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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbarer, sehr gelungener Debütroman, der erzählt von der Kraft und der Macht der Liebe und der Musik
Fast achtzehn Jahre hat sie nach den Angaben des Verlags auf der Umschlagseite des vorliegenden Buches an diesem Roman gearbeitet, die in der Nähe von Boston aufgewachsene und heute wieder dort lebende amerikanische Schriftstellerin Jessica Keener.

Wenn man die in dem Roman – es ist ihr erster nach vielen und oft auch preisgekrönten...
Vor 15 Monaten von Winfried Stanzick veröffentlicht

versus
3.0 von 5 Sternen Familientragödie- empfehlenswert mit Abstrichen...
Ich möchte diesem Buch nur drei Sterne geben, obwohl ich weiß, dass es sprachlich sehr gut gelungen ist und die Autorin auch schon einige Preise erhalten hat.
Die Geschichte an sich finde ich sehr fesselnd und interessant. Aber mich hat auch etwas gestört, und nun weiß ich, was fehlt: Wärme.
Diese Tragödie einer Familie und die...
Vor 3 Monaten von Gabiok veröffentlicht


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbarer, sehr gelungener Debütroman, der erzählt von der Kraft und der Macht der Liebe und der Musik, 24. Februar 2014
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Fast achtzehn Jahre hat sie nach den Angaben des Verlags auf der Umschlagseite des vorliegenden Buches an diesem Roman gearbeitet, die in der Nähe von Boston aufgewachsene und heute wieder dort lebende amerikanische Schriftstellerin Jessica Keener.

Wenn man die in dem Roman – es ist ihr erster nach vielen und oft auch preisgekrönten Erzählungen – erzählte autobiographisch geprägte Geschichte bis zum Ende gelesen hat, bekommt man auch eine Ahnung, warum die literarische Bewältigung der eigenen Kindheitserinnerung von so vielen Unterbrechungen und Schreibhemmungen behindert wurde, bis es Jessica Keener gelang, die psychische Kraft zu mobilisieren, um sich dem Drama ihrer Familie, insbesondere ihrer Mutter zu stellen, ohne daran selbst zu zerbrechen.
Die Andeutungen, die sie dazu in den Danksagungen am Ende des Buches macht, geben einen Hinweis darauf.

Doch man merkt dem Buch auf keiner Seite an, dass es aus so vielen Einzelteilen zusammengesetzt ist. Sprachlich auf hohem Niveau, mit vielen traumähnlichen Bildern durchwebt, erzählt dieser Roman die Geschichte der ich-erzählenden Sarah Kunitz. Sarah ist fünfzehn, sie ist Jüdin, doch außer an den hohen Festtagen spielt die jüdische Religion in der Familie keine Rolle. Dafür wird um so mehr auf Bildung wert gelegt, nicht nur, weil Sarahs Vater Leonhard Hochschullehrer ist. Er unterrichtet englische Literatur und so sind Shakespeare und andere fast tägliche Gäste im wohlhabenden Haus der Kunitz.

In diesem Haus werden regelmäßig rauschende Partys gefeiert, immer wieder kommen Gäste auch zu kleineren Events, und besonders Sarahs Mutter sonnt sich im gesellschaftlichen Leben des Städtchen Soquaset in Massachusetts. All dieser Glamour nach außen kann aber auf Dauer nicht die Probleme von Sarahs Eltern überdecken, die sie schon seit vielen Jahren spürt, die nun aber, da sie in die Pubertät gekommen ist, auch für sie offensichtlich sind. Ihre Eltern sind nicht glücklich. Sie trinken beide regelmäßig und immer zuviel Alkohol, niemand ist vor den cholerischen Gefühlsausbrüchen des Vaters sicher. Aber auch nicht vor den nicht weniger zerstörerischen Depressionen der Mutter, die sie mit unglaublich viel Alkohol und Tabletten zu übertünchen sucht. Die Kinder leiden und flüchten. Sarahs älterer Bruder Peter in die Musik, ihr jüngerer Bruder Robert in die Welt der Fantasyliteratur und auch der kleine Elliott baut sich mit seinen Spielsachen seine eigene Welt.

Als die Mutter, wohl betrunken, bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, nachdem sie einen ähnlichen Unfall erst wenige Wochen vorher knapp überlebt hatte, stürzt dieses wohl suizidale Vorkommnis die ganze Familie in eine tiefe Krise. Sie droht zu zerbrechen. Aber sie reden nicht darüber.

Sarah erlebt in ihrer Schule antisemitische Anfeindungen und lernt mit dem etwas älteren Anthony die Liebe kennen. Sie wird nach dem Tod der Mutter in eine Rolle gedrängt, sie sie auszufüllen versucht, die aber zu schwer für sie ist. Sie kann ihren Brüdern nicht die Mutter ersetzen, obwohl sie sich rührend um sie kümmert und auch immer wieder mit den ständig wechselnden Haushälterinnen der Familie guten Kontakt hält.

Jeder auf seine bewundernswerte Weise befreien sich die Kinder der Familie Kunitz aus dieser dramatischen und erstickenden Familiengeschichte. Auch Sarah tut es, indem sie immer wieder versucht, sich schreibend zu vergewissern, was vorgefallen ist um sich so irgendwann den Freiraum für ein eigenes, von der Vergangenheit nicht mehr belastetes eigenes Leben zu schaffen. Und dann ist es soweit:
„… auf einmal bin ich stärker als der Schatten, in dem ich lebe (…) Ich singe von Berghängen und Himmelsblau, und weiter die Tonleiter hinauf vibriert meine Schädeldecke bei den hohen Tönen, wenn ich jenseits von Zeit und Raum meiner Mutter begegne, ihr makelloses, von der Melodie verzücktes Gesicht spornt mich an. Ich singe, bis die Mauern verschwinden… “

Ein wunderbarer, sehr gelungener Debütroman, der erzählt von der Kraft und der Macht der Liebe und der Musik und wie sie beide Menschen helfen, sich von traumatischen Erinnerungen zu befreien.
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4.0 von 5 Sternen Schwimmen in der Nacht, 26. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Liebe war etwas, das sich in einen Raum im zweiten Stockwerk zurückzog…“
So erlebt die 16jährige Sarah Kunitz ihre Mutter, zart und liebenswert, aber distanziert.
Sehr lebendig und anschaulich beschreibt die Autorin Jessica Keener das Leben einer „upper middleclass“ Familie in den 70er Jahren. Sie schildert den Alltag und besondere Ereignisse aus Sarahs Sicht, bis hin zu dem tragischen Tod der Mutter, den Sarah und ihre Geschwister verwinden müssen, ohne viel Unterstützung von Seiten des Vaters zu erfahren. Sarah sucht in der schwierigen Phase des Erwachsenwerdens Anerkennung und Liebe bei Mitschülern, macht ihre ersten Erfahrungen mit Jungen, fühlt sich aber mit ihren Problemen allein gelassen. Doch sie liebt die Musik und findet Trost und Erfüllung im Gesang. Hier hat sie die Möglichkeit sich auszudrücken und ihren Gefühlen freien Lauf lassen.

Musik als Mittel für Vergessen und Trost zieht sich durch den gesamten Roman. „ Harmony and understanding … golden living dreams of vision!“ - danach sehnen sich Sarah und ihre Generation.
Keener versteht es wunderbar, den Leser in die Stimmung jener Zeit zu versetzen. In einem schönen, poetischen Schreibstil fängt sie die Atmosphäre der 70er Jahre ein und schildert authentisch auf der einen Seite Konservatismus und Autorität, auf der anderen die (beginnende) Auflehnung der Jugend gegen die einengende Lebensweise. Einfühlsam erzählt sie von Sarahs schmerzhafter Entwicklung zur jungen Frau und ihrer Erkenntnis, dass ihr Leben stets aus einem „Davor und Danach“ besteht.

Es gibt sicher viele Szenen in dem Buch, die den Leser berühren und Erinnerungen an die eigene Jugend wachrufen. Sarahs Schicksal und ihre Art, damit umzugehen, hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.
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3.0 von 5 Sternen Familientragödie- empfehlenswert mit Abstrichen..., 4. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich möchte diesem Buch nur drei Sterne geben, obwohl ich weiß, dass es sprachlich sehr gut gelungen ist und die Autorin auch schon einige Preise erhalten hat.
Die Geschichte an sich finde ich sehr fesselnd und interessant. Aber mich hat auch etwas gestört, und nun weiß ich, was fehlt: Wärme.
Diese Tragödie einer Familie und die Auswirkung auf die einzelnen Personen wird für mein Empfinden irgendwie zu nüchtern beschrieben. Etwas fehlte mir in der Darstellung und Erzählweise, was dazu geführt hätte, dass die Personen einen wirklich berühren und ergreifen. So bleibt man irgendwie außen vor, kann die wirklichen Gefühle und Beweggründe nicht richtig greifen und erfassen. Manchmal ist es so, als würden ganze Passagen fehlen, dann wieder gibt es ausführliche Beschreibungen, bei denen man sich nach dem Sinn fragt ( z.B. die eine Szene in der Schultoilette, bei der auf mehreren Seiten beschrieben wird, wie die Mädchen rauchen und sich schminken...).
Etwas, das auf den wirklichen Charakter der Mutter schließen ließe, sucht man weitgehend vergeblich. Ist sie wirklich unglücklich? Warum? Nur weil sie nicht mehr Geige spielen kann, oder wegen ihrer Ehe ( falls deswegen, bleiben die Hintergründe völlig unklar) oder setzen ihr die Schmerzen so zu? Und warum unternimmt sie nichts gegen die Umstände?
Warum ist die Tochter so kritiklos ihrer Mutter gegenüber, die doch immerhin eine erwachsene Frau war und selber für ihr Leben verantwortlich?
Warum wird es als Unfall gesehen und nicht (auch) als riesige Verantwortungslosigkeit einer Mutter von vier Kindern??
Mich hat diese Familie auch etwas ungehalten gemacht, das gebe ich zu. Vor allem die Erwachsenen möchte man mal kräftig durchschütteln, damit sie aufwachen und sich wieder normal benehmen!
Im Ganzen war das Buch fûr mich interessant, aber eben nicht richtig "rund"- trotzdem noch durchaus empfehlenswert.
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4.0 von 5 Sternen Eine kraftvolle neue Stimme, 18. August 2014
„Wenn das das Erwachsenwerden war, wäre ich gern Kind geblieben, aber ich sah keinen anderen Weg, als mich weiter zu entwickeln und etwas Besseres zu suchen.“ (322)

Sarah Kunitz erinnert sich, erinnert sich an das Erwachsenwerden, das schmerzhafte, die Entwicklung vom Mädchen zur Frau, an Verzweiflung, Schmerz und leeren und an all das, was in ihrer Jugend, in ihrer Familie, so passierte, als sie an dieser Schwelle stand.
Denn passiert ist so einiges. Eine unter der glatten, auf Hochglanz polierten Oberfläche einer perfekten amerikanischen Familie der oberen Mittelschicht brodeln Depressionen und Verleugnung, Sucht und Verlust, Übergriffe und vor allem ganz viel Verschwiegenes, Verborgenes, eine vielschichtige Welt voller Krater und Wunden, Risse und Narben.
Ordnung, Bildung, Erfolg und gutes Benehmen charakterisieren die Familie Kunitz, selbst ernannte Gelegenheitsjuden, nach außen hin. Doch das ist alles Fassade und Schein, die im Verlauf des Buchs, im Verlauf der Ereignisse, Momentaufnahmen und Erinnerungen, die Sarah auf ihre Jugend rückblickend beschreibt, tiefe Risse bekommen.
Die Stimme, die Jessica Keener ihrer jugendlichen Sarah in "Schwimmen in der Nacht" gibt, ist das, was diesen Roman auszeichnet. Erwachsen und dennoch angemessen für das erzählte Alter, ein wenig altklug und ab und an rotzig, oft schmerzhaft distanziert, vor allem in den verletzendsten Momenten, kontrolliert und scharf beobachtend skizziert Sarah ihr Leben und ihr Umfeld - so plastisch und in aller Schlichtheit und Distanz anschaulich, dass die Atmosphäre bei der Lektüre des Buchs auf den Leser übergreift und ihn spüren lässt, was meist unausgesprochen bleibt, ganz unterschwellig und dennoch eigentümlich intensiv.
Lange hat Jessica Keener an ihrem Roman gearbeitet. Diese lange Zeit, die Arbeit an und das Ringen um jedes Wort ist spürbar - und macht "Schwimmen in der Nacht" für mich zu einem so besonderen Buch. Stilistisch stark und kraftvoll, mit einer ganz eigenen Stimme, zieht dieser Roman den Leser in seinen Bann.
Trotz meiner Begeisterung, was sprachlichen Ausdruck und die vermittelte Atmosphäre in "Schwimmen in der Nacht" angeht, scheue ich mich, die vollen fünf Sterne zu vergeben. Ein sehr persönliches Buch ist der Autorin gelungen, ein sehr eindringliches Buch - aber auch ein sehr beklemmendes Buch, das an einigen Stellen in der Übersetzung nicht zu überzeugen vermochte, das ab und an Brüche in den Charakteren und der Handlung zeigte. Einen kleinen Stern möchte ich in der Gesamtbewertung abziehen, dem Roman aber dennoch eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen. Es ist kein Buch, das glücklich stimmt - aber eines, das sehr real anmutet und stilistisch wie lit
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5.0 von 5 Sternen Vom Fallen, Schweben und Schwimmen in ein anderes Leben, 4. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Meine Tante versuchte uns aufzulesen wie auf dem Boden verstreute Äpfel. Aber das war unmöglich. Die Bitterkeit des Lebens hatte alles zerstört, oder würde alles zerstören, wenn ich es zuließ." (S. 141)

"Ausgelöscht schwamm sie mit kräftigen Zügen durch ein anderes Universum und kämpfte sich an die Oberfläche. Das war das genaue Gegenteil von ihrem Leben auf der Erde". (S. 146)

In einem mittleren, vielleicht auch schon höheren Lebensalter erinnert sich die inzwischen erfolgreiche und im Leben "angekommene" Protagonistin Sarah Kunitz, angeregt durch einen flüchtigen, fast schon zufälligen Kontakt mit einem früheren Nachbarsjungen, an ihre Kindheit und Jugend in einer amerikanischen, wohl situierten, "gelegenheitsjüdischen" Familie. Die Kernfamilie, bestehend aus einem strengen, prinzipientreuen, belehrenden Vater, einer depressiven, von Medikamenten abhängigen und in ihrer Rolle nach außen hin funktionierenden, jedoch in ihrer mütterlichen Rolle überforderten Mutter, vier Kindern mit ganz unterschiedlichen Charakteren und Fluchtwegen aus der Realität sowie einer Vielzahl wechselnder Hausmädchen, ist geprägt von Ordnung, Bildung und Erfolg - Liebe und ehrliche Zuneigung finden nur wenig Raum im Familienleben. Die jedoch untergründig lodernden Spannungen spitzen sich zu, bis der ungeklärte Unfalltod der Mutter alle Familienmitglieder in ein großes Nichts zu reißen scheint und das Leben aller tiefgreifend verändert. Es wird deutlich, dass trotz der dysfunktionalen Beziehungsmuster eine gewisse Nähe zwischen den Familienmitgliedern vorhanden war und dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss, um trotz des Verlustes überleben, leben und lieben zu können.

Die im Roman "Schwimmen in der Nacht" vermittelten Stimmungen wechseln rasch, wobei die Autorin Jessica Keener diese nüchtern, anschaulich und authentisch einfängt: z.B. die Strenge und Starre des gemeinsamen Familienessens, das Lähmende und Erdrückende ausgehend von der an Schmerzen leidenden, depressiven Mutter, die Beschwingtheit und Ausgelassenheit des Sommerfestes, das Verstörende und Zerstörerische des "Unfalls", um nur wenige Beispiele zu nennen. Sehr passend finde ich die von der Autorin gewählten Beschreibungen, die das Aussehen, die Mimik, die Gestik und das Agieren der Personen, den Duft oder die Stimmung einfangen. Der Schock des Unfalls und die geballte Trauer haben mich stark ergriffen. Ich finde es höchst anspruchsvoll, für ein so differenziertes und erschütterndes Gefühl wie Trauer die "richtigen" Worte zu finden, der Autorin ist dies meines Erachtens nicht nur sehr gut gelungen, sondern in dieser verdichteten unfassbaren Gefühlslage schwingt doch etwas Hoffnungsvolles mit. So beschreibt sie nach der Phase der akuten Trauer auch den Beginn eines Lebens nach der Verlusterfahrung, das für jeden Einzelnen sich anders gestaltet. Die Bedeutung von Musik nimmt im Laufe des Romans zu, wobei Jessica Keener musikalische Begriffe und Songs in ihre bildhafte und doch weiterhin nüchtern-kernige Sprache integriert. Der Roman selbst und seine Bezüge zu Musik und Literatur ergeben ein in sich stimmiges Bild.

Das schlichte, auf das Wesentliche reduzierte Titelbild, das dennoch so vieles gleichzeitig beinhaltet - schwimmen, schweben, fallen, sich treiben lassen, sich fallen lassen -, hat mich stark beeindruckt und wurde passend zum Titel und Roman gewählt.

Jessica Keener gelingt mit der Deskription einer Familie, einer Generation, einer bestimmten Zeit, der Darstellung der Charaktere, der dynamischen Konstellationen zwischen den Charakteren, der Gegenüberstellung von Sein und Schein, den feinen Stimmungswechseln sowie aufgrund des nüchternen Erzählstils, der dennoch so viel Emotionalität beinhaltet, und der sprachlichen Feinheiten ein außergewöhnlicher Roman. Diese Vielfältigkeit, Wandlungsfähigkeit und sprachliche Reife haben mich überzeugt.
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4.0 von 5 Sternen Melancholischer Coming-of-Age Roman, 10. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wenn das das Erwachsenwerden war, wäre ich gern Kind geblieben, aber ich sah keinen Weg, als mich weiter zu entwickeln und etwas Besseres zu suchen

Inhalt

Sarah Kunitz nimmt uns mit auf eine Zeitreise in die 70er Jahre, als sie 15 Jahre alt war und mit ihrer wohlhabenden Familie in Boston lebte. Ihr Elternhaus war davon geprägt, dass ihr Vater regelmäßig cholerische Anfälle hatte und ihre Mutter an einer Depression litt, die es ihr unmöglich machte für ihr vier Kinder da zu sein. Auch wenn die Familie nach außen ein perfektes Bild abgab, war das Zusammenleben durch Probleme bestimmt. Als die Mutter dann auch noch bei einem ungeklärten Autounfall ums Leben kommt, bricht das Konstrukt der heilen Familie vollends zusammen. Doch wie heißt es so schön, wenn man einen geliebten Menschen verliert: das Leben geht weiter und so geht auch Sarah ihren Weg, bei dem die Musik eine immer größere Rolle spielt.

Meine Meinung

"Schwimmen in der Nacht" ist ein Roman, dessen Grundthema nicht nur das Erwachsenwerden ist, sondern auch den Umgang mit dem Verlust in den Fokus rückt. Denn es ist wohl nie leicht einen geliebten Menschen zu verlieren, aber gerade in der Pubertät, braucht man die Mutter, die da ist, wenn man Probleme und Sorgen hat. Sarah muss jedoch schon früh lernen auf eigenen Beinen zu stehen und hat keine Bezugsperson in ihrer Familie, in der jeder seinen eigenen Weg geht.

Jessica Keener hat an ihrem Buch 18 Jahre lang gearbeitet. Wenn man die Geschichte liest, die autobiographische Züge aufweist, dann ist auch verständlich wieso sich der Prozess so lange hinzog. Denn ihr Buch ist keine Feel Good-Geschichte, sondern ein melancholisch und teilweise beklemmender Roman, der eindringlich und schnörkellos erzählt wird. Vom Tenor her ist es eher eine traurige Handlung, zu der man schon ein wenig in der Stimmung sein muss, um das Buch genießen zu können. Denn es ist absolut lesenswert und macht in wunderbarer Weise die Musik zum Bestandteil, sodass die eher dunkle Geschichte dadurch ein wenig heller wird.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass die Autorin trotz der Tatsache, dass sich der Roman in den 70ern abspielt, aktuelle technische Errungenschaften integriert hat, die es damals noch gar nicht gab.

Fazit

"Schwimmen in der Nacht" ist ein Coming-of-Age-Roman über eine junge Frau, die es lernt sich ihren Weg frei zu schwimmen und erwachsen zu werden
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4.0 von 5 Sternen Wenn eine Familie zerbricht, 10. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sarah Kunitz erzählt in einer Rückschau über ihr Leben in den 70er Jahren, als sie 15 Jahre alt war. Sie lebt mit ihrer jüdischen Familie in der Vorstadt von Boston und sie führen nach Außen das perfekte Leben. Aber nach Innen ist die Familie zerrüttet und hat Probleme. Als dann die Mutter bei einem Autounfall stirbt droht die Familie daran zu zerbrechen.
Die Geschichte wird von Sarah als Rückblick erzählt. Dabei werden immer kurze Sequenzen aus dem Leben geschildert. Diese sind zwar chronologisch geordnet, allerdings sind die Zeitsprünge unterschiedlich lang, sodass man als Leser nicht immer gleich weiß, wann dieser Ausschnitt jetzt stattfindet. Sarah ist 15, also mitten in der Pubertät und man verfolgt ihre Entwicklung und ihr Verhältnis zur Familie. Ihre Gefühle, Träume und ihre Welt werden hier sehr anschaulich geschildert. Die anderen Familienmitglieder werden natürlich auch nur aus der Sicht von Sarah charakterisiert und man weiß natürlich nicht, ob ihre Einschätzung der Wahrheit entspricht. Aber es ist natürlich ihre Wahrheit.
Die Entwicklung von Sarah im Laufe der Geschichte hat mir persönlich allerdings nicht gefallen. Ich hatte es mir, durch den tragischen Unfall der Mutter eigentlich anders vorgestellt. So wurde Sarah mir danach sehr unsympathisch und ich hatte keinen trauerden Teenager vor Augen, sondern ein sehr egoistisches Mädchen. Aber die Entwicklung war durchaus nachvollziehbar und alle ihre Handlungen passten ins Bild.
Sprachlich hat mich der Roman sehr überzeugt. Es sind ein paar sehr schöne Bilder darin enthalten und die Autorin beschreibt die Familie sehr anschaulich und einfühlsam. Man merkt auch sprachlich die Veränderung die Sarah durchmacht, auch wenn mir ihre Entwicklung nicht gefallen hat. Hier ist alles sehr stimmig und auch die Auswahl der Sequenzen, die erzählt werden, ist gut durchdacht.
Insgesamt ein sprachlich sehr überzeugender Roman, bei der mir die Entwicklung der Protagonistin nicht gefallen hat. Ich kann ihn jedem empfehlen, der sprachlich dichte Romane mag und die Entwicklung einer Familie nach einem Unglück verfolgen möchte.
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4.0 von 5 Sternen Wie heilt man die Wunder der Kindheit?, 28. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sarah wächst augenscheintlich wohlbehütet auf, in einer "ganz normalen" Familie. Doch das ist nur das, das sich dem Außenstehenden auf den ersten Blick darbietet.

Das Buch wird aus Sarahs Sicht erzählt. Wir erhalten eine Innenschau ihrer Selbst und einen tieferen Einblick in ihre Familie. Es handelt sich um eine jüdische Familie, die ihren Glauben allerdings nur bei besonderen Anlässen zur Schau trägt. In der nichts ist, wie es scheinen möchte. Nach und nach öffnet sich ein dramatischer Abgrund, der jedes Familienmitglied unweigerlich in eine Abwärtsspirale stürtzt.

Der Vater, ein Universitätsprofessor, entpuppt sich als cholerisch und unfähig, die emotionalen Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, vor allem die seiner nächsten Angehörigen. Er regt sich furchtbar auf, dass sein Sohn eine Viertelstunde zu spät zum Abendessen kommt, weil er noch bei einer wichtigen Bandprobe gewesen ist. Er interssiert sich nicht im Geringsten für das, was seinem Sohn wichtig ist. Aber auf dem Konzert, bei dem alle von dem grandiosen Auftritt seines Sohnes begeistert sind, mimt er plötzlich den stolzen Vater. All diese kleinen Falschheiten treten erst nach und nach zutage.

Die Mutter, der ein makelloses Äußeres und auf Hochglanz polierte Möbel wichtiger sind als Beziehungen, geht in dieser Familie langsam zugrunde. Früher war professionelle Geigenspielern gewesen, aber seit der Geburt ihrer Kinder sieht sie sich als Opfer, das von nun an die eigenen Bedürfnisse den Bedürfnissen anderer immer hintenan stellen muss. Sie hat Arthritis, nimmt Schmerztabletten und trinkt zu viel Alkohol. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, die für die Kinder unerreichbar bleibt. Sie ist nicht zu fassen, weder für ihren Mann noch für ihre Kinder.

So kommt es dazu, dass jedes Kind eigene Wege findet, mit dem Dilemma umzugehen - damit, dass sie von ihren eigenen Eltern weder gehört noch richtig wahrgenommen werden.

Der Älteste, Peter, ist in einer Rockband, raucht und nimmt Drogen. Er begehrt gegen seine Eltern auf.

Robert, der Zweitälteste, flüchtet sich in eine Fantasiewelt aus Büchern. Er wird zusehends aggressiv und seine einzigen Freunde scheinen seine sechs Fische zu sein, die in einem Aquarium in seinem Zimmer leben.

Sarah, unsere Hauptprotagonistin, ist ein aufgewecktes und sehr intelligentes Mädchen mit einem vielschichtigen Innenleben. Wie auch ihrem ältesten Bruder, ist ihr die Musik und der Gesang sehr wichtig. Aber auch sie schafft es nicht, sich dem zerstörerischen Einfluss ihrer Familie zu entziehen. Sie geht sexuelle Beziehungen ein, die nichts mit Liebe zu tun haben, denn sie hat es nie gelernt zu lieben. Gleich darauf vergisst sie diese jungen Männer wieder, sie bedeuten ihr nichts. Die einzige, die ihre Probleme wirklich zu erfassen vermag, ist ihre schwarze Haushälterin Dora. Aber auch ihr kann sie sich nicht wirklich anvertrauen. Sie verlässt sich nur auf sich selbst und verliert sich zusehends. Nur die Musik bleibt ihr einziger Halt.

Der Jüngste, Elliot, ist gleichmütig gegenüber fast allem. Die einzigen, mit denen er reden kann, sind seine Plastik-Tierfiguren.

Ich fand diesen Roman wirklich ergreifend. Man taucht nach und nach in das Leben einer längst zerrütteten Familie ein, der es auf erstaunliche Weise gelingt, einen Schein von Erhabenheit aufrecht zu erhalten. Auf einer sehr subtilen Ebene erfährt man von allen Ungereimtheiten, die vor allem an den Kindern nagen und sie zerfressen.

Dieser Roman ist insofern lehrreich, als er zeigt, wie wichtig es ist, echt zu sein, erreichbar für seine Nächsten. Nicht zu viel Wert darauf zu legen, wie man wirkt, sondern darauf, was man ist.

Insgesamt hat er mir ausgesprochen gut gefallen. Ich glaube, dass man einige psychologischen Besonderheiten an der ein oder anderen Stelle noch genauer hätte herausarbeiten und noch deutlicher hätte darstellen können. Aber auch so entfaltet dieser Roman seine eindringliche, durchschlagende Wirkung.
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4.0 von 5 Sternen Melancholische und bewegende Familiengeschichte, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Ich-Erzählerin Sarah, verheiratet, mit erwachsenen Kindern, sitzt gelangweilt vorm Internet und stößt dort auf einen ehemaligen Nachbarsjungen. Der Kontakt ruft in ihr Erinnerungen an ihre Lebensgeschichte hervor, besonders die ihrer Kindheit in Massachusetts:

Nach außen hin hält ihre Familie eine gutbürgerliche Fassade aufrecht. Doch im Inneren brökelt diese: Die Mutter ist depressiv und tablettenabhängig, der Vater sehr dominant und aufbrausend, die drei Brüder lavieren wie Sarah zwischen ihnen hin und her, ohne so recht eine Bezugsperson zu haben. Am ehesten ist diese das schwarze Hausmädchen, das jedoch bald die Familie lässt und der Sarah nachtrauert. Auch in der Schule hat es Sarah nicht leicht und leidet unter Diskriminierungen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft.

Als ein großes Unglück die Familie heimsucht, die diese vollends auseinander zu reißen droht, muss Sarah gegen den Sog nach unten anschwimmen, um nicht unterzugehen. Die Liebe zur Musik hilft ihr dabei...

Fazit: Sehr poetisch und zugleich melancholisch erzählte Familiengeschichte mit sehr liebevoll und schonungslos ausgestalteten Charakteren. Für Leser/innen von Familiengeschichten und mit Interesse an der amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts auf jeden Fall zu empfehlen.
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5.0 von 5 Sternen Verlust, 26. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Schwimmen in der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sarah Kunitz, 15 Jahre alt, lebt mit ihren drei Brüdern und den Eltern in einer Vorstadt von Boston. Der Vater ist Professor für Literatur, sehr streng und reagiert cholerisch, wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen läuft. Die Mutter scheint über dem Ganzen zu schweben, ihr Interesse gilt den Rosen im Garten und ihrem Club. Beide trinken zu viel, die Mutter nimmt außerdem Tabletten gegen ihre Schmerzen. Die Kinder flüchten in ihre eigenen Welten, weil sie spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Den ersten Unfall überlebt die depressive Mutter, beim nächsten Unfall stirbt sie. Keiner redet mit den Kindern über die Hintergründe. Die Familie droht auseinander zu brechen. Peter flüchtet aus dem Haus, um Musik zu machen. Robert versinkt in seinen Fantasybüchern. Elliot das Nesthäckchen ist ein abgeklärtes, liebenswertes Kind, das mit seinen Spielzeugtieren redet und von ihnen Antwort erhält. Sarah kümmert sich um die kleineren Brüder so gut sie kann, aber sie kann die Mutter nicht ersetzen. Sie brauchte ihre Mutter ja selbst dringend. Die Musik spielt auch für Sarah eine immer größere Rolle.
Es ist eine autobiographische Geschichte, die sehr eindringlich ist. Der Schreibstil ist voller Metaphern und Bildern.
Eine bewegende Geschichte und ein empfehlenswertes Buch.
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Schwimmen in der Nacht: Roman
Schwimmen in der Nacht: Roman von Jessica Keener (Gebundene Ausgabe - 21. Januar 2014)
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