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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die dünne Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei
Preising ist Erbe und Besitzer einer großen Fabrikkette. Als er in Tunesien unterwegs ist, um einer seiner Fabriken zu besichtigen, wird er in einem Hotel in einer Wüstenoase spontan zu einer Hochzeit von jungen Briten aus der Finanzwelt eingeladen, die sich dekadent geben, und für die Geld keine Rolle spielt. Doch während der Nacht verändert...
Veröffentlicht am 24. Januar 2013 von book.seller

versus
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stilistisch großartig, inhaltlich verschenkt...
Im vergangenen Jahr wurde Jonas Lüschers Debut "Frühling der Barbaren" - eine Novelle von knapp 120 Seiten - in den Kulturseiten unserer führenden Zeitungen hoch gelobt. Hier erhebe sich eine Stimme der Zukunft, so war zu lesen. Das mag schon sein - allein, sie muß beweisen, in der Zukunft, daß sie zu den wichtigen, den wesentlichen Stimmen...
Vor 13 Monaten von Gavin Armour veröffentlicht


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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die dünne Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei, 24. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Preising ist Erbe und Besitzer einer großen Fabrikkette. Als er in Tunesien unterwegs ist, um einer seiner Fabriken zu besichtigen, wird er in einem Hotel in einer Wüstenoase spontan zu einer Hochzeit von jungen Briten aus der Finanzwelt eingeladen, die sich dekadent geben, und für die Geld keine Rolle spielt. Doch während der Nacht verändert sich die gesamte Situation der Finanzmärkte. Der Britische Pfund stürzt ins Bodenlose, England ist bankrott. Weil die Hochzeitsgesellschaft nun die Rechnung nicht mehr bezahlen kann, wird sie kurzerhand vor die Tür gesetzt. Mit ungeahnten Folgen für alle.

Mit "Frühling der Barbaren" ist dem Schweizer Jonas Lüscher ein ganz besonderes Buch gelungen. Die Novelle, man könnte sie fast schon als Parabel bezeichnen, behandelt ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. In Zeiten, die was das Finanzielle angeht, nicht immer sehr beruhigend sind, zeigt er auf, welche Folgen ein Bankrott eines europäischen Landes für den Rest der Welt haben könnte. Sicherlich sind einige Situationen überspitz und übertrieben dargestellt. Aber manchmal scheint es, wenn man die Geschichte betrachtet, dass nur übertrieben dargestelltes, ein Umdenke bewerkstelligen kann.

Doch in diesem Buch geht es nicht vorrangig um die Finanzkrise. Es ist vielmehr ein Buch darüber, was es bedeutet ein Mensch zu sein und darüber wie wir Menschen uns in Extremsituationen verhalten. Handeln wir oder betrachten wir alles aus einer gesunden Distanz, wie Preising. "Frühling der Barbaren" ist ein kleines, intelligentes Buch, das sich lohnt zu lesen.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur ein dünnes Häutchen ..., 23. Februar 2013
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Die Kultur ist ein dünnes Häutchen über dem Vulkan der Barbarei. Und niemand sollte sich zu sicher sein, dass er selber auf der Seite der Kultur steht.
Preising ist von Beruf Erbe, aber einer der stillen Sorte. Er hat das Glück, einen fähigen und loyalen Geschäftsführer für seine geerbte Firma gefunden zu haben, und seitdem treibt er ohne Ziel durchs Leben. Er hat keine erkennbaren Bedürfnisse, weder materiell noch sexuell, er beobachtet die Menschen aus der Distanz, Nähe ist ihm unangenehm. Doch dann soll er zu Verhandlungen nach Tunesien, und in dem Luxusressort seines Geschäftspartners erlebt er die Apokalypse im Kleinen. Zu den Gästen gehört auch eine englische Hochzeitsgesellschaft: steinreiche Hedgefondsmanager, Investmentbanker und Devisenhändler. Sie verprassen ihr "verdientes" Geld mit vollen Händen, lassen ihren Trieben zügellos freie Hand, in dem Wissen, dass ihnen die Welt gehört - bis Großbritannien völlig überraschend den Staatsbankrott erklärt und aus den steinreichen Masters of the Universe eine Horde verarmter Egomanen wird, die ihre Hotelrechnung nicht zahlen können. Und dann reißt das dünne Häutchen über dem Vulkan.

Jonas Lüscher konstruiert seine Geschichte raffiniert über mehrere Erzählebenen. Die Rahmenhandlung, ein Gespräch zwischen Preising und dem Ich-Erzähler, wechselt plötzlich in die dritte Person und damit nimmt der Erzähler nicht nur eine übergeordnete Position ein, sondern er schaut in dieser Perspektive den Protagonisten auch hinter die Stirn, deckt Lebenslügen und unangenehme Geheimnisse auf, die Verhalten und Aussagen in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Dabei würzt Lüscher seine Geschichte mit sprachlich brillanten, schillernden Details, witzig und einfallsreich, nie um eine Überraschung verlegen. Die Beziehungen wirbeln wild durcheinander, Träume zerbrechen, private wie berufliche. Aus der schlichten Form der Rahmenhandlung schälen sich immer mehr Ebenen heraus, die Geschichte in der Geschichte in der Geschichte ... dabei bleiben seine Figuren immer lebendig und echt. So unterschiedlich ihre Charaktere sind, so homogen ist doch das Sittengemälde in der abgeschiedenen Wüstenoase.

Lüschers Zivilisationskritik ist nur zu offensichtlich: Die großen Fische im Haifischbecken der Finanzkriminellen zeichnen sich nicht durch Kenntnisse, sondern durch Schnelligkeit und absolute Gewissenlosigkeit aus. Ehemalige Söldner, die früher schnell mal den Abzug betätigten und heute genauso eiskalt Milliarden vernichten. Es sind ja nicht die eigenen. So verwischen die Grenzen zwischen Kultur und Barbarei und der Rückfall in alte Gewohnheiten ist da nur ein kleiner Schritt.

"Frühling der Barbaren" ist eine wunderbar erzählte Parabel auf die Brüchigkeit unserer Gesellschaft. Es ist eben nur ein dünnes Häutchen...
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stilistisch großartig, inhaltlich verschenkt..., 19. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Im vergangenen Jahr wurde Jonas Lüschers Debut "Frühling der Barbaren" - eine Novelle von knapp 120 Seiten - in den Kulturseiten unserer führenden Zeitungen hoch gelobt. Hier erhebe sich eine Stimme der Zukunft, so war zu lesen. Das mag schon sein - allein, sie muß beweisen, in der Zukunft, daß sie zu den wichtigen, den wesentlichen Stimmen gehört. Hier erschließt sich das dem Leser nämlich (noch) nicht. Zweifelsohne hat man es mit einem Autoren zu tun, der ein feines Gespür für Sprache, für Konstruktion und - vielleicht die wichtigste Zutat zumindest dieses Textes - für Humor hat.

Preising erzählt einem namenlosen Icherzähler in einem Sanatorium von seinen Erlebnissen in der Tunesischen Wüste. Dahin, in ein Oasenressort für die Schönen und Reichen, hat ihn sein Kompagnon auf eine fingierte Geschäftsreise geschickt, damit er mal richtig Urlaub mache. Preising - superreich und dementsprechend distanziert der Welt gegenüber - macht die Bekanntschaft eines älteren englischen Ehepaars, sie Gymnasiallehrerin, er emeritierter Professor der Soziologie. Diese sind hier eingetrudelt, sich offensichtlich unwohl fühlend, weil ihr Sohn, Banker mitten im Finanzzentrum der Welt - London - , hier seine Verlobte zu ehelichen gedenkt. Dazu haben die beiden ihre gesammelten Freunde aus dem Manager- und Bankenbereich eingeladen, eine stattliche Ansammlung sehr reicher, sehr junger Menschen. Preising bemerkt, wie unwohl sich die Mutter des Bräutigams hier fühlt, deren Gatten begleitet er zu einigen Ausgrabungsstätten, schließlich wird er zur Gesellschaft hinzugebeten, was den Eltern gut gefällt, fühlen sie sich in Preisings Gegenwart doch offensichtlich wohl. Die Mutter des Bräutigams will diesem durch Rezitieren eines Gedichts mitteilen, daß sie ihn sich wohl etwas anders vorgestellt hatte, sich ihrer Erziehungsmethoden nicht mehr sicher ist, doch die eigene Unsicherheit läßt sie schwanken und die versammelte Finanzmeute gar nicht kapieren, worum es ihr geht. In der Nacht der Hochzeit bricht die englische Wirtschaft zusammen und die gesamte Hochzeitsgesellschaft steht praktisch blank da: Ihre Kreditkarten sind gesperrt, ebenso die Konten, auf die sie online zugreifen könnten. Die Verwalterin des Ressorts schränkt sofort die Nutzungsrechte ihrer Gäste ein, vermutet sie doch zurecht ein gewaltiges Loch in ihrer Kasse, da diese Gesellschaft nicht mehr wird zahlen können. Preising, dem es ein Leichtes wäre, die Kosten zu übernehmen, erfreut sich gesonderter Rechte und wird von der Familie der Verwalterin sicher zum Flughafen gebracht, während die Engländer anfangen, sich im Ressort wie die letzten EMsnchen zu gebärden, Kamele abschlachten, um sie zu essen, den Pool okkupieren und die letzten Reste zivilisatorischen Augenmaßes fallen lassen...

Die Konstruktion einer Icherzählung eingebettet in eine Icherzählung ist gelungen, der dadurch hervorgerufene Entfremdungsaspekt läßt uns das Geschehen aus einer vielleicht nötigen Distanz betrachten. Doch ist die Geschichte selbst derart konstruiert, daß es dem Leser auch leichtgemacht wird, das Ganze abzutun als launig-humorischen Kommentar auf die Manierismen und Grillen der Neu- und Superreichen, sowie der aktuellen Finanzkrise und derer Protagonisten. Was dann wiederum wohlfeil ist, denn diese Türen stehen weit offen, momentan - wer würde nicht zustimmen, daß die Finanzhaie, die Hedgefondsmanager und Profiteure der Armut anderer die Plage unserer Zeit sind? Und daß sich Engländer im Ausland benehmen wie die Barbaren (egal ob Finanzhaie, Fußballfans oder Arbeiter der Docklands) hat mindestens jeder Spanienpauschalreisende schon erlebt. Klischees...

Natürlich sind diese jungen Engländer unsympathisch in ihrem kulturlosen Desinteresse an ihrer Umgebung. Sie fallen in dieses Ressort ein wie die Briten es 150 Jahre lang überall auf der Welt taten: als Kolonialherren. Preising hingegen, altes Geld, Schweizer Geld, das die dazugehörigen Manieren gelernt hat, Preising kann es sich leisten, das Walten und Schalten der Menschen mit einer Distanz zu betrachten, die ihn zu einem scheinbar guten Beobachter macht, ihn jedoch gerade in seiner Erzählung, in der Art, wie er zu erzählen beliebt (und niemals läßt Lüscher uns vergessen, daß dies immer durch die Augen und Ohren eines Dritten erneut gefiltert wird) entblößt als einen Menschen ohne emotionalen Zugang zur Welt. Sei es das Unglück eines Kameltreibers, dessen Herde von einem Autobus ausgelöscht wird und der sich erst von jedem Tier einzeln verabschiedet, bevor er das eigene Schicksal beweint, denn er hat mit der Kamelherde nahezu alles verloren, seien es später die Betreiber des Ressorts, die ebenso vor dem Aus stehen (zumal sich mit der Finanzkrise gleich eine Revolution im Lande ausbreitet, bei der, so ein Taxifahrer, alles anders als beim letzten Mal geregelt und die das Land beherrschenden Familien - zu denen auch jene gehört, der das Ressort eignet und mit denen Preisings Firma Geschäfte macht - direkt an die Wand gestellt würden), oder deren britische Gäste - Preising empfindet zwar immer mildes Mitleid, doch findet er auch immer Gründe (die meist altruistisch anmuten), warum es gerade in diesem Fall besser sei, NICHT einzugreifen. Und jener Fahrer, der Preising das Schicksal der führenden Familien des Landes so anschaulich vorgestellt hatte, findet schließlich einen guten Dreh, selber an die Stelle jener zu treten, deren Gebeine ja nun demnächst im Wüstensand ausbleichen werden.

Und so geht einfach immer alles weiter, es werden einfach unr die Personen ausgetauscht, wer gestern unten war, der ist heut' oben, wer gestern oben war, der ist heut' tot...und Preising, das alte schweizer Geld, kann es sich leisten, über den Dingen zu stehen, weil er immer wird Partner finden können, die davon profitieren, mit ihm Geschäfte zu machen, während es ihm - oder Firmen wie der seinigen - grundsätzlich gut bekommt, immer mit den gerade Herrschenden zu handeln.

Als Analyse ist das sicher alles richtig, aber es kommt in diesem Band nicht einen Augenblick das Gefühl auf, daß man dem etwas entgegen zu setzen hätte oder daß das alles wirklich schlimm wäre. Im Grunde, so der humorige Ton des Bandes, im Grunde ist das eben der Lauf der Welt, nicht wahr? Und die ist eben eine Farce in ihrem Geschehen, nicht wahr?

Der Titel assoziiert natürlich J.M. Coetzees "Warten auf die Barbaren" aus ddem Jahr 1980. Und gerade der Vergleich ist für diesen schmalen Band hier unvorteilhaft. Denn auch Coetzee bedient sich eines Ortes, der aus der Zeit und aus dem Raum fällt, auch er nutzt eine arg angestrengte, allegorische Konstruktion, um dem Leser sein Anliegen nahezubringen. Doch wo in Coetzees Text ununterbrochen die Dringlichkeit dessen, was zu sagen ist hervorlugt, sich dem Leser nahezu aufdrängt an verschiedenen Stellen, bleibt hier alles in einer vagen Haltung des Ungefähren. Was will Lüscher eigentlich? Da es ihm stilistisch gegeben ist, das alles leichter Hand zu erzählen, da es ihm angelegen ist, das alles als Humoreske zu erzählen, ohne uns wirklich mit dem Elend der Dritten Welt, den Brutalitäten einer Revolution, den Extremen eines finanziellen Zusammenbruchs einer Nation zu konfrontieren, empfindet der Leser das alles irgendwann auch einfach als zynisch. In dieser Welt, so scheint es, gibt es eh niemanden mehr, für den zu kämpfen sich lohnen würde. Und am Ende sind wir uns alle so gleich - nämlich in unserer Verkommenheit? Das IST zynisch. Und sicher - man kann sich zynisch geben, keine Frage. Aber man darf dann auch als Leser anmerken, daß einem das nicht gefällt, weil es der Dringlichkeit dessen, was hier hinter der Fassade dieser Geschichte hervorlugt, nicht gerecht wird.

So ist dies ein stilistisch großartiges Werk, das aufhorchen und auf den Autor achten läßt, inhaltlich scheint es jedoch noch arg unausgereift und sich seiner eigene Sache nicht sicher, was hinter dem Schleier des Leichten und Luftigen verboregn bleiben soll.

Dies ist ein oberflächliches Buch.

Und das ist schade.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Frühling in der Psychiatrie, 13. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Gutes Buch, hat mir sehr gefallen!

Der Schweizer Fabrikeerbe Preising, ein gutbürglicher und etwas naiver, aber sonst liebenswerter Zeitgenosse, ist Gast in einem Urlaubsresort in der tunesischen Wüste. Ebenfalls anwesend eine Gruppe von (wunderbar unsymphatischen) Londoner Investmentbankern, die eine in grotesker Weise ausufernde Hochzeitsfeier begehen. Während des Höhepunkts der Feierlichkeiten erfolgt ein gigantischer Börsencrash, das britische Pfund ist über Nacht nichts mehr wert, Kreditkarten werden nutzlos, Bezahlung ist nicht mehr möglich. Chaos bricht aus und die (im Titel des Buchs erwähnte) Barbarei greift um sich, nachdem die arabischen Bediensteten zu neuem Selbstbewusstsein finden. In letzter Minute schafft es der Held, das in Flammen aufgehende Resort zu verlassen. Aus der ruhigen Umgebung einer Schweizer Heilanstalt blickt Preising auf die Geschehnisse zurück; womöglich geistig umnachtet, das Ende bleibt offen.

Hauptthema des Buchs ist - nach meinem Eindruck - die Brüchigkeit der westlichen Zivilisation, oder überhaupt jeder Art von Zivilisation, die hier anlässlich eines Zusammenbruch des Finanzsystems zu Tage tritt. Vor diesem historisch-philosophischen Hintergrund erzählt Jonas Löscher vor allem aber eine flotte und spannende Geschichte, die auf intelligente Weise unterhält.

Mir hat vor allem der latente vorhandene schwarze Humor und Sarkasmus sehr gut gefallen, der mit der (bewusst?) etwas altertümlich gehaltenen und ausschweifenden Sprache gut kontrastiert. Die handelnden Personen werden nicht geschont, alles wird immer schlimmer. Trotzdem ist das Ende nicht hoffnunglos, irgendwie schafft es der Held, sich zu behaupten. Wenn am Ende auch nur in der Psychiatrie...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beispielhaft, komisch, tiefgründig - Das dünne Häutchen Kultur, 29. Oktober 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Wer Jonas Lüschers Novelle liest, weil er auf eine ausschweifende und vielschichtige Utopie über die Folgen des fiktiven englischen Staatsbankrotts hofft, würde enttäuscht sein. Die Novelle versteht sich wohl eher als erkenntnisbringendes Beispiel für die Brüchigkeit der menschlichen Zivilisation und dies gelingt ihr über weite Strecken sehr eindrucksvoll.
Lüscher stellt die eigentliche Erzählung in eine recht schemenhaft bleibende, aber in ihren feinen Nuancen witzige Rahmenhandlung (wenn man bei diesen beiden passiven Gestalten überhaupt von Handelnden reden kann). Dieser Form der Erzähldistanz wird in der eigentlichen Geschichte eine zweite hinzugefügt, den deren Erzähler hat zwar alles Geschilderte erlebt, aber mehr passiv beobachtet. Vielleicht ist es dieser Abstand, der mit dazu beiträgt, dass es Lüscher in nur wenigen Absätzen gelingt, Situationen, Szenerien und Charaktere in ihren Eigenheiten, ihrer Komik und Tragik, auszuleuchten. Lüschers Vorbild scheint gerade in der Erzählweise u.a. W.G. Sebald zu sein, der Text selber auch als Lieblingsautor einer Figur beschrieben wird, aber von dessen Vielschichtigkeit in den Figuren und Szenerien ist Lüscher dann doch noch ein Stück entfernt, noch merkt man dem Text an einigen Stellen zu sehr das gewollt Konstruierte an. Aber das soll keine Kritik sein. Ich bin sehr gespannt, was da noch zu erwarten ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Peinlich, 28. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
ist nicht so sehr das Novellen von Lüscher, sondern vielmehr die Einschätzung der lobhudelnden Kritiker.
Der Plot Löschers ist inhaltlich etwas einfältig, dafür aber gestelzt konstruiert mit platt klischierter Pret-a-Porter Sprache und der immer gleichen lähmenden Syntax gespickt von besserwisserischen Relativ- und Einschubsätzen und Details, die in die Wüste führen statt zum Aufbau einer glaubwürdigen Handlung. Fertig zu lesen war eine Qual.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Sprache , die aus einer anderen Zeit zu stammen scheint, die mir aber sehr viel Freude und Lesegenuss bereitet hat, 13. Mai 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Der Schweizer Autor Jonas Lüscher, hat mit seiner raffiniert gebauten Debütnovelle gezeigt, dass man zu Bewältigung eines großen Themas nicht unbedingt einen 400 Seiten starken Roman braucht, sondern dass die alte Kunstform der kleinen Novelle durchaus genügend Möglichkeiten bietet.

In seinem die Novelle umrahmenden Teil spazieren der namenslose Erzähler und der Erbe und Besitzer einer großen Fabrikkette, Preising, durch den Garten einer Einrichtung, die der Leser sehr schnell als eine psychiatrische Anstalt identifiziert. Preising erzählt in Abschnitten eine unglaubliche Geschichte, die er in Tunesien erlebt hat, wo er auf Anraten seines Geschäftsführers hingereist ist, um einer seiner Fabriken zu besichtigen. Er kommt in Kontakt mit einer Hochzeitsgesellschaft von jungen Engländern, die in der Vergangenheit mit ihren Spekulationen in der Finanzwelt sehr reich geworden sind. Doch während sie ausgelassen feiern, verändert sich die Situation auf den Finanzmärkten quasi über Nacht dramatisch. Das britische Pfund fällt auf ungeahnte Tiefen, und diese Krise droht mit verhängnisvollen Folgen auch den Rest der Welt mit ins Unglück zu stürzen. Die Hochzeitsgesellschaft kann ihre Rechnung für die mondäne Zelthochzeit in der Wüste nicht bezahlen und wird hinausgeworfen.

Das ist sozusagen der äußere Teil der Geschichte, die Preising seinem Zuhörer während ihres Spazierganges erzählt. Ein Teil, der sehr aktuell die Gefahren benennt, die uns aus den Machenschaften der Finanzwelt drohen, jederzeit.(Im Augenblick schreien alle wieder Hurra über ein Dax-Allzeithoch – wir werden sehen, wie lange es dauert, bis der nächste große Absturz kommt.)

Der andere, innere Teil der stellenweise fast parabelhaften Novelle betrachtet die Innenwelt der Akteure, reflektiert darüber, was Menschsein bedeutet, und wie sich Menschen in extremen Situationen verhalten. Obwohl er selbst weniger von der britischen Krise betroffen ist, erlebt Preisung erschüttert, wie dünn die Decke der Zivilisation ist und lernt seine eigene Lektion in Sachen Globalisierung.

Jonas Lüscher hat seine Novelle geschickt aufgebaut und in einer Sprache geschrieben, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheint, die mir aber sehr viel Freude und Lesegenuss bereitet hat. Sein Hauptthema ist zwischen den Zeilen immer wieder die Moral, was er seinen namenslosen Erzähler mit den Worten sagen lässt:
„Ob Preisings Geschichten wahr waren oder nicht, wusste man nie so genau, aber darum ging es nicht. Ihm ging es um Moral.“

Ich warte schon jetzt auf das zweite Buch dieses Autors, den man unbedingt im Auge behalten sollte.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen interessante Novelle, 10. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sprachlich schreibt der Autor gut aber durchaus etwas selbstverliebt. Die spannende Handlung ist sehr verkürzt wiedergegeben. Hätte sich aus meiner Sicht gelohnt dies zu einem Roman auszuarbeiten und damit auch die Brüche zwischen den Handlungen mehr Zeit zu geben. Der Entwicklung wird wenig Raum eingeräumt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Götterdämmerung, 9. November 2014
Von 
zueribueb (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
Jonas Lüscher bezeichnet seinen Text "Frühling der Barbaren" als Novelle. Ich würde eher von einer Art Bericht sprechen. Also mehr Bericht als Erzählung, Bericht über den Zustand und das Ende einer dekadenten Gesellschaft.
Der Ich-Erzähler Preising macht eine Geschäftsreise nach Tunesien, wo er auf eine englische Hochzeitsgesellschaft trifft, deren Fest durch den Staatsbankrott Englands jäh beendet wird. Die Erzählperspektive ist dabei gebrochen. Mal spricht Preising direkt, dann wieder ein Er-Erzähler, der berichtet, was Preising ihm erzählt.
Lüscher kann intelligent schreiben, allerdings fand ich seinen Stil etwas manieriert und altmodisch. Die Wortwahl ist teilweise sehr gesucht und bemüht, was mehr inhaltliche Tiefe andeutet, als effektiv vorhanden ist, etwas abgehoben von der Realität. Mit zunehmenden Fortgang der Geschichte fand ich diese ermüdender und uninteressanter.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn der innere Rahmen sich auflöst, 24. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Frühling der Barbaren: Novelle (Gebundene Ausgabe)
„„Das wird kein gutes Ende nehmen“, prophezeite er über den Rand einer englischen Zeitung vom Vortag hinweg. „Diese Kinder, sie werden uns alle in den Abgrund reißen““.

Wobei dieses Geschehen des „Abgrundes“ in der Novelle Lüschers noch lange auf sich warten lassen wird. Erst zum Ende hin kommt in diese „Außenwelt“ Fahrt hinein, zuvor breitet Lüscher Seite um Seite mit Akribie und bildkräftiger Sprache die „Innenwelt“ seiner verschiedenen Protagonisten aus, die sich dort in der Wüste in Tunesien im luxeriösen Ambiente zunächst den Feierlichkeit einer Hochzeit hingeben.

Ein interessantes Spannungsmoment des Buches liegt dabei zwischen dem „modernem“ Thema des Romans und seiner „antiquierter“ Form. Im sprachlichen Stil einer Gesellschaftsnovelle des beginnenden 20. Jahrhunderts lässt Jonas Lüscher in seinem Debüt hinter die Fassaden des modernen, finanz- und konsumorientierten Menschen blicken. In gründlicher Vertiefung von Persönlichkeit und Eigenart seiner Figuren führt er so fast gemächlich den Spannungsbogen im Buch ein und fort, immer im Hintergrund mitschwingend lassend, dass hinter den souveränen und höflichen Fassaden noch ganz anders an Handlungsweisen lauert

Auf der einen Seite beschreibt Lüscher damit wortgewandt einerseits die Hilflosigkeit und massive Egozentrik des „Westlers“. Schnösel, finanzkräftige Leute, die dann ohne Vorbereitung auf den (fiktiven) Staatsbankrott Englands zu reagieren haben.

Kreditkarten gesperrt, kein Geld zu bekommen, für nichts wird mehr gerade gestanden, weder für Flüge zurück noch für die exorbitante Hotelrechnung der Gesellschaft. Schnell fallen dann zum Ende des Buches hin die Fassaden. Nackte Egozentrik, Ohnmacht, jeder gegen jeden tritt in den Raum, eine „Barbarei“, die um sich greift.

Mittendrin der Fabrikant Preising, Schweizer, zunächst wenig betroffen und doch mit hineingesogen in den beginnenden Taumel.
„Preising.... sucht Saida in ihrem Büro auf, um sich von ihr eine Mahlzeit zu erbitten“. Soweit ist es schon gekommen.

Ein Taumel, der auch die andere Seite nicht auslässt. Die Einheimischen, die „Bediensteten“, zunächst servil, sehen sich plötzlich in der Rolle der „Oberhand“ wieder. Nicht nur im Hotel.

Eine Gemengelage, die nur hier und da kleinere Funken braucht, um letztendlich in einer Katastrophe zu münden. Ein Kamel und ein aufschneiderischer Engländer mit seinem „Rezept vom gefüllten Kamel“ werden dafür sorgen, dass Blut fließen wird. Nicht nur das des Kamels. Denn auch der Kampf um den Swimmingpool wird entbrennen. Ganz lakonisch, wie nebenbei lässt Lüscher zu diesem Zeitpunkt der Geschichte dann Blut fließen und wahrhaft barbarische Riten in den Raum treten. Eine ganze Verkettung eigentlich von Kleinigkeiten, leichten Intrigen, Hochnäsigkeit lässt Lüscher dabei geschickt ineinander greifen um aufzuzeigen, wie wenig gefestigt das bisschen Tünche der Zivilisation letztlich im Raume steht und wie schnell das „jeder gegen jeden“ für noch so kleine momentane Vorteile aufbrechen kann.

Ein Vorwurf, den Lüscher durch die gesamte Geschichte hindurch sorgsam mitschwingen lässt. Dass selbst jene, die noch einen Rest moralischen Empfindens in sich tragen, wie Preising, zu wenig handeln, wenn es noch an der Zeit ist. So legt Lüscher durchaus eine gewisse Tragik in seinen Protagonisten Preising, der immer kurz davor zu stehen scheint, doch aktiv einzugreifen, letztlich aber nicht zur Handlung sich durchringen kann.

So verbleibt am Ende eine Form des Fatalismus und des Aufzeigens einer allseitigen inneren Lähmung, eines „alles ist möglich – aber nur nach unten“, die beim Leser durchaus Nachhall erzeugen wird. Auch wenn es nicht einfach ist ob der gewählten Form, der Langsamkeit und des teilweisen breiten Ausschweifens der Erzählung, immer nah am Geschehen und den Personen zu bleiben. Ein gewisses Gefühl der Künstlichkeit im Stil, des „weit weg“ von moderner Alltagssprache und Sprachverständnis hindert letztlich die Lektüre doch mehr, als dass es sie befördert und in ihrer Fremdheit zu fesseln vermag.

Im Gesamten eine interessante Lese Erfahrung und eine in Teilen sprachlich elegante Darstellung des labilen Zustandes dessen, was die moderne Welt „Zivilisation“ nennt mitsamt ihrer verbreiteten inneren Ohnmacht und Handlungslosigkeit, wenn es darauf ankäme.
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Frühling der Barbaren: Novelle
Frühling der Barbaren: Novelle von Jonas Lüscher (Gebundene Ausgabe - 17. Januar 2014)
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