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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was uns ein Intellektueller europäischen Formats zu sagen hat, 28. März 2014
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Im Erlebensfall: Essays 2002-2013 (Gebundene Ausgabe)
Einem Schriftsteller zu gestehen, man liebe seine Reden und Aufsätze mehr als die Romane, wird ihn wohl nicht glücklicher machen. Aber bei all den Ehrungen, die Adolf Muschg für sein erzählerisches Werk im Laufe seines langen Lebens erhalten hat, wird ihn ein solches Urteil nicht allzu sehr kränken. Schon gar nicht, wenn es nicht von der offiziellen Kritikergarde kommt.

Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg wird am 13. Mai seinen 80. Geburtstag feiern, sofern, wie er in seinem einleitenden Kapitel „Die Spinnerinnen“ anmerkt, nichts Menschliches dazwischen kommt. Zu diesem Anlass erscheint nicht nur die von Manfred Dierks verfasste Biografie, sondern auch dieser Band mit „Versuchen und Reden“.

Was den Leser Spannendes erwartet, wird ihm auf den ersten fünfzig Seiten eindrücklich vorgeführt. Denn unter der Überschrift „Die Spinnerinnen – statt eines Vorwortes“ nimmt Adolf Muschg sein Publikum auf eine kulturgeschichtliche Reise mit, die abwechslungsreicher nicht sein könnte. Und als glänzender Erzähler bettet er sein Betrachtungen in eine Rahmengeschichte ein, die auf die Etappen einwirkt und gleichzeitig von ihnen beeinflusst wird. Ein großartiger Einstieg in die Welt eines engagierten Intellektuellen, wie Muschg sich selber bezeichnet.

Die folgenden 21 „Versuche“ sind Essays, Beiträge, Statements, Reden und Vorträge. Geordnet sind sie chronologisch, was mir sehr viel lieber ist als sie unter thematische Hüte zwängen zu wollen. Da Adolf Muschg gewissen Fragestellungen und Denkmodellen natürlich besondere Aufmerksamkeit schenkt, sind Wiederholungen nicht zu vermeiden. Aber die halten sich in Grenzen. Zudem ist Adolf Muschg sprachlich so beschlagen, dass er sich formal ohnehin nicht wiederholt.

Auch wenn sich Adolf Muschg immer wieder in die Belange seines Geburtslandes einmischt, verliert er sich nicht in lokalpolitischen Details. Sein Publikum ist nicht Herr und Frau Schweizer, sondern der Mensch in all seinen Nöten, Versuchungen, Beschränkungen, Sehnsüchten und Eigeninteressen. Und wenn Adolf Muschg über einen unveröffentlichten Bildband, das Tier in der zeitgenössischen Kunst, Film- und Fernsehproduktion, die Alchemie der Wörter, kulturelle Evolution, Burschenschaften, Mozart, Freiheit der Karikatur, Null Toleranz oder Gevatter Tod spricht oder schreibt, werden wir mit zeitlosen und grenzüberschreitenden Aussagen konfrontiert.

Mein Fazit: Wenn Adolf Muschg heute zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller zählt, verdankt er diese Ehre vor allem seinem umfangreichen erzählerischen Werk. Mir haben es seine großartigen Vorträge und Essays mehr angetan. Daher finde ich es schön, einige der schönsten Perlen in diesem Band zu Muschgs achtzigstem Geburtstag wiederzufinden. Und weil der Typus des engagierten Intellektuellen immer mehr zu einer raren Spezies wird, ist die Edition einer solchen Sammlung kluger Gedankengänge und Statements schon beinahe ein kleines Ereignis.
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Im Erlebensfall: Essays 2002-2013
Im Erlebensfall: Essays 2002-2013 von Adolf Muschg (Gebundene Ausgabe - 12. Februar 2014)
EUR 22,95
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