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52 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen brilliantes Geschichtswerk, 3. März 2012
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Kein anderes geschichtliches Thema lässt die Emotionen noch heute oftmals so hochkochen, wie die Vertreibung Deutscher aus dem Osten Europas. Was an Vertreibung Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg geschah, wurde im Potsdamer Abkommen unter den Siegermächten verhandelt und festgelegt.

Bedenkt man, dass "heute fast drei von zehn Deutschen selbst vertrieben wurden oder die Kinder oder Enkel von Vertriebenen sind" und das Wissen eben zu diesem Thema rapide sinkt, dann kommt dieses Buch des amerikanischen Professors für Geschichte gerade zur rechten Zeit.

Da sich wohl heute nur noch die Wenigsten an diese Zeit selbst erinnern werden, ist es für mich beim Lesen dieses Werkes besonders eindrucksvoll gewesen, dass der Historiker immer wieder auch Einzelstimmen zu Wort kommen lässt und somit die Lebensumstände der Menschen damals besonders plastisch beschreibt, auf der anderen Seite behält er sein Konzept strikt in der Hand und schildert die Geschehnisse auch im Ganzen gesehen sehr übersichtlich und gut verständlich.

Egal ob die Sudetendeutschen, die Ostpreußen, die Deutschen aus dem Baltikum, die Wolhynier oder die Bessaraber, Douglas geht sehr speziell auf viele Gruppen ein und versucht dabei stets auf beiden Seiten Rücksicht zu nehmen und macht jeweils beide Standpunkte deutlich. Zumindest an dieser Stelle werden die Herausforderungen an die Historiker sehr deutlich. Sie sollen historische Fakten benennen und Schlüsse ziehen. Aber auch Grenzen der Historiker werden hier deutlich. Solang noch Menschen leben, die diese Zeit selbst durchleiden mussten, werden Emotionen mitschwingen.

R. M. Douglas weist darauf hin, und dies wundert mich ein wenig: "Es ist unvorstellbar, dass die Westalliierten der Vertreibung der Deutschen auch zugestimmt hätten, wenn der Vorschlag 1950 statt 1945 gekommen wäre." Dies klingt in meinen Ohren zwar eher unwahrscheinlich, das Buch insgesamt gesehen jedoch halte ich für ein brilliantes Geschichtswerk, dass ein äußerst wichtiges Stück deutscher Nachkriegsgeschichte zum Thema hat.

Geschichtsinteressierten sehr zu empfehlen!
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37 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fundierte und deutliche Darstellung der Vertreibung, 17. April 2012
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Es ist durchaus von Vorteil, kann man nach der Lektüre feststellen, dass hier ein amerikanischer Historiker sich aufgemacht hat, eine Gesamtdarstellung der 'Vertreibung der Deutschen aus dem Osten Europas' zu konzipieren. Zumindest hoch objektiv und nicht von persönlichen Blickwinkeln beeinflusst wirkt seine Darstellung, die sich zu weiten Teilen vor allem auf die Akten und Zeugenaussagen des internationalen Roten Kreuzes stützt. Deutsche Quellen nutzt Douglas nur da, wo sie mehrfach belegt sind. Mit dieser Quellenlage schafft er zunächst ein möglichst abgesichertes, reales Bild der Ereignisse in den letzten Wochen des zweiten Weltkrieges und in der unmittelbar darauf folgenden Zeit. Anders als die oft doch subjektiv geprägten Aufarbeitungen der 'Vertreibung', wie sie in manchen deutschen Darstellungen vorliegt.

Zudem nimmt sich Douglas die Zeit und den Raum, immer wieder sehr genau und vor allem konkret hinzuschauen, sehr plastisch an Einzelfällen darzustellen, wie es 'in Wahrheit war'. Das, was die Alliierten als 'ordnungsgemäße Überführung' miteinander vereinbart und geplant hatten setzt Douglas in direkten Kontrast mit der 'Umsetzung vor Ort' und schildert ungeschminkt die Grausamkeiten und Härten, mittels derer so manche 'Sieger' ihrer Verachtung und in Teilen auch ihrer Rache freien Lauf ließen. So entsteht auch ein Bild von dem, was passiert, wenn Menschen sich 'entfesseln' und 'freier Lauf' gewährt, fast erwünscht wird. Dies gilt im Übrigen nicht nur für das Geschehen um die Deutschen aus dem Osten Europas, dies gilt in vielfacher Form im Blick auf 'Vertreibungen' ethnischer Gemeinschaften zu vielen Zeiten der Weltgeschichte. Vertreibungen, die Douglas im Übrigen ebenfalls in ihrer Grundstruktur kurz erwähnt und skizziert.

'Zwangsumsiedlungen', die durchaus auch in der Gegenwart zumindest an manchen Orten immer noch versucht werden. Die allerdings gerade im Blick auf das eigentliche Objekt seiner Betrachtung in ungewöhnlich und 'entfesselter' Brutalität stattfanden. Eine Brutalität, die sicherlich, auch das legt Douglas offen, im Gesamtkontext des Krieges zu sehen ist, in dem gerade von deutscher Seite her ein solche Brutalität und Grausamkeit, eine solche Aufkündigung aller bis dahin geltenden Regeln im Krieg vorangetrieben wurde.

Dennoch nimmt es den Leser durchaus innerlich mit, wenn Douglas detailliert eine 'staatlich geförderte' Gewalt darstelle, aufzeigt, warum die hehren Worte eine 'humanen Umsiedlung' schon als sie ausgesprochen und vereinbart wurden längst von der Realität überholt waren. Eine Rigidität, die in Teilen maßlos ihren Weg nahm.
'Ostpreußen ist leer', formulierte Radio Lublin schon im Mai 45. 'Geleert', könnte man sagen nach der Lektüre des Buches. Rasch, radikal und brutal, Hauptsache geleert und bereit für eine Neuansiedlung und Assimilation, das eigentliche ziel Stalins, wie Dougals herausstellt. Ein Plan im Übrigen, der von anderer Seite her durch die Nationalsozialisten ebenfalls schon längst durchgeplant worden war nach dem erhofften 'Endsieg', was zigmillionen Polen und Russen betroffen hätte.

Ein gutes halbes Jahr währte diese strukturiert vorangetrieben 'Vertreibung', die 'hunderttausende von Opfer nach sich zog'. Und das, wohlgemerkt, nach der Kapitulation zu offiziellen 'Friedenszeiten' bereits. Wobei es Douglas nicht bei der Darstellung dieses 'Kernzeitraumes' bewenden lässt. Auch die Integration der Millionen von Flüchtlingen in Deutschland nimmt er auf und stellt diese dar. Eine Integration inmitten einer 'kalten' Bevölkerung, die durchaus mit massiver Abwehr auf 'die Flüchtlingen reagierte'. Auch dies liest sich intensiv im Buch, wie jene, die alles verloren hatten, auch viele nahestehende Menschen, die Grausamkeit gesehen und erlitten hatten, nun ebenfalls wieder einer Haltung des 'unerwünscht Seins' gegenüber standen. Eine Integration, die dennoch gelang und deren Ermöglichung Douglas ebenfalls darstellt.

R.M.Douglas bietet eine breite und in den genutzten Quellen möglichst objektive Darstellung eines der dunkelsten Kapitel, was 'Zwangsumsiedlungen' angeht und stellt diese einerseits plastisch und konkret dar, wie es ihm andererseits gelingt, die großen Entwicklungslinien des Geschehens vorher wie nachher aufzuzeigen. Ein sehr gelungenes Stück dargestellter Geschichte.
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30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ordnungsgemäße Überführung, 7. April 2012
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Ein hervorragend recherchiertes, absolut aktuelles Buch. Ich habe bisher kein anderes derart gut strukturiertes Buch zum Thema Vertreibung gelesen. Sehr angenehm war mir die sachliche und auf historischen Fundamenten stehende Notierung. Lehrern, die Schülern die Problematik der Vertreibung vermitteln sollen und auf der Suche nach neutralem Grundwissen sind, sei dieses Buch - das sicher keine leichte Kost darstellt - empfohlen. Es geht sicher über eine normale Unterrichtseinheit hinaus, vermittelt dafür die komplexe und beispiellose Aufgabe der Vertreibung auf höchst lehrreiche Art. Persönlich Betroffene finden in diesem Buch sicher Denkanstösse, bisherige Wahrnehmungen, aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Die Übersetzung ist wunderbar lesbar und keine Minute langweilig.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragend recherchiert, 10. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
R.M. Douglas hat eine längst überfällige Gesamtdarstellung der Vertreibungsgeschichte geschrieben, bei der mich vor allem die entscheidende Mitwirkung führender Anglo-Amerikaner bei der Planung und Durchführung und ihr mangelndes Mitgefühl für das Leiden deutscher Frauen und Kinder beeindruckt hat. Daß sich im Gegensatz dazu viele Juden und andere Verfolgte des Nazi-Regimes gegen die Unmenschlichkeit der Vertreibung eingesetzt haben, verdient umso mehr hervorgehoben zu werden. Von einer geordneten und humanen ordnungsgemäßen Überführung konnte in den meisten Fällen nicht die Rede sein. Eine Vertreibung um ethnisch oder religiös einheitliche Staatsgebilde zu schaffen, läßt sich meines Erachtens auf keinen Fall rechtfertigen. Leider erhalten dadurch stets auch beutegierige Mitmenschen Gelegenheit, ihre Raubtiermentalität zu befriedigen. Vielleicht sollte ein weiterer Band auf die Vertreibung der Polen aus Ostpolen hingewiesen werden, um auch für diese, oft vergessene Geschichte, Verständnis zu wecken. Daß sich Benes auch für die Vertreibung antifaschistischer Sudetendeutscher eingesetzt hat, zeigt, daß er ein zutiefst verbohrter tschechischer Chauvinist war.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das man lesen sollte!, 15. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Die guten Rezensionen in der Financial Times Deutschland und anderswo haben mich dazu gebracht, dieses Buch zu kaufen. Ich war mit dieser Entscheidung gut beraten. Sicher, man kannte Erzählungen über die Greuel in Reichenberg aus dem Bekanntenkreis, manches fand sich in der Literatur und einiges konnte man sich an seinen fünf Fingern abzählen. Dennoch war es gut, eine der Parteilichkeit unverdächtige und sachliche Quelle lesen zu können.
Das Buch habe ich wie einen spannenden Krimi verschlungen, es hat mich gefesselt.
Der Stil ist gut lesbar, gelegentlich schimmert ein grimmiger Humor durch.
Ich habe den Fehler, Geschichte aus der Opferperspektive zu sehen. Unsere Familie hatte das Glück, weder von den Nazis umgebracht oder deportiert zu werden, die Wohnhäuser meiner Großeltern wurden nicht ausgebombt und niemand wurde vertrieben. Dennoch male ich mir immer mal wieder aus, wie diese oder jenes Schicksal sich für mich und meine Familie angefühlt hätte. Vielen, die ihre Urteile über die Geschichte und ihre Opfer schnell gefällt haben, fehlt wohl diese Phantasie. Diese Leute sollten diese Buch meiden - es könnte ihre Vorurteile durcheinanderbringen.
Der Inhalt ist sachlich, bezieht sich auf neutrale Quellen und hält sich mit Urteilen zurück. Dennoch schreibt der Autor nicht ohne Mitgefühl.
Wichtig fand ich, daß er sich zum Unsinn "ethnischer Säuberungen" erklärt und auf die juristischen und moralischen Risiken z. B. der Benes-Dekrete festlegt.
Für mich sehr tröstlich war: Die Ausschreitungen und der Terror war meist staatlich organisiert, die Bevölkerung der Vertreiberländer war bis auf eine Minderheit (meine Meinung: ein Mob findet sich immer und überall) eher passiv und mitfühlend. Damit wurde ein Vorurteil bei mir beseitigt: "Die Tschechen" und "die Polen" haben "die Deutschen" grausam vertrieben und ein anderes bestätigt: In der Durchschnittsbevölkerung jeder Kultur und jeder Nationalität gibt es mehr oder minder doch ein Reservoir von besonnenen, mitfühlenden und gutmütigen Menschen, die auch recht vernünftig sind. Leider haben sie nicht immer das Sagen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wichtiges Buch!, 5. Oktober 2012
Von 
Norma Schlecker - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Ich habe lange Zeit Biografiearbeit mit Menschen in einem Pflegeheim gemacht und zahlreiche Interviews geführt. Dabei spielte das Thema "Vertreibung" immer wieder eine entscheidende Rolle - und es ist gleichzeitig eines der unbequemsten Geschichtsthemen, das sehr stark bis in die heutige Zeit hineinwirkt. Einerseits möchte man die Vergangenheit ruhen lassen und hat kein Interesse daran, mit dem Finger in alten Wunden zu bohren, denn das könnte gefährlich werden, andererseits sind sehr viele Menschen in Deutschland direkt oder indirekt als Verwandte, wie Kinder Enkel und Urenkel von diesem Thema betroffen. In Ländern wie Bayern oder auch Niedersachsen hat der Anteil von Vertriebenen, die nach dem Krieg ins Land strömten, das Gesicht der Regionen oft sehr stark verändert. Vertriebene prägen das Bild kollektiver Erinnerung der Deutschen an das Ende des Krieges. In der öffentlichen Diskussion ist das Thema immer schwierig, da es ideologisch und unter dem Gesichtspunkt bestimmter Interessen betrachtet wird. So ist es auf jeden Fall gut, dass sich ein Amerikaner, der mit Sicherheit über einen größeren persönlichen Abstand verfügt, dieses Themas angenommen hat. Das Buch, das dabei herausgekommen ist, ist ein sehr spannendes Stück geschichtlicher Aufarbeitung, das sicher in dieser Objektivität in Deutschland bis heute nicht möglich gewesen wäre. Chronologisch und mit Vorgeschichte werden die Ereignisse zur Zeit des Zweiten Weltkriegs geschildert, die schließlich zur Vertreibung der deutschen aus Polen und der Tschechoslowakei führten. R.M. Douglas bezieht sich bei seiner Recherche vor allem auf Akten des Internationalen Roten Kreuzes und bezieht direkte Zeugenaussagen aus der Zeit mit ein. Die Geschichten, die dabei herauskommen sind oft erschütternd, werden aber immer im politischen und geschichtlichen Kontext dargestellt. Das Buch ist nüchtern geschrieben und versucht nicht mit Emotionen zu spielen, wobei es bei der Darstellung der Ereignisse nicht ohne Emotionen ablaufen kann. Interessant ist immer wieder zu lesen, wie die Politik versucht, Dinge, die Menschen betreffen, zu planen und was dann letztlich dabei herauskommt, wenn man Ideologien versucht auf das konkrete Leben der Menschen aufzuoktroyieren - nämlich nichts Gutes...
Das Buch liefert all jenen sehr viel interessanten Lesestoff, die sich mit einem kaum richtig aufgearbeiteten Thema der deutschen Vergangenheit auf objektive Weise beschäftigen wollen. Meine Empfehlung!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute Gesamtdarstellung, 4. April 2013
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
„Ordnungsgemäße Überführung – Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg“ von dem amerikanischen Historiker R.M. Douglas bietet einen sehr guten Überblick über die Geschichte der Vertreibungen, ihre Hintergründe und Ursachen.
Das Buch ist gegliedert in 13 Kapitel, von den Planungen über die Durchführung bis hin zu den Auswirkungen und Folgen bis in die Gegenwart. Dabei geht Douglas nicht streng chronologisch vor, sondern er arbeitet eher thematisch geordnet. Ich halte das für eine sehr gute Lösung, da so die verschiedenen Aspekte und Perspektiven jeweils vollständig betrachtet werden. Natürlich kommt es dadurch aber auch zu Redundanzen und teilweisen Sprüngen zwischen den verschiedenen Ländern und Besatzungszonen.
Der Autor geht sehr behutsam an dieses doch oft kontroverse Thema heran. Zum einen beleuchtet er wirklich alle Seiten, d.h. er setzt die Vertreibungen in den Kontext des Zweiten Weltkriegs und des Dritten Reiches, betrachtet das Verhalten der Volksdeutschen während des Krieges, untersucht die Rolle der Alliierten und der Vertreibungsländer und stellt auch die Gegner der Vertreibungen dar. Zum anderen stützt er sich in seinen Quellen viel auf Berichte des Internationalen Roten Kreuzes und anderer internationaler Organisationen. Immer wieder greift er auch einzelne Schicksale und Personen auf und stellt sie näher vor, wie zum Beispiel den Tschechen Premysl Pitter, der nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl sudetendeutsche als auch jüdische Kinder in seine Waisenhäuser aufnahm.
Mit 460 Seiten ist „Ordnungsgemäße Überführung“ natürlich sehr umfangreich, es liest sich aber trotzdem sehr gut und zügig. Für ein Sachbuch ist die Sprache sehr angenehm, nicht zu wissenschaftlich, aber auch nicht zu einfach. Hier kann man wahrscheinlich auch dem Übersetzer Martin Richter ein Kompliment aussprechen.
Insgesamt kann ich „Ordnungsgemäße Überführung“ (Originaltitel: „Orderly and Humane“ so wie die Vertreibungen laut Potsdamer Abkommen ablaufen sollten) auf jeden Fall weiterempfehlen, sowohl an Leute, die sich bereits mit dem Thema auskennen, als auch an andere Interessierte.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Immer noch aktuell, 22. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Zeit wird zeigen welche Bedeutung diesem Buch zukommt. Leser die eine Beziehung zu dem Thema haben, egal von welcher Seite, werden es mit der wissenschaftlichen Emotionslosigkeit des Autors wohl schwer haben. Bei allen anderen ist das Thema kaum bekannt. Das sagt der Autor selbst: „Während die Geschichte der Vertreibung in Deutschland zu wenig bekannt ist, kann man für den Rest der Welt ohne Übertreibung sagen, dass sie bis heute das am besten gehütete Geheimnis des Zweiten Weltkrieges ist“. Dabei geht es um 12 – 14 Millionen Bürger europäischer Staaten. Viele würden das Thema gerne vergessen, denn: „Kurz gesagt, aus der Geschichte der Vertreibung gehen nur wenige der direkt Beteiligten, wenn überhaupt jemand, in positivem Licht hervor“.

Warum greift R.M. Douglas also dieses Thema auf? Weil die kontroversen Diskussionen hierüber weiter gehen. Das Thema hat immer noch Aktualität. Das Buch soll einen Beitrag leisten diese kontroversen Diskussionen auf eine sachliche, historisch dokumentierte Grundlage zu heben. Ob ihm dies gelingt, wird die Fachwelt beurteilen.

Meine persönliche Motivation das Buch zu lesen, kam aus dem Interesse eine andere Sicht kennen zu lernen, auf Ereignisse die auch mich betreffen. Das Ausmaß der Ereignisse ist mir erst durch dieses Buch klar geworden. Die Zahl 12 – 14 Millionen war mir bekannt aber abstrakt weil ich die historische Dimension die sich dahinter verbirgt, nicht erkannt hatte. Mein Bild von den Ursachen, Umständen, Mitteln, Schwierigkeiten und Folgen der Vertreibung war viel zu sehr von dem persönlichen Erleben geprägt. Für mich hat dieses Buch eine besondere Bedeutung erlangt weil es meinen Verständnishorizont in ungeahnter Weise erweitert hat.

Aus frühester Kindheit bekannte moralische Kategorien wie Gut und Böse scheinen in Anbetracht der gewaltigen politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts zu versagen. Politische Opportunität, Umsetzbarkeit, nationale Interessen, Machtverhältnisse rücken als Entscheidungsgrundlage in den Vordergrund. Doch reicht das? R.M. Douglas stellt die Frage nach Sinn und Unsinn in der Politik. Sein Fazit: Vertreibungen und ethnische Säuberungen sind kein sinnvolles politisches Instrument. Die Folgen sind unmittelbar zerstörerisch und langfristig unkalkulierbar.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unfassbar, 29. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch stellt den Sachverhalt der "Vertreibung" objektiv und glasklar dar!

Sehr lesenswert nicht nur für Betroffene! Ich habe es meinem Freund zum Geburtstag geschenkt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die asymetrische Menschlichkeit, 17. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 'Ordnungsgemäße Überführung': Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Es ist glänzend recherchiert und wird zu den Klassikern der historischen Wahrheit werden. Das brutale Vertreibungsthema wird ganzheitlich dort bearbeitet!
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