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Kundenrezensionen

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"Forschung zur Sprachverwandtschaft wird erst dann sinnvoll, wenn es gelingt, Ähnlichkeiten nicht nur im Wortschatz, sondern auch im Lautsystem, im grammatischen Bau und in der Syntax aufzuspüren und zu belegen."
(Harald Haarmann)

Zu Beginn seines brandneuen Werkes gibt der international renommierte Sprach- und Kulturwissenschaftler zunächst einen Überblick über Forschung und Mythos der indoeuropäischen Sprachfamilie. Thomas Young war der erste, der bereits im Jahre 1813 den Begriff "Indo-European" verwendete, während die Bezeichnung "indogermanisch" dem Zeitgeist der Romantik entsprang und erstmals 1823 von Friedrich von Schlegel gebraucht wurde. Beide Termini weisen auf die Peripherie des Verbreitungsgebietes, die östliche (indo-) und westliche (europäisch, vzw. germanisch). Bei einer exakten Anwendung des geographischen Kriteriums müsste die Sprachfamilie jedoch das Attribut "indokeltisch" oder "indoromanisch" erhalten, denn im äußersten Nordwesten sind keltische, im weitesten Südwesten romanische Sprachen gebräuchlich....

....die alle von einer "Urmutter" dieser Sprachen abstammen. Sanskrit, mit seiner uralten schriftsprachlichen Tradition schien hierfür eine gute Kandidatin zu sein. Nach ihrer Selbstbenennung "Arya" galten die Träger dieser Kultur und Urahnen der Europäer als "Arier". Der Autor weist daraufhin, dass dieser Begriff in der schriftlichen Überlieferung ursprünglich an sprachlich-kulturelle Verhaltensweisen gebunden war und nicht - wie in der NS-Ideologie - ethnisch-anthropologisch verstanden werden darf. Auch die von Rassenfanatikern zum "arischen" Symbol hochstilisierte Swastika ist nicht von den Indoeueuropäern "ersonnen" worden, sondern gehörte schon lange Zeit davor zum Symbolschatz der altdrawidischen Indus- und anderen präindoeuropäischen Zivilisationen.

Im ersten Kapitel werden die Theorien zur Urheimat der Indoeuropäer vorgestellt. Die Befunde sprechen hierbei eher für die südrussische Steppe (Karte auf Seite 21), als für Anatolien. Die Lebenswelt der frühen Indoeuropäer ist Gegenstand von Kapitel 2. Hiebei spielen das Pferd und neue Technologien wie Wagenbau und Metallhandwerk eine wichtige Rolle. Mit der allmählichen Migration aus ihrer Urheimat gerieten die indoeuropäischen Steppennomaden in Kontakt mit Zivilisationen, die Ackerbau betrieben. Im Laufe der Akkulturation kam es zu einem Sprachwandel, der dazu führte, dass nur wenige Kernbegriffe des Pflanzenanbaus gemein-indoeuropäisch Wurzeln haben. Demgegenüber erlangte der Wortschatz des Viehnomadismus eine weite Verbreitung. Kapitel drei befasst sich mit der Ursprache und ihrer Verzweigung. Veranschautlicht wird dies durch eine Synopse "Entwicklung des Konsonatismus vom Indeoeuropäischen zum Germanischen und weiter zum Neuhochdeutschen", eine vergleichen Worttabelle und einem Zeitverlauf zur "Ausgliederung regionaler Kulturkomplexe und Sprachzweige". Eine wichtige Trennung erfolgte nach dem lateinischen, bzw. altiranischen Wort für "hundert", wonach die "Centumsprachen" von den "Satemsprachen" unterschieden werden.

Während im vierten Kapitel die ab 4000 v. Chr. einsetzende indoeuropäische Migration nach Westen exponiert wird, ist die später, ab 2500 v. Chr. beginnende Ostmigration Gegenstand des fünften Kapitels. Aus der Symbiose mit den Kulturen und Sprachen Alteuropas, bildeten sich neue Regionalkulturen und Sprachen heraus, deren älteste Vertreter das Altgriechische, Mazedonische und Italische sind. Diese Völker werden neben den Kelten, Germanen, Slawen, Balten, Thrakern, Illyrern, Messapiern, Veneter und Albanern vorgestellt. Die "Neuinder" oder "Indo-Arier" setzen sich über den Nahen und Mittleren Osten bis hin nach Indien ab, wo sie mit den Ureinwohnern eine, zum Teil bis heute andauernde "arisch"-drawidische Mischkultur bildeten. Der Leser bekommt hier Einblicke in die "Indo-Iranischen Makrogruppierung", zu denen das antike Volk der Skythen und die Perser zählen. Daneben werden die iranischen und altindischen Sprachen, wie Vedisch und Sanskrit näher betrachtet. Das sechste Kapitel ist vor allem durch sprachliche und kulurelle Kuriositäten bestimmt. Das "Mysterium der Mumien von Ürümchi", die Tocharer im Tarimbecken und auch die heutigen Armenier zählen zu den "indoeuropäischen Außenlieger", die sich ab ca, 2000 v. Chr. räumlich und sprachlich isolierten. Neben den Hethitern und Phrygern sind im antiken Anatolien auch die wohl weniger bekannten Luwier ausgestorben.

Das letzte Kapitel bietet einen Überblick über die Verbreitung der heutigen indeuropäischen Weltsprachen, d. h. solchen mit mehr als 100 Millionen Sprechern: Englisch, Spanisch, Russisch, Portugiesisch, Französisch und Deutsch. Zum Anhang gehören ein Literaturverzeichnis, in dem auch der Autor selbst mit seinen über 40 Werken überdurchschnittlich vertreten ist, ein Register, sowie eine hervorragende Übersicht über die "Ausgliederung der indoeuropäischen Sprachen". Neben weiteren Tabellen, Karten und schwarzweissen Abbildungen ist besonders die Karte "Verbreitung der indoeuropäischen Sprachen" zu Beginn des Bandes zu nennen.

"Die Indoeuropäer. Herkunft, Sprachen, Kulturen" ist eine empfehlenswerte Ergänzung zu den bereits früher erschienenen Werken "Kleines Lexikon der Sprachen: Von Albanisch bis Zulu" (2001), "Lexikon der untergegangenen Sprachen"(2002), Kleines Lexikon der Völker: Von Aborigines bis Zapoteken(2004), Lexikon der untergegangenen Völker: Von Akkader bis Zimbern"(2005), "Weltgeschichte der Sprachen: Von der Frühzeit des Menschen bis zur Gegenwart"(2006) und "Geschichte der Schrift" (2006).

Der multidisziplinäre Philologen Haarmann beweist einmal mehr, dass Sprache der Spiegel von Geschichte und Kultur ist. Dafür gibt es 5 Amazonsterne.
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Am Anfang fühlte ich mich ob der Fremdwortkaskaden doch ein wenig überfordert, zumal ich das Buch vorm Schlafen lese. Aber entweder man lernt dazu, dass es nicht mehr auffällt, oder der Schreibstil Haarmanns verbesserte/vereinfachte sich zunehmends.

Trotzdem sehr interessant, wie sich die Völker über die osteuropäische Welt verteilten und dabei ihre Sprachen mitnahmen, veränderten und wie und warum sie das taten. Ich wusste z.B. nicht, dass das Wort Fenster etruskischen Ursprungs (wie viele lateinische Wörter übrigens) hat. Man denkt ja, die Lateiner haben die Sprache quasi aus dem Nichts erfunden.

Oder, dass nomadische Völker straffer organisiert waren, als sesshafte. Weil man eben nicht lange diskutieren konnte, wenn schlechtes Wetter war und die Tiere nichts zu fressen fanden. Auch gab es vor 5000 Jahren bei den Sesshaften noch keine Alleinherrscher, sondern vieles wurde fast "demokratisch" entschieden.

Sehr interessantes Büchlein oder soll ich Heft sagen? Fibel?
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am 15. Januar 2015
Für mich als Laie ist das Buch nachvollziehbar geschrieben und hat mein Interesse an der Sprachverwandschaft der Völker voll befriedigt. Die Erklärungen über die Sprachentwicklungen und Migrationsbewegungen erscheinen mir plausibel und passen zu meinen bisherigen Vorstellungen einschließlich der Schwarzmeerflut.

Allerdings ist der Schreibstil ausgesprochen trocken und wissenschaftlich. Mit vielen für einen Laien wenig verständlichen Details, die für eine Untermauerung der Thesen aus fachlicher Sicht natürlich notwendig sind.
So mußte ich mich immer wieder zum Weiterlesen überwinden, um in den Genuß der auch für den Laien sehr interessanten Schlußfolgerungen zu gelangen.

Positiv zu erwähnen ist noch, daß keinerlei vorgefaßte Stoßrichtung mit irgendeinem Sendungsbewußtsein zu erkennen ist, so daß ich das Buch für neutral gegenüber allen beteiligten Völkerschaften halte.
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TOP 1000 REZENSENTam 16. Mai 2016
Um 4000 v Chr. wurde das Pferd domestiziert und das verhalf der Nomadenkultur in Südrussland zu einem Aufschwung der bis heute andauert. Ein Gruppe wanderte nach Mitteleuropa, nach Griechenland und Italien, eine zweite in die Türkei, eine dritte nach Persien und Indien
Heute gehören die Indogermanen zu den wichtigsten Völkern der Welt, ihre Sprachen werden auf allen Erdteilen gesprochen. Wo fing das alles an?
Dies zeigt uns der Indogermanist Harald Haarmann auf der Basis seiner linguistischen Forschungen, durch die man von den heutigen Sprachen auf eine Ursprache in Südrussland zurückrechnen kann.
Nomaden der südrussischen Steppe hatten Kraft genug, um 2ooo v Chr. die Indogermanische Völkerwanderung auszulösen und die Reiche der Mykener, Hethiter, Mitanni, Hyksos und der Indoarier zu errichten. Haarmann findet im indogermanische Wortschatz, was ihnen wichtig war: Als Volk von Kriegern waren sie den altorientalischen Kulturen militärisch überlegen. In einer 2. Einwanderungswelle errichteten Griechen, Römer, Kelten und Germanen ihre Reiche und ihre Nachfahren sind noch heute tonangebend.
Wenig bekannt ist, dass die Tocharer bis Ostturkestan gelangten, wo man blonde, blauäugige Mumien fand. In Indien bildeten die ehemaligen NOmaden die Oberschicht von Brahmanen und Kriegern, während die Drawiden als untere Kasten unterdrückt wurden.
Dr. Rüdiger Opelt, "Die Legionen des Varus"
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am 1. Mai 2013
Es hat echt Spaß gebracht, dieses Buch zu lesen. Es ist verständlich geschrieben und meiner Meinung nach sehr logisch und vollständig. Mögliche Erklärungsprobleme werden immer von mehreren Seiten beleuchtet. Die einseitigen Darstellungsweise, die Tanzmaus dem Buch zuweist, kann ich keinesfalls bestätigen.

In allen Bereichen der Altertumsforschung gibt es verschiedene Theorien, die sich mangels Zeitzeugen nie vollständig bestätigen lassen. Die Argumantationskette in dem Buch ist aber sehr überzeugend und in sich konsistent.
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Kurz, übersichtlch, handlich und leicht verständlich. Gute, wenn auch sparsame Bebilderung. Auch weniger bekannte Sprachen wie Lepontisch oder Illyrisch werden besprochen.
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am 14. Januar 2014
Auf dem ersten Blick erscheint das Buch ziemlich dünn, aber der Inhalt hat es in sich. Eine wir ich gute Zusammenfassung der Thematik. Zusammen mit dem Buch die Sprache der Göttin und die Zivilisation der Göttin von Marija Gimbutas erklärt der Autor die aktuelle Forschung zur Herkunft der Sprache der Indoeuropäer und deren Ausbreitung in Europa. Sehr gut und verständlich zu lesen.
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am 5. April 2016
wenn dies thema interessiert, wird man mit diesem buch viel freude haben. gut geschrieben, auch für die laien verständlich, ein guter "haarman" eben.
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am 17. Februar 2012
Jenseits der festgestellten Ähnlichkeiten in den sog. indoeuropäischen Sprachen, ist die "indoeuropäische Ursprache" ein sprachwissenschaftliches Konstrukt. Ob es also jemals "die Indoeuropäer" bzw. ein indoeuropäisches Urvolk gegeben hat, das von einer "Urheimat" ausgehend, den Kontinent bevölkerte, ist keinesfalls unumstritten. Insofern ist bereits der Buchtitel unseriös. Anders als vom Autor dargestellt, gibt es neben den verschiedenen Migrationshypothesen nämlich auch autochthone Erklärungsmodelle, die die Sprachverwandtschaften ohne wandernde Urvölker erklären. Aber die hat Haarmann glatt unterschlagen.

Archäologische Kulturen sind ebenfalls Konstrukte, die durch ihre materiellen Hinterlassenschaften definiert sind. Die Verbreitungen spezifischer Fundobjekte markieren z. B. Wirtschafts- und Verkehrsräume, Technikbereiche, bisweilen sogar "Heiratskreise" oder sind Ausdruck bestimmter Sitten und Praktiken. Entsprechend groß ist Bandbreite der Interpretationsmöglichkeiten. Eine "ethnische Interpretation" archäologischer Kulturen ist also nur eine Möglichkeit unter vielen. Ob die Träger einer archäologischen Kultur also die gleiche Sprache sprachen, steht auf einem anderen Blatt. Beispiele dafür, dass sich materielle Kultur und Sprache nicht zur Deckung bringen lassen, liefern sowohl die Völkerkunde als auch die Frühgeschichte zu Genüge. Es ist daher auch nicht gerechtfertigt, archäologische Kulturen vergangener Jahrtausende mit ethnischen Gruppen oder Sprachen zu verknüpfen. Aber auch hierüber liest man bei Haarmann nichts.

Von Forschungsgeschichte, Methodik oder gar methodischen Problemen unbeeindruckt, berücksichtigt Haarmann in seiner Darstellung ausschließlich Migrationsmodelle und reduziert die Diskussion um die Herkunft der "Indoeuropäer" auf zwei Regionen: die südrussische Steppe und Anatolien. Da er Anatolien ausschließen kann, bleibt natürlich nur die südrussische Steppe übrig. Die Vorstellung einer Steppeninvasion aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres geht jedoch nicht auf M. Gimbutas zurück, wie Haarmann schreibt, sondern wurde bereits in den 20er und 30er-Jahren diskutiert - und ist mittlerweile widerlegt. Aber auch das enthält Haarmann dem Leser vor.

Kopfschüttelnd entsorgt Rez. das Buch: Von einem Buch aus der Reihe "Wissen" wäre zu erwarten, dass es dem Leser eine fundierte Einführung in das Thema bietet. Dabei sollte der derzeitige Wissensstand klar umrissen, die verschiedenen Argumente, Thesen und Positionen dargestellt und zugleich auf Problemstellungen hingewiesen werden. Der vorliegende Titel bietet davon jedoch nichts, stattdessen flaniert der Autor nur munter plaudernd durch luftige und waghalsige Hypothesengebäude.

Rez. stellt sich die Frage, wie man beim Verlag C.H. Beck Themen und Autoren für die Reihe "Wissen" auswählt. Eine gründliche Recherche oder auch eine Beratung durch jeweilige Kenner der Materie ist dringend notwendig. Alternativ ist dem Verlag zu raten, neben der bestehenden Reihe "Wissen" doch eine Reihe "Halbwissen" oder "Unwissen" aufzulegen. In der vorliegenden Form wäre der besprochene Titel dort bestens aufgehoben.
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am 31. Mai 2012
Ich habe den Band in 2 Tagen durchgelesen. Er enthält alle wichtigen Informationen, die man sich zu diesem Thema wünscht. Als Einstieg in die Thematik gut zu gebrauchen!
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