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5.0 von 5 Sternen Der schandhafteste Wendepunkt deutscher Geschichte, 8. September 2013
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: November 1938: Die Katastrophe vor der Katastrophe (Taschenbuch)
"......Volk: Bessere Leute schämemn sich, kleine Leute gleichgültig, keine Seele kocht."
(aus einem - im Telegrammstil abgefassten - Bericht einer schlesischen Augenzeugin)

Im November 2013 werden sich die Ereignisse, die den Übergang der vom NS-Staat seit 1933 praktizierten Diskriminierung der Juden hin zur deren systematischen Verfolgung und Vernichtung markieren, zum 75mal jähren. In staatlich organisierten und gelenkten Gewaltmaßnahmen wurden im gesamten Deutschen Reich vom 7. bis 13. November 1938 ca. 400 Menschen ermordet, bzw. in den Selbstmord getrieben und ungefähr 30.000 in Konzentrationslagern inhaftiert. Dazu wurden über 1.400 Synagogen, tausende von Geschäften, Wohnungen und Friedhöfe zerstört, Kulturgüter und Eigentum gepündert.

Aufgrund seines curriculum vitae, insbesondere seiner Direktorate am Jüdischen Museum Frankfurt und am Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main, einer interdisziplinär ausgerichteten, unabhängigen Forschungs-, Dokumentations- und Bildungseinrichtung zur Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen, sowie als Mitherausgeber der Arbeit "Novemberpogrom 1938: Die Augenzeugenberichte der Wiener Library, London", ist der gebürtige Schweizer Prof. Dr. Raphael Gross (Jahrgang 1966) als Autor des in der Reihe C.H.Beck Wissen erschienenen Bandes im hohen Maße qualifiziert. Gross hat den Untertitel des Buches "Die Katastrophe vor der Katastrophe" einem 1991 erschienen Artikel des an der Hebräischen Universität von Jerusalem und Universität Leipzig tätigen Historikers Dan Diner (Jahrgang 1946) entlehnt. Kein Terminus wie das aus dem griechischen "katá" (herab, nieder) und "stréphein" (wenden) könnte diese Wendungen zum Untergang besser charakterisieren.

In seinem Prolog wirft der Autor zunächst einen Blick auf den von heftigen antisemitischen Ausschreitungen begleiteten sogenannten „Anschluss“ Österreichs am 12. März 1938, der bereits eine neue Dimension der Gewalt offenbarte. Jüdinnen und Juden wurden u. a. dazu gezwungen, Wiener Bürgersteige mit Zahnbürsten zu reinigen. Der sogenannten "Juni-Aktion", bei der über 1500 jüdische Männer in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Dachau verschleppt und dort brutal misshandelt wurden, sollten im November jedoch weitere Ereignisse folgen, die mit nichts in der der deutschen Geschichte vergleichbar sind. Niemals zuvor war das staatliche Gewaltmonopol in aller Öffentlichkeit in die Hände einer antisemitisch aufgehetzten "Volksgemeinschaft" übertragen worden, die
dadurch willkürlich Erniedrigungen, Mord, Totschlag und Zerstörung ausüben und sich zusätzlich noch bereichern konnte. Gross weist darauf hin, das weder der NS-Begriff "Reichskristallnacht", noch der später entstandene Neologismus "Reichsprogrammnacht" geeignet sind das barbarische und zeitliche Ausmaß zu charakterisieren. Da es in einigen Regionen bereits ab dem 7. November zu gewaltsamen Übergriffen kam, die anderswo bis zum 13. November andauerten hält er, wie auch timediver®, allein den Terminus "Novemberpogrome" (Pogrom; russisch = Verwüstung, Zerstörung, Krawall) treffend für das gewaltsame Ende beinahe 2000 Jahre währenden deutsch-jüdischen Epoche.

Die Ereignisse des Jahres 1938 und ihre Folgen werden in vier Kapiteln chronologisch dargelegt. Das erste Kapitel ist dem erst 17jährigen Herschel (Hermann) Feibel Grynszpan gewidmet, der als Reaktion auf die vom NS-Staat durchgeführte „Polenaktion“am 7. November 1938 in Paris mit einen Revolver-Attentat den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath so schwer verletzte, dass dieser zwei Tage später seinen Schussverletzungen erlag. Grynszpan, der mit seiner Tat gegen zwangsweise und menschenunwürdige Abschiebung seine Eltern und zehntausender weiterer Juden nach Polen aufmerksam machen wollte, lieferte den Nazis damit den Anlass, ihre lange vorbereiteten Progrome endlich durchführen zu können. Kapitel zwei beschäftigt sich mit den Novemberpogromen, vom frühen Terror bis zu ihrem Abbruch. Themen sind außerdem die Verbindung zwischen Expansionspolitik und organisierter Gewalt gegen Juden, Pogrome in der Provinz sowie Massenverhaftungen, "Arisierung" und Vertreibung.

Das dritte Kapitel schildert die weiteren Aktionen der NS-Regierung, sowie die spärlichen Reaktionen der Kirchen in Deutschland und der Ablehnung und Empörung im Ausland. Die Folgen und Ereignisse "Nach den Pogromen" sind die Themen des vierten und letzten Kapitels. Hierzu zählen Vertreibung und Auswanderung, Kindertransporte,die langfristigen Auswirkungen der Novemberpogrome im Holocaust und eine Betrachtung weiterer Ereignisse, die am 9. November stattfanden.

Besondere Erwähnung verdient der Umstand, dass die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes im November 1938 nicht nur zugesehen und geschwiegen, sondern dass sich etwa 10 Prozent der Bevölkerung aktiv an den Pogromen beteiligt hatten. Ebenso die Tatsache, dass juristische Mittäter wie Dr. Emil Schumburg und Hans Josef Maria Globke nicht belangt wurden, vielmehr als unbelastet zurück in Amt und Würden gelangen konnten. Auch die Entwicklung einer Opferhierarchie in der "sowjetisch Besetzten Zone" und späteren DDR, welche die Juden gegenüber den antifaschistischen Widerstandskämpfern als "bloße rassisch Verfolgte" zu Opfer zweiter Klasse erklärte, ist beschämend. Die gescheiterte Konferenz von Évian, die sich vom 6. Juli 1938 bis zum 15. Juli 1938 mit verbesserten Möglichkeiten der Auswanderung von Juden aus dem "Großdeutsches Reich" beschäftigte und die Weigerung der meisten Staaten mittellose und hilfsbedürftige Juden aufzunehmen bleibt eine weitere moralische Schande.

Eine Chronologie, ein Literaturverzeichnis und ein Personenregister bilden den Abschluss eines Anschauungs- und Lehrmaterials, das in jeden schulischen Geschichtsunterricht gehört.

5 Amazonsterne.
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5.0 von 5 Sternen 9. November 1938, 20. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es hat mich sprachlos gemacht, obwohl ich schon viele Berichte, Bücher über dieses Thema gelesen habe. Wie haben unsere Eltern, Großeltern reagiert? Fragen, die nicht mehr beantwortet werden können. Absolut wichtig über diese dunkle Zeit in unserer Geschichte informiert zu sein.
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4.0 von 5 Sternen Gute Darstellung der Zusammenhänge., 6. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: November 1938: Die Katastrophe vor der Katastrophe (Taschenbuch)
Hier werden die Zusammenhänge der Judenverfolgung durch die Nazis erschreckend deutlich dargestellt. Es ist eine Abrechnung mit dem System unter Hitler und man fragt sich, ob die vielen SA-Leute, von denen zahlreiche unsere Nachbarn waren, nicht wussten oder zumindest ahnten, was auf Deutschland zukam und mit schlechtem Gewissen teilnahmen oder die Geschehnisse tolerierten. An uns Kindern liefen diese Ereignisse vorbei, wir wären auch leichte Beute der verruchten Propaganda geworden. Dass aber unser Vater als SA-Mann und Parteigenosse sich schuldig gemacht hätte, kann ich bis heute nicht glauben.
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November 1938: Die Katastrophe vor der Katastrophe
November 1938: Die Katastrophe vor der Katastrophe von Raphael Gross (Taschenbuch - 26. August 2013)
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