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4.0 von 5 Sternen Interessante Geschichte
Wenn man "Königsallee" von Hans Pleschinski liest, wird man von Seite 1 an tief in die Welt der 50er Jahre hineingezogen. In Düsseldorf, wo die Geschichte spielt, ist man noch im Aufbau, aber man wird auch schon wieder etwas überheblich und protzig, so als wenn es den Krieg gar nicht gegeben hätte. Alles wirkt ein bisschen bieder, im Kino läuft...
Vor 13 Monaten von Villette veröffentlicht

versus
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ambivalent...
Als Thomas-Mann-Fan war dieses Buch für mich ein Muss. Es hat mich aber nicht so begeistert wie erwartet. Schön ist an dem Buch die Idee, eine reale Situation aufzugreifen und leicht zu verändern: was wäre wenn…? Schön ist an einigen Stellen auch die Sprache, metaphernreich und mit einer gewissen Nachahmung von Thomas Mann. Der Autor kennt...
Vor 10 Monaten von Sidonietta veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante Geschichte, 11. November 2013
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wenn man "Königsallee" von Hans Pleschinski liest, wird man von Seite 1 an tief in die Welt der 50er Jahre hineingezogen. In Düsseldorf, wo die Geschichte spielt, ist man noch im Aufbau, aber man wird auch schon wieder etwas überheblich und protzig, so als wenn es den Krieg gar nicht gegeben hätte. Alles wirkt ein bisschen bieder, im Kino läuft Sonja Ziemann, ins Hotel kommt Marika Rökk. Und in diese bemühte Ordnung bricht die Familie Mann hinein samt einer großen Liebe von Thomas Mann, Klaus Heuser. Düsseldorf wird etwas aufgemischt. Erika Mann passt als Frau so gar nicht in diese Zeit, kritisiert und kommandiert, wo ihr etwas nicht passt. Thomas Mann spricht mal eben bei einem Empfang kein Wort und lässt die Lesung ausfallen. Klaus Heuser kommt mit seinem dunkelhäutigen Freund in die Stadt. So was hat da noch niemand gesehen. Was mag erst passieren, wenn Thomas Mann mit Klaus Heuser zusammentrifft? Die beiden haben sich 17 Jahre nicht gesehen. Der Schriftsteller soll nicht gestört werden und so verbietet Erika Mann es dem Klaus Heuser schließlich, auf sich aufmerksam zu machen. Der hat eigentlich alles andere vor als das, wollte nur seine Eltern nach 17 Jahren in Asien besuchen. Doch irgendwie lässt ihn die Familie Mann gerade nicht los...

Ich mochte das Buch eigentlich sehr gern. Besonders das erste und das letzte Drittel fand ich mehr als ansprechend. Der Mittelteil war eher anstrengend und zäh mit langen Monologen und Bewusstseinsstrom. Aber ansonsten habe ich wenig auszusetzen. Die Sprache ist ziemlich hervorragend und Thomas Manns Stil gut angepasst. Natürlich kann man da nicht einfach so drüber fliegen, sondern man braucht seine Zeit, wird dann aber gut belohnt. Was den Inhalt angeht, so basiert er sicher auf historischen Tatsachen, ist aber literarisch aufgearbeitet, ohne dass man ausmachen könnte, was wahr und was erfunden ist. Trotzdem möchte ich behaupten, dass die Hauptfiguren lebensecht getroffen sind: Thomas Mann und seine Frau, Erika und Golo Mann. Von Klaus Heuser hat der Autor einige Tagebücher eingesehen. Letztlich geht es aber selten um die Frage, inwiefern sich das so abgespielt hat oder nicht, sondern um die Frage, inwiefern hier menschliche Begegnungen treffsicher und entlarvend, amüsant und abgründig dargestellt werden. Und das hat Pleschinski sehr gut gemacht.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Vorhang fällt, und alle Fragen bleiben offen, 18. November 2013
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schwulsein ist in. Anders kann man es nicht sagen. Sogar bei "Bauer sucht Frau" wird die Partnersuche schwuler Paare ausgebreitet. Kann es einen besseren Beleg für die Ankunft des Schwulseins in der Mitte der Gesellschaft geben?
Da trifft es sich natürlich gut, dass der große Thomas Mann nicht nur in seiner Romankunst sondern auch in seiner sexuellen Orientierung auf der Höhe der Zeit war - eben schwul, wenngleich nur verborgen, weil es mit der gesellschaftlichen Veredelung noch etwas hakte. In diesen Kontext könnte man das vorliegende Buch "Königsallee" von Hans Pleschinski einordnen - und täte ihm doch unrecht, weil es im Kern überhaupt nicht um das Schwulsein geht.
Aber worum geht es? Es geht um die Königsallee in Düsseldorf, besser gesagt um das Hotel Breidenbacher Hof, in dem der Nobelpreisträger Thomas Mann samt Frau Katja und Tochter Erika im Jahre 1954 zu einer Lesung einkehrt. Wie der Romanautor es will, logiert zur gleichen Zeit im gleichen Hotel auch Klaus Heuser, jene jugendliche Traumgestalt, die den latent homosexuellen Thomas Mann während eines Sylt Aufenthaltes im Jahre 1927 so tief verzaubert hatte, dass er ihn nach München einlud und ihn später zur Vorlage seiner Josephsfigur erwählte. Passiert ist nichts zwischen den beiden, außer einem scheuen Kuss, dessen süße Stimmung den Meister hinfort begleitete und die mit den Eindrücken anderer Verliebtheiten zur Grundmelancholie einer kunstfördernden Sublimierung kondensierte.
Kein Thomas Mann Fan, der jetzt nicht an Charlotte Buff denken würde, die den Geheimrat Goethe Jahrzehnte nach ihrer Verliebtheit als Matrone in Weimar besuchte, was Thomas Mann selbst in "Lotte in Weimar" als Roman verewigt hat. Aber während Charlotte Buff Goethe tatsächlich getroffen hat, haben sich Thomas Mann und Klaus Heuser in Düsseldorf nicht gesehen, obwohl Klaus Heuser damals in der Nähe von Düsseldorf, genau gesagt, in Meerbusch Büderich, lebte.
Es ist also eine Mischung aus Realität und Fiktion, die Hans Pleschinksi dem Leser auf fast 400 Seiten vorsetzt. Und die den Leser, das möchte ich gleich hinzufügen, etwas ratlos zurücklässt. Ratlos deswegen, weil sich der Autor so viel vorgenommen hat, dass man gar nicht recht weiß, wie man dem Buch gerecht werden soll.
Am auffälligsten ist zunächst die sprachliche Dichotomie. Über weite Strecken des Buches wird im Thomas Mann Stil erzählt, mitunter in so prätentiöser Zuspitzung, das man es kaum noch ernst nehmen kann. Dann wieder dominiert ein unpoetischer Protokollsprachenstil. Aber warum? Eine Systematik hinter dieser willkürlich wirkenden Gestaltung mag es geben, ich habe sie aber nicht entdecken können.
Sodann begegnen dem Leser auf Schritt und Tritt Gestalten aus der Literatur, vor allem natürlich aus Thomas Manns Romanen, wie etwa der Liftboy Armand, der wie ein aufdringlicher Wiedergänger Felix Krulls daherkommt - aber auch der Meister selbst sieht sich im siebten Kapitel" (das eigentlich das neunte ist) während seines Indentagdösens mit Goethe parallelisiert, den Thomas Mann ganz ähnlich am Anfang von "Lotte in Weimar" erwachen lässt (dort mit "großer", hier mit "mäßiger Prächte"). Brechungen, Spiegelungen, Überlagerungen allenthalben. Sogar ein paralleles homosexuelles Begehrungsverhältnis zwischen Meister und Eleve wird am Beispiel Stefan Georges vorgeführt. Diese Liste ließe sich seitenlang fortführen. Aber wozu? Kann es wirklich sein, dass sich Pleschinksi hier in einem l'art pour l'art für Literaturkreuzworträstsellöser verloren hat? Das kann ich mir nicht vorstellen.
Was die eigentliche Handlung betrifft, so treten nacheinander die zickige Erika Mann, der verbitterte Golo Mann, die versteinerte Ehefrau Katja auf, dazu der ehemalige Vertraute Ernst Bertram, allesamt umgeben von einem imaginären Chor der Erinnerungen und Reflexionen, die sich insgesamt zu einem Epochenpanorama auswachsen, was mit Gewinn zu lesen ist.
Auf der anderen Seite sind die Dialoge zum Abgewöhnen. Mit Ausnahme des 13. Kapitels ("Besuch von der Trave"), das den Kauf des ganzen Buches lohnt und in dem Pleschinksi zeigt, wozu er in der Lage ist, kommt die Gesprächsprosa in den anderen Kapiteln extrem gespreizt daher. Was Erika Mann oder der arme Golo Mann dem Klaus Heuser beim ersten Zusammentreffen vortragen, ist derart unwahrscheinlich und gekünstelt, das man fast eine unterschwellig präsentierte Karikatur des Thomas Mannschen Stils mutmaßen möchte. In dieser Hypothese wurde ich übrigens durch den Ausruf Hoteldirektor Mercks auf Seite 324 bestärkt, der den unerträglich und wirklichkeitsenthoben thomasmannradebrechernden Liftboy Armand auffordert:"Und lernen Sie anständiges Deutsch. Dass der Mensch sie verstehe, der schlichte." Aber kann das sein? Will uns Hans Pleschinski den großen Thomas Mann als artifizielle Labertasche vorführen? Kaum zu glauben.
So blieben viele, eigentlich die meisten Fragen offen. Nicht zuletzt die, was mir das Buch war, was ich von ihm mitgenommen habe. Jenseits der o.a. Kritik bietet "Königsallee" immerhin ein verdichtetes Portrait der Fünfziger Jahre, eine Darstellung des schwierigen Verhältnisses Thomas Manns zu Deutschland, zu seinen Dichterkollegen Ernst Jünger, Stefan George und Gerhard Hauptmann , einen Einblick in die komplizierten Familienverhältnisse der Manns und eigentlich nur beiläufig eine Beleuchtung der ungelebten Liebe von Thomas Mann zu Klaus Heuser. Denn deren Wiedersehen spielt sich am Ende des Buches so denkbar unspektakulär ab, dass man die ganze Vorgeschichte kaum noch verstehen kann.
Und last not least bietet das Buch eine Antwort auf die Frage, was Thomas Mann heute noch bedeutet, denn, wie Pleschinski anmerkt, "Bücher und das fortdauernde Gespräch über sie, sind das Protokoll unseres Wesens"(S. 359). Diese Antwort gibt der Autor im 13. Kapitel in Gestalt eines meisterhaft komponierten Interviews, in dem eine Zwergin den Giganten befragt und ihm standhält.
Alles in allem ein absolut interessantes, aber durch und durch "unrundes" Buch, das so viele Fragen hervorruft, das man darin fast wieder einen Vorzug erblicken kann.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sprachgewandt und einfallsreich, doch manchmal ohne die nötige Tiefe, 5. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
1954, der fast achtzigjährige Thomas Mann und seine Frau Katia sind auf einer seiner letzten Lesereisen, die sie auch nach Düsseldorf führt. Dort soll Mann im Schumannsaal aus seinem neuesten Roman, dem "Felix Krull" vorlesen. Begleitet werden sie von ihrer Tochter Erika, die vor allem dafür Sorge zu tragen hat, daß es dem großen Meister bequem und genehm ist. In Düsseldorf steigen sie im "Breidenbacher Hof" ab, eines der ersten Häuser der Stadt, direkt gelegen an der Prachtmeile der Stadt, der Königsallee. Zur selben Zeit trifft auch Klaus Heuser hier ein, Thomas Manns große Liebe und das Vorbild für den Joseph in Manns großer Josephstetralogie. Dieser hat seinen jungen Geliebten Anwar, einen Indonesier, bei sich. Beide wollten eigentlich bei Heusers Eltern im Linksrheinischen, dem heutigen Meerbusch, absteigen, fliehen jedoch vor Heusers Eltern, die dieser nahezu 18 Jahre nicht gesehen hatte, da er in den 30er Jahren nach Asien ausgewandert war. Nun also befinden sich die ehemals Liebenden Thomas Mann und Klaus Heuser im selben Hotel, was sofort Erika Mann auf den Plan ruft, die Heuser aufsucht und bittet, sich vom Vater fernzuhalten, der würde eine neuerliche Begegnung nach all den Jahren emotional nicht mehr durchstehen. Heuser gibt sich zurückhaltend und willigt nicht weiter in Erikas Wünsche und Forderungen ein. Auch Erikas Taufpate und frühere Freund des Autors, der Schriftsteller und Dozent Ernst Bertram wird vorstellig und bittet Heuser, für ihn ein gutes Wort bei Mann einzulegen, da dieser ihn ob seiner Verstrickungen in die Machenschaften der Nationalsozialisten kaum mehr empfangen dürfte. Und schließlich tritt der Sohn Golo Mann an Heuser heran, um bei ihm darum zu bitten, dem Vater das eigene Werk, eine Abhandlung über Amerika, nahezubringen.

Und so wird der Leser Zeuge dieser zwei Tage in Düsseldorf, die so nie stattgefunden haben, die der Autor Hans Pleschinski jedoch sprachgewandt und sprachgewaltig, ganz offensichtlich geschult an den Werken seiner Hauptfigur und mit viel Lust daran, dessen Stil und Duktus zu imitieren (und nicht nur seinen), beschtreibt, als wäre es so und nur so passiert. Das ist vor allem eine Art germanistische Verneigung vor dem vermeintlichen Großmeister deutscher Literatur im 20. Jahrhundert, allerdings mit so viel Lust und Spaß am Fabulieren und mit sehr, sehr viel Kenntnis der Figuren, ihrer Bedürfnisse und Lebensumstände ausgestattet, daß es eben keine Seminararbeit geworden ist. Allerdings eben auch kein Werk das zwingend etwas mitzuteilen hat. Wer sich auf diese knapp 400 Seiten einläßt, sollte sowohl Lust an deutscher Literatur und Literaturgeschichte mitbringen, als auch an Klatsch und Tratsch. Man sollte jedoch keine tiefergehenden Erkenntnisse über die Figuren erwarten. So, wie Thomas Mann hier geschildert wird, so stellt man sich den "letzten Bürger" schon auch vor.

Was das Buch dann aber dennoch über die reine Fingerübung, das stilistische Spiel erhebt, sind die zwar manchmal fehlerhaften (Bölkinger- statt Bolkerstraße), doch in ihrem Zeitkolorit wohl gut recherchierten Schilderungen der Stadt, die, entgegen allgemeiner Ansicht, Opfer heftiger Bombenangriffe war. Pleschinski läßt die Stadt und auch deren Bewohner glaubhaft auferstehen, wenn er - manchmal auch nur schemenhaft - deren Lebensumstände vor, während und nun, nach dem Krieg umreisst, wenn er die auch fast zehn Jahre nach Kriegsende immer noch von Bombenruinen und -lücken gekennzeichneten Straßen der Düsseldorfer Innenstadt beschreibt. Es sind manches Mal gerade diese Passagen, die das Buch dann doch über nur wohlfeiles Gesummse erheben. Denn die Begegnungen Heusers mit seiner Vergangenheit ist doch recht oberflächlich ausgefallen, daran gibt es wenig zu deuten. Wenn Mann und Heuser schließlich aufeinander treffen, ist das zwar berührend, doch es generiert auch keinen Mehrwert an Erkenntnis in Bezug auf diese beiden so unterschiedlichen und dennoch sehnsuchtsvoll Verbundenen.

Die fast theaterhaften Auf- und Abgänge Erikas und Bertrams und schließlich die teils zähe, teils hervorragende Szene mit Golo im "Goldenen Ring" am Burgplatz - einem der zentralen Plätze der Düsseldorfer Altstadt - muten an, als wolle der Autor diesen Figuren unbedingt genau das gönnen: Auftritte. Und zudem dienen sie v.a. dazu, die persönliche Geschichte Manns mit der Deutschlands zu verbinden, was leider da langatmig gerät, wo z.B. Golo Mann, der hier noch ein Suchender ist, jemand der seine Bestimmung noch nicht gefunden hat, die hundert Jahre Geschichte bis heran ans Dritte Reich Revue passieren läßt und auszudeuten sucht. Das ist bekannt, ebenso wie seine Suche danach, als Autor zu reüssieren, der eben nicht mit dem Vater in Konkurrenz stehen muß.

Pleschinski gelingen immer wieder Szenen, die atmenebraubend sind - beispielhaft sei das achte Kapitel mit dem bezeichnenden Titel "Das siebte Kapitel" genannt. Hier führt der Autor uns Mann vor, wie dieser aus Träumen langsam an die Oberfläche des Wachens aufsteigt, sein Leben, sein Werk an sich vorbeiziehen läßt und zugleich das Alter reflektiert und das, was es einem nimmt. Dies sind die Momente, die das Buch wirklich zu "großer" Literatur werden lassen. Umso unverständlicher, daß es ihm immer wieder passiert, daß eigentlich spannende Szenen, Szenen, die Potential für Konflikt und Auseinandersetzung haben, seltsam blutleer anmuten. Das wäre der eine wirklich strenge Kritikpunkt.

Hans Pleschinski ist ein hochinteressanter Roman gelungen, dem es nicht nur gelingt, eine der zentralen Figuren der jüngeren deutschen Literaturgeschichte zum Leben zu erwecken, sondern zugleich auch diese Zeit einzufangen, der des beginnenden Wirtschaftswunders, des "Hurra, wir leben noch!" und gleichzeitig unterschwelligem Unwohlseins ob all dessen, was nach und nach hochkam an Erkenntnis über die 12 "dunklen" Jahre, die man so gern aus dem Gedächtnis gestrichen hätte.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ambivalent..., 11. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Kindle Edition)
Als Thomas-Mann-Fan war dieses Buch für mich ein Muss. Es hat mich aber nicht so begeistert wie erwartet. Schön ist an dem Buch die Idee, eine reale Situation aufzugreifen und leicht zu verändern: was wäre wenn…? Schön ist an einigen Stellen auch die Sprache, metaphernreich und mit einer gewissen Nachahmung von Thomas Mann. Der Autor kennt Thomas Mann und seine Werke sehr gut, er zitiert wirklich sehr viel und passend, dennoch finde ich die Nachahmung des Stils und der Sprache auch einen Grund, warum ich das Buch am Ende doch nicht so toll finde. Die vielen Ein- und Zwei-Wort-Sätze passen gar nicht zu einem ansonsten Mann nachgeahmten Stil. Wie im Zauberberg passiert wenig, wird aber viel abgehandelt. Die eigentliche Begegnung der beiden Hauptpersonen ist dann doch sehr unspektakulär - wenn man es recht bedenkt, ist das natürlich, denn was soll schon passieren, wenn ein fast Achtzigjähriger eine Liebe von zwanzig Jahren zuvor wiedertrifft?
Eine weitere Sache, die mich stört, ist die Handlung (so kurz sie auch sein mag). Dass an einem Tag drei Personen eine andere mehr oder weniger überfallen und einfach darauf los reden, ohne sich vorzustellen, ist doch arg unrealistisch! Das Düsseldorf (Stadt und Gesellschaft) der fünfziger Jahre wird anschaulich beschrieben, das ist wiederum ein Pluspunkt. Mein Gesamturteil ist also nicht eindeutig - das Buch hat gute und schlechte Seiten und jeder muss selbst wissen, ob ihn das Thema und der Stil/die Stilnachahmung gefällt.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klaus und Thommy, Katia und Erika e tutti quanti, 19. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich möchte mich nicht mit einer Inhaltsbeschreibung oder einer Kritik vorhergehender Kritiker abgeben, denn ich halte dieses von Anspielungen nur so strotzende, an tiefen Einsichten in die menschliche Natur großer und kleiner Geister reiche und mit seinen brillant konstruierten Verknüpfungen aufwartende Buch für ein Meisterwerk, das mehr mit Thomas Mann und seiner Lebenswelt zu tun hat als noch so glänzende schauspielerische Leistungen wie in den Filmen. Ein "kleines" Meisterwerk vielleicht, aber wer bringt im Schatten des großen Thomas Mann Anderes zustande. Pleschinski ist ein meisterhafter Schriftsteller ü b e r Personen und Zeitumstände wir ihn kennen in seinem Gedenkbuch für seinen Freund Volker Kinnius und in der aus Tagebüchern entnommenen Lebensbeschreibung des Herzogs von Croy. Er ist ein schwächerer Erfinder v o n Personen und ihren Schicksalen wie in Ludwigshöhe. Eine trotz des Bezugs auf Düsseldorf vielfach übersehene Verknüpfung ist die Einleitung des Erika-Kapitels mit dem Kurz-Referat von "Die Betrogene", die so viel mehr über die Sorgen der Tochter aussagt als der oberflächliche Bezug zu "Lotte in Weimar". Überhaupt ist für mich das Erika-Kapital das intensivste des ganzen Buches, das mir immer noch zu Herzen geht. Was bedeutet dagegen das a-chronische Meerbusch!
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantasie und Autobiografie sehr gut in einem Roman verarbeitet, 21. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist mir in einem Buchladen ins Auge gesprungen, wo es auf einem Sonderausstellungstisch neben der passenden Literaturkritik der "Zeit" als letztes Exemplar auf seinen Besitzer wartete. Der Plot hat mich neugierig gemacht, da mir nicht bewusst war, dass es in Thomas Mann's Leben einen jungen Mann gab, der ihn derart faszinierte und ihm als Muse diente (auch für einige seiner Romanfiguren). Und dann ein Wiedersehen! Coole Idee!

Geschmack ist natürlich verschieden, das zeigt die sehr unterschiedlichen Rezensionen hier auf Amazon. Daher meine erste Rezension nach vielen Jahren Amazon, und zwar positiv. Wer nach einem Thriller oder Science-Fiction mal einen ruhigen Roman in ordentlicher Sprache mit interessanten Dialogen und Begebenheiten lesen möchte, lege ich dieses Buch ans Herz.

Herr Pleschinski hat als Kenner der Familie Mann mit all ihren Facetten (z.B. Erika Mann: in Ihrem Auftreten direkt und locker, aber strikt in dem, was sie verfolgt.)und mithilfe des Nachlasses von Klaus Heuser ein interessantes Schauspiel in Düsseldorf arrangiert, das mir sehr gut gefallen hat.

Die Stadt und das Hotel mit seinen Bediensteten und Bewohnern in den 1950'er Jahren konnte ich mir anhand seiner Darstellung sehr gut vorstellen. Als nicht so guter Kenner der Familie Mann kamen mir die Dialoge und Verhalten sehr realitätsgetreu und vertraut vor wie aus den biografischen Werken, die ich bereits kannte (auch die Verfilmung mit Armin Mueller-Stahl). Klaus Heuser wurde sympathisch und sein Begleiter interessant mit einem Hauch Humor gekonnt in Szene gesetzt.

Interessant sind die Ansichten der einzelnen Familienmitglieder und Thomas Mann selbst die Zeit mit dem jungen Klaus Heuser, der von der Strandbekanntschaft zum häufigen Gast im Mann'schen Haus wurde und Freund der Familie war. Leider sind ja die Tagebücher nicht mehr vorhanden, die diese Zeit im Haus selbst mit Alltag unterfüttern hätten können, aber nicht so dramatisch.

Das Buch macht auf jeden Fall Lust auf die Romane Thomas Mann's, vor allem Josef und seine Brüder, was ich bald in Angriff nehmen werde.
Danke für diese tolle Episode aus dem Leben der Familie Mann Herr Pleschinski!
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lesen Sie Thomas Mann!, 3. September 2013
Von 
Colin Wood - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
Düsseldorf 1954. Klaus Heuser, Mitte 40, kehrt nach nahezu zwanzig Jahren im ostasiatischen Exil erstmals besuchsweise nach Deutschland zurück, begleitet von Anwar, seinem langjährigen indonesischen Geliebten. Beide steigen im Hotel Breidenbacher Hof an der Königsallee ab. Zur gleichen Zeit ist der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, mit seinem letzten Roman Felix Krull auf Lesereise in Deutschland, zusammen mit Ehefrau Katia und Tochter Erika Gast des Hauses. Die Brisanz dieser Situation besteht darin, dass beide – Klaus und Thomas – dreißig Jahre zuvor, beginnend im Sommerurlaub auf Sylt, eine kurze, heftige Liebe erlebten – vielleicht die größte des Literaten. Jedenfalls hat Thomas Mann seinem Klaus in der Titelfigur seiner Joseph-Tetralogie ein Denkmal gesetzt, und auch Felix Krull trägt zum Teil dessen Züge.

Das Konstrukt mit dem möglichen Wiedersehen zwischen dem verflossenen jugendlichen Liebhaber und dem alternden Poeten finde ich gut und verheißungsvoll. Ich mag die Literatur Thomas Manns. Deshalb hat mich dieser Plot, nach der Lektüre einer äußerst positiven Rezension in der Zeit vom 25. Juli dieses Jahres, gereizt. Doch nun weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Bereits im ersten Kapitel – einem inneren Monolog des Empfangschefs – habe ich mich wider Erwarten schrecklich gelangweilt. Diesem Kapitel kommt die Aufgabe zu, einzuführen in die Zeit, die Stimmung der fünfziger Jahre, die Entwicklung in Deutschland seit dem Ende des Krieges zu reflektieren und die Besonderheiten des Hotelbetriebs in einem Haus mit hochrangigen Gästen zu erläutern. Ich habe diesen inneren Monolog mit seinen geschichtlichen Rückblicken, der Biografie des Monologisierenden und den geschraubten Sätzen nicht als authentisch empfinden können. Leider geht das so weiter. Es gibt u. A. eine lange Szene, in welcher Erika Mann Klaus Heuser in seinem Zimmer aufsucht mit dem Ziel, ihm die Anwesenheit bei der Lesung des Vaters und somit ein erneutes Zusammentreffen zu untersagen. Auch hier wird ellenlang und ausufernd über die eigene Biografie und persönliche Befindlichkeiten monologisiert, und ich frage mich, wie realistisch das ist, wenn sich zwei Menschen dreißig Jahre lang nicht gesehen haben. Die Anlehnung an den Stil Thomas Manns und die Wiederholung des Kunstgriffs der Lotte in Weimar ist zwar pfiffig, aber dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Dynamik für dieses Buch gewünscht.

Der Roman macht Lust auf die erneute oder auch erstmalige Lektüre der Bücher Thomas Manns. Auch mit seiner Biografie möchte ich mich gerne erneut auseinandersetzen. Das leistet das Buch, und das ist doch was. Darüber hinaus weiß ich nicht genau, was ich davon halten soll.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen In die Riege der Enttäuschten..., 4. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
... reihe ich mich ungern ein, hatte ich das Buch doch mit großen Erwartungen in die Hand genommen. Aber ich kann nicht anders, eine derartige Langeweile, wie sie mich besonders bei den Auftritten von Erika, Golo und auch Thomas Mann überkam, hatte ich selten. Ich habe diese Stellen dann nur noch überflogen. Daß ein Rezensent ausgerechnet im 7.Kapitel (T.Mann) Szenen fand, die "atemberaubend" sind... Na ja, die Geschmäcker sind gottlob verschieden. Gut gefallen haben mir einzig die Beschreibung der Nachkriegssituation. Die Grußrede des Kulturreferenten im Hotel allerdings, der Mann um die Ohren haut, daß er sich ins Ausland absetzte, war aber ein Griff in die völlig falsche Kiste. In Wirklichkeit hätte das Trio wohl auf dem Absatz kehrt gemacht und sich das nicht länger als 2 Minuten angehört.
Wie Einfühlung in den Schreibstil berühmter Schriftsteller gekonnt geht, hat Robert Neumann in "Mit fremden Federn" vorgeführt, bei Pleschinski kommt mir das alles zu sehr bemüht und aufgesetzt herüber.
Wie lautete noch die Forderung an einen guten Roman von Reich-Ranitzki? Er darf nicht langweilen! Exakt.
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26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine brillante Bereicherung für die Belletristik!, 27. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich ist meine Zeit viel zu kostbar, um mich mit einer derartig plumpen Kritik wie der von "Buchstütze" auseinanderzusetzen. Doch das Eine möchte ich sagen: Wer so schreibt, der hat nichts von Thomas Mann verstanden, und ich stelle sehr in Frage, ob er das eine oder andere Werk dieses Autors überhaupt gelesen hat. Auf die unzutreffenden Äußerungen dieses Kritikers kann man nur mit einem Kopfschütteln oder einem müden Lächeln reagieren: es sind gescheiterte Klimmzugversuche, bei denen die Hände noch nicht einmal den Angriffspunkt finden.- - -

Für mich selbst ist dieses Buch von Hans Pleschinski ein Erlebnis, das in dieser fiktiv erzählenden Weise fast einzigartig ist. Ich habe gewiss schon sehr gute Biografien gelesen; doch in diesem Roman werden die biografischen Fakten meisterhaft mit den Gedanken aller Personen des Geschehens verknüpft, und der Leser wird an jeder Stelle direkt in das Geschehen, in die Dialoge, in die Reflexionen, in den ganzen Strom jener Zeit involviert.

Ja, der Strom jener Zeit: er umströmt alles, vom Anfang bis zum Ende des Buches. Er ist es, der es uns möglich macht, den Geist dieser Jahre, die noch vom Schock des Krieges, aber auch schon von den ersten Hoffnungen des Neuanfangs geprägt waren, zu verstehen. Das biedere und konservative Denken des Staates und seiner Gesellschaft tritt dabei in den Vordergrund, und der Autor hat dies in seinem Werk sehr gekonnt und feinsinnig beschrieben.Immer wieder lässt er Personen der Handlung gegen den Zeitgeist antreten: Beispielsweise Erika, Tochter und Managerin ihres Vaters, schnoddrig und provokativ in ihrer Wortwahl, das "Enfant terrible" in Hosen, welche damals alles andere als zeitgemäß galten. Dann Golo, den Besonnenen, bei dem es mir so vorkam, als versuche er als stiller Beobachter über der Zeit zu stehen und für den Lauf der augenblicklichen Dinge eine Erklärung zu finden. Vor allem aber sind es der durchaus konservative Schriftsteller Thomas Mann und sein Freund Klaus Heuser, die Pleschinski mit ihren erotischen Gefühlen für einander in Polarität zur kleinbürgerlichen und keuschen Gesellschaft jener Fünfziger Jahre treten lässt; nicht zuletzt auch Katia, Thomas Manns Frau, die ihre Gefühle in der Öffentlichkeit stets in Grenzen hält.

Thomas Mann im Sommer 1954 in der vom Krieg noch teilweise zerstörten Stadt Düsseldorf! Am Breidenbacher Hof und bei der Dichterlesung, auf die der ganze Roman zusteuert, präsentiert uns der Autor eine breit gefächerte Gesellschaft vom Nobelpreisträger und seiner Familie über den Germanisten Ernst Bertram, der seine braune Vergangenheit noch immer nicht so recht abgelegt hat,über Heusers indonesischen Freund Anwar, der aufgrund seiner mangelnden Deutschkenntnisse schon fast karikative Züge annimmt , über die Stadtprominenz und die aus Lübeck angereiste zwergenhafte Journalistin Gudrun Kückebein bis hin zum Hotelpersonal: die Zeitungsfrau, den Friseur, den Portier und zuletzt nicht auch den Liftboy Armand, dessen Sprache und Gebärden immer wieder zu Rückschlüssen auf Felix Krull verleiten.

Das Sahnehäubchen dieses literarischen Werkes sind für mich die Dialoge Thomas Manns, die vom Autor verbal und syntaktisch so gekonnt ausgewählt sind, dass man unverzüglich den Eindruck erhält, als habe man gerade eben den Meister selbstredend gehört.

Natürlich ist es für Leser wie mich, die in jene Zeit hineingeboren wurden und sich an viele Eigenheiten und Animositäten jener Jahre erinnern, etwas Besonderes, diese Eindrücke noch einmal mitzuerleben. Doch ich bin überzeugt: auch für die anderen Leser ist dieses Buch eine Bereicherung an Wissen über die Zeit und die Menschen, die in ihr lebten.

Hans Pleschinski hat für seinen Roman "Königsallee" sicherlich in mühsamer und akribischer Kleinarbeit Material zusammengetragen und durch seine Fiktion die deutsche Belletristik um einen großen Wert reicher gemacht - ein durchaus nicht leichtes Unterfangen, das für den Autor zugleich eine Herausforderung war, der er sich gerne stellte und die er meisterhaft brillierte.

Ein sehr empfehlenswertes Werk!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Armer Thomas Mann, 30. September 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hans Pleschininski wurde für seinen Roman KÖNIGSALLEE von der Kritik hochgelobt und entsprechend sind die Erwartungen beim Durchschnittsleser. Der Breidenbacher Hof im vorliegendenher Roman, das berühmte Grandhotel an der Prachtstrasse von Düsseldorf musste für den Titel herhalten und Thomas Mann mal wieder als der Knabenliebhaber, der nach heutigem Verständnis wie Edathy eigentlich ein Ausgestossener sein müsste. Es gibt den Begriff der Schreibblockade, der einen Autor befallen kann ohne dass er weiss wie er diese existenzgefähdene Einschränkung überwindet. Doch für diesen Roman muss man von einer Leseblockade sprechen, die auch den geübten Leser von anspruchsvoller Literartur erfassen kann. Allerdings lässt sich für diese Sperre im vorliegenden Roman eine leichte Erklärung finden: Der Roman hat Längen, die die gesamte Königsalle um viele Kilometer übertrifft und die misst immerhin stolze 1000m. Es ist schade, dass Pleschinski sein Talent mit dieser fürchterlichen verquasten Sprache, die wohl sehr lyrisch daher kommen soll , schlichtweg ruiniert. Vieles wirkt extrem pomadig und bewusst literaisch ambitioniert und geht voll daneben. Es entstehen fürchterliche Sätze, die noch nicht einmal Thomas Mann im ZAUBERBERG hinbekommen hätte. Schade um die Zeit.
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Königsallee: Roman
Königsallee: Roman von Hans Pleschinski (Gebundene Ausgabe - 6. November 2013)
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