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5.0 von 5 Sternen Metternich - neu gesehen, 27. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne (Taschenbuch)
Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne
Schmal. aber gewichtig ist diese Neubetrachtung Metternichs nach Jahrzehnten der preußen-orientierten Darstellungen der Geschichte des Deutschen Reichs im XiX. Jahrhundert oder der konservativ-deutschnationalen Bewertung durch den österreichischen Metternich-Biographen Srbik. Die Konzentration auf den pragmatischen, von einer föderativen Reichsidee beherrschten und konservativ-fortschrittlichen Metternich trägt in diesem Bändchen reiche Früchte für den, der versteht, sich aus alten Klischees zu befreien. Wir können es kaum erwarten, bis der Münchener Historiker Wolfram Siemann seine große Metternich-Biografie vorlegt.
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5.0 von 5 Sternen Faszinierender Auftakt zu einer Neubewertung Metternichs, 10. November 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne (Taschenbuch)
Die Geschichte kennt viele Persönlichkeiten, deren Ansehen sowohl bei den Zeitgenossen als auch bei der Nachwelt durch eine "Schwarze Legende" verdunkelt wurde. Zu diesen Persönlichkeiten gehört auch der österreichische Staatskanzler Klemens von Metternich (1773-1859). Wenige Figuren der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts hatten bis in die heutige Zeit einen derart schlechten Ruf wie er. Metternich, Mitgestalter der auf dem Wiener Kongress entworfenen neuen europäischen Ordnung, wurde schon zu seinen Lebzeiten als reaktionärer, rückwärtsgewandter Politiker gescholten, der sich der nationalen Einigung Deutschlands in den Weg gestellt und eine monarchische Ordnung konserviert habe, die auf lange Sicht nicht überlebensfähig gewesen sei. Zudem gilt Metternich als Unterdrücker des Geisteslebens. Sein Name steht stellvertretend für Spitzelwesen und Zensur, für die Knebelung aller Kräfte, die sich für Liberalismus, Parlamentarismus und einen deutschen Nationalstaat einsetzten.

Es gehört zum Schicksal "Schwarzer Legenden", dass sie früher oder später in Frage gestellt und widerlegt werden. Der Münchener Historiker Wolfram Siemann strebt nicht weniger als eine Rehabilitierung und Neubewertung Metternichs an. Das vorliegende schmale Büchlein ist eine Vorstudie zu einer umfassenden Biographie, die in einigen Jahren erscheinen soll. Eingangs geht Siemann auf das verzerrte und klischeebelastete Metternich-Bild ein, das sich im Grunde bis in unsere heutige Zeit halten konnte. Metternichs Festhalten am multinationalen Habsburgerreich und sein Eintreten für eine föderative Ordnung Deutschlands wurden von vielen Historikern als Irrweg und Sackgasse aufgefasst, weil der moderne Verfassungs- und Nationalstaat seit langem als Maß aller Dinge gilt. Politische Ordnungsvorstellungen, die - wie im Falle Metternichs - vom Nationalstaatsmodell abwichen, wurden als antiquiert und obsolet abqualifiziert. Siemann hingegen will Metternich aus seiner Zeit heraus verstehen. Er will Metternichs Denken und Handeln nicht verurteilen, sondern erklären. Welche Anschauungen und Überzeugungen lagen Metternichs Politik zugrunde, und von welchen Erfahrungen wurde er als Mensch und Politiker geprägt? Das ist die Leitfrage, von der Siemanns Darstellung ausgeht. Daneben möchte der Autor herausarbeiten, wie es um Metternichs konkrete Handlungs- und Gestaltungsspielräume als österreichischer Staatskanzler bestellt war. Gegner und Feinde, die von einem "System Metternich" sprachen, schrieben dem Kanzler eine nahezu dämonische Machtfülle zu, die, so ist Siemann überzeugt, unbedingt hinterfragt werden muss.

Ein so schmales Buch wie dieses kann nicht das Gleiche leisten wie eine umfassende Biographie. Siemann konzentriert sich auf Metternichs Karriere als Diplomat und Politiker. Sein Familien-, Privat- und Liebesleben bleibt ausgeklammert; seine mehr als dreißigjährige Tätigkeit an der Spitze der österreichischen Politik wird nicht systematisch untersucht. Den Schlüssel zum Verständnis Metternichs sieht Siemann in der Prägung durch das 1806 untergegangene Alte Reich und in der Idee des europäischen Gleichgewichts der Mächte, die der spätere Diplomat und Kanzler während seines Studiums verinnerlichte. Das altertümlich anmutende Reich verkörperte ein Ordnungsmodell, das aus Sicht Metternichs ganz Europa als Vorbild dienen konnte: Es zügelte das Machtstreben großer Staaten bzw. Mächte; es gewährte den Mittelstaaten Schutz und Sicherheit; es setzte auf friedliche Kooperation sowie auf eine lockere föderative Verknüpfung anstelle eines straffen Zentralismus oder einer alles beherrschenden Universalmonarchie. Napoleons Griff nach der Hegemonie in Europa erschien Metternich als frevelhafter Verstoß gegen eine bewährte und bewahrenswerte Ordnung, die egoistischer Großmachtpolitik einzelner Staaten einen Riegel vorschob und damit ein friedliches Miteinander der europäischen Völkerfamilie sicherte. Deshalb kam für Metternich nach dem Sieg über Napoleon nur die Rückkehr zu einer Staatenordnung in Frage, die auf dem Gleichgewicht der Mächte und der Zügelung einzelstaatlicher Ambitionen beruhte. Fünfundzwanzig Jahre Revolution und Krieg hatten Metternich gelehrt, dass Frieden und Stabilität wichtiger als alles andere waren.

Dieses Streben nach Frieden und Stabilität, so Siemann, waren die Fixpunkte, an denen Metternich ab 1815 seine Politik In Österreich, Deutschland und Europa ausrichtete. Er verschrieb sich dem Erhalt der multinationalen Habsburgermonarchie und einer föderativen Ordnung Deutschlands. Der Nationalismus und die Nationalstaatsidee blieben ihm fremd und suspekt. Die Bewahrung historisch gewachsener Vielfalt, sei es in Deutschland, sei es in den Ländern der Habsburgermonarchie, erschien ihm als ein höheres Gut als Vereinheitlichung und Gleichmacherei, Zentralisierung und Staatsbildung auf Grundlage nationaler Prinzipien. Hellsichtig erkannte Metternich das Konflikt- und Gewaltpotential, das dem Nationalismus innewohnte. Was das Spitzelwesen, die Zensur und die "Demagogenverfolgung" angeht, so warnt Siemann davor, das Ausmaß der von Metternich betriebenen Repressionen zu übertreiben. In der Außenpolitik setzte der Kanzler auf die Kooperation der in Pentarchie versammelten Großmächte und auf die Unterbindung revolutionärer Unruhen und Krisen, die destabilisierend auf Europa hätten wirken und schlimmstenfalls zu einem neuen Flächenbrand hätten führen können. Die Revolutionen von 1830 und 1848 ließen sich mit einer Politik des Containment und der Intervention freilich nicht verhindern.

Die Grenzen von Metternichs Staatskunst traten vor allem in Österreich selbst zu Tage. Nach dem Tode Kaiser Franz' I. 1835 kam es zu einer Lähmung an der Staatsspitze. Mehr als alle anderen Akteure war sich Metternich bewusst, dass Reformen dringend nötig waren. Der Staatskanzler besaß aber kaum noch Gestaltungsmöglichkeiten. Während der Regierung des geistesschwachen Kaisers Ferdinand verfolgten die vielen männlichen Mitglieder des Hauses Habsburg ungeniert eine auf dynastische Interessen verengte Politik, die zu Lasten des Gesamtstaates ging. Gegen diesen Block der reformunwilligen Erzherzöge vermochte der reformbereite Metternich kaum etwas auszurichten. Als im März 1848 in Wien die Revolution losbrach, opferte die Dynastie ihren langjährigen treuen Diener und machte ihn zum Sündenbock für Fehlentwicklungen und Mißstände, die keineswegs ihm allein anzulasten waren. Auch im Exil und im Ruhestand sprach sich Metternich weiterhin gegen die Anwendung des Nationalstaatsprinzips auf Deutschland und Österreich aus. Die von Bismarck vorangetriebene "kleindeutsche" Lösung der Deutschen Frage erlebte er nicht mehr.

Siemann nähert sich seinem Protagonisten mit Verständnis und Sympathie, aber keineswegs unreflektiert und unkritisch. Er zeichnet das Bild eines gebildeten, geistig regsamen und hochintelligenten Mannes, der zu intensiver Reflexion über sein politisches Handeln neigte und ein ausgeprägtes historisches Bewusstsein besaß. Metternichs Tragik bestand darin, dass er, ein mental vom 18. Jahrhundert geprägter Mann, im 19. Jahrhundert Politik betreiben musste, in einer Zeit, in der die alteuropäische Ordnung vom Nationalismus herausgefordert wurde. Nicht Borniertheit war es, die Metternich zur Ablehnung des Nationalstaatsprinzips veranlasste, sondern die Ahnung, dass der Nationalismus neue Bruchlinien und Konflikte hervorbringen und die europäische Völkerfamilie in neues Unglück stürzen werde. Auf Siemanns Metternich-Biographie darf man schon jetzt gespannt sein. Eine Neubewertung, die Metternichs politische Vorstellungen nicht mehr am Maßstab eines von der Geschichtswissenschaft verklärten und überhöhten Nationalstaatsmodells misst, ist überfällig und notwendig.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Informativ und aufklärend, 4. Januar 2011
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne (Taschenbuch)
Vielleicht gerade, weil dies kleine Buch der kurze Vorläufer einer grossen wissenschaftlichen Biographie ist, war es für mich perfekt. Ich wusste ausser oberflächlichem Schulwissen wenig über Metternich, sehe ihn nach der Lektüre weitgehend anders und bin fasziniert von dieser Darstellung einer wichtigen Zeit mit Wirkungen weit in die Zukunft hinein.

Ich bin überzeugt, dass jeder Leser mit geschichtlichem Interesse aus dem Buch neue interessante Erkenntnisse ziehen wird. Wegen der Kürze ist es sehr auf Fakten reduziert, aber die Fakten sprechen für sich. Gut lesbar geschrieben.
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4.0 von 5 Sternen gut, aberrrrrr - - -, 9. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne (Taschenbuch)
Siemann, Spezialist für die vermeintlich 'blassen' Dekaden des 19. Jahrhunderts, gibt eine Art Vorschau seiner zu erwartenden großen Metternich-Biografie.
Das Buch ist hochinformativ und man folgt fast immer gern der Darstellung dieses vermeintlichen 'Reaktionärs'. Nur wenn als Summe des Ganzen ein wohlwollender Humanist, der Krieg, Nationalismus, politische Suppression usw. verachtete bzw. als notwendiges Übel in Kauf nahm, stellt sich doch die Frage, ob Siemann dieser politischen Zentralfigur des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts nicht doch 'zuviel Gerechtigkeit' widerfahren läßt: Daß Metternich die Zeichen der Zeit (im Ggs. zu Bismarck) eben nicht begriff, kommt hier zu kurz - und damit eben auch die kritische Darstellung.
Dennoch, sehr lesenswert.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ok, 1. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne (Taschenbuch)
Meine Frau und ich sind sehr zufrieden. gehen sie sehr sorgsam und fürsorglich mit ihrem Personal um,damit sie Ihren Standart halten können.
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Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne
Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne von Wolfram Siemann (Taschenbuch - 29. August 2013)
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