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4.0 von 5 Sternen Geschichte der Türkischen Republik - für Europäer
„Zumeist beschränken sich unsere Türkei-Kenntnisse auf das noch verbliebene Schulwissen (Der kranke Mann am Bosporus, Istanbul hieß früher Konstantinopel) bzw. auf die von den Medien vermittelten Türkei-Themen (z. B.Kopftuch-Debatte, EU-Beitritt ja oder nein, entstehende Parallelgesellschaften in Berlin und anderswo oder wie aktuell auf...
Vor 15 Monaten von Gerhard Günther veröffentlicht

versus
1 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen naja
Also für jemanden, der sich etwas mit der Materie zu tun hat, ist es recht enseitig geschrieben und sehr aus der Sicht eines "Europäers"
Vor 9 Monaten von L. Kaya veröffentlicht


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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschichte der Türkischen Republik - für Europäer, 3. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Türkei: Von Atatürk bis zur Gegenwart (Taschenbuch)
„Zumeist beschränken sich unsere Türkei-Kenntnisse auf das noch verbliebene Schulwissen (Der kranke Mann am Bosporus, Istanbul hieß früher Konstantinopel) bzw. auf die von den Medien vermittelten Türkei-Themen (z. B.Kopftuch-Debatte, EU-Beitritt ja oder nein, entstehende Parallelgesellschaften in Berlin und anderswo oder wie aktuell auf die Frage der Doppel-Staatsbürgerschaft). Selbst der Türkei-Urlauber erfährt mehr über die Reste der antiken Kultur in Kleinasien als über die fast hundertjährige Geschichte der Türkischen Republik.

Diese Wissenslücke über die Geschichte der Türkei lässt sich mit dem 130-seitigen Taschenbuch des Türkei-Experten Klaus Kreiser rasch schließen. In acht Kapiteln stellt er verständlich dar, wie das Osmanische Reich nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg von den Siegermächten – darunter auch Griechenland – aufgeteilt wurde, es aber „Widerständlern“ um Mustafa Kemal, dem späteren Atatürk, gelang, das Gebiet der heutigen Türkei als weitgehend unabhängigen Nationalstaat im Vertrag von Lausanne 1923 zu etablieren. Möglich war dies durch Ausgleich mit der nachrevolutionären Sowjetunion, einer geschwächten Kolonialmacht England und nicht zuletzt durch militärische Erfolge über die griechischen Invasoren, was große Umsiedlungsaktionen zwischen Griechenland und der Türkei zur Folge hatte.

Begleitet von der Niederschlagung von Kurdenaufständen und der Beseitigung von Oppositionellen setzte Kemal Atatürk u.a. eine republikanische Verfassung, die Aufhebung des Kalifats, die lateinische Schrift, teilweise Übernahme europäischen Zivilrechts u.a. durch. Bis zu seinem Tod 1938 herrschte Atatürk fast diktatorisch in seinem Einparteienstaat, wobei die Partei CHP die sechs Grundeigenschaften des „Kemalismus“ als ihr Parteiprogramm 1931 festschrieb (Seite 50): Republikanismus, Nationalismus, Laizismus, Populismus, Etatismus und Reformismus/Revolutionismus.

Die Weltwirtschaftskrise machte Anstrengungen zur Importsubstitution notwendig, die Industrialisierung sollte mit Hilfe von Fünf-Jahres-Plänen gesteuert werden. Die Türkei jener Jahre orientierte sich zum einen am Modell der sowjetischen Planwirtschaft, zum anderen ähnelte das politische System teilweise dem faschistischen Italien und die Handelsbeziehungen zu Deutschland, sowohl vor und nach 1933, waren beträchtlich. Ethnische Minderheiten waren – wie in autoritäten Staaten üblich - einem starken Anpassungsdruck oder gar Verfolgungsdruck ausgesetzt.

Atatürks Nachfolger Inönü gelang es nach 1938 zum einen innenpolitisch oppositionelle Gruppen ins Herrschaftssystem zu integrieren. Nachdem Mussolini Albanien annektiert hatte, sah sich die Türkei bedroht und sicherte sich den Beistand Großbritaniens. Vor allem gelang es der Türkei unter Inönü ihre Neutalität zu bewahren, 1941 wurde ein deutsch-türkischer Nichtangriffspakt geschlossen. Die Bemühungen Churchills ab 1943, die Türkei zu einem Kriegseintritt zu bewegen, blieben lange erfolglos. Erst im Februar 1945 erklärte die Türkei Deutschland den Krieg und sicherte sich einen Platz auf der „Siegerseite“ und war auch bei der UNO-Gründungskonferenz im April 1945 bereits dabei sowie mit einem UN-Kontingent beim Koreakrieg.

Mit dem beginnenden „Kalten Krieg“ sah sich die Türkei zunehmend von der Sowjetunion bedroht und erhielt Beistand im Rahmen von Trumans Containment-Politik. Marshallplan-Gelder und US-Militärhilfe nach dem NATO-Beitritt 1952 ermöglichten eine Modernisierung der Streitkräfte und förderten die Westbindung der Türkei, die sich nun bewusst als europäischer Staat definierte.

Die korrekte Darstellung des politischen Systems der Nachkriegszeit ist eine schwierige Aufgabe, da sich Parteibezeichnungen und auch Verfassungsbestimmungen mehrfach geändert haben. Für die Leser wäre es hier hilfreich gewesen, wenn zusätzlich zu den beiden Landkarten und mehreren Tabellen der wirtschaftlichen Entwicklung auch das Parteienspektrum, die Regierungsschef und Präsidenten in einer Übersicht zusammenfassend dargestellt worden wären.

Als wesentliche Veränderungen sind festzuhalten.
Nach 1945 gibt es ein Mehrparteiensystem, die kemalistische CHP verliert 1950 erstmals die parlamentarische Mehrheit an die DP (Demokratische Partei), die nun den Regierungschef stellt, was als erfolgreiche Demokratisierung des parlamentarischen Regierungssystems betrachtet werden kann.

Nach dem Militärputsch 1960 wird die DP verboten, ein Verhältniswahlrecht mit einer 10 %-Sperrklausel eingeführt. Die Nachfolgepartei AP (Adalet Partisi) kann in den 60-iger Jahren aber weiterhin den Minsterpräsident stellen. In den 70-iger Jahren nimmt angesichts des Zypern-Konflikts 1974 – nicht zuletzt mit der nationalistischen MHP (Symbol „Graue Wölfe“) - die Polarisierung zu, was 1980-82 wiederum zum Eingreifen des Militärs führt, um die „Türkische Republik zu bewahren“.

Die Koalitionsregierungen der folgenden Jahre hatten sich mit der kurdischen PKK auseinanderzusetzen; mussten erkennen, dass eine baldige EU-Mitgliedschaft nicht erreichbar war und hatten sich gegen die radikal-islamistische Konkurrenz der Partei Erbakans zu behaupten. Die AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung), aus einer Abspaltung der Partei Erbakans hervorgegangen, versteht sich als Partei von konservativen Demokraten und nicht als islamistische Partei, obwohl die Wertebasis religiös bestimmt ist. Seit der Regierungsübernahme Erdogans 2002 hat die AKP ihre Position und ihre Mehrheiten ausgebaut, 2007 wurde mit A. Gül gegen den Willen des Militärs ein Parteifreund von Erdogan zum Präsidenten der Republik gewählt. Die kemalistische Grundlage, als dessen Bewahrer sich das das Militär bzw. der Sicherheitsrat sehen, wird zunehmend in Frage gestellt.

K. Kreiser schloss sein Manuskript im Frühjahr 2012 ab. Damals – zu Beginn der dritten Amtszeit des AKP-Ministerpräsidenten Erdogan – war die weitere Entwicklung schwierig zu beurteilen. Eine EU-Mitgliedschaft würde eine weitere Liberalisierung und Gewährung von Grundrechten und Minderheitenschutz und Ausbau der Zivilgesellschaft erforderlich machen. Andererseits sah sich die Türkei nach der „Arabellion“ in mehreren Staaten in einer Vorbildrolle oder gar Führungsrolle für den arabischen Raum und orientierte sich als wirtschaftlich erfolgreiches Schwellenland teilweise neu.
Nicht auszuschließen konnte man, dass nach dem Wahlsieg der AKP von 2011 eine neue Verfassung mit Präsidialsystem durchgesetzt werden würde, das den türkischen Laizismus noch stärker beseitigen würde.

Man kann die Einschränkung der "Wächterrolle des Militärs" positiv als Demokratisierung des politischen Systems sehen, sofern auch die Grundrechte gewährleistet werden. Aber es kann auch der Abschied vom Kemalismus und der Anfang einer Islamisierung von Politik und Gesellschaft durch die AKP sein.

Die Massenproteste in der Türkei im Sommer 2013, die sich vom Konflikt um den Bau eines Einkaufszentrums rasch zu einem politischen Richtungsstreit entwickelt haben, machten die Widersprüche in der modernen türkischen Gesellschaft deutlich.

K. Kreiser fragt sich bei seinen Ausblick auf Seite 120, wie die Türkei im Jahr 2023 ihr einhundertjähriges Bestehen wohl begehen wird bzw. was zu feiern sein wird. Diese Frage ist heute noch schwieriger zu beantworten, zumal das rasante Wirtschaftswachstum beendet zu sein scheint.

Kreiser Buch ist eine historische Darstellung der letzten 100 Jahre der Türkei, die neben der politischen und verfassungsrechtlichen Entwicklung auch den ökonomischen Fortschritt und den internationalen Kontext berücksichtigt. Kompakte Information auf gut 100 Seiten, die einem u.a. das schwierige Verhältnis zwischen Griechen und Türken deutlich macht. Wenn heute die westliche Wertegemeinschaft der NATO beschworen wird, so vergisst man doch leicht, dass der NATO-Partner Türkei 1960 und 1980 von Militärs regiert wurde und Parteienverbote häufig vorkamen. Vor allem wird deutlich, welches Konfliktpotential zwischen dem Militär, zumindest in der Spitze neben der kemalistischen Tradition auch durch die NATO-Partner beeinflusst, und der AKP und deren angestrebten Verfassungsänderungen und einer weiteren "Islamisierung" besteht.

Natürlich würde man sich noch ein umfangreiches Schlusskapitel wünschen, in dem der Türkei-Kenner Professor Kreiser das aktuelle Konfliktpotenzial (Stadt/Land, Pressefreiheit, Minderheiten, Rolle der Frauen, Langfristige Ziele der AKP, Gefahr eines Militärputsches usw.) in der türkischen Gesellschaft und Politik genauer beschreibt,
aber das ist nicht die Absicht dieser „kleinen Türkei-Geschichte“, die auf
jeden Fall lesenwert ist.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen!, 30. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Türkei: Von Atatürk bis zur Gegenwart (Taschenbuch)
Prof. Dr. Klaus Kreiser ist der Experte für die türkische Geschichte.
Dieses Buch ist mit Abstand die beste Zusammenfassung in deutscher Sprache. Vorallem sein Wissen über die junge Republik ist lobenswert.
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1 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen naja, 28. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Geschichte der Türkei: Von Atatürk bis zur Gegenwart (Taschenbuch)
Also für jemanden, der sich etwas mit der Materie zu tun hat, ist es recht enseitig geschrieben und sehr aus der Sicht eines "Europäers"
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Geschichte der Türkei: Von Atatürk bis zur Gegenwart
Geschichte der Türkei: Von Atatürk bis zur Gegenwart von Klaus Kreiser (Taschenbuch - 23. August 2012)
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