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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bombay ist überall
Die Wohnungseigentümer der Vishram Genossenschaft sind anständige Menschen. Um ihren fünfstöckigen Wohnturm breitet sich zwar der Slum von Vakola aus, aber wer in der Vishram Genossenschaft wohnt, der ist etwas Besseres. Zumindest etwas besseres als die Slumbewohner da unten hinter dem Zaun: Internetcafe-Betreiber, Journalisten, Lehrer, Buchhalter oder...
Veröffentlicht am 1. September 2011 von Volker M.

versus
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Freiheit und das Glück des Einzelnen
Der Roman, in dem es um Armut, Geldgier, Korruption, Macht und Neid geht, spielt im Herzen der Millionenstadt Mumbai, eine Hafenmetropole an der westindischen Küste, in der mehr als die Hälfte der Bewohner in Slums lebt. Vor allem durch Zuwanderung hat sich die Einwohnerzahl im letzten Jahrhundert verzehnfacht und entsprechende Probleme in bezug auf...
Veröffentlicht am 12. April 2012 von Beccaris


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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bombay ist überall, 1. September 2011
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Wohnungseigentümer der Vishram Genossenschaft sind anständige Menschen. Um ihren fünfstöckigen Wohnturm breitet sich zwar der Slum von Vakola aus, aber wer in der Vishram Genossenschaft wohnt, der ist etwas Besseres. Zumindest etwas besseres als die Slumbewohner da unten hinter dem Zaun: Internetcafe-Betreiber, Journalisten, Lehrer, Buchhalter oder Apotheker wohnen hier. Wasser gibt es nur zweimal am Tag für einige Stunden, das Haus ist heruntergekommen, die Wände schimmeln, aber das ist die Realität für Indiens Mittelschicht. Die Menschen leben, unbehelligt von Kastendünkel oder religiösem Fanatismus friedlich in ihrer kleinen Welt, die schon bald zum Spiegel der großen werden wird. In diese friedliche Welt bricht nämlich eines Tages der umtriebige Bauunternehmer Shah ein, mit einem Angebot, das man nicht ablehnen kann. Er will ihnen ihre schäbigen Wohnungen zum sagenhaften Preis von umgerechnet fast 300 000 Euro abkaufen. Jedem Einzelnen. Aber nur, wenn alle verkaufen, denn Vishram ist ja eine Genossenschaft.
Und das Angebot frisst sich wie ein Krebsgeschwür in die Hausgemeinschaft, denn nicht alle wollen Vishram verlassen. Zum Beispiel der hoch geachtete Lehrer Murthy, Witwer und Rentner, die moralische Instanz des Hauses, der sich von den Mitbewohnern unter Druck gesetzt fühlt. Und wenn Murthy unter Druck gesetzt wird, dann wird er stur. Und wenn er stur wird, dann hilft bei ihm nicht Zuckerbrot und nicht Peitsche.
Aus Freunden werden Feinde, aus Feinden werden Todfeinde und die Katastrophe nimmt ihren Gang.

"Letzter Mann im Turm" bietet einen Einblick in die indische Gesellschaft von heute, wie man ihn nur von einem Insider bekommt, der so meisterhaft erzählen kann, wie Aravind Adiga. Man riecht förmlich die Kloaken von Bombay, den Schweiß der Menschen in den überfüllten Vorortzügen. Wem das noch nicht den Magen umdreht, dem wird spätestens bei der Beschreibung der krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich übel. Anfangs wirkt die Hausgemeinschaft von Vishram wie der letzte Hort der Anständigkeit, bis Geld, Gier und Neid des Menschen wahre Natur zum Vorschein bringen. Erst kommt die Habgier und dann die Moral. Das gilt für die Großen da oben genauso wie für die Kleinen da unten, will uns Adiga sagen. Es kommt eben nur auf die GELEGENHEIT an.
Das Buch ist eine wunderbar erzählte Parabel auf die Übel unserer Zeit, eine Gesellschaftskritik, die im Prinzip an jedem Ort der Welt gültig ist, nur dass Indien als Kulisse für eine Endzeitstimmung, in der alles nur noch ums Geld geht, obwohl die Substanz längst verrottet ist, ungleich besser geeignet ist, als Bottrop-Kirchhellen. Aber machen wir uns nichts vor. Bombay ist überall.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Großen wie im Detail: brillant, 14. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Norden Mumbais ragt aus den Slums rund um den Flughafen die Vishram Society hervor, eine abgewohnte Mittelklassewohngenossenschaft, deren anständige, brave Bewohner sich in ein Mittelklasseleben ohne allzu große Höhen und Tiefen gefügt haben. Als der mächtige Bauherr Dharmen Shah diesen Leuten ihren Turm mit einem großzügigen Angebot abkaufen will, um hier ein Luxuswohngebiet aufzuziehen, erliegen die Bewohner einer nach dem anderen dem verlockenden Angebot, bis schlussendlich ein Einziger, trotzig, unnachgiebig, einsam, die Zustimmung verweigert: Yogesh Murthy, genannt Masterji.

Mehr als um den Kampf des kleinen Mannes gegen den mächtigen Immobilientycoon aber geht es in diesem Buch um die Kluft, die sich nun zwischen Masterji, einst hochgeschätzt, und den anderen Bewohnern der Wohngenossenschaft auftut, und um die Mechanismen des Hasses. Menschen, die seit 30 Jahren Tür an Tür gewohnt und Freundschaften gepflegt haben, driften hier in eine menschliche Katastrophe.

Dieser Beziehungsmikrokosmos der Vishram Society ist eng verknüpft mit dem Makrokosmos der Stadt Mumbai. Dieses Buch erinnert mich in seiner Fülle der Eindrücke und seiner Perspektivenvielfalt an "Berlin Alexanderplatz": wie Döblins großes Werk ist "Letzter Mann im Turm" das Porträt einer Stadt, ein Zeitbild, ein Gesellschaftsroman, der diese schillernde und stinkende, brodelnde und expandierende, erschreckende und faszinierende Stadt Mumbai und ihre Menschen in den Blick nimmt. Diese pulsierende indische Großstadt präsentiert sich mir als Leser durch die Augen der vielen Figuren. Die spannende Perspektivenvielfalt dieses Buches lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf viele verschiedene Lebens- und Leidensgeschichten, und jede wird in ihrer eigenen Besonderheit nachvollziehbar und lebendig.

Der alte Masterji ist kein strahlender Held ohne Ecken und Kanten; der Bauherr, Dharmen Shah, wiederum ist kein eindimensionaler, per se skrupelloser Fiesling. Dieses Buch ist kein modernes Märchen von Gut und Böse. Wie Mumbai in allen Facetten dargestellt wird, weisen auch die Charaktere alle Grautonabstufungen, ja alle Farben auf - und gerade das macht diesen Roman so vielschichtig, so interessant, so spannend. Dazu trägt auch die Sprache dieses Romans bei, die feinfühlig vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurde: schlicht und eingängig, aber von einer unglaublichen Sprachgewalt und mit einzigartigen Bildern.

Ein großer, ein großartiger Roman mit einem mitreißenden Erzählfluss, der mich in einem Zug mühelos über die 500 Seiten getragen hat; eine fesselnde Geschichte über Menschen, denen ich gerne und gebannt gefolgt bin; die farbige Skizze Indiens, das mit seiner Vielschichtigkeit und seinen Ambivalenzen und Gegensätzlichkeiten fasziniert. Wer voll und ganz in einen Buchkosmos eintauchen möchte: das ist das richtige Buch dazu.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Noch besser als die Vorgänger, 18. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vishram Society ist ein Gebäudekomplex der 1959 gebaut wurde um "anständige Behausungen für anständige Inder" zu schaffen.

Nun viele Jahre später sind die Gebäude marode, nie wurde ausreichend in Reparaturen investiert. Da kommt zu einem Zeitpunkt an dem wieder einmal von der Genossenschaft über Instandhaltungsmaßnahmen und die damit verbundenen Kosten diskutiert wird, ein mehr als großzügiges Angebot eines Bauunternehmers.
Er bietet den Bewohners einen Preis für die Wohnungen der 250 % über dem üblichen Marktwert liegt...
Warum?

In einem Stadtteil Mumbais auf dem pro Einwohner sechs Ratten kommen, aufstrebende Finanzzentren direkt neben den schlimmsten Slums der Welt liegen, sieht er die Zukunft der Stadt. Eine Stadt die sich scheinbar nicht weiter entwickelt, sondern immer nur Neues aufschnappt.

Shah, der Bauunternehmer, will dieses Projekt verwirklichen, zumal sein direkter Konkurent die Frechheit besitzt und direkt vor seiner Nase mit einem spektakulären Bau beginnt.

Das Angebot wird unterbreitet. Bedingung: Alle Parteien müssen unterschreiben! Alle!
Für die meisten der Bewohner ist es die Chance ein neues Leben anzufangen, zum einen weil sie bei dem überaus großzügigen Angebot in der Lage sind sich etwas Neues zu kaufen, zum anderen weil man ein gutes finanzielles Polster für die Zukunft hätte.

Aber warum soll Masterji, pensionierter Lehrer und seit einem Jahr Witwer, ausziehen? Warum soll er eine Wohnung verlassen in der er den größten Teil seines Lebens verbracht hat?

Andere Bewohnter die sich zunächst auch sträuben, werden schließlich überzeugt! Es hat nicht lange gedauert bis der Makler auf deren Schwachstellen gestoßen ist. Geld, viel Geld, macht schwach - der Mensch ist korrupt.
Aber noch haben nicht alle unterschrieben, die Frist läuft ab, die Drohungen nehmen zu und werden immer deutlicher. Dass man sich schlußendlich seitens des Bauunternehmers solcher Maßnahmen bedient ist nicht verwunderlich. Sowohl Polizisten als auch Politker stehen auf deren Gehaltslisten....

Fazit:
Moderne und Tradition prallen aufeinander.
Für die Gesetze der freien Marktwirtschaft ist man genauso empfänglich wie für den Rat eines tamilischen Astrolgen der den Baubeginn bestimmt.
Aravind Adiga hat einen großartigen Roman über die Gier des Menschen, seine Unersättlichkeit geschrieben.
Mit viel Ironie blickt er auf die Millionenstadt Mumbai und seine Bewohner, wobei nicht jeder gut dabei weg kommt.
Ein kurzweiliges Lesevergnügen (die Zeit fliegt geradezu dahin) das ich uneingeschränkt empfehlen kann und das mir noch besser gefallen hat als "Der weiße Tiger"
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5.0 von 5 Sternen Indien wie es leibt und lebt (?), 7. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm: Roman (Kindle Edition)
Habe dieses Buch als Nachtrag zu meinem Indienurlaub gelesen. Bin mir nicht ganz klar darüber, ob der Autor die Realität beschreibt. Vorstellen kann ich es mir - in Indien ist alles möglich. Die Geschichte an sich ist sehr fesselnd erzählt auch wenn recht früh klar ist wie es endet. Ich empfehle es gerne.
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5.0 von 5 Sternen Bombay ist überall, 24. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm (Hörbuch-Download)
Vishram Society - eine Hausgemeinschaft in der Stadt Bombay, mit gehobenerem Lebensstandard, in der sich die Bewohner seit dreißig Jahren kennen und einander helfen, wenn es notwendig ist.
Bis eines Tages ein Bauherr diesen Komplex abreißen will und anstelle des alten, etwas baufällig gewordenen Bauwerks neue, luxuriöse Wohnungen errichten will. Er bietet den Bewohnern für deren Auszug Preise an, die weit über dem Marktwert liegen - und viele können dieser Verlockung nicht widerstehen.
Dass sie mit dem Auszug aus der Vishram Society auch ihre Heimat verlieren, wird manchem erst zu spät bewusst.
Nur einer will aus Rücksicht auf ein altes Ehepaar nicht ausziehen, das Geld nicht annehmen. Und diese Rücksichtnahme muss er teuer bezahlen.
Ein tolles Buch - es schildert die Missstände unserer "Zivilisation" auf das genaueste, und gewährt noch dazu einen Einblick in alltägliches indisches Leben.
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4.0 von 5 Sternen Solides Handwerk, 18. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Angenehm:
- viele kleine, aber sehr signifikante Details und Gedanken (z.B. wie sich eine Blinde an Schäden in der Mauer oder an Gerüchen orientiert)
- aufschlussreich die Veränderungen in der Hausgemeinschaft nach dem großzügigen Geldangebot des Unternehmers
- jederzeit sehr spannend, ich habe meinen üblichen Medienkonsum für dieses Buch deutlich geändert
- interessante Einblicke in die indische Mittelschicht (aber weit weniger spektakulär als beim Weißen Tiger)
- die Vielzahl der Hausbewohner bringt Adiga sehr übersichtlich ins Spiel, auch wenn einzelne Figuren zu selten erscheinen, so die Frau des Maklers Ajwani
- sprachlich jederzeit virtuos (ich hatte das englische Original), auch mit verschiedenen Soziolekten und Stilen und sogar mit englischen Sprachspielen; mitunter vielleicht schon zu blümerant und kraftmeiernd
- nützliche Mumbai-Übersichtskarte und Kurzverzeichnis der Hausbewohner

Nicht so überzeugend:
- einzelne eher schlichte Akteure haben manchmal sehr literarische, poetische, elegante Gedanken, die wohl doch eher direkt vom studierten Autor stammen
- Adiga stellt Korruption und "das Böse" etwas zu deutlich und lehrbuchhaft aus; ich brauche kein Buch mit Botschaft über böse Immobilienhaie
- einige Cliffhanger (Abbruch der Geschichte an einer wichtigen Stelle) und dramatische Überdehnung des Finales; die letzten 20 Seiten danach wirken sehr müde
- die Episode vom Comeback einer 40jährigen Schauspielerin mit ihrem Film Dance, Dance spielt womöglich auf Madhuri Dixits Aja Nachle an
- ein oder zwei Hindi(?)-Ausdrücke im englischen Text kannte ich nicht und konnte ich mir auch (anders als bei pucca) nicht erschließen

Bemerkenswert: Adiga lebte ab 2006 ein paar Jahre in einem Bau, der direktes Vorbild für Last Man in Tower ist (dieselbe Gegend, Wasser nur zweimal zwei Stunden am Tag), und arbeitete dort an The White Tiger. Adiga verarbeitet im Tower-Roman auch andere eigene Mumbai-Erlebnisse, so die Erkrankung durch die schlechte Luft. Doch ein Schriftsteller gehört im Roman nicht zu den Bewohnern der Vishram Society Block A - und schon gar keiner, der, wie Adiga selbst, durch ungewöhnliche Ruhe Besorgnis weckt. Ein Schriftsteller, der sein Selbstildnis nicht in den Roman pflanzt, das wünscht man sich von deutschen Schreibern auch mal.

Insgesamt ein sehr solider Roman, aber nicht so ein Knüller wie The White Tiger, und auch Between the Assassinations hat mir noch einen Tick besser gefallen - vielleicht, weil Last Man in Tower eher als die genannten Vorgänger an Leben im Westen erinnert, die Hauptfiguren hier nicht so filmi, nicht so extrem und nicht so extrem unterschiedlich auftreten. Aber Last Man in Tower ist immer noch exzellent und ich werde Adiga natürlich weiter lesen.
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5.0 von 5 Sternen Ein ehrenwertes Haus ..., 28. August 2012
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm: Roman (Gebundene Ausgabe)
Er verbarrikadierte die Tür mit dem Teakholztisch. Als er ans Fenster ging, sah er sie unten alle versammelt, wie sie zu ihm hoch starrten. Er trat sofort vom Fenster zurück.
"Dann bin ich jetzt also der letzte Mann im Turm", dachte er.
Er schnüffelte, dankbar für den Tanningeruch des Ingwertees, der immer noch in der Luft hing.
Er schenkte sich den Rest aus der Porzellankanne ein und trank den bitteren, kalten Tee.
Dann rief er die Nummer auf der Visitenkarte an, die er mitgenommen hatte.
...
Aber Ram Khares schwarze Schlange war jetzt in seiner Wohnung. Genau in seinem Bett und schlängelte sich an seinem Schenkel empor. Die Schlangenzunge der Gewalt züngelte vor ihm. "Du bist als Nächster dran, Masterji". Ein junger Mann mit Goldkette und muskulösen Armen, auf denen die Adern hervortreten, kommt eines Abends zu ihm und sagt: "Ich will bloß mal kurz mit dir sprechen, alter Mann. Bloß auf ein Wort."
Er war zu verängstigt gewesen, um Purnima vor ihren Brüdern zu beschützen, diesmal würde er keine Angst haben.
"Hau ab", sagte er.
Die schwarze Schlange glitt seine Beine hinab und verschwand.
("Letzter Mann im Turm", Seiten 322, 323)

Sein Erzähltalent hat der Autor, der selbst im Mumbai (früher Bombay) lebt, bereits mit seinem Erstlingswerk "Der weiße Tiger: Roman" unter Beweis gestellt. Einen ungeschminkten Blick wirft er auf die Bewohner eine Stadt, die großen Veränderungen unterworfen wurde und wird. Geld und Macht sind die gewaltigen Kräfte, die eine ganze Stadt überrollen und dabei auf nicht vor dem ehrenhaften Haus der Vishram Society, am Rande der Slums, halt machen.

Seit Jahrzehnten bildeten die Bewohner von Turm A eine verschworene Gemeinschaft, die den Widrigkeiten des Hauses mit Einfallsreichtum und Lebensweisheit entgegen halten. Allen Warnhinweisen zum Trotz glauben sie an das Fortbestehen ihres Lebensraumes. So vielen Monsunregenfällen hat der Turm bereits getrotzt und an die Unzuverlässigkeit des Fahrstuhls hat man sich gewöhnt. Die Eigentümerversammlungen laufen regelmäßig und mit den stets wiederkehrenden Eingaben nach Verbesserungen und Sanierungen des Hauses ab. Doch das geregelte Treiben der ehrenwerten Bewohner hat bald ein Ende durch das verlockende Angebot eines berüchtigten Bauunternehmens namens Shah. Zunächst sind die Eigentümer der Wohnungsgesellschaft verwirrt über die hohen Summen, die ihnen im Gegenzug zur Aufgabe ihrer doch ziemlich ramponierten Wohnungen bezahlt werden sollen. Außerdem ist es doch eine allgemein anerkannte Tatsache, dass alle Bauunternehmer windige Betrüger sind, oder etwa nicht? Eine ebenso anerkannte Tatsache ist jedoch auch, dass das Angebot zum Verkauf von allen Wohnungseigentümern angenommen werden muss. Sollte auch nur einer gegen das Projekt sein und seine Wohnung behalten wollen, müssen alle Bewohner des Turms mit der bekannten und eigentlich ganz behaglichen, aber nunmehr doch allzu spürbaren Verwahrlosung ihres Zuhauses zurecht kommen. Während die Eigentümer ihre Überlegungen anstellen, von dem Bauunternehmer und dessen linker oder rechter Hand mit überzeugenden Argumenten verführt werden und die Gier nach dem Geld wächst, kommt ihnen eine überaus alarmierende Nachricht zu: im Nachbarturm B ist man sich bereits handelseinig geworden und es sind bereits die ersten Gelder des Bauunternehmers geflossen!

Nun nimmt die Angelegenheit eine ganz andere Dimension an und es gibt in der Tat bald nur noch einen Mann im Turm, der sich nicht für das Projekt entscheiden kann. Es ist der ältere und angesehene Lehrer im Ruhestand, der vor noch nicht einmal einem Jahr seine Ehefrau verloren hat. Es widerstrebt dem Mann zutiefst, den Ort aufzugeben, der so sehr mit seinem Leben und mit den Erinnerungen an seine Frau verbunden ist. In den Augen seiner Nachbarn, in denen er so lange Bewunderung und Respekt las, spiegelt sich jedoch in letzter Zeit etwas anderes. Zunächst ist da nur die Ungeduld über das Zögern eines alten Mannes, aber mit der Zeit verändert sich die Stimmung im Haus immer mehr. Der Bauunternehmer ist sich sicher, dass die Eigentümer "das Problem" selbst erledigen müssen. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass durch gezielte Drohung oder durch einen bedauerlichen Unfall ein Fall des Widerstandes aus der Welt geschafft worden wäre. Wird sich die unmenschliche Prophezeiung des skrupellosen Unternehmers erfüllen? Oder wird Turm A das Schicksal der Abrissbirne erspart? Wird gar die Moral einen Sieg davontragen? Mit spitzer Feder entwickelt der Autor seine Geschichte, die er mit viel Spannung und Ironie gewürzt hat.

Die menschlichen Beziehungen werden in diesem Drama besonders deutlich ausgeleuchtet. Es geht um Beziehungen innerhalb der Familie und innerhalb von Nachbarn. Was überträgt sich von der älteren Generation auf die nächste, was wird innerhalb einer Beziehung verschwiegen und was bleibt dem einzelnen ganz persönlich vorbehalten? Etwas düster, oder zumindest erschreckend ist das indische Portrait der menschlichen Natur schon, welches mit Sarkasmus nicht spart, aber gleichzeitig spürbar erleben lässt, dass eine Persönlichkeit nie ganz weiß oder schwarz sein kann - im Guten wie im Schlechten. Daher macht es der Roman nicht leicht, sich zu entscheiden, in welche Rolle man als Leser in dieser Geschichte schlüpfen möchte oder wie man zu der Moral der Erzählung steht. Da die Frage des Standpunktes offen gelassen wird, wirkt das Werk ungemein dynamisch, mitreißend und bietet dem aufgeschlossenen Leser eine elektrisierende Lektüre.
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4.0 von 5 Sternen Geld oder Prinzipien?, 23. Mai 2012
Von 
Joroka (Darmstadt) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm (Hörbuch-Download)
(Rezension bezieht sich auf das Hörbuch)

Die Bewohner der zwei Türme der "Vishram Society", einer Wohngenossenschaft in Bombay, lebten bisher über Jahrzehnte ein recht beschauliches Leben als sich gegenseitig wertschätzende Nachbarn. Als jedoch der Immobilienhai Shah ein sagenhaftes Angebot macht, blitzen die Dollarzeichen in den Augen der meisten von ihnen auf. Er möchte die Wohntürme abreißen, um an ihrer Stelle einen luxuriösen Komplex in die Höhe zu ziehen und dafür jeden einzelne fürstlich entlohnen. Zunächst gibt es vier Abweichler im Turm A, doch mit Bonuszusagen und einer nachdrücklichen 'Überredungskunst' bleibt letztendlich nur noch einer übrig: Master Ji, ein pensionierter und ursprünglich hoch ansehender Lehrer. Er möchte sich nicht nochmals aus seiner vertrauten Umgebung verpflanzen lassen, in der er mit seiner Frau, die im Jahr zuvor verstorben war und seiner Tochter, die schon früher tragisch ums Leben kam, so lange glücklich Zeiten verbracht hat. Doch mit seiner klaren Haltung steht er dem großen Geldsegen und den damit verbundenen Träumen der restlichen Bewohner des Turmes A im Wege. Denn nur, wenn alle geschlossen dem Angebot Shahs zustimmen, wird es wirksam. Die Frist läuft langsam ab und die Anfeindungen, denen Master Ji von unterschiedlichen Seiten ausgesetzt ist, nehmen zu. Kann er dem Druck standhalten und seinen Prinzipien treu bleiben?......

Die Handlung bietet einen Einblick in das alltägliche Leben auf dem indischen Subkontinent in einer Großstadt. Obwohl auch das Leben in den Slums eine Nebenrolle spielt, ist der Fokus auf Menschen gelenkt, denen es finanzielle gar nicht so schlecht geht, die aber trotzdem zumeist das Gefühl haben, auf die eine oder andere Art im Leben zu kurz gekommen zu sein.
Die Geschichte erzählt von dem allmählichen Verfall einer guten Nachbarschaft aufgrund der Aussicht auf relativ üppigen Reichtum; wie sich Werte dadurch wandeln oder einfach ihre Bedeutung verlieren bis hin zu Mördergedanken.
Man kann sich gut vorstellen, dass dies sich nicht nur in Bombay so zutragen könnte, sondern auch an vielen anderen Orten auf der Welt, denn der Gier des Menschen sind selten humane Grenzen gesetzt.

Es liest Sebastian Kowski, ein Theaterschauspieler, momentan in Stuttgart engagiert.

Fazit: Ein nicht unspannender Handlungsverlauf, der sich aber mitunter ein wenig in die Länge zieht, trotz der gekürzten Lesung (auf 6 CDs.)
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5.0 von 5 Sternen Eine Hausgemeinschaft wird durch Geld und Gier korrumpiert: beklemmender Kammerspiel, 10. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm: Roman (Gebundene Ausgabe)
In seinen ersten beiden Romanen - "Der weiße Tiger" und "Zwischen den Attentaten" - zeigte Booker Prize-Gewinner Aravind Adiga das unverhüllte Gesicht seines Heimatlandes Indien, seiner Unsicherheit und Korruption, seiner Vielfalt und seines Chaos.
"Letzter Mann im Turm" ist erneut ein beeindruckendes Kaleidoskop des Lebens in Indiens Hauptstadt Mumbai, heruntergedampft auf einen Häuserblock voller durchschnittlicher Menschen, die durch ein unverhofftes Angebot von Luxus und Glück aus der Bahn geworfen werden. Tatsächlich könnte der Roman überall spielen - Adiga zeigt, einem beklemmenden Kammerspiel gleich, wie Macht und Gier korrumpieren und schließlich für Unfrieden und Hass sorgen, bis sich alles in einer menschlichen Katastrophe entlädt. Zielobjekt des Hasses wird ausgerechnet der hochangesehene alte Lehrer Masterji, dessen Frau vor kurzem gestorben ist und der die Kinder im Haus kostenlos unterrichtet. Masterji ist ein verständiger Mann, aber auch stur, vor allem, wenn er zu etwas gedrängt werden soll. Adiga lässt sich sehr viel Zeit, dieses Szenario zu entwickeln, gewährt dem Leser zunächst ausführliche Einblicke in das Leben der bunt zusammengewürfelten Bewohner der Vishram Society. Dadurch wirkt die Wandlung, die mit den zunächst freundlichen Bewohnern vor sich geht, noch bedrückender und unheilvoller. Der Leser ist stellenweise hin- und hergerissen zwischen Mitleid mit dem zunehmend isolierten und bedrohten Masterji, der bald völlig auf sich allein gestellt ist, und der Ungeduld gegenüber seinem beharrlichen Ablehnen des Angebots von Mr. Shah. Unweigerlich fragt der Leser sich auch, wie er sich wohl verhalten würde, wenn der Gewinn von umgerechnet 236.000 Euro am Nein eines einzigen Mannes scheiterte.

Obwohl "Letzter Mann im Turm" weniger die typisch indischen Verhaltensweisen als vielmehr schlicht und einfach die menschliche Natur beschreibt, zeigt Aravind Adiga natürlich auch wieder faszinierende, detailreiche Einblicke in die Metropole Mumbai und in die Mentalität seiner Landsleute. Wer das wahre Indien der Gegenwart kennen lernen will - und zwar fernab von Bollywood und Slumdog Millionaire -, der kommt an Adiga und seinen oft deprimierenden Wahrheiten nicht vorbei. "Letzter Mann im Turm" ist erneut ein großer, kluger Roman, der sich bis zum Ende immer weiter zuspitzt und schonungslos die menschliche Natur und das Herz Indiens offenlegt.
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4.0 von 5 Sternen Letzter Mann im Turm (Hörbuch), 12. Oktober 2011
Von 
Poldis Hörspielseite - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Letzter Mann im Turm (Audio CD)
Erster Eindruck: Wie weit gehen Menschen für Geld?

Am Rande eines Slums im Norden von Mumbai ragt ein Wohnturm in die Höhe, dessen Bewohner der Mittelklasse angehören und ein beschauliches und ruhiges Leben inmitten des krassen Gegensatzes aus arm und reich führen. Bis ein windiger Immobilienmakler alles ein unmoralisches Angebot macht: Für einen hohen Betrag will er ihnen die Wohnungen abkaufen, um dort eine luxuriöse Wohnanlage zu bauen. Alle stimmen zu ' bis auf einen alten Mann...

Aravind Adiga ist ein indischer Schriftsteller, und die für uns ebenso fremde wie faszinierende Kultur bringt er der westlichen Welt in seinen preisgekrönten Romanen näher. Sein neuestes Werk heißt 'Letzter Mann im Turm' und ist als Hörbuch beim Audio Verlag erschienen. Auch hier stellt er in lebendigen Worten die Situation der Mega-City Mumbai dar, die geprägt von ärmlichsten Slums und reichen, machtgierigen Männern ist. Diese intensiven Beschreibungen bilden den Grundstock, den Hintergrund der Geschichte, doch die Handlung an sich könnte ohne Probleme auch in jeder anderen Stadt passieren, denn es geht um die Frage, wie weit man in Geldgier gehen würde. Der Mikrokosmos des Hochhauses mit seinen Bewohnern teilt sich aufgrund des Angebotes des Maklers langsam in zwei Teile, diejenigen, die das Geld annehmen wollen und diejenigen, die ablehnen ' nur, dass dieser zweite Teil nur aus einem moralisch integeren Mann besteht. Er ist keinesfalls der strahlende Held, sondern wird in seinem Starrsinn sehr menschlich dargestellt, und gerade das macht die Handlung so glaubwürdig und erlebbar. Die Entwicklung der restlichen Hausbewohner, die von verstecktem Ärger zu offenem Hass wechseln, ist der interessante Knackpunkt der Geschichte und stellt jeden Hörer vor die Frage, wie er selbst handeln würde. Die bildhafte und sehr schlichte Sprache transportiert dabei ganze Gefühlswelten und geht sehr genau auf das soziale Umfeld und die Charakterstrukturen der einzelnen Rollen ein. Ein wahres Ausnahmebuch, das gerade wegen seiner Außergewöhnlichkeit punkten kann.

Sprecher Sebastian Kowski bleibt überraschend neutral und stellt sich keineswegs auf die Seite des alten Maestrijs, sondern schildert teilweise fast schon nüchtern die Ereignisse ' die so noch mehr für sich sprechen. So gibt er dem Hörer die Möglichkeit, selbst zu urteilen und zwingt sie geradezu, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Seine etwas knarzige Stimme ist dabei sehr lebendig und einprägsam, stellt die Ereignisse eindringlich dar und greift auch die Zunahme der Brisanz auf.

Selbstverständlich ist das Cover der Buchvorlage übernommen, der orangefarbene Hintergrund, der zur Mitte hin immer heller wird, lässt dem abstrakten Motiv Raum zum Wirken. Zu sehen ist der Schriftzug von Autor und Titel, einzelne Buchstaben bilden dabei einen Turm. Ebenso schlicht ist die restliche Aufmachung, ein einzelnes Foto lockert das Orange auf und findet seinen Platz hinter einer der CDs. Als Bonustrack ist auf der letzten CD ein interessantes Interview mit Übersetzer Ilja Trojanow zu hören.

Fazit: Ein intensiver und ebenso gesellschaftskritischer wie unterhaltsamer Roman, außergewöhnlich vorgetragen und ein rundum gelungenes Werk.
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Letzter Mann im Turm: Roman
Letzter Mann im Turm: Roman von Aravind Adiga (Gebundene Ausgabe - 26. August 2011)
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