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4.0 von 5 Sternen Das ungelöste Rätsel Marx, 20. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Kommunistische Manifest: von Karl Marx und Friedrich Engels (Taschenbuch)
Im Zuge der Turbulenzen auf den Kapital- und Finanzmärkten in den letzten Jahren ist - nach Jahren der Vergessenheit - der große Kritiker des Kapitalismus Karl Marx wiederentdeckt worden. Das ist an sich eine positive Tatsache - aber gleichzeitig muss man beklagen, dass lediglich der rein ökonomische Marx wiederbelebt worden ist, während die philosophischen Fundamente seiner gesamten Gesellschafts- und Geschichtstheorie weitgehend ignoriert werden bzw. unverstanden bleiben.
Es war also ein durchaus außergewöhnliches Ereignis, als das Buch "Das Kommunistische Manifest" von G. S. Jones erschienen ist, welches die Entstehung der gesamten marxistischen Lehre in die Diskussionen der Linkshegelianer der damaligen Zeit positioniert. Man durfte mit Recht gespannt sein, wie Jones das außerordentlich schwierige Problem des Verhältnisses zwischen Marx' Materialismus auf der einen, und den hegelianisch-hochphilosophischen Wurzeln seines Denkens auf der anderen Seite bewältigt. Wie ist also Jones seiner Aufgabe gerecht geworden?

Zunächst einmal: G.S. Jones ist zweifelsohne ein außerordentlich fundierter Kenner der geschichtlichen Begebenheiten, welche die Entstehung der kommunistischen Ideen begleitet und mitgeprägt haben. Seine schier grenzenlose Detailkenntnis ist geradezu überwältigend, und man erfährt aus seinen Schilderungen unzählige, äußerst interessante Fakten und Zusammenhänge aus der Zeit der Geburtsstunde des Kommunismus. Jones schildert eindrucksvoll wie sich die einzelnen Bestandsteile, Begriffe, Zielsetzungen des Kommunismus nach und nach entwickelt haben - und dass Marx keineswegs der alleinige Vater des Kommunismus war, wie es nachträglich scheinen könnte, sondern dass er vielfach nur die Ideen übernommen hat, welche schon vor ihm andere entwickelt hatten.
Besonders wertvoll in diesem Zusammenhang ist der Abschnitt über die damaligen Diskussionen in der Kommunität der "Junghegelianer" - denn gerade da haben sich so zentrale Begriffe der Marxschen Philosophie wie "Entäußerung" und "Entfremdung" herausgebildet, ohne die Marx eben nur ein rein ökonomistisch-materialistischer Kritiker des Kapitalismus, aber kein Denker der grundlegenden Humanisierung der menschlichen Gesellschaft wäre. (Der einzige "Wermutstropfen": Dieser Abschnitt über die philosophischen Wurzeln von Marx' Denken ist doch ziemlich fachspezifisch, und wer keine nähere Bekanntschaft mit der Philosophie Hegels und dessen Vokabular hat, der kann sich in dieser schwierigen Materie durchaus verlieren.)
G.S. Jones begnügt sich aber nicht damit, nur eine rein faktografische Übersicht über die Entstehungsgeschichte des "Kommunistischen Manifests" abzuliefern - sondern er hinterfragt durchaus Marx' Thesen und Vorstellungen über die angestrebte kommunistische Gesellschaft. Dabei weicht Jones einer billigen und einseitigen Polemik aus; seine Position bleibt sachlich, nüchtern und völlig objektiv. Seine Urteile über Probleme und Realitätsdefizite von Marx' Kommunismus-Visionen bestechen durch äußerste Präzision, kaum eines könnte argumentativ widerlegt werden.

Könnte man also die Rezension mit der Feststellung abschließen, Jones' Buch über die Entstehungsgeschichte und das Wesen des marxistisch geprägten Kommunismus sei ein durch und durch exzellentes Werk, allen interessierten Lesern uneingeschränkt zu empfehlen? - Ja, fast wäre es tatsächlich so; wenn sich nicht mit der fortschreitenden Lektüre des Buches nach und nach ein leises Gefühl von etwas Fehlendem bemerkbar machen würde: Wo bleibt bei dieser ganzen Fülle an historischen Daten und Fakten eigentlich Marx selbst? Man könnte sich fragen: Warum beschäftigt man sich eigentlich überhaupt so eingehend mit Marx, wenn er doch offensichtlich nur Fehlurteile gefällt und unhaltbare Zukunftsvisionen aufgestellt hat? Wo bleibt der einzigartige Denker einer nicht-kapitalistischen Gesellschaftsordnung, wenn er - nach Jones' Darstellung - doch so gut wie alle seine Ideen und Visionen lediglich von seinen Vordenkern übernommen hat?
Und hier zeigt sich plötzlich, dass die Art, wie Jones den Denker Marx erfasst und dargestellt hat, doch nicht so uneingeschränkt frei von Beschränkungen und Defiziten ist. In Bezug auf einen derart herausragenden und originellen Denker wie Marx offenbaren sich vor allem zwei grundlegende Beschränkungen des Autors Jones: zum einen ist er - trotz aller anerkennungswürdigen Bemühungen um eine philosophische Einsicht - letztendlich Historiker, und kein Philosoph. Zum anderen ist er ein b ü r g e r l i c h e r (also positivistisch eingestellter) Autor. Diese beiden Beschränkungen führen dazu, dass Jones Marx gerade dort nicht versteht - und nicht verstehen kann - wo Marx erst anfängt, seine originellsten (und wichtigsten) Gedanken zu entwickeln.
Es ist zwar durchaus verdienstvoll, dass Jones sich der Tatsache voll bewusst ist, dass sich Marx' Gedanken in den Diskussionen der Junghegelianer konstituiert haben - aber er übersieht völlig, dass die eigentliche Quelle der tiefsten und umwälzendsten Gedanken von Marx keineswegs die Junghegelianer waren, sondern Hegel selbst. Nicht die Epigonen, nicht die Ausleger und Modifikatoren, sondern der große Philosoph allein. Jones bemüht sich zwar redlich, die Grundzüge der Hegelschen Philosophie - sofern sie für das Marxsche Denken relevant sind - übersichtlich darzulegen; aber als Nicht-Philosoph scheitert er letztlich bei diesen Bemühungen. Er versteht Marx nicht, in seinen größten philosophischen Gedanken - weil er auch Hegel nicht versteht, und genauso wenig Platon und Aristoteles.
Man kann Jones dies eigentlich nicht zum Vorwurf machen: Auf exzellent gründliche Art tut er seine Pflicht als Historiker, listet alles Relevante auf und verschweigt nichts, so dass es lange Zeit tatsächlich so aussieht als ob er restlos die ganze Wahrheit erfasst und dargelegt hätte. Die von ihm gesammelten Daten und Fakten liegen jedoch undifferenziert nebeneinander, wie in einer großen Lagerhalle, zwar säuberlich beschriftet und katalogisiert, aber ohne inneren Zusammenhang. Substantielles und Nebensächliches, Originelles und Abgeleitetes - alles hat hier praktisch den selben Wert einer ideengeschichtlichen Gegebenheit. Jones lässt sich zum Beispiel sehr ausführlich über den Begriff der "Entfremdung" aus, der in den damaligen Diskussionen der Linkshegelianer tatsächlich eine zentrale Rolle gespielt hat - jedoch erwähnt er vielleicht kein einziges (!) Mal den Marxschen Begriff der "abstrakten Arbeit", mit dem Marx die Verkehrung des Menschlichen ins Nicht-Menschliche unter den Bedingungen des Kapitalismus aus dem Reich der unverbindlichen Philosophiererei in den Bereich der harten ökonomisch-materiellen Tatsachen verlagert. So geht gerade das Originellste, das eigentlich Bahnbrechende des Marxschen Denkens "auf kaltem Wege" verloren.

Wie wenig Jones dem eigentlichen Leitfaden des Marxschen Gedankenguts zu folgen vermag, zeigt sich exemplarisch auf den Seiten 201 ff., wo er sich mit dem Verhältnis zwischen Marx und Proudhon beschäftigt. Nach anfänglicher Anerkennung Proudhons als Autor des "wissenschaftlichen Manifests des französischen Proletariats" stempelt Marx ihn unwesentlich später als einen "Held des Ideals des Kleinbürgers" ab, als "archetypischen Sprecher des konservativen oder Bourgeoissozialismus". Jones ist außerstande die tiefliegenden Gründe des plötzlichen Bruchs zwischen Marx und Proudhon nachzuvollziehen; und versucht deshalb diesen Sinneswandel bei Marx rein psychologisch (!!) zu erklären, als eine Folge des "beklemmenden Bewusstseins, wie viel er Proudhon zu verdanken hatte"! (Gemeint ist damit seine ursprüngliche Auffassung des Kommunismus.) Gerade diese Passage ist außerordentlich aufschlussreich für die Erkenntnis, wodurch sich Marx' Weltbild so fundamental von der "natürlichen" Sicht auf die Gesellschaft unterscheidet. Gewiss, spätestens nach der historischen Erfahrung mit dem (gescheiterten) Versuch mit einer "kommunistischen" bzw. "sozialistischen" Gesellschaft kann man nicht abstreiten, dass Proudhon, mit seiner Skepsis gegenüber jeglicher - aufgezwungenen - Gemeinschaftlichkeit gegenüber Marx durchaus realistischer war. Und dass Proudhons These von einer Notwendigkeit einer geschichtlichen S y n t h e s e zwischen Gemeinschaftlichkeit auf der einen, und persönlicher (Eigentums)freiheit auf der anderen Seite, wohl weit mehr in die reale Zukunft weist, als Marx' kommunistische Visionen von einer durch und durch homogenen Gemeinschaft Aller. Trotz alledem: zum Zeitpunkt, als Marx sich radikal von Proudhon lossagt, war er gedanklich und philosophisch bereits auf einer viel fortgeschritteneren Ebene als Proudhon mit seinen Thesen über eine "dritte Gesellschaftsform". Aus Marxscher (späterer) Sicht waren die Forderungen und Vorstellungen von Proudhon lediglich oberflächlich-reformatorischer Natur. Wo dieser, vordergründig, eine radikale Umwandlung der Gesellschaft fordert, bleibt er faktisch auf dem Fundament der Existenzweise der alten Gesellschaft. Zu dieser Zeit ist Marx schon viel weiter: eine neue (humane, harmonische) menschliche Gesellschaft kann man nur dann erschaffen, wenn man der alten (kapitalistischen) Gesellschaft ganz radikal ihre ganze Lebensgrundlage weggerissen hat. Von diesem Standpunkt aus wirken Proudhons Ansichten tatsächlich geistig beschränkt, sozial rückständig und politisch reaktionär.
Es geht nicht darum, dass Marx politisch radikaler als Proudhon (und alle anderen Mitstreiter und Kontrahenten aus jener Zeit) ist; es geht darum, dass Marx - im Unterschied zu ihnen - wirklich radikal und konsequent p h i l o s o p h i s c h zu denken vermag. Die Gesellschaft philosophisch zu denken, heißt sie grundsätzlich als eine Totalität zu denken - als eine allseitig verwobene Einheit, die auf bestimmten (bei Marx: materiellen) Fundamenten steht. Gerade dadurch unterscheidet sich ein genuin philosophisches Denken von einer "bürgerlichen" Denkweise, welche nur die Erscheinungsformen der gesellschaftlichen Prozesse, nicht aber die tiefen Ursachen sieht.

Wie bereits gesagt: G.S. Jones bleibt - trotz aller anerkennungswürdigen Bemühungen und wirklich exzellenter Forschungsarbeit - letztendlich nur ein bürgerlicher Autor, dem sich die spezifische, "totale" Denkweise eines großen Philosophen (wie es Marx ohne Zweifel war) letztendlich völlig entzieht. Jones' Buch über Marx und dessen "Kommunistisches Manifest" kann man deshalb nur als das Werk eines H i s t o r i k e r s, ( über die (ideen)geschichtlichen Zusammenhänge der Geburt des marxistisch geprägten Kommunismus) empfehlen. Gleichzeitig ist jedoch das Buch "Das Kommunistische Manifest" von G.S. Jones ein Paradebeispiel dafür, wie weit die bürgerliche Forschung nach wie vor Marx und dessen Lehre gründlich missversteht - und wohl für immer missverstehen wird.

Genauer gesagt: Marx wird so ziemlich von allen Seiten missverstanden. Die Bürgerlichen verstehen ihn nicht, weil er zu philosophisch ist. Die (Berufs)philosophen ihrerseits verstehen ihn nicht, weil er aus ihrer Sicht zu wenig philosophisch und zu (profan)materialistisch ist. Und die allermeisten "Marxisten" verstehen ihn in Wirklichkeit auch nicht, aus dem selben Grund wie die Bürgerlichen: Auch sie schaffen es nicht, die tiefen philosophischen Fundamente seines Denkens zu begreifen. Die Marxisten interessiert vorwiegend nur die Keule des Marxschen antikapitalistischen Impulses in ihrem Kampf gegen den verhassten "Imperialismus". Aber die feinen und weit verzweigten Zusammenhänge im Verhältnis des Gesellschaftlichen und des Materiellen bleibt auch den meisten von ihnen verborgen.
Marx' Größe besteht darin, dass er so radikal und so konsequent wie niemand vor ihm das Philosophische und das Real-Materielle verbunden hat. Seine Synthese ist keineswegs frei von Brüchen und Defiziten; auf diesem Feld ist noch sehr viel zu tun. Aber, wenn man Marx mit Recht kritisieren und über ihn hinaus kommen will - muss man erst einmal begreifen, worin eigentlich das Bahnbrechende seines Denkansatzes besteht. Jones' Buch, leistet zu dieser Erkenntnis leider nur einen historisch-faktografischen, aber keinen philosophisch-substantiellen Beitrag.
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5.0 von 5 Sternen Das Gespenst Europas und seine Hintergründe, 17. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Kommunistische Manifest: von Karl Marx und Friedrich Engels (Taschenbuch)
Das Buch von Gareth Stedman Jones führt den Leser an das kommunistische Manifest von Marx und Engels heran, indem es die geschichtlichen und gedanklichen Hintergründe und Einflüsse desselben aufzeigt. Stedman Jones zeichnet ein Bild von Hegels und Marx biographischen Geschichten, zeigt die Einflüsse, denen die beiden ausgesetzt waren und wie sich ihre Gedankengänge und Ideologien entwickelt haben. Er behandelt dabei vor allem Hegel ausführlich, welcher grossen Einfluss auf Marx hatte. Auch die Einflüsse von Stirner, Adam Smith, Gottlieb Fichte, Immanuel Kant, Hugo Grotius und vieler mehr werden ausgeführt und dem Leser so ein umfassendes Bild der gedanklichen Geschichte des Manifests vorgestellt.

Der Blick auf die Geschichte mit ihren Umbrüchen, die Erklärung der Industrialisierung in der damaligen Zeit und die einzelnen Bewegungen in verschiedenen Ländern Europas werden fundiert und der Thematik angemessen präsentiert, so dass sich ein breit abgestütztes Gesamtbild ergibt, in welches der Originaltext eingeordnet werden kann.

Wenn sich ein Wissenschaftler so intensiv mit einem Geist wie Marx auseinandersetzt, gründet das oft auf einer Faszination durch diesen und eine damit einhergehende Verehrung. Stedman Jones lässt sich den Blick dadurch jedoch nicht trüben und zeigt durchaus auch kritisch auf die Schwächen von Marx Lehre und die Probleme der sich gegenseitig aushebelnden Gedankengänge und Forderungen. Er konstatiert, dass Marx wohl von der Fertigstellung seines Werks „Das Kapital“ absah, da er selber gemerkt haben musste, dass seine Theorie Gefahr lief, zu implodieren. Nichts destotrotz gelingt es Stedman Jones, die noch heute aktuelle Schrift in einem klaren und einprägenden Licht darzustellen.

Fazit:

Eine fundierte und tiefgründige Heranführung an das Werk von Marx und Engels. Stedman Jones zeichnet sich durch fundiertes Wissen des Werkes der beiden sowie durch solide Kenntnis der Hintergründe und geschichtlichen, philosophischen und anderweitigen Einflüsse aus. Ab und an etwas langatmig und wenig auf den Punkt, insgesamt aber sehr aufschlussreich und lesenswert.
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5.0 von 5 Sternen Gute Einführung in die Frühgeschichte des Sozialismus, 12. Januar 2013
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Das Buch zeigt sehr schön auf, unter welchen Bedingungen Marx das Kommunistische Manifest geschrieben hat. Wer sich darüber wundert, wie viele "Strömungen" es heute in der linken Bewegung gibt erfährt, dass das eigentlich immer schon so war. Interessant sind auch die Informationen über das Verhältnis zwischen Marx und Engels. Eine Pflichtlektüre für Linke und Sozialdemokraten (und natürlich alle anderen).
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Das Kommunistische Manifest: von Karl Marx und Friedrich Engels
Das Kommunistische Manifest: von Karl Marx und Friedrich Engels von Gareth Stedman Jones (Taschenbuch - 23. Oktober 2012)
EUR 14,95
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