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4.0 von 5 Sternen Juli 1914. Vier entscheidende Wochen in der Geschichte Europas
Derzeit erscheinen so viele neue Bücher zur Vorgeschichte, zum Ausbruch und zum Verlauf des Ersten Weltkrieges, dass es schwierig ist, den Überblick zu behalten. Ein schmales und unscheinbares Werk wie das vorliegende Büchlein läuft Gefahr, in der Masse der Neuerscheinungen unterzugehen. Die in Großbritannien lehrende deutsche Historikerin Annika...
Vor 11 Monaten von Irulan Corrino veröffentlicht

versus
23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Tendenziös, oberflächlich, selektiv, rückwärtsgewandt - nicht empfehlenswert
Von den vielen Neuerscheinungen zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges gehört das kleine Büchlein von Annika Mombauer, Schülerin des Kaiser-Kritikers John Röhl, die bisher durchaus verdienstvolle wissenschaftliche Arbeiten abgeliefert hat, zu dem Schlechtesten und Überflüssigsten, was der Buchmarkt hergibt! Es ist...
Vor 6 Monaten von Imperator Rex veröffentlicht


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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Tendenziös, oberflächlich, selektiv, rückwärtsgewandt - nicht empfehlenswert, 16. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Von den vielen Neuerscheinungen zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges gehört das kleine Büchlein von Annika Mombauer, Schülerin des Kaiser-Kritikers John Röhl, die bisher durchaus verdienstvolle wissenschaftliche Arbeiten abgeliefert hat, zu dem Schlechtesten und Überflüssigsten, was der Buchmarkt hergibt! Es ist bedauerlich, dass es in der renommierten Reihe des Beck-Verlages erschienen ist, mithin für günstig Geld gerade für Einsteiger in das Thema zu erwerben ist.

Das Buch ist eben keine wissenschaftlich fundierte Analyse der Julikrise von 1914, sondern eine Art K(r)ampfschrift gegen die bösen "Revisionisten" vom Schlage eines Christopher Clark, der das Pech hatte, einen zwar griffigen, aber mißverständlichen Titel für seine glänzende Analyse der Julikrise zu wählen. Auch Mombauer kann sich davon nicht freimachen, geht es doch Clark zu keinem Zeitpunkt um eine irgendwie geartete "Relativierung" von Verantwortung in der deutschen politischen und militärischen Führung. Clark geht es darum, aufzuzeigen, dass eben nicht nur in Berlin, sondern auch in London, Paris, St. Petersburg, Wien und Belgrad Entscheidungen fielen, die zum Krieg führten konnten und sollten. Aber das rührt natürlich am Selbstverständnis der Gralshüter der veralteteten und zu keinem Zeitpunkt überzeugenden These vond er deutschen Hauptverantwortung, wie sie vor allem von linken Uralt-Historikern wie Wehler, Krumeich, Röhl u.a. vertreten wurden und immer noch werden.

Mombauer geht es weder um eine sachliche Analyse der "europäischen" Vorgeschichte des Krieges, sondern darum, die schon vor Clark in Frage gestellte These von der Hauptverantwortlichkeit der kaiserlich-deutschen Eliten am Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch einmal festzuzurren. Von "Europas Weg" in den Krieg, wie der Untertitel suggeriert, ist schon einmal gar nichts zu bermerken, weil sich Mombauer eben nicht die Mühe macht, die Entscheidungen in den europäischen Hauptstädten im Sommer 1914 vergleichend zu analysieren, sondern sie konzentriert sich auf die Reichsleitung in Berlin, dementsprechend wertet sie Literatur und Quellen aus germanozentrischer Perspektive aus. Das zeigt sich auch in der verwendeten Literatur - vergleichende und neuere Studien tauchen kaum auf, so fehlt z. B. die Studie zur Entspannungspolitik vor dem 1. WK Friedrich Kießling. Sie verweist weitgehend auf ältere Literatur.

Die Rolle Serbiens wird kaum näher untersucht, es fehlen Hinweise auf die Entspannungspolitik Bethmann Hollwegs ebenso wie auf die eskalierende Politik der Regierungen in London, Paris und St. Petersburg. Mombauer vertritt immer noch die Mär vom uneigennützigen Vermittler Grey, dem britischen Außenminister, und der angeblich planmäßigen und langfristigen Vorbereitung eines umfassenden Kriegs in Europa durch die deutschen Eliten, wie sie immer noch von Röhl vertreten werden, aber nicht belegt werden können. Deutschland war weder politisch noch wirtschaftlich, noch militärisch auf einen größeren Krieg eingestellt - das wird von Mombauer aber nicht erwähnt.

Für Mombauer liegen die Handlungsoptionen ausschließlich in Berlin und Wien, die anderen Großmächte erscheinen als rein reagierende Subjekte in einem, so wird der Eindruck erweckt, von den bösen Deutschen und Österreichern ausgeheckten und perfiden Machtpoker. Es ist nicht anzunehmen, dass sich Mombauer mit ihrem Büchlein Duftmarken setzen wird - die Diskussion ist im Gange, und die Werke von Clark, Münkler, vor allem aber von Leonhard werden m. E. nachhaltige Wirkung entfalten, wenn auch in einzelnen Fragen weiterhin munter diskutiert werden wird und soll. Die von Mombauer hier noch vehement vertretene These von der Hauptverantwortung der deutschen Eliten ist schon längst nicht mehr communis opinio in der Fachwissenschaft.

Es gibt deutlich bessere Einführungen in das Thema, auch zu günstigen Preisen!
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15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Tendenziös und nicht auf dem aktuellen Stand der Forschung, 28. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Annika Mombauer möchte mit dem hier zu besprechenden Buch nicht nur Deutschlands, sondern sogar „Europas“ Weg in den Ersten Weltkrieg darstellen. Das gelingt ihr freilich überhaupt nicht. Völlig in der Tradition von Fritz Fischer und ihres Lehrers John Röhl stehend, ist sie völlig auf die Mittelmächte, namentlich Deutschland, fixiert. Schwerpunkt ihrer Argumentation bilden die Stimmen derjenigen deutschen Militärs, die aufgrund der internationalen Situation Deutschlands („Einkreisung“) einen Präventivkrieg vorschlugen. Andere deutschen Stimmen, solche die den Frieden zu erhalten suchen, bleiben außen vor (dem entspricht, dass Mombauer lt. Literaturverzeichnis die 2002 erschienene Arbeit von Fr. Kießling „Gegen den ‚großen Krieg‘? Entspannung in den internationalen Beziehungen 1911-1914“ dem Leser vorenthalten möchte oder gar, schlimmer noch, gar nicht kennt).
Auch wo Mombauer die Reaktionen auf das Attentat vom 28. Juni bespricht, bleibt der Blick auf Deutschland und Österreich-Ungarn beschränkt. Die Entente-Mächte scheinen ihr zufolge keinerlei aktive Handlungsmöglichkeiten gehabt zu haben, sondern konnten auf das unverantwortlich-bösartige Handeln der Regierungen in Berlin und Wien nur noch reagieren. Die Einschätzung ausländischer Staatsmänner bleibt unkritisch den traditionellen Klischees verhaftet. So liest man einmal mehr, dass der britische Außenminister „ernsthaft“ vermitteln wollte – obwohl Sir Grey erst wenige Wochen zuvor im Zusammenhang mit dem englisch-russischen Marineabkommen (das für den Kriegsfall die Landung russischer Truppen in Pommern mit Hilfe der Royal Navy vorsah) – seine Reputation als ehrlicher Makler gründlich eingebüßt hatte.
Die ganze Einseitigkeit des kleinen Büchleins offenbart der Blick ins Literaturverzeichnis. Die Außenpolitik der anderen europäischen Großmächte nicht vor, was die deutsche Politik angeht, so fehlt das dreibändige Standardwerk zur Außenpolitik des Kaiserreichs von K. Canis. Mit Verwunderung findet man hingegen die ebenso umfangreiche wie ergebnislose Quellenstudie des Juristen und Amateurhistorikers Lüder Meyer Arndt („Die Julikrise 1914“) oder die durch und durch populistisch-germanophobe Arbeit des britischen Journalisten (sic!) Max Hastings („Catastrophe: Europe Goes to War 1914“), die freilich inhaltlich exakt auf Mombauers Linie liegt.

Fazit: In der Reihe „Wissen“ des C.H. Beck Verlag ist eine stattliche Zahl lesens- und empfehlenswerter Monographien erschienen, im vorliegenden Fall allerdings entspricht der Inhalt dem Format: klein.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Juli 1914. Vier entscheidende Wochen in der Geschichte Europas, 19. Februar 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Derzeit erscheinen so viele neue Bücher zur Vorgeschichte, zum Ausbruch und zum Verlauf des Ersten Weltkrieges, dass es schwierig ist, den Überblick zu behalten. Ein schmales und unscheinbares Werk wie das vorliegende Büchlein läuft Gefahr, in der Masse der Neuerscheinungen unterzugehen. Die in Großbritannien lehrende deutsche Historikerin Annika Mombauer, eine Schülerin von John Röhl, durch ihre Arbeiten über den jüngeren Moltke und die Geschichte der Weltkriegsforschung als Kennerin der Materie ausgewiesen, präsentiert auf weniger als 120 Seiten eine knappe Deutung der Juli-Krise. Mombauer weiß, dass sie sich eines seit jeher kontrovers diskutierten Themas angenommen hat, scheut sich aber nicht, klar und unmissverständlich Stellung zu beziehen.

Schon in der Einleitung macht sie deutlich, wo ihrer Meinung nach die Hauptverantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu suchen ist: In Wien und Berlin. Die Verantwortung Frankreichs, Russlands und Großbritanniens wiegt Mombauer zufolge weniger schwer. Zugeständnisse an deutsche Empfindlichkeiten macht Mombauer nicht. Nichts liegt ihr ferner, als Deutschland zu entlasten und die Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges gleichmäßig auf alle europäischen Großmächte zu verteilen, so dass keine von ihnen zu gut oder zu schlecht wegkommt. Mal mehr, mal weniger explizit schreibt Mombauer gegen Christopher Clark an, dessen These, die Staatsmänner Europas seien wie "Schlafwandler" in den Krieg getaumelt, sie entschieden ablehnt (S. 118).

Mombauer ist davon überzeugt, dass der Erste Weltkrieg kein "Unfall" war. Er brach aus, weil das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn ihn wollten. Die Habsburgermonarchie sah nach dem Attentat von Sarajewo die Zeit gekommen, ihren fragwürdig gewordenen Großmachtstatus durch energisches Vorgehen gegen Serbien zu bekräftigen. Das absehbare Eingreifen Russlands zugunsten Serbiens nahm Wien dabei ebenso in Kauf wie Berlin. Beide Mächte waren schon seit Jahren über Russlands Aufrüstung beunruhigt und wollten lieber früher als später gegen das erstarkende Zarenreich losschlagen. Die Aussichten, aus einem Krieg gegen Russland siegreich hervorzugehen, schienen mit jedem Jahr zu schwinden. Beide Staaten schlossen von vornherein eine diplomatische Beilegung der Balkankrise aus. Die Krise hätte nicht eskalieren können, wenn Berlin die verbündeten Österreicher nicht von Anfang an in dem Entschluss bestärkt hätte, ausschließlich auf eine militärische Lösung zu setzen.

Die Möglichkeit, dass aus einem lokalen Konflikt ein großer europäischer Krieg werden könnte, hatten die Politiker und Militärs in Wien und Berlin von Anfang an einkalkuliert. Besonders die deutsche Führung wollte testen, wie sich die Entente in dieser Krisensituation verhalten würde. Würden Russland und Frankreich untätig zusehen, wenn Österreich-Ungarn gegen Serbien vorging? Wenn ja, dann bot sich eine Chance, die Entente zu sprengen und die Einkreisung der Mittelmächte aufzubrechen. Das Deutsche Reich war längst auf einen Zweifrontenkrieg eingestellt und bereit, es mit Frankreich und Russland gleichzeitig aufzunehmen. Dass Großbritannien seine Neutralität erkläre, war Berlins Wunschoption, aber auch von einem Kriegseintritt der Briten auf Seiten Frankreichs und Russlands hätte es sich nicht vom Krieg abbringen lassen, so Mombauer.

Die Reaktionen und Entscheidungen der Regierungen Serbiens, Russlands, Frankreichs und Großbritanniens nach Übergabe des österreichischen Ultimatums sind Mombauer zufolge von sekundärer Bedeutung für die Eskalation der Krise hin zum Krieg. Schwerer wiegt ihrer Meinung nach, dass das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn auch in den letzten Julitagen alle Vorschläge für eine diplomatische Klärung der Krise ablehnten. Die russischen Beistandsbekundungen gegenüber Serbien, die französischen Zusicherungen an Russland, im Ernstfall den vereinbarten Bündnispflichten nachzukommen, Russlands frühzeitige Teilmobilmachung ab dem 26. Juli sind nach Mombauers Auffassung weniger gravierende Faktoren als die Weigerung Berlins und Wiens, die von London mehrfach vorgeschlagene Verhandlungslösung zu akzeptieren. Gleichwohl stellt Mombauer klar, dass an Frankreichs und Russlands grundsätzlicher Kriegswilligkeit kein Zweifel bestehen kann. Beide Staaten sahen in dem Krieg eine willkommene Bewährungsprobe für ihr Bündnis. Großbritannien ergriff schließlich Partei für Frankreich und Russland, weil es nicht riskieren wollte, der latenten Rivalität mit dem Zarenreich durch Untätigkeit neue Nahrung zu geben.

Sicher ist kein Autor glücklich darüber, die Juli-Krise auf so knappem Raum behandeln zu müssen. Mombauer kann viele Aspekte nicht ansprechen, die im Zusammenhang mit ihrem Thema eigentlich von Bedeutung sind (z.b. Nationalismus und Revanchismus, das Wettrüsten, die Entwicklung der Bündnissysteme u.a. mehr). Das Buch setzt in den letzten Jahren vor dem Ausbruch des Weltkrieges ein und besitzt daher nicht die zeitliche Tiefendimension, die zum Verständnis der Juli-Krise eigentlich nötig ist. Eine umfänglichere Darstellung, etwa das vieldiskutierte Buch von Christopher Clark, kann ein wesentlich subtileres, nuancenreicheres Bild entwerfen als Mombauers schmaler Band. Lesenswert ist Mombauers Büchlein allemal. Die Autorin verdient Respekt dafür, dass sie eine klare und eindeutige Position bezieht, auch wenn absehbar ist, dass sie mit dieser Position bei vielen deutschen Lesern auf Widerspruch stoßen wird, zumindest bei denen, die im Banne von Clarks Werk stehen. Für sich genommen ist Mombauers Argumentation schlüssig. Mombauer spricht Frankreich und Russland nicht von jeglicher Mitverantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges frei, schätzt die Verantwortung dieser beiden Staaten aber als geringer ein als die der Mittelmächte, die - wie Mombauer mehrfach mit Nachdruck betont - die Möglichkeit eines großen europäischen Krieges von Anfang an bewusst in Kauf nahmen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer war schuld?, 29. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Das Buch arbeitet konzentriert heraus, dass die Hauptverantwortung für den Beginn des Ersten Weltkrieges in diesen letzten Wochen zwischen dem Sarajewo-Attentat und den Kriegserklärungen des Habsburger- und des Deutschen Reiches bei den verantwortlichen Politikern dieser beiden Länder lagen. Es wird nachgewiesen, dass sie in dem klaren Bewusstsein handelten, einen großen Krieg auszulösen. Dauer und Ausgang konnten sie natürlich nicht voraussehen. Die internen Mechanismen und die Voraussetzungen dieser Meinungsbildung kommen kommen in dieser knappen Darstellung allerdings zu kurz. Merkwürdig ist, dass die Autorin Clark ("Schlafwandler") zwar mehrfach erwähnt, sich aber nicht direkt mit ihm auseinandersetzt, obwohl sie eine deutlich andere Sichtweise hat als dieser.
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22 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einseitig und oberflächlich, 17. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Das Buch von Annika Mombauer bringt weder neue historische Kenntnisse noch Einsichten. Leider fehlt es der Autorin auch an der nötigen Distanz und Objektivität. Das Titelbild des Buches stellt die Verantwortlichkeiten für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs klar und damit ist der rote Faden für das gesamte Buch vorgegeben.

Darüber hinaus werden in dem Buch nur selektiv die Zitate der deutschen und K.u.k.-Entscheidungsträger zitiert, die zur eigenen Meinung passen. Eine differenzierte Darstellung hätte sich beispielsweise intensiv mit dem Attentat von Sarajevo und dessen Hintergründen beschäftigt. Es wäre zu diskutieren, weshalb das österreichische Ultimatum an Serbien denn "unannehmbar" war. Insbesondere ging es Österreich mit gutem Grund darum, mit einer gemeinsamen Untersuchungskommission in Serbien die Hintergründe des Attentats zu ermitteln. Im Übrigen gab es im Jahr 1917 einen sehr aufschlussreichen Prozess gegen die Hintermänner des Attentats, den zu analysieren sich lohnt. Die intensiven Gespräche in Sankt Petersburg zwischen den wichtigsten französischen und russischen Staatsmännern vom 20.-23. Juli 1914 werden leider in dem Buch auch nur sehr oberflächlich analysiert. Dies ist schade, weil sie einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der folgenden Ereignisse liefern, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten. Auch das französisch-britische Flottenabkommen aus dem Jahre 1912 führte beispielsweise dazu, dass Großbritannien 1914 gar nicht neutral sein konnte, da es durch dieses Abkommen bereits in Friedenszeiten verpflichtet war, die französische Nordseeküste zu verteidigen. Schließlich hätte man sich gewünscht, dass die Autorin sich intensiv mit den Kriegszielen der beteiligten Mächte vor 1914 auseinandersetzt. Hier wäre vor allem die Frage zu stellen, welche Mächte expansive Absichten in Europa hatten. Auch wäre es zielführend gewesen, die Bedeutung einer Generalmobilmachung in der damaligen diplomatischen Sprache noch klarer herauszuarbeiten, da dies wesentlich für das Verständnis der folgenden Ereignisse ist.

Schade, gerade in der Analyse des Ersten Weltkriegs hat sich in den letzten Jahren in der wissenschaftlichen Forschung sehr viel Positives bewegt. Zu empfehlen ist meiner Meinung nach das Buch von Stefan Schmidt "Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise" oder aber das neueste Buch von Jörg Friedrich zum Krieg 1914-1918.

Das vorliegende Buch von Annika Mombauer stellt meiner Meinung nach leider einen Rückschritt in der Erkenntnisgewinnung zu diesem epochalen Ereignis dar.
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7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf den Punkt genau, 26. Februar 2014
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Die 100. Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkriegs hat auf dem Büchermarkt zu einer wahren Flut teilweise sehr voluminöser Bücher geführt, die die Vorgeschichte und den Kriegsverlauf zum Thema haben.

Wer sich auf die Schnelle und vor allen Dingen preiswert informieren möchte über die Vorgeschichte des Krieges und dessen Hintergründe, der ist mit dem vorliegenden in der Reihe Wissen des C.Beck Verlags erschienenen Buch der in England lehrenden Historikerin Annika Mombauer gut bedient.

Auf den Punkt genau schildert die weltweit anerkannte Expertin zu diesem Thema die nach dem Attentat auf den Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau am 28. Juni 1914 ausgebrochene später sogenannte Julikrise. Und sie weist detailliert nach, dass Europa und die damals vorherrschenden Mächte in diesen Krieg keineswegs hineingeschlittert sind, wie man lange behauptet hat.

Auch wird deutlich, dass neuere historiographische Tendenzen keine Evidenz haben, die versuchen, die Verantwortung Österreich-Ungarn und des Deutschen Reichs für die Eskalation der Krise kleinzuschreiben. Beide Mächte und vor allen Dingen deren jeweilige militärische Führung wollten eine Art außenpolitischen Befreiungsschlag, von dem sie tatsächlich dachten, er wäre nach wenigen Woche erfolgreich abgeschlossen. Sie riskierten damit fahrlässig und leichtsinnig einen Weltkrieg, von dessen katastrophischen und apokalyptischen Ausmaßen auf den Schlachtfeldern 1914 allerdings niemand eine Ahnung hatte.

Jean Echenoz hat in diesen Tagen einen kleinen Roman vorgelegt mit dem Titel „14“, in dem er auf knappem Raum in einer bewundernswerten Dichte den Krieg literarisch zu fassen versucht. Ich kann dieses Buch als Ergänzung zu dem hier vorliegenden Sachbuch nur empfehlen.
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12 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Deutschland ist alleine Schuld-wer sonst !...., 21. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Müde Aufwärmung der, nach den Werken von Fergusson, Friedrich und Clark längst wiederholten, Nachkriegsthese des Versailler Vertrags von der Alleinschuld des kriegslüsternen Deutschlands am Ausbruch der Ersten Weltkrieges .
Geradezu erleichtert hätten deutsche Generäle wie von Moltke auf das Attentat von Sarajewo mit "jetzt oder nie " reagiert- und den Weltkrieg vom Zaum gelassen. Schon im Mai 1914 hätten der deutsche und der österreichische Generalstabschef einen grossen Krieg ausgeheckt. Auffällig ist auch dass die an einer britischen Universität unterrichtende Autorin sich bemüht, den übergrossen Anteil des ohne Krieg bankrotten Englands am Ersten Weltkrieg völlig zu verschweigen Eigentlich war zu erwarten, dass der wissenschaftliche Mainstream auf die revolutionären Thesen der obigen Autoren zu reagieren versuchen würde.
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6 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute Analyse, 9. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine Analayse, die der Geschichtsrevision, analog "Die Schlafwandler" die Grundlagen entzieht. Es ist schon erstaunlich, dass nach der Fischerkontroverse "Deutschlands Griff zur Weltmacht" von 1961 ff, die alten Thesen vom "Hineinschliddern" durch Ch. Clark zwar sehr detailreich wieder aufgewärmt werden. Klar, dass das bei deutschen Geschichtsinteressierten auf fruchtbaren Boden fällt. Trotzdem bleibt unter ernstzunehmenden Historikern die Auffassung, dass die Hauptschuld am Ausbruch des 1. Wk eindeutig bei Kaiser, v. Moltke und Reichskanzler liegt. Danke an die englische Historikerin.
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13 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mombauer weckt die Schlafwandler auf, 12. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Annika Mombauer glaubt nicht an die These der schlafwandelnden Politiker. In Deutschland und Österreich übten "die kriegslustigen Militärs den größten Einfluss auf ihre politischen und diplomatischen Kollegen aus". Das ist die zentrale Botschaft des Büchleins.

Die in Großbritannien lehrende Historikerin hat nur 128 Seiten zur Verfügung. Das reicht nur für 2 Karten. In 6 Kapitel von "Vorkriegsdiplomatie und Sarajewo" bis Mobilmachung erzählt sie den Ablauf der Julikrise. Überraschungen gibt es da keine. Aus Platzgründen verzichtet Mombauer darauf, von Tag zu Tag voranzuschreiten (wie Krumeich das zum Beispiel macht). Es ist eine gedrungene Erzählung der wichtigsten Fakten.

Dann aber die Schlussbetrachtung, und die hat es in sich. Denn es ist eine direkte Konfrontation mit den schlafwandlerischen Aussagen von Clark. Zitat: " Dennoch muss der Hauptteil der Verantwortung für den Kriegsausbruch nach wie vor in den Entscheidungen Österreich-Ungarn und Deutschland verortet werden. Die Dokumente, auf die wir uns stützen können, beweisen eindeutig, dass die beiden Großmächte es auf einen Krieg abgesehen hatten, bevor die Regierungen der anderen Großmächte überhaupt wussten, das ein europäischer Konflikt bevorstand. Der Krieg war kein Unfall...die Verantwortlichen waren keine Schlafwandler, sondern wussten im Gegenteil ganz genau, was sie taten.Natürlich trugen auch die Staatsmänner in Petersburg, Paris, London zur Krise bei, aber die Verantwortung einiger Regierungen war gravierender...."

Mittlerweile liegen jetzt doch mehrere aktuelle Bücher und Interviews vor, welche die Hauptthese von Clark in die Zange nehmen. Clark hat den Blickwinkel verändert, das ist sehr verdienstvoll, aber einiges von dem, was er geschrieben hat, wird man revidieren müssen. Dabei ist es fast schon unerheblich, wer die Hauptverantwortung trägt und ob es die überhaupt gibt. Aber die Behauptung Clarks, man wäre in den Krieg blind hineingestolpert, ist eine Zumutung.

Plakativ in der Süddeutschen Zeitung beschreibt Mombauer die Situation so: Auch wenn alle einen rauchenden Colt in der Hand hielten, so hat doch einer zuerst geschossen, und das war Deutschland/Österreich, man denke an den Einmarsch in das neutrale Belgien.

Prof. Heinrich August Winkler schreibt in der Zeit Ausgabe vom 31.07.2014, Münklers Ansichten würden auf eine "Umdeutung der Geschichte in volkspädagogischer Hinsicht" hinauslaufen. Winkler verlangt gar eine Selbstrevision der Revisionisten und riskiert gar die Andeutung, dass der "Clark-Effekt" sich auch auf die Deutung Hitler-Deutschlands ausweiten könnte.

Wenn also das Buch von Mombauer tendenziös sein soll, dann nur in dem Sinne, dass sich Mombauer auf die herrschende Meinung der Wissenschaft berufen kann. Clark stützt sich eher auf die herrschende Meinung der deutschen Leser, oder umgekehrt.
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5 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schneller Überblick - gute Einführung, 29. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg (Taschenbuch)
Wegen des 100jährigen Jubiläums des Ausbruchs des 1. Weltkrieges finden zur Zeit Ausstellungen und Vorträge statt. Aus der Schule hat man kaum noch Fakten parat, so dass die richtige Einordnung schwer fällt. Die liefert dieses Buch in ausgezeichneter und knapper Weise.
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Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg
Die Julikrise: Europas Weg in den Ersten Weltkrieg von Annika Mombauer (Taschenbuch - 20. Oktober 2014)
EUR 8,95
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