelms und dessen innen- und außenpolitischen Einfluß als Deutscher Kaiser. Ausführlich geht Clark auch auf die Ereignisse im August 1914 ein und analysiert die Rolle des Monarchen beim Ausbruch des Krieges und während dessen Verlaufes.
Clarks Beurteilung der Herrschaft des letzten Deutschen Kaiser beruht auf einer äußerst gründlichen und umfangreichen Recherche einer Vielzahl historischer Quellen, wobei er auch zu neuen teilweise sogar provokativen Interpretationen der Regierungszeit Wilhelms II. gelangt.
Besonders interessant war für mich eine Gegenüberstellung von Clarks Ausführungen mit denen von John C.G.Röhls Biografie über WilhelmII.
Sicherlich sind die 3 Bände von Röhl allein schon vom Umfang und der Ausführlichkeit nicht mit Christopher Clarks Buch vergleichbar, aber sie bieten im Vergleich zu den Erkenntnissen beider Autoren doch den einen oder anderen Ansatzpunkt zum Nachdenken.
Wobei sich Röhls Interpretationen trotz intensivster Recherchen nicht immer als absolut unanfechtbar darstellen.
Insgesamt ist Clarks Abhandlung über Wilhelm II. eine bedingungslose Empfehlung wert und das nicht nur weil wir uns gerade im 150. Geburtsjahr des letzten Deutschen Kaisers befinden.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die beste Wilhelm-Zwo-Biographie, 26. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Nach seinem Erfolg "Preußen" (der gegen Ende etwas schwächelte) stellt Christopher Clark mit "Wilhelm II: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaiser" erneut seine Qualitäten als Historiker und Stilist unter Beweis. Clark wagt eine schon längst überfällige Neubetrachtung des Deutschen Kaisers.
Dabei zeichnet er ein umfassendes Bild der Einflüsse aus Wilhelms Umfeld und betrachtet differenziert die Ereignisse sowohl während seiner Regierungszeit als auch während Wilhelms Jugend und Kindheit, wobei besonders die Abhandlung über den Ausbruch des Weltkrieges überzeugt. Dabei ist er - im Gegensatz zu seinem Kollegen John C. Röhl - immer objektiv und folgt keinerlei Klischees oder dem gängigen Leitbild vom "Dämon", der Europa ins Verderben gestürzt hätte.
Dieses Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert für jeden, der sich für Geschichte allgemein interessiert, für einen Freund der deutschen Geschichte ist es Pflicht!
Es bleibt nur zu hoffen, dass wir alsbald eine umfassende Neubewertung des wilhelminischen Zeitalters und seiner großen Errungenschaften erleben werden.
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5.0 von 5 Sternen Eine gute Einführung in das Leben des letzten Kaisers, 17. März 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch auf Empfehlung meiner Dozenten gewählt und mit weiteren Biographien anderer namhafter Autoren/Historikern verglichen. Die Sicht auf Wilhelm II. ist sachlich und objektiv und wird nicht von persönlichen Mutmaßungen oder pseudowissenschaftlichen Psychoanalysen dominiert. Das Buch gibt dem Leser einen guten Einblick in das Leben des letzten Kaisers sowie über sein Wirken. Christopher Clark bezieht sich zudem auf andere Autoren und wegt die vorangegangenen Meinungen ab und lässt sich nicht durch diese in seiner eigenen Urteilsfindung beeinflussen. Er schreibt sehr verständlich, was das Buch auch für Leser, die nicht gerade Geschichte studieren, sich aber für Geschichte interessieren, empfehlenswert macht. Was aber nicht heißen soll, dass das Buch populärwissenschaftlich geschrieben ist. Wer einen Blick in das Literaturverzeichnis wirft, wird erkennen, dass hier wissenschaftlich gearbeitet und sich wichtiger Werke von guten Historikern bedient wurde. Ich finde das Buch sehr gut geeignet um einen ersten Eindruck von Wilhelm II. zu bekommen. Für einen Studenten, der eine eigene wissenschaftliche Arbeit erstellt, ist es aber keinesfalls ausreichend.

Ich empfehle das Buch Studenten der Geschichte sowie Geschichtsinteressierten.
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2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geschichtlich sehr Interessant, 28. Oktober 2009
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mir diese Biografie von Wilhelm II. gegauft, weil ich mich sehr für die geschichtlichen Intergründe aus dieser Zeit (1859 - 1918) interessiere und es wenig gut recherchierte Biografien über Wilhelm II gibt. Inhaltlich und geschichtlich ist das Buch sehr interessant und glänzt mit Fakten, z.B. Wilhelm's II Einstellung zum Krieg oder zu Otto von Bismarck.
Jetzt kommt mein "Aber"; das Buch ist teilweise an einigen Stellen sehr langatmig und umständlich geschrieben. Ich habe einige Abschnitte mehrfach lesen müssen, um Clark zuverstehen was er damit gemeint hat.
Für jeden der sich mit der deutschen Kaiserzeit auseinander setzen möchte, ist dieses Buch eine Kaufempfehlung. Dieses Buch muß man sich erarbeiten. Mir ging es zumindest so ;-).
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10 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nicht für die breite Öffentlichkeit, 20. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers (Gebundene Ausgabe)
Wissenschaftlich Interessierte können diesem Buch sicherlich etwas abverlangen. Von den gut 400 Seiten sind etwa 50 Seiten Quellenhinweise. Der Sprachstil bewegt sich auf einem hohen Niveau, viele Schachtelsätze, die wahrscheinlich nur von Germanisten positiv aufgenommen werden. Vielleicht ist die deutsche Übersetzung auch schlecht gelungen.
Wer erwartet, dass der letzte deutsche Kaiser psychologisch "zerlegt" wird(Mentalität, Charakter, Leidenschaften, Scwächen, Stärken usw.), legt das Buch spätestens nach 50 Seiten enttäuscht zur Seite.
Man muss sich ernstlich fragen, an welche Zielgruppe dieses Werk gerichtet ist. Der geeignete Standort dieses Werkes ist die Universitätsbibliothek.
Kein Buch für Urlaub oder Freizeit! So kann man man einem intressierten
"Normalverbraucher" die Gestalt des Wilhelm nicht näherbringen!
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Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers
Wilhelm II.: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers von Christopher Clark (Gebundene Ausgabe - Oktober 2008)
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