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Kundenrezensionen

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TOP 1000 REZENSENTam 11. November 2013
Wenn man "Königsallee" von Hans Pleschinski liest, wird man von Seite 1 an tief in die Welt der 50er Jahre hineingezogen. In Düsseldorf, wo die Geschichte spielt, ist man noch im Aufbau, aber man wird auch schon wieder etwas überheblich und protzig, so als wenn es den Krieg gar nicht gegeben hätte. Alles wirkt ein bisschen bieder, im Kino läuft Sonja Ziemann, ins Hotel kommt Marika Rökk. Und in diese bemühte Ordnung bricht die Familie Mann hinein samt einer großen Liebe von Thomas Mann, Klaus Heuser. Düsseldorf wird etwas aufgemischt. Erika Mann passt als Frau so gar nicht in diese Zeit, kritisiert und kommandiert, wo ihr etwas nicht passt. Thomas Mann spricht mal eben bei einem Empfang kein Wort und lässt die Lesung ausfallen. Klaus Heuser kommt mit seinem dunkelhäutigen Freund in die Stadt. So was hat da noch niemand gesehen. Was mag erst passieren, wenn Thomas Mann mit Klaus Heuser zusammentrifft? Die beiden haben sich 17 Jahre nicht gesehen. Der Schriftsteller soll nicht gestört werden und so verbietet Erika Mann es dem Klaus Heuser schließlich, auf sich aufmerksam zu machen. Der hat eigentlich alles andere vor als das, wollte nur seine Eltern nach 17 Jahren in Asien besuchen. Doch irgendwie lässt ihn die Familie Mann gerade nicht los...

Ich mochte das Buch eigentlich sehr gern. Besonders das erste und das letzte Drittel fand ich mehr als ansprechend. Der Mittelteil war eher anstrengend und zäh mit langen Monologen und Bewusstseinsstrom. Aber ansonsten habe ich wenig auszusetzen. Die Sprache ist ziemlich hervorragend und Thomas Manns Stil gut angepasst. Natürlich kann man da nicht einfach so drüber fliegen, sondern man braucht seine Zeit, wird dann aber gut belohnt. Was den Inhalt angeht, so basiert er sicher auf historischen Tatsachen, ist aber literarisch aufgearbeitet, ohne dass man ausmachen könnte, was wahr und was erfunden ist. Trotzdem möchte ich behaupten, dass die Hauptfiguren lebensecht getroffen sind: Thomas Mann und seine Frau, Erika und Golo Mann. Von Klaus Heuser hat der Autor einige Tagebücher eingesehen. Letztlich geht es aber selten um die Frage, inwiefern sich das so abgespielt hat oder nicht, sondern um die Frage, inwiefern hier menschliche Begegnungen treffsicher und entlarvend, amüsant und abgründig dargestellt werden. Und das hat Pleschinski sehr gut gemacht.
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am 16. Februar 2014
Eigentlich sollte der Roman über Thomas Mann handeln, leider wird dieser nur am Rande gestreift. Ich empfand auch den Stil etwas zu weitschweifig, zu langatmig, sodaß mich das Buch zuwenig fesselte. Ich hätte mir gewünscht, etwas mehr über den Menschen Thomas Mann zu erfahren, stattdessen wird mehr über das Leben des Mannes berichtet, dem Thomas Mann vor mehreren Jahren begegnete und der ihn offenbar faszinierte. Mir fehlt hier eine Botschaft, eine Auseinandersetzung mit dem Menschen Thomas Mann, stattdessen nichtssagende Szenen, man hat den Eindruck, man wollte den Umfang des Buches dadurch vergrößen. Aus den genannten Gründen kann ich mich den zahlreichen guten Bewertungen hier nicht anschließen.
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am 19. September 2013
Ich möchte mich nicht mit einer Inhaltsbeschreibung oder einer Kritik vorhergehender Kritiker abgeben, denn ich halte dieses von Anspielungen nur so strotzende, an tiefen Einsichten in die menschliche Natur großer und kleiner Geister reiche und mit seinen brillant konstruierten Verknüpfungen aufwartende Buch für ein Meisterwerk, das mehr mit Thomas Mann und seiner Lebenswelt zu tun hat als noch so glänzende schauspielerische Leistungen wie in den Filmen. Ein "kleines" Meisterwerk vielleicht, aber wer bringt im Schatten des großen Thomas Mann Anderes zustande. Pleschinski ist ein meisterhafter Schriftsteller ü b e r Personen und Zeitumstände wir ihn kennen in seinem Gedenkbuch für seinen Freund Volker Kinnius und in der aus Tagebüchern entnommenen Lebensbeschreibung des Herzogs von Croy. Er ist ein schwächerer Erfinder v o n Personen und ihren Schicksalen wie in Ludwigshöhe. Eine trotz des Bezugs auf Düsseldorf vielfach übersehene Verknüpfung ist die Einleitung des Erika-Kapitels mit dem Kurz-Referat von "Die Betrogene", die so viel mehr über die Sorgen der Tochter aussagt als der oberflächliche Bezug zu "Lotte in Weimar". Überhaupt ist für mich das Erika-Kapital das intensivste des ganzen Buches, das mir immer noch zu Herzen geht. Was bedeutet dagegen das a-chronische Meerbusch!
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am 11. Februar 2014
Als Thomas-Mann-Fan war dieses Buch für mich ein Muss. Es hat mich aber nicht so begeistert wie erwartet. Schön ist an dem Buch die Idee, eine reale Situation aufzugreifen und leicht zu verändern: was wäre wenn…? Schön ist an einigen Stellen auch die Sprache, metaphernreich und mit einer gewissen Nachahmung von Thomas Mann. Der Autor kennt Thomas Mann und seine Werke sehr gut, er zitiert wirklich sehr viel und passend, dennoch finde ich die Nachahmung des Stils und der Sprache auch einen Grund, warum ich das Buch am Ende doch nicht so toll finde. Die vielen Ein- und Zwei-Wort-Sätze passen gar nicht zu einem ansonsten Mann nachgeahmten Stil. Wie im Zauberberg passiert wenig, wird aber viel abgehandelt. Die eigentliche Begegnung der beiden Hauptpersonen ist dann doch sehr unspektakulär - wenn man es recht bedenkt, ist das natürlich, denn was soll schon passieren, wenn ein fast Achtzigjähriger eine Liebe von zwanzig Jahren zuvor wiedertrifft?
Eine weitere Sache, die mich stört, ist die Handlung (so kurz sie auch sein mag). Dass an einem Tag drei Personen eine andere mehr oder weniger überfallen und einfach darauf los reden, ohne sich vorzustellen, ist doch arg unrealistisch! Das Düsseldorf (Stadt und Gesellschaft) der fünfziger Jahre wird anschaulich beschrieben, das ist wiederum ein Pluspunkt. Mein Gesamturteil ist also nicht eindeutig - das Buch hat gute und schlechte Seiten und jeder muss selbst wissen, ob ihn das Thema und der Stil/die Stilnachahmung gefällt.
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TOP 500 REZENSENTam 18. November 2013
Schwulsein ist in. Anders kann man es nicht sagen. Sogar bei "Bauer sucht Frau" wird die Partnersuche schwuler Paare ausgebreitet. Kann es einen besseren Beleg für die Ankunft des Schwulseins in der Mitte der Gesellschaft geben?
Da trifft es sich natürlich gut, dass der große Thomas Mann nicht nur in seiner Romankunst sondern auch in seiner sexuellen Orientierung auf der Höhe der Zeit war - eben schwul, wenngleich nur verborgen, weil es mit der gesellschaftlichen Veredelung noch etwas hakte. In diesen Kontext könnte man das vorliegende Buch "Königsallee" von Hans Pleschinski einordnen - und täte ihm doch unrecht, weil es im Kern überhaupt nicht um das Schwulsein geht.
Aber worum geht es? Es geht um die Königsallee in Düsseldorf, besser gesagt um das Hotel Breidenbacher Hof, in dem der Nobelpreisträger Thomas Mann samt Frau Katja und Tochter Erika im Jahre 1954 zu einer Lesung einkehrt. Wie der Romanautor es will, logiert zur gleichen Zeit im gleichen Hotel auch Klaus Heuser, jene jugendliche Traumgestalt, die den latent homosexuellen Thomas Mann während eines Sylt Aufenthaltes im Jahre 1927 so tief verzaubert hatte, dass er ihn nach München einlud und ihn später zur Vorlage seiner Josephsfigur erwählte. Passiert ist nichts zwischen den beiden, außer einem scheuen Kuss, dessen süße Stimmung den Meister hinfort begleitete und die mit den Eindrücken anderer Verliebtheiten zur Grundmelancholie einer kunstfördernden Sublimierung kondensierte.
Kein Thomas Mann Fan, der jetzt nicht an Charlotte Buff denken würde, die den Geheimrat Goethe Jahrzehnte nach ihrer Verliebtheit als Matrone in Weimar besuchte, was Thomas Mann selbst in "Lotte in Weimar" als Roman verewigt hat. Aber während Charlotte Buff Goethe tatsächlich getroffen hat, haben sich Thomas Mann und Klaus Heuser in Düsseldorf nicht gesehen, obwohl Klaus Heuser damals in der Nähe von Düsseldorf, genau gesagt, in Meerbusch Büderich, lebte.
Es ist also eine Mischung aus Realität und Fiktion, die Hans Pleschinksi dem Leser auf fast 400 Seiten vorsetzt. Und die den Leser, das möchte ich gleich hinzufügen, etwas ratlos zurücklässt. Ratlos deswegen, weil sich der Autor so viel vorgenommen hat, dass man gar nicht recht weiß, wie man dem Buch gerecht werden soll.
Am auffälligsten ist zunächst die sprachliche Dichotomie. Über weite Strecken des Buches wird im Thomas Mann Stil erzählt, mitunter in so prätentiöser Zuspitzung, das man es kaum noch ernst nehmen kann. Dann wieder dominiert ein unpoetischer Protokollsprachenstil. Aber warum? Eine Systematik hinter dieser willkürlich wirkenden Gestaltung mag es geben, ich habe sie aber nicht entdecken können.
Sodann begegnen dem Leser auf Schritt und Tritt Gestalten aus der Literatur, vor allem natürlich aus Thomas Manns Romanen, wie etwa der Liftboy Armand, der wie ein aufdringlicher Wiedergänger Felix Krulls daherkommt - aber auch der Meister selbst sieht sich im siebten Kapitel" (das eigentlich das neunte ist) während seines Indentagdösens mit Goethe parallelisiert, den Thomas Mann ganz ähnlich am Anfang von "Lotte in Weimar" erwachen lässt (dort mit "großer", hier mit "mäßiger Prächte"). Brechungen, Spiegelungen, Überlagerungen allenthalben. Sogar ein paralleles homosexuelles Begehrungsverhältnis zwischen Meister und Eleve wird am Beispiel Stefan Georges vorgeführt. Diese Liste ließe sich seitenlang fortführen. Aber wozu? Kann es wirklich sein, dass sich Pleschinksi hier in einem l'art pour l'art für Literaturkreuzworträstsellöser verloren hat? Das kann ich mir nicht vorstellen.
Was die eigentliche Handlung betrifft, so treten nacheinander die zickige Erika Mann, der verbitterte Golo Mann, die versteinerte Ehefrau Katja auf, dazu der ehemalige Vertraute Ernst Bertram, allesamt umgeben von einem imaginären Chor der Erinnerungen und Reflexionen, die sich insgesamt zu einem Epochenpanorama auswachsen, was mit Gewinn zu lesen ist.
Auf der anderen Seite sind die Dialoge zum Abgewöhnen. Mit Ausnahme des 13. Kapitels ("Besuch von der Trave"), das den Kauf des ganzen Buches lohnt und in dem Pleschinksi zeigt, wozu er in der Lage ist, kommt die Gesprächsprosa in den anderen Kapiteln extrem gespreizt daher. Was Erika Mann oder der arme Golo Mann dem Klaus Heuser beim ersten Zusammentreffen vortragen, ist derart unwahrscheinlich und gekünstelt, das man fast eine unterschwellig präsentierte Karikatur des Thomas Mannschen Stils mutmaßen möchte. In dieser Hypothese wurde ich übrigens durch den Ausruf Hoteldirektor Mercks auf Seite 324 bestärkt, der den unerträglich und wirklichkeitsenthoben thomasmannradebrechernden Liftboy Armand auffordert:"Und lernen Sie anständiges Deutsch. Dass der Mensch sie verstehe, der schlichte." Aber kann das sein? Will uns Hans Pleschinski den großen Thomas Mann als artifizielle Labertasche vorführen? Kaum zu glauben.
So blieben viele, eigentlich die meisten Fragen offen. Nicht zuletzt die, was mir das Buch war, was ich von ihm mitgenommen habe. Jenseits der o.a. Kritik bietet "Königsallee" immerhin ein verdichtetes Portrait der Fünfziger Jahre, eine Darstellung des schwierigen Verhältnisses Thomas Manns zu Deutschland, zu seinen Dichterkollegen Ernst Jünger, Stefan George und Gerhard Hauptmann , einen Einblick in die komplizierten Familienverhältnisse der Manns und eigentlich nur beiläufig eine Beleuchtung der ungelebten Liebe von Thomas Mann zu Klaus Heuser. Denn deren Wiedersehen spielt sich am Ende des Buches so denkbar unspektakulär ab, dass man die ganze Vorgeschichte kaum noch verstehen kann.
Und last not least bietet das Buch eine Antwort auf die Frage, was Thomas Mann heute noch bedeutet, denn, wie Pleschinski anmerkt, "Bücher und das fortdauernde Gespräch über sie, sind das Protokoll unseres Wesens"(S. 359). Diese Antwort gibt der Autor im 13. Kapitel in Gestalt eines meisterhaft komponierten Interviews, in dem eine Zwergin den Giganten befragt und ihm standhält.
Alles in allem ein absolut interessantes, aber durch und durch "unrundes" Buch, das so viele Fragen hervorruft, das man darin fast wieder einen Vorzug erblicken kann.
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am 21. August 2013
Dieses Buch ist mir in einem Buchladen ins Auge gesprungen, wo es auf einem Sonderausstellungstisch neben der passenden Literaturkritik der "Zeit" als letztes Exemplar auf seinen Besitzer wartete. Der Plot hat mich neugierig gemacht, da mir nicht bewusst war, dass es in Thomas Mann's Leben einen jungen Mann gab, der ihn derart faszinierte und ihm als Muse diente (auch für einige seiner Romanfiguren). Und dann ein Wiedersehen! Coole Idee!

Geschmack ist natürlich verschieden, das zeigt die sehr unterschiedlichen Rezensionen hier auf Amazon. Daher meine erste Rezension nach vielen Jahren Amazon, und zwar positiv. Wer nach einem Thriller oder Science-Fiction mal einen ruhigen Roman in ordentlicher Sprache mit interessanten Dialogen und Begebenheiten lesen möchte, lege ich dieses Buch ans Herz.

Herr Pleschinski hat als Kenner der Familie Mann mit all ihren Facetten (z.B. Erika Mann: in Ihrem Auftreten direkt und locker, aber strikt in dem, was sie verfolgt.)und mithilfe des Nachlasses von Klaus Heuser ein interessantes Schauspiel in Düsseldorf arrangiert, das mir sehr gut gefallen hat.

Die Stadt und das Hotel mit seinen Bediensteten und Bewohnern in den 1950'er Jahren konnte ich mir anhand seiner Darstellung sehr gut vorstellen. Als nicht so guter Kenner der Familie Mann kamen mir die Dialoge und Verhalten sehr realitätsgetreu und vertraut vor wie aus den biografischen Werken, die ich bereits kannte (auch die Verfilmung mit Armin Mueller-Stahl). Klaus Heuser wurde sympathisch und sein Begleiter interessant mit einem Hauch Humor gekonnt in Szene gesetzt.

Interessant sind die Ansichten der einzelnen Familienmitglieder und Thomas Mann selbst die Zeit mit dem jungen Klaus Heuser, der von der Strandbekanntschaft zum häufigen Gast im Mann'schen Haus wurde und Freund der Familie war. Leider sind ja die Tagebücher nicht mehr vorhanden, die diese Zeit im Haus selbst mit Alltag unterfüttern hätten können, aber nicht so dramatisch.

Das Buch macht auf jeden Fall Lust auf die Romane Thomas Mann's, vor allem Josef und seine Brüder, was ich bald in Angriff nehmen werde.
Danke für diese tolle Episode aus dem Leben der Familie Mann Herr Pleschinski!
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. September 2013
Düsseldorf 1954. Klaus Heuser, Mitte 40, kehrt nach nahezu zwanzig Jahren im ostasiatischen Exil erstmals besuchsweise nach Deutschland zurück, begleitet von Anwar, seinem langjährigen indonesischen Geliebten. Beide steigen im Hotel Breidenbacher Hof an der Königsallee ab. Zur gleichen Zeit ist der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, mit seinem letzten Roman Felix Krull auf Lesereise in Deutschland, zusammen mit Ehefrau Katia und Tochter Erika Gast des Hauses. Die Brisanz dieser Situation besteht darin, dass beide – Klaus und Thomas – dreißig Jahre zuvor, beginnend im Sommerurlaub auf Sylt, eine kurze, heftige Liebe erlebten – vielleicht die größte des Literaten. Jedenfalls hat Thomas Mann seinem Klaus in der Titelfigur seiner Joseph-Tetralogie ein Denkmal gesetzt, und auch Felix Krull trägt zum Teil dessen Züge.

Das Konstrukt mit dem möglichen Wiedersehen zwischen dem verflossenen jugendlichen Liebhaber und dem alternden Poeten finde ich gut und verheißungsvoll. Ich mag die Literatur Thomas Manns. Deshalb hat mich dieser Plot, nach der Lektüre einer äußerst positiven Rezension in der Zeit vom 25. Juli dieses Jahres, gereizt. Doch nun weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Bereits im ersten Kapitel – einem inneren Monolog des Empfangschefs – habe ich mich wider Erwarten schrecklich gelangweilt. Diesem Kapitel kommt die Aufgabe zu, einzuführen in die Zeit, die Stimmung der fünfziger Jahre, die Entwicklung in Deutschland seit dem Ende des Krieges zu reflektieren und die Besonderheiten des Hotelbetriebs in einem Haus mit hochrangigen Gästen zu erläutern. Ich habe diesen inneren Monolog mit seinen geschichtlichen Rückblicken, der Biografie des Monologisierenden und den geschraubten Sätzen nicht als authentisch empfinden können. Leider geht das so weiter. Es gibt u. A. eine lange Szene, in welcher Erika Mann Klaus Heuser in seinem Zimmer aufsucht mit dem Ziel, ihm die Anwesenheit bei der Lesung des Vaters und somit ein erneutes Zusammentreffen zu untersagen. Auch hier wird ellenlang und ausufernd über die eigene Biografie und persönliche Befindlichkeiten monologisiert, und ich frage mich, wie realistisch das ist, wenn sich zwei Menschen dreißig Jahre lang nicht gesehen haben. Die Anlehnung an den Stil Thomas Manns und die Wiederholung des Kunstgriffs der Lotte in Weimar ist zwar pfiffig, aber dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Dynamik für dieses Buch gewünscht.

Der Roman macht Lust auf die erneute oder auch erstmalige Lektüre der Bücher Thomas Manns. Auch mit seiner Biografie möchte ich mich gerne erneut auseinandersetzen. Das leistet das Buch, und das ist doch was. Darüber hinaus weiß ich nicht genau, was ich davon halten soll.
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am 21. November 2013
Die symbolträchtige Lebensgeschichte des Tonsetzers Adrian Leverkühn ist erwähnt, und vieles mehr vom Lebenswerk des Nobelpreisträgers Thomas Mann und Homoerotisches dazu; aber Polling ist (aus Sicht eines Ortes mit Mann-Geschichte) bedauerlicherweise nicht genannt - nicht einmal Pollings Pseudonym "Pfeiffering" aus dem "Dr. Faustus". Nur Klaus Heuser, von Thomas Mann einst gefördert, erinnert sich 1954 als Romanfigur in "Königsallee" despektierlich an die Pollinger Mann-Tage: Die Stammmutter Julia (Anm.: die Senatorin"), verherrlicht als Konsulin Buddenbrook, war nach ihrem finanziellen und vielleicht auch geistigen Abstieg auf dem Lande (Anm.: damit hat der Autor über Heuser wohl das Kloster- und Künstlerdorf Polling gemeint, in dem die Senatorin lange wohnte) mehr oder weniger versteckt worden." Der Münchner Schriftsteller Hans Pleschinski findet in seinem neuen Roman nur am Rande Töne zu Geschichten der älteren Mann-Generation. Er lässt Thomas Mann auf seiner letzten Vortragsreise in Deutschland jenen Klaus Heuser, die große Liebe" von 1927, dessen Vater Malerkollege von Heinrich Campendonk war, wiedersehen; eine pikante, verzwickte Geschichte, harmonisch und dissonant, die auf wahren Begebenheiten beruht. Manns eloquente Künstlertochter Erika, die in erster Ehe mit Gustav Gründgens verbunden war, sagt im Roman in einem temperamentvollen Auftritt zu Heuser: Du lebst ewig fort, denn der Joseph in Ägypten...der hat deinen Schmelz bekommen." Konturen des damals Siebzehnjährigen sind erkennbar in Manns Werk Joseph und seine Brüder" eingeflossen. Der Spiegel-Bestseller Königsallee" (C.H. Beck) gibt mannigfaltige Anstöße, sich tiefer mit der malenden und schreibenden Kunst zu beschäftigen, die Einfluss auf unsere kulturelle Entwicklung hatte und hat. Dem Autor gelang es zudem, in wortgewaltiger Erzählweise ein Bild vom Nachkriegsdeutschland zu zeichnen, wie wir es sonst nur aus Filmen und in Raritätenstadeln erfahren. Eine großartig gelungene Entführung in Historisches, die, nach der Lektüre in einer der Lesungen des Autors nochmals erlebt, eine weitere Steigerung erfahren hat. Danke und Chapeau!
Hans-Peter Grünebach
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am 27. August 2013
Eigentlich ist meine Zeit viel zu kostbar, um mich mit einer derartig plumpen Kritik wie der von "Buchstütze" auseinanderzusetzen. Doch das Eine möchte ich sagen: Wer so schreibt, der hat nichts von Thomas Mann verstanden, und ich stelle sehr in Frage, ob er das eine oder andere Werk dieses Autors überhaupt gelesen hat. Auf die unzutreffenden Äußerungen dieses Kritikers kann man nur mit einem Kopfschütteln oder einem müden Lächeln reagieren: es sind gescheiterte Klimmzugversuche, bei denen die Hände noch nicht einmal den Angriffspunkt finden.- - -

Für mich selbst ist dieses Buch von Hans Pleschinski ein Erlebnis, das in dieser fiktiv erzählenden Weise fast einzigartig ist. Ich habe gewiss schon sehr gute Biografien gelesen; doch in diesem Roman werden die biografischen Fakten meisterhaft mit den Gedanken aller Personen des Geschehens verknüpft, und der Leser wird an jeder Stelle direkt in das Geschehen, in die Dialoge, in die Reflexionen, in den ganzen Strom jener Zeit involviert.

Ja, der Strom jener Zeit: er umströmt alles, vom Anfang bis zum Ende des Buches. Er ist es, der es uns möglich macht, den Geist dieser Jahre, die noch vom Schock des Krieges, aber auch schon von den ersten Hoffnungen des Neuanfangs geprägt waren, zu verstehen. Das biedere und konservative Denken des Staates und seiner Gesellschaft tritt dabei in den Vordergrund, und der Autor hat dies in seinem Werk sehr gekonnt und feinsinnig beschrieben.Immer wieder lässt er Personen der Handlung gegen den Zeitgeist antreten: Beispielsweise Erika, Tochter und Managerin ihres Vaters, schnoddrig und provokativ in ihrer Wortwahl, das "Enfant terrible" in Hosen, welche damals alles andere als zeitgemäß galten. Dann Golo, den Besonnenen, bei dem es mir so vorkam, als versuche er als stiller Beobachter über der Zeit zu stehen und für den Lauf der augenblicklichen Dinge eine Erklärung zu finden. Vor allem aber sind es der durchaus konservative Schriftsteller Thomas Mann und sein Freund Klaus Heuser, die Pleschinski mit ihren erotischen Gefühlen für einander in Polarität zur kleinbürgerlichen und keuschen Gesellschaft jener Fünfziger Jahre treten lässt; nicht zuletzt auch Katia, Thomas Manns Frau, die ihre Gefühle in der Öffentlichkeit stets in Grenzen hält.

Thomas Mann im Sommer 1954 in der vom Krieg noch teilweise zerstörten Stadt Düsseldorf! Am Breidenbacher Hof und bei der Dichterlesung, auf die der ganze Roman zusteuert, präsentiert uns der Autor eine breit gefächerte Gesellschaft vom Nobelpreisträger und seiner Familie über den Germanisten Ernst Bertram, der seine braune Vergangenheit noch immer nicht so recht abgelegt hat,über Heusers indonesischen Freund Anwar, der aufgrund seiner mangelnden Deutschkenntnisse schon fast karikative Züge annimmt , über die Stadtprominenz und die aus Lübeck angereiste zwergenhafte Journalistin Gudrun Kückebein bis hin zum Hotelpersonal: die Zeitungsfrau, den Friseur, den Portier und zuletzt nicht auch den Liftboy Armand, dessen Sprache und Gebärden immer wieder zu Rückschlüssen auf Felix Krull verleiten.

Das Sahnehäubchen dieses literarischen Werkes sind für mich die Dialoge Thomas Manns, die vom Autor verbal und syntaktisch so gekonnt ausgewählt sind, dass man unverzüglich den Eindruck erhält, als habe man gerade eben den Meister selbstredend gehört.

Natürlich ist es für Leser wie mich, die in jene Zeit hineingeboren wurden und sich an viele Eigenheiten und Animositäten jener Jahre erinnern, etwas Besonderes, diese Eindrücke noch einmal mitzuerleben. Doch ich bin überzeugt: auch für die anderen Leser ist dieses Buch eine Bereicherung an Wissen über die Zeit und die Menschen, die in ihr lebten.

Hans Pleschinski hat für seinen Roman "Königsallee" sicherlich in mühsamer und akribischer Kleinarbeit Material zusammengetragen und durch seine Fiktion die deutsche Belletristik um einen großen Wert reicher gemacht - ein durchaus nicht leichtes Unterfangen, das für den Autor zugleich eine Herausforderung war, der er sich gerne stellte und die er meisterhaft brillierte.

Ein sehr empfehlenswertes Werk!
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(Hörbuchfassung)

Fast 80-jährig mietet sich Thomas Mann gemeinsam mit seiner Frau Katia und seiner Tochter Erika im besten Hotel am Platz im Jahr 1954 in Düsseldorf ein. Er wurde eingeladen, um aus seinem letzten Roman zu lesen. Per Zufall gastiert im gleich Hotel der Mitvierziger Klaus Heuser mit seinem fernöstlichen Liebhaber, der eigentlich vor allem seine Eltern besuchen wollte. Der verehrte Nobelpreisträger hat ebendiesen Klaus als 18jährigen auf Sylt kennen gelernt und sich damals offensichtlich unsterblich verliebt. Tochter Erika versucht nun eine erneute Begegnung mit vollem Einsatz zu vermeiden. Bruder Golo stattdessen sieht für sich im erneuten Zusammentreffen eine Chance, endlich literarische Anerkennung beim strengen Vater zu erlangen. Und auch Ernst Bertram sucht Klaus Heuser auf, um sich mit seiner Unterstützung mit dem großen Dichter zu versöhnen. Klaus sträubt sich gegen diese Art der Funktionalisierung, kann sich ihrer aber nicht gänzlich entziehen.....

Mir machen einen Zeitsprung in das Nachkriegsdeutschland der 50iger Jahre, in dem das „Wirtschaftswunder“ bereits in vollem Gange ist, aber viele Gebäude noch in Trümmern liegen. Es ist nicht der erste Besuch des emigrierten Mann, erstmals weilte er bereits wieder 1949 zum 200. Geburtstag Goethes in seiner alten Heimat. So setzt sich der Roman ein Stück weit mit dem Umgang der Vergangenheitsbewältigung in der jungen Bundesrepublik auseinander, fokussiert aber hauptsächlich auf die homoerotischen Facetten in und um die Familie Mann. In der fiktiven Handlung kommt es zu einem Wiedersehen mit Klaus Heuser, was so historisch nicht belegt ist.

Das ist nun aus meiner Sicht einerseits ein löbliches und interessantes Unterfangen, andererseits in der Umsetzung nicht ganz zufriedenstellend gelungen. Viele Begegnungen und 'Zufälle' im Verlauf wirken doch überaus konstruiert. In manchen Passagen driftet die Handlung hinzu auch recht schön ab und verliert sich zeitweilig in müßigen Monologen. So blieb beim Hören des Buches der Eindruck, dass man daraus durchaus eine rundere Sache hätte machen können.

Es handelt sich um eine gekürzte Lesung auf 6 CDs mit ca. 8 Stunden. Vorgetragen wird von Joachim Schönfeld ohne größere besonders zu erwähnende Eigenheiten.

Fazit: 6/10
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