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4.0 von 5 Sternen Erster erschienener Band einer monumentalen Globalgeschichte
Der fünfte Band der "Geschichte der Welt", "1870-1945 - Weltmärkte und Weltkriege", ist bereits vom Umfang her monumental zu nennen. Tausend großformatige und klein bedruckte Seiten machen eine durchgehende Lektüre fast unmöglich. Darauf ist der Band auch nicht ausgerichtet. Systematisch nach Themen gegliedert, kann jeder Leser sich die Kapitel...
Veröffentlicht am 7. Januar 2013 von Andreas (Media-Mania)

versus
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen der Anti-Osterhammel
Nachdem ich seit über 2 Jahren Osterhammels großartiges Buch "die Verwandlung der Welt - eine Geschichte des 19ten Jhds" immer wieder gerne aufschlage und inzwischen einiges auch zum zweiten und drittenmal gelesen habe, hatte ich hier ähnliches in Fortsetzung erwartet: eine intelligente, globale und vielschichtige Analyse der Hintergründe der...
Vor 10 Monaten von hanz veröffentlicht


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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erster erschienener Band einer monumentalen Globalgeschichte, 7. Januar 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Welt 1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege (Gebundene Ausgabe)
Der fünfte Band der "Geschichte der Welt", "1870-1945 - Weltmärkte und Weltkriege", ist bereits vom Umfang her monumental zu nennen. Tausend großformatige und klein bedruckte Seiten machen eine durchgehende Lektüre fast unmöglich. Darauf ist der Band auch nicht ausgerichtet. Systematisch nach Themen gegliedert, kann jeder Leser sich die Kapitel heraussuchen, die ihn interessieren.

Die Autoren des Bandes zeigen insgesamt auf eindrucksvolle Art und Weise, was möglich ist, wenn Weltgeschichte nicht einfach als die Summe von Regionalgeschichten aufgefasst wird, sondern die Welt als Ganzes aufgefasst und regionale Ereignisse und Entwicklungen weltweit miteinander in Verbindung gebracht werden. So bringen neue Perspektiven neue Erkenntnisse über so manche Zusammenhänge.

Naheliegend für die global history, aber dennoch erwähnenswert, ist die Internationalität dieses mehrbändigen Projektes. Ein deutscher und ein amerikanischer Verlag sowie eine internationale Autoren- und Herausgeberschaft führen dazu, dass hier nicht nur ein regionaler oder nationaler Forschungsstand zusammengefasst wurde, sondern der Stand eines weltweiten Wissenschaftsdiskurses.

Die global history gehört zweifelsohne zu den innovativsten und aktuellsten Forschungsschulen in der Geschichtswissenschaft. Auch das merkt der Leser dieses Bandes. Allerdings wirkt das manchmal auch etwas aufgesetzt. So zum Beispiel in dem Beitrag zur modernen Staatlichkeit von Charles S. Maier, der mit Leviathan 2.0 überschrieben ist. Der Autor beschreibt in diesem Kapitel, wie die Staaten ihre Herrschaft über Territorien und Menschen im 19. und 20. Jahrhundert ausgedehnt und intensiviert haben und welche Instrumente dabei entstanden oder weiterentwickelt wurden, kurz, wie aus dem hobbeschen Leviathan ein Leviathan 2.0 wurde. Der Aufsatz mündet in der Frage, ob wir kurz vor dem Leviathan 3.0 stünden. Die Lektüre des Beitrages ist erkenntnisreich, Maier schreibt, wie alle Autoren des Bandes, auf hohem wissenschaftlichem Niveau. Aber warum sind solche Analogien wie diese auf das Web 2.0 nötig? Sie tragen zum Erkenntnisgewinn nichts bei und wirken einfach schief.

Das ist aber auch die einzige Kritik an dieser erfolgreichen Zusammenfassung des Forschungsstandes der global history. Hoffentlich werden die weiteren Bände genauso lesenswert!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen der Anti-Osterhammel, 24. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Welt 1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege (Gebundene Ausgabe)
Nachdem ich seit über 2 Jahren Osterhammels großartiges Buch "die Verwandlung der Welt - eine Geschichte des 19ten Jhds" immer wieder gerne aufschlage und inzwischen einiges auch zum zweiten und drittenmal gelesen habe, hatte ich hier ähnliches in Fortsetzung erwartet: eine intelligente, globale und vielschichtige Analyse der Hintergründe der an das 19te Jhd anschließenden, durch die kolonialistischen Vorbereitungen und schließlich 2 Weltkriege geprägten Zeit.
Leider hat dieses Buch mit den Beiträgen vorwiegend amerikanischer Autoren (kein einziges Wort von Herrn Osterhammel, nicht einmal in der Einleitung, von Iriye auch nicht), es bewegt sich entlang professoraler Historikertheorien die meist nicht einmal erklärt werden (zum Beispiel Hobbes' Leviathan, der als Leviathan 2.0 und 3.0 ein Modell der Imperien des vergangenen Jahrhunderts und ihres Wandels hergeben soll - was aber mir zumindest überhaupt nicht einleuchtet).
Die Sprache ist pseudowissenschaftlich verquast.
Zitat: wie mein Kapitel zeigt, bilden "Homogenisierung und Differenzierung, das Globale und das Lokale, Trans- oder Internationalismus und Nationalismus, Vernunft und Spektakel" keine Gegensatzpaare, sondern sie ergänzen sich in diesem Zeitalter transnationaler Netzwerke in einem schöpferischen Spannungsverhältnis zueinander. Scheinbar binäre Pole erweisen sich als "koproduktive" Gegenstücke, die zusammen die Landschaft der Moderne bilden. Zitat Ende.
Also kurz gesagt halt wie immer?
Das einzig lesenswerte, was ich bisher darin gefunden habe: die Begründung, warum Kanada ein stabiler, moderner Staat geworden ist, während Argentinien immer am Untergang entlangschrappt: die Großgrundbesitzer wollten das so (versteckt in einer sehr lesenswerten Ausführung über den Weizenhandel S.706ff: die Argentinier wollten als Einwanderer nur billige Pachtarbeiter für ihre Großgrundbesitzer und haben das auch bekommen, die Kanadier haben die Einwanderung selbständiger Farmerfamilien gefördert und diese auch unterstützt).
Im Gegensatz zu Osterhammel's "Verwandlung der Welt" besteht das 1150 Seiten Werk (150 Seiten sind Literaturzitate, die sind schon mal gleich unlesbar) auch nicht aus vielen kleinen Einzelthemen, die für sich interessant sind und global in ihrer Entwicklung im angegebenen Zeitraum betrachtet werden, sondern aus 5 eigentlich allesamt für mich uninteressanten Einzelbüchern, die ungerechtfertigterweise in einem Einband stecken. Wer sich nicht für "Leviathan 2.0" interessiert, kann gleich das erste überblättern und so geht es weiter.
Z.B. (Zitat Band 2 "Imperien und Globalität"): Christopher A.Baily hat darauf hingewiesen, daß die Weltmachtstellung Großbritanniens letztlich darauf beruhte, daß das Land in der Lage war, Imperialkonkurrenten und kolonisierte Völker zu töten, und diese Fähigkeit wurde durch die industrielle Militärtechnologie deutlich gesteigert. (Zitat Ende)
Wer hätte auch das gedacht?
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch von Professoren - für andere Professoren, 25. März 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Welt 1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege (Gebundene Ausgabe)
Die sogenannte "transnationale Geschichte" und die "Globalgeschichte" gehören derzeit zu den am meisten diskutierten Konzepten der Geschichtswissenschaft. Verfechter der Globalgeschichte wollen die Fixierung auf einzelne Staaten, Regionen oder Kulturkreise überwinden und stattdessen historische Prozesse und Phänomene in ihren globalen Dimensionen untersuchen. Für Aufsehen sorgte vor einigen Jahren der kühne Versuch des Historikers Jürgen Osterhammel, die Geschichte des 19. Jahrhunderts als Globalgeschichte darzustellen, losgelöst von den traditionellen Bezugspunkten der Geschichtswissenschaft wie dem Nationalstaat oder dem "Westen". Wer gedacht hat, ein so ambitioniertes Werk könne nicht überboten werden, der sieht sich nun eines Besseren belehrt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die gesamte Weltgeschichte ins Visier der Globalhistoriker geraten würde.

Seit 2012 bringen Harvard University Press und der deutsche Verlag C.H. Beck gemeinsam ein auf sechs Bände angelegtes Werk heraus, das die Geschichte der Welt aus globalgeschichtlicher Perspektive neu vermessen und neu darstellen soll. Ein solches Vorhaben ist nur kollektiv zu bewältigen. Den Auftakt bildet der von der amerikanischen Historikerin Emily Rosenberg herausgegebene Band "1870-1945. Weltmärkte und Weltkriege", der es auf einen Textumfang von 1.000 Seiten bringt. Wenn alle Bände genauso oder auch nur annähernd so umfangreich ausfallen wie der Band "Weltmärkte und Weltkriege", dann wird die Reihe auf einen Gesamtumfang von 5.000 bis 6.000 Seiten kommen. Es stellt sich die Frage: Wer soll das alles lesen? Daran schließt sich eine zweite Frage an: Für wen sind die stattlichen (und teuren) Bände eigentlich gedacht? Welches Publikum haben die Verlage, Herausgeber und Autoren im Blick?

Der von Rosenberg herausgegebene Band ist in fünf Kapitel gegliedert, die so umfangreich sind, dass sie ohne Weiteres als separate Bücher veröffentlicht werden könnten. Die fünf Kapitel behandeln Themen, die als markante Leitmotive der Weltgeschichte zwischen 1870 und 1945 gelten können: Der Siegeszug des modernen Staates (Charles Maier); Kolonialreiche und Imperien (Tony Ballantyne/Antoinette Burton); Migrationsströme (Dirk Hoerder); Welthandel (Steven Topik/Allen Wells); die kulturelle Vernetzung der Welt (Emily Rosenberg). Alle Beiträge gehen von der Prämisse aus, dass die einzelnen Weltregionen gleichrangig zu behandeln sind, dass eine Bevorzugung Europas bzw. des Westens nicht mehr zeitgemäß ist. An die Stelle einer "Geographie des Raumes" tritt eine "Geographie der Zusammenhänge". Die Autorinnen und Autoren arbeiten die Hauptmerkmale der behandelten Epoche heraus: Die Verringerung räumlicher und zeitlicher Distanzen dank technologischer Innovationen; die Intensivierung von Herrschaft und Staatlichkeit; die sogenannte Zweite Industrielle Revolution; die zunehmende Verflechtung der Welt durch Wirtschaftsbeziehungen und Kulturtransfers.

Der Band weist ähnliche Schwächen auf wie Osterhammels "Verwandlung der Welt". Zunächst einmal wirkt der schiere Umfang des Buches abschreckend. Hinzu kommt, dass die Autorinnen und Autoren ein immenses ereignisgeschichtliches Vorwissen voraussetzen. In allen Kapiteln fallen jähe chronologische, geographische und thematische Sprünge auf, schlimmstenfalls sogar mehrfach auf einer Seite. Es mag ja sein, dass die Autorinnen und Autoren mühelos von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent springen können, ohne den Überblick zu verlieren. Aber was ist mit Lesern, die allenfalls die Geschichte ihres eigenen Landes oder Europas überschauen? Auf solche Leser wirken die Ausführungen der Autorinnen und Autoren rasch zusammenhanglos und verwirrend. Einige der Themen, etwa die von Hoerder behandelten globalen Migrationsströme oder die von Topik und Wells - auf 41 Seiten! - erörterten Dimensionen des weltweiten Weizenanbaus und Weizenhandels, sind eine trockene Materie, die vielleicht Fachleute zu interessieren vermag, für Laien aber eher langweilig ist. Man merkt: Hier schreiben Professoren, die auf ihren wissenschaftlichen Steckenpferden herumreiten, sich an ihrem Spezialwissen berauschen und sich kaum darum bemühen, die von ihnen propagierte Globalgeschichte in ansprechender, lesenswerter und unterhaltsamer Form zu präsentieren.

Dazu passt auch der sprachliche Duktus der Beiträge. Es wimmelt vor neumodischen "buzz-words", mit denen (zu) viele Historiker beweisen wollen, dass sie mit aktuellen Debatten und Forschungsparadigmen vertraut sind. Begriffe wie "Netzwerke" und "Vernetzung" sind noch harmlos. Unverständlich sind hingegen Wortungetüme wie "Konnektivität", "Gouvernementalität" und "Kommodifizierung". Was bitte schön soll das sein? Besonders Rosenberg, Ballantyne und Burton gleiten oft in verquasten akademischen Jargon ab. Sie traktieren den Leser mit Sätzen wie: "Wir orientieren uns an der postkolonialen Kritik und betrachten das Globale nicht als a priori bestehende Kategorie, sondern als Verortungsinstrument: als Deutungsrahmen, der es uns ermöglicht, ein Imperium in Relation zu einem sich herausbildenden, oftmals stockenden oder unvollständigen Gefüge von Prozessen zu setzen, statt es in einem territorial vorgegebenen Koordinatensystem zu verorten" (S. 303) oder auch "Die Metapher der Strömungen mit ihren Verbindungsknotenpunkten erleichtert einen analytischen Prozess, welcher sich der oftmals unausgeglichenen Interaktion zwischen lokalen, regionalen und globalen Ebenen widmet, dabei hin und her treibt und den großen wie den kleinen Kontext in den Blick nimmt" (S. 820f.). Gut lesbare Geschichtsschreibung klingt anders.

Fazit: Hier schreiben Professoren für andere Professoren, auch wenn Rosenberg einleitend erklärt, der Band richte sich auch an "allgemein interessierte Leser". Wenn dieser Leserkreis tatsächlich angesprochen werden soll, dann ist das Buch ein anschaulicher Beleg dafür, welch irrige und nebulöse Vorstellungen die akademische Geschichtswissenschaft davon hat, was historisch interessierte Laien lesen wollen. Für Laien, aber auch für Studierende ist der Band schwer verdauliche Kost. Im Laufe der Lektüre drängt sich der Eindruck auf, dass es sich bei dieser Buchreihe um ein akademisches und verlegerisches Prestige- und Renommierprojekt handelt, bei dem von vornherein einkalkuliert ist, dass die einzelnen Bände jenseits von Fachkreisen keine nennenswerte Leserschaft finden. Die englischsprachige Ausgabe von "Weltmärkte und Weltkriege" hat seit ihrem Erscheinen Ende 2012 bei Amazon USA erst eine und bei Amazon UK noch keine einzige Kundenrezension erhalten. Das ist ein Indiz für die geringe Resonanz, die das Buch bislang hervorgerufen hat, und sollte den beteiligten Verlagen, Herausgebern und Autoren zu denken geben.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltgeschichte in Perspektive und Gegenstand, 1. April 2013
Eine "Geschichte der Welt" stellt jeden vor kaum lösbare Herausforderungen, Verfasser und Leser gleichermassen. Besteht dann noch der Anspruch, den Blick von der eigenen Raumperspektive kulturell zu lösen, droht leicht der Verlust jedes erkenntnisleitenden Gesamtbildes. Völlig entrinnen kann auch der vorliegende Band diesem Risiko nicht, wenn verschiedentlich die Ambivalenz konkreter Ereignisse bzw. Muster konstatiert wird. Dies vorangeschickt bietet jedoch der nun als erstes vorgelegte fünfte Band eines Gemeinschaftswerkes international renommierter Historiker einen überaus überzeugenden Ansatz einer wirklichen Weltgeschichte. Natürlich bedingt dies zunächst eine möglichst repräsentative Themenauswahl, wie eng auch immer man die behandelte Zeitperiode definiert.

Die Band-Überschrift "Weltmärkte und Weltkriege" trifft nicht wirklich die deutlich breitere Perspektive der insgesamt fünf in sich geschlossenen Abhandlungen zu zentralen Phänomenen der Epoche von 1870 - 1945. Die beiden in dieser Epoche stattgefunden Weltkriege kommen sogar eigentlich nur als wenig vertieftes Datum vor. Die Entwicklung der Weltmärkte wird demgegenüber sehr ausführlich und kenntnisreich von Topic/Wells in dem Abschnitt "Warenketten in einer globalen Wirtschaft" behandelt (für mich persönlich der interessanteste Teil des vorliegenden Bandes).

Ein wenig geht auch Rosenberg in ihrer abschliessenden Betrachtung über "Transnationale Strömungen in einer Welt, die zusammenrückt" auf Marktentwicklungen ein. Letztlich ist ihr Fokus jedoch breiter und umfasst insbesondere auch politische, kulturelle und soziale Interdependenzen. Die ebenfalls von Rosenberg verfasste Einleitung ist nicht ganz einfach zu lesen. Möglicherweise erschliesst sich ihr Mehrwert besser nach Lektüre des gesamten Bandes.

Die einleitende Abhandlung "Leviathan 2.0. Die Erfindung moderner Staatlichkeit" von Maier bildet einen sehr guten Einstieg, behandelt sie doch ein Thema, dessen zentrale Bedeutung für die vorliegende Epoche offensichtlich ist. Wie alle anderen Verfasser in ihren jeweiligen Beiträgen bietet auch Maier eine wirklich globale Behandlung seines Themas ohne der hier besonders leicht drohenden Perspektivenverengung auf den eigenen Raum zu erliegen.

Die von Ballantyne/Burton vorgelegte Abhandlung "Imperien und Globalität" befasst sich in beeindruckender Weise mit Aufstieg und Fall des Kolonialismus. Obwohl das Gesamturteil hier für den Westen aus heutigem Verständnis nur negativ ausfallen kann, gelingt es den beiden Verfassern in hervorragender Weise herauszuarbeiten, wie Rückkoppelungseffekte auch die kolonisierenden Gesellschaften umgeprägt haben.

Eng mit der Kolonisation zusammenhängend, zugleich aber, wie Hoerder eindrucksvoll nachweist, deutlich breiter angelegt, zeichnete sich die vorliegende Epoche durch umfangreiche Migration aus. Hoerder wirft deshalb in seiner Abhandlung "Migrationen und Zugehörigkeiten", die spannende Frage auf, wie dieser Befund mit dem gleichzeitigen Erstarken des Nationalismus zusammengeht.

Auch wenn nicht jedes Detail in allen Abhandlungen gleich informativ erscheint, beeindruckt die gelungene Auswahl im Großen wie im Kleinen der einzelnen Beiträge. Dass alle Autoren sich stets bemühen, eine global neutrale Perspektive einzunehmen, bereichert enorm die Zugangsmöglichkeiten des durch lokale Perspektiven vorgeprägten Lesers zu dieser für die Gegenwart so grundlegenden Epoche.
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22 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungener Auftakt zu einer an Epochen ortientierten Globalbetrachtung, 6. Oktober 2012
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Welt 1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege (Gebundene Ausgabe)
Mit der Publikation des Bandes "1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege" im September 2012 hat der Münchener Verlag C. H. Beck unabhängig vom Frankfurter S. Fischer Verlag, der zeitgleich bereits drei Bände seiner Reihe "Neue Fischer Weltgeschichte" (NFWG) herausgegeben, die sukzessive Veröffentlichung eines mehrbändigen historischen Werkes zur Weltgeschichte begonnen....

....wobei damit jedoch die Gemeinsamkeiten der beiden breit angelegten Buchreihen, die sicherlich auch nebeneinander jeweils den Status eines welthistorischen Standwerkes erhalten werden, breites erschöpft sind. Gleichwohl die Bände "Neue Fischer Weltgeschichte. Band 10: Zentralasien", "Neue Fischer Weltgeschichte. Band 11: Südasien" und "Neue Fischer Weltgeschichte. Band 5: Europa in der frühen Neuzeit" keinen direkten inhaltlichen Vergleich mit dem Zeitraum von 1870 bis 1945 zulassen, sind eine Reihe von Unterschieden offenkundig, die jedoch weder den Wert des einen nach des anderen "globalen Geschichtswerkes" schmälern.

Gegenüber den Bänden der "NFWG", die zwischen 500 und 600 Seiten vorweisen, ist der bei C.H.Beck erschienene Band mit 1152 Seiten nicht nur doppelt so dick, sondern er besitzt größere Abmessungen und ein höheres Gewicht. Während Fischer seine Reihe auf insgesamt 21 Bände angelegt hat, sieht der Editionsplan von C.H.Beck lediglich sechs Einzelbände vor, die in einem jährlichen Zyklus erscheinen werden. Demgegenüber wurde die ursprünglich ebenfalls für September 2012 avisierte vierte Veröffentlichung "Neue Fischer Weltgeschichte. Band 16: Amerika vor der europäischen Eroberung" auf Mai 2013 verschoben und weitere Publikationstermine wurden noch nicht bekannt gegeben. Der preisliche Unterschied zwischen den Bänden der beiden Reihen liegt um die 20 Euro....

....der wesentlichste Unterschied lässt sich jedoch bereits aus den fein differenzierten Titeln "Weltgeschichte" und "Geschichte der Welt" ableiten. Während beim S. Fischer Verlag die Geschichte einzelner Weltregionen und ihrer Interaktion (teilweise in bis zu drei Bänden) dargestellt wird, ist der Blickwinkel bei C.H.Beck nicht auf geografische Räume, sondern auf weltweite chronologische Epochen gerichtet. Hierbei haben sich die Herausgeberin, Prof. Emily S. Rosenberg, Prof. emer. Dr. Iriye Akira und Prof. Dr. Jürgen Osterhammel von der lange verbreiteten Ansicht, dass "Weltgeschichte" als Aufstieg und Niedergang von "Hochkulturen" zu betrachten und niederzuschreiben sei, gelöst. Gleichwohl das sechsbändige Werk die Errungenschaften des sogenannten Westens, d. h. Europa nicht zu leugnen versucht, negiert es jedoch das auf Macht, Wohlstand und kulturelle Kreativität begründete Postulat der Dominanz, welches ihm für einen langen Zeitraum zugesprochen wurde. Vielmehr kommt zum Ausdruck, dass Weltgeschichte keine Abfolge von geographischen Teilgeschichten, sondern zu zeitlich parallelen Abläufen in anderen Teilen der Welt in einen Gesamtkontext einzuordnen ist. Seit der Morgenröte der Menschheit wird die Geschichte des gesamten Planeten durch Querbeziehungen und Wechselwirkungen bestimmt. Weltweite Zusammenhänge, wie die Diffusion von Technologien, Kommunikationsnetzen, Konsummuster etc. sind keine alleinigen Phänomene unser "globalen Gegenwart".

Mit dem "5. Band gewählte Zeitraum (1870 – 1945)" ist das angestrebte alternative Konzept der Geschichtsschreibung voll aufgegangen. Denn seine globale Sicht und Interpretation verdeutlichen im besonderen Maße, dass bereits vor der "elektronischen Revolution", durch Imperialismus und Kolonialismus transkontinentaler Austausch stattfand, der sich in Handlungsströmen, militärischen Auseinandersetzungen, aber auch friedlichem Kulturaustausch offenbarte. Daneben ist auch der für den 5. Band gewählte Zeitraum (1870 – 1945) für timediver® hinsichtlich der jüngeren deutschen Geschichte eine Bestätigung, denn am 8. Mai 1945 ging schließlich das zu Ende, was am 19. Juli 1870 gewaltsam begonnen hatte.

5 Amazonsterne für den gelungenen Auftakt einer Reihe, die synchron auch als englischsprachige Ausgabe von Harvard University Press (A History of the World, a World Connecting: 1870-1945) publiziert wird.
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Geschichte der Welt  1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege
Geschichte der Welt 1870-1945: Weltmärkte und Weltkriege von Akira Iriye (Gebundene Ausgabe - 25. September 2012)
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