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4.0 von 5 Sternen Geister des Lebens
Der Beginn des Buches klärt zunächst den äußeren den Rahmen, in dem die Geschichte sich bewegen wird und den Anlass, aus dem heraus alles, was passiert, geschehen wird.

Peter Leu bewohnt das elterliche Haus und besitzt zumindest drei Probleme. Zum einen werden seine finanziellen Mittel knapp, zum zweiten ist seine Ehe nur mehr ein Schatten...
Veröffentlicht am 26. November 2010 von M. Lehmann-Pape

versus
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kontrollierter Wahnsinn
Adolf Muschg baut seinen Roman "Sax" aus Elementen der verschiedensten Literaturrichtungen auf. Den Deckmantel bildet das Genre Roman, doch werden auch Krimi und historischer Roman bemüht, und manche Kapitel umweht ein Hauch von Science Fiction.
Hauptfiguren des Buches sind das Spukhaus "Zum Eisernen Zeit" in Münsterburg, Schweiz oder jene drei jungen...
Vor 24 Monaten von Susanne Pichler veröffentlicht


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kontrollierter Wahnsinn, 2. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Sax: Roman (Gebundene Ausgabe)
Adolf Muschg baut seinen Roman "Sax" aus Elementen der verschiedensten Literaturrichtungen auf. Den Deckmantel bildet das Genre Roman, doch werden auch Krimi und historischer Roman bemüht, und manche Kapitel umweht ein Hauch von Science Fiction.
Hauptfiguren des Buches sind das Spukhaus "Zum Eisernen Zeit" in Münsterburg, Schweiz oder jene drei jungen Anwälte, die 1970 als Trockenwohner dort einziehen und mehr oder weniger bis September 2013, dem Ende des Romans, dort wohnen bleiben.
Jacques Schinz, Hubert Achermann und Moritz Asser sind jene drei Anwälte, die den Dreh- und Angelpunkt der Handlung bilden. In den ersten Kapiteln kommt diese Rolle noch Peter Leu, dem Besitzer des Spukhauses zu, doch dient er den drei Freunden nur als Wegbereiter in einen Roman, der reich an handelnden Personen und überlappenden Handlungen ist. Die Anwälte sind 1970 naive Idealisten, die an ihre Überzeugungen glauben und davon ausgehen, dass sie die Welt verändern können. Nichtsdestotrotz sind sie beruflich so erfolgreich, dass sie zu einer festen Konstante in der internationalen Finanzwirtschaft werden und beträchtlichen Reichtum anhäufen, der auch diverse Krisen überdauert. Parallel zum beruflichen Aufstieg sind sie auf der Suche nach Glück und Liebe und scheitern dabei kolossal. Die Frauen, die über Jahrzehnte in ihrem Leben eine Rolle spielen, verfolgen eigene Ziele, haben ihre eigenen Geschichten und sind samt und sonders rätselhafte Wesen. Eltern, Nachbarn, Klienten und Freunde kommen und gehen, erfüllen ähnlich dem echten Leben den ihnen zugedachten Part der Geschichte und verschwinden wieder.

Nachhaltiger sind da schon die Auswirkungen der Geister, die das Spukhaus immer wieder heimsuchen. Beginnend mit dem Freiherrn von Sax und einer gestohlenen historischen Handschrift bis hin zu einem Forscher des 19. Jahrhunderts, werden die Bewohner des Spukhauses von jenen in den Wahnsinn und ins Unglück getrieben.
Betrug, Inzest, eine Geschlechtsumwandlung, fremdenfeindliche Schweizer Politik und erotische Phantasien kommen durch die reale Welt noch hinzu.
Schwierig sind die letzten rund 100 Seiten des Buches, denn dort greift der blanke Wahnsinn so richtig um sich. Die Welten der Lebenden und der Toten sind nicht mehr klar voneinander getrennt, die Zeitalter lösen sich auf und werden eines, Menschen verschwinden, Personen handeln gemeinsam, obwohl es keine Veranlassung dazu gibt und jedwede Handlung löst sich auf.
Das Ende eines Buches muss keineswegs zu hundert Prozent durchbuchstabiert werden, doch kann ich mit diesem Ende zu wenig anfangen, zu seltsam verhalten sich die darin agierenden Personen. Einige Szenen sind abartig und widerwärtig und haben mir dadurch ein durchaus einzigartiges Buch ziemlich vergällt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geister des Lebens, 26. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Sax: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Beginn des Buches klärt zunächst den äußeren den Rahmen, in dem die Geschichte sich bewegen wird und den Anlass, aus dem heraus alles, was passiert, geschehen wird.

Peter Leu bewohnt das elterliche Haus und besitzt zumindest drei Probleme. Zum einen werden seine finanziellen Mittel knapp, zum zweiten ist seine Ehe nur mehr ein Schatten ihrer selbst und zum dritten liegt beides am Haus. Spezieller an manchen Bewohnern des Hauses, die nicht fassbar, nicht körperlich im Raume stehen und dennoch die Nerven Schritt für Schritt zermürben. Gespenster gehen um. Sein Geschäftspartner Schinz hat da eine Idee. Ähnlich wie ein durchfeuchtetes Haus trocken geheizt werden muss, ähnlich bietet er dem verzweifelten Leu Trockenbewohner an. Drei junge Anwälte, deren einer der Sohn des Bankiers Schinz ist, die den oberen Stock für eine Weile bewohnen und von den Geistern ausnüchtern sollen.

Und so beginnt die Geschichte der Protagonisten und ihrer Verwicklungen in die Zeit, die Geschichte, die Liebe und das Leben. 1970 beginnt der Einzug, zeitmodern links bis kommunistisch sind die jungen Anwälte, die im Lauf der Jahre vieles erleben. Von der freien Liebe bis zur prallen Erotik und echter Sehnsucht, von dem Miteinander hin zu eigenen Wegen, von der Betrachtung der Frage des Unterschiedes zwischen einem gelebten und einem ungelebtem Leben (ohne klare Antwort). Allerdings eines gelingt den Bewohnern in der Zeitspanne von 1970 bis 2013 nicht, das trocken wohnen eben. Wie auch, wenn die Gespenster des Hauses im Sinne des Autors eine allegorische Aufgabe in sich tragen im Blick auf das Leben, wenn Wichtiges offen bleibt und ungelebt im Raume steht? Wenn die Suche nach Glück, die das eigentliche Thema des Buches darstellt, eine über den Tod hinausreichende sein mag?

Die Suche nach Glück, die auch die Nebenströme des Buches inhaltlich füllt. Die Lebensgeschichte des Titelgebers, des Freiherrn von Hohensax (der ebenfalls als Gespenst seinen Auftritt hat) wird ebenso erzählt, wie die eines ehemaligen Astronomen. Endgültig vermischen sich die Zeiten und Ebenen des Buches durch diese Nebengeschichten, die hier und da zu Hauptgeschichten werden. Denn die berühmteste Minnehandschrift des Mittelalters, der Codex Manasse, war im Besitz des Freiherrn und, da der Codex im Buch geöffnet wird, strömen auch die Figuren des Codex durch die Seiten des Buches.

Viele Ebenen bietet Muschg in seiner Geschichte, Ebenen, die, obwohl zeitgeschichtlich getrennt, dennoch durch die Leitfragen des Lebens miteinander verbunden sind. Was ist Leben? Wo ist Glück? Immer wieder legt Muschg den Finger auf die Wunde aller Zeiten, wie schnell das gehen kann, dass Chancen vorbeiziehen, ungenutzt bleiben, vertändelt werden. Interessant, denn alle Protagonisten des Buches haben im wirtschaftlichen Bereich wenig Sorgen. Im Gegenteil, Erfolge stellen sich bei den jungen Anwälten bald ein, ein Erbe tut ein übriges dazu, auch die Personen der Historie haben den Kampf um das tägliche Brot nicht nötig. So kann Muschg ungestört vom alltäglichen Lebenskampf den Fokus allein auf das richten, was ihn im Roman umtreibt, die Frage nach gelebtem oder eben versäumten, ungelebtem Leben.

Sprachlich ist das Buch über jeden Zweifel erhaben. Kraftvoll, bildhaft und dennoch dem Jargon der entsprechenden zeit je angemessen, nutzt der Autor sein feines Sprachempfinden und seine vielfältigen sprachlichen Möglichkeiten, um das Gemeinte jeweils prägnant und klar mit allen mitschwingenden Assoziationen und Emotionen auf den Weg zu bringen.
Dennoch verlangt das Buch hohe Konzentration ob der vielen Wege zwischen den Zeiten und zwischen den Welten. Dann aber öffnet sich eine Gedankenwelt, die mit dem Ende des Buches noch lange nicht abgeschlossen sein wird. Denn das Jenseits erwartet auch die Protagonisten des Romans, ohne eine Form der ewigen Ruhe in den Raum zu stellen. Über den Rand der Buchdeckel hinaus wird so der Leser mit hineingezogen in diese existentiellen Fragen auch des eigenen Lebens, die kaum zu beantworten sind und dennoch Tag für Tag nach Antwort rufen. Diese Beunruhigung des Lebens ist Muschg vortrefflich gelungen und allein schon dafür lohnt dieses, hochphilosophisch angelegte, Buch.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen imposantes Leseerlebnis, 1. September 2010
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sax: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch liest sich nicht einfach, bei Muschg hätte dies wohl auch niemand erwartet. Ich hab es zweimal gelesen und damit hat es sich mir mehr erschlossen, wegeworfenen Zeit war es keinesfalls.

Der Autor führt seinen Leser in ein Haus in dem es klopft, irgendwo im schweizerischen Münsterburg. Drei junge Anwälte ziehen in die Dachwohnung dieses "Spukhauses". Dann tritt auch noch der Freiherr von Sax mit seiner tödlichen Schädelwunde in Erscheinung.

Verwirrend und beeindruckend zugleich ist das Zusammenspiel der Romanhelden, aber auch die wechselnden Blicke in Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Auch wenn Muschg in das an sich wohl kleine verträumte schweizerische Münsterberg führt, ist dies eine weltumspannende visionäre Geschichte.

Wie gesagt, leicht zu lesen ist das Buch nicht, aber wenn man als Leser bereit ist sich dem erfahrenen Autor anzuvertrauen, sich gewissermaßen von ihm führen zu lassen, dann ist dieser Wälzer ein beeindruckendes Leseereignis.

Dieses Buch bleibt irgendwie rätselhaft. Es ist angetreten um der Wahrheit des Lebens näher zu kommen, gelöst hat Muschg die Rätsel des Lebens nicht, wie auch - das Leben bleibt rätselhaft.
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Sax: Roman
Sax: Roman von Adolf Muschg (Gebundene Ausgabe - 7. Dezember 2010)
EUR 22,95
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