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5.0 von 5 Sternen Revolution - Zusammenbruch - Zweite Chance, 28. Juli 2013
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Geschichte der deutschen Wiedervereinigung (Taschenbuch)
"Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung
die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden."
(Satz 3 der Präambel GG alte Fassung)

Die Forschungsschwerpunkte des Autors, Prof. Dr. Andreas Rödder, lassen wie auch seine Publikationen erkennen, dass er nicht nur ein ausgewiesener Experte für die jüngere und jüngste deutsche Geschichte ist, sondern auch dem Konservatismus nahe steht. Der "frischgeschlagene" Ritter vom Orden des Heiligen Grabes zu Jerusalem war Anfang der 1990er Jahre in den Genuss eines Promotionsstipendiums der Konrad-Adenauer-Stiftung gekommen und wirkte danach bei der Edition "Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland" im Institut für Zeitgeschichte München und dem Auswärtigen Amt, dem seinerzeit mit Klaus Kinkel ein Außenminister der schwarz-gelben Regierung Helmut Kohls vorstand, mit. Sein 2009, ebenfalls im Münchner C.H. Beck Verlag erschienenes, 490seitiges Standardwerk "Deutschland einig Vaterland: Die Geschichte der Wiedervereinigung "bietet die umfassende Grundlage....

....für sein zwei Jahre später in der Reihe C.H. Beck Wissen herausgegebenes kleines Kompendium "Geschichte der Deutschen Wiedervereinigung", in der er sich jedoch nicht alleine auf deren dramatische und wechselhafte Chronologie beschränkt. Nichts desto kann der Leser die unglaubliche Rasanz der nicht einmal dreijährigen Geschichte - von den Kommunalwahlen in der DDR bis hin zur Unterzeichnung des Vertrages von Maastricht – einer abschließenden Zeittafel entnehmen.

Beginnend mit dem "Vorabend der Revolution" zu dem neben dem Ende des Sowjetimperiums, vor allem Strukturprobleme, Führungskrise und die sich formierende Oppositionsbewegung in der DDR gehörten, hat Rödder seine umsichtige Darstellung in insgesamt fünf Kapitel untergliedert. Die Phänomene Flüchtlingskrise, Regimekrise und Staatskrise werden danach im zweiten Kapitel unter dem Terminus "Friedliche Revolution" subsumiert in einen kausalen Kontext gebracht. Die vom verunsicherten Politbüro-Mitglied Günter Schabowski erteilte Antwort (nach dem Beginn der Reisefreiheit für DDR-Bürger) "Ab sofort", führte zu der, von der SED-Führung unbeabsichtigten Maueröffnung, welche der Anfang vom Ende der Deutschen Demokratischen Republik bedeuten sollte. Das dritte Kapitel beschreibt die "Nationale Wende", die mit dem Zerfall der Machtstrukturen, der Spaltung der Bürgerbewegung und ersten, vorsichtigen Forderungen und Vorschläge zur Deutschen Einheit einhergeht. Mit seinem spontanen Alleingang, dem "Zehn-Punkte-Programm" brach Bundeskanzler Helmut Kohl das bisherige bundesdeutsche Tabu regierungsoffiziell über eine Wiedervereinigung zu sprechen, für die er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch einen Zeithorizont von zehn Jahren (!) veranschlagte. Die unverhohlene Drohung "Kommt die D-Mark , bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!" sollte den Ereignissen jedoch zu einer unerwarteten Brisanz und Beschleunigung verhelfen. Im Kapitel „Wiedervereinigung und Weltpolitik“ werden zunächst die Ressentiments, Ängste und Forderungen der ehemaligen Alliierten Frankreich, Großbritannien und der Sowjetunion dargestellt, zu deren wichtigsten Aspekten auch die Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze und die Bündniszugehörigkeit eines wiedervereinten Deutschland gehörten. Mit US-amerikanischer Unterstützung und der Nachgiebigkeit Gorbatschows konnten schließlich in den "Zwei plus Vier"- und "Zwei plus eins"-Gesprächen alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, so dass die Bundesrepublik Deutschland samt ihrer fünf neuen Länder am 3. Oktober 1990 ihr volle Souveränität erlangen konnte. Zuvor wurde mit dem "Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland" die Nachkriegszeit beendet.

"Einheit durch Beitritt" ist die Überschrift des fünften und letzten Kapitels, in denen sich der Autor verschiedenen Problemfelder und Kontroversen widmet. Dazu gehört auch die Anwendung von Art. 23 GG alte Fassung (Beitrittsklausel). Mit dem Trick der "juristischen Sekunde" waren am 3. Oktober 1990 fünf neue Bundesländer aus der DDR hervorgegangen, die zu diesem de-facto existierten. Da hierbei die verfassungsrechtlichen Vorgaben der Präambel GG (Eingangszitat) umgangen wurden, kann folgerichtig nicht von einer gleichberechtigten Vereinigung zweier gleichberechtigter Partner im formalen Sinne gesprochen werden. Weiterhin werden vom Autor die gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche in den fünf neuen Ländern, die Kosten der Einheit (inklusive der Zahlungen an die marode Sowjetunion und der Einführung des Euro), sowie die damaligen Alternativen zum Vollzug der Einheit diskutiert.

Rödders setzt die Wiedervereinigung auch in einen geschichtlichen Kontext zum 19. Jahrhundert, indem er feststellt, dass die Bürgerbewegung der DDR im Jahre 1989 in der Tradition der damaligen bürgerlich-liberalen und demokratischen Bewegung gestanden hat. Nachdem der erste revolutionäre Anlauf 1848/49 gescheitert war, waren die Deutschen 1871 in einer kleindeutschen Lösung ohne Volkssouveränität unter einem Kaiser und preußischen Blut-und-Eisen-Ministerpräsidenten vereint worden. Demgegenüber wurde die "Deutsche Frage" 1990 erstmals im friedlichen Einvernehmen mit allen Beteiligten und Nachbarn im europäischen Einigungsprozess auf eine für alle Seiten akzeptable Lösung gelöst. "Deutschlands zweite Chance", wie sie der Historiker Prof. Fritz Stern Ph.D. formulierte, ist zugleich als eine Revolution der Bürger für Freiheit und Selbstverantwortung an Stelle obrigkeitlichem Zwangs und staatlicher Lenkung der Gesellschaft, ein historisches Vermächtnis.

Was am "17. Juni 1953: Geschichte eines Aufstands" scheiterte und noch im Herbst 1989 als utopisch angesehen wurde, konnte schließlich trotz allem wenn und aber realisiert werden. Der komprimierten und dennoch differenzierten Darstellung des komplexen Themas kann timediver® nur zustimmen und sie mit 5 Amazonsternen bewerten.
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Geschichte der deutschen Wiedervereinigung
Geschichte der deutschen Wiedervereinigung von Andreas Rödder (Taschenbuch - 13. Juli 2011)
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