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am 1. August 2014
Verwoben als Kind seiner Zeit mit all ihren Mätressen, Zügellosigkeiten, erotischem Vorrang, Intrigen, der Blüte der Aufklärung, der Zweifel an religiösen Dogmen, der Lasterhaftigkeit und Flatterhaftigkeit der Zeiten unter Ludwig XIV., Ludwig dem XV. und der französischen Revolution, stellt Volker Reinhardt in dieser intensiven Biographie Donatin-Alphonse-Francois de Sade in einen großen Rahmen, ohne dabei auf die vielen Details und „kleinen Dinge“ dieses außergewöhnlichen Lebens und Schaffens zu verzichten.

Mit aufgewachsen bei seinem Onkel, dem „Abbe“, einem Mann der Geistlichkeit, der sowohl die Freuden edler Gewächse, besten Essens und edler Bordelle zu schätzen wusste, entwickelt der junge Marquis (neben fast gleichmütigem Mut und Tapferkeit vor dem Feind) nicht nur eine ausschweifende Form der persönlichen „Feierlichkeiten“, erprobt nicht nur für sich selbst „reizvolle Genüsse der härteren Art“ (soweit, dass eines Tages der Vater einer seiner Dienstbotinnen vor dem Wohnsitz erscheint und die Herausgabe seiner malträtierten Tochter fordert), wendet sich nicht nur in allen Varianten Geliebten, Orgien, Männern und Frauen, Jungen und Mädchen zu, sondern entfaltet eine ganz eigene Form einer extremen liberalen, hedonistischen und atheistischen Philosophie.

Für sich persönlich und privat allerdings, das arbeitet Reinhardt deutlich heraus, zieht der Marquis durchaus eine Grenze in der Realität, die er literarisch weit überschreiten wird.

„Lustmord“, das „Herausreißen von Föten aus dem schwangeren Leib“, all das ist Teil (wohl nur) seiner literarischen Exzesse.
Die „120 Tage von Sodom“ „Justine“, „Justine und Juliette“ fordern bis heute in ihrem bodenlosen Sadismus, in der Darstellung der Verkommenheit, des „Bösen“ als „treibende Kraft im Menschen“ zur Reflexion, zum Widerspruch, zum eigenen Erkennen auf wie es kaum andere Werke der Literaturgeschichte vermögen.

Von Beginn an als Skandal und „Schandfleck“ aufgenommen (auch in der persönlichen Lebensführung), in den (harmloseren) Theaterstücken ebenfalls immer für einen Tumult gut. Jahrzehntelang eingesperrt (und hier erst als „Homme de Lettres“ tätig), später in der Irrenanstalt als „Intendant“ des „Irren-Theaters“ sogar teils geachtet, lotet der Marquis in seinem eigenen Leben und in seinem unbegrenzten Denken die Bösartigkeit des Menschen, den Exzess des Lasters, das „Benutzen“ anderer bis an jede moralische (und Ekel-) Grenze aus. Jedem Impuls der Natur zu Folgen, das ist in Reinkultur die Haltung und das Ziel des „Libertin“, des wahrhaft „freien Mannes“.

Viel Wert legt der bestens vorbereitete Reinhardt dabei in seiner Biographie darauf, nicht irgendwelches „Schaudern“ oder „erotisches Interesse“ zu bedienen, sondern den Kern des Denkens, die „Haltung zum Sein“ des Mannes dem Leser auch durch intensive Interpretationen des Werkes nahe zu bringen (wenn überhaupt, werden erotische Themen nur am Rande erwähnt und abgehandelt).

Vor allem Reinhardts Einlassungen zu „Aline et Valcour“, in der Expressivität der Darstellung von Qual und Erotik eher noch gemäßigt, bilden hier eine gute Basis des Verstehens (auch wenn dieser Roman ebenfalls die Grundfesten bürgerlicher „Standards“ weit hinter sich lässt).

Auch wenn de Sade auch hier das Böse siegen lässt, die Tugend als chancenlos darstellt, Attentat und Selbstmord noch die einzigen Auswege für „das Gute darstellen“, die „Sklavenherren“ ihre verruchten Intrigen planen und ganz offen ihre brutalen Kreise ziehen, im gleichen Atemzug stellt de Sade in diesem Briefroman mit der Insel „Tamoe“ eben auch sein persönliches Utopia vor, seine „konstruktive Sicht einer möglichen freien Lebensweise“.

Wer im Vorurteil verhaftet sein sollte, dass de Sade außer der Lust an der Qual (anderer) und einem schrankenlosen Hedonismus keine anderen Antriebe gehabt haben sollte, der wird hier sehr differenziert eines besseren belehrt.

Wie sich aus den Grundgedanken de Sades zu einer völligen „naturalistischen Liberalität“ dann auch die „prinzipienfesten Lustmörder“ und „Herren“ vor allem in ihrem abstoßenden Effekt und der ungeheuren Provokation an die bürgerliche Welt erklären lassen, das liest sich ganz hervorragend in diesem Buch.

„An die Stelle Gottes ist die Natur getreten. Ein überzeugter Atheist …..muss nur auf seine innere Stimme hören und den Neigungen folgen, welche die Natur ihm eigegeben hat“.

Und unter „jeder Neigung“ versteht de Sade eben auch jedwede Neigung in einer Orgie des Lasters, des Bösen, der Qual, des Fressens und gefressen Werdens.

„Die schlimmste Sünde gegen das Gesetz der Natur ist es, sich selbst Schranken aufzuerlegen“.

Gedanken, die nicht vom Himmel fallen, sondern im Kontext der Zeit fließen, wie Reinhardt ebenfalls minutiös aufweist, die de Sade aber in eine Richtung entwickelt und vorantreibt, die bis heute in der Darstellung und der Betonung des Lasters und des ständigen „Gewinnens“ des Bösen nur schwer zu ertragen sind. Vielleicht auch, weil de Sade hier und da in einen Spiegel der Verkommenheit blicken lässt, der gar nicht so unendlich weit von der nackten Realität hinter den bürgerlichen Fassaden auch der Moderne entfernt ist.

Eine überaus lesenswerte Lektüre, die nichts mit ein wenig „Knistern“ a la „Shades of Grey“ zu tun hat, sondern von allen Seiten den Blick für dieses einzigartige Leben, Denken und Schreiben eröffnet. Und dabei dem Leser selbst die Bewertung überlässt.
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Der Autor dieser Biographie über eine der schillerndsten Personen der letzten Jahrhunderte ist Professor für Geschichte der Neuzeit. Und da die Analyse kriegerischer Auseinandersetzungen zu seinem Berufsalltag gehört, hat er ja mit den bösen Seiten der Menschen schon reichlich Erfahrung. Zudem verfasste er auch eine lesenswerte Biographie über Machiavelli. All dies sind gute Voraussetzungen, um sich auch De Sade in einer Weise zu nähern, die moralische Aspekte zwar berücksichtigt, aber nicht ins Zentrum der Betrachtungen stellt:

Wie vorsichtig Volker Reinhardt die schwierige Aufgabe angeht, lässt bereits der Untertitel „Rätsel de Sade“ seiner Einleitung erahnen. Und indem er seinen Lesern die liebliche Landschaft schildert, in der Marquis de Sade aufwuchs, setzt er gleich einen kräftigen Kontrapunkt zum Grauen, das mit De Sades Handlungen oft verbunden ist. Denn wie es bei vielen Klassikern der Weltliteratur oft üblich ist, sind auch De Sades Schriften von etlichen Herausgebern entschärft worden. Aber der Marquis fuchtelte eben nicht einfach mit der Peitsche herum, wenn er seine dunklen Seiten auslebte. Und die wenigsten seiner Opfer unterwarfen sich dem sadistischen Trieb ihres Peinigers freiwillig.

Wenn sich am 2. Dezember 2014 der Todestag von De Sade zum zweihundertsten Mal jährt, wird man sich noch immer uneinig sein, wie Leben und Werk dieses Franzosen zu deuten sind. War Marquis de Sade ein grausamer Sadist, Verbrecher, Geisteskranker, Aufklärer oder gar Vorkämpfer gegen scheinheilige Moral? Hatte er nur ausgelebt, wozu sich viele seiner Kritiker nicht bekennen wollten oder konnten? Haben seine Schriften einen philosophischen Wert oder sind sie einfach literarisch kaschierter Voyeurismus der abgründigen Art? Verachtete De Sade die Frauen ebenso wie den korrupten Adel seiner Zeit? Auch wenn sich der Fragenkatalog beliebig verlängern ließe, steht doch eines fest: Die Wirkung seiner Werke ist schlicht gigantisch.

Der große Wiederhall von De Sades Schriften führte natürlich dazu, dass die Sekundärliteratur unübersehbar wurde und Volker Reinhardts Biografie nicht die einzige ist. Das bezeugt auch der Anhang, der außer den Literaturangaben eine Zeittafel, die Anmerkungen, Bildnachweise, Personenregister und eine Stammtafel enthält.

Volker Reinhardt stellt Leben und Werk des berühmt-berüchtigten Marquis in chronologischer Reihenfolge vor, wobei er die gewaltige Stoffmenge in sechs Kapitel gliedert. Und eine Art Fazit zieht er unter der Überschrift „Von der Schwarzen Romantik zum Jahrhunderts de Sades“. Dieser Teil brachte mir auch deshalb den größten Erkenntnisgewinn, weil sich Volker Reinhardt dem Phänomen De Sade nochmals aus verschiedenen Perspektiven nähert. Die Unterkapitel machen dies deutlich, denn sie lauten: Von Baudelaire zu Nietzsche – War De Sade ein Sadist? – De Sade surreal – De Sade total – De Sade existentiell – De Sade politisch, pornographisch, feministisch – De Sade gezähmt: Epilog.

Mein Fazit: Ob dies wirklich die erste seriöse De Sade-Biographie ist, wie der Klappentexter behauptet, kann ich nicht beurteilen. Die Kombination von Geschichtsprofessor und Seriosität würde mich sogar eher abschrecken als zum Lesen ermuntern. Denn sie weckt die Vorstellung von Langeweile. Aber da Volker Reinhardt keine Faktenhuberei betreibt und auch ein guter Erzähler ist, ist die Lektüre ebenso spannend wie unterhaltsam. Ein Buch über die Natur des Menschen, die Moral der Mächtigen und die Grenzen einer freigeistigen Gesellschaft.
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Volker Reinhardt schafft es und diesen Adligen des 18. Jahrhunderts näher zu bringen, ohne ihn zu verherrlichen oder zu verdammen. Er schreibt gut, spannend und fundiert.
In die Beschreibung des Lebens eingeordnet sind Informationen zu den Werken de Sade und der Gesellschaft in der er lebte, vom feudalen Frankreich bis zu Revolution und danach!
Außerdem lohnt es sich wirklich dieses Buch in physischer Form zu kaufen, der Verlag hat ein wahres Kleinod geschaffen. Vom hochwertigen Inhalt abgesehen, wurde hier auf alles geachtet, Farbe, Lesebändchen, Vor- und Nachsatzpapier, Leineneinband, Goldaufdruck des Titels auf dem Buchrücken usw.
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