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am 14. September 2013
Ich habe das Buch bisher nur zu 3/4 gelesen. Aber ich möchte bereits schreiben, dass es mich sehr anspricht. Ohne großes Vorwissen habe ich einfach begonnen den doch 1.300 Seiten-Wälzer zu lesen und ich muss zugeben, dass ich bereits einiges von den früheren Kapiteln nicht mehr so im Kopf habe. Ich glaube aber nicht, dass es an mir oder dem Buch liegt. Die Menge der Informationen ist doch gewaltig und es ist für mich ein reine Freizeitbeschäftigung. In Summe bleibt aber ein sehr "angenehmer" Gesamteindruck von historischen Begebenheiten: Römisches Reich, Jesus, Kreuzzüge, die konstitutionelle Monarchie in England und vor allem das 19. Jhd. Bevor ich das Buch kaufte und in den anderen Rezensionen vor allem die Bedeutung des 19. Jhd in dem Buch dargestellt wurde, konnte ich das zuerst nicht verstehen. Inzwischen finde ich es eigentlich angemessen. Wenn man sich klar ist, dass man sich an ein gewaltiges Thema wagt, ist dieses Buch auch für Geschicht-Laien wie mich durchaus geeignet.
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Es ist ein monumentales Projekt an das sich Heinrich August Winkler mit seiner "Geschichte des Westens" herangewagt hat. Zu groß und unfassbar erscheint das Themengebiet, als dass sich Kürzungen vermeiden ließen. Und so ist es dann auch, denn als Kristallisationspunkt für die Entstehung des Westens ist es das lange 19. Jahrhundert (1789-1914) dem Winkler mit 900 Seiten den größten Raum zugesteht. Demgegenüber wird der Zeitabschnitt von der Antike bis in die Renaissance innerhalb von 100 Seiten abgerissen und ist kaum mehr als eine Einführung, an deren Beginn Winkler die für den Westen prägende Entstehung und Verbreitung des Monotheismus stellt. So kommt es dass die Geschichte des Westens im Ägypten Pharao Echnatons beginnt, dessen Vorstoß zur Bildung des Monotheismus möglicherweise zur Entstehung des Judentums beigetragen hat. Ein notwendiger Ansatz, ist doch die christlich-jüdische Religion auch in Winklers Darstellung das Fundament der westlichen Zivilisation.

Der Westen ist nach Winkler kein geografisch definierter Raum sondern eine Zivilisation mit allem was dazu gehört. Ohne mit großen Worten darauf hin zu weisen erspart sich Winkler damit einen mühsamen Diskurs darum, um zu definieren was "der Westen" ist, indem er ihn noch über die Religion mit dem Herrschaftsgebiet des lateinischen Christentums gleichsetzt. Heute wären das große Teile Europas, Nordamerika, Australien, Neuseeland und als Ableger eben auch Israel. Dieser durchaus gelungene Ansatz einer Darstellung des Westens als multipolare Einheit stützt sich im vorliegenden Buch natürlich sehr stark auf die Geschichte des 19. Jahrhunderts, in welchem sich die "westliche Identität" herauszubilden begann. Dieser Selbstfindungsprozess ist es von dem die "Geschichte des Westens" primär erzählt und dem auch die sehr umfassende kulturgeschichtlichen Ausflüge geschuldet sind. So wird nicht nur ein weitreichender Einblick in die politische Geschichte des Westens gewährt, sondern auch in Werk und Leben bestimmter Geistesgrößen wie Niccolo Macchiavelli, John Locke, Jean-Jacques Rousseau und ihresgleichen.

Dabei ist eine der großen Stärken von Winklers Werk eindeutig die inhaltliche Weite, welche sich mit dem Aufstieg Preußens genauso intensiv auseinandersetzt wie der Französischen Revolution oder dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die "mitteleuropäische Perspektive" tritt dabei begrüßenswerterweise in den Hintergrund, lässt sich aber wohl an einigen Stellen doch noch erkennen, wo britische, amerikanische, französische oder spanische Autoren eben einen anderen Schwerpunkt gesetzt hätten. Aber die "Geschichte des Westens" richtet sich dann eben doch noch an hauptsächlich deutschsprachiges und mitteleuropäisches Publikum, was im geplanten zweiten Band über das 20. Jahrhundert womöglich umso mehr zum Tragen kommen könnte. Dennoch kein Makel, unternimmt Winkler ja den Versuch seinen Lesern eine möglichst breite Perspektive zu vermitteln und das gelingt ihm sehrwohl. Manch tote Winkel nehme ich zumindest dafür gerne in Kauf.

Zudem ist die "Geschichte des Westens" ein sehr gut gestrafftes Werk, das sich in keinem Kapitel wirklich verliert und zielstrebig ein größeres Ganzes vermittelt. Dass das nicht ohne gewisse Abstriche möglich ist sollte dem Leser bewusst sein, ehe man sich auf dieses doch sehr anspruchsvolle Werk stürzt. Der Umfang ist schlichtweg erstaunlich.

Fazit:
Unterm Strich ein äußerst umfassendes Werk das seinem Anspruch durchaus gerecht wird, wenngleich man wissen sollte dass der Fokus eindeutig auf dem sehr langen 19. Jahrhundert liegt und vielfach auch kulturgeschichtliche Ausflüge unternommen werden.
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Heinrich August Winkler gehört zu den renommiertesten Historikern Deutschlands. Einer breiteren Schicht der interessierten Öffentlichkeit wurde er im Jahr 2000 mit der Veröffentlichung seines monumentalen Werkes Der lange Weg nach Westen bekannt, in welchem er die Geschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhunderts unter der Fragestellung behandelt, ob es ihn denn nun gegeben habe, den so oft zitierten deutschen "Sonderweg". In diesem Zusammenhang weist Winkler darauf hin, dass die Geschichte Deutschlands von drei Prämissen geprägt worden ist, die sie von allen anderen europäischen Ländern unterscheidet: Die Tradition des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert sowie der Dualismus zwischen Preußen und Österreich ab Mitte des 18. Jahrhunderts (vgl. Der lange Weg nach Westen, S. 5). Im lange erwarteten ersten Teil seines Buches "Geschichte des Westens" wendet sich Winkler von dieser spezifisch deutschen Perspektive ab und beschäftigt sich mit der Frage, was der "Westen" überhaupt ist, wer zu ihm gehört und, am wichtigsten, was die normativen Maßstäbe angesichts seiner Geschichte sind oder zumindestens sein sollten.

In Rahmen der Einleitung formuliert Winkler, seit wann es das "Projekt des Westens" überhaupt erst gebe: "Seit den beiden atlantischen Revolutionen des späten 18. Jahrhunderts, der Amerikanischen Revolution von 1776 und der Französischen Revolution von 1789, war das Projekt des Westens im wesentlichen ausformuliert. Der Westen hatte einen Maßstab, an dem er sich messen konnte - und messen lassen mußte" (21). Für Winkler bezeichnet der Begriff "Westen" also keine geografische sondern eine normative Gemeinschaft, welche sich gemeinsamen Werten und Maßstäben verpflichtet fühlt. Zu dieser Gemeinschaft zählen die Staaten Europas, die USA, Kanada, Australien und Israel.

Der nun vorliegende erste Teil der Darstellung (der zweite Teil soll 2012 erscheinen) behandelt den Zeitraum von der Antike bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. Als Ausgangspunkt des normativen Projekts des Westens bestimmt Winkler die Entstehung des Monotheismus im Allgemeinen sowie des Christentums im Besonderen und weist hier vor allem hin auf das "revolutionäre[.] Potential" (33), welches das Christentum aufgrund seines Gedankens der Gleichheit vor dem Hintergrund des Römischen Reiches gehabt habe. Von hier aus stellt Winkler die wesentlichen Entwicklungslinien des Westens dar und wie sie zu dessen normativen Projekt beigetragen haben. Dabei liegt der Fokus erkennbar auf Deutschland, Frankreich, den USA und Großbritannien. Kritiker werfen Winkler daher vor, die Staaten Skandinaviens oder Osteuropas vernachlässigt zu haben. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass Winkler zur Beantwortung seiner Leitfrage unmöglich eine Universalgeschichte aller europäischen Staaten schreiben konnte, sondern sich exemplarisch auf die zentralen Entwicklungslinien, die maßgeblich zur Entstehung des normativen Projekts des Westens beigetragen haben, konzentrieren musste. Alles andere hätte den Maßstab einer Darstellung in Buchform gesprengt. Selbiges gilt für den Vorwurf, Winkler vernachlässige die Kulturgeschichte und konzentriere sich auf das Politische. Das ist korrekt, jedoch wiederum mit Blick auf die Problemstellung der Leitfrage verständlich. Für alle an der Kulturgeschichte Europas Interessierten, ist immer noch Egon Fridells Kulturgeschichte der Neuzeit uneingeschränkt zu empfehlen, welches auch 90 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat.

Winkler unterteilt seine "Geschichte des Westens" in vier an der Chronologie orientierten Hauptkapitel, in denen der klar strukturiert die für seine Fragestellung wichtigen Aspekte behandelt. Dabei ist es vor allem Winklers Fähigkeit, komplexe Sachverhalte gut lesbar und präzise auf den Punkt zu bringen, die seine Bücher zu einem gewinnbringenden Lesevergnügen gestalten. Ebenso sorgt die sinnvolle Unterteilung in zahlreiche Unterkapitel dafür, dass der Leser von den gut 1400 Seiten nicht erschlagen wird, sondern sich gezielt einzelne Themengebiete heraussuchen kann.

"Der Anspruch der unveräußerlichen Menschenrechte aber bleibt ein universaler, und solange sie nicht weltweit gelten, ist das normative Projekt des Westens unvollendet" (24). Der Maßstab des Westens, unser Maßstab, wurde formuliert in zwei Dokumenten 1776 und 1789 und sollte unser Denken und Handeln noch heute leiten. Doch wie lässt sich dieses Projekt am wirksamsten in der Welt verbreiten? Winklers Antwort hierauf sollte man an die Wände der Büros sämtlicher westlichen Staatschefs hängen: "Der Westen kann für die Verbreitung seiner Werte nichts Besseres tun, als sich selbst an sie zu halten und selbstkritisch mit seiner Geschichte umzugehen, die auf weiten Strecken eine Geschichte von Verstößen gegen die eigenen Ideale war" (ebd.).

Fazit: Monumental, gewinnbringend und von brennender Aktualität. Wer sind war, was macht uns aus, auf Grundlage welcher normativen Maßstäbe handeln wir? In der "Geschichte des Westens" geht Winkler diesen Fragen nach und liefert klare, fundierte und (selbst)-kritische Antworten. Auf den zweiten Teil kann man sich nur freuen.
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am 13. Juni 2015
Dem Historiker Heinrich August Winkler ist 2009 mit der hier rezensierten Darstellung ein großer Wurf gelungen - dies kann man auch aus dem Abstand von mehreren Jahren, innerhalb derer man immer wieder von neuem das Buch zur Hand genommen hat, betonen.
Winkler arbeitetete sich bis zu diesem Jahr (2015) an einer vierbändigen Geschichte der westlichen Welt ab, von deren Ursprüngen in der Antike, über Mittealter und frühe Neuzeit, bis zu ihrer vollen Entfaltung in der jüngsten Geschichte, im 20. Jahrhundert - diese Zeit wird allein durch drei der vier Bände abgedeckt.
Doch was macht dieses Projekt eigentlich aus? Was bedeutet es, eine Geschichte "des Westens" zu schreiben?
Es bedeutet vor allen Dingen, eine im Wesentlichen politikgeschichtlich orientierte Darstellung darüber zu schreiben, wie sich vor allem in Europa und Nordamerika eine Welt herausbildete, wie dort Staaten und politische Strukturen entstanden, die sich durch Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Volkssouveränität und die Bedeutung der Menschenrechte auszeichnete.
Dadurch, dass der Autor einmal die Geschichte ganzer Weltregionen und zugleich die Entwicklungen komplexer und bedeutsamer Ideen nacherzählen will, hat er sich einen großen, ehrgeizigen Rahmen gesteckt.
Natürlich spielen für eine solche Darstellung die großen Revolutionen und Ideen, die Aufklärung, die Geschichte und die Beziehungen der europäischen Staaten, Verfassungen, Manifeste und andere politische Entwürfe eine große Rolle.

Winkler zeichnet in diesem vorliegenden ersten Band nach, wie sich die westliche Welt seit der Antike herausbildete:
Er zeigt, welch große Rolle das Christentum bei der Herausbildung bestimmter westlicher Ideen, wie der Idee der individuellen Würde jedes Menschen oder der Gewaltenteilung gespielt hat: Ohne die Idee, dass alle Menschen vor Gott gleich seien oder ohne die Trennung zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt wären die späteren Ideen individueller Freiheit und Emanzipation so nicht möglich gewesen.
Im Folgenden schildert er die Ideen des Humanismus, der Reformation, der Aufklärung und der amerikanischen Gründerväter, ohne die allgemeinen politischen Entwicklungen in Europa bis zur Frtanzösischen Revolution zu vernachlässigen.

Der Beschreibung der beiden großen, "atlantischen Revolutionen" von 1776 in Amerika und 1789 in Frankreich bildet einen Schlüsselpunkt und eine Zäsur in der Darstellung Winklers: Mit diesen beiden großen Emanzipationsbewegungen entstand nun endgültig - auch wenn es zeitgenössisch nicht als Solches wahrgenommen wurde - das oben skitzzierte, freiheitlich-demokratisch- rechtsstaatliche normative Projekt des Westens.
Fortan musste die westliche Welt daran gemessen werden, wie erfolgreich sie sich an diesem Projekt abarbeiten konnte - und auch Winkler misst sie daran:
Weitere Revolutionen und politische Konflikte, Imperialismus, Sklaverei und Kriege stellten die westliche Welt vor immer neue Herausforderungen - und zeigten häufig etwas, das Winkler ausdrücklich bereits eingangs des Buches (S. 20) schreibt:

Die Geschichte des Westens ist keine Geschichte eines unaufhaltsamen Fortschritts, keine Erfolgsgeschichte des westlichen Modells.
Eine politische Ideengeschichte der westlichen Welt zu schreiben, wie Winkler dies tut, heißt eben auch zu zeigen, wo und wann bestimmte freiheitliche, demokratische, friedliche, humanistische Werte verletzt wurden und wie der Westen und seine Politiker damit umgingen.
Wertedebatten, ob in der Ende des 19. Jahrhunderts entstehenden Sozialdemokratie oder bei berühmten Denkern, spielen in diesem Buch daher auch eine Rolle.

Beschreibt also ein erstes Drittel des Buches die Wurzeln und ein zweites die Entstehung des normativen Projekts des Westens, so kommt das letzte Drittel des über 1000 Seiten zählenden Werkes einer "klassisch" anmutenden Politikgeschichte des "langen" 19. Jahrhunderts, mit straker Konzentration auf Europa und die USA, gleich.

Dennoch wird auch die Welt, die Winkler nicht zum "klassischen Westen" zählt, nicht ausgespart: Russland zum Beispiel hatte seit der Antike und der Teilung Europas in eine West- und eine Ostkirche nicht Anteil an den meisten emaanzipatorischen Entwicklungen der westlichen Welt: Eine Gewaltenteilung gab es hier ebenso wenig wie ein selbstbewusstes Bürgertum oder eine Herrschaft des Rechts - ganz zu schweigen von einer Demokratie.
Doch hat Russland - damals und heute - immer sehr viel mit der Geschichte des Westens zu tun gehabt, in ihr eine Rolle gespielt.
Dieser erste Band endet mit der Darstellung der Julikrise und ihrer Eskalation in den Ersten Weltkrieg.

Wer eine normativ und ideengeschichtlich geprägte, gleichwohl analytisch streckenweise brillant geschriebene Politikgeschichte der westlichen Welt seit der Antike lesen will, sei dringend auf Winkler Werk verwiesen; durch seinen Zugang gelingt ihm nicht nur eine Geschichte wichtiger heutiger Werte und Phänomene, wie der Demokratie, der Gewaltenteilung u.a.
Durch diesen Zugang erhält der Leser auch eine Art problemorientierte Weltgeschichte, die sich allerdings besonders auf Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA, Italien und Russland konzentriert.
Andere Weltregionen werden eher kursorisch behandelt und nur insofern, als es für das Leitthema der Darstellung nötig erscheint; also wenn es um die Durchsetzung der westlichen Werte geht.

Wer etwas über die umfangreichen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, im engeren Sinne kulturellen Entwicklungen und weltgeschichtlichen Trends lesen will, ist mit "dem Winkler" hingegen nicht gut bedient.
Aufgrund der Fragestellung, des Leitthemas, spielen diese für das Buch auch keine große Rolle.
Dennoch fragt man sich mitunter, ob solche Aspekte nicht etwas mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten, während man demgegenüber auf so manche Einzelheit von den zahlreichen Regierungsbildungen der politischen Geschichte der Neuzeit in Europa gut hätte verzichten können.
Dies sind Kritikpunkte, die man so ähnlich auch für den zweiten, weniger für die letzten beiden Bände anbringen kann.

Dass es sich insgesamt um eines der monumentalsten und gelungensten Projekte der letzten Jahre in der Geschichtswissenschaft handelt, dass man Respekt haben muss vor der Leistung des Autors, davor, was er alles zusammengetragen hat, das versteht sich von selbst, sobald man das Buch gelesen hat.
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Nachdem ich im vergangenen Jahr Jürgen Osterhammels "Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts" gelesen hatte und absolut begeistert davon war, habe ich Heinrich August Winklers "Geschichte des Westens" mit Spannung erwartet. Und ich bin auch von diesem fundamentalen Werk, das sicherlich zum Standardwerk avancieren wird, vollauf begeistert. Warum? Weil es wohl keine andere derart kompakte (!) Darstellung der Entwicklungen im westlichen Kulturraum gibt. Hier hat man einfach alles beisammen - zumindest bis zum Jahr 1914. Auf den Nachfolgeband, der sich dem "kurzen 20. Jahrhundert" widmen wird, kann man schon gespannt sein.
Doch nun zum Inhalt! Wie kann man ein derart sperriges Projekt umsetzen? Wie hat Winkler es gemacht? Der Historiker setzt sich zunächst damit auseinander, wie "der Westen" definiert werden kann. In politischer und kultureller Hinsicht. Was macht den Westen aus? Was bedeutet das konkret? Wie kommt es zu dieser Definition des Westens? Auf all diese Fragen geht der Autor ein. Interessant ist z.B., dass der Westen als die transatlantische Einheit, als die sie heute begriffen wird, erst seit etwa 1890 als kulturelle und politische Einheit wahrgenommen wird. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Buch sich überwiegend dem vielzitierten "langen 19. Jahrhundert" widmet.
Aber auch die Ursprünge werden betrachtet. Und hier wird auch gleich auf den Osten verwiesen - auf Ägypten als Wiege des Monotheismus. Auch wenn der Monotheismus in Ägypten zunächst nur ein vorübergehendes Phänomen war, hat er sich doch (über die Entwicklung der mosaischen Religion) stark auf die Entwicklung des Westens ausgewirkt. Winkler geht also sehr wohl auf Einflüsse aus dem Osten ein - eine Abwertung nicht-westlicher Kulturräume kann man ihm also keineswegs unterstellen!
Der Autor geht insbesondere auf Werte ein, die die westliche Zivilisation (hier v.a. die europäischen Staaten, USA, Kanada, Australien sowie Israel) bestimmend sind.
Ausgehend von der Religion, über die Trennung von Staat und Kirche bis zu den modernen Herrschaftssystemen. Hier wird schlüssig nachvollzogen, wie der Westen zu dem geworden ist, was er ist.
Der Schwerpunkt liegt erkennbar auf dem mitteleuropäischen Raum, speziell Deutschland. Da das Buch sich aber auch an ein deutschsprachiges Publikum richtet, ist das völlig legitim. Winkler ist ja auch ein Experte für die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (vgl. sein 2000 erschienenes Werk "Der lange Weg nach Westen").
In meinen Augen ist die "Geschichte des Westens" eine ungeheuer bereichernde Lektüre, die es dem Leser ermöglicht, sich über viele Dinge klar zu werden, die man in unserem Kulturraum als selbstverständlich hinnimmt. Eine sehr dichte und gehaltvolle Darstellung, für die man sich etwas mehr Zeit nehmen sollte.
Besonders hervorzuheben sind die ausführlichen Register am Ende des Buches. Hier kann man vieles nochmals rasch nachschlagen, denn aufgrund des enormen Umfanges kann es schon mal vorkommen, dass man das ein oder andere Detail vergisst...
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am 13. Dezember 2009
Winklers voluminöses Buch ist eigentlich keine 'Geschichte des Westens', sondern eine des langen 19. Jahrhunderts. Rund 1100 Seiten behandeln die westliche Geschichte von 1789 bis 1914; so erscheint die Zeit seit der griechischen Antike - auf etwa 300 Seiten komprimiert - als Vorgeschichte des 19. Jahrhunderts. Natürlich schildert Winkler minutiös die ganzen Haupt- und Staatsaktionen der damaligen Zeit und die dahinter liegenden Motive, wobei ein Schwerpunkt auf der Entwicklung des Wahlrechts, des Republikanismus und der Demokratie liegt. Ihm gelingt so ein plastisches, umfängliches und durchaus nicht unkritisches Bild der Chancen und Möglichkeiten, der Protagonisten der Entwicklung und ihrer Grenzen (so macht er Alexis de Tocqueville als vehementen Verfechter der gewaltsamen Kolonisierung Algeriens kenntlich). Die sozialen Veränderungen werden kurz, aber prägnant benannt und in ihren Auswirkungen auf die Politik dargestellt. Es versteht sich von selbst, daß Winkler die Schattenseiten des 19. Jahrhunderts von der brutalen Unterdrückung von Minderheiten über die barbarische Kongo-Politik bis zur imperialistischen Ausdehnung der USA detailliert beschreibt.

Die 'Vorgeschichte' konzentriert sich auf wesentliche Entwicklungen, z.B. auf die folgenreiche Trennung von Kirche und Staat, die später erst demokratische Tendenzen ermöglichte. Die großen Antipoden der westlichen Entwicklung Europas, der russische Zarismus und das Osmanische Reich, werden leider nicht differenziert behandelt (aber dann hätte das Buch noch 500 Seiten mehr und könnte noch nicht einmal als Briefbeschwerer nützen). Dass Winkler ein sehr eloquenter Schriftsteller ist, muss ich nicht hervorheben - seine erhellenden Ausführungen lassen sich häufig mit Genuß lesen.
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am 25. Januar 2016
Es mag sich um ein sehr gutes Buch handeln, aber für mich, der sich zwar sehr viel mit Geschichte beschäftigt, aber eben kein Fachmann bin, ist das Buch bis zur Unlesbarkeit mit Fakten überladen. Ich werde mich wohl von nun an von Büchern fern halten, die schon im Titel einen so umfassenden Anspruch an sich stellen. Entweder sind sie für den Laien durch die Fülle an Fakten undurchsichtig oder für den interessierten Leser viel zu oberflächlich wie zB Nial Ferguson's Der Westen und der Rest der Welt: Die Geschichte vom Wettstreit der Kulturen. Da bleibe ich bei Büchern wie Tragödie eines Volkes. Die Epoche der russischen Revolution 1891-1924,Das Mittelalter: Geschichte und Kultur (dtv Sachbuch) oder den grandios geschriebenen Werken von Peter Englund, bei denen es sich zwar auch um ziemliche Wälzer handelt, aber es wird mehr ausgeführt als aufgezählt und dadurch sind sie weitaus besser lesbar. Bei diesen Büchern blieben selbst beim normalen Lesen unheimlich viele Fakten hängen und auch der Erkenntnisgewinn ist durch die vielen eingehenden Erklärungen höher. Im Gegensatz dazu habe ich von den 200 Seiten "Geschichte des Westens", die ich bis zu meinem K.O. geschafft habe, trotz angestrengter Lektüre, sehr wenig im Gedächtnis behalten. Als Nachschlagewerk ist es aufgrund des Aufbaus auch eher ungeeignet. Vielleicht versuche ich in ein paar Jahren einen neuen Anlauf und meine Kenntnisse sind bis dahin soweit fortgeschritten, sodass ich mit diesem Buch mehr anfangen kann, aber zur Zeit kann ich, gemessen am Grad meiner Überforderung, nur 2 Sterne vergeben.
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am 9. August 2015
Das Werk erweckte mein Interesse als geschichtsinteressierter Leser ohne fachwissenschaftlichen Hintergrund,
der sich erhofft hat, in lebendiger Sprache die Geschichte des Westens erkenntnisreich, aber auch nachhaltig
in den großen Strukturen vermittelt zu bekommen.
Diese Erwartung wurde geweckt durch den prägnanten, vielversprechenden und lange überfälligen Titel des Werks sowie
die medial groß angelegte, auf den Massenmarkt ausgerichtete Aufmachung.
Aber diese Erwartung wurde groß enttäuscht, auch wenn das Werk meiner Meinung nach immerhin lebendig geschrieben ist.
Sicherlich gibt es erhellende, teilweise großartig
erzählte Kapitel. Aber die beständige Detailverliebtheit des Autors, der nicht den Eindruck vermittelt, als
wolle er seine in der Fachwelt gelobten Analysen wirklich zu Tage befördern, macht das Lesen zäh und
das daraus Lernen unmöglich. So viele gute Ideen gehen verloren zwischen oftmals nachweislich sinnlosen oder überflüssigen
Namen, Geschehnissen, Verwandtschaftsgraden etc. Es wirkt, als habe der Autor einfach die Geschichte des Westens
dokumentieren und dies dann gut vermarkten wollen. Das ist sicher gelungen. Für einen Leser, der die Geschichte des Westens
erfahren will, ist dieses Buch allerdings nicht gedacht. So wird es ein Nachschlagewerk bleiben, wie viele andere.
Und die "Geschichte des Westens" als solche muss noch einmal geschrieben werden.
Gemessen daran, was Heinrich August Winkler mit seinem Werk versprochen hat, ist er eigentlich verpflichtet,
sich noch einmal ans Werk zu machen, an seine Leser zu denken, auszuwählen, zu kürzen und die großen Analysen
und Strukturen in einem einzigen Band nachhaltig zu vermitteln. Nimmt er sich diese Zeit, dann kann
er wirklich Bleibendes erschaffen. Den Kauf der derzeitigen Werke aber kann ich nicht empfehlen.
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am 26. Juni 2015
da ich oft angloamerikanische Sachbücher lese, fällt mir der Unterschied zu den deutschen Akademikersachbüchern schnell auf. Erstere lesen sich teilweise spannend wie ein Roman, ohne die notwendige Detailtiefe vermissen zu lassen. Dieses Buch mag zwar hervorragend recherchiert sein und in seiner Detailverliebtheit viele andere Bücher hinter sich lassen, aber es liest sich ähnlich dröge wie ein Medikamentenbeipackzettel. Hat man ein Kapitel geschafft, merkt man, dass eigentlich überhaupt nichts hängengeblieben ist. Wissen kann man auch interessant vermitteln. Daran mangelt es an den Sachbüchern dieses Landes oft, wie dieses Werk leider bestätigt. Dass es auch anders geht, zeigen zahllose Beispiele aus der Nation des Pulitzerpreises.
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am 7. August 2010
Winkler wagt sich an eine Deutung des Kulrurraumes "Westen" und zeichnet dessen Geschichte detalliert nach. Westen als Kulturraum des aufgeklärten Christentums, diese Idee wird anfangs gut untermauert. Im Verlauf werden in Einzelheiten die geschichtlichen Entwicklungen von alten Ägypten bis zur Zäsur des ersten Weltkrieges dargestellt, viele "Ausflüge" in die philosophischen Richtungen der jeweilgien Zeit unternommen. Als Laie erfährt man erstmals verstehbar etwas über Locke, Rouseau Descartes, aber auch die Grundlagen der Reformation. Der Blick geht über Europa hinaus auf die Revolution und den entstehenden USA, aber auch nach Lateinamerika. Die Abspaltung des chrislich orthodoxen Raumes vor der Aufklärung als Grundlage der dortigen, eigenen Entwicklung wird beschrieben, aber auch die Entstehung der Nationen im Westen, der Versuch die Kräfte aus zu balancieren.
Alles in allem spannend und verstehbar beschrieben war für mich diese Werk ein großer Gewinn, Zusammenhänge erstmals zu verstehen.
Die Länge des Buches erscheint abschreckend und manchmal ist ein Kapitel auch tatsächling lang geraten.
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