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Faces: Eine Geschichte des Gesichts
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der deutsche Kunsthistoriker und Medientheoretiker Hans Belting gehört zu wenigen Autoren, bei denen ich mir gar nicht überlegen muss, ob mich ein neues Werk interessiert. Sogar bei Themen, die mir eher fremd sind, knüpft er Verbindungen zu Gebieten, aus denen sich auch das allgemein Menschliche zu Wort meldet. Nun legt der 1935 geborene Wissenschaftler ein Buch vor, in dem das Gesicht im Zentrum steht. Und dass ihn auch immer die Grenzbereiche interessieren, wird gleich im Inhaltsverzeichnis klar.

Die drei Teile lauten: Gesicht und Maske in wechselnden Ansichten – Porträt und Maske. Das Gesicht als Repräsentation – Medien und Masken. Die Produktion von Gesichtern. Seinen großen Wissensschatz ordnet Hans Belting dann in 21 Kapitel, von denen ich ebenfalls einige zitieren will, um die große Spannbreite von Beltings Denken und profunden Kenntnissen zu zeigen. Da wären zum Beispiel: Die Entstehung der Maske im Kult – Von der Gesichtskunde zur Hirnforschung – Gesicht und Totenschädel. Zwei Ansichten im Widerspruch – Stumme Schreie im Glaskasten. Das entfesselte Gesicht – Fotografie und Maske. Jorge Molders fremdes eigenes Gesicht – Faces. Der Konsum der Mediengesichter – Video und Live-Bild. Die Flucht aus der Maske – Maos Gesicht. Staatsikone und Pop-Idol – Cyberfaces: Masken ohne Gesicht.

In der Einleitung von einem gewagten Versuch zu sprechen, ist mehr als eine Floskel. Denn tatsächlich sprengt das Thema jeden Rahmen, wenn man es trotz Eingrenzungen so weit fasst, wie dies bei Hans Belting der Fall ist. Das Gesicht ist nicht allein als individuelles Merkmal zu verstehen, sondern bleibt unter den Bedingungen gesellschaftlicher Schranken. Die „Naturgeschichte des Gesichts“ ist nicht zentrales Thema dieses Buches, sondern wird vom Autor nur gestreift. Auch vom Ansatz einer allgemeinen Physiognomie entfernt die der Autor bewusst. Belting interessiert sich vor allem für emotionalen Codes und Kulturtechniken und gerät deshalb automatisch auf das Gebiet der Medien.

In der einleitenden Eingrenzung des Themas wird der Leser auch bereits mit einer der unbestreitbaren Stärken dieses Buches bekannt gemacht. Denn der Text wird immer wieder durch Bildmaterial aufgelockert, das schlicht großartig ist und auf das man selbst nach nächtelangem Surfen im Internet nicht stoßen würde. Um diesem Material gerecht zu werden, hat sich der Verlag zum Glück für eine Druckqualität entschieden, die auch das Erkennen wichtiger Details und bedeutungstragender Farbnuancen zulässt. Das feine Gespür für den richtigen Einsatz des aufwändigeren Farbdrucks, zeigt sich zum Beispiel darin, dass man das Cover des Ausstellungskatalogs „Tableaux de Man Ray et Objets des Iles“ aus dem Jahre 1926 in Farbe abdruckte, obschon es eine Schwarz-Weiss-Aufnahme auf den ersten Blick ebenfalls getan hätte. Aber das historische Moment dieses Katalogs sieht man eben mit dem Gelbstich besser.

Hans Belting schafft in seinem Buch, was eigentlich kaum zu leisten ist. Er legt eine Geschichte des Gesichts vor, die Jahrhunderte, ja Jahrtausende umfasst und bis ins moderne Informationszeitalter reicht. Das ist möglich, weil er das Thema klug und konsequent eingrenzt, die tragenden Pfeiler geschickt herausarbeitet und seine Texte mit hervorragendem Bildmaterial verbindet. Und wie in früheren Werken beweist er erneut, ein gutes Gespür für das Komponieren eines Gesamtkunstwerks zu haben. Daher ist es auch durchaus möglich, sich vom Inhaltsverzeichnis leiten zu lassen und einzelne Kapitel herauszupicken, ohne dass durch diese Lesehaltung der Zusammenhang verloren geht.

Mein Fazit: Hans Belting beweist auch im stattlichen Alter von 78 Jahren, dass er zu den ganz Großen seines Gebiets gehört. Ich bin mir daher sicher, dass auch dieses Buch in viele Sprachen übersetzt werden wird und schon bald als Standardwerk gilt. Selbst wer kaum Zeit findet, sich durch die über 300 Seiten zu lesen, wird auf seine Kosten kommen. Denn allein das präsentierte Bildmaterial lohnt die Anschaffung.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. April 2013
Allzeit präsent, aber ständig im Wechsel, sich verändernd im Lauf der Zeiten und Jahre, dabei stetig Aussage gebend über den „Träger“. Nichts am Menschen ist so ausdrucksstark, lebendig, faszinierend und doch (oder gerade daher) so wenig wirklich fassbar und greifbar wie das Gesicht des Menschen. Erkennungsmerkmal par Excellenz, sichtbares Zeichen des gelebten Lebens, einerseits individuell und unverkennbar, andererseits ständig im Wechsel und Wandel begriffen.

„Zwar bleibt das Gesicht im Laufe des Lebens dasselbe, aber es ist nicht mehr das gleiche“.

Was genau ist das Gesicht? Inwieweit sprengt es jeden Rahmen? Das Gesicht, das „erst zum Gesicht wird, wenn es mit anderen in Kontakt tritt“ und daher nicht für sich steht, sondern immer Ausdruck von Beziehungen und Kommunikation ist. Und damit in seiner Darstellung und seiner „Nutzung“ auch der je gesellschaftlichen Norm und Veränderung unterworfen ist.

Grundfragen, denen Belting im Buch kulturwissenschaftlich nachgeht, sich von der „Geschichte des Portraits“ oder einer „Naturgeschichte des Gesichtes“ zunächst abgrenzt, bevor er sich seinem Thema nähert, der „Kulturgeschichte des Gesichtes“.

„Das Gesicht ist der gesellschaftliche Teil von uns, der Rest ist Natur“.

Somit gehört zu Recht auch das Thema der „Maske“ zentral mit in diese Betrachtung, wie Belting sie aufnimmt. Im engeren Sinne als echte Maske, aber auch im gesellschaftlichem Sinne als „Gesichtsmaske“, die antrainiert und nach außen gezeigt wird, als „Kunstmaske“ die einen Träger und eine Stimme braucht, um Unwandelbares lebendig darzustellen oder als „ein Gesicht machen“ im kulturellen Kontext. Als „Mimik, Masken des Selbst und Rollen des Gesichts“ quer durch alle Kulturen und Traditionen, so dass auch die im Islam übliche Verschleierung des Gesichtes zur Geschichte des Gesichtes dazugehört.

In drei Hauptteile gliedert Belting seine „schmetterlingshafte“ Spurensuche.

„Gesicht und Maske in wechselnden Ansichten“ eröffnen den Blick auf Masken, Verstellungen, Ausdruck und Nutzung im Theater, schlagen aber auch den Bogen von der Gesichtskunde zur Hirnforschung.
„Portrait und Maske. Das Gesicht als Repräsentation“ verweisen auf die Unterschiede zwischen der europäischen und anderen Kulturen (die europäische Tradition entwickelte das Portrait, andere Kulturen haben Masken). Hier zeigt Belting auch die „Entwicklung zum Selbst“ mit auf als „Revolte gegen Masken“ am Beispiel Rembrandts und der Technik des Selbstbildnisses.
Im dritten und abschließenden Teil, „Medien und Masken“, erläutert Belting sehr interessant und fachkundig „die Produktion von Gesichtern“ in der modernen Medienwelt, in der „Images“ bemacht werden und, entsprechend, der gesamte Mensch, vor allem sein Gesicht, zum Image passend gestaltet werden sollen.

„Die Mediengesellschaft konsumiert ohne Ende Gesichter, die sie selber produziert“.

Wie im gesamten Buch erläutert Belting seine faszinierenden Befunde nicht in abstrakter Weise, sondern bietet in Geschichte und, natürlich, Bildern einen realen Hintergrund seiner Erläuterungen ab. „Filmgesichter“ gehören dazu, Titelbilder von Magazinen, Totenmasken.

Faszinierend so unter anderem die Gegenüberstellung einer Kleiderpuppe als Titelbild von „Life“ zu Greta Garbo einige Monate später im Jahr 1937. Ein beeindruckendes Beispiel der einerseits verankerten Suche nach Identität des Menschen im Gesicht und der andererseits ständig sich perfektionierenden Angleichung an Images und Ideale, die Gesichter zu Masken werden lassen (und Masken zu Gesichter, wenn individuelle Linien sichtbar werden hinter den Images).

„Faces“ ist kein Buch für die schnelle Lektüre, durchaus komplex sind Zusammenhänge durch Belting herbeigeführt und dargestellt, Abstraktionsvermögen braucht es zu diesem nur schwer wirklich greifbaren Thema. Aber die Vielfalt der Betrachtungen Beltings und die faszinierende Kulturgeschichte des „stärksten Ausdrucksmittels des Menschen“ (mit dem zu allen Zeiten Leitbilder und das Leben selbst mit dargestellt werden sollten) lohnt die Lektüre ungemein.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. August 2014
Ein tolles, interessantes Buch, dass viele Facetten des Gesichtes anschaulich beschreibt. Insbesondere die Einleitung ist das Geld schon wert. Bei mir hat es mehrmals Gedanken und Ideen ausgelöst, an die vorher nicht zu glauben war.
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Januar 2014
Ein sehr gut aufgemachtes, ausgesprochen interessantes Buch.
Es ist anschaulich aufgebaut mit überaus ansprechenden Beispielen.
Es macht Freude darin zu lesen.
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