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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neuen Objekten auf der Spur
„Den Dingen wohnt ein Leben inne“, so könnte man MacGregors Herangehensweise an historische Objekte bezeichnen. Ein Leben, das MacGregor jeweils in seinen historischen Bezügen und in seiner Bedeutung dann auch für das Leben der Gegenwart durchaus fundiert und gut lesbar herausarbeitet.

Das hat er mit dem Vorgängerbuch unter...
Vor 14 Monaten von M. Lehmann-Pape veröffentlicht

versus
11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Museale Sammlung von Schätzen der Tudor-Zeit
Die deutsche Version „Shakespeares ruhelose Welt“ verkürzt den Originaltitel „Shakespeare‘s restless world“ um dessen Untertitel „An Unexpected History in Twenty Objects“. Hierin liegt eine gewisse Unaufrichtigkeit des Buches. Der deutsche Titel gaukelt damit dem Unwissenden vor, man würde sein Wissen über den wohl...
Vor 11 Monaten von Bastian Conrad veröffentlicht


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Neuen Objekten auf der Spur, 16. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
„Den Dingen wohnt ein Leben inne“, so könnte man MacGregors Herangehensweise an historische Objekte bezeichnen. Ein Leben, das MacGregor jeweils in seinen historischen Bezügen und in seiner Bedeutung dann auch für das Leben der Gegenwart durchaus fundiert und gut lesbar herausarbeitet.

Das hat er mit dem Vorgängerbuch unter Beweis gestellt, dem geht er in seinem neuen Werk in ähnlicher Weise nach, das als Fortsetzung oder besser Variation seiner „Geschichte der Welt in 100 Objekten“ zu verstehen ist
„Vom Charisma der Dinge bewegt, unternimmt dieses Buch zwanzig Reisen in eine vergangene Welt“.

Reisen, die zumindest je einen konkreten Anhaltspunkt in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellen (wenn auch nicht immer nur materielle Objekte zum Zuge kommen, wie man an „Verrat und Verschwörung“ oder auch an der Verarbeitung der Pest sieht). Zudem geht MacGregor anhand der Stücke Shakespeares der Bedeutung (und des Charismas) des jeweiligen Objektes nach.

Ein kleines „Hintenherum“ allerdings ist schon zu konstatieren. Der glänzende Name Shakespeare wird doch letztlich auch als (werbewirksamer) Aufhänger genutzt. Wie MacGregor selbst betont: „Shakespeares innere Welt bleibt, so bitter das ist, im Dunkeln“. Die Lebenswelt, die Alltäglichkeiten, die Erfahrungen des Publikums zu Zeiten Shakespeares sind es, die MacGregor im Eigentlichen betrachtet und aus denen er wiederum Rückschlüsse auf das Theater und die (möglichen) Einflüsse auf Shakespeare selbst zeigt.

Was also war die Welt der Menschen zu Shakespeares Zeiten in England, für die er geschrieben hat? Das ist die Leitfrage MacGregors.

Eine Welt, die z.B. durchaus für „Werbung“ empfänglich war („... dass wir zu denen werden können, die wir sein wollen, wenn wir nur die richtigen Dinge besitzen).

Sei es damals eine wertvolle Gabel, die verloren ging und die MacGregor betrachtet, sei es in der heutigen Zeit anderes an Objekten, aber mit der gleichen Grundhaltung. Das ist, was MacGregor immer wieder mit aufzeigt. Wie sich die Haltungen der Menschen ähneln, auch wenn Jahrhunderte dazwischen liegen und wie sich die konkreten inneren Befindlichkeiten historisch an konkreten Objekten Bahn brachen. Und hier fasziniert MacGregor weiterhin mit seiner Gabe, umfassend und auslotend einem Objekt in allen Facetten nachzugehen. Auch mit vielen Zitaten aus Shakespeares Stücken, in welchen MacGregor die Verbindungen zu den Objekten herstellt und aufzeigt, wie gesellschaftliche Strömungen sich im Werk des Dichters niederschlagen

Das müssen, im Übrigen, wie erwähnt, nicht nur materielle Objekte sein. In seinem Kapitel über die „Verschwörung“ geht MacGregor der Rezeption der Verschwörungsangst jener Tage in Shakespeares Stücken nach. Die „Zeitströmung“ des Verrates findet sich an vielen Orten in den Stücken, wie MacGregor vor Augen führt.
„Als Fakt und Furcht lebt der Verrat auch in seinen Stücken“. Verschwörungen, für die MacGregor einige wichtige historische Beispiele jener Zeit ausführlich aufführt.

Anders und sehr materiell dann wieder an anderer Stelle, an der „Ein Kelchglas aus Venedig“ MacGregor dazu dient, historische Sehnsuchtsorte (Venedig) mit modernen Sehnsuchtsorten (New York und „Sex in the City) zusammenzubringen und aus der Geschichte heraus wiederum eine menschliche Grundhaltung anhand eines konkreten Objektes zu erläutern, nicht ohne zu versäumen, wie solche Sehnsuchtsorte vom Dichter mit verarbeitet wurden.

Das universale Wesen der Menschen und die konkret Ausformung dieses Wesens in jeder Epoche bindet MacGregor an historische Objekte und feste Vorstellungen von Zeitströmungen, zeigt die Rezeption dieser in Shakespeares Stücken auf und verschafft so einen profunden und lebendigen Einblick in die Alltagswelt vergangener Zeiten mit Impulsen bis in die Gegenwart hinein. Auch wenn der Bezug zu Shakespeare durchaus ein wenig gewollt erscheint und hier und da (wie bei „Othello“ in Bezug auf die Globalisierung) doch stark von MacGregor in seine Richtung interpretiert wird.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Museale Sammlung von Schätzen der Tudor-Zeit, 30. Dezember 2013
Von 
Bastian Conrad (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
Die deutsche Version „Shakespeares ruhelose Welt“ verkürzt den Originaltitel „Shakespeare‘s restless world“ um dessen Untertitel „An Unexpected History in Twenty Objects“. Hierin liegt eine gewisse Unaufrichtigkeit des Buches. Der deutsche Titel gaukelt damit dem Unwissenden vor, man würde sein Wissen über den wohl grössten Dichter und Dramatiker William Shakespeare im Spannungsfeld seiner Zeit erweitern. Aber das ist nicht der Fall. Über Wissen und den gegenwärtigen Forschungsstand der "ruhelosen Innenwelt" der Person Shakespeare's erfährt man so gut wie nichts neues. Der Name Shakespeare wurde de facto nur wirkungsvoll „verkaufsfördernd “ (anlässlich des kommenden 450 jährigen Jubiläums im April 2014) als Aufhänger des Buches zweckentfremdet. Der Autor ist nicht Shakespeare auf der Spur! Von ihm scheint er nicht wesentlich mehr zu verstehen als ein gebildeter Engländer. Er erfreut sich an einzelnen interessanten „leblosen“ musealen Objekten der Shakespeare Zeit, die im Britischen Museum, dessen Direktor der Autor ist, aufbewahrt sind.(z.B. Hintergründe von Münzen, Seekarten, Schiffahrt, Venedig, Astronomie, Reisen, Verschwörungen, neuer Wissenschaft, Magie, Theater usw.) die er spannend zum Sprechen bringt. Die Welt der Menschen der Tudor-Zeit und das kulturelle Umfeld in England, für das Shakespeare geschrieben hat, ist kenntnisreich beschrieben , die Verbindungen zu Inhalten der Werke Shakespeares immerhin so faszinierend, dass man sich fragt, wie diese Dichterperson, die das Umfeld zwischen London und Stratford nie verlassen haben soll, in seinen Werken zu solch einem universalen Weltwissen gelangt sein könnte.
Das Buch basiert auf eine Serie von fünfzehnminütigen Sendungen, die von der britischen Rundfunkanstalt BBC abrufbar sind. ([...]).
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Rundgang durch ein Museum, 23. Februar 2014
Von 
dreamjastie (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch zu lesen ist wie ein Rundgang durch ein Museum – durch das Museum Neil McGregors. Mehr noch: man ist verabredet zu einer persönlichen Führung. McGregor, im Hauptberuf Direktors des British Museum, wählt für zwanzig Kapitel jeweils einen konkreten Gegenstand (nicht nur aus seinem eigenen Bestand), präsentiert ihn und erzählt, daraus entwickelnd, eine lebendige Geschichte zu ganz unterschiedlichen Aspekten des Lebens um 1580. Zur Führung finden sich hier und dort immer wieder Spezialisten ein, die zu einem konkreten Thema noch ein paar weitere Details beizusteuern haben.
Das in etwa ist das Konzept des Buches „Shakespeares ruhelose Welt“. Dem Autor gelingt ein Sachbuch voll intellektuellem Spaß, flüssig zu lesen, ohne belanglos zu sein; lebendig, plastisch, kurzweilig, spannend und doch sorgfältig recherchiert; kurz: ein spielerischer Umgang mit Geschichtswissen, wie er wohl fast nur in der englischsprachigen Welt gelingt. Der Leser hat nicht das Gefühl, belehrt zu werden, wie das so oft bei deutschen Sachbüchern der Fall ist.
McGregor blickt mit dem Leser in die Alltagswelt der Kleinen und Großen zur Zeit Shakespeares. Möglicherweise verbindet man mit der Elisabethanischen Welt in Deutschland nicht viel, doch sie war in der Tat in vielerlei Hinsicht ruhelos: das Volk lebte in ständiger Kriegsangst, die Welt erweiterte sich durch Entdeckungsfahrten und Expeditionen, England stieg zur Seemacht auf; aber auch Pest, Religionskriege u. v. m. bestimmten die Schicksale aller. Selbst das Theater war in dieser Form neu und hatte dadurch wohl auch mehr Kraft als das Theater heute.
Dem Autor gelingt ein vorurteilsfreier Blick auf die damaligen Sitten, ohne mit heutigen Standards zu vergleichen und damit abzuwerten. Durch seinen persönlichen Blick auf die Menschen verbindet er das große Weltgeschehen mit einzelnen Personen vom Bäckergesellen bis zum Topspion der Königin, z. B. wenn es um den Leidensdruck verfolgter katholischer Priester, Kleiderordnunegn oder „Gaumenfreuden im Theater“ geht.
Doch damit wird nicht nur Shakespeares Welt greifbar. McGregor baut immer wieder Szenen aus Shakespeares Stücken und Sonetten ein und zeigt auf, wie die Zuschauer die Texte einst aufgefasst haben könnten und was es damals z. B. bedeutete, jemandem auf der Bühne die Pest zu wünschen (Mercutio) oder als Puck in viermal zehn Minuten um die Welt zu reisen. Damit ist für den heutigen Leser eine neue Dimension dieser Texte erfahrbar – vielleicht der größte Pluspunkt des Buches!
Die Aufmachung ist vorbildlich: dickes Papier, Fadenbindung, die gute Seitenaufmachung ist auch fürs Auge angenehm. Die zahlreichen Bilder sind gestochen scharf und gut erkennbar. Ich bin geneigt, dem Buch das Prädikat „opulent“ zu erteilen.
Dass Shakespeare in dem Buch nicht die Hauptrolle spielt, wie in einer anderen Rezension kritisch angemerkt, wird übrigens weder durch den Titel noch den Klappentext suggeriert und war auch nicht Anliegen des Autors. Shakespeare bleibt vielmehr der berühmteste Unbekannte der Literaturgeschichte, aber seine ruhelose Zeit wird plastisch erfahrbar und damit auch sein Schattenriss detaillierter. Shakespeares Texte bekommen dadurch neue Kraft und Tiefe und machen Lust, sie wieder einmal zur Hand zu nehmen. Wenn das nichts ist?!

© Steffen Roye
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Buch, 13. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
ist sicher für all jene interessant, die sich etwas mit der Shakespeares Zeit befassen möchten. Für jene, die nach tiefer gehenden Informationen suchen, ist es weniger geeignet. Es behandelt weder den Künstler noch seine Welt in der Tiefe. Dafür ist das Buch ansprechend gestaltet, was mich etwas versöhnt. Leider enthält es einige Schreibfehler, was einfach nicht mehr passieren sollte, schon gar nicht, bei dem geringen Textanteil - für knapp 30 € zu viele.
Vier Sterne und nicht drei vergebe ich wegen seiner Aufmachung.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen William Shakespeare und seine Zeit, 28. Oktober 2013
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Audio CD)
Im kommenden April begeht die literarische Welt den 450. Geburtstag des großen englischen Dramatikers William Shakespeare. Das vorliegende Hörbuch wird daher noch ein paar mehr Liebhaber finden. Der Autor Neil MacGregor (Direktor des Britischen Museums) nimmt in seinem neuen Bestseller „Shakespeares ruhelose Welt“ den Leser mit auf eine Reise in die Welt und Zeit Shakespeares - also in die Jahrhundertwende vom 16. zum 17. Jahrhundert.

Das Buch ist keine Shakespeare-Biografie und keine Interpretation seiner Werke, vielmehr lernen wir die Kultur, Gesellschaft und Politik des Elisabetharischen Zeitalters kennen - und dies anhand von Alltagsgegenständen, Münzen oder Druckwerken der damaligen Zeit. So verrät eine Gedenkmedaille zu Sir Francis Drakes Weltumsegelung viel über die Seefahrt und die Entdeckung von fernen, unbekannten Welten.

Eine unscheinbare Eisengabel, die man bei Ausgrabungen gefunden hat, stellt uns gewissermaßen die Besucher des Rose-Theaters vor. Daneben sind ein Kelchglas aus Venedig, eine Uhr mit Glockenspiel, eine Wollmütze eines Handwerksburschen oder ein Hausiererkoffer die Objekte, die den Einstieg in weitere kultur- und gesellschaftliche Betrachtung bilden, z.B. über Glaubenskämpfe, Pestepidemien oder die Rosenkriege.

Natürlich findet MacGregor für seine Darstellungen immer wieder Berührungspunkte in Shakespeares Leben und Werken. Schließlich fanden die Ereignisse aus allen Winkeln der damals bekannten Erde Eingang in seine Stücke. Es ist gewissermaßen eine gekonnte Verwebung von William Shakespeare mit seiner Zeit. Dabei vermittelt MacGregor sein Wissen, das den neuesten Forschungsstand widerspiegelt, spannend und sehr verständlich.

Im Hörverlag ist nun eine gekürzte Lesung (6 CDs, Gesamtspieldauer 6 h 17 min) des Bestsellers erschienen. Mit den unterschiedlichen Stimmen der Sprecher/innen (Thomas Loibl, Christian Baumann, Eva Goseiejewicz, Laura Maire, Heiko Ruprecht, Friedrich Schloffer, Helmut Stange und Stefan Wilkening) gelingt es, die leblosen Gegenstände zum Sprechen zu bringen. Außerdem sind zahlreiche Dramenauszüge zu hören.

Auch das Digipack ist sehr ansprechend, wobei in dem 28seitigen Booklet auch einige der angesprochenen Gegenstände abgebildet sind. Ein wirklich bemerkenswertes Hörbuch. Das Shakespeare-Jubiläum kann also kommen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Objekte erzählen Geschichten, 16. September 2013
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
Hauptberuflich ist der Autor dieses Buches weder Journalist noch Schriftsteller. Der Verfasser des internationalen Bestsellers „Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten“ studierte laut Vita Französisch, Deutsch, Philosophie, Rechtswissenschaft und Kunstgeschichte und leitet seit 2002 das Britische Museum. Ich erwähne das, weil er mit seinem Bildungsrucksack auch im neusten Buch beeindruckt. Obwohl anzunehmen ist, dass er etliche Recherchen delegieren darf, ist es doch erstaunlich, wie viel Wissen er in seine Publikationen packen kann. Aber das macht er so elegant, dass er seine Leser nicht mit Fakten und Daten erschlägt.

Weit verstreutes Wissen zusammenzutragen und in eine überschaubare Ordnung zu bringen, ist zwar eine Leistung, kann aber den Erfolg seiner Bücher nicht erklären. Seinem Publikum gefällt offenbar der Ansatz von Neil MacGregor, verschiedensten Objekten seine Stimme zu leihen und sie auf die Bühne zu holen. Auch wenn er nicht der Erfinder dieses Konzepts ist, darf er für sich in Anspruch nehmen, es perfektioniert zu haben.

Nachdem die Geschichte der Welt schon erzählt ist, muss er zwangsläufig kleinere Brötchen backen und sich auf Ausschnitte beschränken. In diesem Fall ist es die Welt Shakespeares und der Zuschauer seiner Stücke. „Welche Erinnerungen brachten sie mit, die sie alle prägten, welche Annahmen, welche Missverständnisse?“ Auf diese rhetorische Frage des Autors gibt dieses Buch interessante und oft unerwartete Anworten.

Über die Objekte sagt Neil MacGregor: „Es liegt eine merkwürdige Kraft in Dingen: Sie können, einmal von uns hergestellt, unser Leben verändern. Das ist eine Wahrheit, von der die großen Religionen der Welt wussten und die sie auch stets genutzt haben.“ Und nun nutzt sie Neil MacGregor, um seinen Leser die Welt des 16. Jahrhunderts und Shakespeares näher zu bringen.

Die Vorstellung beginnt mit einer Gedenkmedaille zu Sir Francis Drakes Weltumseglung. Die Reise löste vor 400 Jahren eine ähnliche Revolution aus wie die erste Umkreisung des Mondes durch ein benanntes Raumschiff. Denn beide Ereignisse haben unsere Wahrnehmung der Erde grundlegend verändert. Wie ruhelos die Welt zur Zeit Shakespeares war, wird dem Leser auch durch andere Objekte bewusst, die Neil MacGregor ihnen präsentiert. Und man versteht Hamlet besser, wenn man über die drängenden Fragen Bescheid weiss, die sich Shakespeares Publikum vor und nach dem Theaterbesuch stellte.

Dass früher im Theater gegessen, gesoffen und gejohlt wurde, ist schon lange bekannt. Aber Neil MacGregor stellt solche Beobachtungen immer in größere Zusammenhänge. Und wenn seine ausgewählten Objekte über Königreiche, Ritter und Adlige sprechen ergibt sich ein anderes Bild, wie wir es von Hollywood-Inszenierungen und Kitschromanen her kennen.

Europa war damals im Umbruch. Und vieles ging von den Städten aus, die von Zucht und Krawall geprägt waren. Die neue Wissenschaft stand der alten Magie gegenüber, der Reichtum einer dünnen Oberschicht der Armut des Bauernstandes und leichtere Sitten den traditionellen Gesellschaftsregeln. Und als am 26. März 1603 das lange Gefürchtete eintraf und Königin Elisabeth starb, erreichte die Ruhelosigkeit einer Nation ihren Höhepunkt. Und während es kaum eine Theaterszene von Shakespeare gibt, die nicht das Thema Zeit aufnimmt, wird die Pest ausgeklammert. Doch die Gewalt war so allgegenwärtig, dass sie auch auf der Bühne zur Darstellung kam. So werden in Shakespeares Stücken nicht weniger als 45 Mal Folter und Folterknechte erwähnt.

In Kapitel Zwanzig treten noch Objekt auf, mit denen Neil MacGregor zeigt, wie Shakespeare die Welt erobert. Danach folgt der Anhang mit den Beschreibungen der vorgestellten Objekte, den Anmerkungen, Abbildungsnachweisen und den Registern zu den Personen und Shakespeares Werken.

Mein Fazit: Es spricht nichts dagegen, ein erfolgreiches Konzept auf ein anderes Thema zu übertragen. Auch wenn eine Geschichte der Welt mehr Zuschauer anzieht als die von Shakespeare, wird auch Neil MacGregors neustes Buch sein Publikum finden. Denn Entdeckungsreisen in Form von Geschichten sind in der Regel spannender als in trockenen Fakten verabreichtes Bildungswissen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes zeitbild, 13. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
Der Autor beschreibt überaus kenntnisreich das Elisabethanische Zeitalter und das kulturelle und soziale Umfeld Shakespeares mit vielen, teilweise wenig bekannten Detailfakten.Ich hätte mir nur gewünscht, Neues über den Forschungsstand zur Person Shakespeares zu erfahren.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Museumsexponate treffen Weltliteratur, 1. September 2013
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
"Man schätzt den Staub, ein wenig übergoldet, weit mehr als Gold, ein wenig überstäubt."
(Troilius und Cressida, 2055)

Im Jahre 2012 wurde "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten", die deutsche Ausgabe des englischen Originaltitels "A History of the World in 100 Objects" von der Zeitschrift "bild der wissenschaft" zum "Wissensbuch des Jahres" in der Kategorie "Überraschung" (das originellste Buch) gekürt. Der Jury gehörte kein einziger Historiker, Archäologe oder Vertreter der Geschichtlichen Hilfswissenschaften an. Das Gremium bildeten vielmehr elf Wissenschaftsjournalisten aus Bereichen der Naturwissenschaften und die Presseverantwortlichen verschiedener Medien: Urs Willmann (Die Zeit), Joachim Müller-Jung (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Reto Schneider (Neue Zürcher Zeitung), Jürgen Nakott (National Geographic), Dr. Reinhard Breuer (Spektrum der Wissenschaft), Dr. Uta Altmann (bild der wissenschaft), Dr. Markus Bohn (SWR), Peter Ehmer (WDR), Dr. Joachim Bublath (Wissenschaftspublizist), Dr. Dr. Jens Simon (PTB), Barbara Ritzert (freie Journalistin). Daneben durften die Leser der Zeitschrift "online" abstimmen....

....auch eine lange Reihe von Rezensenten hat das 816seitige, populärwissenschaftliche Werk des Kunsthistoriker und Direktor des British Museum, Robert Neil MacGregor, in den den höchsten Tönen gepriesen und mit 5 Amazonsternen bewertet, was hingegen keineswegs "überraschend" scheint.

Ebenso wenig überraschend ist es auch, dass MacGregor gerne an dieses mediale Echo und den kommerziellen Erfolg mit seinem, nach demselben Muster gestrickten "Shakespeare's Restless World: An Unexpected History in Twenty Objects" anknüpfen möchte. Erstaunlicherweise haben die verantwortlichen des Münchner C.H.Beck Verlages bei der Wahl des deutschen Buchtitels "Shakespeares ruhelose Welt: Eine Geschichte in 20 Objekten: Vom Autor von "Geschichten der Welt in 100 Objekten" auf die Übersetzung und Übernahme des Terminus "unexpected"(= unerwartet, überraschend) verzichtet. Wie der Erfolgsband zuvor, entstand auch "Shakespeares ruhelose Welt" in einer Zusammenarbeit mit Radio 4, einem nationalen Hörfunkprogramm der öffentlich-rechtlichen British Broadcasting Corporation (BBC). Auch das neue Werk des gebürtigen Schotten basiert auf eine Serie von fünfzehnminütigen Sendungen, die von diesem Londoner Radiosender ausgestrahlt wurden.

Zwanzig reich illustrierte Kapitel führen den Leser direkt zu einer ganz bestimmten historischen Person, an einen bestimmten Ort und zur Art des Denkens und Handelns in der Zeit des Dramatikers, Lyrikers und Schauspielers William Shakespeare (vor 1564 – 1616; am 26. April 2014, vom Verlag C.H.Beck als 450. Geburtstag angekündigt, jährt sich lediglich die Taufe Shakespeares!). Als materieller Ausgangspunkt dient jeweils ein Exponat aus dem Britischen Museum oder zahlreichen anderen englischen, walisischen und schottischen Museen, Galerien, Büchereien etc. Flankiert von Dialogen aus verschiedenen Werken Shakespeares, werden hierbei bedeutende historische, politische und kulturelle Aspekte des sogenannten Elisabethanischen Zeitalters, dem Zenit der englischen Renaissance, aber auch im Rückblick auf vorangegangene Jahrhunderte, präsentiert. Der Hundertjährige Krieg gegen Frankreich (1337 - 1453), Francis Drakes Weltumseglung, Loyalität zur Königin und zum Protestantismus und der Eroberung Irlands seien hierfür ebenso exemplarisch genannt, wie der Streit zwischen der englischen Schule der Schwertkampfes und der neuen italienische Schule des Rapierfechtens, Hexenverfolgungen oder die Gabel für Gaumenfreuden bei Shakespeare-Aufführungen im Theater. Ein besonderes Bonbon für alle Heraldiker stellen die in der National Library of Scotland befindlichen Entwürfe einer Fahne dar, die 1603 infolge des "Union of England and Scotland Act" vorgelegt wurden und nichts mit dem späteren "Union Jack" gemeinsam haben. Dem beeindruckenden letzte Kapitel wurde die "Robben Island Bible" vorangestellt, welche tatsächlich als Shakespeares komplette Werke die einzige Lektüre des vom südafrikanischen Apartheidsregime inhaftierten Sonny Venkatrathnam gewesen war. Der ebenfalls inhaftierte Nelson Mandela signierte am 16. Dezember 1977 im Buch beim Drama Julius Cäsar eine Passage über Mut und Tod. Das Kapitel beginnt mit Auszügen der aus der Rede, die der Publizist und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki am 27. Januar 2012 dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus als Zeitzeuge im Deutschen Bundestag gehalten hatte. Mit dem Zitat "Ward je in dieser Laun' ein Weib gefreit?" aus Richard III. zeigte Ranicki, dass er wie viele andere Menschen, bei Shakespeare Worte gefunden hatte, mit denen er seine tiefsten Gefühle ausdrücken konnte. Den Abschluss des Kapitels "Shakespeare erobert die Welt" bildet die vom gerade erst gegründeten Staat Südsudan finanzierte Aufführung von "Cymbeline" in einer dschuba-arabischen Übersetzung.

Ein Anhang mit einer "Liste der Leitobjekte", Bibliographie sowie Anmerkungen, Abbildungsnachweisen und zwei Registern bilden den Abschluss eines Bandes, der Weltliteratur mit Museumsexponaten verbindet und timediver® an seine Besuche des Geburtshauses von William Shakespeare in Stratford-upon-Avon, des British Museum und des wiedererrichteten Globe Theatre in London erinnert.
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5.0 von 5 Sternen Super Buch, 13. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
Kann das Buch nur weiterempfehlen, vorausgesetzt man interessiert sich für das Thema.
Vermittelt einen guten Einblick in die Zeit von Shakespeares
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5.0 von 5 Sternen Einblicke in das Elisabethanische Zeitalter, 24. Januar 2014
Von 
Hamlet - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Shakespeares ruhelose Welt (Gebundene Ausgabe)
Ab 1987 ist Neal MacGregor Direktor der National Gallery in London, einer der bedeutendsten Gemäldegalerien der Welt mit einer herausragenden Sammlung. Im Jahr 2002 übernimmt er den Direktorenposten im Britischen Museum.

Durch die Veröffentlichung seines Buches "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten" bringt er erstmals sehr erfolgreich Exponate dieses Museums einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein. Mit dem nachfolgenden Band "Shakespeares ruhelose Welt" greift er nun einen Zeitraum der englischen Geschichte heraus, der durch die Verknüpfung mit diesem bedeutenden Dramatiker, der im kommenden April seinen 450. Geburtstag feiern wird, zusätzlich im Fokus des Interesses steht. Dennoch gibt es hier ein großes "Aber", denn wer glaubt, Neues über Shakespeare bzw. den aktuellen Stand der Forschung zu erfahren, wird enttäuscht sein.

Stattdessen erfährt der Leser anhand der vorgestellten Gegenstände viele interessante Einzelheiten über das Leben im Elisabethanischen Zeitalter, seien es nun kulturelle, politische oder gesellschaftliche Aspekte, die uns MacGregor nahe bringt. Es ist der Höhepunkt der Renaissance sowie der englischen Literatur, und hier schließt sich der Kreis wieder, denn kaum ein anderer Dichter als Master William wirkt hier als Repräsentant und Chronist dieser Zeit, der die unterschiedlichsten Facetten des gesellschaftlichen Lebens in seinen Stücken verarbeitet.

Zwanzig verschiedene Gegenstände sind es, auf die der Autor sein Augenmerk richtet, und mit deren Hilfe er diese spannungsreiche und unruhige Epoche vor den Augen seiner Leser auferstehen lässt. Zusätzlich gibt es die passenden Fotografien zu den Objekten, die das Geschriebene zusätzlich veranschaulichen. MacGregor stellt zusätzlich, dem Titel geschuldete Bezüge zu Shakespeares Stücken her, in denen er zusätzliche Informationen zum zeitlichen Kontext gibt.

Eine wahre Fundgrube für jeden historisch interessierten Leser und ein wunderschönes Buch, in dem man immer wieder blättern kann. Und durch die verschiedenen Bereiche, die angesprochen werden, fordert es fast schon dazu auf, sich intensiver mit den angesprochenen Themen und den Werken des Dramatikers zu beschäftigen.
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Shakespeares ruhelose Welt
Shakespeares ruhelose Welt von Neil MacGregor (Gebundene Ausgabe - 4. Dezember 2013)
EUR 29,95
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