Kundenrezensionen

4
4,3 von 5 Sternen
Pontius Pilatus
Preis:8,95 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. März 2012
Mit "Pontius Pilatus" legt Alexander Demandt einen gelungenen Überblick nicht nur über das, was wir über Pontius Pilatus als historische Gestalt wissen, sondern auch und vor allem über die spätere Pilatusrezeption vor.

Dass die gesicherten historischen Informationen über Pontius Pilatus (von dem nicht einmal ein Praenomen bekannt ist) zu spärlich sind, als dass es möglich wäre, eine Biographie im klassischen Sinne zu verfassen, verschweigt Demandt dabei nicht. Dennoch gelingt es ihm, das Wenige, was gesichert ist, in ein lebendiges Gesamtbild der quellenmäßig weitaus besser fassbaren Verhältnisse im römisch beherrschten Judäa einzupassen und vor diesem Hintergrund schlüssige Vermutungen zu entwickeln. Erhellend ist in diesem Zusammenhang besonders der Verweis auf die relativ zahlreichen, von den messianischen Erwartungen der Zeit getragenen politisch-religiösen Bewegungen, der es erlaubt, zumindest in Ansätzen nachzuvollziehen, wie wenig wohl aus damaliger römischer Sicht eine Singularität Jesu und seiner Jünger gegeben war. Letztendlich muss aber natürlich vieles, was den historischen Pilatus betrifft, offen bleiben.

Umso interessanter ist daher die anschließende Darstellung der ambivalenten Bewertungen, die Pilatus in religiösem wie literarischem Kontext erfahren hat, denn es erweist sich, dass gerade der Mangel an unumstößlichen Informationen den verschiedensten Rezipienten hier großen Deutungsspielraum gelassen hat. Auch Demandt selbst spekuliert abschließend nicht nur darüber, wie die historische Entwicklung wohl ohne die Kreuzigung Jesu und das Christentum verlaufen wäre, sondern stellt auch die Frage, wie Pilatus wohl gehandelt hätte, wenn ihm die langfristigen Konsequenzen seines Urteils über Jesus bewusst gewesen wären. Auch wenn eine letzgültige Antwort darauf natürlich nicht möglich ist, bleibt das Gedankenspiel doch anregend und bietet wie das ganze Buch bis zuletzt reichlich Stoff für eigene Überlegungen zum Thema.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In seinem Vorwort weist der Autor, Prof. emer. Dr. Alexander Demandt, darauf hin, dass er bereits im Jahre 1999 unter dem Titel "Hände in Unschuld. Pontius Pilatus in der Geschichte" eine - wie er es nennt - umfangreichere, quellengestützte Monographie" vorgelegt habe. Seine erneute Präsentation des römischen Statthalters von Judäa, diesmal in Form eines 128seitigen Bandes der Reihe "C.H.Beck Wissen", hat sich der Althistoriker für eine Gliederung in acht Kapitel entschieden....

....unter der Überschrift "Die Römer im Osten" holt er im ersten Kapitel zeitlich bis zu Alexander dem Großen aus, um dann über die Seleukiden und Ptolemäer zur Dynastie der Hasmonäer zu gelangen. Die dynastischen Wirren führten dazu, dass schließlich der Idumäer Herodes im Jahre 40 v. Chr. vom römischen Senat zum König von Judäa ernannt wurde. Der "Amtsführung" des großen Herodes und die seiner Söhne folgt die Ernennung des Ritters Coponius zum ersten "Praefectus Judaeae".In Kapitel zwei werden neben der Entstehung des Judentums und seiner wichtigsten rituellen Vorschriften auch die religiösen Einrichtungen, Strömungen, Fraktionen, Sekten und die messianischen Erwartungen (auch jene anderer Religionen und Völker) zur Zeitenwende beschrieben. Auf den Protagonisten geht Demandt erstmals im dritten Kapitel "Außerbiblische Quellen zu Pilatus" (Seite 33) ein, um sogleich die Glaubwürdigkeit der wichtigsten, Philo Judaeus und Flavius Josephus, berechtigterweise in Frage zu stellen. Als Ergebnis stellt Demandt fest, dass die Darstellungen bei Philos nur um der jüdischen und griechischen Philosophie, bei Josephus hingegen der jüdischen und römischen Politik dienten. Demgegenüber sieht er das Zeugnis des Tacitus als verlässlich, wohl aber auch als nicht unabhängig an, obwohl sich dieser mit der Bezeichnung Prokurator einen harschen Anachronismus geleistet hatte. Daneben schließt Demandt aus dem Typus von Bronzemünzen, dass Pilatus drei Serien prägen ließ - und bezeichnet diese als "bemerkenswerte archäologische Zeugnisse", wohlgenerkt für Pontius Pilatus, obgleich diese Provinzialprägungen nicht dessen Namen tragen. Mit der 1961 in Caesarea Maritima gefundenen Pilatus-Inschrift nennt Demandt schließlich nicht nur die wichtigste, sondern auch die einzige überzeugende archäologische Quelle, in der Pontius Pilatus als "Praefectus Iudaeae" bezeichnet wird, um anschließend überflüssigerweise zum Anachronismus des Tacitus rumzueiern. Aus der Feststellung, dass alle zeitgenössischen Historiographen die Passion Jesu ignorierten zieht er den Schluss, dass die "Kreuzigung eines galiläischen Winkelpropheten und Möchtegern-Messias eine Bagatelle" gewesen sei.

Das Kapitel "Pilatus als Statthalter" dient einer kurzen Analyse der herkunft seiner Namen und seiner Amtsführung in der Dekade zwischen 26 - 36. Hinzu kommen die Erwähnung des Pilatus-Berges bei Luzern und die tendenziösen Charakterbilder des Pilatus in den Quellen un den Evangelien. Zu Beginn des fünften Kapitels "Die Passion" schreibt Demandt, dass die "Bibel ein Geschichtsbuch sei, allerdings der besonderen Art" und weist daraufhin, dass sich gerade das Christentum wie keine andere Religion auf zeitgeschichtliche oder für zeitgeschichtlich gehaltene Vorgänge beruft, um dann mit Passagen aus den Evangelien und noch weitaus späteren "Quellen", die er mitunter als fromme Fiktionen bezeichnet, zu argumentieren. In diesem Stile geht es dann in den Kapiteln sechs "Was ist Wahrheit?" und sieben "Pilatus-Legenden" weiter, bevor Demandt schließlich in Kapitel acht mit seiner Fiktion "Jesus freigesprochen, was wäre geschehen?" dem ganzen die spekulative Krone aufsetzt.

Im Hinblick auf seine historischen und religiösen Details ist der Band sicherlich ein gelehrtes Werk, aber hinsichtlich seines Protagonisten lässt er nur schwerlich eine strukturierte wissenschaftliche Annäherung erkennen. In einem Tohuwabohu mehr oder weniger historischen Quellen gerät Pilatus zur Randfigur, so dass der Band nur mit drei Amazonsternen bewertet werden kann. Eine Alternative hierzu bietet der gerade in in Neuauflage erschienene Klassiker "Pontius Pilatus: Römer, Ritter, Richter" von Ralf-Peter Märtin, der übrigens auch im Band von Demandt (S. 108) genannt wird.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Dieser Band über der Statthalter Pontius Pilatus, der Jesus zum Kreuzestod verurteilt hat, ist nur zu geringen Teilen eine biographische Skizze. Es ist vielmehr eine Darstellung der literarischen Quellen und - teilweise - ein Versuch, den realen historischen Kern der Prozesses und des Urteils gegen Jesus im Jahre 30 n.Chr. als der Überlieferung herauszuschälen.
Demandt nimmt sich zunächst 24 Seiten, um die historischen Hintergründe zu erhellen ("Die Römer im Osten" und Religion in Judäa"), bespricht dann die Quellen zu Pilatus, vor allem Philo und Tacitus. Pilatus selbst und seiner Tätigkeit als Statthalter ist dann ein Kapitel von 20 Seiten gewidmet, der Passion in den Darstellungen der vier Evangelisten weitere 20 Seiten. Eine eigentliche "Biographie" des Pilatus ist dieses Buch daher nicht und kann es wohl auch sinnvollerweise nicht sein, denn, wie der Verfasser in der Einleitung sagt: Gestalten wie Pilatus "werden durch die Geschichte gemacht", also durch ihre historische Rolle. So kommt er zu dem Ergebnis, Pilatus sei ein ganz durchschnittlicher römischer Statthalter gewesen, der Jesus aus Gefälligkeit gegenüber dem Hohepriester Kaiphas, dem Jesus ein Dorn im Auge war, routinemäßig habe hinrichten lassen. Nicht umsonst gibt es (abgesehen von einer Renovierungsinschrift aus Caesarea) keine zeitgenössischen Quellen über oder von Pilatus.
Im letzten Drittel des Bandes beschreibt Demandt, was man in späterer Zeit aus Pilatus und seiner Rolle literarisch gemacht hat. Dieser Abschnitt kreist um die im Johannesevangelium erzählte Unterredung zwischen Jesus und Pilatus zum Thema "Was ist Wahrheit?". Ganz am Schluss spekuliert Demandt, was passiert wäre, wenn Jesus freigesprochen worden wäre (das Kapitel erinnert an sein Buch "Ungeschehene Geschichte. Ein Traktat über die Frage: Was wäre geschehen, wenn...?") - Eine hypothetische Gedankenspielerei (aber warum auch nicht?). Deutlich wird immerhin, wie sehr das Todesurteil gegen Jesus ein Angelpunkt der Geschichte gewesen ist.
Fazit: Dies ist keine reine Biographie, vieles wird als bekannt vorausgesetzt und meist ist mehr von der Überlieferung, Literaturkritik und christlicher Heilsgeschichte die Rede als vom historischen Pilatus. Das hat aber seinen guten Grund, da eben "die Geschichte diesen Mann gemacht hat".
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Januar 2014
Prof. Demandt ist ein ausgewiesener Fachmann. Er beschreibt die Zeit, die Gesellschaft, die politischen Spannungen des von den Römern besetzten Palästina so sachkundig, als sei er s e l b s t dabeigewesen. Er weiß Fakten von Mythen und Legenden präzise zu trennen. Das flüssig geschriebene Buch sollte im Religions-Unterricht als Pflichtlektüre vorgeschrieben werden, um den im Abendland fremden Kult "Christentum" als eine hierher nach1000 Jahren Gewalt "zwangs-importierte" Religion zu entlarven. Es ist ein autoritärer Mono-Theismus, der es zu einem sensationellen Vermögen gebracht hat, nachdem er den fröhlichen Götter-Olymp der indigenen Bevölkerung, Slawen und Germanen brutal ausgerottet hat. Erst ab dem Zeitpunkt, da "Vernunft" regiert, ist Religion, Kirche und Glaube nur noch eine eher belanglose kulturelle Dekoration, die niemand mehr wirklich ernst nimmt. Ganz anders im Entstehungsraum des Zwangs-Imports, in Vorderasien, der noch immer gefährlichsten Region der Welt.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Pontius Pilatus: Römer, Ritter, Richter
Pontius Pilatus: Römer, Ritter, Richter von Ralf-Peter Märtin (Taschenbuch - 2. März 2012)
EUR 9,99

Nero
Nero von Jürgen Malitz (Taschenbuch - 8. Januar 2014)
EUR 8,95

Alexander der Große: Leben und Legende
Alexander der Große: Leben und Legende von Alexander Demandt (Taschenbuch - 25. Februar 2013)
EUR 18,00