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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phänomenologie mörderischer Macht und Ohnmacht, 30. Januar 2013
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Der Führerstaat: Nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945 (Taschenbuch)
Pünktlich zum 80. Jahrestag der von der NS-Propaganda gefeierten "Machtergreifung" am 30. Januar 2013 wurde in der beck'schen Reihe der Band "Der Führerstaat" herausgegeben, welcher in seiner ersten Auflage bereits 1987 im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen war. Bei der Neuausgabe des C.H. Beck Verlages handelt es sich um die vom Autor mehrfach aktualisierte und erweitere sechste Auflage aus dem Jahre 2001, welche mittlerweile in zehn Sprachen (eine arabische Edition ist in Vorbereitung) übersetzt wurde. In seinem Nachwort weist Prof. Dr. Norbert Frei, der als ausgesprochener Kenner des Nationalsozialismus einen Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller Universität in Jena inne hat, darauf hin, dass man angesichts des enorm ausgeweiteten Web-Angebots und der veränderten Praxis der wissenschaftlichen Recherche auf den bis zur achten Auflage enthaltenen Abschnitt "Quellenlage, Forschungsstand, Literatur" verzichtet hat.

Als wichtigsten Wandel in der Geschichtsforschung sieht Frei die Hinwendung zu einer möglichst genauen Untersuchung von Handlungsspielräumen in Wehrmacht, Wirtschaft und Gesellschaft des NS-Staates. Hierbei insbesondere die lange vernachlässigte Untersuchung der Kriegsjahre, in denen das Regime der nationalsozialistischen Volksgemeinschaftsideologie des Führerstaates seine höchste Zerstörungswut nach innen und außen offenbarte.

Bereits in der nur kurzen Einleitung "Zum Thema" wird deutlich, dass Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 zwar eine Zäsur in der deutschen Geschichte war, jedoch noch keinesfalls die Entscheidung über die Zerstörung des Deutschen Reiches und die Teilung Europas. Der Weg in die Katastrophe war letztendlich folgerichtig, nicht aber zwangsläufig. Auch in der Geschichte des "3. Reiches" gab es mögliche Wendepunkte und durchaus auch Alternativen für den weiteren historischen Verlauf.

Das erste Kapitel beginnt mit der Krise im Frühjahr 1934, in der das NS-Regime nicht nur in die Kritik deutschnationaler Kräfte geriet, sondern sich auch innerhalb der NSDAP mit dem linken, sozialrevolutionären Flügel auseinandersetzten musste. Das Ergebnis war eine "Aktion der langen Messer" am 30. Juni 1934 und in den Tagen danach, mit der sich Hitler seiner einstigen, nun lästig gewordenen Parteigänger, wie der kompletten "SA-Führung" aber auch der Rechtsopposition entledigen konnte. Diesen "doppelte Coup" könnte man eher als (illegale) "Machtergreifung" bezeichnen, als die Übertragung der Kanzlerschaft an Hitler durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Auch waren diese Bluttaten der Schlüssel für die sich danach ausweitende Macht von "SS" und "SD".

Die innere Entwicklung des "Dritten Reichs" ist Gegenstand des zweiten Kapitels. Die Phänomene lassen sich in drei fließend ineinander übergehende Phase einteilen: Formierung (1933 - 1934), Konsolidierung (1935 - 1938) und Radikalisierung (1938 - 1945). Bemerkenswert ist, dass auch nach der Verordnung des Reichspräsidenten (!) "Zum Schutze des deutschen Volkes" (erlaube Eingriffe in die Presse- und Versammlungsfreiheit) und der "Reichtagsbrandverordnung" (setzte Grundrechte außer Kraft, ermöglichte willkürliche Festnahmen), Zentrum, KPD SPD und die anderen Parteien bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 noch mehr als 47 % erreichen konnten, am 23. März jedoch einzig die Abgeordneten der SPD gegen das "Ermächtigungsgesetz" stimmten. Nachdem der 1. Mai als neue eingeführter Feiertag "Tag der nationalen Arbeit" begangen wurden war, erfolgte einen Tag später die Zerschlagung der Gewerkschaften. Diese Gleichschaltung führte jedoch nicht dazu, dass die Wirtschaft vom NS-Regime kontrolliert wurde, sondern gerade ins Gegenteil. Durchaus hatte nicht Jeder zu allem gleich Hurra geschrien, in vielen Bereich glaubte man jedoch Hitler Zugeständnisse machen zu müssen oder ihn gar bändigen zu können. Fatale und letztendlich mörderische Irrtümer! Als besonders wichtig für die Rezeption des "Führer-Mythos" in der zweiten Phase (Konsolidierung) und für die nachfolgende unentwegte ideologische Mobilisierung der Massen waren die von vielen Deutschen als "gut erlebten Jahre". Alles Erreichte stand zwar bereits im Zeichen und Zweck des beabsichtigten Angriffkrieges, erklärt aber die bis tief in die Kriegszeit anhaltende sozial-psychische Bindekraft des NS-Regimes. Die Radikalisierung in Phase drei führte schließlich zum Holocaust und "Totalen Krieg" an dessen Ende die totale Vernichtung stand.

Das dritte Kapitel analysiert die Prägekraft und die Konsequenzen des Führerstaates. Zum Ende des Bandes vermitteln zahlreiche Briefe Einblicke ein Sozio-Psychogramm NS-Zeit, während eine Zeittafel, tabellarische Übersichten, ein Abkürzungsverzeichnis und ein Personenregister die Materialiensammlung abschließen.

Stets aktuell, mittlerweile ein Klassiker ist "Der Führerstaat" auch als Mahnung mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessierte müssen es haben!, 28. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist Gut lesbar. Ich halte es für recht ausführlich, es ist jedoch sicher nicht überfrachtet. Es stellt die historischen Zusammenhänge her und ist im Umfang trotzdem überschaubar.
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Der Führerstaat: Nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945
Der Führerstaat: Nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945 von Norbert Frei (Taschenbuch - 22. Januar 2013)
EUR 14,95
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