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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mut zur Nachdenklichkeit statt Abwehr
Wer die Thesen dieses Buches abwehrt, kann ihnen immerhin die Gründe für seine Fluchthaltung entnehmen. So viel Tiefenpsychologie und Kulturreflexion sollte möglich sein. Ich meine, dass zum Thema aus anderen Wissenschaftsbereichen durchaus noch mehr zu sagen wäre - im Endeffekt jedenfalls eher Bestätigendes! Maaz hat weitestgehend Recht, z.B. mit...
Veröffentlicht am 17. Dezember 2012 von Werner Thiede

versus
22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein gutes Buch im schlechten.
Das Buch zerfällt für mich zwei Teile. Der gut gebaute und klare „erste Teil“ (ca. bis Seite 190) wird durch die Ideologisierung im „zweiten Teil“ leider zu großen Teilen wieder aufgehoben.
Ich habe das Buch von Herrn Maaz mit einiger Spannung gelesen – beschäftigt mich doch mein eigener Narzissmus (im Guten wie im...
Veröffentlicht am 15. September 2012 von Rudolf


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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mut zur Nachdenklichkeit statt Abwehr, 17. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Wer die Thesen dieses Buches abwehrt, kann ihnen immerhin die Gründe für seine Fluchthaltung entnehmen. So viel Tiefenpsychologie und Kulturreflexion sollte möglich sein. Ich meine, dass zum Thema aus anderen Wissenschaftsbereichen durchaus noch mehr zu sagen wäre - im Endeffekt jedenfalls eher Bestätigendes! Maaz hat weitestgehend Recht, z.B. mit der Feststellung: "Der Ablenkungszwang bedient sich heute vor allem des Fernsehens, des Internets und des Mobilfunks. ... Man beobachte nur einmal, mit welch nichtigen, überflüssigen Informationen ein unfreiwilliger Zuhörer auf Flughäfen, in Zügen oder Gaststätten durch den unablässigen Handygebrauch belästigt wird. Daran wird nicht nur die Kontaktnot der plappernden Menschen deutlich, sondern auch ihre versteckte Aggression, mit ihrer narzisstischen Bedürftigkeit andere zu stören und zu quälen" (S. 95). Gerade wer sich durch dieses Buch gestört fühlt, sollte sich die Lektüre zumuten, den Text und damit am Ende sich selbst möglichst gut zu verstehen suchen.
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30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf den Punkt geschrieben, 26. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Danke, Hans-Joachim Maaz, Sie haben in Worte gefasst, was ich seit Jahren fühle. Er durchschaut unsere Gesellschaft und reißt ihr in diesem Buch die narzisstische Verpackung herunter. Erschreckend vor allem seine These, dass es für den frühen Mangel an "echter" Mutter- oder Vaterliebe keine späte Rettung mehr gibt. Man kann also als Erwachsener nur noch Schadensbegrenzung betreiben, um sich durch sein eigenes narzisstisches Defizit nicht selbst um das Lebensglück zu bringen. Oder um seinen Mitmenschen keinen Schaden zuzufügen. Viel zu oft werden narzisstische Typen umjubelt und gefördert - in Politik, Beruf und im Privatleben. In einer Welt, in der es nur noch auf die richtige Selbstdarstellung ankommt, scheint jedes Mittel recht. Die Gessellschaft steht auf die vermeintlich Starken, die Führungskraft suggerieren - im inneren aber arme Würstchen sind und im täglichen Miteinander hochkompliziert sind. Aber: Auch wenn Leichen den Weg der Narzissten pflastern, sie haben Erfolg. Weil das System auf Selbsterhalt ausgerichtet ist. Und so lange Narzissten bis in die Spitzen der Welt-Politik sitzen, werden sie sich in Amt und Würden erhalten. Neuen Gesellschaftsformen bleibt damit der Weg versperrt. Ein Graus! Missbrauch einer ganzen Welt.
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86 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wichtiges Buch - für uns alle, 20. Juli 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Hans-Joachim Maaz ist mit "Die narzisstische Gesellschaft" ein bedeutsames Buch gelungen, das an seine bekannten und grundlegenden Bücher "Der Gefühlsstau" und "Der Lilith-Komplex" anschließt. War "Der Gefühlsstau" bei seinem Erscheinen im Jahr 1990 als Beschreibung der gerade untergegangenen DDR zu verstehen, legt der Autor nun ein Psychogramm der kapitalistischen, auf Leistung und Wachstum geeichten Gesellschaft vor.
Ihm gelingt mit der Erklärungsfolie des Narzissmus ein zentrales Merkmal unserer Zeit darzustellen, das die individuelle, die soziale und die gesamtgesellschaftliche Ebene gleichermaßen anspricht. Gier, Wachstumsideologie und selbstzerstörerische Leistungsbereitschaft werden nicht nur als wesentliche Merkmale unserer Gesellschaft beschrieben, sondern Maaz fragt auch konsequent nach deren Ursachen. Die sieht er in einem Mangel an Liebe, Zuwendung und Wertschätzung in der frühen Kindheit. Dieses einstmals erlebte Defizit, von dem vermutlich fast jeder betroffen ist, soll im späteren Leben durch vielfältige Verhaltensweisen kompensiert werden, die im Buch dann auch mit zahlreichen Beispielen beschrieben werden. Und Maaz stellt dar, wie aus dieser individuellen Not und Abwehr eine Endlosschleife aus immer mehr Habgier, Bedürfnisbefriedigungssucht und Ideologie wird, wie sie für unsere Gesellschaft so bezeichnend ist.
Doch trotz der manchmal auch für den Leser schmerzhaften Analyse sind die Ausführungen von Maaz immer auch von Verständnis und Empathie geprägt. Er zeigt zudem, dass bei aller Unauflösbarkeit der frühen Defizite ein gutes - und ich möchte auch sagen: anständiges - Leben möglich ist. Doch dafür ist es notwendig, die eigene Problematik nicht anderen (Partnerinnen und Partnern, "den" Männern und "den" Frauen, "Denen da oben" usf.) zuzuschieben, sondern die Verantwortung für die eigene Kompensation narzisstischer Defizite zu übernehmen.
Maaz gelingt es, all diese Tatsachen mit einer klaren, auch für Laien verständlichen Sprache darzustellen. Ich vermute, dass ihm gerade das vorgeworfen werden wird: Die Welt sei doch viel zu komplex, als dass solch ein Erklärungsmuster ausreichen würde. Doch lässt sich nicht gerade in den vielen komplizierten Erklärungen des Weltgeschehens, die wir tagtäglich vorgesetzt bekommen, eine geschickte Abwehr erkennen? Wenn alles so kompliziert ist, brauche ich ja selbst keine Verantwortung zu übernehmen, kann ich die Schuld im nicht veränderbaren "Großen und Ganzen" sehen und meinen Narzissmus weiter pflegen. Doch genau diese Haltung sollte nach der Lektüre des Buchs von Hans-Joachim Maaz der Vergangenheit angehören.
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64 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesen!, 26. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Ich kenne Herrn Maaz und seine Arbeit schon seit längerer Zeit, und kann jedem nur empfehlen sich mit seiner Sichtweise auf unsere Krisengeschüttelte Gesellschaft zu beschäftigen. Denn Herr Maaz hält sich nicht bei "bequemen" Symptomen wie gierigen Bänkern, korrupten Politikern oder allgemein den "Verbrechern da Oben" auf, sondern zeigt, das diese Auswüchse nur in Verbund mit willigen Erfüllungsgehilfen, sprich (mehr oder weniger) UNS ALLEN möglich sind.
Er zeigt, wo die Ursachen "von immer mehr" (verkürzt gesagt: Liebesmangel) liegen, die unsere Welt an den Rand des Abgrunds geführt haben. Und er zeigt, welche Schritte nötig sind, damit wir nicht auch noch den allerletzten Schritt ins Unheil vollziehen.
Denn welcher wache Geist kann noch wirklich behaupten, dass wir nicht längst am Ende der Fahnenstange angekommen sind? Immer währendes Wachstum (das momentan mal wieder als "Lösung" der Krise progagiert wird) ist eben nicht die "Lösung" sondern das Symptom der Krise und gleichzeitig der letzte Sargnagel für unsere Welt. Unbequem sind diese Wahrheiten, aber sie können auch heilen. Doch dazu ist ein sofortiges Umdenken nötig. Jeder kann bei sich selbst anfangen. Lassen wir die gängigen Propagandawerkzeuge der Unmenschlichkeit (BILD, RTL etc.)links liegen, schalten das Smartphone aus, tauschen unsere "Freunde" bei Facebook gegen echte Beziehungen und glauben nicht mehr jeden Mist, den man uns vorsetzt. Das wäre schonmal ein Anfang. Ich mache mit. Du auch?
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 14. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Das Psychogramm von Hans-Joachim Maaz ist ein Buch für alle, die keine Angst vor Selbstreflexion haben. "Solange wir keine Mittel finden, den Narzissmus und die ihm zugrunde liegende Bedürftigkeit zu zähmen, so lange gleichen alle unsere Versuche, die Krise zu überwinden, einem Stühlerücken auf der Titanic", so die Einschätzung auf dem Buchrückentext. Ob es wirklich so aussichtslos ist, sei dahingestellt. Plausibel allerdings sind die Ausführungen, die der Autor dazu macht und sollten daher unbedingt Pflichtlektüre für alle sein, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten - denn diese sind die Zukunft unserer Gesellschaft.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Kampf ist leichter als Therapie" (78)., 26. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Warum ist der Mensch unglücklich? Warum wollen Menschen anderen schaden? Was sollen diese ganzen menschlich-allzumenschlichen Machtspiele sowohl im Beruflichen als auch im Privaten? Warum gibt es eigentlich Hartz-IV und so viele übergewichtige Menschen? Der Psychiater und Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz meint, die Wurzel allen Übels gefunden zu haben: den Narzissmus: "Der narzisstisch bestätigte Mensch ruht in sich und schwingt im Kommen und Gehen der eigenen Bedürfnisse, die er angemessen zu befriedigen, zu modifizieren oder zu verschieben versteht; hingegen bleibt der narzisstisch gestörte Mensch in ständiger Unruhe, Spannung und Unzufriedenheit, getrieben vom Wunsch nach echter Erfüllung, die schon längst auf immer verloren ist" (21).

Die Ursachen solcher narzisstischer Störungen liegen, so Maaz, in frühkindlichen Mangelerfahrungen, vor allem in fehlender Akzeptanz des Kindes durch die Mutter. Diesen Aspekt hat Maaz in seinem Buch Der Lilith-Komplex ausführlich ausgearbeitet. Ein solch narzisstisch gestörter Mensch richte unbewusst sein gesamtes Handeln darauf aus, diese emotionale Lücke zu kompensieren. Dabei sei der Mechanismus eines solchen Lebens immer derselbe: "Idealisierung und Entwertung sind das Geschwisterpaar narzisstischer Lebenskultur. Das Eigene hochloben oder ein Idol – bis zur kreischenden Verblödung – verehren, dabei aber alle Kritik abwehren und alle Gegner und Konkurrenten abwerten – das ist die Dynamik, in der alles Geschehen in Gut und Schlecht eingeteilt wird" (26).

Maaz Argumentationen sind überzeugend dargelegt und jeder Leser wird problemlos Menschen in seinem Bekanntenkreis finden, die narzisstische Verhaltensweisen aufzeigen oder solche Verhaltensweisen auch an sich selbst entdecken. Maaz geht jedoch so weit zu behaupten, dass jedes gesellschaftliche Phänomen in der narzisstischen Kränkung seinen Ursprung habe. So lasse sich die große Anzahl dicker Menschen dadurch zu erklären, da ein adipöser Körper einen "seelischen Schutzmantel durch Fett" (82) biete. Hartz-IV sei das "Schandmal der narzisstischen Gesellschaft" (40), da es Menschen mit einem narzissitischen Minderwertigkeitskomplex davon abhalte, ein Leben in Eigenverantwortung und Würde zu führen. All dies erscheint mir doch übertrieben, da sich solche komplexen gesellschaftlichen Problenfelder nie ausschließlich monokausal erklären lassen.

Fazit: Auch wenn man Maaz Thesen nicht bis ins letzte Detail folgen will, bietet "Die narzisstische Gesellschaft" viele interessante Denkanstöße, die einiges zum Verständnis unserer heutigen Gegenwart beitragen können.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesellschaftlicher Narzissmus als größtes Problem der Zeit, 4. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Ich war gespannt, ob das Buch dem Titel gerecht wird und dem vor 30 Jahren erschienen Buch von Christopher Lasch zum 'Zeitalter des Narzissmus' etwas Wesentliches und Lesenswertes hinzufügen kann. Nach der Lektüre des Buches kann ich sagen ja.
Hans-Joachim Maaz gelingt es nicht nur, Narzissmus als individuelles Phänomen verständlich zu machen, sondern er weist auch deutlich auf die interaktionellen und besonders auf die gesellschaftlichen Problematiken narzisstischer Verhaltensweisen hin. Gerade im Aufzeigen der narzisstischen Problematiken auf der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Ebene sehe ich den großen Verdienst dieses Buches. Wir leben in einer hochgradig narzisstischen Welt und nur eine Bewusstsein darüber, kann zu notwendigen (ganz im Sinne von die Not wendet) Veränderungen führen. Mir bleibt daher nur, mich für dieses Buch zu bedanken und der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass es viele Leser findet.
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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein gutes Buch im schlechten., 15. September 2012
Das Buch zerfällt für mich zwei Teile. Der gut gebaute und klare „erste Teil“ (ca. bis Seite 190) wird durch die Ideologisierung im „zweiten Teil“ leider zu großen Teilen wieder aufgehoben.
Ich habe das Buch von Herrn Maaz mit einiger Spannung gelesen – beschäftigt mich doch mein eigener Narzissmus (im Guten wie im Schlechten) schon seit geraumer Zeit und die Verheißung im Titel – diese ganze Gesellschaft sei eine narzisstische - ist schon verlockend – also „Herzlich willkommen im Club“ sozusagen. Der Horizont vor dem meine Bewertung geschieht speist sich auch daraus, dass ich den von Herrn Maaz vertretenen Therapieansatz selbst erfahren habe und auch noch heute der Meinung bin, dass die beiden Gruppentherapien (1993 und 1996) an denen ich in Halle teilgenommen habe mir damals „den Arsch“ gerettet und einen besseren Weg ins Leben gezeigt haben.
Ich schätze an dem Buch die klare Sprache. Herr Maaz hat die Fähigkeit Dinge beim Namen zu nennen und auf das Wesentliche einzudampfen. Ich habe bisher noch keine verständlichere, klarere und auf lediglich fünf Seiten abgehandelte Definition des Begriffs Narzissmus gefunden. Seine Beschreibung über die Entstehung einer narzisstischen Störung, die Symptome und die Umgangsstrategien mit dieser sind klar und für mich völlig nachvollziehbar dargestellt. Die von Ihm gewählte Unterscheidung in „Größenselbst“ und „Größenklein“ gefallen mir, weil diese Begriffe das Feld noch etwas weiter öffnen als die oft gebrauchten Begriffe vom „aktiven“ und „passiven“ Narzissten. Nahe geht mir auch die von ihm beschriebene scheinbare Unausweichlichkeit mit der in ihrem Selbstwert gekränkte Menschen in Konflikte geraten, andere Menschen benutzten - wie sie in Beziehungen, als Eltern, als Sexualpartner agieren - aber auch welche seelische Not damit verbunden ist. Also bis dahin ein gutes und leicht verständliches „Lehrbuch“ für Menschen die etwas über sich und/oder Narzissten erfahren möchten und bereit sind von den ideologischen Einsprengseln abzusehen.
In Schieflage gerät das Buch an dem Punkt wo sich Herr Maaz der Gesellschaft zuwendet - das Ganze in den Blick nehmen möchte - dafür aber die verkürzte und einseitige Perspektive eines Therapeuten wählt – anstatt den Blick zu weiten - die Augen zusammen kneift, sein Sichtfeld verengt und für das was sich ihm da zeigt weitaus mehr agitiert, kämpft und ideologisiert als es der Gegenstand hergibt. Ich denke es kann gegenwärtig als weitgehend unstrittig gelten, dass jeder subjektive Aspekt (in diesem Fall die narzisstische Störung) immer auch eine interobjektive (hier die gesellschaftliche) Wirkung hat und darüber hinaus auch intersubjektiv (also kulturell) wirkt und objektiv - als Verhalten sichtbar - wird. Alle diese Faktoren stehen in einem sich gegenseitig bedingenden und beeinflussenden Verhältnis und es scheint mir unsinnig und unwichtig (außer man möchte mal was ganz „Großes“ herausfinden) die nun „wirklich, wirklich, wirklich“ zugrunde liegende Ursache zu finden. Herr Maaz nimmt in seiner Gesellschaftskritik die gleiche Haltung ein die er Ökonomen, Bankern oder Politikern (und das mit Recht) vorwirft – nämlich die von ihrer Individuation und Profession gefärbte Sichtweise von der Qualität der gegenwärtigen Gesellschaft und ihre vermeintlichen Wirklichkeit für die einzig mögliche zu halten. Herr Maaz führt den Zustand unserer Gesellschaft - ganz Therapeut - einzig auf den Narzissmus der jeweiligen Protagonisten zurück. Aber genau in dieser verengten, verkürzten und lediglich auf dem eigenen Horizont beruhenden Sichtweise von Wissenschaftlern, Politikern und Wirtschaftsbossen – aber auch von Philosophen und eben Therapeuten scheint mir das weitaus größere Problem zu liegen. Auch Herr Maaz greift aus einem in sich verschachtelten Ursachen-Wirkungsgefüge seine Perspektive heraus, erklärt die narzisstische Störung zum Urgrund des Übels, fragmentiert das Gefüge des Gesellschaftlichen Zusammenspiels und konstruiert damit eine Wirklichkeit - die seine Kenntnisse über Eigenschaften von Teilen und Teilaspekten des menschlichen Lebens für das Ganze setzt. Wie viel Hybris in so einer Haltung liegt, hat Herr Maaz gut am Beispiel der Politiker im Umgang mit der gegenwärtigen Krise erläutert – er übersieht dabei, dass auch er aus dieser Selbstüberschätzung heraus agiert, wenn er meint mit dem Narzissmus nun den „wirklichen“ Grund für die Krisen unserer Gesellschaft entdeckt zu haben und dafür sogar bereit scheint, sicherlich höchst unvollkommene - aber sehr wichtige demokratische Strukturen und Regelungssysteme einer Expertenrunde aus „narzisstisch gesättigtem Menschen“ zu opfern. Das macht mir Angst.
Ich empfehle dieses Buch allen die etwas über den und/oder ihren eigenen Narzissmus und die damit verbunden Risiken und Nebenwirkungen erfahren möchten und denke, dass es dazu beitragen kann den Narzissmus als einen Aspekt menschlichen Werdens in den Focus der Aufmerksamkeit zu rücken (das wäre ja schon eine gelungene Intervention) - hoffe aber, dass es für die im Sinne von Herrn Maaz vorgeschlagene gesellschaftliche Entwicklung unwirksam bleibt.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die narzisstischen Störungen entstehen in der frühen Kindheit. Dort liegt der Schlüssel für die gesellschaftliche Entwicklung., 8. August 2012
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Dieses Buch ernüchtert. Es lässt Hoffnungen auf eine baldige Verbesserung gesellschaftlicher Zustände sich in Luft auflösen und alle Perspektiven auf eine menschliche und eben auch zwischenmenschlich lebenswerte Gesellschaft in Rauch aufgehen.

Denn Hans-Joachim Maaz, ein seit 40 Jahren praktizierender Psychiater und Psychoanalytiker, der mit Büchern wie 'Der Gefühlsstau' und 'Die Liebesfalle' in der Vergangenheit schon oft die psychische Verfassung des Landes und seiner Menschen scharf und auch oft treffend beschrieben hat, sieht unsere ganze Gesellschaft in einer Narzissmus-Falle. Er führt sie zurück auf eine grundlegende Störung von immer mehr Menschen, deren frühe Mutter-Kind-Beziehung nicht gelingt und die dann in ihrem weiteren Leben narzisstisch gestört an einem grundsätzlichen Minderwertigkeitsgefühl leiden. Eine oder auch mehrere der folgenden Selbstwahrnehmungen und Selbstdefinitionen sind typisch für ihr Seelenleben:

' Ich bin nicht liebenswert
' Ich bin nicht gut genug
' Ich bin nicht berechtigt, ich bin es nicht wert
' Ich kann das nicht, ich schaffe das nicht
' Das ist zu viel für mich
' Ich bin ein Versager, ein Verlierer
' Ich bin nicht schön genug
' Mich will sowieso keiner
' Ich genüge nicht
' Ich habe eh keine Chance
' Ich bleibe draußen, ich gehöre nicht dazu

Und weil das keine guten Gefühle sind, versuchen die Menschen durch allerlei grossartigen Ich-Leistungen zum Erfolg zu kommen. Doch sie bleiben brüchig, denn sie ruhen nicht in einer in der Kindheit erworbenen Bindung und Selbstsicherheit, sondern sie werden durch die früh in der Kindheit erlebte Abwertung quasi pulverisiert. Mangelnde Bindung und Spiegelung sind die Hauptquelle der rasend schnell zunehmenden narzisstischen Störungen. Wer nicht ausreichend gespiegelt und bestätigt wurde, der bleibt einleben lang abhängig von der Zustimmung anderer.

Fehlende Empathie als ein wesentliches Zeichen narzisstischer geströter Menschen führt in der Summe zu immer weniger Mitmenschlichkeit und zu einer schon seit langem spürbar werdenden Kälte in der Gesellschaft.

Nachdem Hans-Joachim Maaz über 200 Seiten sehr verständlich und lesenswert die narzisstischen Phänomene in den verschiedenen Lebensbereichen der Menschen und der Gesellschaft beschrieben hat, kommt er am Ende zu dem nüchternen und skeptisch-hoffungsvollen Ergebnis:
'Solange die Ursachen früher seelischer Verletzungen von Kindern nicht wesentlich vermindert werden können, habe ich die Befürchtung, das sich kollektiv- destruktive Fehlentwicklungen(die er vorher in Fülle beschrieben hat, d.R.) in immer neuen Formen wiederholen. Wenn wir die destruktiven Folgen der narzisstischen Problematik vermeiden wollen, müssen wir uns ernsthaft und engagiert folgenden Aufgaben zuwenden.'

Und dann zählt er drei Aufgaben auf:

1. Wir müssen der Wachstumsideologie entkommen. Sie speist sich nämlich aus narzisstisch unbefriedigten Bedürfnissen. Wir müssen uns konzentrieren auf die Qualität und die Entwicklung unserer sozialen Beziehungen.
2. Wir müssen die Leistungsgesellschaft verlassen. Sie dient der Kompensation seelischer Defizite. Wir müssen lernen, unsere natürlichen Begrenzungen zu akzeptieren, inklusive unserer Endlichkeit.
3. Partnerschaft, Freundschaft, Liebe und Sexualität dürfen nicht mit 'Übertragungen' belastet werden, die aus unerfüllten narzisstischen Sehnsüchten stammen. Das ist harte Arbeit an sich selbst, die man durch ehrliche Mitteilungen und einen offenen Gefühlsausdruck unterstützen kann, ggf. auch durch eine Therapie. Am besten lässt sich diese wichtige Fähigkeit erreichen durch eine bestmögliche frühkindliche Bindung und Bestätigung.

Für den einzelnen Menschen sind diese Ziele durch harte und selbstkritische Arbeit an sich selbst durchaus erreichbar, sagt Maaz. Für die Masse der Bevölkerung nicht .

Die Gesellschaft muss sich die optimale Betreuung von Kindern zu zentralen Aufgabe machen. Die Entwicklung einer guten Mütterlichkeit und Väterlichkeit und ein Orientierungswandel von der Erziehung zur Beziehung sind nötig.

'Die narzisstischen Störungen entstehen in der frühen Kindheit. Dort liegt der Schlüssel für die gesellschaftliche Entwicklung.'

Je mehr einzelne Menschen anders leben wollen und dazu auch psychisch in der Lage sind, so Maaz, desto mehr kann sich die Dominanz der narzisstischen Gesellschaft verändern.

Ja, das ist in vielen Dingen und schon immer die Basis aller Hoffnung auf Veränderung. Viele Leute an vielen Orten können das Gesicht der Welt verändern. Ich kenne mittlerweile immer mehr davon, die an sich arbeiten und versuchen, ihren Kindern die nötige Bindung, Liebe und Beziehung zu schenken, die sie brauchen werden, um zu menschlichen und psychisch gesunden Mitglieder einer Gesellschaft zu werden, die nichts dringender braucht als viele solcher junger Menschen.
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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesellschafts -und Kulturkritik auf der Grundlage von Wissenschaft und Forschung., 1. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm (Taschenbuch)
Der aus zahlreichen Veröffentlichungen bekannte Psychoanalytiker Hans- Joachim Maaz führt uns in seinem vorliegenden Buch zu den Ursprüngen des Begriffs "Narzissmus". Diese liegen in der griechischen Mythologie begründet, in der Narziss sich der Liebe seiner Mutter nicht versichert sehen konnte und "sich selbst fremd" blieb. Als Folge davon ist er zur Liebe unfähig und sucht sein Selbstbild gleichsam wie in einem Spiegelbild im Wasser, das sich ihm immer wieder entzieht.

Narzissmus beruht nach Heinz Kohut auf einer frühkindlichen Liebesstörung zwischen Mutter und Kind. Ist die innere Zuwendung nicht in Übereinstimmung mit der nach außen gezeigten, kommt es zu den bekannten Störungen beim erwachsenen Menschen, die sich in Selbstüberheblichkeit zeigt und gekoppelt ist an Machtanspruch und unerfüllbare Liebessehnsucht. Narzisstische Menschen glauben sich selber und anderen nicht, dass sie liebenswert sind und kompensieren diesen Zustand mit unentwegten Anstrengungen, sich und andere glauben zu machen, dass sie doch die "Größten" sind. Gelegentlich gibt es auch das "Größenklein", in dem pausenlos an die Umwelt appelliert wird, doch die vermeintliche Kleinheit zu negieren und Größe zu bestätigen.

Basierend auf diesem theoretischen Grundwissen entwickelt Hans-Joachim Maaz seine Theorie einer narzisstischen Gesellschaft, auf deren Fehlentwicklung nach seinen Ausführungen fast alle gesellschaftlichen Missstände zurückzuführen sind. Dazu gehören Kriege ebenso wie Massenhysterien; ob Bosbach mit seiner abweichenden Meinung vom Mainstream, Eva Hermann oder Thilo Sarazin, Günter Grass u.a: die Verfolgung anders Denkender irritiert den Autor ebenso wie die Schuldenlast, der Konsumwahn und die Gleichmacherei.

Vor "Selbstentfremdung" wird gewarnt, denn "es gibt kein richtiges Leben im Falschen" ( Adorno).

Unter den Charakter des Narzissmus subsumiert Hans-Joachim Maaz eine Vielzahl gesellschaftlicher Phänomene unserer Zeit. Wenngleich zahlreiche seiner Analysen mir einleuchtend und stimmig erscheinen, so erweckten so manche seiner Thesen auch meinen Widerstand. Sind doch die Phänomene der "Gruppendynamik" ein ganz eigenes Feld in der Psychodynamik zwischenmenschlichen Verhaltens, wie wir das aus der Literatur und aus dem täglichen Leben kennen. Kriege in Afghanistan oder in den arabischen Ländern könnte ich auch nicht alle unter die Ursachen narzisstischer Störungen einordnen. Die friedliche Revolution der Wendezeit in der ehemaligen DDR war m. E. nur möglich, weil das Volk nicht aus narzisstischen sondern aus sehr realen Wünschen nach mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie eine Veränderung herbeiführen wollte. In der Folge waren allerdings tatsächlich wieder die Thesen des "Größenselbst" und des "Größenklein" wirksam; hier der Westbürger mit seiner Überheblichkeit, dort der Ostbürger mit seiner "Kleinheitsangst". Aber waren das nur die Folgen einer nicht gelungenen Mutter- Kindbeziehung?
Es mag dahingestellt bleiben.

Umfassend und genau sind die Beispiele, anhand derer in einzelnen Kapiteln Ursache und Wirkungsformen des Narzissmus abgehandelt werden.

Das Buch ist alles in Allem eine gut verständlich geschriebene, höchst anregende und nachdenkenswerte Gesellschafts - und Kulturkritik.
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Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm
Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm von Hans-Joachim Maaz (Taschenbuch - 28. Januar 2013)
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