Fashion Sale Fußball Fan-Artikel calendarGirl Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More sommer2016 Hier klicken fissler Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16

Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen3
5,0 von 5 Sternen
5 Sterne
3
4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:24,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 4. Mai 2009
Volker Reinhardt legt ein umfassendes wissenschaftliches Werk vor. Eben! Genau deshalb wird in diesem Buch auch deutlich, dass Calvin keineswegs so einfach in moralische Schubladen von heute von einzuordnen ist. Gewiss: Viele Züge an seiner Person und seiner Theologie mögen für Heutige unverständlich, befremdlich, inakzeptabel sein. Nur: ein Diktator war er nicht. Konnte er auch gar nicht sein, weil er es mit einer stolzen und selbstbewusssten Stadt zu tun hatte, die ihm das Bürgerrecht erst verlieh, als er bereits zwanzig Jahre lang in dieser Stadt tätig war. Calvins so genannte Macht bestand in nicht mehr als der Durchschlagskraft seiner Argumente. Reinhardt beschreibt den Prozess der Reformation in Genf als ein mühsames Ringen, in dem Calvin sich oft genug auch dem Magistrat oder der Bevölkerung gegenüber eben nicht durchsetzen konnte. Die "Tyrannei" in Genf, soweit sie überhaupt bestand, war letztlich eine selbsgewählte und mehrheitlich akzeptierte. Und sie war für etliche Leute immerhin so attraktiv, dass die Bevölkerung der Stadt sich während Calvins Wirksamkeit mehr als verdoppelte. Reinhardt legt ein Werk vor, wie man es sich von einem Historiker wünscht: Sachlich, fair und ausgewogen; das letztendliche Urteil über Calvins "Experiment" wird dem Leser überlassen.
0Kommentar|25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Am 10. Juli 2009 jährt sich zum 500sten Mal der Geburtstag des Reformators Johannes Calvin. Und allein wie das Buch von Volker Reinhardt aufgenommen wird, zeigt die Schwierigkeit, dem Leben, Werk und der Person des Genfer Reformators gerecht zu werden. Auch wenn Volker Reinhardt wissenschaftlich an die Aufgabe herangeht, können seine Deutungen selbstverständlich nicht den Anspruch auf Wahrheit erheben. Doch der Autor kann aufgrund neuer Quellen zumindest allzu einseitige Calvin-Bilder korrigieren. Das ist auch deshalb notwendig, weil in vielen Köpfen nur das hängenblieb, was Stefan Zweig 1936 in seinem spannenden und aufrüttelnden Buch "Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt beschrieb". Also das Bild eines skrupellosen Tyrannen, der vor keiner Grausamkeit zurückschreckte und ohne Seele war. Aber der großartige Romancier Zweig verfasst seine Schrift auch als politisches Pamphlet gegen die aufkommende Hitler-Diktatur. Zudem musste sich Zweig bei seinen historischen Recherchen auf ein relativ dürftiges Quellematerial beschränken. Heute lassen sich viele von Zweigs Einschätzungen Calvins unter einer historisch-kritischen Betrachtungsweise nicht mehr aufrechterhalten. Obwohl die historische Einbettung auf keinen Fall als moralische Rechtfertigung vieler Taten Calvins gesehen werden darf, sollten geschichtliche, soziale und religiöse Fakten der damaligen Zeit bei der Lektüre von Zweigs Roman berücksichtigt werden. Vor allem wenn dieses Werk im Deutschunterricht mit Jugendlichen gelesen wird. Einige Passagen aus Volker Reinhardts Buch und Rückblicke auf die Geschehnisse vor der Machtergreifung Hitlers könnten dazu dienen, Zweigs Calvin-Bild zu relativieren und gleichzeitig zu rechtfertigen.

Was schon frühere Quellen belegten, tritt bei Volker Reinhardt noch mehr in den Vordergrund: Calvin hat die Stadt Genf nicht in einem tyrannischen Handstreich erobert und moralisch umgekrempelt. Vielmehr betrat er am südlichsten Zipfel der Westschweiz einen Boden, auf dem ein sonst unfruchtbarer Samen gedeihen konnte. Geschickt instrumentalisierte er religiöse und politische Gruppierungen für seine Zwecke und theologischen Ziele. Und wie es für viele Reformatoren typisch war, ließ er sich durch Rückschläge und Niederlage nicht entmutigen. Ohne dies als Rechtfertigung für Unrecht zu benutzen, zeigt Reinhardt dem Leser auf, welche persönlichen Erlebnisse und Verletzungen den erwachsenen Calvin in seinem Verhalten wohl beeinflusst haben. Und klar zum Ausdruck kommt auch, wie anders das allgemeinen Rechtsempfinden, das Verhältnis zu körperlicher Bestrafung und zur Macht vor 500 Jahren waren. Kein Wunder, dass sich viele Menschen eher darum bemühten, auf der richtigen Seite zu stehen als eine der beiden Seiten verändern zu wollen. Wer als 22-Jähriger erleben muss, wie seinem Vater die Totenmesse verweigert wird, gibt solche Machtdemonstrationen oft weiter. Wer unter abenteuerlichen Umständen seinen Verfolgern entfliehen muss, um nicht als Ketzer bestraft zu werden, wird kaum Werte verinnerlichen, die ihn zum sanften Menschen machen. Und wer erlebte, wie die katholische Kirche mit seinen Freunden umging, wird nur durch glückliche Fügungen von gleichen Verhaltensmustern lassen. Auf solche biographischen Fakten macht Volker Reinhardt seine Leser aufmerksam, wobei er sich so sehr um eine objektive Berichterstattung bemüht, dass sein Text in einem sehr nüchternen Gewand daherkommt und mit Biographien reißerischer Art überhaupt nichts zu tun hat.

Der Leser fragt sich oft, wie die Geschichte Europas wohl verlaufen wäre, wenn dies oder jenes anders gewesen wäre. Was, wenn Johannes Calvin vom reformatorischen Prediger Guillaume Farel nicht in Genf festgehalten worden wäre? Was, wenn er nicht vertrieben und wieder zurückgeholt worden wäre? Was, wenn Genf damals politisch und religiös nicht so zerstritten gewesen wäre? Der Leser fragt sich aber auch, welche Voraussetzungen in einer Gesellschaft erfüllt sein müssen, damit diktatorische Ideen und Verhaltensweisen so viel Zuspruch finden, dass sie sich ausbreiten und letztlich mehrheitsfähig werden. Hier schließt sich der Kreis zu Stefan Zweigs Versuch aus dem Jahre 1936, auf so wichtige Fragen tragende Antworten zu geben.

Mein Fazit: Unter den vielen Publikationen zum Calvin-Jahr halte ich die von Volker Reinhardt für so ausgewogen, dass ich sie allen empfehlen kann, die sich mit dem historischen Calvin auseinandersetzen wollen. Der Autor geht wissenschaftlich ans Werk, verarbeitet unzählige Quellen und gibt den Stand der gegenwärtigen Calvin-Forschung gut wieder. Die persönliche Einschätzung dieses umstrittenen Reformators überlässt er zum Glück seinen Lesern.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Mai 2009
Volker Reinhardt legt ein umfassendes wissenschaftliches Werk über Johannes Calvin vor.

Sicherlich enthält das Buch auch ausgedehnte Abschnitte, die sich in erster Linie an das Fachpublikum wenden.
Eine hierüber hinausgreifende Aktualität erlangt es mit der Darstellung von Calvins religiösem Fanatismus und den Folgen für seine Umwelt.
Calvin hat in Genf einen intoleranten Gottesstaat errichtet, in dem Abweichler und Andersgläubige in einer Art denunziert, verfolgt und bestraft wurden, die sich am ehesten mit der religiösen Diktatur der Taliban vergleichen lässt.
U.a. konnte schon eine kritische Bemerkung zu einer Predigt von Calvin zur Hinrichtung führen.
Das öffentliche wie auch das private Leben wurden strengstens reglementiert (verboten waren u.a. Fluchen, Kartenspielen, die Einnahme üppiger Mahlzeiten, das Tanzen auf Hochzeiten, die Auswahl angeblich katholischer Vornamen für die eigenen Kinder). Auf Gotteslästerung, Homosexualität, Ehebruch und Kritik an den eigenen Eltern stand die Todesstrafe, die mehrfach vollzogen wurde, in Einzelfällen sogar an Kindern.
Und (natürlich) wurden in Genf auf Calvins Geheiß hin auch Hexen verbrannt.

Ein näherer Blick auf die großen Reformatoren zeigt eben immer mit z.T. bestürzender Klarheit, dass diese zwar historisch bedeutende Figuren waren, uns heute jedoch als Persönlichkeit in keinster Weise als Vorbild, sondern im Gegenteil allenfalls zur Abschreckung dienen können.
Ihr Fanatismus und ihre religiös begründete Intoleranz weisen in Richtungen, aus denen auch heute noch Freiheit und Demokratie bekämpft werden.

Unverständlich, dass die Bundespost diesem Mann in diesem Jahr mit einer Briefmarke zu ehren gedenkt.
33 Kommentare|24 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden