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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Führer zur ältesten Hochkultur Europas?
Das reich illustrierte Werk von Harald Haarmann, bekannter Kenner alter Schriften, präsentiert eine fraglos aufschlussreiche Arbeit über die sogenannte Donaukultur, die erste europäische Hochkultur, welche im 6.-4. Jahrtausend vor Chr. Südosteuropa bevölkert hat. Für die Leserschaft erweist sich die breite thematische Sicht (Wirtschaft,...
Veröffentlicht am 1. April 2012 von Jaun Hans-peter

versus
31 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gewagte Spekulationen
Harald Haarmann entwirft ein beeindruckendes Bild einer Hochkultur (im deutschsprachigen Raum spricht man von Kulturen, nicht von Zivilisationen - wie in einer Rezension bereits angemerkt), die bereits vor den Mesopotamiern und Ägyptern die Schrift gekannt haben soll.

Doch wieviel davon ist Spekulation, wieviel beruht auf gesicherten Erkenntnissen? Der...
Veröffentlicht am 23. April 2012 von makie19


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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Führer zur ältesten Hochkultur Europas?, 1. April 2012
Von 
Jaun Hans-peter "hanspeterjaun" (Steffisburg / Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
Das reich illustrierte Werk von Harald Haarmann, bekannter Kenner alter Schriften, präsentiert eine fraglos aufschlussreiche Arbeit über die sogenannte Donaukultur, die erste europäische Hochkultur, welche im 6.-4. Jahrtausend vor Chr. Südosteuropa bevölkert hat. Für die Leserschaft erweist sich die breite thematische Sicht (Wirtschaft, Kultur, Religion, Mythologie, Handwerk und Schrift) als Vorteil, um den Stellenwert dieser Zeitspanne als Kulturbringer für das antike Griechenland abschätzen zu können. Als sehr informativ und nützlich erweisen sich seine Ausführungen über das Zählen, Messen, Registrieren und das erste Schriftsystem, ein Themenkreis, in dem sich der Autor zuhause fühlt.

Die Bedeutung dieser Arbeit liegt darin, dass erstmals einem breiteren Publikum die Existenz einer Kultur nahe gebracht wird, welche längere Zeit nur einem kleinen Kreis von Fachleuten bekannt war. Als Schwachpunkt kann die Fixierung auf einen Kulturkreis bezeichnet werden, dessen Ursprung und dessen Einfluss nicht vollends ausgeleuchtet werden. Interessant wären klärende Fragen auf die Auswirkungen auf Mitteleuropa oder auf das frühe, nahe gelegene Italien! Hier bleibt er seiner Leserschaft viele Fragen schuldig. Dies gilt auch für die möglichen Folgen auf den Ursprung der Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten.

Nicht die Mängel und offenen Fragen gilt es zu würdigen, sondern die Folgen dieses Panoramas auf weitere Arbeiten, welche sich mit dem frühen Europa und dem historischen Stellenwert des Balkans in Verbindung zum noch älteren Göbekli Tepe befassen werden. Vor diesem Hintergrund darf diese Arbeit keineswegs unterschätzt werden. Im Gegenteil, wir stehen vor einer Revolution des Geschichtsbildes des prähistorischen Europas!
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39 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Hintergrundleuchten Alt-Europas, 26. November 2011
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
In der langen Reihe seiner Veröffentlichungen hatte sich der renommierte Sprachforschers Dr. phil. habil. Harald Haarmann bereits zweimal schwerpunktmäßig mit der alt-europäischen Donauzivilisation befasst: "Geschichte der Sintflut: Auf den Spuren der frühen Zivilisationen und "Einführung in die Donauschrift. Nunmehr legt Haarmann das vollständiges Puzzle einer 7 Jahrtausende alten Zivilisation vor...

Gleich zu Beginn des Buches überrascht der Autor seine Leser mit einer Dokumentation des Kulturniveaus der Alteuropäer, das neben manchen Überraschungen auch etliche Rekorde im weltweiten Vergleich zu bieten hat. So entstanden die ältesten Großsiedlungen von Stadtgröße nicht in Mesopotamien, sondern in Alteuropa. Larissa und Varna sind mit ihren Siedlungsspuren als kontinuierlich bewohnte Orte doppelt so alt wie Athen oder Rom. Neben Einfamilienhäusern mit mehr als 100 qm Grundfläche erbauten die Alteuropäer die ersten zweigeschossigen Reihenhäuser der Welt . Das Töpferrad als Vorläufer der Töpferscheibe wurde in Alteuropa entwickelt und tritt erst später als technische Erneuerung in Mesopotamien auf. Neben den ersten verwendeten Rollsiegeln, wurden auch die ersten Brennöfen zur Herstellung hochwertiger Keramikprodukte zuerst in Alteuropa in Betrieb genommen. Im ausgehenden 6. Jahrtausend v. Chr. wurde die Technologie des Metallgusses erstmals in Alteuropa angewandt. Hier wurden auch die frühesten Systeme zur Notation von Zahlen und ein Schriftsystem entwickelt. Bereits Jahrtausende vor den Griechen der Antike wurde kelterten die Alteuropäer Wein und aßen Kirschen, Erbsen und Petersilie.

Beginnend bei den frühen Ackerbauern in Südosteuropa mit denen der Übergang zum Neolithikum einsetzte, beschreibt Haarmann die Entwicklung, Aufstieg, Errungenschaften, Niedergang und kulturelle Nachwirkungen der Donauzivilisation in elf Kapiteln. Durch Kontakte über die einstige Landbrücke am Bosporus, die durch "die Sintflut" um 6700 v. Chr. eingerissen werden sollte, begann die formative Periode Alteuropas, die schließlich einige Regionalkulturen entstehen ließ. (Eine Synopse zeigt die Kulturchronologie Südosteuropas im Neolithikum und Chalkolithikum). Im zweiten Kapitel begibt sich Haarmann auf die Spuren der (vor-indoeuropäischen) Alteuropäer, die diese im genetischen Fußabdruck und späteren Sprachen hinterlassen haben. Der Wirtschafts- und Lebensraum mit seinen Handelsgütern und -routen, Architektur und Siedlungen, sowie Kultstätten und Gräber ist das Thema von Kapitel der. Während sich Kapitel vier ausführlich mit Handel und Kunst beschäftigt, setzt sich das fünfte Kapitel mit Fragen zum Matriarchat oder Matrilinearität , Familien und Sippen in einem Modell einer egalitären Gesellschaft auseinander. Religion und Mythologie mit dem Weltbild von Wildbeutern und Ackerbauern, weiblichen Gottheiten, Stierkult und andere Ritualen sind Gegenstand des sechsten Kapitels. Nachdem im siebten und achten Kapitel das Zählen, Messen und Registrieren sowie die Erfindung der Schrift thematisiert werden, bietet das letzte einen Einblick in die politischen und kulturellen Umbrüche ab ca. 4500 v. Chr., die zum Niedergang der Donauzivilisation führen sollten. Durch den balkanisch-altägischen Kulturdrift konnte jedoch ein Netz von kulturellen Traditionen und Technologien in den ägäischen Raum gelangen. Neben handwerklichen Technologien, der Architektur und der Anlage von Siedlungen, Sprache,Kommunikation und Schriftsystemen ist hierbei vor allem an die große Göttin und ihre Töchter, aber auch das Geheimnis der minoischen Doppelaxt zu denken.

timediver® konnte sich bereits bei einem Besuch des Archäologischen Museums in Varna/Bulgarien (2006) - wo der älteste Goldschatz der Menschheit ausgestellt wird - und bei Besuchen der Archäologischen Museen von Iraklio/Kreta (1989/2002), Athen (1995) und Nicosia/Zypern (1992, 1994, 2011) vom "Hintergrundleuchten Alteuropas" (so Haarmann in seinem Epilog) überzeugen.

Der mit einem 15seitigen Literaturverzeichnis abschließende, reich illustrierte Band ist mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
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31 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gewagte Spekulationen, 23. April 2012
Von 
makie19 "makie19" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
Harald Haarmann entwirft ein beeindruckendes Bild einer Hochkultur (im deutschsprachigen Raum spricht man von Kulturen, nicht von Zivilisationen - wie in einer Rezension bereits angemerkt), die bereits vor den Mesopotamiern und Ägyptern die Schrift gekannt haben soll.

Doch wieviel davon ist Spekulation, wieviel beruht auf gesicherten Erkenntnissen? Der Reihe nach ...

Über eine bis vor 8700 Jahren noch verhandene Landbrücke zwischen Kleinasien und Europa hätten Einwanderer den Ackerbau in Europa verbreitet. Erst später sei das das Mittelmeer in das Schwarze Meer eingebrochen und der Bosporus habe sich gebildet. Haarmann folgt hierbei der von den amerikanischen Meeresbiologen Ryan und Pitman aufgestellten Sintflut-Hypothese (die er im übrigen in seinem Buch "Geschichte der Sintflut" etwas näher ausführt).

Eine Klimaerwärmung habe zur Expansion agrarischer Siedlungen und zur Ausbildung von "Kulturprovinzen" mit überregionalen Kommunikations- und Wertesystemen und ähnlicher materieller Kultur und Kultursymbolik geführt. Ein Schwergewicht seiner Arbeit liegt - und das ist nicht verwunderlich, ist Haarmann doch Sprachwissenschaftler, auf sprachlichem Gebiet. Dabei rekonstruiert er aus dem vorgriechischen Substratwortschatz eine materielle (und geistige) Kultur, die für das "alte Europa" stehen soll.

Invasionen von Steppennomaden - entsprechend dem "Kurgan-Modell" - habe die bis dahin egalitäre Gesellschaft überformt und (nicht nur) sprachlich assimiliert. Eine Nachblüte habe die alteuropäische Kulturtradition auf den Kykladen erlebt. In der Fülle weiblicher Idolfiguren vermutet Haarmann eine Vegetationsgöttin wie in Alteuropa.

Das klingt alles nach einer in sich schlüssigen Indizienkette, und Haarmann tut so, als sei dies Stand der Wissenschaft. Das ist aber keineswegs so. Seine Thesen sind in der Forschung nicht unumstritten. Das gilt für die Sintflut-Hypothese, für "Alteuropa" als einheitliche Kultur, das Kurgan-Modell der Indoeuropäisierung Europas und den Schriftcharakter der "Donauschrift". Wie schon vor ihm Marija Gimbutas, fasst Haarmann unter dem Begriff "Alteuropa" (oder eben "Donauzivilisation") verschiedene Kulturen zusammen, wie die Vinca-Kultur, die Karanovo-Kultur(en), die Cucuteni-Kultur, die Tripillya- (oder Tripolje-)Kultur, die Tisza-Kultur (Theiß-Kultur) und die Lengyel-Kultur. Nur überschneiden sich die erwähnten Kulturen zeitlich nur bedingt, zudem können archäologische Kulturen nicht mit Völkern (Ethnien) oder Sprachgruppen gleichgesetzt werden. Und was ist mit der Schrift? Die meisten Forscher halten die in Keramik oder Stein geritzten Symbole aufgrund der Kürze der Zeichenreihen und des Mangels an wiederholten Symbolen allenfalls für den Vorläufer einer Schrift, keinesfalls aber für eine Schrift in unserem Sinn.

Ein Rezensent bemängelte Haarmanns schlampige Art beim Zitieren. Ich kann dies anhand eines kleinen Beispiels bestätigen. Kykladische Griffschalen (wahrscheinlich Trink- oder Spendegefäße) werden in der englischsprachigen Literatur zwar als "frying pans" bezeichnet, deutschsprachig aber keineswegs als Bratpfannen sondern einfach als "Kykladenpfannen" (s. dazu den Ausstellungskatalog "Kykladen: Lebenswelten einer frühgriechischen Kultur", ISBN: 3863120167).
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15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neues aus dem alten Europa, 3. Juni 2012
Von 
Klara Fall "Die nackten Hausfrauen im Wind" - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
Europa hat, wenn man der herkömmlichen Geschichtsschreibung glaubt, doch recht lange gebraucht, um die Steinzeit hinter sich zu lassen und eigene kulturelle Leistungen zu erbringen. Die Wiege der Zivilisation wird doch eher im Zweistromland verortet oder allenfalls noch im Alten Ägypten. Dass man den alten Europäern damit möglicherweise Unrecht tut, sollen neue archäologische Funde aus den Balkanländern, vor allem aus Bulgarien, Ungarn, Rumänien und Ex-Jugoslawien sowie der Ukraine beweisen. Der Sprach- und Kulturwissenschaftler Harald Haarmann greift archäologische Funde, sprachwissenschaftliche Erkenntnisse und nicht zuletzt auch Mythen der Völker um das Schwarze Meer auf, um zu zeigen, dass unser vertrautes Bild vom alten Europa, vor den Griechen zumindest, einer gründlichen Überarbeitung bedarf. Vieles, was in Osteuropa durch Archäologen und Sprachwissenschaftler in den vergangenen 50 Jahren ans Licht gebracht wurde, kann erst in jüngster Zeit ausgewertet und in seiner Gesamtheit beurteilt werden, da die Erkenntnisse oft nicht durch den Eisernen Vorhang sickerten und auch in den eigenen Ländern häufig aus ideologischen Gründen zurückgehalten wurden. 7000 Jahre Zivilisation in Europa, eine Schrift, die sich noch vor Eintreffen der indogermanischen Sprachfamilie entwickelte und ausgeprägte Stadtstaaten auf dem Balkan lange vor den alten Griechen, waren dementsprechend bisher schwer vorstellbar, wenngleich die im Buch vorgestellten archäologischen Befunde bereits seit längerer Zeit bekannt sind. Es erscheint eben als besondere Schwierigkeit, sich von alten, liebgewonnenen Weltbildern neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu verabschieden. Harald Haarmann berichtet allgemeinverständlich und gut nachvollziehbar, wie sich die Zivilisation auf dem Balkan entwickelte, welche Wirtschaftsformen bestanden und welche Handelsverbindungen hergestellt wurden. Gesellschaft, Religion, Handwerk und Landwirtschaft werden durch archäologische Quellen untermauert dargestellt. Die Kultur der alten Europäer führte schließlich sogar zu einer eigenen Schriftlichkeit und der Verwendung von Zahlen, was nebenbei im Buch auch sehr gut deutlich gemacht wird, viel mehr miteinander gemeinsam hat, als gemeinhin angenommen.
Das Buch zeichnet ein Bild von Alt-Europa, das vor allem dem Laien sicher erstaunlich vorkommen wird, da man Dinge wie Schrift oder Architektur sonst kaum mit dem Ende der Jungsteinzeit in Verbindung bringt. Dass die Schlussfolgerungen von Haarmann nicht unbedingt unumstritten sind, geht aus verschiedenen Rezensionen hervor, die hier zu lesen sind. Das Buch besticht aber durch seine allgemeinverständliche Darstellung der bisher nahezu unbekannten Funde in Osteuropa und durch Freude an intellektuellen Herausforderungen, die den Wissenschaftler (und Leser) bei der Interpretation der Funde erwarten.
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42 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unerfreulich, 16. Januar 2012
Von 
Johannes Kaspar (Villach, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist der Versuch einer populärwissenschaftlichen Zusammenfassung der außerordentlichen archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte, wonach entscheidende Kulturtechniken wie Töpferrad und Schrift, deren Entstehung man bisher stets dem mesopotamischen Raum zugeordnet hat, tatsächlich schon tausende Jahre früher im Raum des heutigen Serbiens, Bulgariens und Rumäniens entstanden. Bedauerlicherweise ist der Autor dieser Aufgabe nicht gewachsen. Das beginnt schon bei der Schilderung der neolithischen Transformation Osteuropas, wonach ein paar anatolische Bauernburschen plötzlich auf die Idee kamen, ins Zielgebiet Thessalien" über die eurasische Landbrücke einzuwandern. Er ignoriert, dass genetische Studien (mitochondriale DNS und Y-Haplogruppen ) zeigen, dass die heutigen Europäer zu etwa 1/5 von anatolischen Bauern ( ca 26% ) und Bäuerinnen ( ca 17% , nach Sykes "The seven daughters of Eve" ) abstammen. Dieser hohe Anteil ist durch eine so simple Migration nicht erklärbar. Genetische Vergleiche von Wildformen des Einkorns von Griechenland bis in den Irak mit der kultivierten Form beweisen außerdem, dass nur jene Wildform im Neolithikum verwendet wurde, die am oberen Euphrat im Bereich der syrisch-türkischen Grenze wächst - also dort, wo auch die ältesten Dörfer liegen. Soweit es europäische neolithische Experimente gab, betreffen sie vor allem die Domestizierung von einheimischen Wildtieren. Diese Ergebnisse passen weit besser zum Bild einer Diffusion der neolithischen Kultur aus Anatolien heraus, sowohl in Richtung eines schwach besiedelten Europa wie auch in Richtung Indien, als irgendwelche unbegründete ,Wanderungen`. Die Behandlung der genetischen Forschungen ist bei Haarmann überaus oberflächlich und kurz. Statt dessen langweilt er den Leser mit ebenso irrelevanten wie unbeweisbaren Spekulationen darüber, dass die Entstehung des Schwarzen Meeres die Vorlage für die Sintflutmythen im syrischen und mesopotamischen Raum sei. Ein weiteres Kuriosum des Buches sind die endlosen Listen von angeblich nicht-indogermanischen ,pelasgischen` Lehnwörtern im Griechischen, die die Sprache des neolithischen und kupferzeitlichen Europas und zugleich ihre geistige Kultur wiedergeben sollen. Er führt dazu eine Reihe von Schriftzeichen aus den alteuropäischen Funden an, die gut zu den Linear A Zeichen passen. Aber natürlichen besagen Schriftsysteme gar nichts, was die Sprache betrifft, ja noch nicht einmal etwas über die Sprachfamilie. Dass da tausende Jahre zwischen der minoischen und den alteuropäischen Kulturen dazwischenliegen, scheint Haarmann vernachlässigbar zu sein. Interessanter wäre gewesen, zu überprüfen, ob auch dieselben Symbolkombinationen bei diesen verschiedenen Kulturen bestehen, aber lexikalische Untersuchungen sind Haarmanns Sache nicht. Dafür endet man nach all diesen Listen bei dem überraschenden Ergebnis, dass die Hauptgestalten der größten indogermanischen Epen, der Ilias und der Odyssee, nämlich Agamemnon und Odysseus ( sowie dessen Frau Penelope ) alle ,pelasgische`, also ( nach Haarmann) nicht-indogermanische Namen tragen. Man fragt sich als Leser, was das alles soll und was das mit konkreter Forschung zu tun hat. Von diesen Ausflügen in philologische Tagträume abgesehen bleibt Haarmann strikt der Interpretationswelt von Marija Gimbutas verhaftet, und Daten jeder Art werden in das Prokrustesbett ihrer Vorstellung von den Steppennomaden gepresst. ( von ihren Reiternomaden spricht nicht einmal mehr Haarmann, dieser Aspekt ist inzwischen wohl hinreichend entsorgt worden ). Um nur eins von mehreren Beispielen zu nennen : die große Zahl von weiblichen Figurinen in den alteuropäischen Fundstellen sei demnach der Verehrung der "Großen Göttin" zuzuschreiben, und verschiedene Göttinnen seien nur "Metaphern" für die Große Göttin". Dieses Konstrukt eines weiblichen Monotheismus wird von Haarmann unreflektiert übernommen, obwohl in sämtlichen Religionen Göttinnen nie als bloße Symbole einer einzigen Göttin verehrt werden ( Kali und Lakshmi sind ebenso verschieden und eigenständig wie Hekate und Aphrodite ) . Und wo es einmal eine einzelne Göttin gibt, wie im katholischen Marienkult, da ist sie eine auf die Mutterrolle hinkastrierte Dame ohne Unterleib - kaum eine Große Göttin im Sinn von Gimbutas. Das Bildmaterial des Buches ist alles schwarz-weiss, fast ausschließlich ohne Angabe der Abmessungen der abgebildeten Gegenstände, und hauptsächlich aus Veröffentlichungen von Gimbutas zusammengewürfelt. Das Kartenmaterial ist sehr dürftig - man hätte zB gern die Radiokarbondaten des Beginns der neolithischen und metallverarbeitenden Techniken für die verschiedenen Fundorte gesehen. Stratigraphien fehlen völlig. Es kann bei all dem kaum noch verblüffen, dass im ganzen Buch nicht ein einziger Metallgegenstand abgebildet ist, und eine Diskussion der Verwendung von Metall und des Handel damit gänzlich fehlt. Besonders ungustiös ist die dümmlich-arrogante Art Haarmanns, die Theorien weit größerer Forscher, als er einer ist, abzutun; soweit er überhaupt andere Auffassungen zur Kenntnis nimmt, sind sie "älter" - lies : veraltet - oder "abenteuerlich" ( Renfrew ) und "skurril" oder schlicht "Absurditäten" ( Nikolov ), die allesamt "nicht der Komik entbehren". Zu dieser intellektuellen Schweinerei kommt noch Haarmanns schlampige Art beim Zitieren hinzu; Literatur, auf die er im Text verweist, taucht im Literaturverzeichnis nicht auf, und ein Stichwortverzeichnis fehlt gänzlich. Ich gebe dem Haarmannschen Machwerk nur deshalb noch zwei Punkte, weil es den Blick von Mesopotamien auf Europa richtet, und ein solcher Paradigmenwechsel an und für sich ein Wert ist.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannendes Buch zur Urgeschichte Europas, 21. Juni 2012
Von 
RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
Dass Urgeschichte schon mehr sein kann als irgendwelche verstaubten Pötte in Heimatmuseen, beweist z.B. dieses spannende Buch, das die Ergebnisse der Forschung über die frühen Zivilisationen auf dem Balkan auch für Laien verständlich und anschaulich darstellt. Das Buch verfolgt einen multidisziplinären Ansatz, der z.B. archäologische Befunde mit sprachwissenschaftlichen Ergebnissen und besonders interessant auch kulturwissenschaftlichen Erwägungen vereinigt.
Als Laie steht man natürlich dem Fachdiskurs ein bisschen ratlos gegenüber, das Buch wirkt in sich aber geschlossen und überzeugend. Es gibt einem die Möglichkeit, sich das "alte Europa" vorzustellen und vermittelt anschaulich, wie es gewesen sein könnte, bevor die "Indogermanen" eintrafen. Das Reizvolle dabei ist einfach auch ein bisschen die Spekulation und was man in Funde und Befunde alles hineininterpretieren kann. Eben eine echte Herausforderung für alle, die Spaß am Kombinieren haben.
Manche Sachen, wie die sprachwissenschaftlichen Erörterungen bleiben allerdings für Nichtfachleute ein bisschen schwer zu durchschauen. An solchen Stellen sollte man sich aber nicht von einer weiteren Lektüre abhalten lassen.
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3.0 von 5 Sternen Interessante Aspekte einer eher unbekannten Epoche mit seinen Kulturen, 4. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gut lesbare Informationen über eine Epoche mit seinen Kulturen, die weitgehend unbekannt sind. Die Interpretation der archäologischen Fundstücke bewegt sich allerdings meines erachtens in Grenzbereichen von Spekulation. Dies gilt auch für den Bereich der Sprachanalyse des Frühgriechischen. Und, ob die lange Zeit der Donauzivilisation so friedlich und weitgehend ohne Brüche so existierte wie beschrieben, hinterlässt Fragezeichen. Die Menschheit war seit anbeginn ihrer Existenz immer in Bewegung. Deshalb ist anzunehmen, dass auch in dieser beschriebenen Region in einer so langen Zeit - verursacht durch Klima oder/und menschliche Taten - Umschichtungen, Verwerfungen, Untergänge und Neustarts stattgefunden haben. Dabei sind mit Sicherheit Dinge (geistige/materielle) weitergegeben worden (Kontinuität), wie auch Dinge neu hinzugefügt worden (Veränderung). Vielleicht sind die (ausgegrabenen) Fakten zu dünn um Schlüsse über Kontinuität und/oder Veränderungen zu ziehen.
Deshalb erscheint mir die Begeisterung des Autors über die Zeugnisse dieser Zivilisation etwas über das Ziel hinauszuschießen. Etwas mehr Distanz hätte jedenfalls nicht geschadet. Außerdem fehlt, so meine ich, ein Aspekt über die Ausstrahlung der Donauzivilisation auf die Völker und Kulturen Mittel- und Westeuropas sowie deren Verbindung.
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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein neuer Blick auf die Geschichte..., 26. Januar 2012
Von 
H. Schneider (Aichtal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
"Ex oriente lux",- "das Licht kam aus dem Osten"- so lautet bis heute die gängige Schulweisheit, und mit der Keilschrift und den Zikkuraten in Ur und anderswo im alten Sumer lässt man bis heute den kulturellen Aufstieg der Menschheit beginnen.
Haarmann zeigt uns in seinem neuesten Meisterstück, dass alles ganz anders war, als man es sich gemeinhin so voirstellt. Beginnend mit der Immigration kleinasiatischer Bauern über die damals noch vorhandene Landbrücke über den Bosporus im achten Jahrtausend v. Chr. nach Thessalien vollzieht sich im gesamten Donauraum der Aufstieg der ältesten uns (bisher) bekannten Hochkultur mit einer erstanlichen Eigendynamik. Innerhalb weniger Jahrtausende- verglichen mit dem vorherigen kulturellen Entwicklungszeitraum eine Sekunde- entstanden hier die ersten Städte, wurde zum ersten Mal Metall verarbeitet und begann mit Erfindung der Töpferscheibe die erste "industrielle" Serienproduktion der Weltgeschichte.Der Gipfel wurde schließlich gegen Ende ihrer Zeit durch die Entwicklung der esten Schrift- der sogenannten "Vinca- Schrift"- erreicht. Sah man bisher (zumindest rudimentäre) Staatlichkeit als Grundbedingung aller höheren Zivilisation, so wirft der Autor nun auch dieses alte Vorurteil um; sein "Modell der Ökumene" enwirft das Bild einer egaltären, auf ausgeglichenen und ausbalancierten Interssen basierenden nichthierarchischen matrilinearen Gesellschaft. Erst soziale Umbrüche infolge der indogermanischen Einwanderung brachten hier Veränderungen.

Alles in allem ein sehr wichtiges Buch über ein noch oft unberücksichtigtes und vielen noch unbekanntes Kapitel der Weltgeschichte. Sicher bleiben viele Fragen noch unbeantwortet, aber da ist auf die künftige Forschung zu hoffen.
Für jeden Interessierten an frühen Zivilisationen und Antike geradezu ein "Muss"!

Ich freue mich schon auf den Nachfolger!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Harald Haarmann erklärt die Donauzivilisation und lässt uns im Ungewissen, 18. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
Sicherlich ist es anderen Lesern ebenso gegangen. Zunächst Jubel: Eine neue zusammenfassende Darstellung eines Kapitels europäischer Ur- und Frühgeschichte, reich illustriert, mit Kartenmaterial und Zeittabellen versehen. Die Freude wird dann dem Leser bei der Lektüre gründlich vergällt. Er findet die harsche Kritik anderer Rezensenten, unter denen Spezialisten aus den Bereichen Ur- und Frühgeschichte, Archäologie und Altorientalistik sind, an Haarmanns Buch voll bestätigt. Mit apodiktischer Gewissheit, unwiderlegbare und ewige Wahrheiten verkündend, trägt Haarmann steile Theorien vor. Ständig zitiert Haarmann sich selber aus seinen anderen Veröffentlichungen, beim unvoreingenommenen Leser erzeugt Haarmann den Eindruck, er befinde sich im Konsens mit der ganzen Fachwelt. Dazwischen folgt dann immer wieder Unbewiesenes, das als bewiesen ausgegeben wird. Schließlich beginnt der Laie, der nicht immer genau unterscheiden kann, was Dichtung und was Wahrheit in Haarmanns Buch ist, allem im Buch zu misstrauen und legt es beiseite, noch bevor er die Seite 100 erreicht hat.

An seinem selbstgewissen Ton erkennt man den "Quereinsteiger" aus einer anderen Fachrichtung, Haarmann ist Sprachwissenschaftler. Die Mitglieder der Zunft, Ur- und Frühgeschichtler, Archäologen und Altorientalisten pflegen sich sehr viel vorsichtiger und zurückhaltender auszudrücken, wissend, dass alle Theorien schon nach der nächsten Ausgrabungsserie überholt sein können. Ein Altorientalist, dessen Vorlesungen der Leser hörte, begann seinen Vortrag immer mit dem Satz: "Meine Damen und Herren, nach dem heutigen Stand der Ausgrabungen..."

Empfehlen kann man das Buch nicht. Mehr als einen Punkt kann der Leser beim besten Willen Haarmanns Buch nicht geben.
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59 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unterirdisch, 5. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
Wieder einmal geht es um ein Umschreiben der Geschichte und um die Entdeckung einer "Hochkultur" - und diesmal sogar einer Europäischen! Ex oriente lux - von wegen!
Nach der großen Flut erreichten die "Alteuropäer" zwischen 5000 und 3500 v. Chr. eine ungeahnte Kulturhöhe - die sog. Donauzivilisation - vom Autor als früheste Hochkultur Europas bezeichnet. Von dieser Hochkultur profitierten (via balkanisch-altägäischer Kulturdrift) noch rund 2000 Jahre später die Minoer und Mykener. Die Hochkultur der Donauzivilisation, u. a. belegt durch die Existenz von Großsiedlungen, Häuser mit mehr als 100 qm Grundfläche, zweigeschossige Reihenhäuser, Metallurgie, Töpferrad, Siegel und schließlich der Schrift. All dies lange vor Mesopotamien!

Unreflektierte, dümmliche "Belege"...
Da die "Alteuropäer" die Landwirtschaft ja nicht erfunden, sondern aus dem Vorderen Orient übernommen haben (S. 12), wittert Haarmann in der Anpassung dieser Wirtschaftsform an europäische Verhältnisse eine besondere Kulturleistung. Anpassungsfähigkeit ist für eine Spezies, die von Afrika ausgehend den ganzen Planeten mit seinen unterschiedlichsten Lebensräumen bevölkert hat, sicher eine charakteristische Eigenschaft, zeichnet die "Alteuropäer" aber nicht gegenüber Bewohnern anderer Weltgegenden oder Zeitabschnitten aus.
In diesem Stil geht es munter weiter. So sind z. B. Großsiedlungen gar kein bis dahin unbekanntes Phänomen (man denke nur an jene des akeramischen Neolithikums) und in der zeitlichen Auflösung dürften die oft zitierten Tripolye Siedlungen (bei Haarmann neuukrainisch Trypillya) auch etwas kleiner werden. 100 qm Grundfläche überschreiten übrigens auch schon die ersten Bauernhäuser Mitteleuropas (2. Hälfte 6. Jt. v. Chr.) locker. Rez. hätte gerne mehr über die Korrelation von Hausgröße und Kulturhöhe erfahren. In die Irre führt Haarmann den Leser z. B. auch, wenn er das Töpferrad zu einem Alleinstellungsmerkmal "Alteuropäischer Kultur" stilisiert. Denn die sog. langsam drehende Töpferscheibe (Tournette), ist im Vorderen Orient ebenfalls schon im 6/5. Jt. v. Chr. nachgewiesen. Überdies mag man sich auch darüber streiten ob das Töpferrad denn tatsächlich als Vorläufer der schnell drehenden Töpferscheibe zu werten ist. Ersteres diente als drehbare Arbeitsfläche, um bspw. Gefäßbemalung anbringen zu können. Die sich ab dem ausgehenden 4. Jt. im Vorderen Orient ausbreitende, schnell rotierende Töpferscheibe ist hingegen ein Gerät zur effektiven Fertigung zahlreicher, gleichförmiger Gefäße durch spezialisierte Handwerker - letztlich ein Instrument zur Massenproduktion - und damit etwas völlig anderes. Deren Einzug in "Alteuropa" fand erst zwei Jahrtausende später statt.
Als Ente entpuppen sich auch die vermeintlich von den Alteuropäern erfundenen "Rollsiegel" und die frühe Verwendung von "Stempelsiegeln". Die Verwendung der sog. Pintaderen hat mit der administrativen Zwecken dienenden Siegelung im Vorderen Orient nichts zu tun und die Begrifflichkeit Stempel oder Stempelsiegel sagt nichts über eine entsprechende Verwendung aus. Übrigens sind die südosteuropäischen Tonstempel ebenfalls (nur) eine Übernahme aus Anatolien....
Über 1000 Jahre bevor die die Schrift in Mesopotamien entstand, soll sich in Südosteuropa ein "rudimentäres Schriftsystem" entwickelt haben (S. 199 spricht gar von "Inschriften"). Tatsächlich sind über 200 verschiedene Zeichen bekannt, allerdings im gesamten Raum und über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten. Zeichenkombinationen sind eher selten. Zeichen stehen meist allein. Es handelt sich also keinesfalls um eine Buchstaben-, Silben- oder Wortschrift. Die Vermutung, dass mit den einzelnen Zeichen und Symbolen Inhalte fixiert oder transportiert wurden, ist kaum zu bestreiten. Allerdings haben wir es hier allenfalls mit der Vorform einer Schrift zu tun.

Eigenartige, unpräzise Sprache
Haarmann jongliert mit Begriffen, deren tatsächliche Bedeutungen ihm offenbar selbst nicht so ganz klar sind. Der deutsche Begriff Zivilisation meint etwas anderes als der engl. Begriff civilization, den man in diesem Zusammenhang mit "Kultur" übersetzt. Die "Danube civilization" sollte man also mit Donaukultur oder donauländischer Kultur übersetzen, übrigens keine Begrifflichkeit die Haarmann erfunden hat, wie er den Leser glauben machen will, sondern eine Bezeichnung, die V.G. Childe bereits in den 1920er Jahren geprägt hat. Weshalb man dem (von Gimbutas geprägten) Begriff Alteuropa auch noch die englische Variante "Old Europe" beistellen muss, bleibt Rez. schleierhaft.
Insgesamt wimmelt es nur so von sprachlichen Missgriffen. Bildunterschriften wie z. B. S. 83 Abb. 27: "Aus Spondylus gefertigte Armreifen" (es handelt sich doch wohl um Schmuck und damit um einen Armreif, Plural Armreife (!) und nicht um Reifen) entbehren nicht einer gewissen Komik. Mega-Settlements (z. B. S. 150) oder auch mal megasettlements (z. B. S.11) geschrieben, ist nicht nur ein unnötiger Begriff sondern dokumentiert einmal mehr redaktionelle Schlamperei. Ausdrücke wie "Goldschatz von Varna"(S. 11) (dabei handelt e sich doch wohl um Beigaben und Ausstattungsgegenstände aus Gräbern); "Regionalkulturen der Donauzivilisation" oder "Der genetische Fußabdruck" wirken verstörend auf Leser, die sich mit der Materie auskennen. Die Aufzählung ließe sich noch problemlos fortsetzen. Es mutet seltsam an, wenn solche Unzulänglichkeiten ausgerechnet aus der Feder eines Sprachwissenschaftlers stammen und von einem renommierten Verlag akzeptiert werden.

Sachkenntnis? Fehlanzeige!
Abbildung auf S. 89 zeigt zwei Tonmodelle: Entgegen der Bildunterschrift ("Tonmodelle von Booten aus Alteuropa, 5. Jt. v. Chr.") handelt es sich bei dem einen Stück um ein Bootsmodell, allerdings aus dem 2. Jt. v. Chr., Herkunft Zypern. Das zweite Stück, (Zypern, spätes 3. Jt.) ist gar kein Bootsmodell, sondern eine Darstellung waschender Frauen. Von einem Kenner der "alteuropäischen Kultur" wäre zu erwarten gewesen, dass er merkt, dass hier etwas nicht stimmt. Übrigens liefert die Lektüre von Haarmanns Bildquelle Informationen über die tatsächliche Herkunft der Stücke. Aber das hat Haarmann wohl übersehen. Der peinliche Lapsus ist symptomatisch für den Umgang mit der Materie: Was in das Weltbild passt, wird kritiklos und unhinterfragt übernommen, Gegenargumente werden - sofern man sie überhaupt kennt - ausgeblendet. Plausible und nachvollziehbare Ergebnisse sind bei dieser Arbeitsweise natürlich nicht zu erwarten. So kommt es, dass das Buch völlig nutzlos ist, weil es nichts belegt und nur Ausweis der Überzeugungen seines Autors ist.

Rez. könnte noch viel anmerken, legt das Druckwerk aber entnervt zur Seite.
Bezeichnete der Autor sein Buch als Desiderat, so hegt Rez. am Ende der Lektüre den Wunsch, Harald Haarmann möge künftig nur noch über Dinge schreiben, von denen er tatsächlich etwas versteht. Dem Verlag C.H. Beck und seinen Lektoren wünscht Rez., dass sie sich bei der Auswahl ihrer Autoren künftig von Sachkenntnis leiten lassen, damit solche peinlichen Missgriffe unterbleiben, schaden sie doch dem Ansehen eines Verlages und dessen Reihen enorm.
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Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas
Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas von Harald Haarmann (Gebundene Ausgabe - 6. Dezember 2012)
EUR 16,95
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