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12 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer nicht fragt bleibt dumm!
Ein Buch und Thema, das Kontroversen auslösen muss.

Susan Arndt geht es darum, tradierte Sichtweisen zu verlassen und Perspektiven zu wechseln.
Klar, wer sich in der bisherigen Weltgeschichte gemütlich eingerichtet hat und die Privilegien des “Westens” als “naturgegebene Überlegenheit” ansieht, anstatt als Folge...
Vor 22 Monaten von Horst veröffentlicht

versus
26 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Agitation statt Information
Anders als die anderen Bände dieser verdienstvollen Reihe dient das Buch von Susan Arndt nicht der Information, sondern der Agitation gegen den Rassismus, den die Verfasserin überall am Werke sieht (außer bei sich selbst). Erschwert wird die Lektüre noch durch eine Sprache, die teils feministisch "korrekt", teils aber durch private Festlegungen...
Vor 20 Monaten von Theodor Ickler veröffentlicht


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26 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Agitation statt Information, 20. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Die 101 wichtigsten Fragen - Rassismus (Taschenbuch)
Anders als die anderen Bände dieser verdienstvollen Reihe dient das Buch von Susan Arndt nicht der Information, sondern der Agitation gegen den Rassismus, den die Verfasserin überall am Werke sieht (außer bei sich selbst). Erschwert wird die Lektüre noch durch eine Sprache, die teils feministisch "korrekt", teils aber durch private Festlegungen geprägt ist. Sie schreibt also stets Jüd_innen, Ir_innen usw. - Sogar Staaten werden gegendert: „SED-Staat und DDR-Gesellschaft waren tatsächlich genauso rassistisch wie ihre europäischen Nachbar_innen zwischen 1949 und 1989.“

Statt Indianer schreibt sie immer I. Zigeuner nennt sie Zi., nicht Z. „weil diese Menschen unter den Nazis mit einem 'Z' gekennzeichnet wurden.“ Sie weigert sich oft, den gegenstand ihrer Polemik auch nur zu nennen: „Die Berliner M.straße stellt ein besonders bezeichnendes Beispiel dar, denn hier wird ein Schauplatz des Kolonialismus mit einem rassistischen Begriff benannt. Die noch unbefestigte Straße erhielt um 1700 ihren Namen, weil hier Menschen untergebracht waren, die im Kolonialjargon als 'M.' bezeichnet wurden.“ (130) Nun, um welche Straße handelt es sich denn? Die Wörter "schwarz" und "weiß" schreibt sie immer groß; irgendwie sollen sie nichts mit der Hautfarbe zu tun haben.

Arndt berichtet auch ausführlich, mit welchen privatsprachlichen Besonderheiten sie ihre Zuhörer zu quälen pflegt, um sie zum Nachdenken zu bringen. Diese Zuhörer werden als dumm und behandlungsbedürftig dargestellt. „Dieses Verfahren wende ich auch bei Vorträgen an. Ich habe gefaltete Handouts verteilt und die verwendeten rassistischen Wörter durchnummeriert. Dann konnte ich im Vortrag sagen, im Folgenden geht es um das Wort Nummer 1 etc., und die Zuhörer_innen konnten selbst entscheiden, ob sie sich das Wort aus dem Kontext erschließen oder sich durch die Lektüre des rassistischen Wortes versichern wollen.“ (129) Vorträge werden zu therapeutischen Gruppensitzungen.

„Wo leben Kannibalen?“ Arndt beantwortet diese Frage nicht, sondern beschäftigt sich damit, wie die Weißen die Unterstellung von Kannibalismus dazu benutzt haben, die Kolonisierten als nichtmenschlich darzustellen.

Für den unsachlichen Ton mögen noch folgende Beispiele stehen:

„Dass dieser erotisierende Exotismus selbst vor dem Tod keinen Respekt kennt, zeigt Gloria von Thun und Taxis' schwindelerregend ungebildeter Ausspruch, in Afrika sei AIDS so weit verbreitet, weil Afrikaner_innen so gern 'schnackseln'.“ (23)

„Kritik am Rassismus kann nur so lange produktiv sein, wie ich den Rassismus in dem Stall belasse, aus dem er stinkt.“ (31, aus Frage 12: „Gibt es in Ghana auch Rassismus?“)

Auch sachlich ist sehr vieles fragwürdig oder geradezu falsch:

„Aristoteles war als Lehrer Alexanders des Großen bestrebt, dessen Eroberungszüge sowie die griechische Ausgrenzungspraxis gegenüber den 'Anderen' philosophisch und politikberatend zu unterlegen.“ (37)

Arndt nennt auch "Xenophobie" einen „bereits in der griechischen Antike gebräuchlichen Begriff“ (32). Der Ausdruck steht in keinem Griechisch-Wörterbuch, denn er wurde 1901 von Anatole France geprägt.

„Was erzählt uns die 'Hautfarbe' von Parzivals Bruder?“ (Frage 21) Feirefiz ist schwarz-weiß gescheckt: „Belacane bedeckt allerdings allein Feirefiz' weiße Hautstellen mit Küssen: Wolfram lässt sie also Weißsein dem Schwarzsein überordnen.“ (43)

Originelle Deutung, zumal für eine Literaturwissenschaftlerin.

Besonders absurd ist an gleicher Stelle: Gahmuret liebt also diese schwarze (bei Arndt "Schwarze") Königin mehr als sich selbst. Wenn Wolfram feststellt: "ungelîch war doch ir zweier hût" und auch sonst den eigentlichen Gegenstand dieser denkwürdigen Verbindung immer wieder beim Namen nennt, findet Arndt altklug heraus: "Hier zeigt sich, dass Wolfram von Eschenbach das Sehen von 'Hautfarbe' geläufig war." (42)

„Fast alle kennen das berühmte deutsche Sprichwort: 'Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann geh'n“, das auf Friedrich Schillers Verschwörtung des Fiesco zu Genua von 1783 zurückgeht. In diesem Sprichwort tritt neben der Dienerfunktion von Sklav_innen ein weiterer Wortinhalt hervor: Schuld.“ (99) Auch wenn es im Original gar nicht so heißt, wäre doch zwischen Schuld und Schuldigkeit (Pflicht, Aufgabe, im Original "Arbeit") zu unterscheiden.

„Ich habe aufgehört, mir Produkte zu kaufen, die mir zu sehr nach Rassismus schmecken.“ (100) Sie meint Negerküsse, Kameruner und Afri-Cola. Wen interessiert es, was Frau Arndt ißt und trinkt?

Unter Nummer 98 verstrickt Arndt sich in die Frage, wie das Grundgesetz Menschen gegen Diskriminierung wegen ihrer Rasse schützen könne, wo es doch Rassen gar nicht gebe. Sie kommt wie andere zu der Formulierung, „Kein Mensch darf rassistisch (...) benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Damit wird die entscheidende Frage aber nur verschoben, nicht gelöst. Jeder intelligente Leser bemerkt den Trick.

Frage 13: „Warum ist es irreführend, von Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit zu sprechen, wenn Rassismus gemeint ist?“
Das ist leicht zu beantworten: weil Rassismus gemeint ist, während von Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit gesprochen wird. Es ist immer irreführend, wenn etwas anderes sagt, als man meint, so einfach ist das!
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12 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer nicht fragt bleibt dumm!, 2. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Die 101 wichtigsten Fragen - Rassismus (Taschenbuch)
Ein Buch und Thema, das Kontroversen auslösen muss.

Susan Arndt geht es darum, tradierte Sichtweisen zu verlassen und Perspektiven zu wechseln.
Klar, wer sich in der bisherigen Weltgeschichte gemütlich eingerichtet hat und die Privilegien des “Westens” als “naturgegebene Überlegenheit” ansieht, anstatt als Folge historischer Fakten, der kann durch dieses Buch in seinem Selbst- und Weltbild schon verunsichert werden.
Wer es aber wagt die tradierten Konstruktionen, die hinter rassistischen Stereotypen stecken, zu untersuchen, entwickelt ein tieferes Verständnis für politische Diskurse und Empfindlichkeiten bei Nicht-Weißen - auch auf internationaler Ebene.

Interessant ist es allemal Hintergründe zu erfahren. So z.B., dass der Begriff “Rassismus” erstmals 1933/34 durch den emigrierten deutschen Sexualforscher Magnus Hirschfeld verwendet wurde. Oder weshalb das Konzept von Rassen bei Pflanzen und Tieren zwar funktioniert, bei Menschen aber zu kurz greift (Verknüpfung von Hautpigmentierung und Charaktereigenschaften) und in der Naturwissenschaft als widerlegt gilt.
Jahrhundertelang hat dieses Un-Wissen die Weltgeschichte geprägt und es ist Zeit sich viel mehr Fragen zu stellen als nur hundertundeine; das Buch ist ein guter Anfang.
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7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mit sprachlicher Apartheid zum Antirassismus?, 1. April 2013
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Die große Empathie, mit der Susan Arndt ihr Thema vorträgt, ist einerseits höchst sympathisch; sie forscht an der Hochschule über Rassismus und anglophone afrikanische Frauenliteratur. Andererseits legt ihr Buch vor allem in seinen feministischen Sprachformen, in seiner Tonlage, aber z.T. auch in der Wahl der Inhalte einen performativen Widerspruch an den Tag, der das präsentierte Wissen unnötig in den Hintergrund drängt. Es beginnt schon im Vorwort damit, daß die Autorin sich mit dem CH.Beck-Verlag bei der Wahl des Titelfotos uneins erklärt. Bereits auf der ersten Seite wird sich der Leser über den aufgeregten Ton wundern, in dem sie eine sachlich unhaltbare Behauptung aufstellt. Die Empörung darüber, daß in den fünfziger Jahren in Birmingham, Alabama, einer Hochburg des Klu-Klux-Klan ein Schwarzer wegen eines lüsternen Blckes auf eine weiße Frau hätte gelyncht werden können, kann man mit Frau Arndt teilen. Wenn sie aber behauptet, daß der abgebildete junge Schwarze, namens Eddie Mitchell, einen solchen Blick auf Greta Garbo auf dem Filmplakat würfe, dürfte sie bereits ihre ersten Leser verloren haben.

► SOLL MAN SEINE LESER QUÄLEN?
■ Arndt möchte über Rassismus aufklären und ist sich offenbar nicht im klaren darüber, daß nichts leichter ist, als mit einer überspannten Darstellung zu verhindern, daß die wichtigen Inhalte die eigentlichen Adressaten überhaupt erreichen. Arndt ergreift obendrein die Maßnahme, sich sprachlich von ihrer Zielgruppe zu entfernen. Wenn es nach ihr ginge, dürfte man nicht mehr von Farbigen reden, sondern müßte "People of Color", "Männer of Color" oder "Frauen of Color" sagen und damit quält sie auch das ganze Buch über ihre Leser, sofern die nicht längst etwas anderes tun. Sie hat aber noch mehr auf Lager, um Distanz zur deutschen Sprachgemeinschaft zu schaffen.
■ Während im Deutschen zwischen generischem (=verallgemeinerndem) und natürlichem (= biologischem) Geschlecht genau unterschieden wird, setzt sich Arndt mit ihrem feministischen Jargon darüber hinweg. Mit "die Person" kann ja eine weibliche oder männliche Person gemeint sein. Das generische Geschlecht ist hier also zufällig feminin, das biologische gewissermaßen beliebig. Der sprachliche Irrweg der Feministen besteht in der Gleichsetzung von biologischer Geschlechtlichkeit und grammatikalischem Genus. Dabei lassen sich die drei Genera (Maskulinum, Femininum, Neutrum) mit den biologischen Geschlechtern nicht zur Deckung bringen.
Die Aussage "Manche Professoren sind Koryphäen auf ihrem Gebiet" schließt männliche und weibliche Professoren ein; sonst wäre ja auch der Satz "Arndt ist ein weiblicher Professor, der sich mit dem Spezialthema der Weißseinsforschung befaßt" falsch. Nach Arndt müßte man sagen: "Manche Professor_innen sind Koryphäen (oder etwa Koryphäe_innen?)". Solche lobbyistischen Privatsprachen sind nicht nur häßlich aufgebläht und unaussprechbar, sie schmerzen außerdem noch mit ihrer Inkonsistenz. Nach Arndt gilt z.B. die Gleichung: Ausländer=männlicher Ausländer (Gleichsetzung von Genus und Sexus, also des generischen Maskulinums mit dem männlichen Sexus). Demnach müßte sie von Ausländer_innenfeindlichkeit sprechen, da Ausländerfeindlichkeit in der feministischen Sprachkodierung nur Feindlichkeit gegeüber männlichen Ausländern bedeuten würde. Und in der Tat ist diese selektive Xenophobie sogar ein gutbekanntes Phänomen in Westeuropa.
Selbst die Politiker, die sich in ihren Ansprachen immer an die Bürger und Bürgerinnen wenden, würden nie statt "wir müssen auf die Protestierer und Wutbürger zugehen", worunter in generischem Verständnis selbstverständlich Männer und Frauen fallen, sagen "wir müssen auf die Protestierer und Protestiererinnen und die Wutbürger und Wutbürgerinnen zugehen". Das wäre selbst den größten Dampfplauderern einfach zu blöd.

► DAS N-WORT
Kürzlich hat der Redakteur der taz Deniz Yücel als Moderator in einer Veranstaltung, einen Tumult unter "extra-weißen" Studenten verursacht, weil er aus der historischen Rede von Martin Luther King aus dem Jahr 1963 zitierte, in der das N-Wort vorkommt: „But one hundred years later the N*gro still is not free." Die Studentinnen kreischten Yücel an: „Sag das Wort nicht! Sag das Wort nicht!“ Schon zuvor hätten sich einige der anti-rassistischen Aktivisten krampfhaft die Ohren zugehalten, als er aus einem Text von Adorno vorlas. Yücel hält das für ein zwangsneurotisches Verhalten, das man weniger bei aufgeklärten Menschen vermuten würde, sondern einen eher an katholische Nonnen erinnern würde, die versehentlich auf einer anzüglichen Webseite gelandet wären („Weiche, Satan!“); oder an Hinterwäldler in Pakistan, die mit Schaum im Bart gegen Karikaturen protestieren.(s. tazde/!114947)
An dem sich steigernden beißenden Spott, den Yücel in seiner TAZ-Glosse über die erregten Studentinnen ergoß, könnte Arndt ja ermessen welche Abwehrreaktionen ein überzogen emotionalisiertes Thema bereithält. Yücel spottet über die besonders hysterische Hälfte aus "käsebleichen Student_innen", die aus den Seminaren über die „Kritische Weißseinsforschung“ mit ihren uferlosen Selbstauskünften über sich, ihre Hautfarbe und ihre sexuelle Orientierung gekommen wären und daher mit noch größerer Empörung an die Sache gingen. Als ob Yücel Arndts Buch gelesen hätte, kritisiert er die seltsamen Maßstäbe beim Thema Sklaverei und Genozid: daß es keinen interessiere, daß in einigen arabischen Ländern die Sklaverei bis ins 20. Jahrhundert erlaubt war und daß im deutschen Diskurs der Genozid an den Herero im heutigen Namibia wichtiger ist als der Völkermord in Ruanda, so wie alle Konflikte ohne westliche Täter irgendwie auf Desinteresse stießen. Man muß Yücel nicht in jedem Punkt recht gaben, aber diese Philippika eines abgehärteten taz-Redakteurs läßt erahnen, daß Antirassismus, der wie eine Monstranz zur Schau getragen wird, den Mainstream nicht anspricht bzw. sogar abstößt.

► ZIELGRUPPE
Haben sich Verlag und Autorin je einmal über die Zielgruppe dieses Buches verständigt? Das Ratgeberformat der Frageform (101 wichtige Fragen), mit Themen wie aus der Fragestunde von Dr. Sommer (darf man Schwarzen ins Haar fassen) lassen zuerst vermuten, daß das breite Publikum erreicht werden soll. Die sehr gewählte kritisch-akademische Ausdrucksweise in einer bisweilen quietschenden feministischen Tonlage läßt aber genau das wieder zweifelhaft erscheinen.

Arndt widmet Fragen zu Immanuel Kant, Hegel und Marx eigene Abschnitte, die in ihrer Kürze diesen Denkern nicht gerecht werden und besser weggelassen worden wären, nimmt aber zum ganz grundsätzlichen Problem des wohlmeinenden (sogenannten „benevolenten“) Rassismus nur am Rande Stellung. Während in Europa Obama als "schwarzer" US-Präsident bejubelt wurde, hat sich der Linksintellektuelle Noam Chomsky als einer der wenigen von diesem benevolenten Rassismus nicht anstecken lassen. Und recht hatte er. Werden denn Krieg, Verstoß gegen die Genfer Konvention (Guantánamo) und Drohnen-Exekutionen salonfähiger, wenn sie einer betreibt, der gewisse Äußerlichkeiten mit Martin Luther King und Nelson Mandela teilt? Wieso behandelt die Autorin solche aktuellen Absurditäten nicht? Das wäre doch wichtig gewesen. Man kann doch nicht immer nur in der Vergangenheit herumrühren. Während sie der historischen Betrachtung zuviel Platz einräumt, läßt sie weitere interessante aktuelle Fragen unbehandelt. Brasilien gilt in Europa gemeinhin als ein Land, das den Rassismus und die Überbewertung der Hautfarben überwunden hat. Stimmt das oder ist das ein Mythos? Und wie geht Brasilien sprachlich mit den Hautfarben um?

► DIE OBSESSION BIOLOGISCHER UND ANDERER ÄUSSERLICHKEITEN
Mein Hauptkritikpunkt ist, daß Arndts Sprache spaltet und polarisiert. Im Stil der Genderforschungsseminare, z.B. statt Autorenlesung "AutorInnenlesung", "Autor_innenlesung" (=2 Geschlechter), "Autor*innenlesung" (=alle möglichen biologischen Geschlechter) zu schreiben, offenbart sich ihre sonderbare Obsession, das biologische Geschlecht auch da zu diskriminieren, wo es belanglos ist.

Sind Alter, Beruf, Religion, Geschlecht oder Hautfarbe z.B. eines Autors wichtig, um sein Werk zu beurteilen? Ich meine nein. Wer Unterschiede betont, suggeriert u.U. Bedeutungen, wo keine sind, und provoziert Vorurteile. Und wer zu Vorurteilen anhand von biographischen Details neigt, würde andauernd ungerecht urteilen, wie die nachfolgenden Beispiele kontroverser Fragen zeigen:
• Bernd Ulrichs Buch ist bellizistisch, aber er ist Kriegsdienstverweigerer. Wofür Deutschland Krieg führen darf. Und muss.: Eine Streitschrift
• Noam Chomsky ist der schärfste Kritiker der USA und Israels, aber er ist US-Bürger und Jude. Failed States: The Abuse of Power and the Assault on Democracy
• Ralf Bönt sympathisiert mit dem Feminismus, aber er ist männlich. Das entehrte Geschlecht: Ein notwendiges Manifest für den Mann
• Michael Gazzanigas Buch verteidigt den freien Willen, aber er ist Hirnforscher. Die Ich-Illusion: Wie Bewusstsein und freier Wille entstehen
• Brigitte Falkenburgs schreibt über Physik, Logik und Philosophie, aber sie ist weiblich. Mythos Determinismus: Wieviel erklärt uns die Hirnforschung?
• Necla Kelek verteidigt Thilo Sarrazins Thesen, aber sie ist in Istanbul geboren. Chaos der Kulturen: Die Debatte um Islam und Integration
• Barack Obamas Buch wirbt mit seinem Friedensnobelpreis, aber er exekutiert so gerne ohne Gerichtsbeschluß Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream

In diesem Sinne halte ich diese Monographie für zu doktrinär auf Äußerlichkeiten fixiert. Wenn "Rassismus“ heißt, jemanden aufgrund seiner ethnischen Herkunft zu benachteiligen, und "Sexismus" heißt, jemanden aufgrund seines Geschlechts zu benachteiligen, dann ist es doch eine sinnvolle Strategie sich auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren und gelassen mit den Unterschieden umzugehen. Arndt macht das Gegenteil: Sie konzentriert sich auf die Differenzen und markiert sie sprachlich mit übergroßem Eifer. Sie praktiziert de facto eine sprachliche Apartheid:
a) Sexismus: Arndt modifiziert die deutsche Grammatik, um in der Sprache Protestgräben zu ziehen, die die Unterschiede im biologischen Geschlecht dauerhaft zur Geltung bringen.
b) Rassismus: Ihr People-of-Color-Protestjargon markiert die Farbigen zusätzlich zu ihrem Nicht-weiß-sein.

Arndt meint es gut mit ihren sprachlichen Markierungen, das ist schon klar. Etwa so gut, wie es Kriemhild meinte, die die "andersartige" Stelle an Siegfrieds Rücken sorgfältig markierte. Nette Idee, aber trotzdem verfehlt. Die generelle Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Unterschiede betont Arndt auch an den Stellen noch, wo gesellschaftliche Verbesserungen sie bereits unwichtig werden ließen.

FAZIT
Inhalt:
• teilweise lehrreich (meine größte Wissenslücke war # 92: Wer war der Philosoph Anton Wilhelm Amo?)
• bei den meisten Fragen schießt Arndt in ihren Wertungen ein bißchen über das Ziel hinaus, etwa 10% jedes Abschnitts möchte man modifizieren
• manche aktuelle Fragestellung vermißt man
• 3 Sterne

Sprache:
• durchsetzt von Anglizismen
• wimmelt von tabuisierten Wörtern: N-, M-, F-, Z-, Zi-, E- und I-Wort
• feministisch (im gendergap-Stil, aber noch nicht im neueren genderstar-Stil verfaßt)
• performativer Widerspruch zwischen Sprache und Inhalt
• stellenweise ein bißchen zu akademisch
• 1 Stern

Gesamtbewertung: gemittelt 2 Sterne
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das beste Buch um den Weg ins 21. Jahrhundert zu finden..., 7. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die 101 wichtigsten Fragen - Rassismus (Taschenbuch)
Eines der besten Bücher über Rassismus, das ich seit langem gelesen habe. Wichtig fand ich, dass es auch dem sprachlichen Aspekt von Rassismus viele Seiten einräumt und auch Optionen anbietet, wie man dem entgegnen könnte. Wer sich davon gequält fühlt, oder gar Agitation vermutet, kann ich nicht bedauern... und den letzten Absatz des Buchs empfehlen:
Frage 101 Gibt es eine Welt ohne Rassismus?
"... Vielmehr ist das Nicht-Wahrnehmen von Rassismus ein aktiver Prozess des Verleugnens, der durch das "weiße" Privileg, sich mit Rassismus nicht auseinandersetzen zu "müssen", gleichermaßen ermöglicht wie abgesichert wird. [...]
" Es wird für Weiße ein schmerzhafter, aber notwendiger Prozess sein, nicht (nur) Scham und Wut auf sich selbst zu empfinden, sondern Verantwortung zu übernehmen, für andere und für sich selbst. Weder Fatalismus noch Fanatismus sind dabei gute Wegbegleiter. Verantwortungsnahme in Freiheit - das war schon immer die beste Lebenshaltung."
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16 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nicht empfehlenswert, 25. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die 101 wichtigsten Fragen - Rassismus (Taschenbuch)
Wohl selten dürfte soviel Unsinn zwischen einen Bucheinband gepresst worden sein wie in diesem Falle. Die Autorin ist erfüllt von einer tiefen Abneigung gegen die „Weißen“ und ihre Kultur, die sie als durch und durch rassistisch darstellt, beginnend bei Aristoteles und weiter wirkend über Kolonialismus und Aufklärung bis in die Gegenwart, in der es noch immer Rassisten gibt, die davon ausgehen, das ein Mensch in Deutschland, der aussieht wie ein Afrikaner, evtl. kein Deutscher ist.

Frau Arndt ist durchaus der Meinung, dass es Rassen gibt, „in der Pflanzen- und Tierwelt“, wobei man darunter Gruppen versteht, „die sich von anderen Gruppen derselben Art durch konstante und vererbbare Merkmale unterscheiden.“ (S. 16) Bei Menschen hingegen gibt es keine Rassen, sondern die Idee der Menschenrassen ist eine Erfindung „weißer Wissenschaftler“ (S. 17). In wiefern denn Menschen eine Sonderstellung innerhalb des übrigen Lebens (Pflanzen und Tiere) einnehmen und dies alles für sie nicht gelten sollte, wird im Buch nicht thematisiert, wie die Autorin offenbar über wenig Kenntnisse der Evolutionstheorie verfügt (die ja überhaupt erst eine rationale Widerlegung des Rassismus ermöglicht hat, indem sie die gemeinsame Abstammung aller Menschen nachwies).

Die Hautfarbe von Menschen z.B. ist kein „konstantes und vererbbares Merkmal“ wie etwa bei Tieren, denn die Übergänge zwischen etwa Nordeuropäern und Afrikanern sind fließen und es gibt „keine Möglichkeit, klar definierbare Grenzen zu ziehen.“ (S. 18) Das ist natürlich Unsinn, denn die Hautfarbe wird sehr wohl vererbt, und auch wenn die Übergänge fließend sind, so sind doch Europäer, Afrikaner und Chinesen in den allermeisten Fällen leicht voneinander zu unterscheiden, was Arndt selber zeigt, indem sie im ganzen Buch kein Problem hat, unaufhörlich von Weißen und Schwarzen zu sprechen.

Im ganzen Buch herrscht eine extreme Einseitigkeit, die zu logischen und sachlichen Fehlern führt. So wird z.B. der Kolonialismus der „weißen“ Europäer, die in die Welt ausschwärmten um „Menschen ihr Land wegzunehmen und es zu besetzen“ und wirtschaftlich auszubeuten, mit klaren Worten verurteilt , während die Vertreibung der arabischen Kolonialisten durch die Spanier des Mittelalters (Reconquista) nicht mit dem Widerstand etwa der Afrikaner gegen die europäischen Kolonialherren verglichen werden kann, denn dem liegt die Vorstellung zu Grunde, „dass Spanien und Portugal natürliche Eigentümer der iberischen Halbinsel seien“ (S. 44) , was sie offenbar nicht so sieht. Die militärische Eroberung und anschließende Beherrschung durch viele Jahrhunderte durch die Araber war also gewissermaßen legitim. Dass die Afrikaner natürliche Eigentümer Afrikas sind und deren koloniale Unterwerfung Unrecht war, wird von ihr hingegen nicht in Frage gestellt; welch verquere Logik.

Frau Arndt hat sich offenbar nur unzureichend mit der Problematik des Zusammenstoßes von Arabern und Spaniern im Mittelalter auseinandergesetzt. Spanische Forschungen wie etwa von Serafin Fanjul oder Cesar Vidal nimmt sie nicht zur Kenntnis, wie sie überhaupt praktisch nur deutsche und englischsprachige Literatur heranzieht. So heißt es auf S. 45, dass die Muslime nach der Rückeroberung Spaniens plötzlich „hohe Steuern zahlen mussten, um ihren Glauben ausüben zu können“. Das verdient sicher Kritik, allerdings sollte sie dann auch nicht verschweigen, dass unter arabischer Herrschaft in Spanien nur Christen und Juden Steuern zahlen mussten, während Muslime davon befreit waren (worauf auch die vielen damaligen Religionswechsel zum Islam zurück zu führen sind).

Dass der Sklavenhandel der Araber wesentlich länger andauerte und sehr viel mehr Menschen betraf, als jener der Europäer (worauf der senegalesische Autor Tidian Ndiaye kürzlich hingewiesen hat) kann Arndt nicht verschweigen, sie sieht darin allerdings nur „Eine Strategie, die europäischen Massenverbrechen zu relativieren“ (S. 49), überdies war die Grausamkeit der Europäer „strukturell angelegt“ und nutzte „neue Technologien“ – Schiffe(!),
was logisch erscheint, da sie nicht wie die Araber mit Sklavenkarawanen durch die Sahara nach Europa gelangen konnten. Den versklavten Schwarzen dürfte das relativ egal gewesen sein. Nebenher werden auch noch eine Millionen weißer, europäischer Sklaven der Araber unterschlagen („die versklavten Menschen … waren allesamt Schwarze“, S. 49).

Kurz: Dies ist ein in keiner Weise empfehlenswertes Buch. Man erfährt wenig über das, was im allgemeinen Sprachgebrauch unter Rassismus verstanden wird, aber sehr viel über die Obsessionen von Susan Arndt. Es wird wenig argumentiert und hergeleitet, dafür viel postuliert und gewertet. Die Autorin ist vom Thema eindeutig überfordert, als Dozentin für englische Literatur fehlen ihr ganz offensichtlich die notwendigen Kenntnisse in Soziologie und Biologie, um sich auf angemessenem Niveau mit dem Rassismus auseinander zu setzen. Spekulationen darüber, ob die „Dark Lady“ in den Sonetten Shakespeares evtl. eine Afrikanerin gewesen ist, sind ganz interessant, tragen aber zum Verständnis des Rassismus wenig bei.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Muss für jeden, 10. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die 101 wichtigsten Fragen - Rassismus (Taschenbuch)
Dieses Buch ist ein absolutes Muss für jedermann. Nicht nur für "Weiße" und "Schwarze". Frau Arndt thematisiert und analysiert sehr präzise das komplexe Thema des Rassismus. Alle Facetten werden ausführlich erörtert und auch Geschichten und Schicksale werden ins richtige Licht gerückt.
Die Reihe 101 Fragen bietet noch viele Themen an. Wenn alle so hervoragent sind, werde ich mir diese sicherlich zulegen.
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2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reflektiertes und kritisches Buch, 28. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das komplexe Thema "Rassismus" in 101 Fragen und Antworten zu beschreiben und dabei der vielfältigen Zusammenhänge (Sprache, Geschichte, Politik,...) gerecht werden zu können ist eine große Leistung, die Susan Arndt kritisch und refleketiert (besonders als Weiße Autorin) vollbringt. Die Fragen werden kurz und prägnant beantwortet, wobei die Autorin versucht die verschiedenen Hintergründe und Dimensionen aufzuzeigen (Geschichte, Philosophie, Theologie, ...), um Rassismus als ein wirkmächtiges System, welches durch tradiertes Wissen, Strukturen und Handlungen etabliert ist, verständlich zu machen. Besonders ihre (selbst-)kritische Art hat mich beeindruckt, indem sie im Vorwort sowohl ihre Person als Weiße als auch das Coverfoto kritisch reflektiert. Also zusammenfassend kann ich das Buch für alle Interessierten nur empfehlen!
Ferner habe ich noch eine Anmerkung hinsichtlich der Bewertungen anderer Kund_innen: Es ist bemerkenswert, dass ein Leser genau ihre (selbst-)kritische Art als den Leser quälend, überspannt darstellend, anglizistisch, obsessiv mit Äusserlichkeiten, feministisch, deutsche Begriffe tabuisierend... wahrnimmt und u.a. vorschlägt, gelassen mit Unterschieden umzugehen. Somit ist das Problem also gelöst?!?!?!?!? Dass der Leser auch noch Deniz Yücel als Beispiel für einen rationalen und gelassenen Umgang mit de N-Wort als Beispiel für rassistische Begriffe zu postulieren und die anwesenden People of Color als extremistische Antirassisten darstellt, ist makaber, zumal sich diese grobe und verzerrte Darstellung einer rassistischen Rhetorik bedient: rational vs. emotional, wild.
Der Kommentar dieses Lesers bescheinigt deutlich die rassifizierte Mentalität, die durch Relativierungen und Zuschreibungen der Inkompetenz den Rassisimus verharmlosen; genau was in dem Buch von Frau Arnfd steht; also ein gutes Beispiel wie rassistisches Denken alltäglich funktioniert!!!
PS. Ich habe in meiner kurzen Anmerkung bewusst auf geschlechtergerechte Sprache verzichtet, um den Kunden nicht zu quälen.
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Die 101 wichtigsten Fragen - Rassismus
Die 101 wichtigsten Fragen - Rassismus von Susan Arndt (Taschenbuch - 17. September 2012)
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