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5.0 von 5 Sternen Das menschliche Handeln und die Ethik, 17. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Ethik: Eine Einführung (Taschenbuch)
Was ist Ethik und wozu brauchen wir sie? Ist Ethik eine universelle Grösse oder verändert sie sich im Laufe der Zeit? Entspringt die Ethik der (menschlichen) Natur oder ist sie eine Schöpfung des menschlichen Geistes?

Diesen und anderen fragen geht Otfried Höffe in diesem schmalen Band nach. Er beginnt bei der Begriffsdefinition und leitet ausgehend vom Ursprung „ethos“ drei Bedeutungen ab:

I. der gewohnte Ort des Lebens, welche den Menschen in ein Kontinuum der Natur versetzt
II. Inbegriff von Institutionen, Gewohnheiten und Sitten
III. Die Art und Weise der Lebensführung

Die verschiedenen Bedeutungen greifen dabei ineinander über, es gibt keine klaren Grenzen.

In einem nächsten Schritt beleuchtet Höffe die anthropologischen Grundlagen und damit die Frage nach den biologischen, einschliesslich der neurobiologischen Eigentümlichkeiten, welche dafür verantwortlich sind, dass der Mensch ein Moralwesen wird. Die Moral hat einen Sollenscharakter nicht nur im vertrauten Sinne, sondern in einem grundlegenden:

"Die Moral tritt nicht nur in Gestalt von vernunftbegründetem Sollen, einem Imperativ, auf. Vielmehr liegt schon ihrer Entfaltung ein deshalb noch basalerer Imperativ zugrunde. Das zur Moral fähige Wesen Mensch ist sowohl als Gattung als auch als Gruppe und als Individuum aufgefordert, sich von einem nur potentiellen zu einem aktualen Moralwesen zu entwickeln."

Es folgt die Analyse der menschlichen Eigenschaften wie die Suche nach Anerkennung, Neid, Eifersucht, Rache, Sympathie sowie von Bewertungsmassstäben wie gut und böse, Recht und Unrecht sowie Scham. Die positive Moral, welche sich entwickelte, setzte einen normativen Grundrahmen für den Menschen. Fazit der Anthropologisch Betrachtung der Moral ist, dass sie eine Mischung aus Sollen, Bedürfnis und Sein ist:

"Der seiner Biologie nach weltoffene, aber auch gefährdete Mensch (Bedürfnis)braucht wirksame Verbindlichkeiten (positive Moral: Sein), die die Intelligenz auf ihr Gutsein, letztlich auf ein uneingeschränktes Gutsein (Sollen) zu befragen erlaubt."

In der Folge behandelt Höffe Fragen des Guten und des Bösen, setzt sich mit der praktischen Philosophie im Allgemeinen auseinander und bestimmt die Methoden und deren Vielfalt im Zuge der Ethik, welche Teilgebiet der praktischen Philosophie ist. Es geht weiter mit Handlungstheorie, wobei er sich mit dem freien Handeln auseinandersetzt, welches bewusst und freiwillig passieren muss, um den so Handelnden als Urheber der Handlung und damit als verantwortlich und zur Moral fähig zu erachten.

Höffe nennt vier Grundmodelle/Prinzipen der Ethik:

I. Das Moralprinzip des Glücks, das Streben nach einem gücklichen Leben
II. Das Kollektivwohl, Utilitarismus: Streben nach dem Wohlergehen für die Gruppe
III. Das Prinzip Freiheit und die Autonomie
IV. Moralkritik

Als letzten Punkt behandelt Höffe die Tugend, die seit Platon und Aristoteles ein Grundbegriff der Ethik ist. Dabei geht es hauptsächlich um die Charaktertugenden und die sie ergänzende intellektuelle Tugend, die Klugheit, welche in Verbindung das Ideal der Erziehung und der Selbsterziehung des Menschen zu einer Persönlichkeit ausmachen. Unterschieden wird dabei zwischen Tugenden aus Selbstinteresse, Tugenden des Geschuldeten (Gerechtigkeit) und verdienstlichen Tugenden (Solidarität und Wohltätigkeit).

Der schmale Band schliesst mit der Frage, wieso man überhaupt moralisch sein müsse und endet mit der Frage nach der Macht der Moral in der Gegenwart und Zukunft.

Auf dünnen 128 Seiten gelingt Otfried Höffe ein solider Überblick zum Thema Ethik. Er deckt die relevanten Fragen und Bereiche ab, was auf so engem Raum nicht umfassend möglich ist, trotzdem aber ausgewogen und hinreichend geschieht. Diese Einführung in die Ethik bildet eine fundierte Grundlage und erste Erkenntnisse, auf denen man aufbauen kann bei einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Ethik.

Fazit
Ein guter Einstieg in ein sehr komplexes Thema. Die breit angelegte Analyse hilft, verschiedene Gesichtspunkte dieses Themas wahrzunehmen und das Gefühl für die Vielschichtigkeit desselben zu erhalten. Prädikat empfehlenswert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein idealer Einstieg, 6. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Ethik: Eine Einführung (Taschenbuch)
Auf wenig mehr als 100 Seiten umfassend und unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung in Begriff und Zielsetzung der Ethik einzuführen, ist eine souveräne Glanzleistung. Das Buch ist sehr klar strukturiert und in einer verständlichen Sprache geschrieben. Es erklärt fachspezifische Termini und setzt kaum Wissen voraus. Auch wenn im Vordergrund die lehrende Darstellung des Gegenstandes steht, bezieht Höffe durchaus selbst Position. Dabei fühlt er sich ersichtlich einem hohen wissenschaftlichen Ethos verpflichtet, das auch an letztlich abgelehnten Gegenpositionen immer Positives sieht und anerkennt. Für jeden, der eine erste Orientierung in der leicht verwirrenden Vielzahl ethischer Diskurse sucht, kann das Buch nur wärmstens empfohlen werden.
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Ethik: Eine Einführung
Ethik: Eine Einführung von Otfried Höffe (Taschenbuch - 13. März 2013)
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