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am 23. April 2013
Wir werden uns an der "Modernität / Aktualität" von Büchner irgendwann einmal die Zähne ausbeißen. Was Hermann Kurzke gemacht hat, ist vorbildlich. Er stellt Fragen, deren Beantwortung uns wirklich weiter bringt. Fragen, die "offene Stellen" (Wunden?) thematisieren, Fragen, die die "linke Heiligsprechung" Büchners endlich mal ergänzen, teilweise auch relativieren. Wunderbar das lange Kapitel über Büchner und die Frauen. Da ist viel Spekulation dabei, aber eben auch Entsakralisierung. Der ganze Mensch erscheint. Und Büchner, der ewige Revolutionär, wird dadurch nicht kleiner, ganz im Gegenteil. Alle, von Braut Minna und Bruder Ludwig angefangen, die ihn über die Jahrzehnte bis heute "moralisch" bereinigt haben, werden hier "zur Ordnung gerufen". Eine gute Arbeit von Hermann Kurzke. (Wahrscheinlich muss man aber erst emeritiert sein, bevor man diesen "Bildersturz" schreiben kann.) Der Liebe zu Büchner wird keinerlei Abbruch getan. Ein überzeugendes, gültiges Porträt.
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am 18. Februar 2013
Kurzkes neue Biographie ist wirklich neu, sehr spannend geschrieben. Kurzke schafft es, Büchner aus dem musealen Glaskasten des ewigen Sozialrevolutionärs und Frühkommunisten zu befreien und die vielen, spannenden Facetten des Genies Büchner zum Schillern zu bringen. Sogar potentiell so trockene Themen wie das Dissertationswesen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts werden unterhaltend und frisch gebracht. Ein echtes Muss für alle Büchnerfans und solche, die es im Büchnerjahr 2013 werden wollen!
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"Geschichte eines Genies" - wie es im Untertitel heißt - ist vielleicht etwas übertrieben. Aber hier wird wirklich genial Geschichte eines großartigen Menschen vor Augen geführt: locker, aber nicht unverbindlich, unterhaltsam, aber nicht trivial, genau, aber nicht penibel usw.

Ob man allen einzelnen Entscheidungen und Interpretationen von Hermann Kurzke zustimmen muss, steht dabei natürlich auf einem anderen Blatt. Vielleicht musste manches so zur Sprache gebracht werden, um das Besonderes DIESER Biographie aufzuzeigen. Doch wäre das im Grunde genommen gar nicht nötig gewesen.

Bei Hermann Kurzke kommt nichts zu kurz, was man lang und breit vermissen müsste: Herkunft, Herzensanliegen, Heldenhaftes usw. - alles das, was Georg Büchner ausmacht und ihn so besonders macht, kommt zum Tragen.

Der emeritierte Literaturwissenschaftler aus Mainz signalisiert Seite für Seite, wie schön es sein kann, nicht immer im Mainstream zu schwimmen, sondern auch mal gegen den Strom zu schwimmen: Er hat sich das Werk Büchners und das Leben dieses besonderen Mannes genau angeschaut und nach Parallelen gesucht. Dabei fand er einfühlsam Bezugspunkte, die sonst leicht unter den Tisch fallen: seine bildungsbürgerliche Basis, seine besondere Beziehung zu Frauen, seine Inblicknahme politischer Bewegtheit und Bewegungen usw.

Heraus kommt ein mehr religiöser Georg Büchner, als manchen lieb sein wird. Büchner lässt sich - wie Woyzeck zeigt - eben nicht so einfach festlegen. Vielmehr tauchen bei Büchner unentwegt Anspielungen zu christlichen Inhalten und kirchlicher Spiritualität auf, die bislang nicht selten heruntergespielt wurden.

Für Hermann Kurzke kam wohl auch immer zu kurz, dass Büchner gerade als Weltverbesserer (oder zumindest als WeltVERÄNDERER!) ganz unmittelbar aus dem Reichtum des christlichen Schatzes schöpfte und sich gerade darin die Feinfühligkeit und Feinsinnigkeit eines Georg Büchners erklären lässt.

Es ist schön, wie Georg Büchner gerungen hat, nicht fertig war und mit 23 Jahren auch nciht fertig sein konnte! Doch viele Urteile über ihn sind eben viel zu sehr schon abgeschlossen und sehen in Büchner eher einen fertigen Literaten im Blick auf seine Inhalte.

Hier setzt Hermann Kurke einen spannenden Kontrapunkt. Diesen zu übersehen, zu überlesen oder auch zu überschätzen, diesen Luxus sollte man sich im Erscheinungsjahr dieser Biographie - dem 200. Geburtstag Georg Büchners - nicht leisten.

Eine leichtfüssige, leicht zu lesende und originelle Biographie in zehn Kapiteln, die fast als Lebensroman durchgehen könnte ...

Überaus empfehlenswert!
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am 4. November 2013
Georg Büchner hat nach 23 Lebensjahren der Nachwelt 4 mehr oder weniger fertige, kurze Literaturstücke, drei erhaltene Briefe und eine politische Brandschrift hinterlassen - nicht gerade viel, um darüber eine 500seitige Biographie zu verfassen. Zu groß scheinen die Lücken der Unwissenheit.

Dennoch ist dem Autor ein bemerkenswertes Buch gelungen, indem er - teilweise liest es sich wie ein Krimi - auf spannende und seriöse Weise den Lebenslauf Büchners nachzeichnet. An Lebenspunkten, wo die Quellenlage keine Fakten herbibt, stellt Kurzke wohlüberlegte Vermutungen aus dem damaligen Kontext auf, wie es möglicherweise gewesen sein könnte. So fiebert der Leser mit, als Büchner seine spektakuläre Flucht nach Straßburg unternimmt, erfreut sich an seinem Freundes- und Bekanntenkreis und staunt über das schier unendliche Arbeitspensum, welches der Anfang Zwanzigjährige damals abgeleistet haben muss. Die Bezeichnung "Genie" mag erstmal überzogen klingen, ist bei Büchner jedoch wohl völlig gerechtfertigt.

Sehr zu empfehlen, erst recht im Büchner-Jahr!
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