Kundenrezensionen


9 Rezensionen
5 Sterne:
 (9)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

36 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfassend und fundiert, 12. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
Gut 1250 dünne Seiten, eng bedruckt, chronologisch strukturiert, anders, als es der Titel auf den ersten Blick erwarten lässt, bereits 1870 beginnend (was Sinn macht, da die Jahre zur Jahrhundertwende hin vielfach gesellschaftlich, kulturell, politisch, wirtschaftlich und militärisch jene Wurzeln bereit stellten, welche die geschichtlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts in Deutschland maßgeblich begründeten) und bis zum Millenium reichend, so stellt sich dieses Buch zunächst dem Leser dar.

Wobei Herbert ebenso wichtig und grundlegend zu Beginn bereits darlegt, dass der „nationale Rahmen“ allein nicht ausreichen wird, die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert zu verstehen. Wichtige Entwicklungen des betrachteten Zeitraumes waren bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts miteinander vernetzte, aufeinander bezogene „gesamteuropäische Phänomene“ und blieben dies durch fast die ganzen Zeiten hindurch.

Dennoch aber, die nationalstaatliche Betrachtung hat ihr Recht und macht Sinn. Eben aber in Bezug auf gesamteuropäische Tendenzen und Wechselwirkungen, die in Deutschland je zu ihrer Zeit je interpretiert, adaptiert oder auf Widerstand treffend aufgenommen wurden.

Neben vielen anderen Stärken dieses Werkes ist dies eine ebenso wichtige. Die „großen Linien“ immer mit zu bedenken und dem Leser fundiert und überzeugend vor Augen zu führen. Eine Betrachtung, die zudem der besonderen Bedeutung, die Ethnie und Nationalität im 20. Jahrhundert introspektiv erhalten haben, gerecht wird.
So erklärt sich auch das besondere Augenmerk, welches Herbert auf die Zeit zwischen 1890 und 1914 setzt, prägende Jahre des „Deutschen Stolzes“ im jungen Kaiserreich.

Mag der erste Weltkrieg auch die „Wasserscheide“ zwischen 19. Und 20. Jahrhundert darstellen, was die Entwicklung zu diesem hin angeht und weit über diesen hinaus maßgeblich beeinflusst hat, findet in diesen Jahren mit hoher Dynamik statt.

Grundhaltungen und prägende Momente einer Nation, die, so wird Herbert später ebenso überzeugend argumentieren, im „letzten Fünftel des 20. Jahrhunderts“ eigentlich erst zu Ende gingen.

Nach den „zwei Epochen“ der Deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, die Herbert voneinander abgrenzt.
Die Zeit des „Krieges und der Katastrophen“ und die Zeit der Entwicklung der Demokratie hin zu einem der führenden Länder innerhalb der globalen Wirtschaft, mithin somit eine Entwicklung von einer kulturellen und wirtschaftlichen Blüte hin zu einem Tiefpunkt und in der Folge zu „neuen Höhen“, deren Teile sich historisch zueinander verhalten.
Das „Wie“ dieses zueinander Verhaltens ist in diesem Werk ebenso Thema, wie die Darstellung der Ereignisse an sich.

Herbert versäumt es zudem nicht, die „Offenheit der Geschichte“ ebenso immer wieder vor Augen zu führen.
In all den Entwicklungen gab es, neben folgerichtigen und dann zwanghaften Abfolgen, nachdem einmal Startpunkte gesetzt waren, ebenso je vor diesen Punkten eine Vielzahl von Alternativen. „Nebenwege und Seitenstraßen der Geschichte“.
Insofern sind jene „abgebrochenen oder gescheiterten Wege“ ebenso ein wichtiger Teil der Darstellung, wie die Darstellung der „zeitlich unterschiedlichen Gegenwarten“.

Einer Konzentration auf die „deutsche Signatur“ in Anbetracht des Unterschiedes der deutschen Geschichte im Vergleich zu allen anderen Ländern, stellt Herbert im Folgenden einen zweiten Betrachtungsbogen entscheidend zur Seite: den der „Durchsetzung der Industriegesellschaft“.
Diese aber hält sich nicht an konkrete Daten, sondern hat ihre Ursachen ebenso bereits in den Zeiten der Jahrhundertwende, wie die kriegerischen Konflikte Deutschlands. Somit „überwölbt“, wie Herbert es formuliert, dieser Betrachtungsbogen die gesamten historischen Ereignisse.
Fast soweit, dass dies der „eigentliche innere Faden“ der (nicht nur) deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts sein könnte, der durch die Katastrophe beider Weltkriege zwar empfindlich gestört und zurückgeworfen wurde, letztendlich aber den Faden nach 1945 zumindest in einem Teil Deutschlands einfach wieder aufgenommen hat.

Dynamik, abbrechende Wege, Kriege, verlorene Alternativen, Aufschwung und damit einhergehend politische und kulturelle Veränderungen, begleitet auch von rigoroser Radikalität in einer sich massiv verändernden bürgerlichen Gesellschaft in einem spannungsreichen Umfeld (zunächst des „Kalten Krieges“), all dies findet sich auf stetig hohem Niveau im Buch wieder.

In inhaltlich nachvollziehbarer Unterteilung. In 1870-1918, 1919-1933, 1933-1945, 1945-1973 (Beginn Strukturwandel), 1973-2000 gliedert Herbert die Hauptteile seines Werkes

Umfassend, kompetent, verständlich, breit und tief legt Ulrich Herbert ein faszinierendes Werk mit hoher Informationsdichte und „eigener Handschrift“ vor, das jede Seite lohnt.

Um zu wissen, warum ist, was ist. Warum manches nicht geworden ist und manches in innenpolitisch starker Reibung und außenpolitischer Bedrohungslage sich als resilient erwiesen hat. Bis hin zur mehr und mehr entscheidenden wirtschaftlichen Entfaltung von den 50er Jahren an bis heute, die einigen Strukturwandeln unterworfen waren.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen man liest und liest und liest - ein "page turner" von fulminanter Qualität, 13. Juni 2014
Von 
Detlef Rüsch "detlefruesch" (Landshut, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (#1 HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
Im positiven Sinne kann man eigentlich nur warnen vor dem Buch: denn man mag kaum mehr aufhören, weiterzulesen, Seite um Seite durchzugehen und sich in eine Geschichte zu vertiefen, die brillant dargestellt wird, weil sie nicht nur die vermeintlich großen Ereignisse beschreibt, sondern es schafft, ebenso die Wirkung historischer Entwicklungen ins Alltägliche hinein zu erläutern. Ulrich Herbert schreibt in einem Stil, der es auch Nicht-Historikern/-innen erlaubt, sich mit den Zusammenhängen politischer, historischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, kultureller und nicht zuletzt religiöser sowie nationaler Entwicklungen intensiv zu befassen und ein umfassendes Bild zu erhalten, welches die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert beschreibt und zusätzlich erklärt.
Ohne zu kurz zu greifen oder lockerleichten Argumentationssträngen zu folgen, lässt Herbert einen Teilhaben an der Dynamik weit vor dem 1. Weltkrieg und beschreibt differenziert die verschiedenen Strömungen, die schließlich auch zum Nationalsozialismus führten. Ihm gelingt es außerdem sehr klar zu erläutern, wie die Geschichte Deutschlands in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und in der Zeit danach bis hin zum Jahr 2000 sich entwickelt hat und welche bedeutsamen Ereignisse und Einschnitte hier prägend gewesen sind.
Gleich einem Stadtführer, dem man sich ob seiner Kompetenzen gerne lange anvertraut, weist Ulrich Herbert einen nicht nur ins Zentrum der Geschichte, sondern schafft es mühelos, auch die Randbezirke mit einfliessen zu lassen und sowohl Neuerungen darzustellen als auch fest verankerte Wurzeln, eingefahrene Wege und entlegene Gesichtspunkte. Dass es dem Historiker hierbei gelingt, ausgesprochen lesefreundlich zu schreiben ohne sich in Details zu verlieren oder ein Anmerkungenwirrwarr zu hinterlassen, macht das Buch so besonders. Selbst wenn er viele Anmerkungen verwendet, so ist rasch ersichtlich, wo sie besonders lesenswert sind. Außerdem ist es ein guter Service, dass hier sogar beim Anmerkungenverzeichnis die Seitenzahlen beschrieben sind, auf die sich die Anmerkungen beziehen. Bei einigen Textpassagen hätten man sich dennoch ein paar Graphiken oder zumindest ein paar kartographische Unterstützungen gewünscht. Dies wäre beispielsweise auf den Vor- und Nachsatzblättern sehr gut möglich gewesen. Differenziert stellt sich sowohl das Literaturverzeichnis dar als auch das Personenregister. Dennoch mag man hier auch einwenden, dass ein Sachwortregister auf jeden Fall eine guter Leserservice gewesen wäre.
Wer es aber schafft, in über 1250 Seiten die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert so präzise und kurzweilig darzustellen, der verdient hohen Respekt.
Dieses Werk sollte ob seiner Schwere und Dicke nicht abschrecken; vielmehr sollte man es in die Arme schliessen aufgrund seiner Leichtigkeit und Präzision. Und es sollte geradezu DAS Handwerkszeug insbesondere für politisch Verantwortliche sein, um differenziert sich ein klares Bild über historische Prozesse zu machen. Vielleicht ist dieser Vergleich treffend: man solle an einer fundierten Stadtführung in der Heimatstadt teilnehmen...auch wenn man glauben sollte, schon alles zu kennen und zu wissen; auch hierbei würde man viel Neues erfahren und anderen Meinungen begegnen. Ähnlich geht man mit Ulrich Herbert durch die Geschichte Deutschlands, erfährt ausgesprochen viel auch über die Nachbarschaft und wird nach der Lektüre bedauern, dass man das Buch nicht schon längst früher lesen konnte bzw. dass man wohl auf eine Fortsetzung noch wird warten müssen.
Ein tiefenscharfes und tiefenschärfendes Werk, dem man nicht nur Lesende aus der Politik wünscht, sondern vielmehr auch aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen, denen ein fundiertes Geschichtsverständnis und ein tragfähiges Fundament für ein gut geplantes "Haus Deutschland" in einer friedlichen europäischen Nachbarschaft am Herzen liegt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Souverän gelöste Mammutaufgabe, 9. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Buch vollbringt Ulrich Herbert eine Mammutaufgabe: Denn eine Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts in einem europäischen Kontext zu schreiben, scheint angesichts der Komplexität nicht nur waghalsig, sondern auch eine ausufernde Angelegenheit zu werden. Gewiss: ausufernd ist der Band mit seinen gut 1250 Seiten (ohne Anhang) geworden. Doch qualitativ bewegt sich Herbert auf höchstem Niveau. Er schafft es nämlich auf eine konzise Art und Weise, die deutsche Geschichte in einen europäischen, bisweilen sogar in einen globalen Zusammenhang zu bringen, wodurch er sich von der nationalen Geschichtsschreibung im Stile eines Golo Mann abhebt. Zugleich heißt dies aber, dass Herbert die Sache auch etwas anders darstellt. So ist ihm selbst weder ein pathetischer Grundton zu eigen, noch gerät er ins Erzählen. Er geht die Sache vielmehr nüchtern und analytisch an, was nicht zuletzt daran sichtbar wird, dass kaum persönliche Schilderungen von Zeitgenossen zitiert werden. Auch wenn dies alles zunächst einmal recht trocken erscheint, beeindruckt der Band trotz des immensen Umfangs durch souveräne Kontextualisierungen sowie durch klare Argumentationslinien. Sicherlich schadet es dabei nicht, ein wenig Vorwissen mitzubringen, da sich erst dann die dargelegten Zusammenhänge vollends erschließen. Schließlich ist Herberts Ansatz alles andere als eine klassische Ereignisgeschichte.

FAZIT: eine souveräne, strukturgeschichtliche Aufarbeitung der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts im transnationalen Kontext.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Die Sisyphusarbeit hat sich mehr als gelohnt..., 10. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
'Warum erst jetzt?', mag man sich da fragen. Warum wagt sich Deutschland renommiertester Kenner der Geschichte des 20. Jahrhunderts erst jetzt an eine Gesamtdarstellung dieser Epoche, über die viele glauben mögen, alles sei bereits gesagt, geschrieben und diskutiert worden, durch dieses Buch aber eines Besseren belehrt werden. Warum erst jetzt, obwohl der in Freiburg lehrende Ulrich Herbert doch bereits seit Jahren seine auf drei Semester angelegte Vorlesung über Deutschlands Geschichte im 20. Jahrhundert hält? Die Antwort gibt der Autor im Vorwort seines Buches selbst: "Das Bonmot von Sisyphus, den man sich als einen glücklichen Menschen vorstellen müsse, hat gewiss niemand geprägt, der eine zeitgeschichtliche Gesamtdarstellung geschrieben hat" (21f.). Ständig neue Entwicklungen in den vergangenen Jahren hätten ihn dazu genötigt, große Teile seines Buches umzuschreiben und zu aktualisieren, so Herbert. Das Ergebnis ist nichts weniger als ein Meisterwerk zeitgenössischer Geschichtsschreibung, welches Laien, Hobbyhistoriker und Experten neue Einsichten und Diskussionsansätze über dieses so extreme Jahrhundert liefert.

Herbert setzt ein mit der Gründung des Kaiserreiches und dem damit verbundenen explosionsartigen Wirtschaftswachstum und Innovationsschub in Deutschland. Hier sieht der Historiker nicht nur den Beginn der Entwicklung, die Deutschland an der Schwelle zum neuen Jahrhundert zur europäischen Wirtschaftssupermacht haben werden lassen, sondern die auch den Wunsch, die Gier der verspäteten Nation mach globaler Bedeutung, Größe und Weltmachtstellung geweckt habe. "Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert" bietet einerseits eine immer flüssig zu lesende Darstellung der Ereignisgeschichte mitsamt den zentralen wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen. Was dieses Buch von anderen unterscheidet ist Herberts Fähigkeit, seine Erkenntnisse aus den verschiedensten Bereichen zu präzisen Schlussfolgerungen zusammenzufassen, die wesentliche Strukturmerkmale eines solchen Themenkomplexes verdeutlichen und für den Leser inmitten der Vielzahl der Einzelereignisse verständlich machen. So gelingt Herbert zum Beispiel eine präzise Charakterisierung des wilhelminischen Zeitalters anhand einer punktgenauen Beschreibung der namensgebenden Person selbst: "Wilhelm verkörperte hier den prägenden, 'modernen' Typen seiner Zeit: den Aufsteiger und Karrieristen, der nach Geltung und Prestige drängte, und doch der Neureiche ohne Bodenhaftung und ruhiges Selbstwertgefühl blieb – kompensiert durch das Militärisch-Schneidige, das nun bis zum Überdruss gesteigerte Preußisch-Zackige, verbunden mit Arroganz, Untertanenmentalität und lautem Hurrapatriotismus" (49).

Die fünf Kapitel orientieren sich, so Herbert, an den zentralen politischen Daten des 20. Jahrhunderts: 1918, 1933, 1945, 1973, 1990 (vgl. 21). Für das Verständnis der einzelnen Epochen jedoch wählt er die Jahre 1900, 1926, 1942, 1965 und 1989/90 als Fixpunkte seiner Argumentation. Dieser Perspektivwechsel, so unwesentlich die Akzentverschiebung auf den ersten Blick auch erscheinen mag, verleiht dem 20. Jahrhundert eine neue Struktur, wie man sie bisher noch nicht in kompakter Form vorgefunden hat und die überraschend neue Antworten auf die Fragen an die Vergangenheit bietet. Vom Kaiserreich bis zum Sieg der liberal-marktwirtschaftlichen Weltordnung mitsamt anschließender Ausartung der globalen (Finanz-)Märkte, die ab 2007/08 die Welt an den Rand des Abgrundes und darüber hinaus führte; egal, ob man als Leser die Vergangenheit als Epoche an sich verstehen möchte oder in der Geschichte Antworten auf die Fragen nach dem aktuellen Weltgeschehen sucht: "Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert" ist schon jetzt das Standardwerk für diese Zeit, welches in keinem auch nur im Ansatz geschichtsinteressierten Haushalt fehlen darf.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Voll des Lobes, 12. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
Fasse mich kurz, ausführlich rezensiert wurde das Buch ja schon.

Der Text ist sehr gut lesbar und überfordert nicht. Man kann in jedes Kapitel sofort einsteigen.

Verblüffend, die Geschichte der Rot-Grünen Koalition, die viele noch im Gedächtnis haben aus den Zeitungen,
einmal in einem Geschichtsbuch nachlesen zu können.

Wer sich allerdings akutell ausführlich mit dem 1. Weltkrieg beschäfigt hat, oder eines der zahlreichen sehr guten Bücher über den Nationalsozialismus gelesen hat, dürfte die entsprechenden Kapitel wohl überspringen. Aber man findet soviel wissenswertes.
Das Preis-Leistungsverhältnis des Buchs ist jedenfalls sehr gut.

Man könnte sagen: Ein Weihnachtsgeschenk, bei dem man nichts falschmachen kann (geschrieben am 12.12.2014), dieser Band wird garantiert nicht umgetauscht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das turbulenteste Jahrhundert deutscher Geschichte, 12. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
Eine deutsche Gesamtgeschichte des 20. Jahrhunderts in dieser Form existierte bislang nicht. Das ist keine "Vorab-Adelung" des Autors und seines hier vorliegendem Werkes, sondern eine schlichte historiographische Feststellung.
Die Bedeutung dieses Themas und das breite Interesse des (nicht nur deutschen) Publikums an diesem Geschichtsabschnitt ist unbestritten, vergegenwärtigt man sich doch Tragweite und Dimensionen der hier erkennbaren Umbrüche und Entwicklungen:
Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, geteiltes Deutschland und Bundesrepublik - an diesen Feldern im Einzelnen haben sich bereits Generationen von Historikern abgearbeitet und dennoch gehört dieser turbulenteste Abschnitt der deutschen Geschichte, die deutsche "Zeitgeschichte" zu den umstrittensten Gebieten der Geschichtsschreibung.
Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ist kein uns unbekanntes Thema, wird aber meist nicht als zusammenhängendes Ganzes gesehen, sondern von ihren "Höhepunkten" und Brüchen her betrachtet; es scheint schwierig, eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen.
Bereits im Vorwort des vorliegenden Buches macht der Autor deutlich, welch schwierige Aufgabe die Arbeit an diesem Buche implizierte:
Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts war derartig turbulent, derartig vielfältig, dass nüchtern konstatiert werden muss, "...dass es eine einzige These, auf die sich das 20. Jahrhundert zusammenfassen ließe, nicht geben kann." (S. 20). So nimmt es auch nicht Wunder, dass der Autor im Vorfeld der Drucklegung bald alle Versuche, einen "griffigen" Titel für das Buch zu finden, aufgeben musste..
Zu fragen ist daher in dieser Rezension: Ist einer Gesamtschau dieses Zeitalters der unterschiedlichsten politischen Ordnungen, Umbrüche und Phänomene, der verschiedensten Gesellschaftsordnungen, Katastrophen, Ideen und Ideologien, Massenmorde, Kriege und Neuanfänge, überhaupt in einer einzigen Monographie beizukommen, ist eine Vermessung dieses Zeitalters überhaupt möglich oder ist ein solcher Anspruch selbst vermessen, um mir dieses Wortspiel zu gestatten?
Ulrich Herbert nun, Autor des vorliegenden Buches und Herausgeber der diesem Buch übergeordneten Reihe (Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert) nimmt die Herausforderung an, an seiner prinzipiellen Kompetenz kann man kaum zweifeln, zeichnet er als Professor für Neuere und Neuste Geschichte an der Universität Freiburg doch seit vielen Jahren verantwortlich für einige Forschungen über die Zeit des Nationalsozialismus und die Bundesrepublik.

Der Autor zeichnet nun erstmals die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert im Gesamtzusammenhang, berücksichtigt politische Dramatik und gewaltige Umbrüche und Zäsuren; bezieht Gesellschaft, Wirtschaft Kultur, Mentalitäten und den europäischen wie globalen Kontext ebenso ein wie er die deutsche Geschichte nach 1945 als ungeteilte Nachkriegsgeschichte versteht, die DDR also mit berücksichtigt.
Herberts - eigentlich logische - Entscheidung, eine beide Teile Deutschlands, Europa und die Welt sowie nicht zuletzt Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur einbeziehende Darstellung zu schreiben, welche diese Faktoren aufeinander bezieht und ihre Verflechtung erkennt, hat in der deutschen Historiographie keine Parallele. Besonders eine vergleichende Darstellung aller geschichtlicher Entwicklungen beider Teile Deutschlands fehlt bislang - Heinrich August Winklers politisch orientierte Geschichte hat diese Lücke nicht schließen können.
Für Herbert stehen nun einige Gemeinplätze fest:
Er sieht die deutsche Geschichte bestimmt durch die so gänzlich unterschiedlichen Jahrhunderthälften mit der Zäsur des Jahres 1945; die erste Hälfte gekennzeichnet durch Kriege und Katastrophen, die zweite durch die Realität eines geteilten Landes, das sich erst 1990 wiedervereinigen konnte.
Gleichzeitig sieht Herbert die deutsche politische Geschichte seit der Jahrhundertwende gekennzeichnet von der Durchsetzung der modernen Industriegesellschaft. Indem sich durch die diesbezüglichen umfassenden Transformationsprozesse das Leben der Menschen fundamental veränderte, resultierten aus diesen Veränderungen politisch-gesellschaftliche Reaktionen, in Form neuartiger Versuche, Gesellschaft und politische Ordnung neu zu bestimmen. Von diesen Reaktionen auf vielfältige industriegesellschaftliche Transformationsprozesse war die deutsche Geschichte, so Herbert, im 20. Jahrhundert maßgeblich bestimmt.
Eine zentrale These Herberts besteht darin, dass er als Resultat dieses enormen und mitunter beängstigend wirkenden Transformationsprozesses die Infragestellung des liberal-kapitalistisch-demokratischen Systems durch die radikalen Kräfte von links und rechtsaußen sieht; besonders seit der Revolution von 1918/19 äußerte sich dies im Aufstieg von Faschismus einerseits und dem Kommunismus andererseits. Zwischen diesen beiden Extremen und unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurde die Weimarer Demokratie Anfang der 30er Jahre zerrieben.
Von 1933 und 1945 kulminierte der Aufstieg des Nationalsozialismus dann in das radikal-monströse Programm einer rassistischen und quasi-kolonialistischen Neuordnung des europäischen Kontinents, welches erst durch die Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg beendet werden konnte.
Deutschland war am Boden und auch bald geteilt; während der NS und damit der rechtsradikale Ordnungsentwurf diskreditiert waren, bekam der westliche Teil Deutschlands durch die Hilfe der USA und des Westens allgemein bald eine neue Chance auf die volle Durchsetzung des liberal-kapitalistisch-demokratischen Modells, während der Osten unter die Herrschaft des Kommunismus geriet.
Erst das Ende des Ost-West-Konfliktes machte auch die Wiedervereinigung Deutschlands möglich.
Es glückt dem Autor auf diese Weise, die Charakteristika der jeweiligen Zeitabschnitte aufzuzeigen, mit Leben zu erfüllen und verständlich zu machen, wie es zum Nationalsozialismus, aber auch zu einem demokratisch-wohlfahrtsstaatlichen Neuanfang nach 1945 kommen konnte, welche politischen Veränderungen sich im Zuge von zwei Weltkriegen, dem Ost-West-Konflikt vollzogen und wie sich Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur - auch im Zeichen von Globalisierung und wirtschaftlichen Strukturumbrüchen - sukzessive veränderten.

Dieser weite Bogen, dieses enorme Panorama, kommt natürlich nicht ohne Verkürzungen daher, und mitunter ist der Schreibstil etwas schwerfällig; durch häufigere Quellenzitate - wie es etwa in der angelsächsischen Geschichtsschreibung oft gemacht wird - hätte der Darstellung noch mehr Leben eingehaucht werden können.

Dies schmälert jedoch kaum die Leistung eines Buches, das es erstmals tatsächlich schafft, das turbulenteste Jahrhundert deutscher Geschichte zu erfassen und plausibel zu deuten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein spannendes Buch, 13. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
Hervoragend, spannend trotz der engen nationalstaatlichen Perspektive. Multiperskektive Darstellung konroverser Bereiche 1. Welkrieg, Nationalsozialismus -hier besonders die Person Hitler. Hervorragend die Vorlaufgeschichte 1968. Beachtlich die gegenwärtige Offenheit.
Eine gute Basis für Schüler im Leistungskurs Geschichte, beachtlich für Studenten im Grundstudikum und natürlich für Gymnasiallehrer.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bemerkenswertes Kompendium, 6. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Autor, bestbekannter Historiker, versteht es, die Geschehnisse im Zusammenhang und sprachlich vorzüglich darzustellen. Die grauenhaften Ereignisse der NS-Zeit werden etwas unterkühlt berichtet. Viel gelernt habe ich aus den Beschreibungen der Weimarer Republik und der Bundesrepublik bis 1970. Ein höchst empfehlenswertes Buch.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 5. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Um die gegenwärtige politische Entwicklung nach rechts zu verstehen - und als Wähler zu vermeiden - muss diese grossartig geschriebene "Deutsche Geschichte" von möglichst vielen jungen Menschen gelesen werden
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert
EUR 39,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen