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5.0 von 5 Sternen Furchtbare Unkenntnis, 8. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Le Corbusier - Der Modulor: Darstellung eines in Architektur u. Technik allg. anwendbaren harmonischen Maßes im menschl. Maßstab (Taschenbuch)
Die Rezension von Perlmutt kann nicht unkommentiert bleiben. Liebe(r) Perlmutt, warst Du je in Marseille und hast auf dem Dach der unité d'habitation den Sonnenuntergang über dem Mittelmeer erlebt? Hast Dir vorgestellt, wie hier auf dem Dach Theater gespielt wurde? Bist Du unter dem Haus hindurchgegangen, zwischen den wunderbar plastisch gestalteten Pilotis, und hast gespürt wie ungewöhnlich und vielversprechend die Idee ist, ein ganzes Stadtviertel schweben zu lassen? Dachtest Du vielleicht: wie wäre es, wenn alle diese großen Wohnhäuser hier im Süden der Stadt inmitten von Parks zwischen alten Bäumen schweben würden? Wenn es keine sinnlosen Straßenseiten und schmuddeligen Rückseiten geben würde, wenn es stattdessen eine große durchgehende städtische Parklandschaft gäbe, in der sich jeder frei bewegen könnte, und die fließend und behutsam in die umgebende Landschaft überginge? Warst Du in einer der Maisonettewohnungen gewesen und hast über den unglaublichen Meerblick auf der einen und den Blick in die provencalischen Felsen auf der anderen Seite gestaunt? Das Gefühl gehabt, sich hier in luftiger Höhe in einer priviligierten, geschützten und mit (für die Zeit) allen Annehmlichkeiten ausgestatteten Höhle zu befinden, einer Villa mit kleinem Garten für die Familie (der 50er Jahre)?

Dies war das Bild, das Corbu mit seinem Modell der cité radieuse verfolgt hat. Was Du im Sinn hast sind wohl die Mißerfolge des Wiederaufbaus im zerstörten Deutschland, die aus einem tiefen Mißverstehen der corbusianischen Ansätze resultieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Geschichte der unité in Berlin, die derart viele von LC nicht autorisierte Änderungen durch den (öffentlichen deutschen) Bauherrn erfuhr, dass er sich empört abwendete. Im August 1957 stellt er dem Berliner Senat ein Ultimatum mit der Drohung, nötigenfalls 'beim Bundespräsidenten Heuss, beim französischen Außenministerium und in der internationalen Presse formellen Protest gegen den Missbrauch seines Namens ['] zu erheben.'

Ein wesentlicher Teil dieser Änderungen betrifft das Proportionssystem, das im ursprünglichen Berliner Entwurf - und wie in Marseille zu erleben - mit den Regeln des Modulors generiert wurde. Das System der bis ins allerkleinste und ins allergrößte sich endlos fortsetzenden harmonischen Maßreihen wird aus dem Goldenen Schnitt abgeleitet und an den Abmessungen des menschlichen Körpers verankert. Der menschliche Körper mit seinem spezifischen Bedürfnis nach Bewegungsraum ist der Keim für die kontinuierliche Gestaltung menschlichen Lebensraums von der Küchenschublade bis in die fernere Landschaft. In diesem Ansatz bleibt nichts einer zufälligen und rohen Entwicklung überlassen. Alles ist Teil eines kultivierten Lebensraums, wie dies im Park und auf dem Dach in Marseille zu erleben ist und im Denksystem des Modulors kristallisiert.

Das Buch ist selbst ein Kunstwerk, dessen Studium sich auch 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung noch lohnt. Wer sich den Gedanken Le Corbusiers vorbehaltlos nähert, sei es über den Modulor oder den Besuch seiner Werke, wird entdecken, dass hier Wurzeln des Ansatzes zu finden sind, den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt aller Planung und Gestaltung von Lebensraum zu stellen.

Corbusiers wahre Nachfolger (die Smithons, Candilis, ...) haben diese geistige Grundkonstitution in den 60er und 70er Jahren modifiziert und um die soziologischen Erkenntnisse ihrer Zeit erweitert. Wie zutiefst bedauerlich ist es, auf das Verstehen dieser großartigen Meister so oft verzichten zu müssen.
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