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am 14. November 2015
Die Zeit zwischen 1914 und 1945 gehört zu den wichtigsten Zeiträumen der jüngeren europäischen Geschichte, deren zentrale Ereignisse und Entwicklungen uns z.T. bis heute prägen. Umso wichtiger ist es, diese Ereignisse und Entwicklungen durch die intensive zeitgeschichtliche Aufarbeitung wachzuhalten. Dieser Aufgabe hat sich auch Lutz Raphael angenommen. Bei dem Versuch, diese Zeitspanne in einer Synthese zu bündeln, hat der Historiker den Vorteil auf seiner Seite, dass die Themen, Aspekte und Problemkomplexe, um die es gehen muss, offenkundig sind: Europa war in dieser Zeit geprägt von Nationalismus, von der Konkurrenz der unterschiedlichen Nationalismen und der Großmächte untereinander, von Massenbewegungen, von Kriegen, von Experimenten mit neuen politischen Ordnungsentwürfen, vom Aufstieg und Kampf der Ideologien, sowie von wirtschaftlichen und sozialen Krisen und einem entsprechenden Krisenbewusstsein. Mithin war Europas Geschichte in diesem Zeitraum bestimmt von den Herausforderungen der Moderne und den unterschiedlichen Antworten, die in Europa von unterschiedlichen Seiten darauf gegeben wurden. Dass der Historiker, der eine Geschichte dieser Zeit schreiben will, all diesen Themen gerecht werden muss, stellt natürlich auch eine Schwierigkeit für ihn da, insbesondere, wenn seine Darstellung in einer Reihe veröffentlicht wird, die den Anspruch erhebt, sich auch an Laien ohne fachwissenschaftliche Vorbildung zu richten. Dementsprechend ist bereits der Ansatz wichtig - wobei an dieser Stelle einmal der der thematische Ansatz von Interesse ist, den Raphael wählt, und andererseits seine analytische Vorgehensweise.

Die beiden thematischen Paradigmen, die dem Buch entsprechend seinem Titel zugrunde liegen sollen und die der Autor in seinem Vorwort (S. 7-18, bes. S. 12-18) noch einmal besonders hervorhebt (Imperiale Gewalt und mobilisierte Nation) bilden zwar die Schwerpunkte des Buches, erfassen seine Themen und die Zeit, um die es geht, jedoch nicht annähernd so vollständig wie Raphaels Diktum von Europa als "Labor der Moderne" (S. 11): In Europa spielten sich zwischen 1914 und 1945 viele neue Entwicklungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Alltag und Kultur gleichzeitig und mit großer Schnelligkeit ab, und Raphael versucht, all diesen Phänomenen gerecht zu werden. Dies tut er nicht im Sinne einer schlichten ereignisgeschichtlichen Chronologie, sondern in Form einer problemorientierten Analyse der prägenden Entwicklungen dieser Zeit. Mit anderen Worten: Er versucht, Strukturen und Prozesse herauszustellen, und nicht mithilfe anschaulicher Beispiele, Zitate und Anekdoten die historischen Geschehnisse darzustellen. Dies macht die Lektüre für Leser, die noch nichts oder nur wenig über die gegenständliche Epoche wissen und gerne mehr erfahren möchten, zugegebenermaßen etwas schwierig, doch bietet Raphaels Darstellung den Vorteil, die Entwicklungen, die in Europa in dieser Zeit stattfanden, auch wirklich zu verstehen und durch seinen streng strukturgeschichtlichen Zugriff die Geschichte der Zeit zwischen den Weltkriegen auch als Sozialgeschichte zu schreiben, ebenso wirtschaftlichen, kulturellen und Veränderungen im Alltags gerecht zu werden. Es handelt sich um ein streng wissenschaftliches Buch mit einem analytischen und keineswegs einem narrativen Ansatz - das sollte sich jeder bewusst machen. Nichtsdestotrotz ist der Text sehr eindringlich, was mit dem Thema zusammenhängt: Raphael schreibt über eine turbulente, gewalttätige, teilweise chaotische und für viele Menschen tragische Zeit.

Welche Prozesse identifiziert nun Raphael? Besonders auffällig und ebenso nachvollziehbar ist sein Befund, wie sehr sich Europas Stellung in der Welt von 1914 bis 1947 geändert hat: Europa war um 1900 noch das weltpolitische, imperiale, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Welt und vertrat diese Stellung auch entsprechend selbstbewusst nach außen. 1945/47 dagegen lag Europa in Trümmern, und das gleiche galt für seinen Weltmachtsanspruch, den es an die beiden neuen Großmächte USA und UdSSR abtreten musste. Dazwischen lagen zwei Weltkriege, die Raphael ereignisgeschichtlich und analytisch ebenso anschaulich und kompetent abhandelt, wie er ihre entsetzlichen Konsequenzen kenntlich macht: Millionen von Toten durch Kriegshandlungen und Völkermord waren mit diesen Kriegen verbunden. Die Zeit zwischen 1914 und 1945 brachte den vollständigen Durchbruch des Phänomens des Nationalismus: Für viele Staaten wurde "die Nation" erst jetzt zum zentralen politischen Orientierungspunkt und Ordnungsmuster, und die entsprechenden Folgen waren eben auch spürbar in diskriminierenden politischen Praktiken gegenüber nationalen Minderheiten, bis hin zu "ethnischen Säuberungen." Dazu trug auch bei, dass sich infolge der Friedensschlüsse des Ersten Weltkrieges erst viele neue Nationalstaaten gebildet hatten, die oft einige ethnische Minderheiten beheimateten. Die meisten dieser Staaten waren nach 1919 auch als Demokratien gegründet worden. Raphaels Frage nach den Chancen dieser Demokratien muss angesichts der Tatsache, dass es wenige Jahre später, bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, kaum noch Demokratien auf dem Kontinent gab, interessant wirken. Dabei sieht Raphael durchaus die Chancen dieser neuen Staaten, ihre demokratische Staatsform zu behaupten. Doch angesichts der instabilen wirtschaftlichen und sozialen Umfelder, in denen sie sich behaupten mussten, schränkt er dies indirekt gleich wieder ein (S. 130). Die Weltwirtschaftskrise, die den Kontinent besonders erschütterte, diskreditierte mit dem wirtschaftlichen gleichzeitig den politischen Liberalismus und damit auch die Demokratien. Charakteristisch war der Weg der autoritären Demokratien Ostmitteleuropas sowie des nationalsozialistischen Deutschlandes, deren Antworten auf die wirtschaftliche Krise in der Zurückdrängung der Demokratie und der autoritären Einebnung sozialer und wirtschaftlicher Konflikte "von oben" lag. Mit anderen Worten: Die Wirtschaftskrise entzog freiheitlichen Ordnungen den Boden. Dies galt freilich nicht für ganz Europa: Raphael hebt das Gegenbeispiel des skandinavischen Raumes hervor, in dem auf die Krisen durch neue Formen der Sozialpartnerschaft reagiert wurde: Hier konnten die Interessen zwischen den verschiedenen Parteien austariert, gleichzeitig die Demokratie gesichert und das politische Klima ruhig gehalten werden. Anders verhielt sich dies in der Sowjetunion, in Italien und in Deutschland: Hier erstarkten in der Zwischenkriegszeit totalitäre Ideologien in Form des Kommunismus bzw. des Faschismus. Diese neuen totalitären Systeme setzten neue Gewaltdynamiken frei und kosteten Europa die meisten Toten. Raphael wird allen drei Systemen (und besonders der kommunistischen Sowjetunion) durch kurze Einzelbetrachtungen hervorragend gerecht.

Die Bilanz der Zeit zwischen 1914 und 1945 muss auch nach der Lektüre Raphaels in erster Linie desaströs ausfallen: Raphael schätzt, dass infolge von Weltkriegen, Verfolgungen und Völkermorden, Hungersnöten und Bürgerkriegen über 70 Millionen Europäer ihr Leben lassen mussten. Infolge dieser gewaltsamen Phänomene war u.a. nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das gesamte Sozialgefüge Mittel-, Ost- und Südosteuropas zerstört; Juden und Deutsche waren gewaltsam verschwunden (S. 294). Wie bereits erwähnt, lag Europa in Trümmern, das selbstgefällige imperiale Gehabe der (ehemaligen) europäischen Mächte war dahin. Doch man kommt dank Raphaels Darstellung nicht umhin, erstaunt festzustellen, was sich in Europa neben Not, Chaos und Gewalt noch alles ereignet und entwickelt hat: Der Sozialstaat wurde ausgebaut, neue Formen und Umbrüche in der Lebensweise und Kultur (neues Wohnen, "Amerikanismus" usw.) entwickelten sich. Industrie und Dienstleistungen wuchsen ebenso wie die Städte. Dennoch kann nicht bezweifelt werden, dass dieses "Zeitalter der Extreme" (E. Hobsbawm) sicherlich den Tiefpunkt in der europäischen Geschichte darstellte. Lutz Raphels Darstellung beweist dies. Ihm ist eine kompetente, zuweilen tiefgründige Analyse gelungen, auch wenn sein Ansatz, wie gesagt, an darstellerischen Elementen krankt und nicht für jeden Leser leicht verdaulich sein dürfte. Darüber hinaus stellt sich für mich - trotz meines positiven Urteils - in gewisser Weise durchaus die Frage nach dem Sinn einer übregreifenden Geschichte Europas in dieser Zeit, die meines Erachtens nur dann wirklich erfassbar ist, wenn man sich die Entwicklung der einzelnen Staaten - und sei es noch so kurz - einzeln ansieht und dann allgemeine, bündelnde Analysen aufstellt. Ich hoffe dennoch, dass ich den Lesern dieser Rezension zeigen konnte, dass Raphael seinem schwierigen Thema insgesamt hervorragend gerecht geworden ist.

(POSTSKRIPTUM: Vor kurzem ist eine neue Darstellung zur Geschichte Europas zwischen 1914 und 1945 erschienen; und zwar aus der Feder Ian Kershaws, eines der Großmeister der angelsächsischen Geschichtsschreibung, der einem breiten Publikum durch seine phänomenale Hitler-Biographie bekannt sein dürfte. "To Hell and back" heißt das Werk; vgl. meine Rezension dazu.)
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am 14. Januar 2015
Der gut lesbar und interessant geschriebene Band versucht eine Überblicksdarstellung der europäischen Geschichte im Zeitalter der beiden Weltkriege zu geben. Die Zeit zwischen den Kriegen wird im wesentlichen auch als "Zwischenkriegszeit" analysiert. Die Ereignisgeschichte tritt gegenüber der Betrachtung von gesellschaftlichen Trends zurück, wobei Raphael sich bei beidem auf die Hauptprotagonisten der beiden Kriege beschränkt und zu Verallgemeinerungen neigt (z.B. wird - in dem Zusammenhang vollkommen überflüssigerweise - in einem Nebensatz pauschal behauptet die die deutschen Besatzer, wären in der Sowjetunion als Befreier begrüßt worden; das kam sicher vor, aber doch wohl nicht überall) . Ohne ausdrücklich die Totalitarismustheorie zu verteidigen, beschäftigt er sich sehr stark mit Parallelen und Ähnlichkeiten der beiden faschistischen Staaten Deutschland und Italien und der Sowjetunion. und schlägt die Betrachtung des 2. Weltkriegs arg über diesen Leisten. Der Epilog des Buches (Europa 1947) ist dann wieder von hoher analytischer Schärfe und das Beste an dem Werk.
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Als Professor im Fachgebiet III - Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Trier kann der Autor, Dr. Lutz Raphael (Jahrgang 1955), auf ein zehnjähriges Studium der Geschichte, Romanistik, Philosophie und Soziologie in Münster und Paris zurückblicken. In diesem bemerkenswerten Kontext sind seine Dissertation zum Thema "Partei und Gewerkschaft. Die Gewerkschaftsstrategien der kommunistischen Parteien Italiens und Frankreichs seit 1970" (1984) und insbesondere seine Habilitationsschrift "Die Erben von Bloch und Febvre. Annales-Historiographie und nouvelle histoire in Frankreich 1945-1980" (1994) zu sehen....

....konsequenterweise knüpft Raphael mit seinem September 2011 in der Reihe "C.H.Beck Geschichte Europas" erschienenen Band "Imperiale Gewalt und mobilisierte Nation. Europa 1914 - 1945" an die von Marc Bloch (1886 - 1944) und Lucien Febvre (1878 - 1956) begründete neue Methodologie und Praxis in der Geschichtswissenschaftan. Diese sogenannte "nouvelle histoire" wird nach der 1929 von Bloch und Febvre gegründeten geschichtswissenschaftlichen Fachzeitschrift "Annales d'histoire économique et sociale", seit 1994 "Annales. Histoire. Sciences sociales" als "Annales-Schule" bezeichnet.

In die zehnbändige Reihe "C.H. Beck Geschichte Europas" wurden gemäß Editionsplan jene herausragenden Vertreter der deutschen Geschichtswissenschaft aufgenommen, die auf dem neuesten Stand der Forschung eine zugängliche und zeitgemäße europäische Geschichte präsentieren. Ihr europäischer - das heißt nicht nationalstaatlicher - Blickwinkel konzentriert sich auf zentrale Entwicklungen, die ein ganzes Zeitalter geprägt haben, und vermittelt gleichzeitig das wichtigste Wissen über die jeweilige Epoche. Hierdurch wird nicht nur verdeutlicht, was Europa in seinen unterschiedlichen Zeitaltern ausmachte, sondern auch welche Vorstellungen mit einem entsprechenden Begriff verbunden wurden.

Das Cover des Bandes, ein nachkoloriertes Bild eines "Schippeinsatzes der Hitlerjugend im Jahre 1944", steht daher auch nicht für die traditionellen Nationalgeschichtsschreibung, sondern ist nur ein Paradigma im Hinblick auf den Titel und Gesamtkontext. Auch Raphael folgt bei seinen Betrachtungen der vergleichenden Geschichtsforschung der europäischen Gesellschaften, im Stil einer Mentalitäts-, bzw. Strukturgeschichte, die von Bloch als umfassende Geschichtsschreibung, eine "histoire totale", verstanden wurde. Gleichwohl der Text wichtige Jahreszahlen und Daten nicht vermissen lässt, orientiert sich der Autor folgerichtig weniger an einer staatlichen und politischen Ereignisgeschichte, als an interdisziplinären Aspekten einer Kulturhistorik, die mehr oder weniger für den gesamten Kontinent Gültigkeit besaßen und sich gleich oder unterschiedlich auf gesellschaftliche Entwicklungen auswirkten.....

Unter Einbeziehung multikausaler Ursachen ist Lutz Raphael die Kontextualisierung der europäischen Ideengeschichte zwischen 1914 bis 1945 und ihrer zum Teil verheerenden Folgen gut gelungen. In sieben Kapiteln beschreibt er zunächst das Europa von 1900 als politisches und ökonomisches Machtzentrum, in dem die imperiale Konfrontation schließlich kumulierte und kulminierte, um schließlich in den Ersten Weltkrieg einzumünden. Seine Folgen führten zur Dauerbelastung von Demokratie und Nation, gebaren gleichzeitig jedoch auch in vielen Bereichen "Moderne Zeiten und neue Ordnungen". Die Weltwirtschaftskrise erwies sich als "Wetterscheide" für den Aufstieg von Diktaturen und Modelle radikaler politischer Neuordnung. Deren Folge waren eine erneute, aggressive Expansion und ein Vernichtungskrieg. Der Epilog "Europa 1947" zieht eine Bilanz und bietet ein Ausblick auf den Folgeband "Kalter Krieg und Wohlfahrtsstaat: Europa 1945-1989" von Hartmut Kaelbe.

Prof. Dr. Lutz Raphaels historische Darstellung Europas im Zeitalter der Weltkriege verdient 5 Amazonsterne.
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am 17. Januar 2015
Ein erstklassiges Buch. Hohe Informationsdichte. Die Grundlage für das Verständnis der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa und eine Grundlage für die fundierte Beurteilung des Nationalsozialismus in Deutschland. Einzig die wirtschaftlichen Zusammenhänge kommen etwas zu kurz. Das kann durch das Studium des herausragenden Buches >Ökonomie der Zerstörung< von Adam Tooze ausgeglichen werden. Zusammen bilden die beiden Bücher den Überblick über die Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkt Deutschland und helfen die zweite Hälfte besser zu verstehen.
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