Kundenrezensionen


11 Rezensionen
5 Sterne:
 (7)
4 Sterne:
 (3)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein erschütternder Bericht...
Auf das Versprechen der Roten Khmer der "Befreiung" folgten Inhaftierungen, Massenexekutionen, Massaker, Folter, Zwangsarbeit, Trennung der Familien, Hunger, Tod. Es erfolgte ein Genozid an Franzosen, Vietnamesen, Chinesen, Muslimen, Katholiken, Buddhisten, die man für verdorbene, von den Imperialisten korrumpierte Städter hielt. Eine Agrarrevolution sollte das...
Veröffentlicht am 15. September 2011 von "Kaktusblüte"

versus
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein solides Werk...
Das hier dargelegte Schicksal ist in einer Schreibweise niedergelegt, welcher dem Leser einen weiträumigen Einblick in das Grauen der feudalen Schreckensherrschaft der Roten Khmer gewähren. Jedoch vermisse ich in vielerlei Hinsicht detaillierte Berichte, Erlebnisse, Empfinungen, Ängste und Träume. Die Autorin ersparrt sich selber viel und erschwert es...
Veröffentlicht am 13. Februar 2012 von Martin Eckhardt


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein erschütternder Bericht..., 15. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Auf das Versprechen der Roten Khmer der "Befreiung" folgten Inhaftierungen, Massenexekutionen, Massaker, Folter, Zwangsarbeit, Trennung der Familien, Hunger, Tod. Es erfolgte ein Genozid an Franzosen, Vietnamesen, Chinesen, Muslimen, Katholiken, Buddhisten, die man für verdorbene, von den Imperialisten korrumpierte Städter hielt. Eine Agrarrevolution sollte das Land in eine gigantische landwirtschaftliche Genossenschaft umwandeln, eine Gesellschaft ohne Bildung, ohne Geld und freie Marktwirtschaft, ohne religiöses Brauchtum, ohne Familienbande und Erziehung der Kinder. 2 Millionen Menschen haben das nicht überlebt, die in den Umerziehungslagern Unterernährung, Erschöpfung, Krankheiten dahinrafften, die der Willkür "der Partei" ausgeliefert waren.

Denise Affonço und Ihre Familie werden nach der Machtübernahme der Roten Khmer deportiert. Ihr Ehemann Phou Teang Seng, der trotz allem unverbesserlicher Kommunist bleibt, ist zu vertrauensselig und "verschwindet" in einem Umerziehungslager. Alle andern werden zu Zwangsarbeit unter menschenunwürdigen Zuständen verurteilt. Man sagt offen, dass eine Kugel um sie zu töten zu teuer sei, so könne man von ihrer Arbeitskraft profitieren ehe sie ohnehin sterben würden. Eines Tages wird Denise Affonço zum Bau des "Deich der Witwen" beordert und erfährt so, dass ihr Mann ermordet worden war.

Als die vietnamesische Armee in Phnom Penh einmarschierte gelang es ihr mit ihrem überlebenden Sohn zu flüchten. Sie schleppte sich, dreissig Kilos schwer nach vier Jahren Ernährung mit Ratten, Heuschrecken, Skorpionen, Termiten und groben Salzkörnern, zum nächsten Dorf wo sie Hilfe fand. Ihr Leib war aufgedunsen von Ödemen und von Malaria geplagt. Sie sagte als Belastungszeugin aus und ist schliesslich nach Frankreich emigriert.
Das Buch ist ein authentisches Dokument einer mutigen und starken Frau mit einem unerschütterlichen Durchhaltevermögen das uns unbedingt nachdenklich stimmen sollte.
Diese grauenhafte Periode der Geschichte Kambodschas 1975 - 1979 darf keinesfalls weiterhin einfach ignoriert werden.
Dieser erschütternde Bericht sei allen zu lesen empfohlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Terror, 27. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Terror des Hungers

Denise Affonço hat die gesamte Zeit, in der die Roten Khmer Kambodscha tyrannisierten, in Vernichtungs-Lagern ums Überleben gekämpft und findet dennoch kaum ein Wort der Anklage gegen das Regime, dessen Pein sie zu erdulden hatte. Die Schilderung ihres schier unbeschreiblichen Elends ist von beinahe schon fatalistischem Gleichmut geprägt; es scheint ihr nur darum gegangen zu sein, irgendwie dem Hunger, dem permanenten Hunger zu entkommen. Die ganze Schrift handelt fast nur davon, diesen aussichtslos erscheinenden Kampf zu überleben, um fast jeden Preis. ‚Der Hunger ist eine grausame und heimtückische körperliche und seelische Qual, die jeden Begriff von Stolz und Hygiene vernichtet und den Menschen zum Tier macht.’ Es gab kaum etwas Nahrhaftes zu essen; selbst Reis sowie das Gemüse und die Früchte der Felder waren elend knapp rationiert. Um dem Verhungern zu entkommen, ‚ernährten’ sich die Verschleppten von allem was da kreuchte und fleuchte: von wildwachsenden Kräutern, von Heuschrecken und Termiten, von kleinen Fischen und Muscheln, von Schaben und Skorpionen und wenn das Glück hold war, auch einmal von einem Frosch oder einer Ratte; sie hat sich sogar mit Hunden und Schweinen um Essensabfälle geschlagen, bloß auf Würmer hat sie dann doch verzichtet.

Von Politik ist so gut wie nicht die Rede. Und dennoch hatte ihr Überlebens-Kampf letztlich das Ziel, anzuklagen. ‚Bleibe am Leben, um all diese Scheußlichkeiten zu bezeugen. Die Welt muss erfahren, was hier vor sich geht’, nimmt sie sich vor, und erreicht beides. Sie überlebt, auch wenn auf 30 Kilo abgemagert nur noch ganz knapp, und sie wird zur wichtigen Zeugin. In einem von den vietnamesischen Befreiern (und dann Besatzern) eingerichteten Tribunal gegen die sich als Khmer Rouge bezeichnenden Desperados, schildert sie den Genozid am kambodschanischen Volk durch Kambodschaner aus der Sicht des eben Durchlittenen. Die Anführer dieses Bürgerkrieges, Pol Pot und Ieng Sary, deren Namen zum Synonym vorbildlosen politischen Irrsinns wurden, sind daraufhin in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.

Um diesen dreißig Jahre zurückliegenden politischen Irrsinn, an den sich hierzulande kaum noch jemand erinnert, obwohl er etwa 2 Millionen Kambodschanern das Leben kostete, könnte es auch in dem endlich begonnenen Gerichts-Verfahren gehen. Vor diesem – von den Vereinten Nationen unterstützten – Völkermord-Tribunal haben sich fünf (dafür besonders geeignete) Schergen des damaligen Regimes zu verantworten. Unter den Angeklagten befindet sich auch der besonders brutale Aufseher des berüchtigten Folter-Gefängnisses Toul Sleng, Kaing Guek Eav, genannt Duch. In dieser Folter-Werkstatt, die inzwischen zu einer (allmählich verfallenden) Gedenk- und Besichtigungs-Stätte umgestaltet wurde, sind Verbrechen von schier unvorstellbarer Grausamkeit verübt worden. Frau Affonço hat davon allerdings erst erfahren, als ihr eigenes Martyrium schon beendet war. Auf den sog. killing fields, etwas außerhalb von Phnom Penh, auf denen die Massen-Hinrichtungen veranstaltet wurden, vor allem aber in dieser Marter-Kammer im Zentrum der Hauptstadt, zeigte sich das Grauen, das dieses abartige Regime systematisch produzierte, am eindrücklichsten. Deshalb wird der Völkermord-Prozess wohl hauptsächlich davon handeln. Die Hintergründe und Zusammenhänge aber, die dem terroristischen Regime der Roten Khmer erst den Weg ebneten, bleiben dadurch ausgeblendet. Dabei geht die bereits in den frühen 1970er Jahren begonnene tiefe Spaltung noch immer mitten durch die kambodschanische Gesellschaft. Das lässt sich allenthalben erleben; nicht zuletzt an den massenhaften Opfern der von allen Regierungen gelegten Landminen. Ein Beitrag zur Bewältigung der Probleme des Landes müsste jedenfalls anders geleistet werden; dazu würde etwa auch gehören, die von den Roten Khmer verbrannten Grundbücher zu rekonstruieren. Unter den herrschenden Bedingungen lässt sich Derartiges aber wohl nicht durchsetzen. Die anhaltenden Leiden des kambodschanischen Volkes dürften deshalb auch nach dem Prozess noch längst nicht ausgestanden sein.

Kambodscha hat der Welt ein kulturelles Erbe von unschätzbarem Wert geschenkt, die über 1000 Jahre alten Tempel-Anlagen von Angkor. Selbst vor diesen nicht nur architektonischen Schätzen haben die von Pol Pot und seinen Anhängern verbreiteten Ideologien nicht Halt gemacht. Eigentlich machte die von den Roten Khmer propagierte Idee einer nationalistischen Agrar-Genossenschaft – so könnte man dieses abstruse Konzept vielleicht charakterisieren – vor nichts Halt. Das Regime bemühte sich vielmehr, alle bisher geltenden Regeln, Strukturen und Institutionen, also die gesamte überkommene Ordnung zu zerstören und durch neue Orientierungen zu ersetzen. Dazu war es nicht nur notwendig, die verbrecherische Regierung des Generals Lon Nol zu vertreiben, was den neuen Machthabern in Kampuchea die vielen Partei-Gänger und Mitläufer eingebracht haben dürfte, vielmehr sollte dem Volk der Khmer jegliche Form tradierter Kultur wie dekadenter Moderne ausgetrieben werden. An deren Stelle sollte das einfache, autonome Leben einer bäuerlichen Gemeinschaft treten, ohne Geld, Religion und Bildung, ohne große Städte und eben auch ohne alles Fremde. Dazu war eine radikale und brutale Umstrukturierung der Gesellschaft nötig, die von einer unbarmherzigen Selektion begleitet wurde, der rund ein Viertel der Bevölkerung zum Opfer fiel. Das mag in mancher Hinsicht an die frühen Versuche Maos in China erinnern, war aber doch wohl mehr von Orwell und Huxley inspiriert; jedenfalls finden sich all die dort vorgeahnten autoritären Mechanismen wieder. Orwells ‚Großer Bruder’ war bei den Roten Khmer ein omnipotenter ‚Angkar’ (was soviel wie ‚Partei’ oder ‚Organisation’ bedeutet), und natürlich waren die Anführer sofort ‚gleicher’ als alle anderen Gleichen; viele von ihnen kamen aus der Oberschicht, hatten in Frankreich studiert und die alten Privilegien einfach beibehalten.

Die Roten Khmer haben Phnom Penh am 17.4.1975 eingenommen, nachdem sie schon vorher immer größere Teile des Landes erobert hatten. Am 7.1.1979 haben vietnamesische Truppen Phnom Penh erreicht, ein Besatzungs-Regime errichtet und die Roten Khmer in den Norden des Landes vertrieben, von wo aus sie noch viele Jahre ihr Unwesen als Guerilla-Kämpfer trieben. Denise Affonço hat diese annähernd vier Jahre buchstäblich vom ersten bis zum letzten Tag als Geisel dieser kultur-revolutionären Bewegung durchlitten.

Für die Autorin bedeutete diese Zeit Vertreibung, Verschleppung, Arbeit und Leid, vor allem aber Hunger, beständigen Hunger. Es verwundert daher nicht, dass der größte Teil ihrer Erzählung vom Überleben handelt, das vor allem durch fehlende Nahrung gefährdet war – und durch Strafen, wenn sie bei der verbotenen Beschaffung irgend etwas Essbaren erwischt wurde. Sehr viel mehr gab es auch nicht zu berichten, noch nicht einmal von besonderen Grausamkeiten ihrer Aufpasser. Die waren aber auch nicht nötig, der Alltag war brutal genug. Die schon kurz nach dem Einmarsch der Roten Khmer aus der Hauptstadt Phnom Penh Vertriebenen hatten sich auf einen strapaziösen, Kraft und Mut brechenden Marsch zu machen, bei dem sie quer durchs Land, von einem Arbeits-Lager ins nächste getrieben wurden. Zuerst nach Süden, dann immer weiter nach Nordwesten, bis sie schließlich im tiefsten Urwald an der Grenze zu Thailand landeten, wo sie nach dem Einmarsch der vietnamesischen Armee freikamen. Diese Gegend ist noch heute so weglos, dass sich dort immer wieder einmal Großtiere finden, die schon lange als ausgestorben gelten. Diese Lager waren vornehmlich Plätze um ein Wasserloch irgendwo im Dschungel, die zunächst gerodet werden mussten, um darauf kampieren zu können, wo sich wenigstens das Moskitonetz befestigen ließ – das letzte was von ihrem Besitz nicht von ‚Angkar’ konfisziert worden war. Alles Sonstige fehlte; es gab kein Dach über dem Kopf und keine Kochgelegenheit, und es gab keinerlei sanitären Einrichtungen – für alle Bedürfnisse musste die Wasserstelle herhalten. An medizinische Versorgung war nicht zu denken, trotz der zermürbenden Lebensbedingungen im subtropischen Dschungel. Dafür war Fronarbeit zu leisten, tagtäglich, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, pausenlos. Sinnlose Arbeit, die eigentlich nur den Zweck hatte, Menschenleben durch Arbeit zu vernichten, wahrhaft monströs.

Denise Affonço hat diese Vernichtungs-Orgie überlebt, zusammen mit ihrem Sohn. Ihre Tochter Jeannie erlag den Strapazen der Vertreibung schon nach kurzer Zeit, ebenso wie andere Mitglieder der Familie. Ihr Mann wurde unmittelbar nach der Machtübernahme in einem Umerziehungslager ermordet; das erfuhr die Autorin erst Jahre später, als sie nämlich eingeteilt wurde, am ‚Deich der Witwen’ mitzubauen – daher der etwas ungelenke Titel.

Das Buch ist sowohl eine bemerkenswerte Dokumentation über einen allerdings nur begrenzten Ausschnitt der grausamen Herrschaft der Roten Khmer. Es ist aber auch die Autobiographie eines leidensvollen Lebens-Abschnittes, der zwar längst vorbei ist, da die Autorin bereits seit vielen Jahren in dem als wahre Heimat verstandenen Frankreich lebt, der offenbar aber doch noch der individuellen Aufarbeitung bedurfte.

Die Schrift ist auf merkwürdige Weise anrührend. Denis Affonço hadert zwar mit dem Schicksal, das ihr und ihrer Familie widerfuhr, aber sie klagt nicht wirklich an, nimmt ihre Leiden vielmehr fast stoisch hin. Der gesamte Text ist sehr unaufgeregt abgefasst, ohne Übertreibung oder Dramatisierung; er zeugt von einem ungebrochenen Lebenswillen, der selbst angesichts der erlebten Hoffnungslosigkeit nicht erlischt, und nur manchmal mischt sich leise Trauer darunter. In einfacher Sprache geschrieben, vermittelt er eine Unmittelbarkeit und Authentizität, die als Versuch, die Verhältnisse politisch zu analysieren, wohl nicht gelungen wäre. Doch auch so kann man erfolgreich ein ‚politisches’ Buch verfassen! Dazu trägt auch die kundige Übersetzung bei, die sich aber hätte erlauben dürfen, die eine oder andere Kleinigkeit (freihändig) zu berichtigen. Auf das Nachwort des selbsternannten Experten D. Chandler zu verzichten, brächte dagegen keinen Nachteil.

Bernd M. Malunat

Denise Affonço, Der Deich der Witwen. Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer; mit einem Nachwort von David Chandler, aus dem Französischen von Judith Klein; Verlag C. H. Beck, München 2009, 207 S. mit 6 Abbildungen und einer Karte, € 18,90.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unvorstellbar, 24. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin, hat einen sehr lakonischen Schreibstil, was das Buch sehr einfach zu lesen macht, aber nachträglich doch sehr zum nachdenken und reden animiert.
Entstanden ist der Text 1979, nach dem Einmarsch der Vietnamesen, in Kambodscha. Sie ist damals von einem vietnamischichen Arzt gebeten worden, ihre Erlebnise niederzuschreiben, da diese in einem Prozess als Zeugenaussage dienen sollte. Entsprechend hart ist der Text zu lesen.

Ich habe bisher alles was im deutschsprachigen Raum zu finden, von Überlebenden der Roten Khmer Rouge, gelesen. Viele der Bücer sind mittlerweile vergriffen, bzw. sind nur im Gebrauchtmarkt zu finden.
Frau Affonço, hat es geschafft ein erneutes Mahnmal gegen Diktatur und Krieg zu setzten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein aufrüttelnder Erfahrungsbericht, 29. Dezember 2009
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin Denise Affonco ist als Tochter eines Franzosen und einer Vietnamesin in Kambodscha geboren und aufgewachsen. Heute arbeitet sie am EU- Institut für Sprachstudien in Paris. Mitte der siebziger Jahre arbeitete sie an der französischen Botschaft in Phnom Pen. In "Deich der Witwen" gibt sie in einer einfachen, neutralen Sprache einen bewegenden autobiografischen Erlebnisbericht aus der jüngeren Geschichte ihrer damaligen Heimat Kambodscha.

Am 7. Januar 1975 marschierten die Roten Khmer in die kambodschanische Hauptstadt ein. Die Besatzer beginnen, von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen, mit der radikalen Umsetzung ihrer maoistisch-sozialistischen Doktrin, das heißt Abschaffung von Geld, Wirtschaft, Religion und Auflösung der Familienstrukturen. Unter vagen Versprechen wird die Bevölkerung aus der Stadt gelockt, auch Denise Affonco, die mit ihrer Familie nach Süden zieht. Es folgen vier Jahre Zwangsarbeit bei der sich die Lage täglich verschlechtert. Eine Katastrophe folgt der anderen. Ihre letzten Habseligkeiten werden ihnen abgenommen, ihr Mann wird ermordet, die neunjährige Tochter verhungert. Von ihrem Sohn wird sie getrennt, ein kleiner Neffe, sieben Jahre alt, wird aufgehängt weil er etwas zu Essen gestohlen hat. Chronologisch berichtet die Autorin von der sinnlosen und mörderischen Zwangsarbeit im Urwald von Folter, Elend und vor allem Hunger. Hunger und Essen sind sehr existenziell beschrieben und übersteigen in ihrer realistischen und erschütternden Darstellung häufig die Vorstellungskraft des Lesers. In der Treue zu sich selbst und in dem uneingeschränkten Willen diese Hölle zu überleben liegt ihr Stimulus zum Ausharren.

1979 ist die Herrschaft der Roten Khmer zu Ende. Zwei Millionen Kambodschaner sind Opfer des Regimes geworden. Denise Affonco kann nach Frankreich auszuwandern, wo sie sich anschließend sehr in den Prozessen gegen die Roten Khmer engagiert.

Es ist eine authentische, überzeugende, über weite Strecken schockierende, gut geschriebene Leidensgeschichte, die beim Leser einen außerordentlichen Sog entwickelt, der so eindrücklich zum Nachdenken zwingt, dass man sich dem unmöglich entziehen kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tatsachenroman der Extraklasse, 28. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Denise Affonço hat ein beeindruckendes Buch über ihre Leiden unter der Herrschaft der Roten Khmer geschrieben, das ich in einem Zug durchgelesen habe. Offen, schonungslos berichtet sie über die Jahre, in denen sie unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten musste, nahezu alle Familienangehörigen und vor allem die geliebte Tochter verlor und dem Ende durch Hunger oder Erschöpfung immer wieder ganz nahe war. Unglaublich, woher die Frau die Kraft nahm, den eigenen Tod nicht als Befreiung zu sehen und Hand an sich zu legen.

Das Buch ist sehr sachlich formuliert, was ich angesichts der emotionalen Situation, in der sich die Autorin so kurz nach der Befreiung befunden haben muss, ziemlich erstaunlich finde. Einmal angefangen, mag man die eindringlichen rund 200 Seiten kaum wieder aus der Hand legen.

Die Autorin, geboren 1944 in Phnom Penh, ist Tochter eines Franzosen und einer Vietnamesin. Sie arbeitet zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Roten Khmer als Sekretärin in der Französischen Botschaft. Als französische Staatsangehörige wäre ihr und ihren Kindern mit Beginn des Bürgerkrieges eine Ausreise noch möglich gewesen. Sie entschied sich aber bei ihrem chinesischen Ehemann Seng zu bleiben, der der kommunistischen Propaganda nahezu blind vertraute.

Was folgt, ist ein Alptraum. Die Soldaten fordern unter dem Vorwand eines angekündigten Bombardement durch Amerikaner die Bewohner Phnom Penhs im April 1975 auf, die Stadt zu verlassen. Mit wenigen Habseligkeiten bepackt, macht sich die Familie auf den Weg ins Ungewisse, noch hoffend bald zurück kehren zu können. Eine Odyssee beginnt, die über mehrere Lager in immer schlechtere Lebensbedingungen führt und in denen der Kampf um das tägliche Essen einen großen Raum einnimmt, ja einnehmen muss. Hinzu kommen regelmäßige Gehirnwäsche- und Erziehungsversammlungen.

Angkar regiert, Angkar ist überall: Angkar - die Partei, die allmächtige Organisation, vertreten durch wen auch immer.

"Wisset, dass ihr von heute an Gefangene seid, die Kriegsgefangenen von Angkar. Eigentlich müssten wir euch erschießen, aber Munition ist teuer. Daher wird Ankar die Spreu vom Weizen trennen und die untauglichen Elemente durch Arbeit und Entbehrung eliminieren. Angkar braucht ein neues, reines und arbeitstüchtiges Volk. Alle werden zu kamakors (Bauern) und kaksekors (Arbeitern). Es wird keine Schulen, keine Bücher mehr geben, eure Universitäten werden der Wald und die Reisfelder sein, an eure Diplome werdet ihr durch eure Tränen und den Schweiß auf eurer Stirn kommen." (Affonço, Denise: Der Deich der Witwen, Verlag C.H. Beck München 2009, S. 48) -> Ich hoffe, das ist eine halbwegs korrekte Quellenangabe. Bin da schon ein wenig aus der Übung ;-)

Das neue Regime macht keinen Hehl daraus, dass sie eine Säuberungsaktion planen. Intellektuelle werden hingerichtet, Mönche zwangsverheiratet, Umerziehungs- und Vernichtungslager errichtet. Man schätzt, dass zwischen April 1975 und Januar 1979 ca. 1,4 bis 2,2 Millionen Menschen dem Terror zum Opfer fielen. Mit gnadenloser Grausamkeit ließ man die Menschen langsam verhungern oder an Krankheiten sterben.

Frau Affonço überlebt, indem sie neben den kargen Angkar-Rationen Kröten, Ratten und Mäuse isst, Heuschrecken und Termitenlarven, Wasserwinden und Schilfsprossen.

1979 ermutigt sie der vietnamesische Arzt Dr. Mu, ihre Erlebnisse nieder zu schreiben und als Zeugin im Prozess gegen Pol Pot und seine Menschenschlächter auszusagen. Danach geht sie mit dem 15jährigen Sohn Jean-Jacques, der mit Ihr die Hölle überlebt hat, zu Verwandten nach Frankreich und baut sich dort ein neues Leben auf.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Harte Kost, aber absolut empfehlenswert, 28. April 2013
Von 
Honeybal Lektor (Regensburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist die persönliche Schilderung der Ereignisse während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975-79. Es beschreibt das Schicksal einer zur Zwangsarbeit verschleppten Frau und ihrer Familie in klarer und eindringlicher Weise. Man erhält eine ungefähre Vorstellung von Ereignissen und Taten, die eigentlich für Menschen die in Frieden und Wohlstand leben, nicht vorstellbar sind. Obwohl es sich um die Schilderung eines Einzelschicksals handelt und keine wissenschaftliche Abhandlung über die Funktionsweisen von Diktaturen und Völkermorden erhält man genau dazu einen aufwühlenden Einblick. Die fortlaufende Eskalation und Entwürdigung von Menschen wird anhand der geschilderten Erlebnisse auf drastische Weise aufgezeigt. Allein der Mut, die Ausdauer, der Kampfgeist und die Leidensfähigkeit der Autorin machen das Buch zu einem Zeugnis von menschlicher Größe auch in größter Not und kann als leuchtendes Beispiel für alle Menschen dienen, die mit großen und kleinen Ungerechtigkeiten konfrontiert sind. Alle Menschen die in Freiheit und Wohlstand leben, können bei der Lektüre dieses Buches wieder mehr Demut und Dankbarkeit erlernen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Wahnsinnsbuch, 19. November 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Wir wollen im Februar nach Kambodscha reisen und dafür habe ich mir dieses Buch gekauft, um mich etwas mit der (unrühmlichen)Geschichte des Landes zu beschäftigen.
Ich hätte nicht für möglich gehalten, wie...mir fehlt an dieser Stelle das entsprechende Superlativ...das kambodschanische Volk gelitten hat...!
Dieses Buch hat mich aufgerüttelt und zutiefst erschüttert!
Jedem, der sich mit der Geschichte Kambodschas unter den roten Khmer auseinandersetzen will, kann ich dieses Buch wärmstens ans Herz legen !!!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein solides Werk..., 13. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Das hier dargelegte Schicksal ist in einer Schreibweise niedergelegt, welcher dem Leser einen weiträumigen Einblick in das Grauen der feudalen Schreckensherrschaft der Roten Khmer gewähren. Jedoch vermisse ich in vielerlei Hinsicht detaillierte Berichte, Erlebnisse, Empfinungen, Ängste und Träume. Die Autorin ersparrt sich selber viel und erschwert es dem Leser / Interessenten, Gefühle und Empfindungen zu den jeweiligen Charakteren & Handlungen aufzubauen. Die Kunst, mit den richtigen Wörtern zu jonglieren scheint nicht die Ihre zu sein, sodass ich hier dem vorliegendem Werk leider nur 3 Sterne vergeben kann und auf das literarische Meisterwerk "Durch die Stille der Nacht. Mein Überleben mit der Macht der Musik im Kambodscha der Roten Khmer" verweisen möchte....
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr beeindruckend!, 9. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
Hier wird sehr detailliert und gut nachvollziehbar über das grauenhafte Leben unter den Roten Khmer berichtet, deren Schandtaten leider von den allgemein zugänglichen Medien nur für kurze Zeit, nur am Rande und eher kursorisch thematisiert wurden.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen rote khmer, 12. Juni 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer (Gebundene Ausgabe)
ausführliche Schilderung der persönlich Erlebnisse, fast ein bißchen zu emotionslose Aufzählung, dafür aber umso authentischer, größere Zusammenhänge mit Hintergrundinformation fehlen gänzlich, am Ende frägt man sich, wieviel ein Mensch ertragen kann, vielleicht hilft eine asiatische Religion, um mit soviel Gleichmut und Ergebenheit diese Dinge zu ertragen und noch mehr diese Dinge ohne Aufschrei zu schildern. Die Hauptperson ist auf alle Fälle eine bemerkenswerte Frau, die vor den Vorhang gehörte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer
Der Deich der Witwen: Eine Frau in der Hölle der Roten Khmer von Denise Affonço (Gebundene Ausgabe - 17. Februar 2009)
Gebraucht & neu ab: EUR 4,99
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen