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4.0 von 5 Sternen Eine Fundgrube, 10. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Roms: Die Auflösung des römischen Reiches im Urteil der Nachwelt (Gebundene Ausgabe)
Wenn wir auf die Geschichte vergangener Reiche und Hochkulturen zurückblicken - und das allen bekannte Beispiel dafür ist die Geschichte des Römischen Reiches - so fällt auf: Lange vor dem äußeren Zusammenbruch setzte ein innerer Verfall ein. Von einem gewissen Punkt an gab es fast nur noch Mißerfolge. Die Wirtschaft stagnierte und die Finanzen des Staates, der Städte und der Gemeinden gerieten immer stärker in Unordnung, die Zahl der Unterstützungsempfänger stieg von Jahr zu Jahr, obwohl jeder neue Herrscher mit dem erklärten Ziel antrat, diese Zahl und die Staatsverschuldung zu senken. Die Sicherheit der Bürger war gefährdet, das Auftreten von Mann und Frau hatte sich ebenso verändert wie das Verhältnis von Jung und Alt. Die gesamte Gesellschaft schien wie von einer Krankheit befallen zu sein und unfähig geworden, richtige Entscheidungen zu treffen und auszuführen. Obwohl keiner den Niedergang wollte, steuerten die Staaten und ihre Menschen mit innerer Folgerichtigkeit auf einen Abgrund zu, so als wäre es ihr eigentliches Ziel, in den Abgrund zu stürzen.

Die einzige Ausnahme von einer solchen Entwicklung scheint China zu sein. Aber auch innerhalb von China haben sich Aufstieg und Niedergang, Bildung eines mächtigen Zentralstaates wie in Rom und sein Zerfall, in den letzten dreitausend Jahren sogar mehrfach abgespielt. Die chinesischen Historiker sprechen vom dynastischen Zyklus: Ein fähiger Herrscher erhält von der Vorsehung einen Auftrag und gründet eine machtvolle Dynastie. Das Reich wird geeint und seine Grenzen gesichert, Straßen werden gebaut, das Bewässerungssystem wird instand gesetzt, das Leben wird für alle besser und die Bevölkerungszahl steigt. Obwohl in späteren Generationen die wie ein Krebsgeschwür anwachsende Bürokratie die Steuern ständig erhöht, verringern sich die öffentlichen Leistungen, der Niedergang setzt ein. Unter den hungernden Volksmassen verbreitet sich die Meinung, die Dynastie habe den Auftrag des Himmels - den Auftrag der Vorsehung - verloren. Unter chaotischen Begleitumständen, unter denen sich die Bevölkerungszahl wieder drastisch verringert, wird letztendlich die Dynastie gestürzt, und der Kreis, dessen Durchlauf - wie auch in Rom - mehrere Jahrhunderte gebraucht haben kann, schließt sich.

Große und kleinere Geister haben versucht, am Beispiel Roms die Gründe für den Untergang des Staates zu benennen und sind dabei zu sehr vielfältigen und unterschiedlichen Einschätzungen gekommen. In seinem 1984 in erster Auflage erschienenen Buch war Demandt - damals selbst 47 Jahre alt - bestrebt, alle wesentlichen Verfasser und die von ihnen angegebenen Gründe systematisch darzustellen. An dieser zusammenfassenden Darstellung konnte seither niemand vorbeigehen.

30 Jahre später erscheint nun das Buch zum selben Thema in 2. Auflage. Wer meint, der Verfasser sei in den drei weiteren Jahrzehnten der Beschäftigung mit Rom persönlich und inhaltlich gereift und behandele das Thema nun von einer höheren Warte, der wird enttäuscht. Ohne nennenswerte Erweiterung werden die Inhalte der 1. Auflage wiederholt. Demandt gibt die vielerlei Gründe für den Niedergang, die andere Verfasser annehmen, inhaltlich richtig wieder, so daß man, wenn man will, auf die Originalarbeiten zurückgreifen kann. Darin besteht der große Wert des Buches.

Demandt schreibt vom Standpunkte eines Besserwissers, der alle angegebenen Gründe für mehr oder weniger unzureichend hält, der aber nicht zu erkennen gibt, worin seine eigene Meinung besteht. Am Beispiel der naturwissenschaftlichen und der mit ihnen zusammenhängenden zyklischen Gründen des Niedergangs könnte er ausführen, welche der Gründe und ihr Zusammenwirken unsinnig oder mehr oder weniger sinnvoll sind. Es gibt ja auch objektive Grabungsbefunde und statistische Schätzungen, nicht alles ist nur subjektiv und läßt sich zur Seite wischen. Am Ende ist Rom tatsächlich zur Kleinstadt verkommen und als Staat untergegangen.

Johan Galtung extrahierte 1996 in einer Arbeit ("The Decline and Fall of Empires") für das United Nations Research Institute on Development aus Standardwerken über Niedergang und Verfall 20 Variable, deren Verteilung er in 30 Fällen ermittelte, vom Untergang Westroms bis zum Untergang der Sowjetunion und dem von ihm in naher Zukunft erwarteten Niedergang der USA. Galtung fand das folgende Syndrom als Ursache der Untergänge: Mangel an Kreativität und Management, fehlende Weitsicht und zurückgehende Kraft zur Erneuerung; Ausländer übernehmen die anspruchsvollen Arbeitsaufgaben im Inland oder durch Verlagerung ins Ausland; Verschuldung. - Eine ähnliche systematische und wichtende Analyse, etwa auch in Tabellenform, der bisher für den Untergang Westroms vermuteten Ursachen, die vermißt man bei Demandt.
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Der Fall Roms: Die Auflösung des römischen Reiches im Urteil der Nachwelt
Der Fall Roms: Die Auflösung des römischen Reiches im Urteil der Nachwelt von Alexander Demandt (Gebundene Ausgabe - Januar 2015)
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