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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Verschwinden der Kindheit im verschwindenden Land
Sommer 1989, Jens ist 14 und fährt zum letzten Mal ins Ferienlager. Es ist das Jahr 1989 und wir sind in der DDR. Noch, denn mit den Menschen, die dem Land weglaufen, verschwindet auch dieses Land. Und so erzählt Jochen Schmidt nicht nur das Ende einer Kindheit, sondern auch hintergründig und lakonisch das Ende eines Staates.
Schmidt ist ein...
Vor 14 Monaten von icke veröffentlicht

versus
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der letzte Sommer
Es gibt verschiedene Gründe, die mich veranlasst haben, "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt lesen zu wollen. Der Hauptgrund aber war, wie immer bei mir und diesem Thema der Fall ist, mehr über den Alltag in der DDR zu ehrfahren. Die DDR, die ewig in den 80er Jahren in der Erinnerung der Menschheit leben wird. Ein Land, das die 90er nicht überlebt hat,...
Vor 12 Monaten von leeresblatt veröffentlicht


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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Verschwinden der Kindheit im verschwindenden Land, 13. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Sommer 1989, Jens ist 14 und fährt zum letzten Mal ins Ferienlager. Es ist das Jahr 1989 und wir sind in der DDR. Noch, denn mit den Menschen, die dem Land weglaufen, verschwindet auch dieses Land. Und so erzählt Jochen Schmidt nicht nur das Ende einer Kindheit, sondern auch hintergründig und lakonisch das Ende eines Staates.
Schmidt ist ein wunderbarer Erzähler. Man steckt in der Haut seines Helden, sieht die Welt, in der er lebt, durch seine Augen, man lacht mit ihm über die pubertären Witze der anderen Jungen und man guckt mit ihm verstohlen zu den Mädchen hinüber. Vor allem zu dem einen, mit dem man später ein Abenteuer erleben wird...
Wer in der DDR gelebt hat, wird sich an Gerüche und Dinge sehr genau erinnern. Doch man muss nicht aus der DDR kommen, um das eigene Chaos der Pubertät wiederzuerkennen. Diese Gefühle sind universell. "Schneckenmühle" ist ein lustiger, melancholischer, kluger, warmer und abenteuerlicher Roman. Großartig.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, 5. Juni 2013
Von 
bartgesang - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Jochen Schmidt ist ein Erinnerungsungeheuer. Er unternimmt Ausgrabungen wie ein Archäologe. Seine neueste Grabungsstelle heißt "Schneckenmühle". Ans Licht fördert er Gerüche, Geräusche, Geschmäcker, Gefühle, die wir anderen längst vergessen geglaubt haben. Sein Grabungshorizont sind die 1980er Jahre der versunkenen DDR. Er hält die verschiedenen Scherben hoch. Und im Moment, da wir sie sehen, trifft uns die Erinnerung wie ein Schlag.

Ist "Schneckenmühle" ein Roman, wie auf dem schön gestalteten Buchtitel behauptet? Vermutlich ja. Der pubertierende Jens fährt aus Berlin wie jedes Jahr ins Ferienlager ins sächsische Mittelgebirge. Es ist der Sommer 1989. Nach und nach macht sich ein Betreuer nach dem anderen in Richtung Ungarn dünne. Währenddessen laufen für Jens die Dramen des Heranwachsens ab, in denen Peggy eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Gegen Ende des Buches unternehmen die zwei ihren eigenen, privaten Ausbruchsversuch - magischer, fast surreal wirkender Höhepunkt der Geschichte. Und am Schluss folgt die Verschleppung von Jens, fort aus der Kindheit und dem Land, zu dem sie gehörte.

Das Ende der DDR als Vertreibungserfahrung zu erzählen - dass ist sicherlich die subversivste Facette dieses kleinen, schnell durchstöberten, feinen Buches. Eine andere ist die Tatsache, dass Jochen Schmidt auch in der Romanform seinen Wurzeln als Berliner Lesebühnenautor treu bleibt. Es gibt hier neben dem Staunen über und leisen Erschauern vor Schmidts unheimlichem Gedächtnis sehr viel zu lachen. Die Pointen sitzen, der Wortwitz sprüht. Man kann immer wieder spüren, dass hier jemand schreibt, der ein Livepublikum zu unterhalten versteht. Allerdings liegt darin auch eine Gefahr, die Schmidt noch nicht ganz gebändigt hat - das Liebäugeln mit dem schnellen Gag. Das ist im Moment des Lesens sehr oft ein großes Vergnügen. Aber zwei Seiten weiter fällt es einem manchmal schwer, sich noch an den Grund erinnern zu können. Dass der Erzählungsfaden des Buches darüber hinaus ein sehr dünner ist, der sich immer wieder im frei schwingenden Erinnerungsgeflecht von Jens aufzulösen scheint, in Zeit- und Ortsprüngen und den zahllosen Windungen seiner Gedanken und Gefühle, macht die Struktur des Buches noch doppelbödiger. Nicht jedem Leser wird das behagen.

Ich mag "Schneckenmühle" trotzdem. Oder vielleicht ja auch genau deswegen. Jochen Schmidt wird mal unser Proust. Merkt Euch meine Worte. Noch Eierschecke?
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der letzte Sommer, 29. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Es gibt verschiedene Gründe, die mich veranlasst haben, "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt lesen zu wollen. Der Hauptgrund aber war, wie immer bei mir und diesem Thema der Fall ist, mehr über den Alltag in der DDR zu ehrfahren. Die DDR, die ewig in den 80er Jahren in der Erinnerung der Menschheit leben wird. Ein Land, das die 90er nicht überlebt hat, genau genommen, ein Land, das die 90er geprägt hat wie kein anderes, gerade deswegen, weil es aufgehört hat zu existieren.

1989, das letzte Jahr der DDR. Jens ahnt nicht, dass er im Begriff ist, seinen letzten sozialistischen Sommer zu erleben.
Jens mit seinen 14 Jahren ist ein naiver liebenswerter Junge, der wenig Ahnung zu haben scheint, was die Welt bewegt, und an dem die Veränderungen in seinem Land, die später für eine neue Weltordnung sorgen werden, vorbeigehen. Aber das ist eigentlich egal. Jens verbringt seine Ferien in "Schneckenmühle", dem sächsischen Ferienlager, wo man als 14- Jähriger richtigen Spaß hat.

Der Genuss, den ich mir bei der Lektüre von "Schneckenmühle" versprochen hatte, blieb leider aus. Ich wurde mit, für meinen persönlichen Geschmack, undurchschaubaren Handlungen und mit Szenen, die ohne für mich erkennbaren Zusammenhang aneinandergereiht wurden, konfrontiert. Das hatte als Konsequenz, dass ich mich sehr anstrengen musste, um am Ball zu bleiben. Immer wieder ließ meine Konzentration nach und ich musste manche Textpassagen mehrmals lesen. Das hat mir den Lesespaß getrübt.
Unabhängig vom Thema des Buches fand ich manche Dialoge zwischen den Jugendlichen sehr lustig. Auch bestimmte Ereignisse haben meine Aufmerksamkeit erregt, aber leider dauerte meine Freude nur ein paar Seiten lang. Zu schnell und zu abrupt wurde dieser Freude ein Ende gesetzt und ich fühlte mich wie in der Luft hängend.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es Leser gibt, denen es Vergnügen bereitet, zwischen den Zeilen zu lesen, auf der Suche nach der Bedeutung der Worte eines Autors, so wie bei einer Art Rätsel. Für sie wird "Schneckenmühle" das Richtige sein.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Ich hatte das Gefühl, dass meine Eltern gar nicht wussten, wer ich war...", 14. August 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Der neue Roman des 1970 in Berlin geborenen Jochen Schmidt, der dort heute noch lebt, spielt im Sommer 1989. Die DDR liegt in den letzten Zügen, und dennoch glaubt keiner, weder im Westen noch im Osten, ernsthaft daran, dass sich am Status Quo in den nächsten Jahren irgendetwas ändern wird. Immer wieder ist von vor allem jungen Menschen zu hören, die über Ungarn in den Westen „rüber machen“, aber das Leben in der DDR geht weiter wie in all den Jahren und Sommern zuvor.

Das gilt auch für den Ich-Erzähler des Romans „Schneckenmühle“, den 14-jährigen Jens, der zum letzten Mal an einem Sommerlager in Sachsen teilnehmen darf. Mehrfach war der Sohn überzeugter Christen, der von Kind auf gelernt hat, sich eine besondere innere Unabhängigkeit zum System zu bewahren, schon in der Vergangenheit Teilnehmer des Ferienlagers „Schneckenmühle“, doch in diesem Jahr scheint alles anders. Das liegt nicht nur daran, dass er wegen der Altersgrenze im nächsten Jahr nicht mehr teilnehmen darf. Durch das ganze Buch zieht sich, von Jochen Schmidt sensibel arrangiert, eine Art Endzeitstimmung, eine Atmosphäre, in der sich das, was bald bevorstehen wird, aber noch keiner für wirklich möglich hält, sich langsam auflädt.

Eine Aufsichtsperson des Lagers nach der anderen verschwindet während des mehrere Wochen dauernden Aufenthaltes, und nicht nur für Jens, sondern auch für seine Freunde ist klar: die sind rüber gemacht. Mit viel Wärme, aber mit einer großen Portion Komik und Witz erzählt Jochen Schmidt von den sich anbahnenden Veränderungen auch im Leben von Jens. Denn, mitten in der Pubertät, begegnet er in diesem Sommer einem ganz besonderen Mädchen. Peggy heißt sie, und mit ihr kann er sich zum ersten Mal vorstellen, wirklich zu tanzen.

Als seine Eltern ihn am Ende des Buches abholen (es bleibt im Ungefähren warum – wollen auch sie über Ungarn in den Westen oder wollen sie sich scheiden lassen?) da notiert Jens:
„Ich hatte das Gefühl, dass meine Eltern gar nicht wussten, wer ich war, weil sie die letzten Wochen nicht miterlebt hatten. Es hatte gar keinen Sinn, ihnen davon zu erzählen, weil es nicht möglich war, alles genau so zu beschreiben, wie es gewesen war.“

Doch für den Leser, der die stellenweise anrührenden Berichte von Jens aus dem Ferienlager „Schneckenmühle“ gelesen hat, hat sich im Verlauf der leichten und unterhaltsamen Lektüre ein interessantes Bild ergeben eines Jungen an der Schwelle zum Erwachsenen, für den nach diesem Sommer nichts mehr so sein wird wie vorher, nicht nur wegen der politischen Umbrüche.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Super Buch, 11. Juni 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Also ich habe jede Seite genossen und selten so gelacht. Mein Buch des Sommers. Einziges Manko: Man ist so schnell damit fertig. Aber der Sommer wird ja auch kurz.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ferienlager 1989, 7. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Jens ist 14, als er 1989 ins Ferienlager Schneckmühle fährt. Mit 14 macht er sich Gedanken über die Mädchen, die Liebe und die Zeit in der Armee. Er ist Christ, hat Westkontakte und sieht die DDR und seine persönliche Umgebung kritischer als manch ein anderer in seinem Alter. Doch von den beginnenden Umwälzungen bekommt er wenig mit.
Auch wenn der Roman teils sehr sprunghafte Formen hat, dies verstärkt den Charakter, dass es sich hier um die Gedankenwelt eines 14jährigen handelt. Wenn man sich eingelesen hat, kommt man damit ganz gut zurecht. Viele witzige Begebenheiten und Anekdoten bringen einem zum Schmunzeln, bei manchen schüttelt man den Kopf. Nach fast 25 Jahren der Wiedervereinigung zeigt es aber noch einmal deutlich, wie sich das Leben 1989 in der DDR abspielte. Gerade für die Generation, die danach aufwuchs ein anschauliches Leseerlebnis. Der Titel und das Cover hatten mich nicht so angesprochen, aber das Buch kann ich nur empfehlen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Ende einer Kindheit und eines Staates, 3. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Der 14jährige Jens aus Berlin fährt in den Sommerferien in das Ferienlager Schneckenmühle in Sachsen. Allerdings darf der Leser keinen Roman über die ausgelassenen Urlaubsunternehmungen einer Jugendgruppe erwarten. Sicherlich werden auch Wanderungen, Ausflüge, sportliche Aktivitäten, Diskobesuche und erste Annäherungen an Mädchen geschildert. Das Besondere aber ist die Zeit, in der der Roman spielt.

Es ist der Sommer 1989. Aufgrund von Altersbeschränkungen darf Jens zum letzten Mal ins Ferienlager, was für ihn das Ende seiner Kindheit bedeutet. Parallel dazu wird das Ende des Staates DDR eingeläutet, dem Staat, dem Jens als so ziemlich einziger in Schneckenmühle durchaus kritisch gegenübersteht und deshalb sogar als „total verhetzt“ (S. 112) gilt („Ich wolle auf keinen Fall ‚normal‘ sein“ – S. 121; „Wir haben nicht das Gefühl, mit diesen Dingen etwas zu tun zu haben oder irgendwann damit konfrontiert zu werden, hier für Besserung zu sorgen“. – S. 136). Jens persönliche Einstellung gründet wohl in der Erziehung seiner Eltern, die christlich eingestellt und nicht angepasst an das staatliche System sind. Trotzdem will Jens im Grunde, dass sein Leben weiterläuft wie bisher („Stell dir mal vor, es ist nichts mehr da, wenn wir nach Hause kommen, daß unsere Heimat nicht mehr existiert“ – S. 207; „Gott sei Dank ist der Spuk vorbei, alles ist wieder wie immer. In vier Jahren kommen wir alle als Leiter, und wenn wir Kinder haben, werden die in unseren Bungalows in unseren Betten schlafen und alles erleben, was wir auch erlebt haben.“ – S. 217). Fehlende oder unzureichende materielle Dinge (wie schlecht haftendes Klebeband, Walkman, Schallplatten, Cassetten, Ketchup) kompensiert er durch Hamstereinkäufe in Intershops o.ä., wann immer er dazu Gelegenheit hat.

Weil Jens die Umwälzungen viel zu schnell gehen, nimmt er sie zunächst gar nicht bewusst wahr. Über das plötzliche Verschwinden des Gruppenleiters stellt er nur Vermutungen an (Flucht in den Westen?). Vom verrauscht übertragenen Beitrag im Westfernsehen über Urlauber, die über den Zaun eines Campingplatzes klettern, fühlt er sich nicht tangiert. Den auf der Toilette gefundenen, nur in Bruchstücken vorliegenden Zeitungsausschnitt, in dem die DDR dementiert, die Reisen ihrer Bürger nach Ungarn und andere Ostblockländer einschränken zu wollen, kann er ohnehin nicht im Zusammenhang lesen. Selbst als ihn seine Eltern vorzeitig unter Verschweigen ihres Vorhabens aus dem Ferienlager abholen, um mit ihm nach Ungarn und von dort weiter in den Westen zu fahren, begreift Jens noch nicht, dass auch er jetzt direkt von den Umwälzungen betroffen ist. „Sie wollen (ihm) später etwas Wichtiges erklären, wenn (sie) eine Rast machen“ – S. 220.

Einziger konstanter Faktor ist letztlich allein das nicht fiktive sächsische Ferienlager Schneckendorf, das es noch heute gibt.

Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive von Jens. Der Erzählstil wirkt manchmal etwas sprunghaft, werden doch viele einzelne vergangene und gegenwärtige Ereignisse aneinandergereiht. Das passt jedoch gut zur oft ja auch sprunghaften Gedankenwelt eines Jugendlichen sowie auch zu den sich überschlagenden Ereignissen in der DDR im Sommer/Herbst 1989.

Das Cover passt hervorragend zum Buch, sollen doch langhaarige Jugendliche in der DDR als suspekt gegolten haben, so wie es ja auch keine Drogenabhängigen, keine Pornographie und Schönheitswettbewerbe gab (S.211). Die leicht raue Qualität des Papiers des Schutzumschlages erinnert an die Papierqualität in der DDR (Jens Vater war immer auf der Suche nach Büchern aus gutem Papier).

Wer in der DDR aufgewachsen ist, wird sich an vieles (gerne? wehmütig?) erinnern (z.B. dass Schnittblumen selten waren und Westverwandte Pakete schickten). Allen anderen gibt das Buch einen guten Einblick in das Leben der DDR. Ein Roman, der jugendlichen und erwachsenen Interessenten an der jüngeren deutschen Gegenwartsgeschichte nur ans Herz gelegt werden kann.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufbruch, 3. März 2013
Von 
Kalamaria - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Sommer 1989: Jens, ein Berliner Junge im Teenageralter aus dem Osten der Stadt fährt, wie auch in den Jahren davor, ins Jugendlager Schneckenmühle. Und zwar mit gemischten Gefühlen: einerseits freut er sich, viele Freunde wiederzutreffen, andererseits hadert er mit dem Ungewissen. Wie wird es dort dieses Jahr, das zudem sein Letztes ist? Außerdem ist er kein Durchschnittsbürger: er hat durch Verwandtschaft viel Westkontakt und ist zudem "kirchlich" - seine Eltern sind also Christen. Das unterscheidet ihn in einigem von anderen, verleiht ihm eine teilweise distanziertere, teilweise aber auch naivere Sichtweise.

Dieses Buch thematisiert den Aufbruch und zwar in unterschiedlicher Hinsicht: aus Jens' ganz eigener Perspektive den ins Erwachsenenleben, aus der Sicht seiner Familie den in ein neues, anderes Leben im Westen, aus politischer Sicht den Aufbruch in eine andere Zeit mit neuen Strukturen, neuen Grenzen. Das alles ist, da aus Jens' Sicht dargestellt, unglaublich subtil geschildert - auch wenn es der Blickwinkel eines ganz normalen, frechen Jugendlichen ist, wirkt es sehr zart, sehr empfindsam.

Ein Buch für Erwachsene? Schwer zu sagen. Ein Jugendbuch? Ganz bestimmt nicht! Was ist es denn und für wen ist es gedacht? Nun, in erster Linie ein toll geschriebener Roman, deutsche Gegenwartsliteratur zum Genießen. Aber auch eine Dokumentation einer ganz wichtigen, ja der wichtigsten Veränderung in Deutschland in den letzten 50 Jahren. Also etwas für jeden, der sich für das Thema "Wende" und "Wiedervereinigung" interessiert und nicht nur reine Fakten, sondern auch Stimmungen erfassen will. Das nämlich ist durch dieses Buch möglich: eine besondere Gabe des Autors und ein Geschenk für die Leser - jedenfalls für diejenigen, die einen Sinn für so etwas haben.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen 'Wegen seiner Sprache bleibt der Sachse Außenseiter.', 7. März 2013
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Der 14-jährige Jens fährt zum letzten Mal ins Ferienlager Schneckenmühle, wo er den Sommer mit anderen Jungs und Mädchen verbringt, Skat und Tischtennis spielt und sich Gedanken über Gott und die Welt macht.

'Schneckenmühle' erzählt vom Leben in der DDR, von den Abenteuern im Ferienlager, von ersten Begegnungen mit dem anderen Geschlecht, vom Erwachsenwerden und von der beginnenden Auflösung der DDR.

Mein Eindruck:
Ich bin selbst in Ostdeutschland aufgewachsen und habe den Fall der Mauer sehr bewusst miterlebt. Ich hatte mir vom 'Schneckenmühle' erhofft, dass meine Erinnerungen an meine Kindheit aufgefrischt werden, dass ich auf längst vergessene Details über das Leben in der DDR stoße und dass ich ein wenig nostalgisch werden kann. Zwar bin ich hier auf viel Bekanntes gestoßen, doch dennoch ist der Funke bei mir nicht übergesprungen.

Der Erzählstil ist extrem abgehackt, und fast fühlt man sich an die assoziativ gelockerte Sprache im Rahmen einer Psychose erinnert - Jens kommt wirklich vom Hundertsten ins Tausendste, was zum Teil auch zu der Sprache von Jugendlichen passt, meiner Meinung nach aber übertrieben wurde.

Zudem habe ich einen roten Faden vermisst, das Buch hat kein Interesse bei mir geweckt, ich wurde nicht neugierig auf den weiteren Verlauf.

Somit war 'Schneckenmühle' für mich teilweise amüsant, aber nur sehr kurzlebig und im Endeffekt kein Buch, das mir in Erinnerung bleiben wird und das ich empfehlen würde.

Mein Resümee:
Einige witzige Momente, viele Details aus dem Leben in der DDR, aber meiner Meinung nach trotzdem keine spannende Geschichte. Schade!
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Sprünge durch Zeit und Raum oder der letzte Sommer, 2. April 2013
Von 
Sarah F. - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schneckenmühle: Langsame Runde (Gebundene Ausgabe)
Sommer 1989 in der DDR. Jens ist 14 Jahre alt und darf dieses Jahr zum letzten Mal ins sächsische Betriebsferienlager Schneckenmühle fahren. Skat spielen, Fußball, Wanderungen, Hörnchen in Tschechien und die Abschiedsdisko am letzten Tag. Davor hat Jens noch mehr Angst als vor den anderen Dingen, denn sonst war er immer derjenige, welcher gehänselt wurde. Nun gehört er zu den Ältesten und trotzdem ist seine Angst nicht geringer geworden. Trotzdem hat er großen Spaß im Ferienlager und freut sich schon etwas auf die neue Schule, spätere Reisen mit seinem Bruder, Mädchengeschichten und vieles mehr. Zu Hause wartet sein Computer, den er von Verwandten aus Westdeutschland bekommen hat und auch den neuen Tretmülleimer, der zu Hause angeschafft wurde, muss untersucht werden. Obwohl er schon sehr reif für sein Alter ist, hat er auf seine Art und Weise Spaß, wie andere in seinem Alter. Alles ändert sich als Jens nach einem Ausflug krank wird und auf der Krankenstation herumliegen muss. Peggy, die von allen gehänselt und gemobbt wird, will abhauen und weiht ihn ein, dass sie sich versteckt. Sie braucht jedoch wegen der Lebensmittel seine Hilfe. Kurze Zeit später ist sie verschwunden. Die Polizei sucht nach ihr und damit kommen ganz andere Fragen zur Sprache, wie Republikflucht und ähnliches.

'''Sarahs Meinung'''
Keine 20km von uns entfernt war damals die Grenze. Oft bin ich mit meinem Vater dort gewesen. Einfach weil man dort in der Nähe Schiffe beobachten konnte, Kuchen essen und ähnliches. Nachdem die Grenze geöffnet wurde, waren wir regelmäßig bei Verwandten von meinem Vater. Damals war ich sieben und kannte die DDR nur aus Geschichten von meiner Mutter, die damals noch rechtzeitig in den Westen zu ihrer Mutter gegangen ist. Inzwischen ist das Thema DDR zwar nicht vergessen, aber kaum ein Jugendlicher kann sich daran noch erinnern. Aus diesem Grund finde ich es schön, die damalige Zeit noch einmal mit einem Jugendbuch festzuhalten – für beide Seiten.

Bevor ich jedoch in den „Genuss“ des Buches kam, hat meine Nichte das Buch zuerst gelesen. Mit rund 13 Jahren also genau die Zielgruppe, die der Autor erreichen möchte. Sie gab mir das Buch zwei Tage später wieder, schüttelte den Kopf und meinte nur, dass dieses Buch alles andere als schön sei. Es fehle dem Buch ein gewisser roter Faden und die versprochene Unterhaltung.

Neugierig von ihren Worten habe ich mich ans Lesen gemacht, und kann ihr leider nur zustimmen. Beste Unterhaltung, wie sie im Klappentext angekündigt wurde, ist in meinen Augen etwas anderes. Es begann schon mit dem Kennenlernen von Jens. In meinen Augen wird er blass und farblos beschrieben. Irgendwann auf Seite 50 kam bei mir plötzlich der Moment, dass ich mich fragte, wie hieß die Hauptfigur, die mir die Geschichte erzählt, eigentlich noch einmal. Auch wenn ich ein sehr schlechtes Namensgedächtnis habe, hatte ich nie Probleme mir einen einzelnen Vornamen zu merken. Sowohl äußerlich, als auch vom Charakter her konnte ich mir Jens nie wirklich vorstellen, und das war ein großes Problem. Er wirkte schwach, ängstlich, aber das war es auch schon. Hinzu kommt, dass die Situation der DDR für viele Leser gar nicht mehr präsent ist. Ein paar einleitende Worte oder eine bessere Einführung hätten dem Buch nicht geschadet. Ich bin damit groß geworden und kann mich an Kleinigkeiten erinnern, sodass für mich das nicht so schwierig war. Für die heutige Jugend stelle ich es mir jedoch deutlich schwerer vor, zumal sogar meine Nichte viele einige Fragen hatte, die erst einmal von Oma und Mutter geklärt werden mussten.

Das Hauptproblem sind jedoch die Sprünge. Einige mögen dies als sprunghafte Gedankengänge eines Jugendlichen bezeichnen. In meinen Augen ist es jedoch einfach nur schwer die Sprünge zu erkennen. So befindet man sich zum Beispiel gerade bei der Ankunft im Ferienlager und plötzlich wird über die Schulzeit, wie zum Beispiel einen Trompeter berichtet. Bei einigen Sprüngen kann man den Gedankensprung sicherlich greifen und nachvollziehen. Die Mehrheit der Sprünge sind jedoch so unklar, dass man sich plötzlich fragt, ob man noch im Ferienlager ist, oder sich wieder an einem ganz anderen Ort befindet. Dadurch ist ein flüssiges Lesen nicht gerade gewährleistet. Einfach weil man nie weiß, wann der nächste Sprung kommt, und wenn er dann kommt, passiert erneut ein Bruch zur eigentlichen Geschichte. Dieser zu folgen ist wirklich ein hartes Stück Arbeit. Die Konzentration leidet sehr darunter, denn oft liest man einen Text in einem anderen Zusammenhang, um dann zu merken, dass es wieder ein Gedankensprung zu einem anderen Ort war. Zudem entsteht keine Verbundenheit zum Buch. Es ist zum ersten Mal wirklich egal, wo man pausiert, weil man nach jedem Absatz mit einer neuen Situation in Berührung kommt.

Sicherlich sind die Dialoge sehr schön formuliert und auch jugendlich gehalten. Sie zaubern ab und an, abgesehen von dem Dialekt, der gerne mal genutzt wird, sogar mal ein Lächeln aufs Gesicht, weil sie oft humorvoll sind. Im Grunde halt der jugendliche Charme, die Naivität und Leichtigkeit. Und auch manche Geschehnisse lassen die Unbefangenheit des letzten Sommers im strahlenden Glanz erscheinen. Zum Beispiel wenn einer der Jungs aus dem Fenster pinkelt oder ähnliches. Es gibt das Gefühl, dieser Sommer ist der letzte bevor es heißt: Werde ernst, vorausschauend, erwachsen.

Diese eingefangenen Moment sind sicherlich schön, verblassen jedoch gänzlich durch die Sprünge. Andere werden dies lieben, bei uns ist das Buch jedoch nicht so gut angekommen. Wer gerne solche Gedankensprünge mag, sollte es sich anschauen, sonst lieber Finger weg.
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Schneckenmühle: Langsame Runde
Schneckenmühle: Langsame Runde von Jochen Schmidt (Gebundene Ausgabe - 18. Juli 2013)
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