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5.0 von 5 Sternen Ein Genuss für historisch Interessierte!, 22. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Des Kaisers alte Kleider: Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches (Gebundene Ausgabe)
Barbara Stollberg-Rilinger, Professorin für Neuere Geschichte in Münster, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Symbole einer neuen Betrachtungsweise zu unterziehen. Sie erzählt eine Verfassungsgeschichte des Römischen Reichs in der Frühen Neuzeit anhand seiner Symbolsprache. Vier Eckdaten hat sie sich herausgesucht, an denen die Symbolik des Kaisertums, seine Herleitung aus der cäsarischen Antike und sein Anspruch, das letzte und endgültige Weltreich der Christenheit zu sein, deutlich werden: das Reichskonkordat in Worms 1495, der Reichstag in Augsburg 1530, die Krönungsfeiern in Regensburg 1653/1654 und die Jahr 1764/65, als das Kaisertum längst zu einem Anhängsel habsburgischer Machtentfaltung geworden war.
Diese vier für das Reich sehr wichtigen Jahre stellt Stollberg-Rilinger anhand der Umzüge und Symboläußerungen dar, zeigt die jeweiligen Vorbedingungen und die Taktiken der kaiserlichen Partei, die sich über die Wirkung der Machtsymbolik, über die Magie des Kaisertums und seiner Geschichte sehr wohl im Klaren war. Das gespannte Verhältnis zwischen Kirche und Thron, zwischen Kaiser und Kurfürsten wird dabei immer wieder in Unterwerfungsgesten, Rangfolgen und symbolischen Handlungen deutlich, und nicht selten entschied die Frage, wer neben dem Pferd des Kaisers laufen durfte, über ganze politische Neuausrichtungen, Kriege und Gesetze.

Die faszinierende Ausführung dieser Gedanken, der originelle Aufbau und der kluge und sehr lesbare Stil der Autorin machen das Buch zu einem Genuss für historisch Interessierte. Man erfährt eine Unmenge an Details über das Reich in der Frühen Neuzeit, die in anderen Darstellungen oft unter den Tisch fallen, und kann sich sehr viel besser in die damalige Zeit hineindenken. Die anschauliche Darstellung mag ein Hinweis darauf sein, warum Stollberg-Rilinger 2005 mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet wurde - lebendige, fassbare Geschichte, wie man sie selten zwischen zwei Buchdeckeln findet. Eine klare Empfehlung!
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein faszinierender Blick auf das Alte Reich, 18. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Des Kaisers alte Kleider: Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches (Gebundene Ausgabe)
Das Alte Reich, das 1806 untergegangene "Heilige Römische Reich Deutscher Nation", ist bis heute faszinierend. Erscheint es uns einerseits mit seinen Institutionen und Strukturen äußerst fremd, so hat es andererseits doch Aus- und Nachwirkungen bis in die Gegenwart (genannt sei nur der in Deutschland so wichtige ausgeprägte Föderalismus).

Das Buch "Des Kaisers alte Kleider" wirft einen ebenso neuartigen wie produktiven und spannenden Blick auf Verfassung und Verfassungsgeschichte des Alten Reichs, indem es die Verfassung des Alten Reichs unter den Gesichtspunkt seiner Symbole und Rituale schildert. In der vormodernen Gesellschaft mit ihrer "Präsenzkultur" wurden, so die die zentrale These der Autorin, Identität und Zusammenhalt des Reichs durch eine bestimmte Symbolsprache dargestellt und zugleich hergestellt. Das Buch zeigt im Einzelnen, wie es zu Beginn der Neuzeit im späten 15. Jahrhundert noch möglich war, das Reich durch Symbole und Rituale zugleich darzustellen und herzustellen. Nach einem langsamen Wandlungsprozess funktionierte im 18. Jahrhundert zwar noch die Darstellung des Reichs (etwa durch "des Kaisers alte Kleider", den angeblich von Karl dem Großen stammenden Krönungsmantel des Kaisers). Die Herstellung des Reichs durch Rituale funktionierte im Zeitalter der Aufklärung aber nicht mehr, weil an die alten Rituale keiner mehr glaubte. Die Auflösung des Reichs im Jahr 1806, ganz ohne Rituale, steht konsequent am Ende dieser Entwicklung.

Die Autorin beschreibt detailliert vier wichtige Wendepunkte in der Geschichte des Alten Reichs: Den Reichstag zu Worms 1495, auf welchem der Ewige Landfriede verkündet wurde, den Reichstag zu Augsburg 1530, bei welchem durch die Übergabe des protestantischen "Augsburgischen Bekenntnisses" die religiöse Spaltung des Reichs manifest wurde, den Reichstag zu Regensburg 1653-54, bei welchem die Regelungen des Westfälischen Friedens umgesetzt werden sollten und welcher der letzte Reichstag in hergebrachter Form überhaupt blieb, und die Ereignisse von 1764-65 in Frankfurt, Regensburg und Wien um die Wahl von Joseph II. zum Römischen König (also dem künftigen Nachfolger des Kaisers). Mit einer Fülle von Beispielen zeigt das Buch die symbolische Bedeutung der Handlungen der Beteiligten auf: Wenn etwa auf jedem Reichstag aufs Neue ein endloser Streit darum entstand, wer wo auf welcher Bank sitzen durfte, war das kein läppischer Streit auf Kindergarten-Niveau, wie es uns heute vorkommen würde. Vielmehr wurde auf diese Weise die Stellung der einzelnen Reichsstände innerhalb des komplizierten Verfassungsgefüge des Reichs verhandelt. Oft wurden Konflikte - anders als man es heute machen würde - nicht gelöst, sondern durch symbolische Handlungen bewusst in der Schwebe gehalten. Ein markantes Beispiel ist ein Vorkommnis auf dem Reichstag von 1653: Wenn der Kurfürst von der Pfalz und der brandenburgische Gesandte in einer Kirche vor Publikum handgreiflich darum stritten, wer die Krone des Kaisers halten durfte, während dieser zum Gebet niederkniete, ging es nicht um persönliche Eitelkeiten. Vielmehr war die noch offene Funktion des für den Pfälzer Kurfürsten neugeschaffenen Erzamtes des Erzschatzmeisters des Reichs zu klären, welches von dem dem Kurfürsten von Brandenburg zustehenden Erzamtes des Erzkämmerers des Reichs abzugrenzen war.

Das Buch beschreibt auch Wandlungen im Verfassungsgefüge, etwa den Versuch der Kurfürsten, eine königsgleiche Stellung zu erlangen, was bestimmte Folgen für das Auftreten ihrer Gesandten hatte, oder wie sich in Wien am Kaiserhof zunehmend ein vom Reich unabhängiger Verwaltunsapparat etablierte, was verfassungsrechtliche Implikationen mit sich brachte, welche ebenfalls auf symbolischer Ebene ausgetragen wurden. Das, im übrigen stilistisch glänzend geschriebene, Buch besticht mit einer Fülle von Beispielen, die die Verfassungswirklichkeit des Alten Reichs anschaulich machen: So wird etwa eingehend das feierliche Ritual bei Belehnungen, welches im Laufe der Zeit starken Wandlungen unterworfen war, geschildert.

Für jemanden, der sich intensiver mit deutscher Geschiche befasst und sich vor allem für das Alte Reich und seine Verfassungsgeschichte interessiert, ist die Lektüre des Buchs Gewinn und Genuss zugleich. Allerdings ist das Buch nur etwas für Anspruchsvolle und setzt gewisse Vorkenntnise voraus: Wer nicht weiß, was es mit Kurfürsten und der Goldenen Bulle auf sich hat, wer nicht wenigstens eine ungefähre Vorstellung von deutscher Geschichte hat, wer nicht in groben Zügen etwa über den Dreißigjährigen Krieg oder den Siebenjährigen Krieg unterricht ist, wird mit dem Buch wohl nichts anfangen können.

Dass das Buch sparsam, aber durchdacht mit einigen schwarz-weiß Illustrationen versehen ist, sei noch erwähnt.

Das einzige, was mir fehlt, was aber vielleicht nicht Anliegen der Autorin war: Die Autorin sieht für meinen Geschmack alle Verhaltensweisen der Beteiligten zu einseitig als symbolisch aufgeladen und rational. Ob nicht bei manchen dieser Hahnenkämpfe um die Sitzordnung, die angemessene Begrüßung und ähnliches doch auch ganz menschliche, nicht zeitgebundene, Motive eine Rolle spielen, mag man sie nun Eitelkeit, Ehrgeiz, Geltungsbedürfnis oder wie auch immer nennen? Ob es nicht auch in modernen Gesellschaft derartiges symbolisches und zugleich von persönlichen Eitelkeiten angetriebenes "Rangverhalten", etwa bei Politikern, gibt, auch wenn dies heute im Regelfall nicht mehr in Handgreiflichkeiten endet, wäre schon eine Überlegung wert.
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4.0 von 5 Sternen Historisch anregend mit sprachlichen Mängeln, 9. September 2014
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Rezension bezieht sich auf: Des Kaisers alte Kleider: Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches (Gebundene Ausgabe)
Bei einem Geschichtswerk ist – unabhängig von der Gewichtung – nach dem Was und dem Wie zu fragen. Zunächst zum Was. Die Autorin behandelt die „Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches“ nicht in chronologischer Erzählweise, sondern am Beispiel von vier Reichstagen. Dabei bringt sie eine begrüßenswerte Fülle von Erkenntnissen über die Symbole, dabei kommen aber m. E. die geistigen Strömungen der jeweiligen Epoche zu kurz.
Zum Was: Leider ist die Sprache dem historischen Gehalt nicht ebenbürtig. Stilistisch und grammatisch hätte man dem Werk einen Lektor gewünscht. Plurale werden in Füllen verwandt, wie man sie bisher nicht gekannt hat; Modernismen sind häufig zu finden, u.a. nicht wirklich, nachvollziehen, ob etwas so ist oder nicht, miteinbeziehen. Manche Formulierungen sind stilistisch grenzwertig: „Das Normgebäude der Reichsverfassung brach umso leichter zusammen, als schon lange niemand mehr von den Großen sein Handeln daran ausgerichtet und auch nicht mehr erwartet hatte, dass die anderen das taten.“ Der dem Schreiber dieser Zeilen hochmütig weitere Korrespondenz verweigernde Verlag sollte sich überlegen, ob er das Lektorat in der Geschichtswissenschaft in dieser Form beibehalten möchte.
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Des Kaisers alte Kleider: Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches
Des Kaisers alte Kleider: Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches von Barbara Stollberg-Rilinger (Gebundene Ausgabe - 14. November 2013)
EUR 38,00
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