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52 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswertes Geschichtsbuch, aber nicht frei von Mängeln!
Die vielen sehr positiven Rezensionen verbunden mit dem Grundinteresse an diesem Thema haben mich bewogen, Adam Zamoyskis Werk "1812. Napoleons Feldzug in Russland" zu kaufen und zu lesen. Meine Bewertung fällt deutlich gemischter aus als die bisherigen Lobeshymnen bzw. die totalen Verdammungen.

Besonders gut finde ich, wie es Zamoyski gelingt, in seinem...
Vor 24 Monaten von "Hamburger Jung" veröffentlicht

versus
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Napoleon und kein Ende
Musste es sein? Sind nicht schon genügend Bücher über dieses Thema geschrieben worden? Caulaincourts Erinnerungen sind seit den dreißiger Jahren auf dem Markt, "Armeen und Amouren" des jungen Baron Boris (von) Uxkull kennt man erst seit 1965. Aber seit 1967 gibt es Alan Palmers "Napoleon in Russland", ein Buch, das leserfreundlich geschrieben ist und...
Vor 19 Monaten von Dr. Jens P. Becker veröffentlicht


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52 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswertes Geschichtsbuch, aber nicht frei von Mängeln!, 19. Juli 2012
Von 
"Hamburger Jung" (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Die vielen sehr positiven Rezensionen verbunden mit dem Grundinteresse an diesem Thema haben mich bewogen, Adam Zamoyskis Werk "1812. Napoleons Feldzug in Russland" zu kaufen und zu lesen. Meine Bewertung fällt deutlich gemischter aus als die bisherigen Lobeshymnen bzw. die totalen Verdammungen.

Besonders gut finde ich, wie es Zamoyski gelingt, in seinem Werk den großen Bogen zum Thema des Feldzugs von 1812 zu spannen. Beginnend schildert er die strategische Dimension des Feldzuges mit dem Planungen des Kaisers auf der einen und des Zaren auf der anderen Seite. Anschließend wird die operative Ebene des Feldzuges ausführlich und aufgrund der vielen verwendeten Übersichtskarten gut verständlich dargestellt. Weiterhin präsentiert Zamoyski dem Leser die taktische Ebene einzelner Schlachten und zeigt so auf, wie man sich Gefechte im frühen 19. Jahrhundert vorzustellen hat. Abschließend geht er, was in vielen Werken über militärische Ereignisse häufig zu vermissen ist, intensiv auf die Ebene des einzelnen Soldaten, Unteroffiziers und Offiziers ein und schildert durch Verwendung von Tagebüchern und Aufzeichnungen dessen Erleben und Sicht auf die Ereignisse. Für den Leser ergibt sich so ein umfassendes Bild und Zamoyski schafft eine lebhafte Vorstellung des gesamten Feldzuges. Gerade die intensive Schilderung des Rückzuges der Grande Armee" mit ihrem Leiden ist dabei beeindruckend. Zahllose menschliche Tragödien stehen neben Erzählungen über Freundschaft, Treue und fast ritterlichem Verhalten auch Feinden gegenüber. Das ganze Buch ist ungemein spannend und in leicht lesbarer Art erzählt, Hut ab vor dieser Leistung Zamoyskis. Bis zu diesem Punkt ein wirklich exzellentes Geschichtsbuch.

Aber, dann kommen die doch zahlreichen Mängel, die mich dazu bewegen, keine fünf Sterne zu vergeben.
Bei Zamoyski ist durchweg eine deutliche Tendenz zu erkennen, die militärischen Leistungen der Franzosen positiv, die der Russen negativ zu bewerten. Bei letzterem wird immer wieder auf das Unvermögen der befehlshabenden Offiziere hingewiesen. Im besonderen steht General Kutusow in der Kritik, stets werden angeblich verpasste Chancen aufgezeigt und auf das heftigste kritisiert, Napoleons fehlerhafte logistische Planungen dagegen nur marginal verurteilt. Zu den verpassten Chancen auf beiden Seiten sei die von Clausewitz als "Nebel des Krieges" bezeichnete Ungewissheit des militärischen Befehlshabers vor Ort erwähnt, der nie ein vollständiges Lagebild hat. Seine Entscheidungen muss er auf Basis des ihm bekannten fällen. Von Zamoyski werden diese Entscheidungen in besserwisserischer Manier des Nachgeborenen, der am warmen Schreibtisch Tagebuchaufzeichnungen und die Literatur auswertet, verurteilt. Die zu diesem Urteil verwendeten Aufzeichnungen von Stabsoffizieren und anderen russischen Befehlshaber sind auch erst weit nach den Ereignissen entstanden und mit Sicherheit tendenziös gefärbt, eine Art Kriegstagebuch im Stab wurde seitens der Russen mit Sicherheit nicht geführt.. Ein wenig mehr Quellenkritik hätte an dieser Stelle sicherlich nicht geschadet.
Ein Rückzugsgefecht über hunderte von Kilometern ist deutlich schwieriger zu führen als ein Angriff. Der kämpfend ausweichende Verteidiger muss reagieren und verschieden Optionen des Angreifers vorplanen, während der Angreifer agiert und dem Verteidiger seinen Willen aufzwingt. Ersterer hat es somit immer schwerer. Auch hier agiert Zamoyski durchweg tendenziös. Napoleons Rückzugsgefecht von Moskau nach Wilna wird von Zamoyski positiv gewürdigt, der russische Rückzug zuvor mehr als eine Kette von glücklichen Zufällen dargestellt.
Zusätzlich treibt Zamoyski ein ständiges Verwirrspiel mit Zahlen und rechnet die "Grande Armee" klein während er im Gegenzug die Russen Groß" rechnet. Dabei verfängt er sich gelegentlich im Verwirrspiel seiner Zahlen.
Als Beispiel sei hier das bayrische Kontingent erwähnt. Auf Seite 169 steht "...auch das bayrische Kontingent, dessen Zahl mit 24000 angegeben wurde, verfügte nie mehr als 11000 Mann..." Auf Seite 221 heist es plötzlich "... Auch die Bayern litten sehr, und als ihr Kontingent von ursprünglich 25000 Mann Polozk erreichte, waren es nur noch 12000..." und auf S. 601 steht dann "... Von den 32000 Bayern, die den Njemen überschritten, konnte General Wrede am 1. Januar 1813 ganze viertausend Mann zählen..." Dem Autor ist insoweit Recht zu geben, Zahlenangaben waren damals problematisch, das merkt der Leser heute noch.
Darüber hinaus stört mich die teilweise kontrafaktische Betrachtung Zamoyskis, die in einem Geschichtsbuch meiner Ansicht nach nicht zu suchen haben. Ein Beispiel, "Wäre Napoleon nur annähernd in seiner üblichen Form gewesen, hätte er Kutusow sicher besiegt und die russische Armee vernichtet..." (S. 293). Sicher ist im Krieg gar nichts nach Clausewitz und kein Plan überlebt die erste Feindberührung laut Moltke dem Älteren!

Alles in allem gebe ich dem Buch 3,5 Sterne. Durch den Lesegenuss, ich habe dieses leicht lesbare Buch geradezu verschlungen, der für mich immer im Vordergrund vor leichten Ärgernissen steht, werden daraus aufgerundet 4 Sterne. Wer dieses Buch in Verbindung mit dem von Dominic Lieven liest, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sehr detailliertes Bild über Napoleons verlustreichen Feldzug nach Russland.
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31 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Napoleon in Russland, 25. Februar 2012
Von 
book.seller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Über Napoleon und seine Feldzüge gibt es natürlich einige Bücher. Für dieses hier konnte Adam Zamoyski, ein Amerikaner mit polnischen Wurzeln, bei der Recherche erstmals auf neue Quellen zurückgreifen. Grob kann man das Buch in drei Teile untergliedern.

Im ersten Teil schildert Zamoyski die politische Situation im Europa des frühen neunzehnten Jahrhunderts; wer mit wem verbündet ist und welche verwandtschaftlichen Verhältnisse herrschen. Dies ist logischerweise etwas unübersichtlich, doch Zamoyski schafft es, Klarheit in diesem Durcheinander zu schaffen. Außerdem stellt er die beiden "Hauptpersonen" der kommenden Ereignisse vor: Kaiser Napoleon Bonaparte und seinen Gegenpart Zar Alexander.

Im zweiten und natürlich ausführlichsten Teil beschreibt Zamoyski den Feldzug nach Moskau und den fatalen Rückzug der Grande Armée, sowie die Bewegungen der russischen Streitmacht. Dabei beginnt er mit dem Grundaufbau beider Armeen und den ersten kleinen Scharmützeln, wobei die Russen den Kampf anfangs eher vermeiden wollten. Über die Stationen Wilna, Witebsk und Smolensk erreicht schließlich Napoleons aus verschiedenen Nationen zusammengewürfeltes Heer das brennende Moskau. Mehrfach springt Zamoyski in den einzelnen Kapiteln zwischen der russischen und französischen Seite hin und her, und erzählt so die Geschehnisse aus beiden Perspektiven. Ergänzt wird das ganze durch Tagebuchaufzeichnungen und Briefen von einfachen Soldaten wie adligen Offizieren, die besonders im teilweise chaotisch verlaufenden Rückzug, ein grauenvolles Bild voller Hunger, Kälte und Brutalität malen. Aber auch auf russischer Seite gab es unvorstellbares Leid, das dem auf französischer Seite in nichts nachsteht. 60 Porträts und Zeichnungen, teilweise noch auf dem Schlachtfeld skizziert, geben zusätzlich einen Einblick in die damaligen Ereignisse.

Im dritten Teil, genauer im letzten Kapitel, zieht Zamoyski ein Fazit des Feldzuges und schildert seine Auswirkungen auf Europa in den folgenden Jahren. Ein ausführlicher Anhang mit Personen- und Ortsregister, sowie weiterer Literatur zum Thema schließt sich an.

Mit diesem Buch lässt Adam Zamoyski ein Stück Geschichte wahrhaft lebendig werden. Er schreibt fantastisch und versteht es, sein detailliertes Wissen mitreißend wiederzugeben. 1812 ist ein Buch, welches man mit absolutem Gewinn liest. Sehr zu empfehlen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr Thriller als historische Abhandlung. Unbedingt zugreifen!, 14. November 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Der Autor versteht es, den Leser in die Zeit von Napoleons bekanntestem Felzug zu versetzen: Anhand von Zitaten und Briefen von Zeitzeugen (sowohl der Generäle als auch der kleinen Infanteristen) hat der Leser die Möglichkeit, sich die Strapazen und Entbehrungen der Grande Armée bildlich vorzustellen: Ausgezehrt durch Hunger, Durst, Kälte und den Tod vor Augen geht es für jeden Soldaten und mitgereisten Zivilisten irgendwann nur noch um das nackte Überleben.
Gewisse Parallelen zu Hitlers "Unternehmen Barbarossa", das fast auf den Tag genau 129 Jahre später begann, werden vom Autor zwar nicht erwähnt, werden aber offenkundig, betrachtet man die Thematik der Truppenversorgung und das harte Klima in der russischen Steppe.

Der Leser sollte sich darüber im Klaren sein, dass das Buch aus dem Blickwinkel der Grande Armée verfasst ist: An Elementen wie "hätte Murat schneller gehandelt, wäre die gesamte russische Armee unweigerlich vernichtet worden" darf man sich nicht stören, sondern muss sie als Ausdruck einer tendenziell napoleonischen Sichtweise interpretieren.

Insgesamt ein spannendes Werk, das man, sobald begonnen, kaum aus der Hand legen mag. Mehr Thriller als historische Abhandlung. Also: Unbedingt zugreifen!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im Großen und Ganzen gelungen, 21. Juli 2012
Von 
Jimmy K. - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Im Jahre 1812 begann "La grande armée de France", zusammen mit ihren Preußischen, Österreichischen, Italienischen und Polnischen Verbündeten die größte Operation in der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens: Etwas mehr als eine halbe Million Mann überschritten damals die Grenze zum russischen Reich, mit dem Ziel, den abtrünnigen Verbündeten, Zar Alexander, wieder auf Linie zu bringen und ihn dazu zu zwingen, die Bedingungen des Friedens von Tilsit (Bündnistreue mit Frankreich) einzuhalten.

Die Armee, befehligt einerseits vom größten französischen Feldherrn aller Zeiten persönlich, Napoleon Bonaparte, und kommandiert andererseits von hervorragenden französischen Generalen wie Davout, Ney oder Berthier, erzielte anfangs noch einige Erfolge, wie etwa die Einnahme von Wilna, Witebsk und Smolensk - doch als klar wurde, dass die russsichen Verteidiger die Taktik der Verbrannten Erde praktizierten, liefen die Kaiserlichen Truppen in die Falle. Gezwungen, im Winter zurückzumarschieren, verlor die "Grande armée" viel mehr Leute durch Kälte, Hunger und Krankheiten als durch unmittelbare Feindeinwirkung; schließlich setzte sich Napoleon in Wilna von seinen Truppen ab und reiste allein weiter nach Frankreich. Die Trümmer der Großen Armee, unablässig durch Kosakenangriffe dezimiert, lösten sich schließlich fast von selbst auf; nur die wenigsten entkamen nach Hause.

Was das Werk so angenehm macht, ist der wunderbare Schreibstil. Ohne Mühe liest man die Seiten herunter - und stehen Geschichtsbücher doch in dem Ruf, hin und wieder etwas trockener zu sein, so wird doch im Falle von "1812" eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen. Eine Unmenge von Zitaten von soldatischer oder ziviler Seite - von Leuten also, die an dem Feldzug auf der einen oder anderen Seite teilnahmen - bewirkt, dass das Geschehen direkt, regelrecht hautnah erzählt wird. Ich persönlich empfand ein unglaubliches Lesevergnügen, während ich das Buch innerhalb einer Woche verschlang.

Der schnörkellose, unkomplizierte Stil des Buches ist aber, meiner Meinung nach, auch die Schwäche des Buches. An manchen Stellen wirkt das Werk allzu journalistisch, allzu reißerisch - und in der Tat wird sehr viel Wert auf "Thrilling effects" gelegt: Beispielsweise häufen sich die Beschreibungen ekliger Vorkommnisse während des Feldzuges (wie zum Beispiel aufgestapelte, weil amputierte Körperteile, Schilderungen von Erfrierungen oder der Behandlungn von Gefangenen etc.). Irgendwann, nach der gefühlten zweihundertsten Schilderung solcher menschlicher Tragödien, reicht es dann auch wieder - jedenfalls hatte ich das Gefühl. Das Buch, das sich anfangs wie ein spannend geschriebenes Geschichtswerk las, erweckt im Mittelteil den Eindruck, den Leser einfach nur noch schocken zu wollen.

Der Schluss reißt das Ganze dann doch wieder raus. In klaren Worten analysiert Zamoyski die politischen Folgen des Napoleonischen Russland-Feldzuges; trotz allem lässt er sich dann zu diesem Schlusssatz hinreißen: "... wie Hybris am Ende von ihrer Nemesis eingeholt wird".

Na ja, das ist nicht besonders logisch: "Hybris" ist schlicht das altgriechische Wort für "Frevel gegenüber den Göttern" und "Nemesis" ist die Götting der Rache. "Hybris" kann folglich nicht von ihrer "Nemesis" eingeholt werden. Trotz dieses Fehlers und des allzu journalistischen Schreibstils kann man dem Werk aber noch getrost vier Sterne verleihen. Insbesondere für Einsteiger in die Thematik ist es gut geeignet.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Protokolle der Hölle - vor Stalingrad, 11. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Mich hat das Buch interessiert, weil ich vor Jahren Tolstois Krieg und Frieden gelesen habe. Die ersten achtzig Seiten lesen sich eher schleppend, es werden die Protagonisten vorgestellt (Kaiser Napoleon, Zar Alexander) und es wird ein recht knapper Abriss der damaligen politischen Situation gegeben (Frieden von Tilsit, Kontinentalsperre). Interessant und packend wird es dann, wenn sich die Grande Armée in Bewegung setzt. Es folgt eine detailreiche Schilderung der Strapazen, zunächst in der glühenden Sommerhitze, dann in der klirrenden Kälte Russlands. Dabei werden zahlreiche Tagebuchaufzeichnungen in den Text eingeflochten, ohne dass der rote Faden verlorengeht. Man glaubt, mit der Armee mitzuziehen und auch an den Schlachten teilzunehmen. Tendenziell kommt hierbei Napoleon besser weg. Kutusow wird als zögerlicher und seniler Trottel dargestellt, was verkennt, dass seine Armee wesentlich schlechter aufgestellt und unerfahrener war und er sie daher durch den Rückzug und Ausweichmanöver schonen wollte. Zudem gab es Intrigen und Machtstreitigkeiten in der russischen Heeresleitung.

Ich habe dieses Buch (620 Seiten Text mit zahlreichen, oft recht dürftigen Handzeichnungen) in vier Tagen „verschlungen“, allerdings hat es mir ebenso viele schlaflose Nächte bereitet, da die dargestellten Greuel und menschlichen Verrohungen über die Grenze des Erträglichen gehen (bis hin zu Kannibalismusschilderungen). Doch auch innerhalb des größten Elends gab es noch die zwei Wege der Menschlichkeit und der Unmenschlichkeit. Nicht jeder wurde zum Kannibalen. Insgesamt waren Gruppen, die zusammenhielten, überlebensfähiger als rücksichtslose Einzelkämpfer; aber was heißt schon überlebensfähiger, wenn von den etwa 600.000 Mann, die in Russland einmarschierten, am Ende nur um die 30.000 zurückkehrten.

Erhellend fand ich den eher beiläufig erwähnten Aspekt der Religiosität: Während die Franzosen weitgehend säkularisiert waren und nur noch ihrer Ersatzreligion „Nation“ anhingen bzw. ihren Ersatzgott „Napoleon“ anbeteten, der es allerdings verstand, ihren Kampfeseifer anzufachen, herrschte bei den Russen noch tiefe Jenseitsgläubigkeit und Ergebenheit in ihr Schicksal. Schlachten wurden durch Messen und das Herumtragen von Ikonen vorbereitet. Der Gang in den Tod war durch die Hoffnung auf eine bessere Welt danach getragen.

Fazit: Eine ungemein fesselnde Lektüre, die aufgrund ihrer ausgesprochen realistischen Darstellung aber wahrlich nichts für schwache Gemüter ist. Zugleich relativiert die Lektüre so manche Jammerei unserer Tage und lässt einen dankbarer werden für all das, was uns heute an Bequemlichkeit und Frieden so selbstverständlich geworden ist.
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47 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend und fundiert erzählte europäische Geschichte, 21. Februar 2012
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
"To mniej boli"
(Wahlspruch der Zamoyscy)

Der Autor, Graf Adam Stefan Zamoyski, stammt aus dem Geschlecht der Zamoyscy, einer der bedeutendsten Magnatenfamilien der Szlachta in Polen-Litauen. Das bis ins 12. Jahrhundert zurückzuverfolgende Adelsgeschlecht hat eine Reihe von Politikern, Feldherren, Staats- und Kirchenmännern hervorgebracht. Infolge des deutsch-russischen Überfalls exilierten Zamoyskis Eltern 1939 aus ihrer polnischen Heimat. Zehn Jahre später in New York geboren, in England und anderen europäischen Ländern aufgewachsen, wurde Adam Zamoyski zu einem Kosmopolit, der neben polnisch und englisch auch der französischen, italienischen und russischen Sprache mächtig ist. Nach Abschluss seiner Ausbildung am Queen's College Oxford zog er eine Tätigkeit als freiberuflicher Historiker und Autor einer festen akademischen Anstellung vor. Beginnend mit "Chopin: Der Poet am Piano" hat Zamoyski seit 1980 ein Dutzend von Sachbüchern hervorgebracht, in deren Mittelpunkt vornehmlich die Geschichte Polens in einem europäischen Gesamtkontext dargestellt wird....

....daher ist es auch nicht verwunderlich, dass er sich in seinem bereits im Jahre 2004 unter dem Originaltitel "1812: Napoleon's Fatal March on Moscow" erschienenen Buch dezidiert mit Napoleons Russlandfeldzug beschäftigt hat. Die Existenz des französischen Satellitenstaates "Herzogtum Warschau" und die von Kaiser Napoleon I. gebrauchte Bezeichnung "Zweiter Polnischer Krieg" sind nicht nur Belege für die polnische, sondern auch für die europäische Geschichte.

Nachdem man sich mit der Herausgabe der deutschsprachigen Ausgabe fast acht Jahre Zeit genommen hatte, ist sie nunmehr pünktlich zum 200. Jahrestag erschienen. In der Nacht zum 24. Juni 1812 begann Napoleons Heer die russische Grenze am Njemen (Memel) bei Kowno (Kaunas) auf drei Schiffsbrücken zu überschreiten. Von den 475.000 Mann dieser Grande Armée, die den Fluss bis 30. Juni überschritten, sollten am 10. Dezember nur noch 5000 an dieselbe Stelle zurückkehren....

Nachdem der Autor in seinen Vorbemerkungen auf Leo Tolstois literarischen Klassiker Bezug nimmt und sich mit dem in der russischen Geschichte gebräuchlichen Begriff "Vaterländischer Krieg" auseinandersetzt, porträtiert er in den ersten beiden (von insgesamt 25 Kapitel) die beiden Kontrahenten "Cäsar" Napoleon Bonaparte und Alexander I. Pawlowitsch Romanow, den russischen Zaren (1815-1825 auch König von Polen). Beginnend mit den Salutschüssen zur Geburt des Thronfolgers Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte am 20. März 1811 bis hin zur Legendenbildung um den Mythos Napoleon I. Bonaparte gelingt es Zamoyski, den Leser über 600 Seiten durch seine brillante Synthese aus historischen Fakten und packender Erzählkunst in den Bann zu ziehen.

Zahlreiche schwarzweiße Abbildungen zeigen stimmungsvolle Gemälde und Zeichnungen sowie Landkarten und Schlachtverlaufspläne, Besonders anschaulich ist ein Weg-Zeit-Schema, das den zunächst breiten Fluss der Grande Armée zeigt, der vor dem Hintergrund der Schlachten und anderer Ereignisse und Faktoren (z. B. -37,5 Grad Celsius) schließlich zu einem schmalen Rinnsal wird. Ein 74seitiger Anhang bietet mit einer dreisprachigen Bezeichnung (deutsch/polnisch/russisch)der wichtigsten Toponyme im Kriegsgebiet, Anmerkungen zu Quellen und Zitaten, einem Literaturverzeichnis und Personenregister noch weitere wertvolle Materialien.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass bald auch die logische Fortsetzung "Rites of Peace: The Fall of Napoleon and the Congress of Vienna" (2007) und weitere spannende Sachbücher des Autors in deutscher Sprache erscheinen werden.

5 Amazonsterne für die gelungene Aufbereitung eines Lehrstücks der Geschichte, das einmal mehr deutlich macht, wie am Ende die Hybris von ihrer eigenen Nemesis eingeholt wird.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hier wird Geschichte lebendig, 19. März 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch über Napoleons Rußlandfeldzug kann ich nur wärmstens empfehlen. Hier werden keine Armeen und Regimentsnummern von A nach B verschoben, hier wird in erster Linie aus Tagebüchern und dosiert auch aus Memoiren von den Feldzugsteilnehmern zitiert. Letztere dosiert, da der Autor Primärquellen den Vorzug gibt und das sind natütlich die beim Feldzug geschriebenen Aufzeichnungen. Nach Öffnung der russischen Archive erfährt man nun endlich auch etwas aus der russischen Sicht, für mich neu war z.B., dass Zar Alexander Versagensängste quälten und er fürchtete, wie sein Vater und Großvater von Putschisten ermordet zu werden. Kutusow kommt nicht gut weg, aber ebenso wird mit Napoleons Unfehlbarkeit aufgeräumt.
Besonders erschütternd waren für mich die detaillierten Berichte vom Rückzug aus Moskau, die französischen Sodaten mussten hier stellenweise bei über -30 Grad Celsius im Freien übernachten, und das obwohl seitens der Armeeführung weder Winterbekleidung ausgegeben noch Zelte vorhanden waren. Es wurde sogar denjenigen, die in einer Holzhütte einen Schlafplatz gefunden hatten, das Dach über dem Kopf angezündet, damit diejenigen, die innen keinen Platz mehr fanden, es auch warm hatten. Außerdem zeigt sich wieder einmal, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, wenn es ums nackte Überleben geht, so wurden Schlafenden nachts die Decken geklaut, wohl in Kauf nehmend, dass diese am nächsten Morgen nicht wieder aufstehen würden usw. Das ist echt krass, das Verspeisen von zuerst Pferdefleisch, dann Hunden und Katzen und dann noch einen Schritt weiter zum Kannibalismus... man mag es sich nicht vorstellen. Einige Beispiele höchster Menschlichkeit verblassen dagegen eher.
Unbedingt lesen!!!
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hervorragend erzählt - doch tendenziös gefärbt, 4. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Im ungemein plastischen Schreibstil Zamoyskis ziehen die Ereignisse dieses verheerenden Russlandfeldzugs Napoleons geradezu bildhaft und fast schauerlich einprägsam an den Augen des Lesers vorbei. Verständlich und eindrucksvoll werden auch die machtpolitischen Ursachen der kriegerischen Auseinandersetzungen der beteiligten Staaten geschildert. Im Kampf um die Vorherrschaft, in ihrem Bestrebungen nach Vergrößerung ihrer Machtbereiche lassen die Herrscher der damaligen Großstaaten nichts unversucht, um ihre Herrschaft zu sichern und auszubauen.
Ich habe den Eindruck, dass Adam Zamoyski zwar die unglaublichen Grausamkeiten dieses Feldzugs in äußerst einprägsamer Weise geschildert hat (Kannibalismus), aber nur hintergründig auf die schlimmste aller Folgen eines Krieges hinweisen wollte: Das Ausbrechen der niedrigsten Eigenschaften der Menschen in Extremsituationen. An dieser Stelle fällt mir eine oft gebrauchte, prägnante Erkenntnis von Tierliebhabern ein: Der Mensch ist das gefährlichste und unberechenbarste "Raubtier" der Welt.
Vielleicht ist es Zamoyskis Herkunft (seine Eltern flohen 1939 nach der deutschen und sowjetischen Invasion aus Polen), dass sich bei mir die Empfindung beim Lesen einschlich, dass er vornehmlich die Russen für die abscheulichen, unmenschlichen und ekelerregenden Grausamkeiten und Handlungen verantwortlich geschildert hat. Vor allem empfand ich die Charakterisierung Kutusows als alten, senilen und unfähigen Feldherren als stark übertrieben.
Eine ebenso propolnische wie antirussische Tendenz zieht sich eigentlich durch den ganzen Roman. Auch sind einige unlogische Ungereimtheiten dabei, um die fürchterlichen Taten der Russen zu dokumentieren: 400 Mann werden in einen 36 Quadratmeter großen Raum eingepfercht - physisch völlig unmöglich.
Abschließend noch eine allerdings "kleinliche" aber ziemliche merkwürdige Anmerkung: Im Roman wird die Körpergröße Napoleons mit 1,57 m angegeben. Mittlerweile ist es erwiesen, dass die Körpergröße Napoleons zwischen 1,66 -1,68m betrug. Nur Zamoyski lässt ihn in seinem Roman wieder auf 1,57 m schrumpfen.
Trotzdem, alles in allem: Ein spannendes, eindrucksvolles und stilistisch hervorragend geschriebenes Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein fulminantes Buch, 2. März 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Es war einer der Feldzüge, die in ihren Folgen das Gesicht Europas verändert haben, der vor allem den Anfang des Untergangs Napoleons I. darstellt.
Den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren. Zigtausende Soldaten verloren und die 'glorreiche Armee' entscheidend geschwächt. Noch schwerer mochte wiegen, dass Napoleon mit diesem Feldzug 1812 gegen Russland auch die bis dato fast unbedingte Bewunderung, das Vertrauen seines Volkes, stark erschüttert hat. Ein Volk, das kriegsmüde war.
Ein Feldzug, der vielleicht 'das größte militärische Desaster aller Zeiten' darstellt und der sich in diesem Jahre zum 200. Mal jährt.

Dieser Feldzug mit seiner Umbarmherzigkeit, seinen taktischen und strategischen Fehler, seiner 'menschlichen Tragödie von beispiellosen Ausmaßen', der 'erste totale Krieg' der Menschheitsgeschichte, ist das Thema dieses ganz hervorragend und mitreißend geschriebenen Buches von Adam Zamoyski. Ein Buch, in welchem Zamoyski allen Facetten der Operation nachgeht, in dem er es vor allem, neben allen Beschreibungen von Schlachten und Elend, Sieg und Niederlage, Matsch und Winter nicht versäumt, die eigentlichen Ursachen dieses Desasters zwingend in den Blick zu rücken. Die unglaubliche Hybris, den Caesarenwahn Napoleons, politische Fehleinschätzungen der 'Großwetterlage' im Vorfeld des Feldzuges, militärische Unentschlossenheit und Widersprüchlichkeit währenddessen, genauso wie hier und da reine Zufälle, aus Verwirrungen entsprungen .

Ein zudem historisch wichtiges Buch. Denn legendenumwoben, literarisch zigfach ausgebreitet und filmisch zudem in vielfacher Weise bereits umgesetzt ist es nicht einfach, hinter all den modernen Bildern dieses Feldzuges der historischen Wahrheit habhaft zu werden. Eine Lücke, die Zamoyski nun eindrucksvoll zu schließen versteht. Fast in Romanform, mit vielen Erläuterungen und Verweisen auf das alltägliche Leben jener Zeit, auf die Atmosphäre und Stimmung in Paris, in Moskau unter und zwischen den Kontrahenten entwirft er eine immens lebendige Grundlage, auf deren Basis seine historischen Schilderungen eines zunächst zögerlichen, dann totalen Kriegs, folgen, Die Schlacht um Moskau, das folgende Patt, der Einbruch des Winters, ein Rückzug, der tatsächlich hier und da auch ein 'Marsch ins Nirgendwo' war mitsamt der fast völligen Auflösung der riesigen 'Moskauer Armee' der Franzosen, ohne Brüche und nie langweilig legt Zamoyski dieses Drama der Militär- und Zivilgeschichte vor die Augen des Lesers.

Nicht nur dem lebendigen Stil des Buches ist dies geschuldet, auch die vielfache Verarbeitung der Berichte von Beteiligten, die Zamoyski verwendet, trägt erheblich zur Lebendigkeit der Darstellung bei. Briefe, Tagebücher, Memoiren, reichhaltig sind die Quellen, aus denen der Autor schöpft. Quellen aus allen Schichten der Beteiligten. Und so, Seite für Seite, ein objektives Bild der Vorgänge darstellt. Ein Bild, das aufräumt mit der dramatisch-romantischen Verklärung, nur der Winter habe Napoleon wie ein 'göttliches Schicksal' in die Knie gezwungen. Auch wenn die Witterung tatsächlich eine wichtige Rolle spielte, strategische Fehler, eine grundlegende Fehleinschützung schon zu Beginn des Feldzuges und vielfach weitere, auch kleinere Ereignisse, führten zur Zerschlagung der größten (und erfolgreichsten) Armee, welche die Welt bis dato gesehen hatte. Zufälle, Unentschlossenheit, widersprüchliches Handeln und allgemein Verwirrung boten viel mehr die Gründe für den Ausgang des Feldzuges als klares militärisches Handeln.

Ein fulminantes Buch in Inhalt und Form, eine breite Darstellung, der es nirgends an Tiefe mangelt und die eingängig und höchst lebendig geschrieben vorliegt.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungemein detailreich - gnadenlos gut geschrieben!!!, 9. April 2012
Rezension bezieht sich auf: 1812: Napoleons Feldzug in Russland (Gebundene Ausgabe)
Das ansprechend aufgemachte, mit 60 Abbildungen und 24 Karten versehene Werk ist für mich das Lese-Highlight des Frühjahrs 2012!

Zamoyski versteht es in unvergleichlicher Weise, die großen politischen Zusammenhänge, die zu Napoleons Rußlandfeldzug führten - vor allem aber auch das individuelle Erleben und Leiden der Feldzugsteilnehmer begreifbar und nachfühlbar zu machen. Dies geschieht zum einen durch eine auch dem Laien jederzeit verständliche Wortwahl (die vorzügliche Übersetzung des C.H. Beck Verlags tut ein übriges), zum anderen zitiert der Autor aus einer enorm reichen Quellenbasis, nationenübergreifend und quer durch alle gesellschaftlichen Schichten. Es ist vor allem der Detailreichtum seiner Schilderungen, der uns in den Bann zieht. Auf eineinhalb Seiten begleiten wir eine cantinière, eine Marketenderin,im Feldzugstross gen Osten, deren Zelt im Feldlager "zum Café der Kompanie" wird, "wo die Offiziere zusammensaßen, Karten spielen oder tratschten". Dann läßt er uns einen Blick in Napoleons Reisekutsche werfen, ein gelbes, von sechs Pferden gezogenes Coupé. Der Wagen war so konstruiert, "daß er all seinen Bedürfnissen gerecht wurde ... Mit einer Tischplatte, die Tintenfässer, Papier und Schreibfedern enthielt, mit Schubladen zum Verstauen von Dokumenten und Landkarten, mit Regalbrettern für Bücher und einer Lampe versehen, unter der er nachts lesen konnte ... Außerdem diente sie ihm als couchette mit einer Matratze, auf der er sich ausstrecken konnte, und sie verfügte über eine Waschschüssel, Spiegel und Seifenhalter für seine toilette, so daß er nach der Ankunft keine Zeit verlor; und natürlich war auch ein Nachttopf vorhanden".

Das Buch ist eine wahrhafte Bereicherung und läßt keine Frage offen. Zamoyski ist der ganz große Wurf gelungen. Der Vergleich mit Golo Manns "Wallenstein" erscheint mir angemessen.
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1812: Napoleons Feldzug in Russland
1812: Napoleons Feldzug in Russland von Adam Zamoyski (Gebundene Ausgabe - 7. Dezember 2012)
EUR 29,95
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