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TOP 500 REZENSENTam 14. Dezember 2013
Otto von Freising (geboren 1112/13, gestorben 1158) gehört zu bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte des 12. Jahrhunderts. Seine Bekanntheit verdankt er seinem Schaffen als Geschichtsschreiber. Dass er sich als Autor einen Namen machen würde, war bei seiner Geburt keineswegs vorherzusehen, denn Otto entstammte einer hochadligen Familie. Sein Vater war Markgraf Leopold III. von Österreich, seine Mutter die Salierin Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV. Über die erste Ehe seiner Mutter war Otto mit den Staufern verwandt. König Konrad III. war sein Halbbruder, Friedrich Barbarossa sein Neffe. Als jüngerer Sohn wurde Otto für die kirchliche Laufbahn bestimmt. Ein Studienaufenthalt in Paris sollte ihn auf das Bischofsamt vorbereiten, darauf, im Dienste des Königs bzw. Kaisers Herrschaftsaufgaben wahrzunehmen, so wie es die meisten deutschen Bischöfe zu jener Zeit taten. Doch auf der Heimreise nach dem Ende des Studiums entschloss sich Otto, als Mönch in das Zisterzienserkloster Morimond einzutreten. Die Studienjahre in Paris und der eigenmächtige, den Plänen der Familie zuwiderlaufende Entschluss, der Welt zu entsagen und ins Kloster zu gehen, sind der Schlüssel zum Verständnis Ottos von Freising. Den Erwartungen seiner Verwandten konnte sich Otto letztlich aber doch nicht entziehen: Konrad III. ernannte ihn 1138 zum Bischof von Freising. Fortan musste Otto den Spagat zwischen seinen Pflichten als Bischof einerseits und seinem Bedürfnis nach Kontemplation und Gelehrtentätigkeit andererseits bewältigen. Dieses Spannungsverhältnis steht im Mittelpunkt von Joachim Ehlers' Buch.

In den ersten vier Kapiteln behandelt Ehlers Ottos Herkunft und Familie, seine Lebensstationen (Studium in Paris, Eintritt ins Kloster, Ernennung zum Bischof von Freising), seine Tätigkeit als Autor und Gelehrter, seine Mitwirkung an der Herrschaft Konrads III. und Friedrich Barbarossas, seine Teilnahme am zweiten Kreuzzug (1147/48). Die beiden letzten Kapitel sind einer Analyse von Ottos Geschichtswerken gewidmet. Was den im engeren Sinn biographischen Teil angeht, so bemüht sich Ehlers um eine umfassende und gründliche Kontextualisierung. Die politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse, die Otto formten, werden anschaulich herausgearbeitet. Besonderes Augenmerk richtet Ehlers auf die intellektuellen Prägungen, die Otto während seines sechsjährigen Studiums in Paris empfing (1126-1132). Die Schulen in Paris, Chartres und Laon waren zu Beginn des 12. Jahrhunderts die führenden Bildungseinrichtungen Europas. In Deutschland gab es keine auch nur annähernd gleichwertigen Bildungsstätten. Otto ging in Paris bei den prominentesten Gelehrten seiner Zeit in die Schule. Er lebte und studierte in einer Zeit geistiger Um- und Aufbrüche, in einer Epoche intensiver theologischer und philosophischer Debatten. Durch seinen Gelehrtenhabitus hob er sich später von den meisten deutschen Bischöfen ab, die sich, vom Königtum zum "Reichsdienst" herangezogen, mit Verwaltungs- und Herrschaftsaufgaben befassten, weniger mit Philosophie und Theologie. Obgleich vom Bischofsamt und der Teilnahme an den Aktivitäten des Königshofes stark in Anspruch genommen, fand Otto die Zeit, seinen gelehrten Interessen nachzugehen. Was sein schriftstellerisches Werk angeht, so plädiert Ehlers dafür, Otto eher als Philosophen und Moralisten anzusehen denn als Historiker bzw. Geschichtsschreiber.

Das Urteil über Ehlers' Versuch, dem Menschen Otto von Freising nahezukommen, fällt zwiespältig aus. Das Buch verrät eine profunde Kenntnis der Materie, weist aber gleichzeitig viele Schwächen auf. Zunächst: Die im Untertitel angegebene Gattungsbezeichnung Biographie ist unpassend und irreführend, wie bei der Lektüre rasch klar wird. Wie alle Gestalten des Hochmittelalters ist Otto als Mensch nur in Ansätzen greifbar. Allenfalls sein Weltbild und sein Denken lassen sich anhand seiner Werke rekonstruieren. Als Persönlichkeit bleibt der Fürstenspross und Bischof konturlos und schemenhaft. Die Quellenbasis ist so schmal, dass sich kein plastisches und aussagekräftiges Lebensbild zeichnen lässt, wie man es in einer Biographie erwartet. Notgedrungen tut Ehlers das, was alle Biographen tun, denen es an Quellen über ihre Protagonisten mangelt: Da er über Otto wenig Konkretes sagen kann, malt er den historischen Hintergrund umso großzügiger aus. Dabei tut er oft zu viel des Guten. Die ersten vier Kapitel teilen mehr über die Welt mit, in der Otto lebte und wirkte, als über Otto selbst. Man erfährt, wieviele Brücken es in Paris gab, als Otto dort studierte. Man erfährt, welche Bischöfe an der Königskrönung Friedrich Barbarossas teilnahmen. Man erfährt, dass "Philipp von Heinsberg, der spätere Erzbischof von Köln, Sohn des Goswin von Heinsberg und der Adelheid von Sommereschenburg, vom Scholasticus Gottfried von St. Andreas/Köln zum Studium nach Reims geleitet" wurde (S. 39). Dieses pedantische Aufzählen und Katalogisieren, diese Faktenhuberei erinnert unangenehm an die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts. Stellenweise ist die Lektüre mühsam, denn Ehlers neigt zu Detailverliebtheit und ausuferndem Name-Dropping. Auf manchen Seiten herrscht ein dichtes Personengewimmel, das selbst für Fachleute schwer zu durchschauen sein dürfte. Der Rotstift des Lektors hätte dieses Dickicht lichten müssen.

In den Kapiteln 5 und 6, die zusammen zwei Fünftel des Textes ausmachen, untersucht Ehlers die beiden Geschichtswerke Ottos von Freising. Wer die "Historia de duabus civitatibus" und die "Gesta Friderici" nicht kennt, der wird mit diesen beiden Kapiteln nicht viel anfangen können. Ohne solide Kenntnis der beiden Werke sind Ehlers' Verweise, Zitate, Analysen und Interpretationen unverständlich und nicht nachvollziehbar. Spätestens hier wird klar, dass Ehlers' Buch allenfalls für Fachleute geeignet ist, die Ottos Werke bereits gelesen haben, die sich sehr gut mit der Geistesgeschichte sowie den philosophisch-theologischen Debatten des 12. Jahrhunderts auskennen und über die Rezeption antiken Schrifttums im Hochmittelalter im Bilde sind. Wer dieses Vorwissen nicht mitbringt, wird vielen Passagen des Buches hilflos gegenüberstehen. Detaillierte Erörterungen zu gelehrten Kontroversen jener Zeit, etwa zu den Disputen zwischen Ottos Kollegen Gerhoch von Reichersberg und Petrus von Wien (S. 113ff.), sind vielleicht für den einen oder anderen Mediävisten von Interesse, wirken auf den weniger kundigen Leser jedoch esoterisch, um nicht zu sagen bizarr. Rücksichtnahme auf das begrenzte Vorwissen potentieller Leser darf man von Ehlers indes nicht erwarten.

Kurz und gut: Ehlers hat ein gelehrtes Buch vorgelegt. Das ist nicht als Kompliment gemeint. Sollte es Ehlers' Absicht gewesen sein, nur Fachkollegen anzusprechen, dann hat er sein Ziel erreicht. Sollte es hingegen seine Absicht gewesen sein, mit seinem Buch auch Laien anzusprechen, dann hat er sein Ziel verfehlt. Ein Buch wie dieses gehört eigentlich nicht in das Programm eines Publikumsverlages wie C.H. Beck. Jenseits von Fachkreisen wird es nämlich kein nennenswertes Lesepublikum finden.
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