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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Radkau nennt die Umweltbewegung trotz mancher skurriler Entwicklungen die neue, wahre Aufklärung unseres Zeitalters
Joachim Radkau, seit 1981 Professor für Neue Geschichte an der Universität Konstanz, hat sich in der Vergangenheit schon mit etlichen Titeln zur Atomenergie und ihrer Verwicklung mit der Politik und Wirtschaft unseres Landes und anderer Themen der Technikgeschichte einen Namen gemacht.

Neben seinem frühen großen Werk über den "Aufstieg...
Veröffentlicht am 28. Februar 2011 von Winfried Stanzick

versus
6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Titel irreführend
Der Verlag verspricht eine Übersicht über die Ökologie und ihre Geschichte, das ist aber nicht die Absicht des Autors: er gibt eine Weltgeschichte der ökologischen Gruppierungen und ihrer Personen unter Einschluß aller Chaoten.
Am Anfang hat man den Eindruck daß der Autor unter der Ära der Ökologie so etwa die Jahre um 1972...
Veröffentlicht am 26. Juni 2011 von hanz


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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Radkau nennt die Umweltbewegung trotz mancher skurriler Entwicklungen die neue, wahre Aufklärung unseres Zeitalters, 28. Februar 2011
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Joachim Radkau, seit 1981 Professor für Neue Geschichte an der Universität Konstanz, hat sich in der Vergangenheit schon mit etlichen Titeln zur Atomenergie und ihrer Verwicklung mit der Politik und Wirtschaft unseres Landes und anderer Themen der Technikgeschichte einen Namen gemacht.

Neben seinem frühen großen Werk über den "Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft", das mir als jungem Atomkraftgegner, der in Biblis seinen ersten Pfarrdienst antreten sollte, die Augen öffnete, hat mich vor einigen Jahren sein Buch über "Holz. Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt" als Enkel eines Zimmermannes und Schreinermeisters, dessen Kindheit sozusagen im Holz stattfand, sehr beeindruckt, das in der empfehlenswerten Reihe "Stoffgeschichten" im Oekom-Verlag erschien.

Nach seinem großen Werk "Natur und Macht. Weltgeschichte der Umwelt", das schon 2000 bei C.H. Beck erschienen ist, legt er nun eine weitere Weltgeschichte vor. "Die Ära der Ökologie" heißt das Buch und beschreibt auf fast 800 Seiten die Geschichte der Umweltbewegung. Er widmet den Vorläufern der Bewegung im 18. und 19. Jahrhundert zwar einige Aufmerksamkeit, doch er setzt seinen Schwerpunkt auf die Entwicklung der letzten 40 Jahre, also einem Zeitraum, den die meisten der heutigen Leser ganz oder teilweise miterlebt haben.

Die Lektüre dieses anregenden und spannenden und immer wissenschaftlichen Ansprüchen verpflichteten Buches war für mich als 1954 geborener und seit seinem Studienbeginn 1973 , erst recht aber seit den ersten Atomprotesten Mitte der siebziger Jahre, sich zur Bürgerinitiativbewegung zählenden, später bei der Startbahn 18 West aktiven und dann seit 1982 als Einwohner von Biblis gegen das dortige AKZ engagierten Zeitgenossen wie eine Zeitreise durch wesentliche Teile meines eigenen Lebens als zoon politicon.

Radkau nennt die Umweltbewegung trotz mancher skurriler Entwicklungen die neue, wahre Aufklärung unseres Zeitalters. Insofern macht das Buch, obwohl es deutlich vor den Gefahren der Engführung auf einzelne Themen wie etwa der Klimapolitik warnt, Hoffnung. Hoffnung, angesichts der unglaublichen und dramatischen Paradigmenwechsel , die innerhalb eines historisch gesehen sehr kurzen Zeitraums vollzogen wurden, die aber auch in ihrer Geschwindigkeit dem bestehenden Problem, dem sie begegnen, absolut angemessen sind.

Ein Standardwerk, von dem man in Jahrzehnten noch sprechen und lesen wird.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre für alle "Umweltbewegten", 31. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Die letzten 3 Sätze auf Seite 621 f. lauten (Zitat):
"Aus der Geschichte erkennt man, dass es den historischen Augenblick gibt, wo das Trägheitsmoment bestehender Strukturen durchbrochen wird und manches möglich wird, was bis dahin als unmöglich galt. Das beste "Nutzen der Historie für das Leben" besteht vielleicht darin, den Blick für derartige historische Augenblicke in der eigenen Gegenwart zu schärfen. Wer weiß, vielleicht erleben wir einen solchen Augenblick schon bald." (Zitatende)
Das Buch erschien wenige Wochen vor Fukushima...
Ich kann es allen ans Herz legen, die in Natur- und Umweltschutz engagiert sind. Sie werden vieles aus ihrem Leben wiedererkennen und besser einordnen können. Jedoch führen die Erkenntnisse nicht zu einem resignierten "alles schon dagewesen, es hat sowieso keinen Sinn", sondern sie motivieren zu weiterhin engagiertem Handeln und helfen, die Machenschaften der "Gegenseite" besser zu durchschauen.
Auch Menschen, die aufgrund eines schlechten Geschichtsunterrichtes dieses Fach noch nie leiden konnten, werden von dem Buch begeistert sein.
Nach "Natur und Macht" das vielleicht wichtigste Werk des Autors, der es versteht, auch Laien zu fesseln und komplizierte (vernetzte) Sachverhalte verständlich und stringent wiederzugeben. Sein Postskriptum "Ökologische Kommunikation konkret" zeigt, dass er keineswegs nur im "Elfenbeinturm" der Universität zuhause ist. Dass er auch persönliche Erlebnisse und Beweggründe offenbart, macht ihn umso glaubwürdiger.
Ich weiß, über 600 Seiten + 150 Seiten Anhang ist kein Pappenstiel, aber es lohnt sich allemal.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auch die Umweltbewegung hat ihre Geschichte, 26. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Die Ära der Ökologie ist eine Phase der Hellsicht - nur vorübergehend, abgelöst mal vom Kampf um die immer knapperen natürlichen Ressoucen?

Bereits 1895 stellt Arrhenius erstmals die Hypothese über den durch Kohlendioxid in der Atmosphäre hervorgerufenen Treibhauseffekt vor. Tierschutz, Heimatschutz, Waldschutz, Vogelschutz u.a..m. waren regionale Umweltbewegungen, die globale war neu.
In der Notzeit nach dem Kriege gab es kaum Raum für ökologisches Denken, erst wachsender Massenwohlstand war Ausgang neuen Umweltbewusstseins. In den 50er Jahren entstanden Initiativen zu Wal- und Elefantenschutz, es kam zur Gründung des World Wildlife Fund (WWF), der Anti-Atomkraftbewegung, mit Rachel Carsons "Silent Spring" die Ächtung des DDT, es war die Zeit des Contergan-Skandals.
1970 ist dann das Datum für die ökologische Revolution. Stand an ihrem Anfang die Angst vor Krebs? Oder der biologische Krieg der USA in Vietnam? Die 68er? Sie lässt sich aus keiner bestimmten Kausalität heraus erklären.
In einem Überblick über Grundlagen verschiedener Ökologismen in verschiedenen Ländern und Kontinenten diskutiert Joachim Radkau Unterschiede und Vernetzungen. Beim Wasser geht es um Be- und Entwässerung, um Megastauwerke wie in Indien und China. Er vergleicht die deutsche Atomkraftbewegung mit der der USA, Frankreichs und Japans.
Mit dem "Sauren Regen", dem Leitmotiv "Waldsterben" wurde nicht mehr die Kernkraft, sondern die Kohle Hauptgegner der Umweltschützer. Der Schwerpunkt Schwefeldioxid verschob sich dann aber zum Klimaschädling Kohlendioxid. Von der Gentechnik zum Asbest, von den Pestiziden in der Landwirtschaft zum Dioxin, von einzelnen Umweltinitiativen zur Umweltbewegung gibt es immer mehr Vernetzungen, dabei gewinnt die ökologisch nachhaltige Energieversorgung Priorität.

Heroinen wie die Deutschamerikanerin Petra Kelly, Dian Fossey mit ihrem Einsatz für die Berggorillas, Wangari Maathai mit Baumpflanzaktionen in Kenia, Dai Quing mit Aktionen gegen den Dreischluchtenstaudamm in China und andere Frauen mit ihren Geschichten werfen ein Licht auf charismatische Spannungen der Umweltbewegung.

Radkau beschreibt unterschiedliche Organisationsformen der Umweltbewegungen von Staatsnähe bis zu NGOs (Nichtregierungsorganisationen), von Deutschland, China bis zur USA, vom WWF bis zu Greenpeace. Der Verfasser beschreibt die Auseinandersetzungen um Wyhl, Gorleben und Wackersdorf mit deren unterschiedlichen Formen der Militanz, Kämpfen und Feindbildern - es gab aber auch dialogische Diskurse, etwa zum Schnellen Brüter in Kalkar.
Der BSE-Alarm (wer erinnert sich noch?) brachte neben dem Gewinn für die Bio-Bauern auch Klärungen: keine Tiermehlverfütterung mehr an Kühe.
Die Umweltbewegung ist meist friedlich, gewaltlos geblieben (wie bei Greenpeace schon im Namen angezeigt), das passt zu ihren Überzeugungen.

Zum Verhältnis von Ökologie zu Ökonomie (Gegensatz? Gleichklang? Kampf?) gehören Ökosteuern, Emissionshandel, Zertifizierung. Keine Allheilmittel, ohne Bürgerbewegung, engagierte Medien und umweltbewusste Staatsdiener chancenlos.
Die Erdöl- und Energiewirtschaft hat die größten Machtzusammenballungen der Wirtschaftsgeschichte entstehen lassen, soll das mit "desertec" so weiter gehen?

In den späten 1980er Jahren entstand eine grenzüberschreitende ökologische Kommunikation, auch durch den "Tschernobyl-Effekt", der zum Zerfall der Sowjetunion beitrug. Die Liberalisierung der Wirtschaft erweiterte die Kluft zwischen Arm und Reich, die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit war die Gretchenfrage an die Umweltbewegung. Auch in der DDR trugen Umweltbewegungen zur Erosion des Systems bei.
Ab 1987 gab es "Schulden-gegen-Natur"-Abkommen: Schulden von Drittweltländern wurden annulliert, wenn dafür Wildnis unter Schutz gestellt wurde. Anders als bei Grzimeks Serengeti-Kampagnen ging es nicht mehr um Fotojagden der Safari-Touristen, sondern um Klimaschutz: die Verbindung der Umwelt- mit der Menschheitspolitik war da.

Die Brundtlandkommission von 1987 prägte den Begriff "sustainable develepment", nachhaltige Entwicklung, Generationengerechtigkeit, eine "Versöhnungsformel". Dabei sollte Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch und ökonomisch, sondern auch sozial verstanden werden.

In einem Resümee der Klimawandelsdiskussion fasst Radkau zusammen, dass zum "global warming" keine Ernst zu nehmende Antithese bestehe: die Gegenposition sei Agnostizismus, Skepsis oder Ablenkung; Katastrophismus allerdings sei noch kein wirkungsvoller Aktivismus. Das Thema ist noch nicht abgeschlossen.
Vielleicht werden Natur- und Umweltschutz später einmal nicht mehr separate Bereiche sein, sondern Teile von Agrar-, Energie-, Verkehrs- und Baupolitik.
Die Umweltbewegung muss geschichtsbewusst werden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grüne Weltgeschichte, 8. Januar 2012
Von 
Michaela Hoevermann (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Joachim Radkau ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bielefeld. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Technik- und Umweltgeschichte, Medizin- und Mentalitätengeschichte sowie die Didaktik der Geschichte.

In "Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte" widmet er sich der Geschichte der Umweltbewegung.
Anfang der 1970er Jahre entwickelten sich erste Umwelt-Initiativen und das Thema rückte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Anders als bei den Studentenrevolten von 1968 fühlte sich Joachim Radkau davon sofort angesprochen: Umweltschutz, das hatte etwas mit der Gegenwart zu tun. Hier machten sich Menschen für etwas stark, das echt war, authentisch. Wahre Probleme der Gegenwart sollten angegangen werden.

Seitdem ist er dabei. Eine Koryphäe auf seinem Gebiet, informiert und direkt involviert in das Geschehen der rund vier Jahrzehnte. Es gibt bislang nur ein einziges Buch, das sich mit der weltweiten Geschichte der Umweltbewegung befasst: "Environmentalism - A Global History". Veröffentlicht wurde es im Jahr 2000. Es stammt aus der Feder des indischen Historikers Ramachandra Guha. Umfang: 150 Seiten. Allerdings werden darin Bezüge hergestellt, wo keine sind. Brüche werden ignoriert bzw. fälschlich als chronologische Entwicklungen dargestellt. Kurz gesagt: Die gesamte "Konstruktion ist ebenso gewagt wie willkürlich" (S. 12). Das Thema Umwelt kommt in der Literatur zwar häufig vor, allerdings wird es nicht historisch beleuchtet.

Hier hakt Radkau ein: Es gebe nicht eine "master-story" (S. 13), vielmehr sei eine Pluralität der unterschiedlichsten Geschichten zu finden. Er will lieber mehrere Geschichten erzählen, zeigen, welche Formen des Umweltengagements parallel existierten und existieren, was sich leitmotivisch herauskristallisiert und welche Spannungen sich als Folge ergeben. Umfang: 782 Seiten.

Damit ist von vornherein klar, dass "Die Ära der Ökologie" keine chronologisch aufgebaute wissenschaftliche Abhandlung sein kann. Vieles läuft gleichzeitig ab, überlagert oder überlappt sich. Also nimmt Radkau eine Einteilung in drei "Zeitfenster" vor, die er jeweils mit einer Zeittafel zu den bedeutendsten Ereignissen einleitet: "Die lange Jahrhundertwende von Naturschutz und Lebensreform" (1875-1914), "Die 'ökologischen Revolution' um 1970" (1965-1972) und "Die Umweltkonjunktur von Tschernobyl bis Rio, 1986-1992".

Schwerpunkt seiner Darstellungen und Auseinandersetzungen bilden vor allem die letzten 40 Jahre. Aber auch auf die Anfänge der Umweltbewegung, die im 18. und 19. Jahrhundert gemacht wurden, werden nicht ausgeklammert: So betrachtet er den "Naturkult" und die "Naturliebe" dieser Zeit, die sich auch stark in der deutschen Literatur niedergeschlagen hat, als Beginn der Umweltbewegung.

In seiner "Weltgeschichte" präsentiert Joachim Radkau eine Vielzahl von ökologisch interessierten, charismatischen Menschen und beleuchtet ihre (wechselnden) Motive, Ziele und Theorien. Egal, wie kontrovers diskutiert wird; egal, wie stark sich die Herangehensweisen unterscheiden; egal, wie wenig an einem Strang gezogen wird, es gibt doch Gemeinsamkeiten: die Naturliebe als Grund für das Engagement und das Credo der Gewaltlosigkeit, wenn es darum geht, die gesetzten Ziele zu verwirklichen.

Für ältere Leser, die sich an die 1970er Jahre erinnern können, ist das Buch wie eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit. Radkau streckt seine Hand aus und nimmt die Lesenden mit. Dabei schreibt er fesselnd und vor allem überaus anschaulich. Das Buch strotzt vor Daten, Fakten und Zitaten - dennoch liest es sich schwungvoll und faszinierend. Man spürt die Leidenschaft des Autors für sein Thema auf jeder Seite. Dabei liegt sein inhaltlicher Fokus nicht nur auf der deutschen Geschichte der Umweltschutzbewegung; er konzentriert sich ebenfalls auf die amerikanische Naturschutzbewegung, die eine Art Vorreiterrolle für Europa innehatte.

Besonders die Entwicklungsgeschichte der Umweltorganisationen von elitären Kreisen bis zur Massenbewegung ist spannend zu verfolgen: Die IUPN (International Union for the Protection of Nature) war bei ihrer Gründung 1948 in Brüssel ein "Unikat ohne historischen Vorläufer" (S. 106). Ohne die Rückendeckung der UNESCO hätte sie vermutlich kaum bestehen können. Man wollte den Grundstock legen für "eine bessere Welt [...]: eine friedliche, soziale, kultivierte, auf Erhaltung ihrer Naturbasis bedachte Welt" (ebd.). Das zu bewerkstelligen, wurde als Aufgabe der Wissenschaft betrachtet. Man ging nicht davon aus, dass die breite Masse sich um das Ökosystem sorgte.

Das Budget der IUCN lag Mitte der 1950er bei gerade rund 33000 Dollar. Damit fehlten die finanziellen Mittel, um wirklich etwas zu bewegen und zu verändern. Das änderte sich, als aus IUCN-Kreisen der World Wildlife Fund (WWF) hervorging: "Auch der WWF präsentierte sich mit seinem Gründungspräsidenten Prinz Philip selbstbewusst als eine Stiftung der besten Gesellschaft und zeigte keinerlei Ehrgeiz, sich grassroots movement darzustellen; aber während die IUCN [...] am Hungertuch nagte, gab es hier endlich Geld, Geld, Geld!" (S. 116). Erst damit ging die Möglichkeit tatsächlicher Einflussnahme einher.

Die Entstehung anderer Umweltorganisationen wird ebenfalls eingehend dargestellt. Dazu zählen etwa "Friends of the Earth" - ein 1971 gegründeter internationaler Zusammenschluss von Umweltschutzorganisationen - oder auch die im gleichen Jahr ins Leben gerufene Organisation "Greenpeace", die seitdem international, überparteilich und unabhängig von Politik, Industrie und Wirtschaft für den Schutz der Natur und der Lebensgrundlagen eintritt.

Radkau lenkt den Blick zudem auf wesentliche Führungspersonen in der Umweltbewegung. Dazu zählen u.a. Julian Huxley (1887-1975), der erste Generaldirektor der UNESCO und Bruder des Autors Aldous Huxley, dem wir die Dystopie "Schöne neue Welt" (1931) verdanken; die amerikanische Zoologin und Biologin Rachel Carson (1907-1964), David Brower (1912-2000), der den Slogan "global denken, lokal handeln" geprägt hat; oder die chinesische Journalistin und Umweltaktivistin Dai Quing (* 1941).

So spannend kann Geschichte sein! Es ein wunderbares Buch, das man nicht mehr missen möchte. Es ist eine Faktensammlung unter dem Blick eines Insiders, der über die Begeisterung für sein Sujet mitreißt. Immer wieder liefert er Hintergrundinformationen, kommentiert und schafft so eine Verbindung zwischen einzelnen Punkten. Es gelingt ihm, die "grüne Weltgeschichte" verständlich nachzuzeichnen und einem großen Publikum nahe zu bringen. Ein beeindruckendes Buch!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geschichte einer Bewegung, 10. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
"Das ist meine Bewegung!". So erlebte es Joachim Radkau, von Hause aus Historiker, als 1970 Initiativen und Bewegungen sich gründeten, die sich dem Schutz der Umwelt verschrieben. Diese wirkten von Beginn an authentisch auf den Autor und wurde Teil auch seines persönlichen Engagements. Nun legt er mit dem Buch laut Klappentext die "erste Weltgeschichte der grünen Bewegung" vor.

Aufgrund der eigenen, persönlichen Nähe zur "grünen Bewegung" könnten natürlich Tendenzen der Überhöhung und unkritischen Darstellung als Gefahr im Raume stehen. Zum Glück meidet Radkau beides und nimmt durchaus in seiner Darstellung eine wissenschaftlich-distanzierte Haltung bis hin zu kritischen Nachfragen dort ein, wo es nötig ist. Mit dieser durchaus kompetenten Grundhaltung beschreibt er sodann als Historiker die Entwicklung der Umweltbewegung, die mittlerweile nach gut 40 Jahren selbst Teil der neueren Geschichte geworden ist. Allerdings eine Geschichte, die durchaus noch weiteres und wesentliches Potential nach vorne hin aufzuweisen hat. In den Worten Radkaus ist die Umweltbewegung aufgrund ihrer fließenden Strukturen "die neue, wahre Aufklärung unseres Zeitalters".

Dies scheint auch nach der Lektüre des Buches ein stückweit zu hoch gegriffen im Pathos zu sein, denn trotz aller Buntheit und trotz aller Veränderungen im Bewusstsein, die die Umweltbewegungen weltweit bisher bereits initiiert haben, fehlt doch ein ganzes Stück zu solch einem umwälzenden und nachhaltigem Bewusstseinswandel, wie ihn die Aufklärung zumindest in die europäische Geschichte gesetzt hat. Obwohl durchaus Indizien für eine in Zukunft verändernde Kraft vorliegen, vor allem die eigentliche "Unmöglichkeit" der Umweltbewegung, die Radkau argumentativ sauber nachweist. Dieses pure Beharrungsvermögen als solches ist sicherlich eine der Kräfte, die auch andere, umwälzende Bewegungen und Ideengebäude in der Geschichte miteinander verbindet.

Die bunte Vielfalt und die durchaus seriösen Adaptionen der Bewegung stellt Radkau umfassend, verständlich und thematisch geordnet dar. Das Buch ist keine Anekdotensammlung persönlicher Geschichten und Erlebnisse, sondern beleuchtet wissenschaftlich die historischer Entwicklungen der Umweltbewegung bis in die jüngste Gegenwart hinein. So leitet er zunächst den ausgemachten Bewusstseinswandel durchaus geschichtlich, im Kern vom Beginn des 20. Jahrhunderts an, her. Sei es der Bodenschutz im Rahmen des New Deal in den USA oder in der Rezeption durch Alwin Seifert in Deutschland. Ansätze, die durch den Krieg zunächst verloren gingen, auf die aber durchaus später aufzubauen war. Dreh, Kern und Angelpunkt der Entwicklung allerdings ist und bleibt die "Ökologische Revolution" der Jahre 1965 bis 1972. Anhand dieses Kapitels ist auch die fundierte Arbeitsweise Radkaus zu erkennen.

Ein übersichtliches Zeitfenster enthält zunächst alle wesentlichen historischen Punkte, an denen sich die nachfolgenden Erläuterungen, eher thematisch verbunden, nicht unbedingt chronologisch vorgehend, entlang arbeiten.
Im Velrauf der UNtersuchung werden in denw eiteren Kapiteln dann sowohl äußere "Wendeereignisse" wie Tschernobyl oder das "Waldsterben" behandelt, als auch eher "innere" Strömungen der Umweltbewegung im Rahmen von Selbstfindungstendenzen. Persönlichkeiten werden charakterisiert, die mit der Geschichte der Bewegung verbunden sind, als auch Institutionen wie "Greanpeace" und anderen.

Was Radkau im Lauf seiner Betrachtungen besonders hervorragend gelingt ist die Darstellung und nähere Beleuchtung der innewohnenden Dynamik über die 40 Jahre aktiver Bewegung hinweg.
Jene Dynamik vor allem auf lokaler Ebene ist es auch, der Radkau jene "bewusstseinsverändernde" Kraft zuschreibt, aufgrund derer nach seinen Ergebnissen die ökologische Bewegung als "neue Aufklärung§ gelten kann.
Die fast 140 Seiten Anahang zeigen auf, wie breit seine Recherchen gesetzt waren und bietet vielfache Verweise auf eine vertiefende Erarbeitung einzelner Themen und Sachbereiche. So gelingt ihm auf jeden Fall eines seiner Hauptanliegen, die Nutzung der Historie zur Schärfung des Blickes für historische Augenblicke in der Gegenwart.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Titel irreführend, 26. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Der Verlag verspricht eine Übersicht über die Ökologie und ihre Geschichte, das ist aber nicht die Absicht des Autors: er gibt eine Weltgeschichte der ökologischen Gruppierungen und ihrer Personen unter Einschluß aller Chaoten.
Am Anfang hat man den Eindruck daß der Autor unter der Ära der Ökologie so etwa die Jahre um 1972 versteht und alles Andere nur Nebensache ist und eh Max Webers Theorien voll entspricht, außerdem ist er definitiv nicht an objektiven Fortschritten der Ökologie in den letzten 40 Jahren interessiert (die man ja wirklich eindrucksvoll dokumentieren könnte, genauso wie deren Fehlschläge wie die immer noch brennenden Regenwälder), sondern mehr an den handelnden Personen (die einzigen Abbildungen betreffen solche)und ihren Motiven. Zudem hat er eine Schreibweise etwa wie Scholl-Latour, nur noch viel schlimmer: ein Gedankengang löst den nächsten aus und bereits nach 1 Seite paßt nichts mehr zu der anfänglich gewählten Überschrift so daß ein nachträgliches Nachschlagen der wirklich oft prägnanten und tiefgründigen Erkenntnisse in den wirren Kontexten nie gelingt.
Auch tauchen viele Darstellungen dadurch mehrfach auf. Das Literaturverzeichnis ist auf dem Stand einer Doktorarbeit, aber es fehlt ganz extrem ein Stichwortregister vor allem für die extrem vielen Abkürzungen (schlimmer als bei der Bundeswehr).
Dagegen steht eine sehr persönliche (hat er das wirklich alles selbst erlebt und die Personen selbst gekannt?)und detailreiche Darstellung der Hauptakteure und Handlungen mit vielen extrem interessanten Details - die aber auf diese weise alle "in Nebenabschnitten versteckt sind".
Meine erste Reaktion war Ärger über den Fehlkauf (hatte eine schlüssige naturwissenschaftlich geprägte Darstellung z.B. im Sinne eines Reichholf erwartet oder in der Art der Weltgeschichte des 19.JHD von Osterhammel), inzwischen beginne ich aber trotz des eigentlich unzumutbaren Schreibstils genauso wie bei Scholl-Latour sein Expertenwissen zu schätzen, daß zum Beispiel bereits in USA in den 60er Jahren für die Leichtwasserreaktoren des in Deutschland und Japan gebauten Typs der mögliche Ausfall der Notkühlsysteme bei Störungen als systemtypisch bekannt war - das Fukushima-Problem!!! Und deshalb in USA dieser Typ nie in die Nähe grösserer Menschenansammlungen gebaut wurde.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen extrem empfehlenswert, 18. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Das Buch war nicht nur sehr umfassend und informativ, es war auch zu keiner Zeit langweilig. Der Autor schafft es weit über die Ökologie hinaus die geschichtlichen Hintergründe der Entwicklung des Naturschutzes zu offenbaren.
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Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte
Die Ära der Ökologie: Eine Weltgeschichte von Joachim Radkau (Gebundene Ausgabe - 18. Februar 2011)
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