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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich habe keine Ahnung, aber Spaß hat es trotzdem gmacht
... es geht um die Existenz als solche, um das Leben im Zwischenraum."
Ernst Augustin über sein neues Buch (Quelle: F.A.Z. )

Wirklich, ich weiß nicht, worum es in diesem Buch geht. Es ist eine farbenfrohe Seifenblase, die zerplatzt, sobald ich das Buch zuschlage. Zurück bleibt die Freude an der Schönheit und ein Gefühl von...
Veröffentlicht am 15. April 2012 von Wortsplitter

versus
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3.0 von 5 Sternen ... und alle Fragen offen
Schon im Titel des Romans ist ein Widerspruch angelegt, Robinson und Haus, wie passt das zusammen? Und ein Robinson, der in der Welt umherzieht ist auch nicht gerade typisch für Abenteurer dieser Art! Der Roman ist das als Schlusspunkt seines Oeuvres deklarierte Alterswerk des Autors, der als eigenwilliger Vertreter der phantastischen Literatur gilt. Es geht recht...
Vor 22 Monaten von Borux veröffentlicht


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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich habe keine Ahnung, aber Spaß hat es trotzdem gmacht, 15. April 2012
Von 
Wortsplitter "Wortsplitter" (Papenburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
... es geht um die Existenz als solche, um das Leben im Zwischenraum."
Ernst Augustin über sein neues Buch (Quelle: F.A.Z. )

Wirklich, ich weiß nicht, worum es in diesem Buch geht. Es ist eine farbenfrohe Seifenblase, die zerplatzt, sobald ich das Buch zuschlage. Zurück bleibt die Freude an der Schönheit und ein Gefühl von Leichtigkeit, gleichzeitig aber auch ein leicht seifiger Geschmack auf der Zunge und ein Hauch von Schwermut.

In einem Artikel der FAZ erzählt Jan Bürger von seiner Begegnung mit dem erblindeten Autor. Für interessierte Leser kann ich das Interview ([...]) sehr empfehlen. Es hat mir den Autor und das Buch näher gebracht. Auch wenn ich es noch immer nicht begreife, kann ich doch besser mit dem Nichtbegreifen leben.
Und es erklärt meine Faszination, die ich für die Sprache Augustins empfinde. In seiner Geschichte baut die Hauptfigur, die sich selbst Robinson nennt, unentwegt Räume, Häuser - Daheime. Und auch wenn man den Worten die führende, bauende Hand anmerkt, wirkt es nicht konstruiert, sondern ein Heim formend, ohne bemüht zu wirken.
- Verschachtelt, gemütlich, mit einer Spur Luxus und Humor und, nicht zu vergessen, der Wärme teefarbenem Lichts -

Nun möchte ich doch einen Versuch starten euch den Inhalt näher zu bringen.

Mehr oder weniger chronologisch erzählt Robinson von seinem Leben, oder besser von den vielen Räumen, die er in seinem Leben gebaut hat. Angefangen von der Taucherglocke, der gefluteten Kirche, den Besenkammern, bis hin zum lichtdurchflutetem Totenkopfhaus auf einer Insel beschreibt er die Farben und die architektonischen Besonderheiten und scheut sich dabei auch nicht, einen gefeierten Architekten in den Freitod zu treiben. Nein, natürlich nicht wirklich in den Freitod, schließlich hat er ihn ja noch aus der Oper kommen sehen.
Dabei wird er von den immer gleichen Gestalten gejagt. Einem kleinen Herrn in Anzug und Hut und 2 gut gekleideten Ganoven.

Jetzt wird es etwas unstet.
Die Geschichte eines sich selbst überlassenen Jungen wird von der des verfolgten Mannes abgelöst. Zwischendurch beginnt ein krimihafter Einwurf über den Vater, und die Andeutung einer Liebesgeschichte. Doch am Ende ist es nichts von Allem oder ...

Oder, vielleicht ... wie auch immer ... besser ihr klickt euch in die Leseprobe.

Ich hab keine Ahnung.
Aber es war eine wundervolle Erfahrung.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine abenteuerliche Flucht, 19. Januar 2013
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit "Robinsons blaues Haus" setzt Autor Ernst Augustin der Phantasie ein großes Denkmal. Gekonnt tut er das, denn so abwegig die gesamte Handlung des Romans auch ist, nicht ein Mal kommt man als Leser ins Zweifeln über die Realität, die dort dargestellt wird. Irgendwie schafft Augustin es, das Blaue vom Himmel zu fabulieren und man nimmt es ihm einfach ab. Locker und leicht schreibt er, farbig schreibt er, er lässt den Leser nie zur Ruhe kommen, überschwemmt ihn im positiven Sinne mit bildhafter Poesie und einem Erzähler, dem man gern auf seinen imaginär-realistischen Fluchten folgt. Dieser Erzähler nennt sich selbst Robinson und erzählt seinem Chat-Freund Freitag über sein Leben: Wie er schon als Kind auf der Flucht war (wovor?), sich überall ein Haus konstruiert hat, das ihm für Momente Schutz lieferte, um dann schon wieder aufzubrechen und einen neuen Schutzraum zu suchen. Letztlich will er seine Imagination schützen, die für ihn neue Welten erschafft. Teil dieser Imagination ist das imaginäre Geld der Finanzwelt, das hin und her geschoben wird, ohne wirklich zu existieren. Der Erzähler macht sich dieses Geld nutzbar, indem er damit seine diversen Häuser bauen lässt. Er spielt mit seiner Identität, passt sie an das jeweils neue Haus an und ist imstande, mit einem Schlag alles auszulöschen, ohne Spuren zu hinterlassen. Wenn er Spuren hinterlässt, so tut er es aus Absicht, um verfolgt werden zu können und auf diese Weise von einem Abenteuer ins nächste zu stürzen. "Robinsons blaues Haus" ist eine unterhaltsame Geschichte, wenn auch nicht leicht zu durchschauen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ... und alle Fragen offen, 17. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schon im Titel des Romans ist ein Widerspruch angelegt, Robinson und Haus, wie passt das zusammen? Und ein Robinson, der in der Welt umherzieht ist auch nicht gerade typisch für Abenteurer dieser Art! Der Roman ist das als Schlusspunkt seines Oeuvres deklarierte Alterswerk des Autors, der als eigenwilliger Vertreter der phantastischen Literatur gilt. Es geht recht bunt zu in diesem Buch, was die Farbe blau anzudeuten scheint, die symbolisch ja für Ferne, Sehnsucht und Klarheit steht, als Hausanstrich aber eher selten vorkommt. Hier deutet blau auch auf die Südseelagune hin, die sich dem Blick bietet im letzten Haus des Protagonisten, das Paradies auf Erden für Robinson. Der immer auf der Flucht ist und immer auf der Suche nach einer Bleibe, die ihn verbirgt und schützt, die ihm vertraut ist, in der sein Glenfiddich auf ihn wartet, sein unverzichtbarer Single Malt Whisky als Symbol für Geborgenheit und Behaglichkeit.

Ernst Augustin ist ein literarischer Zauberer, der uns Vieles, Großartiges zeigt, uns damit verblüfft und dann ratlos zurücklässt. So ist denn das bloße Zeigen, wie er selbst erklärt hat, seine typische Arbeitsweise, der Rest ist Aufgabe des Lesers. So wie beim Stummfilm, wo man nur Bilder sieht und der Ton als Ergänzung fehlt. Wer den wunderbaren, vielfach prämierten Stummfilm "The Artist" gesehen hat, wird zugeben müssen, dass Minimalismus dieser Art bestens funktionieren kann. Der Autor war als Neurologe und Psychiater tätig und hat die Welt bereist, seine Sehnsucht nach der Ferne ist deutlich zu spüren in diesem Roman, und auch Häuser und Architektur gehören ganz offensichtlich zu seinen Lieblingsthemen. Es ist eine völlig irreale Szenerie, ein Geisterreich der Fantasie, in das uns sein Buch entführt, eine Welt der totalen Imagination. Nichts ist, wie es scheint, alles erweist sich als Trugbild, schön und geheimnisvoll zugleich.

Robinson, der Ich-Erzähler dieser poetischen Erzählung, ist ein eigenartiger, geheimnisvoller Außenseiter, der mit seinem Freitag chattet, ihn aber nie zu Gesicht bekommt. Er lebt unter wechselnden Identitäten, wird ständig verfolgt, entgeht seinen Verfolgern aber immer wieder. Schon als Kind hat er sich verstecken müssen, hat einen zur Taucherglocke umfunktionierten alten Badeofen in den Fluss versenkt und darin Zuflucht gefunden. Sein Maybach fahrender Vater hat ihm unerschöpflich scheinende Finanzmittel hinterlassen, unredlich erworbenes, rein virtuelles Geld, der Zugriff darauf durch einen Code geschützt, den nur er kennt. So virtuell zudem, dass es sich per Tastendruck auf Erase löschen ließe und damit für immer verschwunden wäre. Die Geschichte ist spleenig, versponnen, verquer sogar, von der gefluteten Kirche bis hin zu den als Behausung dienenden Besenkammern und Verließen überall in der Welt, in denen sich der Protagonist verschanzt und es sich gemütlich macht. Man folgt diesen Bildern gern, amüsiert sich über die skurrilen Situationen, bewundert den Einfallsreichtum des Autors und genießt seine unprätentiöse, wohltuend klare Sprache. Solcherart Lektüre ist gute Unterhaltung im besten Sinne des Wortes.

Will der Leser dem Ganzen aber einen tieferen Sinn abgewinnen, ist er doch ziemlich gefordert, vielleicht sogar überfordert von der grenzenlos scheinenden Fantasie des Autors. Wie bei der Traumdeutung wird auch hier jeder etwas anderes finden, wenn er sich an eine Analyse wagt. Wie hieß es doch einst in seligen TV-Zeiten? «Und so sehen wir betroffen / den Vorhang zu und alle Fragen offen.» Mit den leicht abgewandelten Brechtworten aus ,Der gute Mensch von Sezuan', im Literarischen Quartett als markanter Schlusssatz von Reich-Ranicki in jeder Sendung zitiert, genau damit ist auch mein ganz persönliches Resümee sehr treffend ausgedrückt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Metaphysisches Hinterzimmer, 19. September 2012
Von 
Bernhard Horwatitsch "horwatitsch" (Muenchen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Robinson Crusoe“ – schreibt Ulrich Peltzer in seinen Frankfurter Poetik-Vorlesungen über das Original von Daniel Defoe – „legt eine bemerkenswerte Karriere hin, die man zu ‚Recht auch als fortdauernde Fluchtbewegung charakteriesieren könnte, im engeren wie in einem erweiterten Sinn des Wortes: Flucht; das in beiden Gebrauchsweisen nicht negativ zu verstehen ist, als Feigheit oder Drückebergerei, sondern frei von jeder Taxierung zum einen das Verlassen von Umständen bezeichnen soll, die man – aus welchen Gründen auch immer – als bedrückend erfahren hat, und darüber hinaus, in einer Intensitätsdimension, eine Grenzen und Beschränkungen aller Art niederreißende Deterritorialisierungslinie meint, die gänzlich neue, wahrhaft umstürzlerische Kombinationen von Dingen, Affekten, Wahrnehmungen und Gedanken ermöglichen kann.“

Besser könnte man den Roman von Ernst Augustin auch nicht beschreiben. Denn es ist eine grandiose Flucht-Erzählung und hier wird nicht nur der Raum, sondern auch die Zeit überschritten und verflüssigt. Und der Verweis auf den Finanzkapitalismus ist nicht unbedacht gewählt. Denn das Finanzkapital ist tatsächlich schon ein metaphysisches Hinterzimmer geworden. Die Börse ist zur Kirche mutiert und das virtuelle Geld zur Heilsbotschaft.
Der 1927 im Riesengebirge geborene und heute in München lebende Ernst Augustin hat so etwas wie eine Art Vermächtnis geschrieben. Vor drei Jahren erblindete der Arzt und Psychiater, dessen Romane das Haus als Metapher gebaut haben. Zum Beispiel bei Raumlicht. Der Fall Evelyn B. Das Haus steht an der Paul-Heyse-Straße in München und öffnet doch Räume in Welten, die man einem Haus nicht zugetraut hätte. Die Welt als Haus. Wir richten uns ein. Am ehesten erinnert der aktuelle Roman von Ernst Augustin an seinen Roman „Ein amerikanischer Traum“ (1989) wo ein Elfjähriger, 1944 von einem amerikanischen Tiefflieger erschossen wird Der Roman spielt in seinen letzten Minuten vor dem Tod, die Autor Ernst Augustin zu "ungeheuren Räumen", zu "einem Buch voller Abenteuer in wilden Städten und Landschaften" weitete. Der Kopfraum, der Zeit und Raum immer schon überwunden hat. Das Haus ist im Kopf, wenn der Kopf im Haus ist.
Dieses letzte Kapitel ist auch mein letztes Kapitel, und es ist mein letztes Haus, das ich hier baue, schreibt Augustin zum Ende des Romans um den es hier geht.
Und was für ein Haus er da ein letztes Mal baute! Nein! Häuser!
Es ist die vordergründig Geschichte eines Bankiers und Sohn eines Bankiers, der sich auf der Flucht befindet. Eine ungeheure Summe Geld, nur noch digital vorhanden, hat er von seinem Vater übernommen. Es gibt eine Geheimnummer mit der der Icherzähler Zugriff auf dieses Geld hat und nach dieser Geheimnummer jagen einige hinterher. So befindet sich Robinson auf der Flucht. Die Heilsbotschaft als Zahlenkombination und Mac Guffin für eine wunderbare Reise.
Schon früh beginnt die Flucht dieses Robinson, schon als Kind ist er immer wieder auf der Flucht und richtet sich seine imaginären Häuser ein. Zum Beispiel schon im ersten Kapitel baut der kleine Robinson die Kirche um, um „zu überleben“. Pfingsten wolle er einziehen. Und Pfingsten wird ja auch die frohe Botschaft verkündet. Die Früchte des Heiligen Geistes.
Einmal ist dieser moderne Robinson auf der Flucht vor den Stauderjungs, die ihn verprügeln wollen. Er baut sich eine Taucherglocke, und schon hier taucht erstmals die Südsee auf. Ernst Augustin montiert die Kindheitsphantasie in die Realität hinein. So entsteht ein imaginärer Fluchtraum. Und sein Taucherglocke ein „religiöses Erleben“. Eine Art Tod, den der Ich-Erzähler erlebt. Das ist schon die erste wesentliche Andeutung, die darstellt, um welche Art von Flucht es sich hier handelt.
Von Grevesmühlen, über Paris, London, sogar Minsk und natürlich die Südsee reisen wir mit dem Erzähler in Orte die gleichsam real und auch wieder fiktiv sind.
Im November 1674 kommt es im Original Robinson zu einem exklusiven Ereignis. 15 Jahre war Robinson nun im passablem, subtropischen Klima mit ausreichend Nahrung versehen. Aber er war alleine. Nun geschieht folgendes: Eines schönen Tages gegen Mittag, als ich wieder einmal auf dem Weg zu meinem Boot war, versetzte mich am Strand die Spur eines nackten menschlichen Fußes, die sich ganz deutlich im Sand abzeichnete, in allergrößte Bestürzung. Ich stand wie vom Donner gerührt, als ob mir ein Geist erschienen sei.
Der originale Robinson Crusoe flüchtet in seine Hütte und wähnt den Teufel auf seiner Insel. Auch bei Ernst Augustins Roman erscheint ein Freitag. Im Chatroom. Aber aus diesem Freitag wird die Emanation eines der phantasievollsten Autoren, die ich kenne. Dieser Freitag wird zu einer Art Obsession.
Letztlich ist der Roman nicht nur ungeheuer poetisch, sondern sogar spannend. Denn zum Ende soll endlich ein Treffen mit diesem Freitag stattfinden. Es wird eine Überraschung geben und letztlich muss man so lange warten, um wirklich zu verstehen, was uns Ernst Augustin tatsächlich erzählen wollte. Und wenn am Ende gerade Freitag, dieser wandlungsfähige Freitag, dem Ich-Erzähler das Leben rettet, einen erneuten Fluchtraum ermöglicht und man sich in einem Mafia-Plot wähnt, dann wird schnell die Absurdität klar. Die letzte Flucht ist nicht mehr möglich. Sie ist nur noch imaginierbar. Die letzte Flucht hat keinen realen Raum mehr zur Verfügung. Der letzte Raum, den man betritt ist nur für einen selbst bestimmt. Und doch auch für alle. Die letzte Flucht ist nur noch Religion. Hier muss man glauben, um entkommen zu können. Und einen Freitag haben, der einen im letzten Augenblick noch retten kann.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bernsteinfarben - ungewöhnlich - lesenswert, 2. Juni 2012
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ehrlich - auf dieses Buch bin ich wegen seines Covers aufmerksam geworden. Dieser alte Mann mit den weißen Haaren und geschlossenen Augen, der vor einem eigenartigen Gebilde aus Türmen und Felsen sitzt - und dann die Farben - grau, blau, gelb. Was das wohl für eine Geschichte ist!? (Auch die Rückseite ist ungewöhnlich - alles ist quer aufgedruckt)

Aber zum Inhalt des Buches: Der Ich-Erzähler scheint ein eigenartiger Außenseiter zu sein. Er führt ein unstetes Leben, ist mal in der einen Metropole zu Hause, mal in der anderen, aber auch in Grevesmühlen hat er eine Besenkammer gemietet. Besenkammern, dunkle kleine Räume, nicht leicht zu finden , das sind seine Unterkünfte in den jeweiligen Städten. Und sie sind immer gleich ausgestattet: mit der gleichen Holzvertäfelung, dem gleichen bernsteinfarbenen Licht,...

Übers Internet unterhält sich dieser Kauz mit seinem Freitag, er selbst nennt sich Robinson. Immerwieder setzt er sich mit seiner Vergangenheit auseinander, mit seinem Vater, der in nicht ganz saubere Geldgeschäfte verwickelt war, mit seinem Verhältnis zu ihm, aber auch zu seinen Schulkameraden, vor denen er sich in den Färbergraben hinter dem Haus flüchtete. Sein Vater hinterlässt ihm zwei Verfolger. Geht es ihnen um das Geld?

Dieses Buch ist eine Reise durch die unterschiedlichsten Räume, gewöhnliche, aber vor allem ungewöhnliche - es ist ein Buch über Geld und Geldgeschäfte und über das Leben als Außenseiter. Es ist ein bisschen verquer, nicht einfach zu durchschauen, aber gerade deswegen nie langweilig zu lesen, obwohl es nicht einfach geschrieben ist, sehr poetisch, ein bisschen bernsteinfarben - bekommt auf jedenfall eine Leseempfehlung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erzählerische Gradlinigkeit, sauberes schriftstellerisches Handwerk, 6. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Fangen wir mal mit der Geschichte, also der Handlung, an. Ein Mann reist durch die Welt und lebt offensichtlich von geerbtem Geld und von den Gewinnen, die er an der Börse und per Internet erzielt. Manchmal wohnt er in luxuriösen Hotels, öfter aber in Immobilien, die er in Bahnnähe anmietet und die eher als gruftig zu bezeichnen sind. Seine Reisen haben aber durchaus etwas von Fluchten, denn es kommt immer wieder zu Überfällen. Schon sein Vater, der auch mit illegalen Geldgeschäften zu tun hatte, wurde Opfer mehrerer Überfälle. Eine Zeitlang leben Vater und Sohn nach dem Tod der Mutter in Luxemburg wegen der Geldgeschäfte.
Der Roman entwickelt sich auf drei Ebenen, auf einer Jetzt-Ebene, in Rückblenden und auf einer Meta-Ebene, die sich häufig mit literarischen Motiven vermischt. Das gilt nicht nur für den Roman „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe. So kommuniziert der Ich-Erzähler im Chatroom mit einem „Freitag“. Der ganze Roman ist eher kurz, knapp 50.000 Wörter (grob überschlagen), aber durch das Format und die große (lesefreundliche) Schrift auf 300 Seiten gebracht worden. Bei der für mich sehr klaren und sauber durchgehaltenen Erzählstruktur verwundern mich einige Rezensionen und Kommentare, die den Roman für ein phantastisches, schwer einzuordnendes literarisches Gebilde halten. Ich denke, das rührt von Augustins ebenso präzise durchgehaltener Erzählweise her. „Tell or show“, erzählen oder zeigen, und Augustin hat sich für das Zeigen entschieden. Er erzählt nicht, und erläutert erst recht nicht, was er erlebt, sondern zeigt, wie er die Dinge sieht, hört und erlebt.
Fazit: Mein erster Roman von Augustin ist ein wirkliches Lesevergnügen und wird nicht der letzte bleiben. Und das gerade wegen der erzählerischen Gradlinigkeit, des überaus sauberen schriftstellerischen Handwerks.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Reinschauen ...., 4. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich muss gestehen es ist das erste Buch von Ernst Augustin, dass ich bis jetzt gelesen habe, aber mit Sichherheit wird es nicht das Letzte sein.
Sein Erzählstil ist sehr außergewöhnlich und doch bildhaft mit vielen Metaphern und Vergleichen.
Eine irreale Welt, in die uns der Autor da entführt. Es ist eine Welt in der nichts ist wie es scheint, grausam und doch irgendwie schön. Und doch bleiben nach dem Lesen einige Fragen unbeantwortet.
Es geht um Robinson, den Namenlosen, der Geheimnisvolle, der der seine Identität nicht preisgibt, der der sich in diversen Chatrooms nach seinem Freitag umsucht. Alse er ihn schließlich findet, baut sich eine eher ungewöhnlichen Beziehung auf. Währendessen sich die Frage stellt wer ist eigentlich sein Freitag, erzählt Robinson Geschichten aus seinem bewegenden Leben.
Schon als Kind war er nicht so wie seine Altersgenossen, er lebte in seiner ganz eigenen Welt. Als dann auch noch ganz plötzlich sein Vater der Geldwäscher ist verschwindet, beginnt die Flucht des Robinson vor dem Mann mit dem Hut .
Immer und immerwieder begeistert er mit seinem Erfindungsreichtum, er änderts sein Erscheinungsbild und führt uns zu phantastischen Orten, ungewöhnliche Unterkünfte wie der Kerker von London, die vielen Besenkammern oder das Totenkopfhaus mit jedem Ortswechsel, wechselt auch er seine komplette Identität.
Doch eins bleibt ... sein Verfolger, der Mann mit dem Hut, er scheint ihn immer & überall zu finden.
Ein Buch verquer, ungewöhnlich und doch nicht langweilig ... aber kein Buch dass man einfach mal so Zwischendurch lesen sollte.
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4.0 von 5 Sternen Surreales Puzzle in wunderschöne Sprache verpackt, 12. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch beginnt wie ein riesiges, dreidimensionales Puzzle, es spielt in verschiedenen Zeiten und zweigt verschiedene Ausschnitte aus Robinsons Leben, in gemischter Reihenfolge. Nach einem Drittel des Buches war ich kurz davor, die Arbeit an dem Puzzle aufzugeben, weil es mir doch zu schwierig, zu komplex erschien, ich hab mich aber gezwungen, weiterzulesen.

Und mein Durchhalten wurde mit einer absurden, surrealen, spannenden, geheimnisvollen und hoffnungsvollen Geschichte belohnt, die in Grevesmühlen am Bahnhof beginnt, sich über Warschau, London, New York spinnt und in der Südsee endet, bzw. nicht endet. Eine Geschichte, die von der Suche nach Freundschaft und Liebe aber auch von Flucht erzählt und hinter jeder Ecke eine neue Überraschung parat hat und eine neue, unerwartete Wendung bringt. Jedes Kapitel bringt neue Fragen, die gelungen miteinander verknüpft und zusammengeflochten werden.

Am Ende ist nichts, wie es war, die Realität - war sie überhaupt jemals real - sieht ganz anders aus, als ich erwartet habe und kaum eine der offenen Fragen wurde beantwortet. Und trotzdem war ich nach dem Lesen zufrieden, der Überzeugung, ein grandioses Buch gelesen zu haben.

Einen großen Beitrag zum Begriff "grandioses Buch" leistet die schöne Sprache, die sehr anschaulich und voller Bilder ist. An zweiter Stelle kommen die unerwarteten und schon fast absurden Wendungen, die am Ende sich doch so stimmig in eine Einheit zusammenfügen. Und zuletzt begeisterte mich das offene Ende, was gar nicht anders sein sollen.

Das Buch bekommt von mir nur 4 Sterne, obwohl ich es als "grandioses" Buch bezeichnet habe. Ein Herz habe ich abgezogen, weil ich das Buch unter anderen Bedingungen vielleicht gar nicht zu Ende gelesen hätte - ich hätte viel verpasst. Vielleicht werde ich es irgendwann erneut lesen und ganz neue Aspekte entdecken.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein zeitloses Meisterwerk, 1. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zunächst muss man voraus schicken, dass dieses Buch in Großbuchstaben gedruckt ist und die 318 Seiten also eher 210 normalen Buchseiten entsprechen. Man ist als geübter Leser also sehr schnell fertig mit dem Text. Das liegt aber nicht nur an der Buchtsabengröße, sondern auch an der Faszination, die sich beim Lesen ergibt. Augustin ist 85 Jahre alt und seit drei Jahren blind. Er beherrscht also das Metier. Das merkt man. Die Hauptfigur des Buches lebt in allen großen Städten Europas in irrwitzig kleinen und sehr gut gesicherten Bunkern, in denen es überall nach Zimt riecht, die Musik von Hotel Costa spielt und ein Glenfidich bereit steht. Robinson ist der Sohn eines Großbankbetrügers, der von der Mafia erschossen wurde, aber ihm, dem Sohn, einen Bankcode vererbt hat, mit dem er immer an sehr sehr viel Bargeld kommt. Allerdings muss der Sohn ebenfalls immer vor der Mafia fliehen. Er hat nur einen fernen Freund, den er Freitag nennt, weil er sich als Robinson sieht. Am Ende trifft er diesen Freund. Das ist auch das Ende des Buches. Augustin spielt mit der Psychologie, webt Zauberhaftes ein, spricht symbolisch und mystisch, gleichzeitig...ach, was soll man darüber viel reden: Dieses Buch sollte man wirklich lesen! Es ist der Hammer der diesjährigen Short-List. Hoffentlich gewinnt Augustin den Preis.
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4.0 von 5 Sternen unbedingt empfehlenswert, 26. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Robinsons blaues Haus: Roman (Gebundene Ausgabe)
herrlich verrückte, subtile Geschichte, mit großer Einfallslust und gleichzeitig sehr souverän erzählt. Kenne wenig Vergleichbares in der deutschen Literatur. Merkwürdig, dass dieser Autor so selten gelesen wird.
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Robinsons blaues Haus: Roman
Robinsons blaues Haus: Roman von Ernst Augustin (Gebundene Ausgabe - 21. September 2012)
EUR 19,95
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