Fashion Sale Hier klicken Fußball Fan-Artikel calendarGirl Prime Photos Learn More sommer2016 HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego NYNY

Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen8
4,6 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:8,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 18. April 2014
Dieses von Kocka selbst so bezeichnete "Büchlein" übertrifft die Erwartungen. Ausgehend von einer hilfreichen Begriffsklärung verfolgt es nicht nur die historische Entwicklung kapitalistischen Wirtschaftens auf dem Weg zur bestimmenden Eigenschaft der heutigen Weltgesellschaft. Kocka denkt auch in die Zukunft und zeigt auf, welche historischen Lehren sich anbieten, um die unbezweifelbaren Erfolge des Kapitalismus auch langfristig zu erhalten und entwickeln. Dabei vermeidet Kocka jede Form simplifizierender Schwarz-Weiß-Malerei. Sein Urteil ist wohltuend abwägend und speist sich ersichtlich aus einer profunden, durch langjährig intensive Forschung gewonnenen Kenntnis des Gegenstandes. Selbst dort wo Kocka den dringendsten Korrekturbedarf sieht, nämlich bei der geforderten "Einbettung" der Finanzialisierung und vielleicht noch drängender der "Wiederentdeckung der Arbeiterfrage auf globaler Ebene", anerkennt er zugleich die Komplexität dieser Aufgaben.
0Kommentar|14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. August 2014
Sehr systematisch entwickelt hier der Altvater der deutschen Sozial- und Arbeiterbewegungsgeschichte Vorraussetzungen, Entstehen und verschiedene Entwicklungsstufen des Kapitalismus. Dabei geht er allerdings im Abschnitt "Kaufmannskapitalismus" ziemlich großzügig mit dem Begriff um und verwickelt sich dabei auch in leichte Widersprüche. Von dieser ganz kleinen Einschränkung abgesehen ist es aber eine vorzügliche Überblicksdarstellung, Auch und besonders die Analyse der Rolle der Kapitalismuskritik ist lesenswert.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Juni 2015
Jürgen Kocka - Prof. i. R. der Freien Universität Berlin - hat eine durchaus verdienstvolle Geschichte des Kapitalismus vorgelegt: Trotz einer Menge Details und aufschlußreicher Zahlen bleibt das Buch mit ca. 130 S. erfreulich kompakt, ist auch weitgehend flüssig geschrieben. Umfassend von der Antike bis zur Gegenwart, viele widersprüchliche Aspekte abwägend, durchaus sehr kritisch - bleibt es letztlich allerdings affirmativ. Denn wider alle frühgeschichtlichen Fakten, erklärt K. kapitalistisches Handeln zur allgemein-menschlichen Eigenschaft, verkennt deshalb den objektiv antagonistischen Entwicklungscharakter des Kapitalismus und glaubt sein offenkundig periodisches Katastrophenpotential wegreformieren zu können.
Zunächst hebt sich Kocka vorteilhaft von neumodischen Geschichtssoziologen ab, die es (wie John Darwin oder Christopher A. Bayly) arroganten Eurozentrismus nennen, den Ursprung des modernen Kapitalismus in Westeuropa zu erkennen. Erklärend weist er auf die passenden Rahmenbedingungen Europas hin: 'Die harte, häufig kriegerische Konkurrenz zwischen Stadtstaaten, Fürstentümern, Territorialstaaten und anderen politischen Einheiten war ein zentraler Teil der europäischen, nicht aber der chinesischen Konstellation.' (S. 44) An dieser Stelle wäre eine Vertiefung dieses sehr aktuellen Themas wünschenswert gewesen: Mit dem Verweis auf die - eine politische Fragmentierung begünstigende - Topographie Europas, auf das klösterliche Arbeitsethos des Christentums und seine in ihm angelegte Trennung von Kirche und Staat sowie auf die unabdingbare Bedeutung der von den Arabern überlieferten antiken Wissenschaftsmethode für das Entstehen des industriellen Kapitalismus; soweit die wichtigsten, fehlenden Faktoren. Andererseits gibt er darüber hinaus auch Hinweise, warum die chinesische Zivilisation trotz technologischen und ökonomischen Vorsprungs keinen 'dynamischen' Kapitalismus entwickelte.
Dennoch legt K. Wert darauf, 'den Beginn des Kapitalismus (nicht) erst mit dem 12. Jahrhundert zu datieren, denn in Arabien und China existierte er zu diesem Zeitpunkt längst.' (S. 42) Und er schließt: 'Offensichtlich entwickelte er sich unter sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Bedingungen.' (dito) Dazu paßt, daß für K. der neuzeitliche Industriekapitalismus offenbar eine x-beliebige Variante unter so vielen Gesichtern des Kapitalismus ist wie etwa dem 'Kaufmannskapitalismus', dem 'Finanzkapitalismus', dem 'Eigentümerkapitalismus', dem 'Unternehmerkapitalismus', dem 'Managerkapitalismus', dem 'Konsumkapitalismus' u. a. So wird 'der' Kapitalismus bei ihm zur ahistorischen Chiffre. Auf diese Weise ignoriert K. die radikale Diskrepanz zwischen einem bloßen Handelskapital, das jahrtausendelang die antiken Gesellschaften kaum tangierte und dem revolutionären Industriekapitalismus, der seit gerade mal 200 Jahren die gesamte Welt mehrmals umpflügte. Wodurch aber der Industriekapitalismus gegenüber dem Handelskapital diese explosive Gewalt entwickelte, bleibt bei K. ein Rätsel.
Nach ihm mag sich die Oberflächengestalt zwar ändern, aber Kapitalismus schlechthin bestehe von sehr frühen Tauschvorgängen an. K. spricht somit für nahezu jede Zeit von Kapitalismus, wenn aufgrund von angehender Geldwirtschaft die Kapitalform - Verwertung von Geld zu mehr Geld - gegeben ist. Daran ändert auch sein mehrfacher, wichtiger Hinweis nichts, daß der Handelskapitalismus von der Antike bis in die frühe Neuzeit marginal blieb: 'Allerdings war die Landwirtschaft, in der die große Mehrheit der Menschen ihre Arbeit leistete und ihren Lebensunterhalt erwarb, herkömmlicherweise kein Territorium des Kapitalismus. Selbstversorgung war weit verbreitet '' (S. 60) Wenn dem so war - vor dem die ganze Welt erfassenden Siegeszug des Industriekapitalismus -, dann ist doch äußerst fragwürdig, bei jeder landwirtschaftlich dominierten Gesellschaft, an deren Rändern Zinsgeschäfte gemacht wurden, auch von Kapitalismus zu sprechen. Da also K. Kapitalismus bloß nach seinen äußerlichen Erscheinungsformen klassifiziert, drängt sich der Verdacht auf, daß er Kapitalismus trotz regionalspezifischer Schilderung, weder seinem destruktiven, unreformierbaren Antagonismus noch seinen geschichtlichen Wurzeln nach verstanden hat.
Der Verdacht der Begriffslosigkeit bestätigt sich, wenn man sich seine 'Umschreibung' von Kapitalismus genauer ansieht: 1. Individuelle Eigentumsrechte 2. Koordinierung wirtschaftlicher Akteure über Märkte und Waren 3. Investition und Reinvestition von Ersparnissen und Erträgen. (S. 20f) ad 1: Das Recht auf Eigentum von Selbstproduziertem existiert schon vor Hammurabi; zum Industriekapitalismus aber gehört das Privateigentum an den gemeinschaftlich erarbeiteten Produktionsmitteln - ein gehöriger Unterschied. Ad 2: Die Märkte koordinieren zwar, aber nicht nach sinnvollen Bedürfnissen, sondern einzig nach der Höhe des Preises oder des Gewinns - instrumentalisieren also den gesellschaftlichen Nutzen des Produkts zugunsten seines Werts als Ware. - Diesen Widersinn zu erkennen, hätte es der Analyse der Elementarform Ware im Vergleich zum einfachen Produkt bedurft. Und schließlich ad 3: Nur in den seltensten, romantischen Fällen investiert der angehende Kapitalist seine Ersparnisse. In der Regel investieren industrielle Kapitalisten einen Teil ihres regelmäßig von der Arbeitskraft erzeugten Gewinns. K.s oberflächenverhaftete 'Umschreibung' des Kapitalismus verrät so ihre Nähe zu seinem soziologischen Ziehvater:
'Scharf arbeitete (Max) Weber die Eigenarten des kapitalistischen Wirtschaftshandelns mit seiner Orientierung am Tausch und an Marktpreisen heraus, die er als Ergebnis von Marktkämpfen und -kompromissen verstand. Er betonte die 'formale rechnungsmäßige Rationalität' des kapitalistischen Wirtschaftens.' (S. 13) Damit wird klar, was für Weber und K. als unveränderliche Konstante hinter den historisch so bunt wechselnden Gesichtern des Kapitalismus schlechthin steht: Der Mensch mit seinem natürlichen Hang zum Tausch und seiner (abendländischen?) Begabung zur rechnungsmäßigen Rationalität.
Historisch dagegen ist aufgrund sich vertiefender gesellschaftlicher Arbeitsteilung ein langsames Aufkommen des Marktes und damit des Kapitals festzustellen, eine kurze Höhephase (seit 1800) und ein konvulsivischer Niedergang; dessen Anfänge erleben wir gerade mit (was bezeichnenderweise dogmatisch Rechte wie Linke nicht durchschauen). Stattdessen findet K. nur bessere oder schlechtere Varianten eines dem menschlichen Handeln offenbar inhärenten Kapitalismus. In Wirklichkeit verwandelt erst die sachbedingte Arbeitsteilung zwischen frühgeschichtlichen Gemeinschaften ein Produkt in Ware - wodurch es in paradoxer Weise auf dem Kopf steht: Ihr Wert - die enthaltene Arbeitsenergie - wird an Stelle des Nutzens Zweck der Produktion. Führt die geschichtliche Vertiefung der Arbeitsteilung zur endgültigen Trennung von Arbeitskraft und Produktionsmittel, dann regiert nicht nur der Wert, sondern aufgrund der arbeitsteiligen Konkurrenz der industrielle Profitzwang über alle existenziellen Bedürfnisse einer Gesellschaft. Für K. dagegen resultiert die 'Dynamik' des Kapitalismus aus der 'rechnungsmäßigen Rationalität' des seine Ersparnisse opfernden Unternehmers. - Es ist aber die Zukunft der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, die über die Zukunft der globalen Wirtschaftsweise entscheiden wird und nicht auf ewig die Konkurrenz von Unternehmern.
Trotz aller Vorzüge der historisch detaillierten Darstellung und der Kritik an den Auswüchsen des Kapitalismus wird so verständlich, warum K. in seinem 'Ausblick' weiterhin eine kapitalistische Zukunft wünscht: 'Der Kapitalismus als zivilisierende Kraft, die nicht nur die Gesellschaft wohlhabend, sondern auch die Menschen freier, friedlicher und besser machen werde - Fortschritte, von denen sich rückblickend sagen lässt, dass sie ohne das dem Kapitalismus eigentümliche Wühlen, Drängen und Umgestalten vermutlich ausgeblieben wären. ... Der Kapitalismus, so scheint es, ist wandlungsfähig genug, um manche Kritik, die ihn lange traf, durch Anpassung zu unterlaufen und damit ein stückweit ins Leere gehen zu lassen' (S. 124f) Mit dieser Sichtweise bringt K. einiges aus der Geschichte des industriellen Kapitalismus durcheinander:
Mit der industriellen Revolution - mit Eisenbahnen, Telegraphie, Elektromotoren, Elektronik usw. - hat sich der Kapitalismus sachlich als gewaltige, zivilisatorische Kraft erwiesen. Richtig. Gleichzeitig hat er sich menschenrechtlich durch Kolonialismus, Imperialismus, Niederhalten der Arbeiterbewegung, Unterstützung von Militarismen und Diktaturen usw. gerade als nicht zivilisierend erwiesen. Wohlhabend sind einige kapitalistische Gesellschaften als Ganze geworden - richtig -, während die soziale Schere immer krasser auseinandergeht - trotz gigantisch gestiegener Produktivkräfte. 'Gemacht' aber hat diesen Reichtum nicht das Kapital, nicht der Unternehmer und erst recht nicht der Manager. Wirklich hervorgebracht hat diesen Reichtum die tagtägliche Arbeit der weit überwiegenden Masse qualifizierter und auch unqualifizierter Werktätiger. Die aber besitzt keine inhaltliche Kontrolle über ihr eigenes Produkt. Mit einem rührt K. dagegen etwas grundlegendes an: Mit dem 'Wühlen und Drängen und Umgestalten' des Kapitalismus. Treffender hätte er von der gnadenlosen und unerbittlichen Peitsche, Geißel und Zwangsjacke des kapitalistischen Gesetzes zur Profitmaximierung sprechen müssen. Das führt aufgrund der Marktkonkurrenz schließlich immer wieder zum Auspressen von so viel Arbeitsleistung wie möglich. Die zivilisatorischen Großtaten waren in ihrer Zielsetzung letztlich bloßes Mittel fürs Geschäft: siehe exemplarisch alle Erfolge medizinischer Wissenschaft, alle Erfolge optimierter Landwirtschaft, alle Erfolge von Produktivitätssteigerung durch Automation usw. Solche Erfolge werden gleichzeitig durch substanzielle Fehlentwicklungen wieder in Frage gestellt.
Dies und vieles mehr läuft in K.s abwägender Darstellung des Kapitalismus unter berechtigter Kritik, der jedoch durch Reformen zu begegnen sei. 'Es liegt auf der Hand, dass die Existenz oder das Fehlen einer Protestkultur, der Entwicklungsstand der politischen Öffentlichkeit und die Eigenarten des politischen System sehr stark darüber mitentscheiden, ob ökonomische und soziale Missstände zu sozialen Bewegungen und staatlichen Interventionen führen, die, falls erfolgreich, die Sozialverträglichkeit des Kapitalismus steigern und damit seine Überlebensfähigkeit verbessern können.' (S. 123) Bei so viel blinder Verehrung chronischer Krankheit fragt man sich, ob K. tatsächlich entgangen ist, daß der moderne Kapitalismus nicht bloß eine ruinöse Finanzkrise, mal wieder wachsende Ungerechtigkeit und ein bißchen viel Waffengeschäfte zu verantworten hat. Tiefer: Das Kapitalprinzip setzt in unfaßbarer Weise und buchstäblich DIE WELT ALS GANZES aufs Spiel, indem es ein Pulverfaß neben das andere reiht:
Klassischer Weise gehörte dazu die Verelendung großer Teile des arbeitenden Volkes. Diesen sozialen Antagonismus sieht K. im hochindustrialisierten Westen dank Kapitalismus nicht mehr gegeben. Wir erleben nur noch die verniedlichende Prekarität von Millionen im Wohlstandswunderland. Auch wenn er zugesteht, daß sich weltweit neue, soziale Katastrophen an den globalen Werkbänken des westlichen Kapitals ereignen: wie für hunderte Millionen in China (Landflucht, Bauern- und Arbeiteraufstände), in Indien (symptomatisch der nie entschädigte Chemieunfall von Bhopal), in Bangladesh (Einsturz illegaler Fabriken), in Indonesien (ökologischer Raubbau durch Palmölplantagen), in Brasilien (Vertreibung durch illegale Regenwaldrodungen) - vom epidemischen Afrika zu schweigen: K. vergißt über seiner Hymne auf den Sozialstaat, welche unvorstellbaren Opfer in zwei Weltkriegen und einer desaströsen Weltwirtschaftskrise notwendig waren, bis viel zu spät der bürgerliche Staat daraus sozialreformerische und verfassungsprägende Lehren zog. Zuvor hatte die Arbeiterbewegung 1914 entsetzlich dabei versagt, den kapitalistischen und neoimperialen Exzessen eine von der Solidarität der arbeitenden Völker getragene Wende zu geben. Dieses Versagen mündete letztendlich in Hiroshima und Nagasaki. Kurz: Die sozialen Antagonismen und Unmenschlichkeiten reichten nicht hin, der Menschheit die Abgründigkeit des absoluten Primats des Profits über alle echten Bedürfnisse des Menschen einzubleuen. Und heute?
Heute stürzt der nach den Massenschlächtereien modern 'organisierte Kapitalismus' die Welt durch die von Neoliberalismus und Neokolonialismus ausgelösten Migrationswellen in neue, irrationale Abwehrkämpfe; ruiniert die Welt durch vom Verwertungszwang getriebenen, unaufhaltsamen CO2-Ausstoß und die zwangsläufig globale Klimakatastrophe; verseucht überlebenswichtige Landstriche durch verantwortungslosen Zubau von Atomkraftwerken - deren GAUs mit ihrer Zahl steigen werden; vergiftet mit Radioaktivität und Plastikmüllinseln die Meere, die gleichzeitig für den Kommerz leergefischt werden; untergräbt mit Pestiziden, Hormonen und Antibiotika sowie rücksichtsloser Wasservergeudung die Grundlagen der Landwirtschaft; dezimiert dabei die unersetzliche Artenvielfalt; mißachtet aus Profitabilitätsgründen alte und neue Quellen von Epidemien; betreibt hemmungslosen Raubbau an den endlichen Ressourcen der Erde (Phosphate, Öl, Gas, Edelmetalle etc.) - bis hin zu Kriegen usw.
Wann, wo und wie eine beliebige Mixtur aus all diesen Konfliktquellen in der ideologischen Gestalt von Rassismus, Nationalismus oder religiösem Fundamentalismus einen neuen, alles Bekannte überbietenden Weltenbrand auslösen wird, kann kein Untersuchungsbericht vorhersagen. Schüren aber die führenden Nationalstaaten diese Gefahrenpotentiale wie bisher, indem sie nicht die Wohlfahrt der Völker als Primat setzen, sondern sich weiterhin als Erfüllungsgehilfen der Finanzmärkte (Bankenrettung) und des monopolistischen Wachstums des Großkapitals (TTIP, Deregulierung, Privatisierung etc.) erweisen, dann ist der Weltzivilisation eine Apokalypse gewiß.
K. Kapitalismusverständnis reicht nicht hin, zu erkennen, daß diese Explosivstoffe dem fundamentalen Antagonismus des Industriekapitals zwangsläufig entspringen. Und dieser Antagonismus - letztlich gilt: Wert vor Nutzen, Profitwachstum vor Schutz von Arbeit und Umwelt - ist nur zu überwinden, wenn unsere Wirtschaft wieder vom Kopf auf die Füße gestellt wird: In ihr darf Arbeit nicht mehr in Geldform selbstzweckhaft akkumuliert werden, sondern muß zum bloßen Mittel werden, die spezifischen Bedürfnisse und Erfordernisse einer informationalisierten Gesellschaft zu befriedigen. Das heißt: K. schildert zwar wohlfundiert die Geschichte 'des' Kapitalismus - durchaus facettenreich -, aber er durchschaut nicht seine auf Dauer unhaltbare, daher vergängliche Funktionsweise. Eine wissenschaftliche Kritik des Kapitals sollte sich nicht bloß in der Pseudoalternative reformierter Kapitalismus oder überholter Sozialismus erschöpfen, sondern muß zeigen, wie und wodurch in der alten Gesellschaft an vielen Punkten die radikal neue entsteht.
Daß übrigens in der großen Krise der Durchbruch zu einer menschenwürdigeren Gesellschaft nur durch das entschlossene Handeln von Massenbewegungen zu erreichen ist, hat die Geschichte vielfach bewiesen.
22 Kommentare|14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. August 2015
Eine Globalgeschichte des Kapitalismus auf 130 Seiten fand ich selbst für einen Jürgen Kocka ein klein wenig arrogant. Nach der Lektüre muß ich einmal mehr sagen, er kann sich diese Arroganz absolut leisten. Tatsächlich findet sich hier auf sehr knappem Raum eine brilliante Zusammenfassung der historischen Entwicklung des momentan global dominaten Wirtschaftsparadigmas in seinen durchaus sehr unterschiedlichen regionalen Ausprägungen bis in die Gegenwart. Bin immer noch nachdrücklich begeistert! Wer Wirtschaft verstehen will, muß das hier lesen! Kaufen!
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Mai 2015
Kurz und bündig. Eine gelungene Übersicht für den Einstieg in eine weitergehende Beschäftigung mit dem Thema. Kapitalismus wird nicht als teuflische Krake dargestellt.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 19. November 2013
Entgegen dem weitverbreiteten Gebrauch, vor lauter "kritischer" Einstellung alle Übel der Welt in einen Topf zu werfen (Kapitalismus), macht dieses Buch klar, woher der Begriff kommt, was er alles umfasst, und wie differenziert man ihn benutzen sollte, um nicht weitere Missverständnisse zu erzeugen.
Äußerst lesenswert für jeden, der verstehen möchte.
11 Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. September 2013
Wunderbar lesenswert geschrieben, sehr informativ und zeitgeschichtlich inhaltsvoll.
Einzige Kritik betrifft die Beck-Reihe: Schrift sehr klein und vor allem eng. Aus diesem Grund würde ich die Kindle-Version bevorzugen, die es jedoch (noch) nicht gibt.
0Kommentar|7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. September 2014
Halte es für dringend nötig, einen Überblick zu erhalten in der heutrigen Lage
auf dem Weltmarkt.
Deshalb begrüße ich zusammenfassende Sichtweise wie die von Jürgen Kocka.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden