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Kundenrezensionen

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Über Charles Darwin kann man derzeit viel in den Medien lesen und hören. Feierte der große Evolutionsbiologe doch am 12. Februar 2009 seinen 200. Geburtstag. Und auch die Veröffentlichung seines spektakulärsten Werkes "On the origin of species" (dt. "Die Entstehung der Arten") begeht in diesem Jahr einen runden, den 150. Jahrestag.

Dass sich gerade dieses Werk und eine spätere Veröffentlichung "The decent of man, and selection in relation to sex" (1871) auch als wissenschaftlicher Begleittext zu Bizets berühmter Oper "Carmen" lesen lässt, hätte man dann doch nicht vermutet. Doch die beiden Autoren des vorliegenden, äußerst unterhaltsamen, fundierten und interessanten Buches "Der Darwin Code. Die Evolution erklärt unser Leben" stellen nicht nur diese gewagte These auf, sie versuchen sie auch zu "beweisen".

Warum lieben wir Hamburger, Schokolade und Pommes? Warum sind Frauen schön? Woraus beziehen Menschen ihre Macht gegenüber den Tieren? Warum hat Kunst solch immense Bedeutung für die gesamte Menschheit? Dies sind nur einige Fragen, die sich der Professor für Geschichte der Biowissenschaften und Mitherausgeber von Darwins Briefwechsel in Cambridge Thomas Junker sowie die Molekular- und Evolutionsbiologin Sabine Paul stellen. Obwohl die Darwin'sche Revolution in den Naturwissenschaften bereits weit fortgeschritten ist, hat sie in anderen Bereichen und vor allem im Bewusstsein vieler Menschen kaum begonnen. Nun kann sicherlich die Evolutionstheorie (noch) nicht alles erklären, aber gerade solch ungelöste Probleme eröffnen faszinierende neue Forschungsfelder, von denen dieses Buch berichtet.

So vermutete bereits der Philosoph Immanuel Kant in seinem 1786 erschienenen Werk "Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft", dass in der Wissenschaft vom Menschen "nur so viel eigentliche Wissenschaft angetroffen werden kann, als darin Evolutionstheorie anzutreffen ist". Ob diese auch bestimmte Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen des modernen Menschen erklären kann, dem nehmen sich die beiden Autoren an. "Viele für Menschen typischen Eigenschaften werden erst verständlich, wenn man sie aus der Darwin'schen Perspektive betrachtet", sind sich die Thomas Junker und Sabine Paul sicher. Exemplarisch zeigen sie dies in ihrem Buch und dokumentieren damit die "Deutungsmacht einer neuen, evolutionären Kulturwissenschaft".

In drei große Kapitel ist das Sachbuch gegliedert.
Im ersten Teil befassen sich Junker und Paul mit den in jedem Menschen biologisch angelegten Verhaltensweisen, die doch vielfach fremd und unerklärlich wirken. Dazu gehören die größtenteils ungesunde Ernährungsweise mit fetten, süßen und salzigen Speisen, die sexuelle Partnerwahl, die zu einem entscheidenden Faktor in der Evolution der Menschen wurde und das biologisch paradox anmutende Verhalten der modernen Selbstmordattentäter.

Der zweite Teil steht unter dem großen Slogan: Geheimwaffe Kunst.
Hier wenden sich die Autoren Eigenschaften zu, "die für Menschen charakteristisch sind und bei anderen Tieren nur ansatzweise beobachtet werden können - der Kultur, der Kunst und der Religion." Sie diskutieren mögliche Selektionsvorteile dieser Eigenschaften, auch in Bezug auf das Aussterben des Neandertalers, legen eine neue Theorie vor, die zeigt, warum Kunst bis heute einen zentralen Stellenwert des modernen Menschen einnimmt und kommen auf die Frage zu sprechen, wie und warum die Religion aus der Kunst entstand.

Im letzten Kapitel begeben sie sich auf ziemlich glattes Terrain, denn zum freien Willen und dem Sinn des Lebens trägt nach Meinung vieler Autoren die Evolutionstheorie rein gar nichts bei. Thomas Junker und Sabine Paul sind jedoch anderer Meinung. Sie vermuten, dass es sich gerade andersherum verhält.

Eines vertreten beide jedenfalls mit Vehemenz: "Darwins Theorie ist der Code, der geheime Schlüssel, der das Verständnis vieler rätselhafter Verhaltensweisen der Menschen erst ermöglicht. [...] Denn in unseren typisch menschlichen Gefühlen, Gedanken und Verhaltensweisen sind wir noch steinzeitliche Jäger und Sammer." Für die Autoren ist die Biologie zweifelsohne "ein wichtiges Korrektiv, wenn sie die Missachtung der menschlichen Natur durch gesellschaftliche Vorgaben offenlegt und Menschen als biologische Wesen versteht, die mit Gefühlen, Bedürfnissen und Interessen ausgestattet sind, ohne deren Erfüllung sie nicht glücklich werden können."

Fazit:
Thomas Junker und Sabine Paul haben mit "Der Darwin Code" ein anschauliches, verständliches und durchaus überzeugendes Buch vorgelegt, welches einige ausgewählte Verhaltensweisen und Eigenschaften des modernen Menschen anhand der von Charles Darwin begründeten Evolutionstheorie vorurteilsfrei und unkonventionell zu erklären versucht. Dabei bleibt sicher noch einiges im spekulativen Bereich angesiedelt, aber interessant ist es allemal, darüber nachzudenken.
Eines sollte jedoch klar sein, und darauf weisen die Autoren auch hin, für Leser, "die wissenschaftliche Ergebnisse und Theorien nur dann akzeptieren, wenn sie emotional gefällig, moralisch einwandfrei und politisch korrekt sind", ist dieses Buch nicht geeignet.
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TOP 500 REZENSENTam 7. Februar 2009
Das Buch ist gut geschrieben und über weite Strecken auch interessant und lesenswert. Allerdings verfehlt es meines Erachtens den eigenen Anspruch, unser Leben erklären zu können. Dies liegt einerseits daran, dass einige Schlussfolgerungen eher Meinungen sein dürften, andererseits daran, dass wesentliche Aspekte unseres Lebens vom Buch nicht einmal ansatzweise abgedeckt werden.

Durchaus aufschlussreich sind die Ausführungen zur Ernährung. Die Autoren machen deutlich, dass die heutigen Ernährungsempfehlungen (stärkereich, fettarm) nicht dem evolutionären Erbe des Menschen entsprechen können. Allerdings ließen sich auch gegenüber der von ihnen vertretenen Meinung Einwände erheben. Einige Autoren sind z. B. der Auffassung, dass der natürliche Stoffwechsel des Menschen nur sein Hungerstoffwechsel sein könne (der nur bedingt etwas mit der Nahrungsaufnahme zu tun hat), zumindest müsse der in der Natur jederzeit und ohne Übergangsprobleme erreicht werden können. Moderne Menschen sind dazu nicht mehr in der Lage, außer sie ernähren sich sehr kohlenhydratarm (Atkins etc.). Daraus folgern solche Autoren dann, dass die Ernährung in der Altsteinzeit eher so wie bei Atkins ausgesehen haben müsse. Auch würde hierdurch die maximale Größe des menschlichen Gehirns festgelegt, denn ein Organ könne stets nur die Größe erreichen, bei der ein reibungsloser Betrieb auch noch im Hungerzustand gewährleistet ist.

Überrascht war ich über einige Ausführungen zu den männlichen Elterninvestments. Die Autoren behaupten nämlich, dass die Schönheit des weiblichen Geschlechts beim Menschen auf männliche Selektionen hindeute, die sich nur über erhebliche männliche Elterninvestments erklären ließen. Allerdings würden solche Selektionen nur dann bestehen, wenn sich Männer fest an eine Partnerin binden wollten.

Man kann die im Rahmen der sexuellen Arbeitsteilung bestehende Aufgabenteilung zwischen den beiden Geschlechtern (Männer beschaffen die Ressourcen, Frauen ziehen die Kinder auf) in einem abstrakten Sinne sicherlich durchaus beiderseitig als elterliche Investments umdeuten, allerdings hätte es hierzu doch einiger Erläuterungen bedurft. Im üblichen Sprachgebrauch würde man nämlich die berufliche Tätigkeit eines Managers, der mit seinen Einkünften seine Frau und seine 5 Kinder finanziert, nicht als Elterninvestments bezeichnen.

Das aktuelle Leben in modernen menschlichen Gesellschaften wird sehr stark von technischen Errungenschaften bestimmt. Hierzu sagen die Autoren jedoch leider so gut wie gar nichts. Zu Problemen bei der Anwendung der Darwinschen Evolutionstheorie auf menschliche Gesellschaften (z. B. hinterlassen in modernen menschlichen Gesellschaften fittere Individuen keineswegs mehr Nachkommen als weniger fitte, was gemäß Darwin nicht sein dürfte) äußern sich die Autoren bedauerlicherweise ebenfalls nicht.

Dennoch habe ich das Buch insgesamt mit Gewinn gelesen.
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am 17. September 2009
Gerade weil sich die Evolutionsforschung mit der komplexen Überfülle des Lebens beschäftigt, fällt sie leider immer wieder in zwei Extreme: Sie kann sich abstrakt auf die Darstellung der evolutionären Grundregeln (Variation, Selektion, Reproduktion) beschränken oder aber ein konkretes Fachgebiet (z.B Evolution der Sprache oder Religion) vertiefen. Junker und Paul ist es gelungen, mit dem Darwin-Code einen Mittelweg zu beschreiten, der sicherlich viele Leser für die Faszination Evolution gewinnen kann: Sie wählen aktuelle, anschauliche Forschungsfelder aus und vertiefen diese so, dass auch Einsteiger folgen können. Mit Ernährung und Partnerwahl knüpfen sie pfiffig an Themen an, mit denen wir alle zu tun haben - und man merkt ihnen die Freude gerade hier auf jeder Seite an! Dann folgen aber auch dunkle Fragestellungen wie Selbstmordattentate oder das Aussterben der Neandertaler, bevor sie mit Wissen, Kunst und Religion in neueste Forschungsgebiete vorstoßen. Sie enden mit einem philosophisch angehauchten Kapitel, das zur (kontroversen) Meinungsbildung einlädt.

Nun wirke ich seit Jahren in der Evolutionsforschung mit und widerstehe der Versuchung, z.B. an Details im (guten) Religions-Kapitel zu mäkeln. Aus einem ganz einfachen Grund: Junker und Paul haben etwas in Deutschland immer noch Seltenes gemacht, sie haben für Interessierte geschrieben - und zwar so, dass diese zum mit-denken und mit-forschen eingeladen werden. Ihr Buch ist launig, vielfältig und missionarisch-meinungsstark, ohne je in Klamauk abzusinken. Es ist ein Buch, dass sich nicht mit Fachjargon nach allen Seiten absichert, sondern sich festlegt, die Leserin mitnimmt und gerade damit "Lust auf mehr" macht. Damit ist es genau das richtige Buch für Menschen, die sich zur aktuellen Evolutionsforschung einen Überblick verschaffen und zugleich unterhalten lassen wollen - seriös, aber nicht abschreckend schwer. Es ist eines dieser seltenen Wissenschaftsbücher, die sich auch zum Verschenken eignen - denn an irgendeinem Kapitel wird hier jede(r) - ob Laie oder Profi - anbeißen! Und immer wieder naschen...
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am 26. Januar 2009
Pünktlich zum Darwinjahr erscheint der spannend und kurzweilig zu lesende "Darwin Code". Sabine Paul und Thomas Junker zeigen anschaulich die Relevanz der darwinschen Thesen für unsere heutige Welt. Ausgehend von unserem biologischen Erbe als Jäger und Sammler und der daraus resultierenden Eigenschaften und Bedürfnisse, geben sie uns wichtige Denkanstöße für die Reflexion über die vielfältigen Einflüsse, denen wir ständig ausgesetzt sind.
Umfassend und verständlich wird über die Bedeutung von Kultur, Kunst und Religion für unsere moderne Lebensweise, unser soziales Verhalten und unser individuelles Glück referiert.
Ein anregendes Buch, flott zu lesen, ein Gewinn!!
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am 2. Juli 2009
In diesem Jahr wird die Buchöffentlichkeit mit einer Fülle von Werken überschwemmt zum Leben und Werk von Charles Darwin. Das vorliegende Buch der beiden bekannten Evolutionsbiologen Thomas Junker und Sabine Paul ist vielleicht das interessanteste von ihnen, denn es wählt einen ganz aktuellen Ansatz und stellt die Frage, wie Charles Darwin heute die Rätsel erklären würde, die unser menschliches Verhalten und unsere Kulturen uns stellen.

Warum sind Frauen in der Regel schön ? Warum lieben wir Schokolade und anderes Süßzeug ? Warum eigentlich hat die Kunst eine solche große Bedeutung für die Menschen, obwohl sie doch auf den ersten Blick gar keinen evolutionären Nutzen bringt ?

Solcherart sind die Fragen, die die beiden Wissenschaftler in ihrem Buch stellen und bei ihrer Beantwortung die Darwinsche Revolution auch von ihrer sinnlichen und menschenfreundlichen, nichtsdestoweniger immer noch brisanten Seite zeigen.

Die Autoren versuchen durchaus erfolgreich ausgewählte Verhaltensweisen und Eigenschaften des zeitgenössischen Menschen mit der Evolutionstheorie zu erklären. Das ist spannend und teilweise auch amüsant zu lesen. Wohl angesichts der zum Teil heftigen Debatte um die Evolutionstheorie, die in endlosen Veröffentlichungen insbesondere in den beiden letzten Jahren nicht nur im Zusammenhang mit der Funktion der Religion entstanden ist , weisen die beiden Autoren darauf hin, dass ihr Buch nicht geeignet sei "für Menschen, die wissenschaftliche Ergebnisse und Theorien nur dann akzeptieren, wenn sie emotional gefällig, moralisch einwandfrei und politisch korrekt sind."

Wer sich nicht darunter zählt, wird mit dem Inhalt dieses Buches seine intellektuelle Freude haben.
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am 25. Oktober 2009
Was an diesem Buch sofort auffällt, ist der angenehm differenzierte Erzählduktus. Dass beide Autoren deutschsprachige Wissenschafter im positivsten Sinne sind, merkt man jeder Zeile mit Genuss an. Da wird nicht wie so oft im amerikanischen Populärstil für Minderbemittelte agiert ("Nehmen wir z.B. Alice und Bob...."), sondern man erkennt in jeder Zeile den breiten europäischen Bildungshintergrund, der auch vom Leser implizit vorausgesetzt wird. Ein sprachlich sehr nuancenreiches Buch, das in seinen Ausführungen Zusammenhänge ausleuchtet, die man immer schon gesucht hat. Warum gibt es Kunst? Warum funktioniert Theater und damit auch der Film? Jeder weiß doch, das alles nur Schimäre ist? Warum kann man damit Menschen zum Lachen und zum Weinen bringen? Seltsamerweise fragen sich das nur sehr wenige Menschen. Insgesamt ein ausgezeichnet geschriebenes Buch, das durch Stil, Klugheit und Wissen besticht. Für mich eines der besten Sachbücher überhaupt, weil es die großen Zusammenhänge des Lebens beeindruckend erklärt und definitiv gebildeter macht.
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am 18. Oktober 2009
Vor gut 30 Jahren haben einige Biologen begonnen, Charles Darwins Theorien konsequent auf die Menschen und ihr Verhalten anzuwenden. Daraus sind die Soziobiologie und die evolutionäre Psychologie entstanden. Diese Forschungsprogramme haben sich als enorm anregend erwiesen. Wie nicht anders zu erwarten, gab und gibt es heiße Debatten um einzelne Thesen, aber das Paradigma als solches wird heute nur noch von den sog. "Kreationisten" und einer Handvoll von Geisteswissenschaftlern bestritten, die in ihrer biologischen Naivität einen Vorzug sehen.

Wie weit die Erforschung menschlicher Verhaltensweisen durch die Darwinsche Evolutionsbiologie mittlerweile gediehen ist, zeigt das beachtenswerte Buch von Thomas Junker und Sabine Paul. Es ist eine sachkundige und zugleich unterhaltsame Einführung in neuere evolutionsbiologische Theorien und dürfte zu den spannendsten Büchern des Darwin-Jahres gehören.

Zum einen zeigt es exemplarisch, was die Biologie heute über die Entstehung der Kultur, der Moral oder sexueller Vorlieben zu sagen hat. Ihr Buch ist aber weit mehr als das: es ist zugleich ein Experiment, das demonstrieren soll, wie weit man mit der Darwinschen Erklärung auch bei Themen kommt, zu denen die Biologie nach weitverbreiteter Ansicht nichts beitragen kann. Beispiele sind hier die Übergewichtsproblematik, die Kunst, die Religion, der Freiheitswillen der Menschen und der Sinn des Lebens. So kommt das Autorenteam etwa zu dem Schluss, dass die Kunst geradezu überlebenswichtig für das Wohlergehen und das biologische Überleben des Menschen war und ist.

Gelingt es dem Buch, dem in der reichhaltigen Thematik liegenden Anspruch gerecht zu werden? Mir scheint es so, aber etwas anderes ist vielleicht noch wichtiger: es bringt frischen Wind in alte Debatten, zeigt, dass sich durchaus noch etwas Neues zur Natur der Menschen sagen lässt, und regt - so ist zu hoffen - lebhafte und sachkundige Diskussionen an. Denn es bezieht klar Stellung, formuliert begründete und widerlegbare Thesen und bereitet so die Grundlage für eine notwendige Debatte über die Natur der Menschen und ihr (Sozial-)Verhalten.

Wem hierzu nur ,Biologismus' oder ,Sozialdarwinismus' einfällt, dem ist zu sagen, dass er oder sie dreißig Jahre fruchtbarer evolutionsbiologischer Forschung verpasst hat und nur eine überkommene Interpretation der Evolutionstheorie kennt. Dass der "Darwin Code" den Kreationisten (und ihren sich aufgeklärt gebenden Jüngern) übel aufstoßen wird, ist anzunehmen, doch damit können die Autoren als konsequente Verfechter der Darwinschen Evolutionstheorie wohl leben. Für alle anderen, vor allem für die Kulturwissenschaftler, aber gilt: Es ist höchste Zeit, die Scheuklappen abzulegen und in der Evolutionstheorie nicht länger eine Bedrohung, sondern eine Bereicherung zu sehen.

Das Buch von Junker und Paul ist im Moment die vielleicht beste Möglichkeit, sich vorzüglich und zugleich amüsant über aktuelle Ideen von Darwins Erben zu informieren. Manche Aussagen des Buches provozieren, manche überraschen und kaum jemand wird jeder These zustimmen. Aber der Text fordert diese Fragen geradezu heraus und lädt ein, auf eine durchaus engagierte, aber sachliche Argumentation ebenso zu antworten. Den sich daraus ergebenden Diskussionen darf man mit Spannung entgegen sehen.
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TOP 1000 REZENSENTam 7. Juni 2009
Die Autoren wollen zeigen, dass nicht nur die Körperfunktionen der Menschen, sondern auch ihre Verhaltensweisen mit der Evolutionstheorie erklärbar sind. So können beispielsweise sowohl Selbstmordattentate als auch die Neigung der meisten Menschen, religiösen Überzeugungen anzuhängen, biologisch begründet werden. Besonders interessant fand ich die Überlegung, dass die Entstehung der Kunst einen wichtigen Faktor für die Vormachtstellung des modernen Menschen darstellt. Im letzten Kapitel betrachten die Autoren sogar den Sinn des Lebens aus wissenschaftlicher Perspektive.

Großteils sind die Ausführungen leicht nachvollziehbar und schlüssig. Vor allem im ersten Kapitel "Steak und Schokolade" gibt es aber einige Dinge, die mich störten, da die aufgestellten Behauptungen meiner Meinung nach nicht ausreichend begründet werden:

1. Die Autoren ziehen die Grenze zwischen der unserem Erbgut entsprechenden "natürlichen" Ernährungsweise und der von ihnen kritisierten Änderung bei der neolitischen Revolution. Warum gerade diese - und nicht etwa die Verwendung des Feuers zur Bearbeitung von Nahrungsmitteln - als einschneidenste Veränderung angesehen wird, obwohl das Kochen die Grundstruktur der Lebensmittel entscheidend verändert, wird nicht erklärt.
Es erscheint mir daher willkürlich, dass ein gebratenes Steak als unserer Natur entsprechend dargestellt wird, obwohl alle anderen Tierarten in freier Wildbahn ihr Fleisch roh essen, Getreide und Milch aber eher abgelehnt werden.

2. In dem Buch wird die Behauptung aufgestellt, die paläolithische Ernährung habe vor allem aus verschiedenen tierischen Lebensmitteln sowie Obst und Gemüse bestanden, aber kein Getreide enthalten.
Ein Blick auf die Ursprünge der Landwirtschaft scheint aber eine andere Sprache zu sprechen:
Die frühesten Hinweise auf die Domestikation von Pflanzen finden sich im vorderen Orient (Fruchtbarer Halbmond) sowie in China.
Bei den ersten landwirtschaftlich genutzten Pflanzen des fruchtbaren Halbmonds handelt es sich um Gerste, mehrere Weizensorten und Hülsenfrüchte. In China wurden zuerst Reis und Hirse angebaut, etwas später kamen Sojabohnen hinzu.
Auf dem amerikanischen Doppelkontinent basierte die erste Landwirtschaft auf Mais und Bohnen.
Es lässt sich also festhalten, dass am Beginn der Landwirtschaft überwiegend Getreide und Hülsenfrüchte standen, keine anderen Gemüse- und überhaupt keine Obstsorten, obwohl diese angeblich einen Großteil der "natürlichen" Ernährung des Menschen darstellen.
Es findet sich aber keine plausible Erklärung dafür, wieso die Menschen damals auf die Idee gekommen sein sollen, gerade die Samen von Pflanzen, die in ihrer bisherigen Ernährung kaum eine Rolle spielten, zu sammeln, planmäßig auszusäen und über viele Generationen zu kultivieren. Dass sie also ihre ganze Lebensweise umgestellt haben (vom Nomadentum zur Sesshaftigkeit), um Pflanzen anzubauen, deren Verwendung zu Nahrungszwecken ihnen zuvor gar nicht bekannt war.
Die Tatsache, dass die früheste Landwirtschaft, die in verschiedenen Gegenden über den ganzen Erdball verteilt unabhängig entwickelt wurde, auf diversen Getreidearten basierte, lässt vielmehr den Schluss zu, dass die Urformen des heutigen Getreides schon zuvor einen wesentlichen Teil der Nahrung ausmachten.

3. Die Autoren führen an, dass ein großer Teil der Menschheit laktoseintolerant ist und sehen dies als Hinweis, dass die Milch nicht so gut sei, wie von Ernährungswissenschaftlern behauptet.
Aus Sicht der Evolutionsbiologie müsste die Argumentation aber in die genau entgegengesetzte Richtung gehen. Es wird schließlich davon ausgegangen, und auch in diesem Buch immer wieder betont, dass sich Eigenschaften nur dann durchsetzen, wenn sie für das Individuum bzw eine Gruppe von Individuen einen Vorteil hinsichtlich des Überlebens- oder Fortpflanzungserfolgs darstellen.
Aus der Tatsache, dass ein Teil der Menschheit - darunter der Großteil der Europäer - im Gegensatz zu allen anderen Säugetieren in der Lage ist, auch im Erwachsenenalter Milch bzw Milchzucker zu verdauen, muss somit zwingend geschlossen werden, dass der Konsum von Milch zumindest für unsere Vorfahren vorteilhaft war.
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am 12. Januar 2015
...das kurzweilig ist und viele neue Perspektiven auf heutige gesellschaftliche Phänomene eröffnet - nämlich die Perspektive des Biologen. Manche mögen dies einseitig finden, aber die Evolution sollte als Schlüssel zu den Problemen unserer Kultur zumindest nicht unberücksichtigt bleiben, und das wird sie leider meist in politischen Betrachtungsweisen.
Das Buch ist nicht einfach und es ist nicht nebenbei "runterzulesen", aber der aufmerksame Leser wird folgen können!
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Bei einer Feier zum 200sten Geburtstag hat der Jubilar normalerweise keinen Einfluss mehr auf die Liste der Eingeladenen. Und weil er auch die mitgebrachten Geschenke nicht persönlich würdigen kann, kommt allerlei Seltsames auf den Gabentisch. In diese Kategorie fällt aus meiner Sicht auch dieses Buch. Nicht weil es schlecht oder langweilig wäre, sondern weil seine Autoren unter Bezug auf Darwin das ganze Leben erklären wollen, was ihnen selbstverständlich nicht gelingt. Kommt hinzu, dass der Darwin Code schon längst entschlüsselt ist. Er lautet in der Kürzestformel: fortpflanzen - anpassen - überleben.
"Ohne die Evolution lässt sich nur zeigen, wie Lebewesen funktionieren, aber nicht, warum sie ihre charakteristischen Eigenschaften haben", schreiben die Autoren ihrem Vorwort. Aber weil es bei der Warum-Frage auch um die Deutungsmacht geht, ist diese Behauptung nicht unumstritten. Das falsche Buch in den Händen haben also nach Ansicht von Thomas Junker und Sabine Paul all jene, "die wissenschaftliche Ergebnisse und Theorien nur dann akzeptieren, wenn sie emotional gefällig, moralisch einwandfrei und politisch korrekt sind." Davon ausgehend, dass unser Verhalten zum größten Teil vom Unbewussten und damit auch von Emotionen gesteuert ist, müssen das viele Leser sein. Hoffen wir, dass diese Vorrede nicht allzu abschreckend wirkt.

Die Erklärungen unseres Lebens beginnen mit einem Ausflug in die Ernährungswissenschaft. Das mag befremden, hat aber den Vorteil, dem Leser gleich klarzumachen, wie wenig unser Verhalten durch kluge Erläuterungen und professionelle Beratung beeinflusst wird. Evolutionäre Programme sind eben ungemein stabil und passen sich nicht jeder Marotte zivilisatorischer Zeiterscheinungen an. Bis der Speiseplan eines Bürolisten in den genetischen Code übernommen wird, dauert es eine Weile. Doch so salopp, wie das in meiner Beschreibung klingt, argumentieren die Autoren nicht. Im Gegenteil, sie zeichnen in jedem Kapitel ein Bild, das aus Puzzlesteinen der verschiedensten Wissenschaftsdisziplinen zusammengesetzt ist. Und oft taucht der Name Darwins so lange nicht mehr auf, dass ich das Gefühl hatte, er diene mehr der Vermarktung eigener Betrachtungen als der Entschlüsselung eines universalen Codes. Mehr ins Zentrum rücken die Thesen Darwins wieder, wenn es um die sexuelle Auslese geht, was bei hoffnungslosen Romantikern bestimmt Widerstand auslöst.

Mutig und interessant fand ich, wie die Autoren Codierungen im Sozialverhalten mit dem Thema des Terrorismus verbinden. Allerdings zeigt dieses Kapitel auch die Schwächen des Ansatzes schonungslos auf. Wenn man davon ausgeht, dass die Evolution kein höheres Ziel kennt und durch den Zufall regiert wird, verlieren Erklärungen nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip an Glaubwürdigkeit. Eine Fortsetzung findet diese argumentative Gratwanderung auch in den Kapiteln zur Kunst, zum Wissen und vor allem wenn es darum geht, die persönliche Suche nach dem Sinn des Lebens mit der Evolutionslehre in Einklang zu bringen.

Mein Fazit: Auf 200 Seiten unser Leben mit der Evolutionstheorie Darwins zu erklären, ist ein Projekt, das den Ansatz zum Scheitern in sich trägt. Mir ist es lieber, wenn sich ein Autor auf ein überschaubares Gebiet beschränkt und es so gut beschreibt, dass es exemplarischen Charakter hat. Denn habe ich den Code einmal verstanden, kann ich ihn auch auf Lebenswelten übertragen, die nicht explizit Gegenstand der Ausführungen waren.
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