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47 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindrucksvoller Abschluss einer großen Biographie
Der Historiker John G. Röhl hat nun den langerwarteten dritten Band seiner monumentalen Biographie über Wilhelm II. vorgelegt. Sie ist als Gegenanalyse zu dem Werk des verstorbenen Historikers Wolfgang J. Mommsen: War der Kaiser an allem schuld?" angelegt. Dieser Historiker hatte im Jahre 2002 die Innen-, Gesellschafts-, Wirtschafts- und Außenpolitik des...
Veröffentlicht am 2. Oktober 2008 von Bernhard Nowak

versus
24 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen der Abgrund
Es gibt wohl keinen Stein im Leben Kaiser Wilhelms II., den der kenntnisreiche John Röhl nicht umgewandt hätte. Daß er in seiner Beurteilung der historischen Persönlichkeit des letzten deutschen Kaisers äußerst voreingenommen und einseitig ist, ist allgemein bekannt und soll hier nicht weiter behandelt werden. Vielmehr soll das Augenmerk...
Veröffentlicht am 27. November 2008 von Historiker


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47 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindrucksvoller Abschluss einer großen Biographie, 2. Oktober 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Der Weg in den Abgrund 1900 - 1941 (Gebundene Ausgabe)
Der Historiker John G. Röhl hat nun den langerwarteten dritten Band seiner monumentalen Biographie über Wilhelm II. vorgelegt. Sie ist als Gegenanalyse zu dem Werk des verstorbenen Historikers Wolfgang J. Mommsen: War der Kaiser an allem schuld?" angelegt. Dieser Historiker hatte im Jahre 2002 die Innen-, Gesellschafts-, Wirtschafts- und Außenpolitik des deutschen Kaiserreiches in der Epoche Wilhelms II. zusammen getragen. Er fasste hier in Kürze die Erkenntnisse seines monumentalen und grossartigen Geschichtswerkes: "Bürgerstolz und Weltmachtstreben", einer der besten Darstellungen des Kaiserreiches unter Wilhelm II. zwischen 1890 und 1918, zusammen.

Grund der Studie Mommsen war eine Differenz zu John C. G. Röhl, dessen Lebenswerk die Beschäftigung mit Wilhelm II. mit diesem jetzt erschienenen Band abgeschlossen ist. Röhl baut in dieser Biographie auf sein brilliantes Buch: "Kaiser, Hof und Staat": Wilhelm II. und die deutsche Politik" (4., verb. u. erw. Aufl. 195) auf. Während Röhl - und dies wird auch im vorliegenden dritten Abschlussband sehr deutlich - in Wilhelm II. den Hauptverantwortlichen der deutschen Innen- und Außenpolitik zwischen 1890 und 1914 sieht und ihm eine "erhebliche Mitschuld" (so ein Interview zum Anteil Wilhelms am Ausbruch des Ersten Weltkrieges) zuschreibt und in Anlehnung eines Terminus von Norbert Elias vom "Königsmechanismus" spricht, hatte Mommsen in seinem letzten Werk darauf dezidiert darauf hingewiesen, dass der Anteil der preußisch-deutschen konservativen Machteliten am Anteil der deutschen Politik nicht unterschätzt werden dürfe. Dies stimmt sicherlich.

Dennoch hat mich Mommsens Argumentation nicht ganz überzeugt, denn er belegt in dieser Studie treffend den Einfluss, den Wilhelm II. auf die deutsche Politik hatte. Sicherlich ist es richtig, dass das kaiserliche Regiment sich ab 1906 - und insbesondere mit der sogenannten "Daily Telegraph"-Affäre, die erstmals massive Kritik an dem sogenannten "persönlichen Regiment" des Kaisers laut werden ließ - in der Defensive befand.

Dennoch trug der Kaiser - und darin ist eindeutig Röhl recht zu geben - letztendlich die Verantwortung für die deutsche Politik. Dies stand im Gegensatz zu seinem - sicherlich sehr konservativen - Großvater, der sich - insbesondere im hohen Alter - immer mehr auf Bismarck verließ und selber als "leutseelig-populäres Staatsoberhaupt" (so etwa Volker Ullrich) über den Parteien stand (sein Ausspruch: "es ist schwer, unter Bismarck Kaiser zu sein!" ist legendär geworden)mehr und mehr auf repräsentative Aufgaben zurückzog.

Wilhelm II. wollte dagegen Selbstherrscher sein. Diesen Anspruch weist Röhl im vorliegenden Band durch zahlreiche Zitate nach. Er zeigt, dass sein Anteil am Weg in den Weltkrieg wichtig und entscheidend war. Differenzen zum Reichskanzler Bethman-Hollweg in der Juli-Krise 1914 seien rein taktisch bedingt gewesen und dürften nicht überinterpretiert werden.

Meines Erachtens haben beide Historiker recht und der "Historikerstreit" Mommsen/Röhl erscheint mir - gerade nach Vorliegen dieses dritten Bandes - recht akademisch zu sein. Wilhelm II. trug die Hauptverantwortung an der deutschen Politik, sein neo-absolutistisches Staatsverständnis ließ eine Delegation der Verantwortlichkeiten nicht zu. Er war allerdings auch schreckhaft und scheute die Konsequenzen seiner - oft martialischen - Reden; ein Aspekt, der auch - entgegen seiner zentralen These - bei Röhl bei der Beschreibung der Marokko-Krise 1905 und der Juli-Krise 1914 - offenbar wird. Bei Röhl kommt m.E. folgender Aspekt der deutschen Geschichte eindeutig zu kurz: Wilhelm II. wurde falsch beraten. Er war daher nicht "an allem schuld", die Berater und Eliten des Kaiserreiches tragen einen erheblichen Anteil an den Verantwortlichkeiten der Politik des Kaiserrreiches zwischen 1890 und 1918. Darin hat Mommsen recht. Dennoch ist der zentrale Einfluss des Kaisers auf die nach ihm benannte - nämlich wilhelminische Politik - wie es ja auch Mommsen durchaus zeigt - nicht zu übersehen - und hier wiederum ist John G. Röhl zuzustimmen, der diese These auch in seinem neuen Band offensiv verteidigt. Ein kindlicher Minderwertigkeitskomplex und seine körperliche Behinderung sind von zahlreichen Historikern - auch Mommsen und Röhl - für die Charaktereigenschaften Wilhelms II. angeführt worden, der jedoch ein "Kind seiner Zeit" blieb. Er war - im Sinne des "Königsmechanismus" durchaus der Hauptverantwortliche und Initiator der deutschen Politik - auch nach der "Daily Telegraph-Affäre" 1908. Richard Ned Lebow hat nachgewiesen - und Röhl folgt ihm hierin - dass in der Außenpolitik eine eigenständige Meinung der Diplomaten nicht geduldet wurde - sie mußten der Reichsleitung und dem Kaiser "nach dem Mund reden". Röhl zeigt dies auch für den Hof und die Hofgesellschaft Wilhelms II. auf. Er duldete nur Ja-Sager und keinen Widerspruch. Aufgrund der halbkonstitutionellen Verfassung des deutschen Kaiserreiches, vom "weißen Revolutionär" Bismarck geschaffen, gab es letztlich keine Gegengewichte gegen den Kaiser. Zwar bleibt zweifelhaft, ob eine parlamentarische Monarchie nicht ebenfalls ein gigantisches Flottenprogramm gegen England aufgelegt hätte - der Einfluss des "persönlichen Regiments" des Monarchen wäre allerdings in einem solchen Fall begrenzt worden. Und hier gilt, was der deutsche Admiral Albert Hopman im Oktober 1918 schrieb: "Es ist gekommen, wie ich vorausgesehen, nicht nur in den letzten Wochen, sondern lange lange vorher. Was Deutschland in den letzten 3 Jahrzehnten gesündigt hat, muss es büßen. Es war politisch erstarrt durch das blinde Vertrauen, die sklavische Unterordnung unter den Willen eines in Eitelkeit und Selbstüberschätzung strotzenden Narren." Diese zentrale Feststellung Röhls aus seinem Aufsatz: "Kaiser Wilhelm II: Eine Charakterskizze" in seinem Buch: "Kaiser, Hof und Staat" ist völlig korrekt. Natürlich war der Kaiser "nicht an allem schuld." Der Versuch Mommsens ist dennoch nicht zu übersehen, die Verantwortung des Kaisers geringer zu werten, als sie es tatsächlich gewesen ist. Und genau dagegen schreibt Röhl - insbesondere in diesem dritten Teil seiner lesenswerten, wenn auch mit Quellen überfrachteten, Biographie an. Insofern neige ich in dem Streit Röhl zu. Allerdings scheinen mir beide Positionen zu überspitzt zu sein, wie oben angedeutet. Die "Wahrheit" dürfte wohl eher in der Mitte beider Positionen liegen.

Für alle Interessierte der wilhelminischen Epoche ist das Buch - wie auch das Werk von Mommsen - unverzichtbar. Als kürzere Einführung zum Thema für interessierte, denen die drei Bände schlicht zu umfangreich sind, sind Röhls: "Kaiser, Hof und Staat", und das erwähnte Buch von Wolfgang J. Mommsen: "War der Kaiser an allem schuld" und Volker Ullrichs - m.E. bestes - Grundlagenwerk zum Kaiserreich: "Die nervöse Großmacht", heranzuziehen. Wer sich darüber hinaus für das Thema interessiert, dem sei Radkaus "Zeitalter der Nervosität" sowie das von Lothar Gall herausgegebene: "Otto von Bismarck und Wilhelm II." empfohlen. Und natürlich gibt es noch den "Klassiker" zum zum deutschen Kaiserreich von Hans-Ullrich Wehler. Diese sind m.E. nach wie vor die besten Einführungen zum Thema.

Egal wie man zu Röhls These steht - die ersten Rezensionen in der Presse zeigen, dass sie von Historikern und Journalisten überwiegend abgelehnt und Mommsens These zugeneigt wird - so gilt dennoch zu konstatieren: ich bewundere die Forschungs- und Lebensleistung von John G. Röhl, der viele Quellen zu Wilhelm II. selber in mühsamer Forschungsarbeit aufgespürt und zusammengetragen hat, was zum Teil - besonders im Teil vor 1914 - auf Kosten der Lesbarkeit des Bandes geht. Insgesamt dürfte diese Biographie dennoch zum Standardwerk werden. Daher vergebe ich die volle Punktzahl.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anglozentrisch und mikroskopisch verzerrt, 5. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Der Weg in den Abgrund 1900 - 1941 (Gebundene Ausgabe)
Röhl, zutieft von seinem Forschungsobjekt fasziniert, legt hier den dritten Band seiner monomentalen Biographie vor. An Detailreichtum ist sie kaum zu übertreffen.
Dennoch wird sie keineswegs das abschließende Werk über dieses "Fabeltier seiner Zeit" werden, dazu ist Röhls Sicht einmal zu anglozentrisch. Er beurteilt Wilhelm nicht als deutschen Herrscher, der deutsche - und Hohenzollern-dynastische - Interessen vertrat, sondern als einen schurkischen Gefährder der (nach Röhls Meinung völlig legitimen) Vormachtstellung der Britischen Weltreiches.
Zum anderen ist die Betrachtung so eng an Wilhelm aufgehängt, dass gesellschaftliche und politische Entwicklungen, die den leicht zu beeinflussenden und abzulenkenden Wilhelm steuerten, nicht beachtet werden.
Wilhelm wird so in mikroskopischer Vergrößerung zum "Quell allen Übels", während die sozio-politische Entwicklung des Kaiserreiches wenig Aufmerksamkeit findet.
Wer an einer ausgeglicheneren Betrachtung dieses höchst umstrittenen Mannes interessiert ist, dem sei Christopher Clarks Buch empfohlen.
Wer schon immer der Meinung war, daß von Bismarck zu Hitler ein gerader Weg führte, auf dem Wilhelm II. den geistigen Vorturner Hitlers gab, ist mit Röhls Buch bestens bedient.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine beispiellose Hybris, die an antike Herrscher erinnert, hinterließ dem Land ein heilloses Erbe, 16. Dezember 2009
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Der Weg in den Abgrund 1900 - 1941 (Gebundene Ausgabe)
Mit dem nun vorliegenden dritten Band wird ein monumentales Geschichtswerk über den deutschen Kaiser Wilhelm II. vollendet, ein Mensch, ein Herrscher und ein Kriegspolitiker, der durch sein Wirken die Geschichte des 20. Jahrhunderts maßgeblich und negativ mit beeinflussen sollte. Nachdem Röhl 1993 die "Jugend des Kaisers 1859-1888" und 2001 den "Aufbau der persönlichen Monarchie 1888-1900" beschrieben hatte, widmet er sich nun im abschließenden dritten Band seiner biographischen und historiographischen Trilogie dem "Weg in den Abgrund" ,sprich auf die Schlachtfelder der Ersten Weltkriegs, der die Welt als eine völlig andere zurückließ und den blutigen Boden bereitete für weitere Gräueltaten einige Jahre später.

Bei Röhl erscheint der Kaiser Wilhelm II. als ein alles bestimmender Herrscher mit einer durch und durch demokratiefeindlichen, antisemitischen und gar größenwahnsinnigen Haltung. Man spürt seiner Darstellung immer wieder ab, dass er im Gegensatz etwa zu seinem großen wissenschaftlichen Widersacher Wolfgang Mommsen, in der Person, der Politik und der Haltung von Wilhelm II. schon das spätere große Unheil aufscheinen sieht. Während Mommsen in seinen Büchern immer wieder darauf hinweist, dass man den Anteil der preußisch-deutschen und konservativen Machteliten an der deutschen Politik dieser Zeit nicht unterschätzen dürfe, sieht Röhl den Kaiser als einen der Hauptschuldigen an der Katastrophe, in die Deutschland unter seiner Amtzeit geriet.

Wilhelms Judenhass, den er auch und gerade in seinem Exil pflegt, die Art und Weise, wie er von Holland aus die ersten Erfolge von Hitler regelrecht bejubelt, sind Belege dafür. Seine beispiellose Hybris, die an manche antike Herrscher erinnert und bar jeder demokratischen Gesinnung war, hinterließ dem Land ein heilloses Erbe.

Röhls Bücher über Wilhelm II. sind Mammutwerke, gespeist von intensivem Quellenstudium und mutiger Auseinandersetzung mit anderen wissenschaftlichen Positionen. Dennoch ist es nicht nur ein exklusiv für Historiker geschriebenes Werk, sondern alle an Geschichte, speziell an deutscher Geschichte interessierten Menschen, alle , die verstehen wollen, wie es zum Ersten und zum Zweiten Weltkrieg kam und die die Rolle der deutschen Politik dabei besser einschätzen und bewerten wollen, werden in diesem, durchaus für Laien gut lesbar und spannend geschriebenen Buch fündig werden.

Nach der Beschäftigung mit der Materie bleibt dem Rezensent der positive Eindruck, wie sehr doch bei all dem erwähnten heillosen Erbe, das mit Wilhelm II. und seiner Politik seinen Anfang nahm, unser Land sich doch in den letzten Jahrzehnten zu einer stabilen und überall auf der Welt geachteten Demokratie entwickelt hat.
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24 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen der Abgrund, 27. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Der Weg in den Abgrund 1900 - 1941 (Gebundene Ausgabe)
Es gibt wohl keinen Stein im Leben Kaiser Wilhelms II., den der kenntnisreiche John Röhl nicht umgewandt hätte. Daß er in seiner Beurteilung der historischen Persönlichkeit des letzten deutschen Kaisers äußerst voreingenommen und einseitig ist, ist allgemein bekannt und soll hier nicht weiter behandelt werden. Vielmehr soll das Augenmerk auf einige Stränge in den umfangreichen Publikationen Röhls zu Wilhelm II. gerichtet werden. Der immer wieder auftauchende Hinweis auf eine mögliche Geisteskrankheit Wilhelms II., zu deren Beweis eine Ohrenerkrankung herangezogen wird, ist einfach mehr als fragwürdig. Weiter berührt schon unangenehm wenn immer wieder mit schlüpfrigen Andeutungen suggeriert wird, die Umgebung Wilhelms II. sei weitgehend homosexuell gewesen und Röhl daraus den Schluß zieht, daß daher der verderbliche Einfluß dieser Entourage auf die Politik rühre. Ferner legt Röhl immer wieder den Schluß nahe, auch Wilhelm II. sei homosexuell gewesen, hätte es nur nicht gewußt - Röhl führt zum Beweis seine weiche Haut, sein weiches Haar und den Hang zu stetem ''Verkleiden" (Uniformwechsel) an. Gleichzeitig weiß aber Herr Röhl, daß Wilhelm II. mit Wiener Edelcourtisanen Gruppensex trieb (man fragt sich, woher er das weiß, bleibt er doch die Nennung der entsprechenden eindeutigen Quelle schuldig).
Spätestens hier zeigt sich Herr Röhl als ein gesetzter homophober Herr, der im Vorgestern stecken blieb und gelegentlich von sexuellen Phantasien alter Männer (Gruppensex mit Prostituierten) getrieben wird und seine Vorurteile pflegt. Erkennt man Homosexuelle wirklich an weicher Haut und ebensolchen Haaren? Ist jeder Mann, der sich gerne kostümiert homosexuell? Ist der politische Einfluß einer bestimmten Clique deshalb so verderblich, weil die Mitglieder dieser Gruppe homosexuell sind? Röhl nimmt es zumindest in kauf, daß bei dem Leser die Meinung entsteht, "die Homosexuellen - und nicht zuletzt ein unbewußt homosexueller Kaiser - sind an allem schuld'; wären es heterosexuelle Männer gewesen, wäre es anders gekommen'. Kühn ist auch die Behauptung eine homosexuelle Clique von Generalen und Politikern habe Europa in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges geführt. Über das homophobe Gehabe Röhls und seine Unterstellungen in bezug auf sexuelle Betätigung kann man milde lächeln, aber hier muß die ernste Kritik ansetzen. Röhl zeigt sich hier befangen in den historischen Ansetzen seiner frühesten Jugend, denn von einer Alleinschuld Deutschlands am ersten Weltkrieg kann heute niemand mehr ernstlich sprechen. Und auch in einem zentralen Punkt seiner Werke zeigt sich Röhl einer überholten historischen Darstellung verhaftet: "Männer machen Geschichte", so lautet seine These, wenn er allein Wilhelm II. alle Macht des Handelns zuschreibt. Diese Betrachtungsweise ist die des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Röhl läßt völlig außer acht, daß es stets komplexere Zusammenhänge sind und es längst andere Eliten waren, die in Wirtschaft, Gesellschaft und auch in der Politik das Geschehen zumindest mitprägten.
Es kann nicht darum gehen, die schillernde, widersprüchliche Person Wilhelms II. im Stil einer Hofberichterstattung zu verherrlichen, doch mit seiner durchweg tendenziösen Darstellung fordert Röhl kritiklose Apologeten geradezu heraus. Einer ernsthaften Beurteilung des letzten deutschen Kaisers erweist Röhl so keinen Dienst.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Personalisierung von Geschichte, 4. April 2010
Von 
Tilo "Weltenbummler" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Der Weg in den Abgrund 1900 - 1941 (Gebundene Ausgabe)
Auch in dieser Biographie erscheint Wilhelm als die Persoenlichkeit, als die ihn die geschichtsinteressierte Oeffentlichkeit schon kennt: eitel, launisch, arrogant und hochfahrend, aber auch von heimlichen Selbstzweifeln zerfressen und koerperlich und seelisch gezeichnet. Es ist irgendwie naheliegend und spannend sich vorzustellen, so ein Mensch mit all seinen Macken haette einen ganzen Weltkrieg ausgeloest, und man ist geneigt den Ausfuehrungen des Autors zu folgen, der ja genau das beweisen will. Die Personalisierung von Geschichte erfreute sich immer grosser Beliebtheit, in der serioesen Geschichtswissenschaft genauso wie in den Heldenepen Homers oder in juengerer Zeit in Hollywoodfilmen ueber Geschichtspersoenlichkeiten wie El Cid oder Alexander, der ja auch nicht alleine das Perserreich erobert hat. Geschichte wird nachvollziehbarer, wenn man sie auf die Taten und Gedanken einzelner (meist tragischer) Helden reduziert, und sie erhaelt dadurch einen unbestreitbaren Unterhaltungswert.

In Wahrheit duerfte die Ursache des 1. Weltkriegs in der hochkomplizierten Vorkriegsgeschichte liegen, ueber die in Roehls Buch auch einiges steht. Der Leser erfaehrt von einem hochempfindlichen System wechselseitiger Buendnisse, in dem jeder sich selbst der naechste war, und in dem die einen versuchten ihren Besitzstand (Kolonien) zu wahren, waehrend die anderen ihn erst zu erringen suchten. Dieses System wurde erschuettert von immer wiederkehrenden Krisen, die noch angeheizt wurden vom irrationalen Prestigedenken der Herrschenden, und am Ende musste das Kartenhaus zusammenbrechen, und es musste zur Katastrophe kommen, so der Eindruck, der sich mir bei dieser Lektuere aufdraengte.

Der 1. Weltkrieg war sicherlich nicht der Krieg Wilhelms.

Was mich bei der Lektuere besonders erschuetterte ist, wie die Herrscherhaeuser, die ja immerhin miteinander verwandt und verschwaegert waren, ihre Untertanen, die in ihren Augen sicherlich nicht mehr waren, wie die Neger in den Kolonien Afrikas, millionenfach und sinnlos auf den Schlachtfeldern Europas verbluten liessen.

Der Autor ist ein exzellenter Kenner der Vita Wilhelms, und er scheint bei seinen Nachforschungen wirklich jeden Stein umgedreht zu haben. Aus den vielen Quellen die er auswertete und zitiert sprechen Geist und Atmosphare jener Zeit.
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8 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dem Deutschtum auf der Spur, 24. November 2008
Von 
Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wilhelm II.: Der Weg in den Abgrund 1900 - 1941 (Gebundene Ausgabe)
Vorweg ist zu sagen, dass John C.G. Röhl aus der Sicht eines angelsächsischen Gelehrten spricht, um zu verstehen, was seine Botschaft ist. Er war Professor für Neuere europäische Geschichte an der Universität Sussex
Das mag sich anhören, als sei es zuvörderst Kritik, was mich als Leser einnimmt, ist es jedoch vordergründig nicht, eigentlich aber doch, wenn ich ehrlich bin, aber mehr auch wieder nicht.
Damit ist schon viel gesagt, denn dieses Werk mit über mehr als 1300 Seiten mit Anhang führt doch ein Eigenleben.

Wilhelm II. auf der Höhe seiner Macht, Bismarck hat er schon lange fortgeschickt, er selbst ist noch relativ rüstig, ein echter Hohenzoller mit genügend Verve, voller Übermut, Stolz, etwas gespielter Frömmigkeit, Mutterwitz und dem Bedürfnis nach Menschenähe, wie mir scheint (auch John C.G. Röhl spricht mal davon). Aber: Wilhelm II., durch eine schwere Geburt nachhaltig geschädigt (gerade heutzutage interessant zu wissen, da viel und oft über Frühkindliches dieser Art berichtet wird!), wahrscheinlich dann später etwas verzogen und behütet als Kronenkel bzw. Kronprinz, aber aufgewachsen in nicht nur preussischer sondern auch englischer Tradition, angeblicher Lieblingsenkel der großen Königin Victoria, das alles muß man bedenken, wenn man ihn beurteilt.
Dann aber die in noch jugendlichen Jahren aufgebürdete Kaiserwürde (besser Kaiserbürde!), die schon seinem Großvater nicht ganz geheuer schien. Als ganz Junger fühlbar und erstaunt-stolz die Siegesfeiern des gewonnenen Krieges gegen Frankreich (1870-71) miterlebt, ist es nicht verwunderlich, dass dieser junge Monarch irgendwie Grenzen sprengen musste. Natürlich hatte er als preussisches Erbgut sozusagen neben dem Siegeswillen auch die Machterweiterung im Sinn, wie wir sehen können. Seine Vorfahren waren eben nicht zimperlich, wenn es darum ging, Kriege zu führen und "Land zu nehmen" (!).

Dass aber ein Echo aus der Umgebung ihn immer wieder in seiner Art bestätigte und die Umgebung und er sich eine Decke des Wohlwollens sozusagen umlegten, keine andere Meinung als die genehme angesagt war, das ist doch typisch. Typisch für deutsches Verhalten? Für ein preussisches sowieso, sage ich mal, obwohl man gerne von sog. preussischen Tugenden spricht und diese oftmals heute vermisst.

Schon Heinrich Heine warnte doch (oder so ähnlich) vor dem "verschluckten Stab", den jeder Deutsche, sei es durch Schule oder Militärzeit in sich trage und man sähe es und merke es auch ("Deutschland, ein Wintermärchen") und das war hauptscählich gegen Preussisches gerichtet.
Doch nun zum vorliegenden Buch.

Alles gut recherchiert und durch Beispiele erläutert. Immer wieder aber der Hinweis auf das Versagen des Herrschers direkt, nicht so deutlich auf das, was ich eben als Echo, also die Umgebung bezeichnete. In dieser Sache gebe ich meinem Kritikerkollegen vor mir recht. Ein Mensch alleine kann eigentlich nicht soviel Unheil anrichten (gilt wahrscheinlich auch für den etwas später eintretenden noch komischeren Fall in Deutschland, gilt auch, nebenbei bemerkt heute!). Es ist ja erschreckend, wie eine Art zu regieren, die man eben noch den Deutschen auf den Leib schrieb, sich transatlantisch wiederholt bzw. fortzusetzen scheint. Und dass sich der Kaiser sozusagen von "Gottes Gnaden" berufen fühlte, das ist immerhin ein Indiz und gibt zu denken, ähnlich dem Ausdruck vom "Reich des BÖsen" (natürlich immer beim Feind).

Doch jetzt weiter im vorliegenden Buch. Es wird alles aufgelistet, so etwa ab 1900, also die verschiedenen Krisen und Stationen der damaligen Politik, Marokkokrise I und II, Balkankrise mit Hinblick auf Österreich und den Serbienkonflikt oder im Hinblick auf die Türkei oder Russland. Ja, der Griff zur Weltpolitik und Weltherrschaft mittels Kolonien oder Engagements weltweit (China!) und die Flottenpolitik natürlich, das wird (auch wieder unterstützt durch Berater!) mal mehr oder weniger gut gelöst, oftmals erschreckend banal. Und immer wieder das Eingehen auf die Beziehung zu England und die ungeheuere Bedeutung dieses Umstandes. Dann der Schreibstil seiner Majestät, ein Kapitel für sich!
Und vor allem zum Schluss gegen Ende seiner Existens hin die Ausfälle gegen die Juden. Gut, alles nicht so, wie etwas später absolut und brutal, aber immerhin fast nicht mehr im Rahmen der gängigen Meinungen. Seine Meinung war doch wohl die, wer schuldig war am verlorenen Krieg und eben die Finanzierung zum Ende unterlief, er wisse schon, wer das war.
Dann die Andienung an das sog. dritte Reich und der Verlust eines gänzlich guten historischen Andenkens gerade im Alter.
Obwohl, man bekommt Mitleid fast, wenn man das Titelbild anschaut. Er war einer von uns und das ist tragisch.
Ja, das vorliegende Buch, der dritte Band ist aufschlussreich und lässt doch viele Fragen offen. Wie haben ihn die Feinde gesehen, wie das Ausland? Im Buch "Die vielen Gesichter des Kaisers", herausgegeben von Jost Rebentisch ist sogar einmal vom Teufel die Rede (Seite 2007) und die Karitaturen in deutschen und britischen Blättern sind voll von der Seite, die einem Monarchen nicht gut anstehen.
Dagegen hätte er etwas unternehmen müssen und nicht hauptsächlich dem Hurragefühl Ausdruck geben dürfen.
Aber wer ist zumal als Preusse, davor gefeit? Hoffentlich wir alle in Zukunft.
Übrigens, die kleineren, aber großartigen Broschüren "Wilhelm II." von Friedrich Hartau (rororo) und "Unser Kaiser" (dtv) von meinem verehrten Landsmann Christian Graf Krockow eignen sich sehr gut als Einstieg gerade auch für unsere Jugend, die zur Zeit wohl gern die Serie "Die Deutschen" betrachtet und sich nicht wenig wundert. "Der Weg in den Untergang" lautet der Untertitel dieses Buches, der Kaiser hat, so meine ich, sogar viele Wege gesucht und das ist sehr tragisch, da es zur Wiederholung anregte.
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Wilhelm II.: Der Weg in den Abgrund 1900 - 1941
Wilhelm II.: Der Weg in den Abgrund 1900 - 1941 von John C.G. Röhl (Gebundene Ausgabe - 9. Januar 2009)
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