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Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert
Format: TaschenbuchÄndern
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Marie-Janine Calics Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert ist eine umfassende und aktuelle Einführung in die Geschichte des zerfallenen Balkanstaates. Ihr Fokus liegt klar auf der politischen und wirtschaftlichen Geschichte, bezieht aber viele kulturelle und gesellschaftliche sowie die weltweiten Entwicklungen im 20. Jahrhundert kontinuierlich mit ein.
Der Autorin gelingt es dabei überzeugend, eine Geschichte mit möglichen Alternativen zu schreiben. An keiner Stelle glaubt sie an Automatismen. Es haben Menschen gehandelt, die auch hätten anders handeln können, das gilt sowohl für die Gründungsphasen als insbesondere auch für die Phase des Zerfalls und der Separationskriege in den 1990er Jahren.

Das Buch ist mit einer großen Kenntnis und einem guten Konzept geschrieben. Anschaulich werden die Problemlagen des Vielvölkerstaates beschrieben, der in Krisenphasen Acht geben musste, die vielen Interessenlagen einer ethnisch und kulturell heterogenen und sozioökonomisch disparaten Gesellschaft zu befriedigen. Insbesondere die Zeit unter Tito, der zwischen den Blöcken agieren musste und eine eigene Mischform zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft fand, ist sehr interessant geschrieben.
Stilistisch ist der Text gelungen, auch wenn häufig verzichtbare Redundanzen zu finden sind. Hin und wieder springt der Text zugunsten einer systematischen Beschreibung zwischen mehreren Daten hin und her, was an manchen Stellen etwas verwirrt beim erstmaligen Lesen. Außerdem sind die Abschnitte, die sich mit den Jahren der Auflösung zwischen 1985 und 1991 beschäftigen, etwas kurz geraten. Dem Verständnis dieser Jahre hätte eine etwas ausführlichere Darstellung, welche Kräfte zu welchem Zeitpunkt welche Strategie verfolgt haben, geholfen.

Das sind aber Kleinigkeiten. Die Einführung ist gelungen und bietet ein hervorragendes erstes Verständnis für die Geschichte Jugoslawiens. Für Studenten und historische Interessierte, die sich mit dem Balkan beschäftigen wollen, dürfte dieser Text eine Pflichtlektüre sein.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. August 2013
Ostdeutsche Fernsehzuschauer rieben sich im September 1991 höchst verwundert die Augen, als das Fernsehen von heftigen Angriffen der jugoslawischen Volksarmee auf die Barockstadt Vukovar berichtete und Paramilitärs in den folgenden Wochen rund um die Stadt in einer Art wüteten, wie sie Europa nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hatte.
Wie konnte das im von vielen DDR-Bürgern wegen seiner westlichen Prägung bewunderten Jugoslawien geschehen? Woher kamen die Gewalt und der Haß, die doch scheinbar 45 Jahre lang völlig verschwunden waren und überwunden schienen?
Eine umfassende und plausible Antwort auf diese Frage gibt das 2010 bei C.H. Beck in München erschienene Buch von Marie-Janine Calic, Professorin für Geschichte Ost- und Südeuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Calics Grundidee ist es, die Geschichte Jugoslawiens im Gesamtrahmen des 20. Jahrhunderts zu betrachten und letztlich den Bürgerkrieg der 90er Jahre als Fortsetzung der Kämpfe in Jugoslawien von 1941 bis 1945 zu interpretieren. Ihre Stärke ist es dabei, möglichst viele Faktoren und Perspektiven in ihre Untersuchung einzubeziehen, auch wenn das Buch dadurch teilweise zahlenlastig und trocken wirkt. Eine anekdotische Schreibweise ist Calics Sache nicht. Fotos fehlen gänzlich. Die Autorin hält sich an die Fakten. Im Vordergrund stehen bei ihr die sozioökonomischen Gegebenheiten, aber sie beleuchtet auch die Rolle etwa der Religion oder der Medien. Am Ende entsteht so ein facettenreiches Gesamtbild, welches deutlich macht, dass der Tito-Kommunismus eben nicht – wie selbst behauptet – in der Lage war, die gravierenden ökonomischen, sozialen, kulturellen und religiösen Widersprüche in und zwischen Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und dem Kosovo aufzuheben. Es gelang der Ideologie und ihrem Übervater nicht, eine gemeinsame jugoslawische Identität zu begründen. Statt dessen wurde mit Konsum auf Kredit ein Wirtschaftswachstum vorgegaukelt, geschichtliche Hypotheken wie die Greueltaten während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nur ungenügend aufgearbeitet bzw. generell verdrängt.
Höchst erfolgreich dagegen war der Tito-Kommunismus in der Verschleierung genau dieser Defizite und dem Vorspiegeln einer heilen Welt gegenüber dem Ausland. Wobei der Westen selbst ein großes Interesse daran hatte, genau dieses Bild zu sehen und keinen Kratzer am Image des vermeintlichen Ostblock-Dissidenten Jugoslawien zuzulassen. Im Ostblock andererseits fehlten schlichtweg die medialen Kanäle nach Jugoslawien hinein, um realistisch berichten zu können. Im Endeffekt gelangte so nichts an die Öffentlichkeit von den seit 1945 kontinuierlich weiter schwelenden Konflikten in Jugoslawien, wie sie sich beispielsweise im Bauernaufstand von Cazin 1950 oder in den Protesten gegen die Vernachlässigung Ljubljanas 1969 äußerten.
Calics nüchternes Fazit: „Die Erosion der politischen Institutionen, der Verlust des staatlichen Gewaltmonopols und der Fortfall internationaler Kontrollmechanismen erzeugten ein Vakuum, einen Raum der Ermöglichung, in dem die Akteure ihre Interessen rücksichtslos militärisch durchsetzen konnten. … Ökonomisierung und Medialisierung erweckten den Eindruck, es handele sich um eine prototypische Form »neuer Kriege«. Jedoch war nicht die Gestalt dieses bewaffneten Konflikts neuartig, sondern nur die Art, wie er von außen wahrgenommen und interpretiert wurde.“
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. September 2011
Die Völker, die sich nach dem Ende des ersten Weltkriegs, dem Untergang der Habsburger Monarchie zum ersten jugoslawischen Staat zusammenschlossen, waren ein buntes Gemisch. Es überwogen aber im Staat als Staatsvölker die drei Nationen Serben, Kroaten und Slowenen. Diese Nationen war nach Geschichte, Religion und wirtschaftlicher Entwicklung keineswegs einheitlich.

Der Überfall Deutschlands führte auch zu grausamen Bürgerkriegen der Jugoslawen untereinander, jeweils verstärkt durch Bündnisse etwa des Kroaten Ante Pavelic und der serbischen Tschetniks mit den nationalsozialistischen Besatzern. Vor allem gegen die Serben wurde ein weltanschaulich begründeter Vernichtungskampf ("slawische Untermenschen") geführt. Einzig die Kommunisten unter Tito boten für sehr viele Menschen eine Perspektive. Immer mehr schlossen sich dieser übernationalen Bewegung an. Ohne nennenswerte Hilfe der sowjetischen Roten Armee eroberte Titos 1945 Partisanen- und dann reguläre Armee die Macht. Ein verwüstetes, verarmtes Land hatte nunmehr eine (sozialistische) Perspektive.

Tito wahrte die Unabhängigkeit von der UdSSR, auch wenn er dafür wüsten Anfeindungen ausgesetzt war. Bald nach Stalins Tod beeilten sich seine Nachfolger unter Chruschtschow eine Verständigung mit ihm, der bis dato als Verräter beschimpft worden war, herbeizuführen. Jugoslawien war, vor allem wegen seiner führenden Rolle in der Bewegung der Nicht-Paktgebundenen, einfach zu wichtig. Tito verstand es sich von West und Ost umwerben zu lassen und daraus auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile (westliche Kredite, Zulassung jugoslawischer Arbeitskräfte auf dem westeuropäischen Arbeitsmarkt etc.) für sein Land zu ziehen.

Die innere Struktur des Landes war förderalistisch, eine Antwort auf die frühere Dominanz vor allem der Serben. Trotz der Versuche der Zentrale die starken Unterschiede im wirtschaftlichen Entwicklungsniveau (vor allem zwischen Norden und Süden) abzuschwächen, verstärkten sich diese im Laufe der 50er, 60 und 70er Jahre eher. Der Tod Titos im Jahre 1980 war der Anfang vom Ende Jugoslawiens. Die große Integrationsfigur lebte nicht mehr. Die Autorin weist die Bedeutung Titos überzeugend nach. Fast genau 10 Jahr nach Titos Tod begann die Serie von Kriegen, die zum Zerfall Jugoslawiens führte. Eine neue Stabilisierung ist vor allem im Süden (Kosovo) noch keineswegs erreicht.

Das Buch vereinigt drei Vorzüge: Es ist wissenschaftlich fundiert mit ordentlichen Fußnoten und reichen Literaturhinweisen. Die Darstellung ist flüssig und gut lesbar. Die Wertungen der Autorin sind begründet und fundiert. Bei der Darstellung der Opposition gegen den serbischen Parteichef Milosevic hat man den Eindruck einer gewissen Verzerrung, denn der Name Dobrica Cosic wird gar zu häufig genannt. Historiker tun sich am schwersten mit der Darstellung der allerjüngsten Vergangenheit oder gar der Gegenwart. Es fehlt einfach der Abstand, der für eine Objektivierung erforderlich ist. 6 Karten, zahlreiche statistische Tabellen sind im Anhang enthalten. In Summe ein sehr gutes, empfehlenswertes Buch.
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8 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Dezember 2012
Die Reihe "Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert" soll Differenzen und Ähnlichkeiten im Kontext der europäischen Entwicklung sichtbar machen. Dieser innereuropäische Vergleich ist zweifelsohne lohnend, setzt aber Kenntnisse über die Geschichte so ziemlich aller "anderen" Staaten voraus, über die kaum ein Autor verfügt. Dieses Unterfangen ist besonders kompliziert, wenn es sich - wie im vorliegenden Fall - gar nicht um eine Nationalgeschichte handelt, sondern um einen Vielvölkerstaat, der keiner sein wollte, und um eine Nationsbildung, die innerhalb des stokavischen Dialekts entlang konfessioneller Bruchlinien verläuft. "Alles, was religiös ist, ist gleichzeitig auch national." Jedoch wird dieses Thema nicht systematisch aufgegriffen.

Nationen eigne "keine transhistorische Existenz", man könne sie deshalb auch nicht einfach zurückprojizieren - so heißt es eingangs. Doch kaum ist diese Pflichtübung beendet, verfällt die Darstellung in schon fast wieder unterhaltsamer Weise in die soeben noch verdammten nationalen Stereotypen: Der jugoslawische "Patriotismus" wird sehr wohl in die Zeit vor 1918 zurückprojiziert. Selbst der einfachste serbische Bauer sei vom Glauben an die nationale Mission erfüllt gewesen. Der Erste Weltkrieg gerät zur Heldenlegende, übertroffen bloß noch von den hymnischen Passagen, die sich Titos Vorkriegs-KP widmen. 1918 brechen die Serben durch - hatten sie nicht auch ein paar Franzosen dabei? Quellenkritik gilt der Autorin offenbar als bürgerliches Vorurteil. So erfährt man über die Mlada Bosna, jene Organisation, aus der die Attentäter von Sarajevo hervorgingen: "Fast alle versuchten sich als Literaturkritiker oder Autoren, übersetzten Kierkegaard, Strindberg, Ibsen, Wilde oder Poe." Was ja nun wieder sehr für die Qualität der altösterreichischen Gymnasien spräche, die solche unerreicht schöngeistigen Terroristen züchteten.

Das zentrale Thema wird beschrieben und doch wiederum geleugnet. Die kroatische Bauernpartei von Stjepan Radic wird - neben den Kommunisten - zur fundamentalen Herausforderung für das neu entstandene Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen nach 1918 erklärt, um zwei Seiten später linientreu zu verneinen, dass es dieser historische Gegensatz zwischen Serben und Kroaten war, welcher den Staat lähmte. Was den Krieg aller gegen alle nach 1941 betrifft, wehrt sich die Autorin gegen die "populäre Legende", dass "sich Serben, Kroaten und Muslime schon immer hassten". Richtig: Hass ist nun einmal keine sehr vielversprechende Kategorie historischer Analyse. Der Historiker verfügt über kein Instrumentarium, um retrospektiv derlei emotionale Befindlichkeiten eines Massenpublikums abzufragen. "Ethnische Säuberungen funktionierten nicht von selbst, sondern auf Befehl." Die rhetorische Frage drängt sich auf, was der Reihenherausgeber Ulrich Herbert einem Autor antworten würde, der Hitlers Anordnungen in ähnlicher Weise externalisieren wollte? Divide et impera versuchten die Deutschen auch anderswo im besetzten Europa zu spielen; auch Rivalitäten zwischen den Widerstandsbewegungen gab es anderswo - aber eben nicht in dieser Intensität. Der nicht eingelöste europäische Vergleich rächt sich.

Auf interessante Einsichten stößt man dort, wo die Autorin auf eigene Forschungen zurückgreifen kann, bei der Sozialgeschichte Serbiens: der Zusammenhang von Übervölkerung und Großfamilie, die frühes Heiraten erlaubte; die höchste Bevölkerungsdichte Europas, gemessen an der produktiven Ackerfläche; die muslimische Stadtbevölkerung, die im 19. Jahrhundert mit den osmanischen Garnisonen abzog - und eine Lücke hinterließ, die für den lange Zeit eher dörflichen Charakter der Städte verantwortlich war; ja auch noch die Passagen der Zeitzeugin über Stimmungen, Moden und Schlager der vergangenen Jahrzehnte. Auch bei der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte stößt die Darstellung allerdings bald an ihre Grenzen. Dem Leser wird das Elend der Landbevölkerung meist mit dem Adjektiv "unbeschreiblich" präsentiert; wenn es dann doch an den Versuch einer Beschreibung geht, werden ihm dafür als Resultate der Weltwirtschaftskrise genau jene Symptome vorgeführt, die ihm bereits einige Seiten vorher bei der Beschreibung der zwanziger Jahre begegnet sind.

Altachtundsechziger mag vielleicht noch der Rückgriff auf Versatzstücke marxistisch-leninistischer Diktion versöhnen: Die KP-Erfolge 1920 - nach sechs Jahren kriegsbedingter Kommandowirtschaft - werden mit dem obligaten Hinweis auf "die periodischen Krisen der bürgerlich-kapitalistischen Wirtschaftsordnung" eingeleitet, auch wenn die hohen Prozentsätze der Kommunisten in Makedonien und Montenegro klar erkennen lassen, dass die KP in erster Linie als Surrogat verpönter nationaler oder regionaler Sonderbestrebungen reüssierte. Die Massaker aller Seiten 1941 bis 1945 werden mit einschlägigen blutrünstigen Zitaten illustriert; über die Tito-Partisanen erfährt man hingegen, dass sie in den slowenischen Wäldern 1943/44 sogar noch Zeit fanden, "das Kreditwesen zu ordnen". Da sollte sich der Weltwährungsfonds ein Beispiel nehmen!

Ohne jede Ironie - oder zumindest Anführungszeichen - ist vom "demokratischen Arbeiter- und Bauernstaat nach sowjetischem Vorbild" die Rede. Die Kommunisten propagierten Humanismus und Weltoffenheit; dabei, so liest man, genossen patriotische Tugenden, Kampfgeist und Heldentum hohe Priorität - ein Katalog, der Weltoffenheit vielleicht auch für andere Regimes leichter erschwinglich macht. Die Enteignung der Bauernschaft nach 1945 gerät zum bloßen Kommunikationsversagen. Denn "die Informationskampagne für die Kollektivierung mündete ins Desaster, weil die Parteikader auf dem Land mit der ausgeklügelten Argumentation ihrer Führung wenig anfangen konnten". Dass der Zusammenbruch des Sozialismus mit der postindustriellen Gesellschaft zu tun hat, ist nicht so falsch. Für Frau Calic ist damit jedoch gleich auch ein Sündenbock für den Zerfall Jugoslawiens gefunden, ausgelöst nicht zuletzt durch eine "neoliberale Gewaltkur" 1988/90. Der Nationalismus entspringt offenbar wieder nur Managementfehlern, denn er sei Produkt, nicht Ursache des Kollapses des Post-Tito-Reiches gewesen. Da verwundert es dann freilich nicht, dass bei Frau Calic auch der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und die Frankfurter Allgemeine Zeitung schlecht wegkommen.

Um bei den Marxschen Termini zu bleiben. "Falsches Bewusstsein" charakterisiert über weite Strecken den Duktus der Darstellung, die zwischen zeitgeistig überhöhten theoretischen Anforderungen und einer unreflektierten "Jugostalgie" changiert. Einer Autorin, die nicht in ihrer Muttersprache schreibt, wird man einiges nachsehen, Wendungen wie das "kollektive Zusammensitzen" oder das mysteriöse "geheime Plebiszit", das angeblich 1919 in Dalmatien stattfand. Ein umsichtiges Lektorat hätte so manche repetitive Passagen, überflüssige Fehler oder unklare Begrifflichkeiten (wie die allgegenwärtigen "Patrioten") vielleicht korrigieren können. Die im Vorwort angekündigte Leidenschaft der Autorin in allen Ehren - aber stellenweise raubt ihr naives Pathos sogar Feststellungen, die im Prinzip richtig sind, die Überzeugungskraft. LOTHAR HÖBELT [...]
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am 21. November 2011
Um die Kriege im ehemaligen Jugoslawien verstehen zu können muss man erst einmal verstehen, wie es zur Gründung eines gemeinsamens Staates der Südslawen kam. Frau Calic beschreibt hier auch sehr gut, wie bereits in den 60er Jahren die Teilstaaten begannen auseinanderzudriften. Als dann 1990 der Ostblock sich auflöste, gab es dann für die wohlhabenderen Teile kein Halten mehr.
Auch beschreibt Frau Calic, dass Serbien nicht verhindern wollte, dass Jugoslawien auseinanderbricht, sondern nur eine Lösung finden wollte für die Serben, die in mehreren Teilstaaten verstreut waren. Dies kann aber keine Entschuldigung sein für die Verbrechen während der Kriege.
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