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54 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswertes Geschichtsbuch, aber nicht frei von Mängeln!
Die vielen sehr positiven Rezensionen verbunden mit dem Grundinteresse an diesem Thema haben mich bewogen, Adam Zamoyskis Werk "1812. Napoleons Feldzug in Russland" zu kaufen und zu lesen. Meine Bewertung fällt deutlich gemischter aus als die bisherigen Lobeshymnen bzw. die totalen Verdammungen.

Besonders gut finde ich, wie es Zamoyski gelingt, in seinem...
Veröffentlicht am 19. Juli 2012 von "Hamburger Jung"

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Quellen, Quellen, Quellen
Monatelang in den Bestsellerlisten hat mich "1812" doch zum Kauf angelockt. Es zeichnet sich aus durch überaus fleißiges Zusammentragen von Quellen. Trotz guter Lesbarkeit haben mich die ständigen Quellenzitate aber auch etwas ermüdet, zumal besagte Quellen z. T. unterschiedliche Aussagen haben und mir die Interpretation derselben oft zu vage waren...
Vor 19 Monaten von balduris veröffentlicht


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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dokumentation eines totalen Krieges, 12. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Adam Zamoyskis Buch "1812: Napoleons Feldzug in Russland", obwohl in der englischsprachigen Originalversion schon 2004 erschienen, erblickte in der deutschen Fassung 2012, punktgenau zum 200. Jahrestag des Ereignisses von 1812, das Licht der Öffentlichkeit. Um es an dieser Stelle kurz zu machen: es ist ein großartiges Buch, das man sich als Vorbild für möglichst alle zukünftigen historischen Kompendien weltgeschichtlicher Ereignisse nicht anders, vor allem nicht besser, denken könnte. Der in New York geborene, aus Polen stammende, in England ausgebildete und lebende Autor ist, wie viele seiner englischsprachigen Historikerkollegen, ein phantastischer Erzähler, der mit diesem Buch allerdings auch ein besonders faszinierendes Thema der Geschichtsschreibung sozusagen wiederentdeckt hat.

Napoleons (katastrophal fehlgeschlagener) Feldzug gegen Russland von 1812 ist ein legendäres historisches Weltereignis, über das vermeintlich nahezu jeder, der sich überhaupt für Geschichte interessiert, alles mögliche weiß, aber nichts eigentlich Substantielles. Zamoyski schreibt in der Vorbemerkung zum Buch, daß alle der von ihm verwendeten Daten, Fakten und Quellen seit Jahr und Tag nicht nur der Forschung, sondern einer breiten Öffentlichkeit bekannt gewesen, aber noch nie vorher in so kondensierter Form zusammengeführt und zur spannenden Erzählung verdichtet worden sind. Von Tolstois Roman der Weltliteratur, "Krieg und Frieden", der ebenfalls dieses welthistorische Ereignis zum Thema hat, sei an dieser Stelle einmal abgesehen.

Napoleons Entschluß, gegen das Russland des Zaren Alexander II. ins Feld zu ziehen, hätte den Abschluß der Französischen Revolution markieren können. Weil in diesem Feldzug das vorrevolutionäre "ancien régime" der Bourbonen, von der Bastille-Revolution in Frankreich dauerhaft beseitigt, aber im restlichen Europa noch überall an der Macht, wenn auch jetzt größtenteils "von Napoleons Gnaden", noch einmal herausgefordert werden würde. Es hätte darum gehen können, die neue Zeit, die der "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", die von den Intellektuellen nach der Revolution überall in Europa so bereitwillig akzeptiert worden war, daß selbst Goethe von Napoleon als "mein Kaiser" sprach, endgültig zu manifestieren.

Am Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts, ausgelöst durch eine Fülle einschlägiger Ereignisse überall im besetzten Europa, begann der Kaiser intuitiv zu spüren, daß die Macht über die annektierten Länder, die er eben noch so unangefochten innegehabt hatte, ihm zu entgleiten begann. Es regte sich überall auch intellektuell wachsender Protest gegen seine Herrschaft. Um dieser Entwicklung zu begegnen, beschloss er wohl, noch einmal seine unbezweifelte Größe als unbesiegbarer Feldherr zum Tragen zu bringen. Ziel eines Feldzugs aber konnte nur die größte verbliebene absolutistische Großmacht auf europäischem Boden sein: das russische Zarenreich. Mit diesem Feldzug, als propagandistischer Coup zur Sicherung seiner Herrschaft geplant, sollte das neue Europa, unter französischer Fahne und unter napoleonischem Kuratel, endgültig auf der Bühne der Weltgeschichte etabliert werden.

Napoleons Herrschaft hatte sich im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts im Ergebnis als Kulturrevolution dargestellt, deren Errungenschaften der selbsternannte Kaiser der Franzosen ganz Europa aufzuoktroyieren entschlossen war. Deutschland, als Herzstück Europas, stand dabei besonders im Fokus. Das in mehr als 300 Klein- und Kleinstterritorien aufgeteilte mitteleuropäische Kernland hatte zu diesem Zeitpunkt von den staatspolitischen Neuerungen und Visionen des Usurpators, aber auch des großen Staatsmannes und Gesetzgebers, am meisten profitiert. Der erste Schritt zur Bildung der deutschen Nation, wie sie 1871 (nach einem gewonnenen Krieg, ironischerweise gegen dasselbe Frankreich, das dazu die Wege geebnet hatte, sich aber mit dem geeinten Deutschland dann ein halbes Jahrhundert so schwer tun sollte) entstand, war um 1810 vom Kaiser der Franzosen, wenn auch zunächst wohl eher unbeabsichtigt, provoziert und (nolens volens wohl) schon gegangen worden.

Das Russland-Abenteuer der Grande Armée, als propagandistischer Coup und ideologischer Feldzug, endete, wie auch deshalb jedem vertraut, weil 130 Jahre später noch einmal versucht wurde, in Russland eine Ideologie in die Knie zu zwingen, in einem Desaster, wenn auch im Ergebnis keiner der beiden Gegner, weder Napoleon noch Alexander, den Sieg für sich wirklich hätte beanspruchen können. Napoleon wußte von Anfang an um das Wagnis, das er mit dem Einfall ins russische Reich einging, aber seine eher irrationalen Begründungen für den Krieg überwogen. Unbedingt sollte vor allem verhindert werden, daß Russland sich auf die Seite des Erzfeindes England stellte. England wollte Napoleon auf dem Weg über Russland in Indien treffen, stellen und besiegen. Vielleicht beabsichtigte der Kaiser sogar, 100 Jahre vor Queen Victoria, sich in Indien selbst zum Kaiser des Ostens zu krönen.

Ähnlich irrational und unbestimmt waren alle Kriegsziele der Franzosen. Auch weil Napoleon keine klar definierten Ziele hatte, war der Russland-Feldzug von Anfang an zum Scheitern verurteilt. So folgte zwangsläufig das desaströse Ende der legendären Grande Armée. Russland hatte zwar ebenfalls nicht gesiegt, sondern nur so etwas wie einen Pyrrhussieg davongetragen, aber dafür vor aller Welt unauslöschlich seine existentiellen gesellschaftlichen und staatlichen Defizite uneingeschränkt offengelegt.

Das alte, repressive Ancien Régime der europäischen Fürsten und Könige von vor der Revolution hatte kurzfristig, oberflächlich betrachtet, durch den gescheiterten Russlandfeldzug historisch damit noch einmal eine Gnadenfrist eingeräumt bekommen. Langfristig erst sollten die Ideen der Revolution und der von ihr propagierten Menschenrechte doch einen, wie teuer auch immer erkauften, Sieg davongetragen haben. Die verführerischen Ziele der französischen Revolution waren nun, auf verschlungenen Wegen, selbst im besonders rückständigen Russland angekommen und ließen sich nicht mehr unterdrücken.

Zamoyskis Buch ist vor allem deshalb faszinierende Lektüre, weil der Autor ausschließlich authentische Quellen von Zeitzeugen zu Wort kommen läßt, die das Buch so spannend machen, als spiele sich das Ereignis unmittelbar vor den Augen des Lesers gerade eben erst ab. Für deutsche Leser ist es noch einmal mehr faszinierend, weil die Parallelen, die sich zum Krieg der Jahre 1941-45 ziehen lassen, an vielen Stellen geradezu gespenstisch sind. Streckenweise ergeben sich im Erzählfluß verblüffende Déja-vue-Situationen. Man wird sich geradezu schockiert bewußt, vieles wiederzuerkennen, das man beispielsweise aus der (ebenfalls vorwiegend auf authentischem Material beruhenden) großen Romantrilogie "Moskau-Stalingrad-Berlin" von Theodor Plievier über den Überfall Hitlers auf Russland, den Rückzug und die Niederlage, zeitversetzt schon vor Augen geführt bekommen hatte.
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9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Größte humanitäre Katastrophe des 19. Jh., 13. März 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Zamoyski beantwortet die Fragen, die ich schon immer hatte. Wie wurden die verletzten Männer versorgt? Wie viele erkrankten, weil sie ohne Dach über dem Kopf übernachten mussten, ihre Kleidung nicht wechseln konnten? Wie überleben überhaupt die Soldaten bei 30 Grad unter Null? Wie muss man sich den Einmarsch in Moskau vorstellen. Wie wurden die Brücken über die Beresina gebaut. Wie ernährten sich die Soldaten. Was wurde geplündert. Zamoyski springt ausgewogen zwischen Napoleon und den Russen hin und her. Er zitiert aus Tagebüchern und Briefen, beleuchtet traurige Einzelschicksale. Er macht die logistischen Probleme anschaulich. Die humanitäre Katastrophe wird im vollen Ausmaß sichtbar, sie geht bis zur Menschenfresserei. Zusammengenommen 1 Million Menschen kostete der Feldzug das Leben, schätzt Zamoyski
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk mit kleinen Schönheitsfehlern, 19. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist großartig geschrieben, lebendig und fesselnd stellt es das Leben und Leiden der "normalen" Menschen auf dem brutalen Feldzug 1812 in den Mittelpunkt.

Kritisch anzumerken ist nur die etwas schlampige Ausführung der Vorgeschichte (da hat wohl auch das Lektorat verschlafen?): Frankreich wurde zwar 1792 "von einre preußisch-österreichischen Allianz angegriffen", aber den Krieg erklärte Frankreich (s. 23);
Auf S. 59 schreibt er z.B.: "Ganz sicher war ihm unbekannt, daß sein eigener Außenminister Talleyrand mit dem Zaren in Erfurt Geheimgespräche geführt hatte." - Talleyrand ist als Außenminister 1807 zurückgetreten!
Das sind aber nur Kleinigkeiten und tun dem Wert des Buches keinen Abbruch.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend geschrieben und informativ, 8. September 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Man muss Adam Zamoyski dankbar sein und kann ihm nur Respekt zollen, dass er sich Napoleons Russlandfeldzug in dieser Ausführlichkeit angenommen hat. Wobei ausführlich nicht bedeutet, dass das Buch langatmig ist. Durch die vielen Zitate der teilnehmenden Protagonisten vom einfachen Soldaten bis zum General, habe ich das Buch als äußerst spannende und packende Lektüre empfunden. Vor allem interessant war für mich zu erfahren, wie sehr Napoleon eigentlich darum bemüht war den Konflikt mit Russland/Alexander zu vermeiden.

Fazit: Ein Lesevergnügen aller erster Güte für jeden der an dieser Epoche interessiert ist. Wer Interesse an Informationen aus "Erster Hand"hat, dem seien die Memoiren des Generals Marbot empfohlen. Gibt's bei Amazon als Kindle Ausgabe für wenig Geld.

Die Rezension bezieht sich auf die englische Originalausgabe.
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31 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Oberflächlich und voller Vorurteile, 25. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Selten habe ich ein so stilistisch so gut geschriebenes und zugleich inhaltlich so vorurteilsbeladenes, miserables Buch eines Historikers gelesen.
Die Quellen des Autors sind frankozentristisch und werden leider sehr selektiv und einseitig verwendet, bzw. interpretiert.
Zamoyski trieft schon in den ersten 200 Seiten vor antipreussischen und antirussischen Klischees.
Leider wieder mal eine Art der Geschichtsschreibung, die eher etwas mit der Nacherzählung von Geschichten, die die eigenen Vorurteile illustrieren und propagieren, zu tun hat, als mit sachlicher Analyse und seriösem Quellenstudium.
Von vernünftig-kritischem Umgang mit Primärquellen ganz zu schweigen...
Offenbar war der Autor nicht in der Lage die nationalen Mythen seiner Abstammung auch nur in Frage zu stellen.

Wer sich mit dem Theme seriös beschäftigen will, dem empfehle ich das Buch von Dominic Lieven "Russlandund und Napoleon: Die Schlacht um Europa".
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43 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Seriöse Geschichtsschreibung ist anders, 28. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Das Buch gibt einen Gesamtüberblick über den Russland-Feldzug Napoleons 1812. Die grundsätzlichen Daten dieses Feldzugs sind korrekt wiedergegeben. Allerdings vermag der Autor in keinem Fall, die jeweiligen Motivationen der Beteiligten Akteure nachvollziehbar zu machen.
So erscheinen die Fakten lediglich beurteilt aus dem Blickwinkel des besserwissenden Betrachters. Dies fällt besonders unangenehm auf, wenn immer wieder Entscheidungen besserwisserisch beurteilt werden, in der Form von "hätte Napoleon jetzt dies oder jenes getan, wäre Kutusow hier schon geschlagen worden und der Feldzug glorreich beendet". Widersprüche innerhalb weniger Seiten sind häufig: "Die Kampfkraft der Einheiten wurde erhöht, da die Reihen durch Verstärkungen aufgefüllt wurden" -> "die Einheiten litten unter den kampfunerfahrenen Verstärkungen, die keine Hilfe darstellten, sondern lediglich die geringe Verpflegung verbrauchte".
Ganz besonders negativ ist die Neigung des Autors zu sehen, seine - sicherlich vielzähligen - Quellen nicht nach Plausibilität zu sichten, sondern Berichte völlig unbesehen als Tatsachen wiederzugeben. Dies fällt alle paar Seiten unangenehm auf. Markantestes Beispiel (es gibt aber Dutzende ähnlich gelagerter): Ein französicher Gefangener "wurde in eine Scheune gestopft, die bereits voller Menschen war ... bis sich um die vierhundert Menschen in einem Raum von sechs mal sechs Metern drängten". Ein wenig gesunder Menschenverstand hätte dem Autor gesagt, dass so etwas schlicht physisch nicht möglich ist.
Somit fragt man sich als Leser eher, was man dem Buch denn glauben kann, als sich seriös informiert zu fühlen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein literararisches Husarenstück, 23. September 2012
Von 
Thomas Gebauer (Kirchberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Betrachter der Bestseller – Liste Sachbuch mussten sich in jüngster Vergangenheit unweigerlich die Augen reiben: Zwischen Ratgebern für alles und nichts einerseits und überflüssigen Promi – Sachbüchern andererseits hatte sich ein historisches Buch verirrt – Adam Zamoyski’s „1812 – Napoleons Feldzug in Russland“. Und, dies kann schon hier verraten werden, das ist ein Glücksfall. Das historische Jubiläum, gute Kritiken und eine wunderbare Übersetzung haben, gegen jede Wahrscheinlichkeit, ein Buch sperrigen Inhalts zu einem veritablen Bestseller gemacht.

Inhalt
Adam Zamoyski behandelt Napoleons russischen Feldzug. Der 200. Jahrestag hat den Beck – Verlag veranlasst, das, im Original bereits 2004 erschienene Werk, in deutscher Übersetzung zu verlegen. Der Autor schildert zunächst die politische Ausgangslage vermittels zweier Kurzbiografien der Antipoden Napoleon und Zar Alexander. Diesen beiden Kapitel und die Eingangsbetrachtung zu Napoleons caesarischen Fantasien sind herausragende historische Essays. Wir begreifen, dass zwei Weltordnungen aufeinander treffen werden: Der aufgeklärte Europa Napoleons, ein neues West – Rom trifft auf Alexanders religiös – bewahrendes Weltreich. Zamoyski zeigt, dass die Kontrahenten diesen Krieg nicht wollen konnten – wohl aber, gefangen in ihren politischen Zwängen, wollen mussten. Da keine Partei über ein konkretes Kriegsziel verfügt, wird der Konflikt (wie jeder grundlose Krieg) nicht leicht zu beenden sein.
Napoleon jedenfalls hebt ein gewaltiges Heer aus. Erstaunlicherweise vergessen scheint heute, dass er dabei eine europäische Armee organisiert: Die französischen Truppen werden unterstützt von polnischen, österreichischen, italienischen, schweizerischen und vor allem deutschen Soldaten.
Mit einer Mischung aus strategischen und zufälligen Handlungen vermeidet die russische Seite bis Borodino (kurz vor Moskau liegend) eine entscheidende Schlacht. Und auch den Sieg in dieser Schlacht werden beide Seiten reklamieren. Die russische Armee unter ihrem phlegmatischen Anführer Kutusow überlässt Napoleon Moskau, von wo aus die Grande Armee zu einem verspäteten Rückzug aufbricht, den nur ein gespenstisches Häufchen von Soldaten abschließen wird.

Stilistik
„1812“ ist ein ungewöhnlich wortgewaltiges Sachbuch. Adam Zamoyski erweist sich als meisterlicher Erzähler. Ihm gelingen erstaunliche Passagen – gerade die sonst so staubigen Schlachtbeschreibungen sind von einer Plausibilität und Eleganz, die vielleicht noch keinem anderen Autor gelungen ist.
Große Textmengen wendet Zamoyksi auf, um den Feldzug aus individueller Sicht zu schildern. Zitate aus Tagebüchern, Briefen, Autobiografien und Erinnerungen fügen sich harmonisch in den Erzählfluss. In kritischen Momenten nehmen diese Berichte eine gewisse Monotonie an – in den, weit häufigeren, gelungenen Passagen aber fühlt sich der Leser in einen historischen Film versetzt.
Der Text wird unterstützt von realistischen Zeichnungen, die nicht den herrscherlichen Prunk, sondern die oftmals bedrückende Realität zeigen. Zamoyski lässt so ein gewaltiges historisches Panorama erstehen.

Schatzkammer
Wie jedes gute historische Buch weist auch „1812“ über sich selbst hinaus. Es gibt dem Leser reichlich Raum vom beschriebenen Jahr aus weiterzudenken. Die Anknüpfungspunkte sind so reichlich vorhanden, wie die geplünderten Moskauer Schätze, die Napoleon auf seinem Rückzug fast samt und sonders verlor.
So begreift man, dass Napoleons russischer Feldzug nicht nur blutiges Debakel, sondern der Anfang seines politischen Endes war. Wir können zum deutschen Russlandfeldzug 1941 Beziehungen erkennen. Es marschieren Heere auf, wie sie zahlenmäßig erst wieder 1916 an der Somme konzentriert sind. Napoleons Militär und die Zu – wie Abneigung seiner europäischen Verbündeten lassen uns die historische Möglichkeit einer europäischen Einigung im frühen 19. Jahrhundert denken. Und, wo man schon die Grammatik des historischen Konjunktivs bemüht: Was hätte aus Europa werden können, wenn Napoleon Preußen 1806 von der Landkarte gestrichen hätte?
Kurzum: Dieses Buch ist ein historischer Steinbruch für denkfreudige Leser.

Fazit
„1812 – Napoleons Feldzug in Russland“ ist eine bereichernde Lektüre. Sie eignet sich ausdrücklich nicht nur für militärhistorische Spezialisten, sondern richtet sich an ein breites Publikum. Adam Zamoyski interpretiert „populärwissenschaftlich“ in einem mustergültigen Sinne. Man wünschte sich, historische Bücher könnten immer so sein. Der einzige Beleidigte im Zusammenhang mit diesem Buch dürfte Napoleon auf dem Buchumschlag sein.
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22 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zumutung, 1. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Nachdem ich vor einiger Zeit Zamoyskis ausserordentliches Buch "Napoleon's fatal march on Moscow" als Paperback gekauft habe, war ich nun auf die deutsche Übersetzung gespannt. Leider muss ich sagen, dass dieses Buch des C.H. Beck Verlages eine arge Enttäuschung war. Übersetzungsmängel, Druckfehler und die unsäglich schlechten Bilddrucke sind eine arge Zumutung. Ich habe den Kauf bereut!
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Locker und flüssig für Anspruchslose, 21. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Das Positive zuerst. Das Buch liest sich durchaus spannend, wenngleich ich nach dem flotten Durchlesen der ersten Hälfte eine halbjährige Pause eingelegt habe um das Ganze sich setzen zu lassen. Ich hatte kurz zuvor das Buch "Der Brand von Moskau" gelesen, das ich sehr interessant und lehrreich fand und das m.E. sehr gut recherchiert war, eine Fülle von Hintergrund- und Detailwissen aufzeigend.
Entsprechend hohe Erwartungen hatte ich in "1812".
Erwartungen, dass dieses Buch offengebliebene Fragen wenigstens zum Teil beantworten würde. Dies tat es aber nur begrenzt und wenn, dann ziemlich schwammig und nicht überzeugend.
Überhaupt ist vieles zu bemängeln. So wurde nur marginal dargestellt wie sich die Truppen nach Nationen zusammensetzten.
Insbesondere die Truppenteile aus den deutschen Ländern wurden weder nach Quantität noch Art und Weise wie sie in dem Feldzug von Napoleon eingesetzt -und verheizt- wurden beschrieben. Dass sie bevorzugt bei den verlustreichen Kampfhandlungen als Kanonenfutter verwendet wurden, kaum ein Wort. Dass sie während der sechswöchigen Besetzung
Moskaus in Außenbereichen auf offenem Feld hausen mußten, nicht versorgt wurden sondern sich durch fouragieren mühsam und unter hohen Verlusten durchschlagen mußten, kaum ein Wort.
Während sich die Garde und die französischen Truppen in Moskau bestens versorgen und sogar vergnügen konnten, darüber läßt sich der Autor bis zum Überdruß aus.
Dagegen kaum ein Wort zu den anderen Truppenteilen obwohl diese zahlenmäßig deutlich die rein französischen Truppen überstiegen. Auch kaum ein Hinweis darauf, dass beim Übersetzen über Brücken oder dem Einzug in gesicherte Positionen und Städte die Franzosen immer Vorrang hatten vor den Soldaten anderer Nationalitäten, den sogenannten Hilfstruppen insbesondere aus Bayern Württemberg Hessen usw. Wie antwortete doch Napoleon auf Metternichs Frage "wie wollen Sie ihrem Volk erklären dass Sie seine Söhne geopfert haben? "ich bringe meine Soldaten zurück, ich habe die Deutschen und die Italiener geopfert!"
Aber wie soll es auch anders sein, wenn ein Autor seine Weisheiten nahezu ausschließlich aus Augenzeugenberichten und Schwadronierereien Überlebender zusammenschreibt. Es waren nun mal fast nur Franzosen die aufgrund ihrer Schonung durch Napoleon überlebten und anschließend sich und ihre Heldentaten rühmten. Darin liegt eine Hauptschwäche des Buches. Ärgerlich, dass der Autor dies völlig übersehen hat, oder schlichtweg ignoriert.
Was einem als Leser jedoch besonders unangenehm auffällt, dem Autor selbst aber offenbar nicht, er schreibt und urteilt in einer schwer erträglichen Weise aus der Gegenwart, mit allem gesammelten Wissen das man heute hat.
Das ist anmaßend, arrogant und höchst subjektiv. Außerdem überprüfte er verwendete Quellen offenkundig kaum sondern verbaute sie kritiklos in seinem Werk. So übernahm er häufig erkennbar maßlose Übertreibungen die rein physisch gar nicht möglich sind wie zum Beispiel das Einpferchen von über vierhundert Gefangenen in einen Raum von 8 x 8 Metern.
Dass das nicht sein kann, hätte selbst einem wohl immer bestens versorgten, im Wohlstand lebenden Autor, dem jegliche persönliche Entbehrung fremd sein dürfte, auffallen müssen. Aber es ist beispielhaft für die Oberflächlichkeit und seltsame Gleichgültigkeit vor allem aber fehlende Gewichtung mit denen der Autor banale Vorkommnisse an absolut Grauenhafte reiht und im Plauderton darüberhinweg geht bzw von einem zum anderen wechselt.
Ich will nicht sagen, dass ein Autor nur über Dinge schreiben sollte, die er wenigstens ansatzweise erlebt hat, das würde sicherlich zu weit gehen, aber was hier dahergeplappert wird erinnert mich an die Einfühlungsfähigkeit eines vor dem Computer sitzenden Jugendlichen mit seinen Figuren beim Ballerspiel.

Alles in allem, wem es gefällt im wohlgeheizten Zimmer im behaglichen Lehnstuhl sitzend ein im Plauderton à la Johannes B. Kerner über gräßliche Dinge geschriebenes Buch zu lesen, dem wird es gefallen.
Ich würde es nicht mehr kaufen.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen beeindruckend, beklemmend, begeisternd, 23. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
chapeau an den Autor, dem es gelang, in den geschichtlichen Ablauf all die Zeitzeugenberichte so einzuweben, dass daraus ein grosses Ganzes wird.
Auch wenn das Buch eine Menge sidekick-Wissen abverlangt - man denke nur an alle die Personen, die in diesem Buch gewürdigt wurden, ist es doch erzählerisch ganz hervorragend geschrieben.
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1812: Napoleons Feldzug in Russland
1812: Napoleons Feldzug in Russland von Adam Zamoyski (Gebundene Ausgabe - 7. Dezember 2012)
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